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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2018

Eine klare Leseempfehlung

Eiskalte Spiele
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Der dritte Kriminalfall rund um Skistar Marc Gassmann führt uns zu den Olympischen Spielen nach Pyeongchang, denn Marc will es noch einmal wissen. Abfahrtsgold wäre die Krönung seiner langen Karriere. ...

Der dritte Kriminalfall rund um Skistar Marc Gassmann führt uns zu den Olympischen Spielen nach Pyeongchang, denn Marc will es noch einmal wissen. Abfahrtsgold wäre die Krönung seiner langen Karriere. Doch bevor sich Marc den eisigen Hang hinunterstürzen kann, gilt es für ON/OFF-Freundin Andrea und Alberto Passini eine Reihe von Todesfällen zu untersuchen. Betroffen sind mehrere Trainer aus dem Skizirkus, die angeblich Selbstmord begangen haben. Auffällig ist ein Zettel mit dem Wort „schuldig“, der jeweils neben den Leichen gefunden wird. Bis der gemeinsame Nenner gefunden wird, dauert es eine geraume Zeit. Andrea reist als Bodyguard von Hans, Marcs Trainer, der ebenfalls gefährdet scheint, nach Südkorea mit.

Was haben diese seltsamen Todesfälle mit den Erpresserbriefen zu tun, die mehrere Skistars erhalten? Man droht, Dopingsünder zu enttarnen. Auch Marc erhält so ein Schreiben und gerät in Verdacht, sich unerlaubter Hilfsmittel zu bedienen.

Meine Meinung:

Dem Autoren-Duo ist wieder ein fesselnder Krimi im Umfeld des Spitzensports gelungen. Die Arbeit der Anti-Doping-Behörden und ihrer Labors wird genau beschrieben. Auch die Frustration, dass die Anwender der verbotenen Substanzen der WADA immer einen Schritt voraus sind, ist gut herausgearbeitet.
Die Leser erfahren einiges über staatliches Doping, das häufig in nicht ganz so demokratischen Ländern angeordnet wird. Oftmals erhalten die Athleten ohne ihr Wissen und Einverständnis Dopingmittel verabreicht. Hier merkt man den Insider, der aus dem Nähkästchen plaudert.

Wir haben es mit zwei Erzählsträngen zu tun, wovon einer die Gedanken und Beweggründe des Täters zu erklären versuchen. Der Leser wird mehrmals gekonnt aufs Glatteis geführt. Zwar weisen die Spuren recht bald in eine Richtung, doch im letzten Moment, überrascht das Autoren-Duo mit einer nicht erwarteten, aber gekonnt und plausibel dargestellten Lösung.

Die Charaktere haben sich ein wenig weiterentwickelt. Dies gilt im Besonderen für den Schweizer Kriminalbeamten Albert Passini. Andrea und Marc haben sich noch immer nicht zusammengerauft. Einerseits verstehe ich Andreas Drang nach Unabhängigkeit und andererseits Marcs Suche nach Nähe. Noch ist keiner der beiden bereit, einen Schritt auf den anderen zuzugehen. Aber, so geht dem Autoren-Duo der Stoff für einen vierten Krimi nicht aus.

Hervorheben möchte ich das stimmige Cover, das durch sein winterliches Aussehen perfekt zum Inhalt passt. Der hohe Wiedererkennungswert lässt Fans von Michaela Grünig und Marc Giradelli blind nach diesem Krimi greifen.

Fazit:

Ein sehr gut recherchierter, fesselnder Krimi, der in einem nicht alltäglichen Umfeld angesiedelt ist. Von mir gibt’s hier 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.11.2018

Hoch gebildet und schlecht beleumundet

Katharina von Medici
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Nach ihren Biografien von Goethe, Heinrich VIII. oder der Madame de Staël widmet sich Autorin Sabine Appel einer Herrscherin, die zeitlebens umstritten war: Katharina von Medici.

Katharina von Medici ...

Nach ihren Biografien von Goethe, Heinrich VIII. oder der Madame de Staël widmet sich Autorin Sabine Appel einer Herrscherin, die zeitlebens umstritten war: Katharina von Medici.

Katharina von Medici (1519-1589) wird in eine Zeit des Umbruchs hineingeboren, verliert die Eltern binnen weniger Wochen nach ihrer Geburt. Von ihrer Tante Clarice de Medici mit acht Jahren in ein strenges Kloster abgeschoben, wird das Mädchen zum Spielball der Politik, das unter anderem auch als Geisel genommen wird. Mehrere Heiratskandidaten werden in Augenschein genommen. Letztendlich wird sie, vierzehnjährig, mit dem gleichaltrigen Heinrich von Orleans, dem zweiten Sohn des französischen Königs verheiratet. Dort steht sie im Schatten der 19 Jahre älteren Mätresse Diane de Poitiers. Erst als sie nach zehn Jahren der Kinderlosigkeit den ersehnten Thronfolger zur Welt bringt, ist ihre Stellung halbwegs gesichert. Es werden noch zehn weitere Kinder folgen, von denen nur wenige das Erwachsenenalter erreichen. Nach dem Tod von König und Ehemann im Jahre 1559 wird sie zuerst Regentin ihres Sohnes Franz (Franz II. 1559-1560) und anschließend die von Karl IX. (1560-1574) und schließlich Heinrich III. (1574-1589). Eine beachtliche Leistung, mit der sie endgültig zwischen die Fronten der unterschiedlichen Interessen gerät.

Meine Meinung:

Mit dieser Biografie zeichnet Sabine Appel ein opulentes und farbenprächtiges Bild der italienischen Renaissance. Der Aufbruch in die neue Zeit ist kaum aufzuhalten. Die Veränderungen sind täglich spürbar. Die Thesen Martin Luthers und die Eroberung der Neuen Welt(en) stehen dem alten Aberglauben und Machtansprüchen der Herrschenden gegenüber. Katharina versucht als erste in den religiösen Konflikten zu vermitteln. Ihre Idee vom säkularen Staat wird sich erst viel später in Frankreich durchsetzen. Alle Bemühungen, Politik und Religion zu trennen, werden 1572 in dem als „Bartholomäusnacht“ bekannten Massaker an den Hugenotten zunichte gemacht. Katharinas Kehrtwendung von einer Politik der Toleranz den Protestanten gegenüber zur Unterdrückung derselben ist vor allem dem Pragmatismus geschuldet.

Die gegnerische Propaganda schafft hier das Bild der „schwarzen Königin“, die den Befehl zu diesem Pogrom gegeben hat. Schwarze Kleidung trägt Katharina seit dem Tod ihres Mannes als Zeichen der Trauer.

Sabine Appel gelingt ein detailreiches Porträt einer Frau, die hochgebildet und wegweisend in einer Epoche gelebt hat, in der viele Frauen den Ton angeben wie ihre Zeitgenossinnen Maria Stuart, Elisabeth I. von England, Katharina von Bora (Luthers Frau) und Philippine Welser.

Dieser Detailreichtum ist auch gleichzeitig die Schwäche der Biografie. An vielen Stellen verzettelt sich die Autorin in Nebensächlichkeiten, die die Leser weit weg von Katharina führen. Damit hier kein Missverständnis aufkommt: Die politische Lage in Europa muss natürlich in das Porträt einbezogen werden, um die Entscheidungen Katharinas verstehen zu können. Obwohl ich ein Fan von akribischer Recherche und Faktenwissen bin, ist hier meiner Ansicht nach zu viel davon verarbeitet worden. So mancher Leser wird sich von der Fülle der Informationen überfordert fühlen. Das finde ich sehr schade, denn die Persönlichkeit Katharina von Medici hat sich eine Rehabilitation verdient.

Fazit:

Eine sehr detailreiche Biografie über eine herausragende Frau. Gerne gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2018

Ein humorvoller Ratgeber

Kerls!
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Angelika Hager, ihres Zeichens langjährige Journalistin beim renommierten österreichischen Nachrichtenmagazin „Profil“ befasst sich in ihrem neusten Buch mit dem Dilemma in dem die Männer derzeit stecken. ...

Angelika Hager, ihres Zeichens langjährige Journalistin beim renommierten österreichischen Nachrichtenmagazin „Profil“ befasst sich in ihrem neusten Buch mit dem Dilemma in dem die Männer derzeit stecken.

In gewohnt humorvollen Worten zeigt sie, wie alte, männliche Rollenbilder ins Wanken geraten sind und bei vielen Männern eine Identitätskrise hervorrufen. Allerdings liegt ihr eine Missionierung oder eine Verteufelung der Männer fern. In Gegenteil, immer wieder schwingt Verständnis für deren schwierige Lage durch.

Die aktuelle

MeToo-Kampagne wird ebenso kritisch betrachtet wie so manches Statement von starken Frauen wie Alice Schwarzer oder Catherine Deneuve. Da gefällt mir Hagers

HeyYou als Pendant zu #MeToo sehr gut. In dieser Debatte um sexuelle Übergriffe, die ja nicht nur Frauen betrifft, sondern auch Männer, wie Jonas Kaufmann bestätigt, gibt auch Nicholas Ofzareck das fehlende Zusammengehörigkeitsgefühl im Wiener Burgtheater zu.

Neben diesen medial schon ziemlich ausgeschlachteten Vorkommnissen, beschäftigt sich die Autorin u.a. mit dem Thema Versagensängste der Männer in Beruf und Familie. Hier bringt sie einige Beispiele von Männern, die deswegen straffällig
wurden. Als Journalistin kann sie hier aus dem Vollen schöpfen. Der Ansatz, den betroffenen Männern schon frühzeitig Hilfe angedeihen zu lassen, finde ich ausgezeichnet. Nur dazu müssten sie erst einmal zugeben, dass sie Hilfe brauchen. Da wird es wohl noch einiger Aufklärungsarbeit bedürfen, dass professionelle Hilfe anzunehmen, durchaus männlich ist.

Fazit:

Ein humorvoller Ratgeber, der sowohl von Frauen als auch von Männern gelesen werden sollte.

Veröffentlicht am 27.11.2018

Berührend und beeindruckend

Die jüdische Familie Wallenstein-Benkö
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Im Rahmen des Zyklus „Burgenländische Lebensgeschichten“ hat der kleine, aber feine Verlag LEXlist12 die Biografie der jüdischen Familie Wallenstein-Benkö herausgebracht.
Autor Martin Pieber hat sich intensiv ...

Im Rahmen des Zyklus „Burgenländische Lebensgeschichten“ hat der kleine, aber feine Verlag LEXlist12 die Biografie der jüdischen Familie Wallenstein-Benkö herausgebracht.
Autor Martin Pieber hat sich intensiv mit dem Schicksal jüdischer Familien aus Neusiedl am See beschäftigt, wo bis 1938 rund 30 jüdische Personen leb(t)en.

In drei Abschnitten schildert Martin Pieber die Lebensgeschichten der Familienmitglieder.

1. Von den Anfängen bis März 1938
2. Die Zeit des Nationalsozialismus
3. Von der Befreiung 1945 bis heute

Die Wallenstein-Benkös sind noch unter Kaiser Franz Joseph aus der Ungarischen Reichshälfte nach Neusiedl am See gekommen und führen dort eine Schnittwarenhandlung (=Stoffhandlung). Man ist nicht sehr religiös. Die Familie engagiert sich im Ort und ist beliebt. Das ändert sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten schlagartig. Mitglieder der Familie werden misshandelt. Ihr Geschäft sowie das Wohnhaus und anderer Besitz werden enteignet. Eine unrühmliche Rolle spielt der Obmann der Sparkasse, der den Preis drückt und sich auch persönlich bereichert. Wie die Geier lauern Parteigenossinnen und Genossen, Gegenstände aus dem Besitz der Wallenstein-Benkös zu einem Bruchteil des Wertes zu erwerben. Ein Flügel ist z. B. darunter oder die komplette Ladeneinrichtung.

Die Familie wird 1942 gezwungen nach Ungarn auszureisen. Dann 1944 werden sie nach Auschwitz deportiert. Von der weitverzweigten Familie überleben nur Emmerich Benkö und eine entfernte Cousine. Vier Generationen dieser Familie werden ermordet.

Emmerich kehrt nach 1945 über Umwege nach Neusiedl zurück und beginnt einen zähen Kampf um seinen Besitz. Einige Nutznießer, die sich 1938 schamlos am Eigentum der Wallenstein-Benkös bedient haben, sind wie ehedem in einflussreicher Position. Der Unrechtsgedanke der Kriegsgewinnler ist naturgemäß kaum vorhanden und so muss er mehrere Prozesse zur Herausgabe seines Eigentums führen. Einiges muss er wieder zurückkaufen.
Es ist wohl eine Ironie des Schicksals, dass Emmerich ausgerechnet die Tochter einer Familie geheiratet hat, die dem Regime besonders zugetan war.

Meine Meinung:

Autor Martin Pieber hat in sachlichen, aber eindrucksvollen Worten, die Biografie des Emmerich Benkö und seiner Familie aufgezeichnet.
Es hat hunderte Stunden an Recherchearbeit bedurft, die Geschichte dieser burgenländischen Familie nachzuzeichnen. Neben vielen schriftlichen Quellen aus dem Nachlass von Emmerich Benkö hat Martin Pieber dessen Nachkommen interviewt. Sohn Peter und Tochter Barbara haben naturgemäß unterschiedliche Wahrnehmungen an ihre Eltern. So erzählen Peter und seine israelische Frau Elisheva, dass Emmerich Benkö häufig über seine Erlebnisse im KZ gesprochen hat, während Barbara diesen Eindruck nicht bestätigen kann.
Anlässlich der Recherchearbeit sind weitschichtig Verwandte ausfindig gemacht worden, die völlig überrascht waren, jüdische Vorfahren gehabt zu haben.

Zahlreiche Fotos aus dem Familienbesitz und Abbildungen von Dokumenten ergänzen dieses Buch.

Ich durfte bei der Buchpräsentation in Neusiedl am See dabei sein, bei der die große Anzahl an Teilnehmern die Erwartungen von Autor und Verlag weit übertroffen hat. Einige Bewohner haben das eine oder andere Erinnerungsstück an die Familie Wallenstein-Benkö mitgebracht. Einige sind (vermutlich) aus purer Neugier gekommen und in einigen alteingesessenen Familien wird dieses Buch weiter für Diskussionsstoff sorgen. Denn bei manchem ist die typisch österreichische Haltung „Wir haben das ja nicht gewusst. Und was hätten wir tun sollen?“ nach wie vor vorhanden.

„Ich habe nie verstanden, warum er zurückkam und blieb.“ Vielleicht wollte Emmerich Benkö den Neusiedler Nazis einfach trotzen und ihnen so etwas wie schlechtes Gewissen einpflanzen.

Fazit:

Ein beeindruckendes Buch über eine jüdische Familie, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 27.11.2018

Hat mich nicht überzeugt

Napoleon
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Adam Zamoyski hat nach seinen Werken „1812 – Napoleons Feldzug in Russland“, „1815 – Napoleons Sturz und der Wiener Kongress“ und „Phantome des Terrors“ eine Biografie des Kaisers der Franzosen nachgereicht.

Anders ...

Adam Zamoyski hat nach seinen Werken „1812 – Napoleons Feldzug in Russland“, „1815 – Napoleons Sturz und der Wiener Kongress“ und „Phantome des Terrors“ eine Biografie des Kaisers der Franzosen nachgereicht.

Anders als in anderen Biografien nehmen Napoleons Jugend einen verhältnismäßig großen Raum ein. Der Autor begründet dies so:

„Ich habe Napoleons Lehrjahren im Vergleich zu der Zeit, als er an der Macht war, mehr Raum gewidmet, weil ich der Meinung bin, dass sich in ihnen der Schlüssel zum Verständnis seines außerordentlichen Lebensweges befindet.“ (S. 14f)

In insgesamt 44 Kapiteln versucht der polnisch-amerikanische Sachbuchautor die Person Napoleon Bonaparte auszuleuchten.
Nicht immer ist der Autor hier objektiv. Vor allem, weil Zamoyski vorranging französische Quellen heranzieht, die naturgemäß eher pro-napoleonisch gefärbt sind. Hier wäre ein bisschen mehr Vielfalt angebracht gewesen.

Die militärischen Ereignisse sind Zamoyski jeweils oft nur wenige Seiten wert, was er aber in seiner Einleitung begründet.

So berichtet er über den Russlandfeldzug nur rund 50 Seiten, die, wenn man das Geschwurbel abzieht, maximal 25 Seiten lang sind. Hier keimt leise der Verdacht auf, die Leser sollen Zamoyskis Buch „1812“ lesen.

Mit jedem weiteren Jahr seiner Herrschaft klaffen Napoleons Selbstbild und Fremdwahrnehmung auseinander. Spätestens bei der Hochzeit mit der Habsburgerin Louise wäre ein Umdenken seiner Politik opportun gewesen.
Mit den Jahren wirkt er „beratungsresistent“. Von den meisten alten Monarchien als Parvenu angesehen, fühlt er sich in seiner Position angefeindet und entwickelt eine Paranoia. Selbst langgedienten Weggefährten unterstellt er Verrat. Viele seiner Generäle murren, doch Staatsstreich wagt keiner. Zwar gibt es mehrere Attentatsversuche, die allesamt entweder rechtzeitig aufgedeckt oder misslingen. Allerdings ist auch hier nicht ganz klar, welche davon real waren oder aber der Propaganda Napoleons entsprangen, um den Nimbus des „Unzerstörbaren“ zu schüren.

Was also erfährt der Leser Neues über den Emporkömmling und Usurpator? Je nachdem wie intensiv man sich bereits vorher mit Bonaparte beschäftigt hat, wenig bis nichts.
Dass er ein Blender, ein Menschenfänger und ein Machtmensch war? Dass er es geschickt vermochte, Steuergeld in seine eigenen Taschen umzuleiten? Dass er ein Familienoberhaupt, ähnlich einem Mafiapaten war? Dass seine Geschwister ihm seine Positionen zu verdanken hatten?

Der interessierte Leser hat dies schon länger gewusst. Dazu braucht es diese Biografie nicht unbedingt. Manche Kapitel lesen sich eher wie ein Roman und weniger wie ein Sachbuch.

Unbestritten war sein Organisationstalent, ob er wirklich das militärische Genie war, als das er häufig hingestellt wird, kann und darf in manchen Fällen in Frage gestellt werden. Sein Charisma hat zwar viel dazu beigetragen, dass sich seine Soldaten mit letztem Einsatz in oft hoffnungslosen Situationen begeben haben, die er letztlich selbst verschuldet hat.

Als „Erfinder“ der Propaganda macht er aus jeder Lappalie einen riesigen militärischen Erfolg. Aus der revolutionären Medienvielfalt wird eine von Napoleon gelenkte Einheitspresse. Gedruckt wird nur, was der Kaiser befiehlt.

In den letzten Kapiteln, der Verbannung nach Sankt Helena, erleben wir einen beinahe wehleidigen Bonaparte. Er schreibt neben einer Vielzahl von Beschwerden über seine Behandlung seine Memoiren, die in gewohnter Weise eine sehr eingeschränkte Sichtweise bieten.

Adam Zamoyskis Biografie hätte sich gut und gerne um ein Drittel kürzen lassen. Oftmals wird der Leser mit Geschwurbel und belanglosen Details überfrachtet. So ist es für das Verstehen von Napoleons Charakter völlig unerheblich, ob Joséphine in Malmaison Tiere wie Lamas oder Gazellen in einer Menagerie sammelt oder nicht (S. 370).

Fazit:

Nicht die beste Biografie über Napoleon und schon gar nicht das beste Buch von Adam Zamoyski. Ich kann hier nur mit Anstrengung 3 Sterne vergeben.