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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2018

Hat mich nicht vollends überzeugt

Blutacker
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Nach seinem spektakulären Erfolg im vorherigen Fall „Angstmörder“, schwebt Anwalt Nicholas Meller nunmehr in höheren Sphären. Er umgibt sich mit kostspieligen Statussymbolen wie einem Aston Martin als ...

Nach seinem spektakulären Erfolg im vorherigen Fall „Angstmörder“, schwebt Anwalt Nicholas Meller nunmehr in höheren Sphären. Er umgibt sich mit kostspieligen Statussymbolen wie einem Aston Martin als Dienstauto und protzt ein wenig mit seinem neuen Status als bekannter Anwalt. Da bleibt es nicht aus, dass er in den Fokus von „reich und mächtig“ gerät. Allerdings unterschätzt er die Durchtriebenheit seiner neuen Mandanten.
Warum wird bei einer Zwangsversteigerung für einen Acker, der in einem Hochwasserschutzgebiet liegt, ein Vielfaches von dessen Verkehrswert bezahlt?

Noch bevor Meller die Zusammenhänge durchschaut, wird er unversehens in einen gigantischen Skandal hineingezogen, in dessen Verlauf mehrere Menschen ermordet werden.



Meine Meinung:

Das Buch ist mein erster Krimi mit Anwalt Meller und ein bisschen fehlt der Vorgänger. Es gibt zwar immer wieder Hinweise, doch manches bleibt hier verborgen.

Der Krimi zeigt deutlich, wie schnell ein vermeintlicher Höhenflug wieder zu einem Abstieg führen kann. Und, dass nicht alle Auftraggeber eine reine Weste haben. Hinter manchem honorigen Geschäftsmann steht eine mafiös anmutende Geschäftsidee. Meller wird hier umworben und, als er den Schmeicheleien nicht erliegt, unverhohlen bedroht.

Der Erfolg ist dem Anwalt ein wenig zu Kopf gestiegen und so läuft es auch in seinem Privatleben nicht so ganz rund. Freundin Nina trennt sich im Laufe der Geschichte von Meller. Diese Beziehungskiste ist mir ein bisschen zu üppig ausgewalzt.
Ermüdend finde ich auch, dass Meller so auf Statussymbole und Geld fixiert ist. Die mehrmalige Erwähnung, wieviel seine Klamotten gekostet haben, zeigt, dass er noch nicht wirklich in der Liga der Erfolgreichen angekommen ist.

Der Autor schreibt Drehbücher für TV-Krimis und das merkt man deutlich. Der Schreibstil ist flüssig. Allerdings verwendet er ein sehr häufiges Stilmittel des Films: den „harten Schnitt“. Ansatz- und übergangslos wird der Leser in eine neue Szene versetzt, ohne genau zu wissen, wie es dazu kommen konnte. Das ist einmal ganz ok, wenn aber dieses Stilmittel zu oft benutzt wird, nützt es sich ab und ermüdet den Leser.

Die Idee zur Story hat mir gut gefallen. Denn ähnliche Fälle gab und gibt es in Wirklichkeit zur Genüge.
Der Showdown am Ende hat mich leider zu sehr an einen der zahlreichen TV-Krimis erinnert. Nicht nur, dass Meller von den Bösewichten wieder einmal ausgetrickst wird, eilt auch Kommissar Zufall dem Anwalt und der Polizei zu Hilfe. Am Ende bleiben ein Haufen Leichen und die schale Gewissheit, dass es sich die Mächtigen wieder einmal richten konnten.

Das offene Ende lässt auf eine Fortsetzung schließen.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich nicht gänzlich überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 15.12.2018

Der 3. Fall für Albin Leclerc und Mops Tyson

Mörderische Provence
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In diesem dritten Krimi für den pensionierten Commissaire Albin Leclerc und seinem Mops Tyson bekommen es die Leser mit den Abgründen der menschlichen Seele zu tun. Da ist zum einen der psychopathische ...

In diesem dritten Krimi für den pensionierten Commissaire Albin Leclerc und seinem Mops Tyson bekommen es die Leser mit den Abgründen der menschlichen Seele zu tun. Da ist zum einen der psychopathische Ehemann von Leclercs Tochter Manon, der Frau und Kind wieder zu sich nach Paris holen will und zum anderen das plötzliche Verschwinden von Isabelle Léfebvre, deren Vater Albin um Hilfe bittet.

Was es heißt, „zur falschen Zeit am falschen Ort“ zu sein, muss Isabelle am eigenen Leib erfahren. Als unliebsame Zeugin wird sie einfach verschleppt und sieht einem grausamen Schicksal entgegen.

Wird Albin rechtzeitig vor Ort sein, um Isabelle zu retten und gleichzeitig seinen prügelnden Schwiegersohn zur Rechenschaft ziehen?

Meine Meinung:

Wie wir es vom Autor gewöhnt sind, erhalten wir einen Einblick in die schöne Landschaft der Provence und dürfen an den kulinarischen Köstlichkeiten teilhaben. Diesmal nimmt Leclerc aus ermittlungstechnischen Gründen sogar an einem Kochkurs teil. Apropos Ermittlungen - gemäß dem Motto „einmal Bulle, immer Bulle“ nimmt Albin diese wieder einmal eigenmächtig auf und nervt damit seinen ehrgeizigen Nachfolger Theroux und dessen Assistentin Catherine Castel gewaltig.

Albin Leclerc ist ein sympathischer, wenn auch ein wenig manipulativer Mensch. Das weiß auch seine Tochter Manon, die jahrelang wenig Kontakt zu ihm gepflegt hat. Jetzt, in der Krisensituation, sie ist ja vor ihrem prügelnden Ehemann davongelaufen, wendet sie sich an ihn.
Herrlich finde ich, wie Albin einen Gefallen nach dem anderen bei seinen Freunden und ehemaligen Kollegen einfordert, um Manon und ihre Tochter Clara rund um die Uhr zu bewachen.
Auch seine Zwiegespräche mit Tyson sind erfrischend.

Einzig, auf die allzu detaillierten Schilderungen der menschlichen Abgründe rund um Isabelle, hätte verzichtet werden können. Das wird Leser, die einen sommerlichen Provence-Krimi erwarten, möglicherweise ein wenig abstoßen.

Der Schreibstil ist fesselnd, denn der Autor baut eine stetig wachsende Spannung auf, die in einem fulminanten Showdown endet. Wie schon in den vorherigen Fällen, müssen Theroux und Castel einsehen, dass der Alte die richtige Mischung aus Intuition und Sachverstand bewiesen hat.

Fazit:

Wieder ein fesselnder Fall für den pensionierten Commissaire Albin Leclerc und seinen Mops Tyson. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.12.2018

Eine Enttäuschung

Freud
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„Nach wie vor faszinieren die Ideen und das Leben Sigmund Freuds viele Leser. Joel Whitebook liefert ein großartiges Porträt dieser Jahrhundertfigur, indem er ihn in all seiner Vielschichtigkeit darstellt. ...

„Nach wie vor faszinieren die Ideen und das Leben Sigmund Freuds viele Leser. Joel Whitebook liefert ein großartiges Porträt dieser Jahrhundertfigur, indem er ihn in all seiner Vielschichtigkeit darstellt. Ihm gelingt ein erhellendes und aufschlussreiches Porträt mit neuen Erkenntnissen.“

Soweit ein Auszug aus dem Klappentext.

In 13 Kapiteln versucht der Autor uns das sozialwissenschaftliche Umfeld und Sigmund Freud näherzubringen. Nicht immer gelingt ihm das. So werden bereits dem jungen Freud Gedanken des (alten) Psychoanalytikers unterlegt, die einem Kind völlig fremd sind. Ja, das Fehlen der Mutter (sie ist depressiv) hat den jungen Freud geprägt. Ja, das Übersiedeln aus dem beschaulichen Freiberg in Mähren in die pulsierende Hauptstadt Wien ist ein einschneidendes Erlebnis.

Wie der amerikanische Psychoanalytiker und Philosoph Joel Whitebook einräumt, gibt es bereits mehrere exzellente Freud-Biografien. Warum also noch eine? Das habe ich mich nach der Lektüre dieses Buchs auch gefragt. Denn meiner Meinung nach ist diese Biografie keine im herkömmlichen Sinn. Ich habe hier die Lebensgeschichte von Sigmund Freud analytisch aufgearbeitet, erwartet. Doch leider begibt sich der Autor auf das Feld der Interpretation um nicht zu sagen, Spekulation und springt zusätzlich noch durch Zeit und Raum.

Der Autor (oder die Übersetzerin) verwendet jede Menge Fremdwörter, für die es eine ausdrucksstarke deutsche Entsprechung gibt. Ein Bespiel gefällig? „Skotomisieren“ – „verdrängen“, wäre hier prägnanter, weil dieses Wort gleich direkt mit Freud in Verbindung gebracht werden kann. Sollen viele Fremdwörter, die man nachschlagen muss, dem Buch einen nachhaltig wissenschaftlichen Anstrich geben?

Gleich auf Seite 35 ist ein peinlicher Fehler zu finden: die, nicht näher definierten, Napoleonischen Reformen sollen von 1896-1808 (richtig 1796-1808) stattgefunden haben. (1796 ist Napoleon mit seiner Armee in Oberitalien.)
Und wenig später (S.85) schreibt der Autor: „Auch wenn Wien Mitte des 19 Jahrhunderts der Moderne zustrebte, setzte die Gesellschaft weiterhin auf Pomp, Gepränge und Spektakel. Nachdrücklich bestärkt wurde sie darin durch Österreichs greisen, aus der Zeit gefallenen Kaiser Franz Josef, der die Leere, Untauglichkeit und Brüchigkeit der Habsburger Dynastie zu kaschieren bestrebt war.“
Wie bitte?? Franz Joseph ist 1830 geboren und ist 1848, also Mitte des 19. Jahrhunderts, mit nur 18 Jahren Kaiser geworden. Vermutlich hat er Kaiser Ferdinand gemeint, der 1848 zu Gunsten von Franz Joseph abgedankt hat.

Entweder ist hier vom Autor schlampig recherchiert worden oder die Übersetzung oder das Lektorat hat nicht aufgepasst. Das dürfte einem so renommierten Verlag wie Klett-Cotta nicht passieren.

Ich habe immer leichte Bedenken, wenn schon eindeutige Jahreszahlen nicht richtig dargestellt werden, ob dann andere Passagen stimmen. Doch dazu müsste ich die Schriften von Sigmund Freud im Original lesen.

Für Leser, die gerne philosophische Texte lesen, mag das Buch richtig sein. Ich bin ziemlich enttäuscht. Wer eine "richtige" Biografie über Freud lesen will, muss vermutlich zu einem anderen Buch greifen, ev. Peter-André Alt "Sigmund Freud. Arzt der Moderne".

Fazit:

Hier habe ich etwas anderes erwartet und kann, auch ob der historischen Ungenauigkeiten nur maximal 2 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 15.12.2018

Eine faszinierende Familiengeschichte

Das verschollene Erbe der Wertheims
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Dieses Buch ist die spannende Familiengeschichte des Autors.

Einer seiner Vorfahren, der junge Joseph Wertheim bricht aus dem engen kurhessischen Städtchen Rotenburg bei Fulda nach Amerika auf, um dort ...

Dieses Buch ist die spannende Familiengeschichte des Autors.

Einer seiner Vorfahren, der junge Joseph Wertheim bricht aus dem engen kurhessischen Städtchen Rotenburg bei Fulda nach Amerika auf, um dort sein Glück zu machen. Joseph Wertheim ist ein begnadeter Mechaniker und findet beim Nähmaschinenhersteller Isaak Merrit Singer eine Anstellung. Der Tod seines Vaters ruft ihn in die Heimat zurück. Joseph schafft es, mit seinen „Wertheim-Nähmaschinen“ die führende Rolle auf dem Markt in Deutschland zu spielen. Die Weimarer Republik, Weltwirtschaftskrise sowie der aufkeimende Nationalsozialismus lassen Joseph nach anderen Absatzmärkten suchen. Man findet sie in Barcelona. Dort wird ein Zweitwerk errichtet. Doch auch Spanien wird von Unruhen geplagt, dennoch trotzt Josephs Sohn Robert, der seinen Namen den spanischen Gepflogenheiten anpasst und sich nun Roberto Vallin de Ballin nennt, den Widersachern.

Während in Deutschland die Vermögenswerte arisiert werden und zum größten Teil bis heute verschwunden sind, kann sich Robert mit seiner Nähmaschine, die hier „Rapidá“ heißt, durchschlagen.


Meine Meinung:

Autor Carlos Guilliard ist ein Nachfahre jenes Roberto de Vallin de Ballin und will nun Licht ins Dunkel seiner Familiengeschichte bringen.

Die Nähmaschinen-Wertheims sollten nicht mit der gleichnamigen Kaufhausdynastie, die aus Stralsund kommen und denen ähnlich übel mitgespielt wurde, verwechselt werden.

Der flüssige und bildhafte Schreibstil lässt die handelnden Personen mit all ihren Ecken und Kanten deutlich vor unserem geistigen Auge auferstehen.

Zwischen den historischen Ereignissen sind immer wieder die aktuellen Recherchen des Autors eingeblendet. Wie häufig bei der Aufarbeitung solcher Familiengeschichten, spielt der Zufall mitunter eine große Rolle.


Seine akribischen Recherchen lassen uns dieses Buch wie einen Krimi erscheinen, dabei ist es vorrangig eine großartige Sozial- und Familiengeschichte, die ihren Ausgang in den Gründerzeiten des 19. Jahrhunderts über das 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart hat. Wieder einmal entdeckt der aufmerksame Leser, dass die ach so korrekte Schweiz in den diversen schmutzig dubiosen Geschäften während der NS-Zeit ihre Finger ganz tief stecken hat. Interessant wäre, wie viele „herrenlose“ Konten es hier noch gibt, bzw. wohin die Vermögen verschwunden sind.

Man kann Carlos Guillard nur wünschen, dass er, nicht zuletzt mithilfe der Leser, den Verbleib des verschollenen Wertheim-Erbes aufklären kann.

Fazit:

Eine faszinierende Familiengeschichte! Gerne gebe ich hier 5 Stern und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Ein vielschichtiger Krimi

Herbststurm
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Im nunmehr dritten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie wirken die Ereignisse der Vergangenheit nach. Der Krieg verloren, der Kaiser abgedankt und das Experiment der Räterepublik Geschichte. Was übrig bleibt, ...

Im nunmehr dritten Band der Kommissär-Reitmeyer-Serie wirken die Ereignisse der Vergangenheit nach. Der Krieg verloren, der Kaiser abgedankt und das Experiment der Räterepublik Geschichte. Was übrig bleibt, sind unterschiedliche Gruppen, die teilweise sehr militant auftreten. Die Saat des aufkeimenden Nationalsozialismus ist aufgegangen und viele Menschen, von denen es weder Reitmeyer noch Caroline, Reitmeyers Freundin, jemals vermutet haben, sind mit den Parolen des „Schreihalses“ einverstanden. So ist bei einem Hauskonzert die Musik von Mendelsohn verpönt.

Kommissär Sebastian Reitmeyer ist mit seinem aktuellen Fall, zwei junge Männer sind mit einer Nagant-Pistole erschossen worden, vollauf beschäftigt. Eine Nagant? Das deutet auf einen russischen Hintergrund hin, ist das ja eine Waffe der russischen Armee.

Doch nicht nur Reitmeyer hat mit Russen zu tun. Auch sein Mitarbeiter, der kluge Rattler trifft auf eine russisch-stämmigen Frau, Larissa. Rattler, aus dem Weltkrieg mit einem Lungenleiden zurückgekehrt, ist ein schmächtiger junger Mann, den die Frauen eher übersehen. Deswegen ist er von Larissa, die sich für ihn interessiert, fasziniert. Erst spät, fast zu spät, bemerkt er, dass er für Larissa nur Mittel zum Zweck ist.

Der dritte im Bunde ist Rechtsanwalt Sepp Leitner, der von einer Exilrussin den Auftrag erhält, deren verschwundene Tochter Anna zu finden. Die Suche nach Anne stellt sich schwieriger heraus als angenommen, denn die Frau ist glitschiger wie ein Aal und nicht zu fassen.

Lange tappen die drei im Dunklen und geraten beinahe zwischen die Fronten rivalisierender politischer Gruppen, die vor roher Gewalt nicht zurückschrecken.

Meine Meinung:

Angelika Felenda schafft es auch in ihrem dritten Krimi, die unheimliche Atmosphäre im München der 1920er darzustellen. Da sind zum einem die wohlhabenden Bürger, die nach wie vor in ihren Villen residieren und Hausmusik pflegen (wenn auch häufig ohne jüdische Komponisten) und zum anderen die desillusionierten Weltkriegsteilnehmer, die für eine politische Wende stehen. Dann führt uns die Autorin noch zu einer dritten Gruppe, die wohl die größte unter Münchens Bewohnern ist: Jene Menschen, die arbeits- und perspektivenlos mehrere prekäre Arbeitsverhältnisse eingehen müssen. Frauen, die aus Not ihren Körper verkaufen müssen und um halbwegs über die Runden zukommen, wie zum Beispiel die Tänzerin Susie.

Der historische Hintergrund ist wieder penibel recherchiert und die Charaktere gut ausgefeilt. Der Leser kann ihnen ihre Gefühle, Gedankengänge und Handlungen getrost abnehmen.
Die Leser werden durch falsche Spuren recht ordentlich in die Irre geführt. Interessant, dass man damals die „linke“ Gefahr höher eingeschätzt hat als jene von „rechts“. Der Leser erhält ein wenig Geschichtsunterricht, der subtil und unterschwellig in die Handlung eingebaut ist.

Die unterschiedlichen Handlungsstränge werden am Ende schlüssig zusammengeführt und die Auflösung ist elegant.

Fazit:

Wieder ein gelungener historischer Krimi aus der Feder von Angelika Felenda, dem ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.