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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2018

Ein Psycho-Krimi

Tod auf dem Kreuzbergl
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Die Autorin, in ihrem Brotberuf Psychotherapeutin, kann in ihrem zweiten Krimi wieder aus dem reichen Erfahrungsschein ihres Berufes schöpfen.

Klagenfurt am Wörthersee:

Die dreizehnjährige Julia verschwindet, ...

Die Autorin, in ihrem Brotberuf Psychotherapeutin, kann in ihrem zweiten Krimi wieder aus dem reichen Erfahrungsschein ihres Berufes schöpfen.

Klagenfurt am Wörthersee:

Die dreizehnjährige Julia verschwindet, just einen Tag nachdem ein Kindermörder aus der Haft entlassen wurde.
Kurz darauf wird die fünfjährige Maisy vermisst. Kathi kennt beide Mädchen – Julia ist ihre Freundin und zu Maisy geht sie Babysitten.
Hängen die beiden Fälle zusammen? Welche Rolle spielen die beiden Klassenkameraden Willi und Robby?
Ein Wettlauf um das Leben der Kinder beginnt.

Zu Beginn des Psychokrimis werden scheinbar zusammenhanglos die verschiedenen Familien mit ihren Problemen vorgestellt. Da ist einerseits Waltraud, Kathis Mutter, die von schlimmsten Alpträumen geplagt wird und die mit dem Alkoholiker Gerald verheiratet ist. Andererseits Marisa, Julias Mutter, die entdecken muss, dass ihr Mann fremd geht. Oder Robert, der Kindermörder und Viktor sein Bewährungshelfer.

Erst langsam fügen sich die losen Handlungsstränge zu einem dicken Zopf.
Die Charaktere sind plastisch beschrieben. Die Leser können an der hektischen Suche nach den Kindern teilnehmen. Es gibt viele Nebenhandlungen, die sich harmonisch und stimmig in die Haupthandlung einfügen.

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe die ganze Nacht durchgelesen.
Ein toller Psycho-Krimi, der überall in Europa spielen könnte.

Veröffentlicht am 09.04.2018

Albtraum in Grado

Grado im Dunkeln
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Welchem Autofahrer graut nicht davor, mitten in einem unbeleuchteten Tunnel ohne Pannenstreifen und Notrufsäulen liegenzubleiben?

Genau das passiert Violetta und Olivia, zwei Lehrerinnen aus Grado. Und ...

Welchem Autofahrer graut nicht davor, mitten in einem unbeleuchteten Tunnel ohne Pannenstreifen und Notrufsäulen liegenzubleiben?

Genau das passiert Violetta und Olivia, zwei Lehrerinnen aus Grado. Und für Violetta ist der Albtraum noch nicht zu Ende: sie wird betäubt und vergewaltigt.

Commissaria Maddalena Degrassi, die sich immer noch gegen die Macho-Allüren ihres Vorgesetzten behaupten muss, ermittelt in diesem Fall. Schnell wird klar, dass es einige ähnlich gelagerte Fälle in der Umgebung von Grado gibt. Gemeinsamkeiten sind das Chloroform mit dem die Frauen betäubt werden, Würgespuren und eine Spur nach Padua.
Als Nicola, eine Schülerin erwürgt aufgefunden wird und Toto, Olivias Bruder, die Taten gesteht, scheint der Fall gelöst.

Obwohl sich ihr Chef mit der schnellen Aufklärung brüstet, hat Maddalena Degrassi hat so ihre Zweifel.

Meine Meinung:

Ein sehr gut und fesselnd angelegter Krimi. Interessant finde ich die Abhängigkeiten, die einzelne Protagonisten zueinander entwickelt haben. Da sind zuerst einmal Olivia und ihr Bruder Toto: nach dem Tod der Eltern übernahm die selbst noch jugendliche Olivia ihren körperlich behinderten und leicht retardierten Bruder in ihre Obhut. Nun, behandelt sie den inzwischen 33-Jährigen noch immer als Kind und füttert ihn mit Psychopharmaka. Toto arbeitet in einem Baumarkt und ist ein wenig bauernschlau. Er setzt eigenmächtig die Medikamente ab.

Eine weitere Co-Abhängigkeit orte ich zwischen Emilia und Nicola. Emilia manipuliert ihre Schulkollegin. Alles, was die hübsche Nicola hat oder haben will, weckt auch die Begehrlichkeit von Emilia.

Andrea Nagele ist im Zivilberuf Psychotherapeutin und arbeitet mit Verbrechensopfern. Daher kennt sie die Traumata und Mechanismen, die menschliche Seele beeinflussen, ganz genau.

Ob Degrassi und ihr Ex-Freund Franjo wieder zusammenkommen? Eine Annäherung scheint sich wieder anzubahnen. Das Arbeitsklima in der Questura wird gut dargestellt.

Lediglich die allzu häufige Erwähnung von Totos Elektroauto, finde ich unnötig.

Ob Toto wirklich der Täter ist, wird erst in einem dritten Band verraten, der voraussichtlich im März 2018 erscheinen wird.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der die Leser in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt.

Veröffentlicht am 09.04.2018

Nichts ist, wie es scheint

Grado im Nebel
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Dieser dritte Krimi rund um Commissaria Maddalena Degrassi schließt nahezu nahtlos an den Vorgänger „Grado im Dunklen“ an.
Obwohl Toto Merluzzi auf Grund seines Geständnisses im Gefängniskrankenhaus auf ...

Dieser dritte Krimi rund um Commissaria Maddalena Degrassi schließt nahezu nahtlos an den Vorgänger „Grado im Dunklen“ an.
Obwohl Toto Merluzzi auf Grund seines Geständnisses im Gefängniskrankenhaus auf seinen Prozess wartet, gibt es weitere Überfälle auf Frauen.
Sind die Zweifel an Totos Täterschaft, die Commissaria Degrassi seit der Verhaftung plagen, berechtigt?

Doch dann entwischt Toto aus dem Krankenhaus und die Lage spitzt sich zu.

Während sich Toto zu seinem Priester durchschlägt, muss Maddalena nicht nur gegen die Zeit, sondern auch (wieder einmal) gegen ihren bornierten Vorgesetzten, Commandante Scaramuzzi“ ankämpfen.

Meine Meinung:

Geschickt führt uns Autorin Andrea Nagele in die Irre. Dass wahrscheinlich Toto nicht der Täter kann, hat der geneigte Leser schon im Vorgänger vermutet. Doch wer ist es dann? Wir verfolgen mit den Ermittlern eine heiße Spur.

Diesmal bekommen wir Leser auch viel von der Psyche eines Opfers mit: Ginevra Missoni wurde von dem Täter vergewaltigt, hat aber, im Gegensatz zu einigen anderen Frauen, überlebt. Einfühlsam wird geschildert, wie schwierig es für Ginevra ist, wieder im Alltag Fuß zu fassen.

Andrea Nagele gelingt es, sowohl bei der Darstellung von Ginevra und ihren Ängsten als auch bei psychisch kranken Toto, ihre große Erfahrung als Psychotherapeutin auszuspielen. Bei Toto kann man die Angst, dass man ihm „den Schädel aufbohrt“ wirklich körperlich spüren. Dabei soll er doch nur mittels EEG untersucht werden, woher seine (möglicherweise) epileptischen Anfälle kommen. Dass er just in dem Moment kollabiert, als Degrassi ihn verhört, ist bestimmt dem gesunden Selbstschutz seiner labilen Psyche geschuldet. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auch für die behandelnden Ärzte schwierig ist, herauszufinden, wieviel Toto versteht. Wahrscheinlich mehr als sie glauben, denn auf manches reagiert er ja unwirsch und will nicht für ein kleines Kind gehalten werden.
Vermutlich hätte man Toto mittels kindlicher Frühförderung und ohne das Sedieren mit Medikamenten durch seine Schwester, schon viel früher in einen besseren Zustand bringen können.

Eine größere Rolle spielt diesmal Degrassis Mitarbeiter, Arturo „Legolas“ Fannini. Langsam tritt er aus dem Schatten seines Wahlonkels Scaramuzzi heraus – die Entwicklung gefällt mir.
Ganz schön gewagt von Ginevra und Arturo, auf eigene Faust zu ermitteln!

Spannend auch der Motorradunfall von Maddalena. Dass sie sich gleich nach dem Aufwachen aus dem Koma nach ihrer Moto Guzzi erkundigt, passt gut zu ihr. Ich verstehe es gut, dass ihr um das Motorrad leid ist. Die Guzzi ist einfach eine tolle Maschine. Dass sie zuerst vom Spitalsbett aus und dann als Rekonvaleszente die Ermittlungen leitet, finde ich gut. Das passt einfach zu ihr. Deshalb kann ich es mit nicht gut vorstellen, dass sie den Dienst quittiert um fortan mit Franjo im Karst zu leben – aber, das ist wohl eine andere Geschichte.

Dass sich ausgerechnet zwischen Maddalenas Mutter und dem Commandante so etwas wie eine Romanze anbahnt, birgt Konfliktstoff für weitere Folgen …

Fazit:

Wieder ein toller Krimi in der schönen Umgebung von Grado, der in menschliche Abgründe blickt. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.04.2018

Schatten der Vergangenheit

Spreewaldrache (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 3)
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"Spreewaldrache" ist nach "Spreewaldgrab" und "Spreewaldtod" bereits der dritte Fall für die Kommissarin Klaudia Wagner. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen und daher kann man den aktuellen Ermittlungen ...

"Spreewaldrache" ist nach "Spreewaldgrab" und "Spreewaldtod" bereits der dritte Fall für die Kommissarin Klaudia Wagner. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen und daher kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann problemlos folgen, auch wenn man noch keinen Band der Reihe gelesen hat. Um allerdings die privaten und beruflichen Hintergründe der Kommissarin und ihrem Team besser zuordnen zu können, empfiehlt es sich, die Vorgänger zu lesen.

Teambildende Maßnahmen können schon was Schönes sein, wenn man nicht gerade mit seinen Kollegen zum Wursten eingeteilt wird. Wer schon einmal an „verordneten Teambildungsmaßnahmen“ teilgenommen hat, wird vermutlich Klaudia Wagners Wunsch nach einem Ende dieser Aktion verstehen können. Doch manchmal muss man mit seinen Wünschen vorsichtig umgehen, sie könnten in Erfüllung gehen …

Prompt werden Klaudia und ihr Team zu einer Datsche gerufen und finden einen niedergeschlagenen jungen Mann. Besteht ein Zusammenhang mit der Techno-Party in der Nähe? Daniel überlebt, kann oder will sich an die Ereignisse nicht erinnern. Wenig später wird unweit von diesem Tatort ein toter Obdachloser gefunden. Gibt es hier einen Zusammenhang? Kannten sich die Opfer?

Wagner und ihr Team ermitteln fieberhaft und stoßen auf eine komplexe Fehde zwischen zwei Kahnführerfamilien, die schon vor rund 20 Jahren ein Todesopfer gefordert hat. Übt hier jemand späte Rache?

Meine Meinung:

Wie wir es von Christiane Dieckerhoff gewöhnt sind, verknüpft sie Handlungsstränge der Vergangenheit mit aktuellen Vorkommnissen. Der Leser kann daher miträtseln, wer in die mysteriösen Geschehen involviert ist. Die Autorin legt verschiedene Spuren, die nicht immer zum Ziel führen. Spannend machen es die familiären Verwicklungen der Protagonisten. Hier sind konzentriertes Lesen und vielleicht Papier und Bleistift hilfreich, da es diesmal nicht einfach ist, den Überblick zu behalten.

Wieder gelingt es der Autorin, das besondere Flair des Spreewalds zu beschreiben und in die Handlung einfließen zu lassen. Man kann sie die Umgebung des Spreewaldes mit seinen Datschen recht gut vorstellen. Ich höre das leise Plätschern des Wassers und das Quaken der Frösche. Die Charaktere wirken ebenfalls authentisch. Zusätzlich zu den alten Bekannten aus den vorherigen Bänden, werden neue Charaktere eingeführt. Die Mischung ist gut gelungen. Diesmal nehmen die privaten Nebenhandlungen nicht allzu viel Raum ein. Die Schatten der Vergangenheit, mit denen die Kommissarin bzw. ihr Team zu kämpfen hat, werden kurz angerissen, drängen sich jedoch nicht in den Vordergrund Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm lesbar.

Gut gefallen hat mir, dass Polizeiarbeit ziemlich realistisch dargestellt wird. Nicht immer kann den Verdächtigen alles bis ins letzte Detail nachgewiesen werden und so bleibt diesmal ein Hauch von Frust über Klaudia Wagner hängen.

Das Ende mit dem gemeinen Cliffhanger des schwer verständlichen Telefonates lässt auf eine Fortsetzung hoffen, die noch die eine oder andere Überraschung sowohl für die Leser als auch für die Kripo Lübben beinhalten wird.

Fazit:

Wieder ein Krimi aus dem Spreewald, der mich sehr gut unterhalten hat. Diesmal wird das Buch mit 5 Sternen bedacht.

Veröffentlicht am 06.04.2018

Ein Leckerbissen nicht nur für Philatelisten

Atlas der verschwundenen Länder
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Dieses Buch aus dem dtv-Verlag ist Leckerbissen für historisch Interessierte, Geografen und Philatelisten.
Ausgehend von seiner eigenen Briefmarkensammlung, in der sich zahlreiche Raritäten verbergen, ...


Dieses Buch aus dem dtv-Verlag ist Leckerbissen für historisch Interessierte, Geografen und Philatelisten.
Ausgehend von seiner eigenen Briefmarkensammlung, in der sich zahlreiche Raritäten verbergen, reisen wir mit Autor Björn Berge durch die Welt, um an Hand seltener Postwertzeichen 50 Länder kennenzulernen, die nur wenige Jahre, ja manche nur ein paar Monate Bestand hatten.

Björn Berge hat die 50 Staaten in 6 Gruppen eingeordnet, je nach Zeitpunkt ihrer Existenz.

Zu jedem Staat gibt es eine Lageskizze, die Fläche, Einwohnerzahl und die Daten seines Bestehens. Daneben ein Auszug aus der oft wechselvollen Geschichte und die eine oder andere Anekdote, ein Zitat und selbstverständlich ein dazu passende Briefmarke. Ergänzt wird das Staatenporträt durch Hinweise auf weiter führende Literatur, ev. vorhandenes Filmmaterial oder entsprechende Musik. Das eine oder andere Mal ist ein Rezept einer landestypischen Speise abgedruckt.
Wie z.B. „Corrientes“ (S. 24-27) einem kleine südamerikanischen Land zwischen Argentinien, Brasilien und Uruguay, das von 1856-1875 existierte. Die damals gebräuchliche Briefmarke diente auch als Zahlungsmittel, da Kleingeld kaum vorhanden war. Die Druckplatten stellte ein Bäckergeselle her.

Der Fantasie der Briefmarkendesigner ist kaum eine Grenze gesetzt. Es reicht vom einfachen Aufdruck des „neuen“ Landesnamen bis zur komplett durchgestylten Briefmarke mit Pflanzen, Tieren oder dem Regenten.
Im streng islamischen Landstrich Ober-Yafi (am Golf von Aden gelegen), das immerhin von 1800-1967 existierte, entwarf man eine Reihe großformatiger Briefmarken, die alle möglichen Kunstschätze zeig(t)en, unter anderem die Tänzerinnen von Edgar Degas, die der islamischen Kleiderordnung nicht wirklich entsprechen. Hinter diesem Vorhaben stand eine englische Druckerei, die dem Sultan die Briefmarkenserien einredete. Das Skurrile daran: Ober-Yafi besaß kein Postwesen.

Meine Meinung:

Ein sehr spezielles Buch, das aber bestimmt seine Liebhaber unter Philatelisten und historisch interessierten Geografen finden wird.
Viele, der abgebildeten Briefmarken aus Berges Sammlungen wurden auch wirklich als Postwertzeichen benützt und sind daher entwertet.

Das Buch ist liebevoll recherchiert und gibt Raum, die angebotenen Zusatzinformationen abzurufen. Die Ausführung ist hochwertig: gebunden, mit Leinenrücken, querformatig, einem haptisch und optisch ansprechendem Papier. Die Weltkarte auf den Buchdeckelinnenseiten gibt einen schönen Überblick, wo sich diese nunmehr verschwundenen Länder befunden haben.
Man kann nur staunen, was hier zwischen 1840-1970 an politischem Geschehen stattgefunden hat.

Fazit:

Ein wunderschönes Geschenk nicht nur für Liebhaber von Postwertzeichen. Gerne gebe ich diesem interessanten Streifzug durch die Welt 5 Sterne.