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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Es muss nicht immer Grappa sein
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In diesem 18. Fall, dessen Titel an Johannes Mario Simmels Werk „Es muss nicht immer Kaviar sein“ erinnert, muss sich Maria Grappa genau mit jenen salzigen Fischeiern, die so gar nicht mag, beschäftigen. ...

In diesem 18. Fall, dessen Titel an Johannes Mario Simmels Werk „Es muss nicht immer Kaviar sein“ erinnert, muss sich Maria Grappa genau mit jenen salzigen Fischeiern, die so gar nicht mag, beschäftigen. Warum? Die 78-jährige Ekaterina Schöderlapp wird mit einer Plastiktüte auf der das Logo einer bekannten Feinkosthandlung prangt, erstickt. Nicht nur die Mordmethode spricht dafür, dass es sich bei der Ermordeten nicht um eine harmlose Oma handelte, sondern auch die in deren Wohnung gestapelten 35 kg Kaviar in Dosen mit einem Wert von mehr als 30.000 Euro.

Während Grappa und die Polizei noch mit der Schöderlapp beschäftigt sind, gibt es am selben Tag einen weiteren Toten: Der bekannte Akt-Fotograf Hein Carstens wird mit einem zertrümmerten Schädel in einem Hotel aufgefunden. Der wiederum hat von Filmsternchen Kiki Moreno, die eben die 356. Folge der Soap "Gute Tage - Schlechte Tage" abgedreht hat, Nacktfotos angefertigt. Blöderweise ist Kiki die Geliebte des russischen Kaviarkönigs Boris Gogol.

Zwei Morde an einem Tag - so etwas hat Bierstadt noch nicht gesehen. Natürlich steckt Maria Grappa ihre neugierige Nase in beide Fälle und entdeckt einen nicht ungefährlichen Zusammenhang.

Meine Meinung:

Gabriella Wollenhaupt lässt ihre Leserschaft an den Dreharbeiten der täglichen Soap "Gute Tage - Schlechte Tage" teilhaben. Wir dürfen den Intrigen, Pleiten und Pannen sowie den Eifersüchteleien und Launen der Produzenten und Schauspielerinnen ebenso folgen wie dem abstrusen Ideen eines angeblichen Drehbuches. Herrlich, wie die Autorin die Serien aufs Korn nimmt!

Nebenbei muss Maria Grappa einen herben Verlust ihrer bisherigen Spürnasen-Karriere hinnehmen: KHK Brinkhoff geht in Pension und der Nachfolger Dr. Friedemann Kleist ist ein ganz anderes Kaliber, der nicht nur in seiner Abteilung als schräg wahrgenommen wird, sondern auch mit Maria Grappa wenig anzufangen weiß. Doch wie man die Journalistin und ihre Schöpferin kennt, wird sich Maria Grappa mit ihre großen Klappe den Friedemann schon herrichten. Ich denke, da kommen interessante Krimis mit amüsanten Szenen auf uns zu.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 18. Fall für Maria Grappa 5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.12.2024

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Grappas Versuchung
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Dieser Krimi ist der erste, der inzwischen auf 30 Bände angewachsenen Krimi Reihe rund um die Reporterin Maria Grappa.

Der erste Fall für die Bierstädter Reporterin Maria Grappa entwickelt sich gleich ...

Dieser Krimi ist der erste, der inzwischen auf 30 Bände angewachsenen Krimi Reihe rund um die Reporterin Maria Grappa.

Der erste Fall für die Bierstädter Reporterin Maria Grappa entwickelt sich gleich zu einer verhängnisvollen Affäre. Maria Grappa recherchiert zu zwei unklaren Todesfällen, die von der Polizei als Selbstmorde deklariert werden: Zum einem der Tod des umtriebigen Gigolos Richie Mansfeld, der sich angeblich vor den Zug geworfen hat und zum anderen der Tod der Quoten-Bürgermeisterin Lisa Korn, die angeblich unter Depressionen gelitten haben soll.
Während der Recherchen lernt Maria Grappa Michael Muradt, den zwielichtig charmanten Besitzer eines italienischen Nobelrestaurant kennen, bei dem nicht nur die Politprominenz von Bierstadt aus und ein geht.

Maria Grappa liebt schöne Männer und Muradt ist einer. Als Onkel des toten Richie Mansfeld kommt er Grappa während ihrer Recherche immer näher. Trotzdem hat Maria Grappa das Gefühl, dass er ihr einiges verheimlicht. Nur was?

Während Maria Grappa nach den Gründen rund um die beiden Todesfälle sucht, muss sie erkennen, dass Wahrheit gegen die Wirklichkeit keine Chance hat.

Meine Meinung:

Allen Krimis, die ich bislang gelesen habe, ist gemeinsam, dass sie mit viel Elan, Witz und Frauenpower verfasst. Er ist nicht der erste Krimi, den ich von Gabriella Wollenhaupt lese. Er wird auch sicher nicht der letzte sein!

Gabriella Wollenhaupts Schreibstil ist wunderbar leicht zu lesen, stellenweise ironisch und bedient sich manchmal so mancher Klischees. So gibt es Bauunternehmer, die Beamte im Bauamt bestechen, Rockerbanden, die alte Leute erschrecken, um sie aus ihren billigen Wohnungen zu vertreiben und den charmanten Besitzer des Edel-Italieners, der so seine Geheimnisse hat. Es darf natürlich auch eine Venusfalle nicht fehlen, die den bisschen naiven Staatsanwalt in die Bredouille bringt.

Wir erfahren auch wie Maria Grappa, die bodenständige Deutsche, zu ihrem Nachnamen gekommen ist.

Fazit:

Ein gelungener Reihen-Auftakt, dem ich gerne 4 Sterne gebe. Die nächsten Fälle warten schon auf mich.

Veröffentlicht am 21.12.2024

Eine klare Leseempfehlung!

Die Akte Graz
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Dieser Krimi ist dem Vernehmen nach der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe, der in der Hauptstadt der Steiermark, in Graz, spielt.

Worum geht’s?

Chefinspektorin Marlene Kranz ist vor Kurzem aus Wien ...

Dieser Krimi ist dem Vernehmen nach der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe, der in der Hauptstadt der Steiermark, in Graz, spielt.

Worum geht’s?

Chefinspektorin Marlene Kranz ist vor Kurzem aus Wien in ihre Heimat Graz zurückgekehrt. Nicht ganz freiwillig, wie es scheint. Noch bevor sie sich so richtig eingelebt hat, muss sie sich schon bewähren. Denn am Morgen nach der Eröffnung der Fotoausstellung des berühmten Fotografen Gustav Zierach im Grazer Kunsthaus wird Alexandra Walfrad, die für Zierach auf der bekannten Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg für ein Foto Modell gestanden hat, ist just auf jener Treppe, genau wie auf dem Foto inszeniert, tot aufgefunden.

Für Marlene Kranz und ihr Team beginnt die mühevolle Kleinarbeit, denn die Gästeliste der Vernissage umfasst mehrere Hundert Personen. Hilfreich erweist sich, dass ausgerechnet Marlenes Schulfreund Franky als Pressefotograf Tausende Fotos von der Veranstaltung gemacht hat und die Stimmung dort auf seinen Bildern eingefangen hat.

Wenig später wird ein weiteres Fotomodell vermisst. Zufall? Oder hat es hier jemand auf schöne Frauen abgesehen?
Jedenfalls ergreift Marlene Kranz mit Rückendeckung ihres Vorgesetzten ungewöhnliche Maßnahmen. Unterstützung erhält sie dabei nicht nur von einem jungen Streifenbeamten und ihrem Kollegen sondern auch von Franky.

Meine Meinung:

Gleich vorweg, ich habe diesen Krimi in einer Nacht gelesen. Da ich Graz, die Hauptstadt der Steiermark, und ihre verwinkelten Gassen wie die Sporgasse recht gut kenne, habe ich mich gleich wie zu Hause gefühlt, und war gleich mitten im Geschehen rund um das Kunsthaus Graz. Schmunzeln musste ich über die Aktion mit der Einsatzgruppe Cobra auf dem Grazer Hausberg Schöckl.

Margot Mühlfellner schafft es, die Spannung stets zu steigern und den Spannungsbogen hoch zu halten.

Die Charaktere, vor allem Marlene sind sehr gut gezeichnet. Niemand, außer ihrem Vorgesetzten weiß, warum sie sich von Wien nach Graz versetzen hat lassen und warum sie ihren Kollegen, trotz des steirischen Brauch, alle zu duzen, so distanziert erscheint. Auch die Leser wissen es nicht, doch in kleinen Portionen erfahren wir, dass in Wien etwas passiert sein muss, was Marlene Kranz aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Dazu verwendet die Autorin einen interessanten Kunstgriff: Wir dürfen bei den Therapiegesprächen zwischen Marlen und dem Psychotherapeuten dabei sein. Zunächst wehrt sie sich gegen die Gespräche, die allerdings Bedingung für die Wiedereinsetzung in den Dienst notwendig sind, doch langsam öffnet sie sich dem Therapeuten gegenüber.

Auch die anderen Charaktere wie der Fotograf Zierach oder der Direktor des Kunsthauses Graz, der auf mich wie eine aufgeblasene Kröte wirkt, erhalten eine besondere persönliche Note.

Gut gefällt mir, dass neben dem Kunsthaus auch andere Plätze wie eben die Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg, die Murinsel, jenes futuristische Gebilde, das anlässlich der Ernennung von Graz zu Kulturhaupstadt Europas 2003 errichtet wurde, „mitspielen“ dürfen. Die Autorin wirft auch einen Blick auf die quasi soziale Zweiteilung von Graz, in eine diesseits und jenseits der Mur gelegene Stadt. Auf der einen Seite (ich verrate jetzt aber nicht welche) leben jene, die es geschafft haben und auf der anderen, die, die noch nicht so weit sind.

Fazit:

Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung dieser Krimi-Reihe, die durch ein durchdachtes Konzept und einen hohen Spannungsbogen besticht. Gerne gebe ich diesem Reihen-Auftakt 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 19.12.2024

Aus der Sicht der Okkupierten ...

Unter deutscher Besatzung
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Dieses Sachbuch beschäftigt sich mit jenen Gebieten Europas, die von Deutschen Truppen besetzt worden sind. Betroffen sind auf dem Höhepunkt der deutschen Machtentfaltung im Zweiten Weltkrieg rund 230 ...

Dieses Sachbuch beschäftigt sich mit jenen Gebieten Europas, die von Deutschen Truppen besetzt worden sind. Betroffen sind auf dem Höhepunkt der deutschen Machtentfaltung im Zweiten Weltkrieg rund 230 Millionen Menschen von Norwegen bis Griechenland und von Frankreich bis in die Sowjetunion.

In elf Kapitel wird untersucht, wie das Zusammenleben von Okkupanten und Okkupierten funktioniert oder eben nicht funktioniert hat.

Kapitel 1: „Sie kommen!“
Kapitel 2: Besetzte Gesellschaften
Kapitel 3: Besatzer und Besetzte
Kapitel 4: „Vor dem Verzehr von Katzenfleisch wird gewarnt“
Kapitel 5: Die eigenen vier Wände
Kapitel 6: Arbeiten für den Feind
Kapitel 7: Papiere, Papiere, Papiere
Kapitel 8: Dazugehören Wollen
Kapitel 9: Ausgeschlossen Werden
Kapitel 10: Nein Sagen
Kapitel 11: Gewalt - und die neue soziale Ordnung unter Besatzung

Dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete, denn Augenzeugen berichten von willkürlichen Anordnungen und Gewalt. Es sind die Okkupierten, die hier zu Wort kommen. Tatjana Tönsmeyer hat erstmals die Geschichte des deutsch besetzten Europas aus der Sicht der Besetzten geschrieben. Auch unterscheiden sich die Bericht, ob sie nämlich aus westlichen oder östlichen Gebieten stammen. Hat die Bevölkerung im Westen noch einen winzigen Handlungsspielraum, so gilt dies für Menschen im Osten nicht.

Dieses dunkle Erbe der deutschen Besatzer trübt manchmal bis heute das Verhältnis einiger europäischer Nachbarländer zu Deutschland, wie die in Polen immer wieder aufflammende Diskussion um Reparationszahlungen Deutschlands beweisen.

Fazit:

Schwere Kost, die aber aus der interessanten Perspektive der Okkupierten verfasst ist. Dafür erhält dieses Sachbuch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.12.2024

„England erwartet, dass jedermann seine Pflicht tut!“

Admiral Nelson – Unter Englands Flagge
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In diesem zweiten und finalen Band widmet sich Autor Mac P. Lorne den letzten sieben Lebensjahren des wohl berühmtesten Admiral der Royal Navy während der Napoleonischen Kriege.

Während der erste Teil ...

In diesem zweiten und finalen Band widmet sich Autor Mac P. Lorne den letzten sieben Lebensjahren des wohl berühmtesten Admiral der Royal Navy während der Napoleonischen Kriege.

Während der erste Teil mit dem Aufstieg jüngsten Sohn eines anglikanischen Geistlichen zum Seehelden, beschreibt, liegt der Fokus nun auf seiner weiteren Entwicklung, die ihm zwar höchste Ehren als auch zahlreiche Neider einbringt. Nach wie vor segelt er, um in der Marinesprache zu bleiben, hart am Kriegsgericht vorbei, da er sich immer wieder über die Anordnungen seiner Vorgesetzten hinweg setzt. Es ist allerdings sein Privatleben, das im prüden England für Aufsehen und Skandale sorgt. Es ist ja nicht so, dass es in England keine Liebschaften der (männlichen) Adeligen gibt. Es ist die fehlende Diskretion, die der Adel und das Königshaus Nelson ankreiden.

Nachdem er in der Schlacht vor Cadiz im Juli 1797 seinen rechten Arm verloren hat, kehrt er widerwillig nach England und seiner Ehefrau Fanny, die sich nur widerwillig um ihn und seine Verwundung kümmert, zurück. Die Kunde von der Liebschaft mit Emma Hamliton hat in England die Runde gemacht.

Was dann folgt, sind weitere Seeschlachten im MIttelmeer, in der Ostsee im Ärmelkanal und letztlich die finale Schlacht vor Kap Trafalgar, die Admiral Horatio Nelson unsterblich macht, auch wenn er stirbt.

Meine Meinung:

Autor Mac P. Lorne zeichnet ein, wie ich meine, authentisches Bild der Zeit und jenes Mannes, der aus kleinen Verhältnissen zum bekanntesten Seehelden Englands, ja ganz Europas wird. Dass Nelson glaubt, sich alles erlauben zu können, ist durchaus verständlich. Jedenfalls bleibt ihm durch seinen Tod das Schicksal eines invaliden, verschuldeten Adeligen erspart. Lady Hamilton wird ihn um zehn Jahre verarmt und einsam überleben. Nur ihre gemeinsame Tochter Horatia wird an ihrer Seite bleiben.

Schmunzeln musste ich über das fiktive Treffen zwischen Nelson und Gebhard Leberecht von Blücher, jenem Mann der die preußischen Truppen gegen Napoleon in Waterloo 1815 befehligt. Die Begegnung mit Arthur Wellesley, dem späteren Duke of Wellington, im Kriegsministerium ist lt. Autor hingegen verbürgt.

„England erwartet, dass jedermann seine Pflicht tut!“ (S. 385)

Für Admiral Nelson gilt diese Botschaft jedenfalls. e

Die Führungsqualitäten von Nelson sind abermals sehr gut herausgearbeitet. Als er verwahloste Schiffe und Mannschaften von anderen Kapitänen übernimmt, macht er gleich tabula rasa. Er räumt mit der Ungleichheit von Mannschaft und Offizieren in punkto Verpflegung auf. Und dort, wo üblicherweise die Peitsche regiert, setzt er auf den Ehrgeiz der Männer. Bei Exerzieren schenkt er seinen Männern nichts, denn jeder Handgriff muss einfach sitzen. Die Mannschaft muss sich blind aufeinander verlassen können. Nelson macht genau dasselbe, wie Napoleon aus den verwahrlosten Truppen seiner Italienarmee oder auch Arthur Wellington aus deinen Bataillonen.

Wenn Shakespeare seinen König Henry V. seinen Mitstreiter bei der Schlacht von Azincourt zurufen lässt:

„Wir Wenigen, wir glücklichen Wenigen wir sind ein Bund von Brüdern!“

„So muss es auch Nelson empfunden haben: Sie waren nicht viele, eine überschaubare Anzahl von Admiralen Kapitänen, die mit ihren Besatzungen und Schiffen dem übermächtigen Feind gegenüberstanden. Und deshalb mussten sie eins sein - ein umschlungenes Band von Brüdern - vom kleinsten Schiffsjungen bis hoch zum ersten Seelord, wenn sie bestehen und England schützen wollten.“ (S. 66)

Der Schreibstil ist lebendig und die Schlachtszenen sind nicht voyeuristisch beschrieben. Die langjährige Recherche beschert uns authentische Seegefechte.

Fazit:

Gerne gebe ich auch dem zweiten Teil 5 Sterne und eine Leseempfehlung.