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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.03.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Nacht der Ruinen
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Der junge Kölner Jude Joseph Salomon kann Anfang 1939 gerade noch rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen. Er lässt seinen jüdischen Freund Jakub und Hilda, die Tochter eines Nazis, zurück.

Im März 1945 ...

Der junge Kölner Jude Joseph Salomon kann Anfang 1939 gerade noch rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen. Er lässt seinen jüdischen Freund Jakub und Hilda, die Tochter eines Nazis, zurück.

Im März 1945 kehrt Joseph, nunmehr Joe Salmon, als sogenannter Ritchie Boy, in US-amerikanischer Uniform nach Köln zurück. Er erhält von Colonel Patterson den Auftrag, den Lynchmord an Richard „Ripper“ Rohrer, einem just über dem Kölner Dom abgestürzten Piloten der US-Army, aufklären. Seine Ortskenntnis und Muttersprache sind die passenden Voraussetzungen dafür. Obwohl die Stadt in Trümmern liegt und die US-Army auf der linksrheinischen Seite bereits mit dem Aufbau einer neuen Verwaltung beginnt, leisten die letzten deutschen Soldaten und der Volkssturm vom rechten Rheinufer, also von Deutz her, noch erbitterten Widerstand.

Zur Tarnung, denn Joe soll ja verdeckt ermitteln, wird ihm ein britischer Kriegsberichterstatter, namens Eric Arthur Blair, den die Nachwelt unter seinem Pseudonym George Orwell kennenlernen wird, zur Seite gestellt. Gemeinsam suchen sie nun nach den Tätern. Nebenbei benutzt er seine dienstlichen Recherchen, um Jakub und Hilda zu finden. Recht bald begegnet er Hildas behinderten Bruder Paul, der aus zunächst noch unbekannten Gründen, dem Euthanasie-Programm der Nazis entkommen ist, und nun in den Ruinen von Köln nach Verwertbarem sucht. Die Erleichterung darüber, dass Hilda überlebt hat, wird getrübt, als Joe von Paul erfährt, dass Hilda verheiratet ist.

Joe muss erkennen, dass die kurzen, aber schrecklichen 12 Jahre des Tausendjährigen Reiches die Menschen in Köln nachhaltig verändert haben und das nicht zu ihrem Vorteil.

Meine Meinung:

Wie ich es von Cay Rademacher gewöhnt bin, ist auch dieser historische Roman aus der Nachkriegszeit penibel recherchiert. Gekonnt verquickt er Fakten mit Fiktion. Wir begegnen neben George Orwell, Colonel Patterson auch Konrad Adenauer.

Bei meinem Besuch in Köln vor einiger Zeit, habe ich bei einer privaten Führung eines befreundeten Ehepaares einiges zur Geschichte der Stadt während des Zweiten Weltkriegs erfahren. Dabei habe ich zahlreiche Fakten, die hier in Rademachers Erzählung Platz haben, kennengelernt. Ich außerdem schon einige Bücher zu diesem Thema sowie über die Ritchie Boys gelesen.

Cay Rademacher hat die Stimmung dieser Tage des Jahres 1945 sehr gut eingefangen. Niemand will etwas gewusst haben, niemand war in der Partei - sie aller haben unter dem Bombenterror der Alliierten gelitten. Ein Unrechtsbewusstsein - Fehlanzeige. Erschreckend zu lesen ist, was mit guten Beziehungen zu den Machthabern während der NS-Zeit doch alles möglich gewesen ist. Doch alles hat seinen Preis: Ein Leben gegen ein anderes.

Die Charaktere sind wie immer bei Cay Rademacher sehr gut ausgefeilt. Auch die Darstellung der Ereignisse aus mehreren Perspektiven ergibt ein mehr dimensionales Bild. Der Autor vermittelt Geschichtsunterricht sehr subtil, so dass die Leser gar nicht immer merken, Geschichtsunterricht zu erhalten. So lässt er Joe, der in den USA (Kunst)Geschichte studiert hat, über die Baukunst des Mittelalters sprechen als er vor den Trümmern des Kölner Doms steht.

Schmunzeln musste ich, als Orwell erzählt, dass er einen Roman in der Schublade hat, in denen Schweine die Bösewichte sind. Ein Grund, Animal Farm, wieder einmal zur Hand zu nehmen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman aus dem zerstörten Köln vom März 1945 eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die Hausboot-Detektei – Tödlicher Grund
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Auch der zweite Fall für die Hausboot-Detektei konnte mich fesseln und überzeugen. Diesmal bekommen es die Detektive mit einem äußerst komplexen Fall zu tun. Zunächst sieht es nach einem einfachen Auftrag ...

Auch der zweite Fall für die Hausboot-Detektei konnte mich fesseln und überzeugen. Diesmal bekommen es die Detektive mit einem äußerst komplexen Fall zu tun. Zunächst sieht es nach einem einfachen Auftrag aus: Tessa vermutet, dass ihr Freund fremdgeht und wendet sich an Arie & Co. Noch ahnt niemand, dass der Auftrag Maddie für eine Nacht ins Gefängnis und die Truppe in weiterer Folge sogar nach Südamerika führen wird.

Wieder mit an Bord sind Arie & Co mit Hund und Fru Gunilla sowie der missgünstige und überfordert wirkende Hofdcommissaris Wessel de Boer, der es Arie heimzahlen will. Nur was eigentlich? Eigentlich hätte Arie Grund Wessel, seinem Ex-Freund und Ex-Kollegen gram zu sein. Wessel hat Arie die Frau ausgespannt und auch gleich nach der Scheidung geheiratet. Hängt bei ihm der Haussegen schief? Ich denke, wir werden es in einem der nächsten (?) Fälle erfahren.

Dieser komplexe Fall erfordert aufmerksames Lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 2. Fall, der uns in die Welt der Umweltschützer und ihrer Gegner, die den Meeresboden industriell ausbeuten wollen, einführt, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss
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Amy Achterop hat rund um den ehemaligen Polizisten Arie eine besondere Gruppe von Ermittlern zusammengestellt: Neben dem menschlichen Team, das aus Arie, Maddie, Jan, Jack und Elin besteht, gibt es noch ...

Amy Achterop hat rund um den ehemaligen Polizisten Arie eine besondere Gruppe von Ermittlern zusammengestellt: Neben dem menschlichen Team, das aus Arie, Maddie, Jan, Jack und Elin besteht, gibt es noch zwei tierische Mitspieler, die auf ihre Weise die Truppe ergänzen - Fru Gunilla, ein Eichhörnchen und Hund, ein Labrador.

Sowohl die Menschen als auch die Tiere haben ein wechselvolles Schicksal hinter sich. So ist ein Teil der Truppe vorbestraft. Arie, weil er seine damalige Ehefrau mit seinem damaligen besten Freund und Kollegen beim Seitensprung ertappt hat und ihm, Wessel, die Dienstwaffe an die Schläfe gehalten hat, Maddie, die Krav Manga-Trainerin hat einen Mann der ihre behinderte Schwester Isa in Nazi-Manier beleidigt hat, aufs Kreuz gelegt und vor Gericht wenig Reue gezeigt oder der städtische Beamte, der Dokumente gefälscht hat. Deshalb gibt in dieser ungewöhnlichen Detektei einige Grundregeln wie „Die Hausbootdetektive werden nicht wieder straffällig“. Das dieser erste Grundsatz nicht immer ganz leicht zu befolgen ist, zeigt sich schon im ersten Fall, der uns einen Ausflug in das schwer umkämpfte Business der Kulinarik führt.

Für eine Hochzeit in der Amsterdamer High Society sollen zwei Catering-Unternehmer noch nie da gewesene Menüs kreieren. Dabei gehen die beiden Spitzengastronomen, deren Geschäfte doch nicht so rund laufen und jeder Auftrag willkommen ist, nicht zimperlich ans Werk. Man kämpft mit harten Bandagen, um den "dicken Fisch" an Land zu ziehen.

Arie & Co bekommen es ausgerechnet mit Ex-Freund und Hofdcommissaris Wessel de Boer als polizeilichen Ermittler zu tun, der alles daran setzt, den Hausbootdetektiven das Leben schwer zu machen. Aber Wessel hat weder mit dem Einfallsreichtum noch mit dem Willen diesen Fall zu lösen, gerechnet.

Meine Meinung:

Mir hat dieser erste Fall für due Hausbootdetektei sehr gut gefallen. Die Mitglieder sind vom Leben gezeichnet, aber keine schlechten Menschen. In ihrem Eifer, den Fall zu lösen, setzen sie auf Köpfchen und verstoßen gleich mehrmals gegen ihren ersten Grundsatz, der deshalb den Zusatz „nur wenn es nicht anders geht“ erhält.

Die Stars dieser Reihe sind Fru Gunilla und Isa, die immer wieder für Überraschungen sorgen. Neben humorvollen Szenen wirft Amy Achterop auch ernste Themen auf. So wird Isa wegen ihre Trisomie 21 immer wieder herabgewürdigt. Selbst die Eltern können mit ihren behinderten Tochter wenig anfangen, weshalb Isa und Maddie in einer winzigen Wohnung zusammenleben. Isas Leidenschaft ist das Zeichnen, Malen und das Designen von T-Shirts.

Der Krimi lässt sich flüssig lesen und bringt uns das Flair von Amsterdam mit seinen Grachten näher.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer eher unblutigen Krimi-Reihe, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Tagebuch aus dem Krieg

Im täglichen Krieg
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Der wohl bekannteste Autor der Ukraine berichtet in diesem, im November 2024 erschienenen Buch über alltägliche und besondere, kleine und größere Ereignisse während des seit 24. Februar 2022 tobenden Angriffskriegs ...

Der wohl bekannteste Autor der Ukraine berichtet in diesem, im November 2024 erschienenen Buch über alltägliche und besondere, kleine und größere Ereignisse während des seit 24. Februar 2022 tobenden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine. Dabei ist klar, dass der Krieg bereits 2014 mit der Annexion der Krim begonnen hat, aber von den westlichen Ländern damals nicht Ernst genommen worden ist.

Er beschreibt ein Leben in Unsicherheit und voller Trotz in den teilweise zerstörten Städten. Zwischen Luftangriff und Opernaufführung - ein Leben, dass durch mutwillige Zerstörung eines von Paranoia und Machtstreben zerfressen einzelnen Diktators gekennzeichnet ist. Leider scheint der nun von einem anderen Pseudo-Demokraten unterstützt zu werden.

Daher ist es wichtig, die Menschen in der Ukraine weiter zu unterstützen - mit Worten, Taten und Geldspenden. Auch wenn andere Nachrichten diesen Krieg in Europa tageweise verdrängen. Es sieht so aus, als hätte sich die Gesellschaft an die Bilder der zerstörten Städte und die Berichte über Truppenbewegungen schon gewöhnt. Auch dass, dieses Buch bislang noch keine Rezension erhalten hat, stimmt mich bedenklich. Wir dürfen nicht aufhören, darüber zu reden oder zu schreiben. Slava Ukraini!

Fazit:

Gerne gebe ich diesem (Tage)Buch aus der Ukraine 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Erinnerungen an die Kindheit in einem japanischen Gefangenenlager

Ein halber Löffel Reis
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Man schreibt das Jahr 1943, Hitler, Mussolini und Japan bilden (noch) ein Dreigestirn des Faschismus. Als man von Dacia Marainis aus Italien stammenden Familie, die seit Jahren in Japan lebt, einen Schwur ...

Man schreibt das Jahr 1943, Hitler, Mussolini und Japan bilden (noch) ein Dreigestirn des Faschismus. Als man von Dacia Marainis aus Italien stammenden Familie, die seit Jahren in Japan lebt, einen Schwur auf Mussolinis Repubblica di Salò zu leisten, wird die Familie (Eltern und drei kleine Töchter) wie zahlreiche andere Angehörige der kleinen italienischen Community in Japan, in ein Konzentrationslager gesperrt.

Da Kinder in den Regeln der japanischen KZ nicht vorgesehen sind, gibt es keine Nahrungsmittel für sie. Die anderen Insassen müssen von ihren ohnehin schon kargen Rationen etwas für die Kinder abgeben, was zu stetigem Murren führt.

Dacia Maraini beschreibt in ihrem Buch, wie sie (und ihre Mitgefangenen) als Siebenjährige der Willkür und dem Sadismus der japanischen Aufseher ausgesetzt war. Wenn es den Wachen beliebt, kürzen sie die knappen Lebensmittel weiter. Als das Rote Kreuz das Lager visitiert, werden sie einige Tage zuvor „gemästet“, um einen ordentlichen Eindruck zu machen. Die zugeteilten Hilfsgüter werden von den Wachen gehortet, gestohlen und am Schwarzmarkt verkauft. Die Gefangenen erhalten nichts oder nur verdorbene Lebensmittel.

Ein berührender Bericht aus einem japanischen Konzentrationslager, das zwar nicht auf Massenvernichtung wie im NS-Unrechtsstaat ausgelegt ist, wo man aber den Tod von Gefangenen billigend in Kauf nimmt.

Abscheulich das Verhalten der Wachen nach der Kapitulation Japans, die dann ausgerechnet bei den befreiten Marainis um Nahrung und Hilfe betteln.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Einblick in die sadistische und grausame Welt eines japanischen Konzentrationslagers 5 Sterne.