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Venatrix

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Veröffentlicht am 06.04.2018

Von der Schwierigkeit, ein komplexes Thema kurz zu fassen

Der Dreißigjährige Krieg
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Der Dreißigjährige Krieg/Georg Schmidt/4 Sterne
Georg Schmidt versucht die politischen Zusammenhänge, die zum Dreißigjährigen Krieg führten und die Geschehen zwischen 1618-1648 auf rund 100 Seiten darzustellen. ...

Der Dreißigjährige Krieg/Georg Schmidt/4 Sterne
Georg Schmidt versucht die politischen Zusammenhänge, die zum Dreißigjährigen Krieg führten und die Geschehen zwischen 1618-1648 auf rund 100 Seiten darzustellen. Das ist auf Grund der Komplexität der Bündnisse und Interessen nicht ganz einfach.

Was zuerst als Problem der Habsburger in Böhmen beginnt, breitet sich wie ein Flächenbrand über ganz Mitteleuropa aus. Mehrmals haben es die beteiligten Herrscher in der Hand den Krieg zu beenden und Frieden zu schließen. Aus Ignoranz und auch mit falschen (oft geistlichen) Ratgebern unterlassen sie dies und so dauert der Konflikt eben die bekannten 30 Jahre.

Meine Meinung:

Das Kompendium ist in sieben Kapitel mit Unterpunkten geteilt, sodass der Inhalt in kleinen Abschnitten gelesen werden kann. Obwohl ich die Geschichte des Dreißigjährigen in groben Umrissen kenne, musste ich doch die eine oder andere geschilderte Begebenheit im Internet nachlesen.

Des Weiteren orte ich in diesem Buch ein wenig Parteilichkeit des Autors. Er scheint eine Vorliebe für das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ zu haben, das neben dem Habsburgerreich aus vielen kleinen und größeren deutschen Königs- und Fürstenhäusern besteht, nicht zu vergessen die kirchlichen Gebiete und deren Würdenträger, die in Glaubensfragen auch eine Menge mitzureden haben.
Die Habsburger und besonders Kaiser Ferdinand II. kommen nicht besonders gut weg.
Gut beschrieben sind die Entstehung, das Ausmaß und die Folgen des Krieges, an dessen enormen Verwüstungen das Reich und die Bewohner noch lange zu leiden haben.

Für Newcomer, die eine kompakte Darstellung des Geschehens lesen wollen, ist das Buch nur bedingt geeignet. Einige Vorkenntnisse sind hier doch von Nöten. Der Leser, der sich mit der Materie bereits intensiv auseinandergesetzt hat, wird hier einige interessante Details finden, die auf neuerer Geschichtsforschung basieren. Ein ausführliches Literarturverzeichnis ergänzt diese Zusammenfassung.
Was wirklich ärgerlich ist, ist das Fehlen von Karten, Übersichten und einer Zeittafel. Das kostet gleich einmal einen Stern.

Fazit:

Für Einsteiger in die Welt des 17. Jahrhundert kann ich das Buch leider nicht empfehlen. Dazu wird bei der Darstellung einfach zu viel Vorwissen vorausgesetzt. Da gäbe es anderes, wie z.B. „Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648“ von Johannes Arndt im Reclam Verlag erschienen.


Veröffentlicht am 03.04.2018

EIn nettes Mitbringsel

Wilhelm von Humboldt
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Alexander und Wilhelm von Humboldt: Zwei sehr unterschiedliche Brüder. Der eine, Alexander, immer auf Achse und die Welt entdeckend, der andere, Wilhelm, zwar ebenfalls reisefreudig, doch noch innerhalb ...

Alexander und Wilhelm von Humboldt: Zwei sehr unterschiedliche Brüder. Der eine, Alexander, immer auf Achse und die Welt entdeckend, der andere, Wilhelm, zwar ebenfalls reisefreudig, doch noch innerhalb Europas, den Geisteswissenschaften zugetan.

Die Autorin Dorothee Nolte betrachtet in ihrem kleinen, aber feinen Buch, Wilhelm und sein Umfeld in zahlreichen Anekdoten und zeitgenössischen Kommentaren.

»Gelehrte zu dirigieren ist nicht viel besser, als eine Komödiantentruppe unter sich zu haben!«
Mit diesem flapsigen Ausspruch wollte er seine Ernennung zum Kultusminister ablehnen, doch konnte er sich dem Willen/Befehl des Königs von Preußen schwer widersetzen. Was macht Wilhelm also: Er krempelt das Bildungssystem um (Einige seiner Errungenschaften leben bis heute im Schulsystem fort.) und schafft sich damit auch keine Freunde.

Wilhelm ist ein vielbeschäftigter Mann, doch wird er zeitlebens wenige seiner Aufgaben wirklich zu Ende bringen. Schnell verliert er die Freude an einem Projekt.

Eine interessante Einstellung pflegt Wilhelm der Ehe gegenüber: Er ist mit seiner Gemahlin Caroline völlig d’accord, beiderseits Liebschaften zu tolerieren. Ja, ich hatte sogar den Eindruck, dass er dies sogar gefördert hat - diese Mènage à trois. Vielleicht um seinen eigenen Gedanken und Beschäftigungen nachzugehen? Immerhin ist die Mutter der Kinder eindeutig bekannt, bei den Vätern gibt es hin und wieder Zweifel.

In dieser Beziehung ist Wilhelm wohl ein Kind der Französischen Revolution, die er in Paris miterlebt.

Er pflegt Freundschaft mit Schiller und Goethe und ist zweimal Gesandter Preußens und Minister.

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist flüssig, die Anekdoten gut ausgewählt.
Um sich ein umfassendes Bild von Wilhelm von Humboldt machen zu können, ist dieses Buch mit seinen nur 128 Seiten viel zu kurz. Als Auftakt, sich mit dem großen Gelehrten auseinandersetzen zu wollen, ist es jedenfalls gut geeignet.

Fazit:

Eine nette Anekdotensammlung, die bestimmt auch als Mitbringsel Anklang findet.

Veröffentlicht am 02.04.2018

Nächstes Jahr in Jerusalem?

Willkommen im Gelobten Land?
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"Nächstes Jahr in Jerusalem" ist der traditionelle Wunsch am Schluss des jüdischen Sederabends. Doch was geschah, als sich die auf der ganzen Welt verstreuten Juden und vor allem mit Deutscher Abstammung ...

"Nächstes Jahr in Jerusalem" ist der traditionelle Wunsch am Schluss des jüdischen Sederabends. Doch was geschah, als sich die auf der ganzen Welt verstreuten Juden und vor allem mit Deutscher Abstammung aufmachten und wirklich nach Palästina/Israel kamen?

Jörg Armbruster greift mit seinem Buch „Willkommen im gelobten Land? Deutschstämmige Juden in Israel“ ein heikles Thema auf.

Wie erging es den Juden, denen die Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen ist in Palästina? Ist das versprochene Eretz Israel wirklich das Gelobte Land?

Der Autor begibt sich auf die Spuren von Auswanderern, die heute hoch betagt in Israel leben. Viele von ihnen können nach wie vor nicht über ihre Erlebnisse reden. Doch Armbruster trifft Menschen, die sehr offen über ihre Vergangenheit und die Gegenwart sprechen.

Die ersten Flüchtlinge aus Deutschland treffen bereits Anfang der 1930er Jahre in Palästina ein. Den Staat Israel gibt es noch nicht. Sie treffen hier auf teils radikale Zionisten, deren Wesen ihnen völlig fremd ist. Die Neuankömmlinge werden diversen Kibuzzim zugeteilt, in denen sie oft erstmals Landwirtschaft betreiben. Sind es doch Intellektuelle, die Nazi-Deutschland verlassen.
Ein interessantes Beispiel ist die jüdische Gemeinde von Rexingen, die fast geschlossen nach Palästina auswandert. Sie errichten am Meer das Dorf Shavel Zion und leben in ähnlichen Verhältnissen wie in Deutschland, Spitzendeckerl und Schränke mit Butzenscheiben inklusive. Der Anfang ist extrem schwer. Obwohl das Land, das sie bewirtschaften, legal gekauft und grundbücherlich abgesichert ist, sehen die Araber diese Menschen als Eindringlinge, die ihnen das (unfruchtbare) Land "gestohlen haben" und die es deshalb zu bekämpfen gilt.

Doch nicht nur gegen Araber müssen sich die Einwanderer behaupten, nein, auch gegen die bereits hier lebenden Glaubensbrüder (und Schwestern). Diese blicken scheel auf die deutschen Juden und diffamieren sie zum Teil. Sie finden es unverständlich, dass sie sich von den Nazis terrorisieren ließen anstatt zu kämpfen. Die Israelis wollen die Geschichten der KZ-Überlebenden nicht hören. Oft halten sie die Erzählungen für übertrieben …

Oftmals wird die Frage „ Kommst Du aus Überzeugung oder aus Deutschland?“ gestellt. Man unterstellt den Flüchtlingen, sich ins gemachte Nest zu setzen.

„Andere Einwanderer aus Nazi-Deutschland haben sich wesentlich schwerer getan mit dem neuen Land, das es sich auch nicht gerade leicht gemacht hat mit diesen »Jeckes«, wie sie spöttisch von den »wahren« Zionisten genannt wurden, angeblich, weil sie immer korrekt gekleidet waren und selbst bei größter Hitze Jacke und Krawatte nicht ablegten. Als Neubürger im Land der zionistischen Pioniere wurden sie lange nicht wirklich ernst genommen. Viele der Jeckes lebten in Palästina mit einem »Grundgefühl kultureller Verlassenheit«, wie es der israelische Historiker und Schriftsteller Tom Segev formuliert hat, der selbst Nachkomme einer alten Berliner Familie ist.“ (S. 12)

Die restriktive Einwanderungspolitik der Engländer, unter deren Mandat Palästina bis zur Gründung des Staates Israels 1948 steht, führt zu vielen illegalen Einwanderungen. Die Staatengründung von 1948 führt sofort zum ersten von unzähligen bewaffneten Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarstaaten, die bis heute andauern. Auch das ist nicht verwunderlich, wird doch der Hass auf beiden Seiten geschürt.

So sagt eine der betagten Interviewpartnerinnen Armbrusters:
„Heute wachsen unsere Kinder auf mit Hass. Und die Kinder der Palästinenser wachsen auf mit Hass. Da kann ja kein Frieden entstehen.“

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Die meisten der deutschen Einwanderer zählen zu den gemäßigten, die einen Zweivölkerstaat eher befürworten als ablehnen. Sie sind es, die eher zum Ausgleich als zum Radikalismus neigen als die einstmals aus dem Osten eingewanderten streng orthodoxen Juden.

So ist es auch erklärbar, dass Yitzack Rabin, der Ministerpräsident des Ausgleichs, 1995 von einem ultraorthodoxen Juden ermordet wurde.

Auffällig ist auch, dass bislang die Ministerpräsidenten aus dem Kreis der „echten“ Zionisten gestellt wurden. Die Deutschen Einwanderer sind häufig Politiker der zweiten oder dritten Reihe.

Die unterschiedlichen Strömungen der Politik gehen quer durch einzelne Familien. Da gibt es welche, die den Kauf eines deutschen Autos bereits als Verrat an Israel sehen und andere, die gerne das Land ihrer Vorfahren kennenlernen wollen. Allerdings, ohne sich offen zum Judentum bekennen zu wollen.

Sehr deutlich kommt aus den vielen Interviews, die der Autor führte, heraus, dass nicht nur die Holocaust-Überlebenden selbst sondern auch deren Kinder traumatisiert sind. Viele Ängste sind innerhalb der Familien weitergegeben worden. Allerdings ohne Erklärungen, so dass erst die Enkel-Generation sich aufmachen kann, die Familiengeschichten aufzuarbeiten.

Eindrucksvoll und behutsam lässt Jörg Armbruster die Betroffenen, wie z. B. Herbert Bettelheim aus Wien, zu Wort kommen. Es geht nicht ohne Kritik an Großbritannien, den Arabischen Nachbarn und Israel ab.

Alle erzählen offen, wie schwer es für sie war, in Eretz Israel, dem Gelobten Land, tatsächlich eine neue Heimat zu finden. Nicht allen ist dies gelungen. Nicht alle fühlten sie sich willkommen, manchmal waren sie sogar unerwünscht.

"Nächstes Jahr in Jerusalem" - doch nur ein frommer Wunsch als Ausklang des Sederabends?

Veröffentlicht am 02.04.2018

Wer war zuerst in Amerika?

Die Karte des Piri Re'is
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Jedes Kind weiß, dass Columbus Amerika entdeckt hat. Oder hat er es etwa doch nicht?
Neuere Forschungen zeigen, dass bereits lange vor dem Genuesen in spanischen Diensten die Landmassen Amerikas bekannt ...

Jedes Kind weiß, dass Columbus Amerika entdeckt hat. Oder hat er es etwa doch nicht?
Neuere Forschungen zeigen, dass bereits lange vor dem Genuesen in spanischen Diensten die Landmassen Amerikas bekannt waren. Die Forscher gehen davon aus, dass dies neben den Wikingern auch arabischen Seeleuten gelungen ist.

Worauf stützt sich nun dieser Paradigmenwechsel, auf Grund dessen hunderte von Geschichts- und Lehrbüchern eigentlich umgeschrieben werden müssen?

Zum einem ist es die jahrlangen akribischen Arbeiten des Wissenschaftshistorikers Dr.Fuat Sezgin, die diesen Schluss zulassen.
Zum anderen bringt die Beschäftigung mit Kartografie, Nautik und Geodäsie genau jenes „Mysterium“ mit sich, dass plötzlich im 15./16. Jahrhundert auf wundersame Weise Erkenntnisse, die bislang noch als Häresie und Ketzerei bezeichnet wurden, den Europäischen Universitäten und Herrschaftshäusern einen gewaltigen Schub in Richtung Moderne verpassten.
Die Autorin weist auf Marco Polo hin, der als Handlungsreisender Gegenden beschreibt, die er vermutlich niemals gesehen hat. Hier könnte sich der Gedanke aufdrängen, dass Marco Polo Kenntnis von den Schriften der arabischen Geografen hatte.

Woher kommen nun diese Erkenntnisse?

Susanne Billing versucht ihren Lesern in fünf Abschnitten mit vielen Kapiteln jene Voraussetzungen darzulegen, die für diese Meisterleistung notwendig sind:

1. Konnten die Araber nach Amerika segeln?
Die Gretchenfrage, deren Antwort eigentlich schon feststeht. Ja, sie konnten.
2. Die arabische Astronomie
Hier erfahren wir von Babylonischen Sternwarten. Tolle Beschreibungen, die mit Abbildungen hinterlegt sind.
3. Die arabische Nautik
In diesem Kapitel bleibt den europäischen Landratten schier der Mund offen. Die Araber hatten das Problem der Bestimmung der Geographischen Länge schon gelöst, während die anderen noch auf hoher See herumirrten.
4. Die arabische Geographie und Kartografie
Erst in diesem Abschnitt wird Bezug auf die Weltkarten der Araber genommen.
5. Stiller Triumph der arabischen Wissenschaften
Der letzte Abschnitt untermauert nochmals Fuat Sezgins Thesen.

Meine Meinung:

Das Buch ist gut strukturiert. Manche Dinge werden zum besseren Verständnis wiederholt.

Außerdem ist klar, dem interessierten Laien müssen so elementare Dinge wie Winkelfunktionen, Trigonometrie, Astronomie, Nautik, Instrumentenkunde usw. erst beigebracht werden. Diese „Randwissenschaften“ verbrauchen rund zwei Drittel des Buches. Erst im letzten Drittel geht die Autorin auf die großartigen Weltkarten der arabischen Geografen/Geodäten ein. Das finde ich schade, denn diese Karten sind wahre Meisterwerke. Die Darstellung der damals bekannten Welt ist in vielen Bereichen exakt. Das heißt, Kartografen müssen vor Ort gewesen sein.

Die Autorin vertieft sich in Fuat Sezgins Arbeit. Das aber macht für mich (als Vermesserin) gleichzeitig auch die kleine Schwäche des Buches aus. Es werden ausschließlich Sezgins Erkenntnisse zur Untermauerung der Thesen herangezogen.

Mir ist noch aufgefallen, dass nicht alle Bilder auf die Textstellen referenziert sind. Das wäre für Leser, die nicht aus diesem Wissenschaftsbereich kommen aber hilfreich. Auch ein Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen wäre eine nützliche Ergänzung.

Ich selbst bin mit der Materie der Kartografie, der Vermessung und dem mathematischen Rüstzeug gut vertraut. Daher habe ich hier keine Berührungsängste. Doch wie viele von uns können dies von sich behaupten?

Hin und wieder ist die Grenze (sic!) zwischen Geografie und Geodäsie nicht scharf gezogen.

Der Duden definiert hier:

Geografie: Wissenschaft von der Erde und ihrem Aufbau, von der Verteilung und Verknüpfung der verschiedensten Erscheinungen und Sachverhalte der Erdoberfläche, besonders hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen Erde und Mensch; Erdkunde

Geodäsie: Wissenschaft von der Vermessung der Erde und Technik ihrer Vermessung (von griechisch: geōdaisía = Erd-, Landverteilung)

Fazit:

Wer sich nicht scheut, ein wenig Nachhilfe in Winkelfunktionen. Trigonometrie und Astronomie zu erhalten, wird ein interessantes Buch lesen, das beweist, dass nicht ausschließlich die Erkenntnisse der Europäer der Weisheit letzter Schluss sind.

Gerne gebe ich eine Leseempfehlung und vier Sterne.

Veröffentlicht am 02.04.2018

Australien abseits der Klischees

Reportage Australien
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In 21 Kurzreportagen erfahren wir eine Menge bislang Unbekanntes. Oder wer weiß schon, dass es in einem der zahlreichen Stämmen der australischen Ureinwohner, Männern untersagt ist, direkt mit ihren Schwiegermüttern ...

In 21 Kurzreportagen erfahren wir eine Menge bislang Unbekanntes. Oder wer weiß schon, dass es in einem der zahlreichen Stämmen der australischen Ureinwohner, Männern untersagt ist, direkt mit ihren Schwiegermüttern zu kommunizieren? Ha, "das sollte man auch bei uns einführen" höre ich schon einige sagen. Doch warum ist das Ansprechen der SchwieMu mit einem Tabu belegt?
Des Rätsels Lösung: Die Männer dieses Stammes dürfen erst heiraten, wenn sie sich und eine Familie ernähren können, d.h. eher später. Dafür nehmen sie aber ein ziemlich junges Mädchen zur Frau. Daher passt altersmäßig eher die Schwiegermutter als deren Tochter. Und um keine Kalamitäten hervorzurufen, ist eben die Kommunikation mit der SchwieMu tabu. Wenn Mann ihr etwas zu sagen hat, spricht Mann über einen Vermittler (auch im Beisein der SChwieMu). Wenn gerade einmal kein Vermittler verfügbar ist, so übernimmt diese Rolle ein Baum.


Solche und ähnliche Geschichten erzählt Journalist Rasso Knoller. Er versucht die Sichtweise der Ureinwohner bekannt zu machen. So ist ihnen z. B. Privateigentum fremd. Sie teilen einfach auch ihren kargen Lohn. Die Hintergründe werden plausibel erklärt.


Auch das Vorurteil, sie wären unzuverlässig, wird an Hand einer Episode entkräftet.


Wer ein wenig mehr über die Ureinwohner Australiens abseits aller Klischee wissen möchte, kann mit diesem Büchlein, das im Picus-Verlag erschienen ist, beginnen.