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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2018

Fesselnd bis zur letzten Seite

Solothurn spielt mit dem Feuer
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Im dritten Krimi rund um Dominik Dornach bekommt es der Solothurner Kantonspolizist gleich mit mehreren Kriminalfällen zu tun, die ihn und sein Team auf Trab halten. Wie schon in den anderen Krimis ist ...

Im dritten Krimi rund um Dominik Dornach bekommt es der Solothurner Kantonspolizist gleich mit mehreren Kriminalfällen zu tun, die ihn und sein Team auf Trab halten. Wie schon in den anderen Krimis ist die Spannung kaum auszuhalten.

Zum einem wird ein Kinderskelett auf einer Burg gefunden. Sind das die sterblichen Überreste eines von drei Kindern, die dem sogenannten „Bubenfresser“ zugeordnet werden können? Das Blöde ist nur, der Täter ist selbst schon tot und von den beiden anderen Kindern fehlt nach wie vor jede Spur.

Zum anderem, erhält Richter Scheurer eine Briefbombe und wenig später verschwindet sein Sohn spurlos. Besteht hier ein Zusammenhang mit einem jüngst gefällten Urteil? Oder hat man damals den falschen „Bubenfresser“ verhaftet.

Fragen über Fragen, die in gut konstruierten Handlungssträngen, die Leser auf der Suche nach der Lösung mehrmals an der Nase herumführen.

Damit noch nicht genug, scheinen doch militante Islamisten ein Attentat auf das beliebte „Märetfescht“ zu planen.

Dazu kommen noch die persönlichen Schwierigkeiten einzelner Protagonisten. So sieht sich Angela Casagrande unvermittelt mit ihrem Ex gegenüber, der nichts Gutes im Schilde führt. Auch Jana Cranach ist wieder prominent dabei und bringt die Freundschaft zwischen Casagrande und Dornach ordentlich ins Wanken.

Fazit:

Ein vielschichtiger Krimi, in dem diesmal die eine oder andere Figur nicht so ganz sympathisch wirkt. Temporeiche 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Hört die Signale (der inneren Uhr)!

When
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Autor Daniel H. Pink leitet uns in diesem Buch an, unserer inneren Uhr mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Als Produkt langer Evolution reagiert unser Körper auf Licht und Dunkel. Wir erwachen bei morgendlicher ...

Autor Daniel H. Pink leitet uns in diesem Buch an, unserer inneren Uhr mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Als Produkt langer Evolution reagiert unser Körper auf Licht und Dunkel. Wir erwachen bei morgendlicher Helligkeit und, wenn wir zu wenig davon erhalten wie im Winter, bleibt der Spiegel des Schlafhormons Melatonin hoch, und Müdigkeit ist die Folge. Aufgrund der technischen Entwicklungen wie elektrisches Licht ist unser Körper manchmal aus dem Gleichgewicht. Um diese Balance wiederherzustellen, hat der Autor jede Menge Tipps.
Der Ausspruch „jeder tickt anders“ ist hier fast wörtlich zu nehmen. Die innere Uhr jedes Menschen ist ein wenig anders eingestellt. Am Bekanntesten ist die grobe Untergliederung nach „Lerchen“ und „Eulen“. Während die Lerchen (zu denen ich mich auch zähle) schon früh am Morgen topfit sind und die Welt aus ihren Angeln heben könnten, laufen die Eulen erst spät abends zu ihrer Hochform auf. Leider ist es nicht immer möglich darauf Rücksicht zu nehmen. Doch wenn man seine eigenen Präferenzen kennt, lässt sich die eine oder andere Sitzung bestimmt zum „richtigen“ Zeitpunkt ansetzen.

Außerdem geht der Autor auf die unterschiedlichen Schlafbedürfnisse der Menschen ein. Kleine Kinder bis hin zur Volksschule tendieren eher zu den Lerchen. Dann, mit Einsetzen der Pubertät mutieren häufig auch die Frühaufsteher zu Nachteulen und damit zu Langschläfern. Dies führt regelmäßig zu Diskussionen ums Aufstehen und den Schulbeginn. In den USA hat man mit autonomen Beginnzeiten in einzelnen Schulen gute Erfahrung gemacht. Die Unterstufe (also bis 14 Jahre) beginnt zwischen 8:00 und 8:30, die Oberstufe erst eine Stunde später. Das wird auch in Europa diskutiert, doch das würde eine große Änderung in den Fahrplänen der öffentlichen Verkehrsmitteln bedürfen. Daher ist man hier eher ablehnend.

Der Autor bricht eine Lanze für den Mittagsschlaf. Eine halbe genüge, dann können die Menschen wieder gut gelaunt und voller Energie die Herausforderungen des Nachmittags meistern.
Des Weiteren gibt er Tipps, wie man in unserer schnelllebigen Zeit durch wohl kalkulierte Pausen und Entspannungstechniken der eigenen inneren Uhr wieder mehr Gehör schenken kann.

Durch den verständlichen Schreibstil ist das Buch für alle geeignet, die sich und ihrem Körper Gutes tun wollen. Pinks Empfehlungen sind praxistauglich und ferne jeder „Guru“-Mentalität. Mit vielen Beispielen erklärt er, wie die unterschiedlichen inneren Uhren ticken. Wer auf sie und sich hört, kann einer entspannten Zukunft entgegen gehen.

Fazit:

Ein gut strukturiertes Buch über ein spannendes Thema, das ich gerne empfehle. 5 Sterne

Veröffentlicht am 11.06.2018

Ein gelungenes Buch

Gebrauchsanweisung fürs Gärtnern
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Die passionierte Gärtnerin und Gartengestalterin Gabriella Pape hat mit diesem Buch eine herrliche Anleitung für Gärtner und jene, die es noch werden wollen, verfasst.

Sie erklärt uns mit Augenzwinkern ...

Die passionierte Gärtnerin und Gartengestalterin Gabriella Pape hat mit diesem Buch eine herrliche Anleitung für Gärtner und jene, die es noch werden wollen, verfasst.

Sie erklärt uns mit Augenzwinkern und durchaus humorvoll, welche Blüten die heimische Gartenlust treiben kann. Wer einen pflegeleichten Garten haben möchte, sollt sich vom englischen Rasentraum verabschieden. Denn, man höre und staune, ein schöner, saftig grüner Rasen macht eine Heidenarbeit.
Sie räumt auch mit einigen überlieferten Gartenweisheiten auf. Rosen und Lavendel, die immer wieder gerne nebeneinander gesetzt werden, passen eigentlich gar nicht zusammen. Wieso? Lavendel liebt trockene, magere oft steinige Erde während Rosen gerne in guter Erde gedeihen.

Zum Leidwesen der Autorin machen sich die wenigsten (Neo)Gartenbesitzer Gedanken über ihren Garten. Schön muss er sein und wenig Arbeit soll er machen. Häufig ein Widerspruch. Eein Garten muss geplant sein!
Ein besonderes Augenmerk legt die passionierte Gärtnerin auf den Vorgarten, der hierzulande ein wirklich stiefmütterliches Dasein führt. Mit einigen Tipps wird der Vorgarten zu einem ansprechenden Entrée.

Gabriella Pape bricht außerdem eine Lanze für die Stauden, die sie für eine unterschätzte Spezies hält.

Nach der Lektüre dieser Gebrauchsanweisung sehe ich auch unseren Garten ein wenig mit anderen Augen. Da ließe sich doch einiges umgestalten. Ein Projekt für den Herbst und lange Winterabende.

Fazit:

Ein gelungenes Buch für Gärtner und solche, die es noch werden wollen.

Veröffentlicht am 07.06.2018

Das Leben ist eine Baustelle

(G)LEICHENFEIER
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(G)Leichenfeier ist der zweite Fall für den Detektiv Marco Martin aus Wien.
Bei einer unangekündigten Überprüfung einer Baustelle durch die „Einsatzgruppe gegen Sozialbetrug“ stürzt ein illegaler Bauarbeiter ...

(G)Leichenfeier ist der zweite Fall für den Detektiv Marco Martin aus Wien.
Bei einer unangekündigten Überprüfung einer Baustelle durch die „Einsatzgruppe gegen Sozialbetrug“ stürzt ein illegaler Bauarbeiter zu Tode. Niklas Felder, Chef der Einsatzgruppe gegen Sozialbetrug wird verdächtigt, den Arbeiter gestoßen zu haben. Anja Felder bittet Marco Martin Recherchen aufzunehmen. Obwohl dieser Auftrag seiner üblichen Klientel widerspricht, beginnt der Detektiv mit seinen Nachforschungen, denn Anja ist seine Schwester, mit der er vor längerer Zeit jeglichen Kontakt abgebrochen hat.
Gleichzeitig plagen Marco Martin noch andere Sorgen: Erstens sein Gesundheitszustand. Wegen seiner Vorliebe für gutes Essen und Trinken ziemlich übergewichtig, aber dafür kurzatmig, wird er von seinem Hausarzt auf Diät und Bewegung gesetzt. Zweitens: Martin hat sein Auto an einen jungen Mann verkauft, der blöderweise mit Falschgeld und einem ungedeckten Scheck bezahlt hat.
Noch während Martin mit seinen Vorermittlungen beschäftigt ist, werden weitere Männer aus der Baubranche brutal ermordet.
Da diese aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen, ermittelt das zuständige Polizei-Team eher lauwarm. Man hält die Todesfälle für das Ergebnis bandeninterner Machtkämpfe. Doch nicht nur unter den ehemaligen Gastarbeitern gibt es Intrigen. Auch auf der Polizeiinspektion herrscht dicke Luft zwischen Gruppeninspektor Krasberger und seinem Vorgesetzten Grasmugg.

Wird Marco Martin die Unschuld seines Schwagers beweisen können?

Meine Meinung:

Christian Klinger hat mit Marco Martin einen Ermittler geschaffen, der zwiespältige Gefühle in mir auslöst. Einerseits muss ich über seine körperlich nicht berauschende Konstitution schmunzeln, andererseits ist mir sein schnöselige Gehabe ein wenig zuwider. Wieso schnöselig? Es scheint, dass Marco Martin sich für etwas Besseres hält, sich daher lieber in feinen Zwirn (hier eher feines Leinen) hüllt und sich eher mit der leicht snobistischen High-Society aus Döbling beschäftigen möchte. Zu seinem Leidwesen ist der aktuelle Fall genau das Gegenteil: Ehemalige Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien, miefige und ärmliche Wohnungen, Sicherheitsschuhe und Blauzeug sowie Dreck und Unrat wohin man schaut.
Marco stolpert eher in seinen Fällen herum, als klassische Spurensuche zu betreiben. Dazu passt dann der Vorfall im Bad sehr gut, als er ein Kind vor dem Ertrinken retten will und ihm dabei ein Bein bricht.

Gut gefällt mir, dass die Wiener Schauplätze so richtig originalgetreu beschrieben sind. Seien es die Tschocherln in der Favoritner Quellenstraße oder die alten Winzerhäuser, die nach und nach der Baulobby und deren Spitzhacken zum Opfer fallen. Wobei wir wieder beim Thema wären: Das ganze Leben ist eine Baustelle.

Herrlich wieder die Dialoge im breiten Wiener Dialekt und die Schilderung der Charaktere. Besonders amüsiert habe ich mich über Dr. Lichtenfels, seines Zeichens (Winkel)Advokat, der überall dort zu finden ist, wo Beziehungen und juristische Winkelzüge gefragt sind.

„Martin wurde bewusst, dass er eben ein juristische Privatissimum erhalten hatte, und zwar in jenem Fach, das auf keiner Uni gelehrt wurde, denn die Vorlesung ‚Wie lege ich täglich die Welt aufs Kreuz?‘ hatte noch keinen Eingang in den akademischen Lehrplan gefunden.“ (S.331)

Wieder hervorragend gelungen ist das Cover. Wie schon der Vorgänger „Winzertod“ (und auch Nachfolger „Bühnentod“ und „Blutschuld) ganz in weiß gehalten, bietet es dadurch einen perfekten Wiedererkennungswert. Der typische Arbeitshandschuh lässt gleich auf einen blutigen Inhalt schließen.

Die Dissonanzen zwischen dem Arbeiterbezirk Favoriten und dem Nobel-Bezirk Döbling sind perfekt herausgearbeitet, auch wenn sich der Autor vieler Klischees bedient. Immerhin, die kommen ja nicht aus heiterem Himmel.


Fazit:

Ich habe mich wieder gut unterhalten gefühlt. Wer gerne Krimis mit buntem Lokalkolorit und Wiener Dialekt lesen möchte, ist in dieser Reihe gut aufgehoben. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.06.2018

Unheilvolle Verbindungen zwischen dem Kongo und der Schweiz

Höllgrotten
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Mit diesem Krimi, der Auftakt zu einer neuen krimi-Reihe sein soll, spricht Monika Mansour einige aktuelle Probleme direkt an. Zum einem die Ausbeutung von Bodenschätzen in den ehemaligen Kolonien in Afrika ...

Mit diesem Krimi, der Auftakt zu einer neuen krimi-Reihe sein soll, spricht Monika Mansour einige aktuelle Probleme direkt an. Zum einem die Ausbeutung von Bodenschätzen in den ehemaligen Kolonien in Afrika und deren, oft nicht absehbare, Folgen. Zum anderen die Krankheit Epidermolysis bullosa (EB), die jene Menschen, die daran leiden zu Ausgestoßenen macht. Durch einen Gendefekt ist die Haut der Betroffenen so empfindlich wie ein Schmetterlingsflügel, daher auch der Name „Schmetterlingskind“.

Warum geht’s?

Im Lorzentobel wird die Leiche einer jungen Schwarzafrikanerin gefunden. Relativ bald ist klar, dass die Frau aus dem Kongo stammen muss, hat sie doch zwischen den Zehen einen kleinen Hinweis hinterlassen, der die Polizei zu Natalie führt. Doch das ist nicht das Einzige, was von Emeline bleiben wird. Sie hat nämlich erst kürzlich ein Kind zur Welt gebracht, das nun verschwunden ist.
Die Polizei, allen voran Sara, die Chefin der Zuger Kripo, suchen fieberhaft nach dem Baby. Natalie weiß mehr als sie zugibt, betreibt sie doch via Darknet eine Plattform, mit der sie Frauen und Männern in Not hilft.

Wird es gelingen Emelines Baby zu finden?

Meine Meinung:

Die brutale Lebensgeschichte Emelines wird durch Zwiegespräche mit ihrem noch ungeborenen Baby geschickt als Rückblende in die Handlung eingebettet.

Gut gefällt mir, dass Monika Mansour ihre Leser anregt, weitere Recherchen über das Thema EB und/oder den Kongo anzustellen. So lernt der interessierte Leser immer wieder etwas dazu.

Die Charaktere polarisieren. Besonders mit Natalie haben es weder der neue Bodygard Tom, die Ermittlerin Sara noch die Leser leicht. Sie ist auf Grund ihrer Krankheit EB einsam und wird von ihrem reichen Vater über Gebühr beschützt. Leider manipuliert sie ihre Umgebung und nutzt den Status, den ihr ihre unheilbare Krankheit verleiht, ziemlich aus. So versteigt sie sich zu vielen Alleingängen und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere Menschen in akute Lebensgefahr. Das macht sie mir sehr unsympathisch. Doch auch Natalies Gegenspielerin muss erst Sympathiepunkte erarbeiten, hat sie doch eine etwas ruppige Art mit ihren Mitarbeitern umzugehen.

Einzig Tom scheint empathisch zu sein, was ihn aber nicht daran hindert, hin und wieder körperliche Gewalt anzuwenden.

Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, ist die Spannung extrem hoch. Diesmal ist mir nur der Showdown in den Titel gebenden „Höllgrotten“ ein wenig zu viel. Natürlich kann auch die schwerkranke Natalie in dieser Extremsituation über sich hinauswachsen, doch für mein Empfinden, ist dieses Szenario ein bisschen unglaubwürdig. Aber, das ist meine persönliche Einschätzung.

Fazit:

Ein rasanter Auftakt einer neuen Krimi-Serie, der ich wegen des etwas überzeichneten Abschlusses diesmal nur 4 Sterne geben kann.