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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.07.2024

Elvis lebt!

Mühlviertler Schmankerl
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Auch das oberösterreichische Mühlviertel bleibt von Korruption, Immobilienspekulationen, Freunderlwirtschaft und Mord nicht verschont.

Nicht nur, dass die Mutter von Inspektor Gerhard Grinninger ein ...

Auch das oberösterreichische Mühlviertel bleibt von Korruption, Immobilienspekulationen, Freunderlwirtschaft und Mord nicht verschont.

Nicht nur, dass die Mutter von Inspektor Gerhard Grinninger ein Seminar bei einem halbseidenen Guru besucht und er deshalb auf die gewohnten Mahlzeiten verzichten muss, soll er, ausgerechnet an seinem freien Tag, Mercedes Brettschneider, die Nichte des aktuellen Innenministers Kaputtnig, die seit zwei Wochen spurlos verschwunden ist, suchen. Und sie wird nicht die einzige Person sein, die verschwunden ist.

Auf seiner Suche nach Mercedes bekommt er es mit dem schmierigen Fleischhauer Erich Eder und seinen Produkten, unsauberen Grundstücksgeschäften, einem recht eigenwiligen Pfarrer sowie mit Karl King, einem abgehalfterten Elvis-Darsteller zu tun. Ausgerechnet auf dessen Misthaufen findet Grinninger menschliche Knochen.

Dass an Grinningers Ermittlungen, die ihn nicht nur in Lebensgefahr bringen sondern auch eine Suspendierung durch seinen Chef, nach sich ziehen, decken ein Komplott innerhalb der Innenpolitik auf, das sich gewaschen hat.

Meine Meinung:

Wie schon aus den Vorgängern bekannt, sind weder Grinninger noch sein Schöpfer Christian Hartl, Meister der feinen ironische Klinge. Wie es sich für einen g’standenen Mühlviertler gehört, wird Tachles geredet und auf eventuelle politische Befindlichkeiten wenig Rücksicht genommen. Das beschert Grinninger zwar eine hohe Aufklärungsquote, aber nicht immer das Wohlwollen seiner Vorgesetzten.

Wieder spart Hartl nicht mit Gesellschaftskritik. Wie schon die anderen Fälle für Inspektor Gerhard Grinninger ist der Schreibstil auch diesmal ein wenig derb. Alkoholiker taumeln genauso durch das Buch wie verhaltensauffällige Dorfbewohner und in Slimfit-Anzüge gekleidete Politiker.

„Wähler ließen sie im Glauben, die wahren Patrioten zu sein, und sie verscherbelten - als sie an der Macht waren - Allgemeingut, Staatsbetriebe, Menschenrechte und demokratische Grundsätze in Bausch und Bogen. Wer die Nutznießer waren, lässt sich leicht erahnen.“

Auch die katholische Kirche kommt nicht sehr gut weg. Weder ihr Personal in Rom noch jenes im Mühlviertel. Denn neben einer Wunderquelle, die - gegen eine Spende versteht sich - Krampfadern verschwinden lassen soll, gibt es allerlei Gerüchte um den Pfarrer mit dem klingenden Namen Pius „Kistus“ Thorwartl.

Dass der eine oder andere Dörfler entfernt an lebende Personen erinnert, liegt wohl daran, dass auch dieses Dorf ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Die Charaktere sind gut beschrieben, aber kaum sympathisch. Auch Grinninger hat diesmal kaum liebenswerte Eigenschaften. Sein sonst übliches Bauchgefühl meldet nur Hunger statt möglicher Hypothesen. Er stolpert eher irgendwie durch die Geschichte, als er ermittelt.

Am besten hat mir das den Medien zugespielte Video eines Treffens in einer Villa am Moldaustausee gefallen, wo Grinningers Chef, der Bezirkspolizeikommandant Stefan Schlager, der örtliche Immobilienmogul Eisner sowie der Innenminister Harald Kaputtnig mit einem indischen Investor in trauter alkoholgeschwängerter Luft zusammensitzen, und der sattsam bekannte Satz “Mei, is de schoarf“ fällt. Damit ist aber weder der Senf noch ein gut gewürztes Erzeugnis des Fleischhauers Eder gemeint.

Fazit:

In Zeiten, in denen die reale Politik Steilvorlagen für Krimi-Plots liefert, ist es mitunter schwierig Spannung in einem Kriminalroman zu erzeugen und diese hoch zu halten. Aber, Elvis lebt! Diesmal gebe ich diesem Mühlviertel-Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.07.2024

(K)eine Gebrauchsanweisung

How to wear a Dirndl
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In insgesamt acht Kapitel versucht Elsabeth Wallnöfer ihren Leserinnen das Wesen des Dirndls näherzubringen:

Von der Tracht zum Dirndl
Dirndlboom
Dirndlmief
Dirndlball
Des Dirndls Lebens- und Sinneslust
Zeitgenössisches
Dirndl: ...

In insgesamt acht Kapitel versucht Elsabeth Wallnöfer ihren Leserinnen das Wesen des Dirndls näherzubringen:

Von der Tracht zum Dirndl
Dirndlboom
Dirndlmief
Dirndlball
Des Dirndls Lebens- und Sinneslust
Zeitgenössisches
Dirndl: Eine Gebrauchsanleitung
Zum Ausklang

Meine Meinung:

Die Autorin beschreibt das Dirndl von seinen Anfängen als das großstädtische Bürgertum die Alpen als Feriendomizil auserkoren haben, bis hin zur Gegenwart, in der das Dirndl ein Sammelsurium an (mitunter kuriosen) Bekleidungsteilen ist. Dabei verschweigt sie nicht, dass der Nationalsozialismus das Dirndl für seine Zwecke missbraucht hat.

Für meinen Geschmack wird der Unterschied zur regionalen Tracht, die ihren Ursprung in der Arbeits- bzw. Festtagskleidung der Bürgerinnen und Bäuerinnen hat, und die Zugehörigkeit zu den entsprechenden Tälern zu wenig herausgearbeitet. Da hätte ich mir mehr Info erwartet.

Im Abschnitt „Zeitgenössisches“ geht die Autorin auf einige Modeschöpferinnen wie Vivienne Westwood oder Lena Hoschek ein, die dem Dirndl ein neues, flottes Image verpasst haben.

Für alle jene, die ihr Dirndlgwand gerne tragen und alle jene, die es einmal (an)probieren wollen, ist dieses Buch ein nettes Geschenk.

Fazit:

Ein kleines feines Büchlein zum Thema wie frau ein Dirndl trägt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.07.2024

Sachlicher Einblick in die SEK

Inside SEK
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Klappentext:

Wenn es für die Polizei zu brenzlig wird, tritt das Spezialeinsatzkommando auf den Plan. Die anonymen Elitekräfte mit den Sturmmasken sind da, wenn die Gefährdung am größten ist: bei der ...

Klappentext:

Wenn es für die Polizei zu brenzlig wird, tritt das Spezialeinsatzkommando auf den Plan. Die anonymen Elitekräfte mit den Sturmmasken sind da, wenn die Gefährdung am größten ist: bei der Terrorismusbekämpfung, Geiselbefreiungen, Razzien und gefährlichen Zugriffen.Der ehemalige Polizist mit dem Decknamen »Kuni« war lange im SEK tätig. In 25 Episoden blickt er auf seine Zeit beim Kommando zurück und bietet einen fesselnden Blick hinter die Kulissen. Wie und mit welcher Motivation kam er zum SEK? Wie liefen Aufnahmeprüfung und Ausbildung ab? Welchen Herausforderungen musste er sich stellen?Kuni nimmt uns mit zu seinen spannendsten Einsätzen - von spektakulären Zugriffen, auch mit schwerem Gerät wie Granatwerfern, bis zum Kampf gegen Kinderpornografie. Inside SEK verrät, wie es bei der mythenumrankten Elitetruppe tatsächlich zugeht!

Soweit der Klappentext, der die Leser darauf vorbereitet, was sie in diesem Buch erwartet. Nein, keine Rambo-Action sondern beinhartes Training, gnadenloses Aussieben von Anwärtern, die es dann doch nicht schaffen, den Anforderungen gewachsen zu sein.

In 25 Kapitel erzählt Kuni von der Gründung des SEK nach dem palistinäsischen Terroranschlag bei den Olympischen Spielen in München 1972, dessen Weiterentwicklung sowie Ausbildung und Einsätzen.

„Du kannst nicht gegen jemanden gewinnen, der nichts zu verlieren hat.“

Das Buch ist gleichzeitig eine Bestandsaufnahme der deutschen Polizei, die sich aktuell immer schwierigeren Aufgaben gegenüber sieht. Seien es Demonstrationen oder Terrorismusbekämpfung oder der knappen Ressourcen an Personen und Material. Wenn die Bedrohungslage zu komplex, zu unübersichtlich erscheint, kommt das SEK, das Spezialeinsatzkommando, zum Einsatz.

In sachlichem Ton berichtet der ehemalige Polizist von seiner Ausbildung und seinen Einsätzen sowie von seinen Zweifeln und warum er letztlich den Dienst quittiert hat. Kuni verschweigt auch nicht, dass das SEK sowie die Polizei im Allgemeinen und die Bundeswehr seit Jahren kaputt gespart werden und das bei immer größeren Anforderungen
an Mensch und Material.

Fazit:

Ein sachlicher Blick hinter die Kulissen der Spezialeinheit. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.07.2024

Eine LIebeserklärung an den Hausberg der Grazer

Auf dem Schöckl
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„1 Berg - 4 Jahreszeiten - 100 Möglichkeiten“

So beschreibt das Autoren-Duo Elke Jauk-Offner und Harald Eisenberger den Hausberg der Grazer und bricht mit diesem Buch eine Lanze für den Schöckl.

Was ...

„1 Berg - 4 Jahreszeiten - 100 Möglichkeiten“

So beschreibt das Autoren-Duo Elke Jauk-Offner und Harald Eisenberger den Hausberg der Grazer und bricht mit diesem Buch eine Lanze für den Schöckl.

Was den Wienern die Rax, Semmering oder Schneeberg sind, ist für die Grazer der Schöckl. Ein Hausberg, den man zu Fuß, dem Fahrrad, mit der Gondelbahn oder mit dem Auto erreichen kann, eine Oase der Vielfalt und Natur.

Bereits im Jahr 1147 ist der 1.445 Meter hohe Berg als „mons sekkel“ erstmals urkundlich erwähnt worden. Meine persönliche, erste Begegnung mit dem Schöckl ist neben einer Wanderung im Volksschulalter mit meinen Großeltern, die häufige Durchsage im österreichischen Rundfunk „Ausfall des Senders Schöckl wegen Gewitters“. Nun solche Ausfälle kommen aktuell, trotz gewaltiger Unwetter nur mehr selten vor.

In vier Kapitel, die in etwa den vier Jahreszeiten entsprechen, stellen uns die Autoren den Schöckl vor:

Der Schöckl - ein erstes Kennenlernen
Der Schöckl blüht auf
Der Schöckl erstrahlt
Am Schöckl wird’s still

Wir dürfen an Hand der tollen Bilder und der mit viel Liebe zusammengestellten Texte das ultimative Freizeitparadies der Grazer Bevölkerung kennenlernen. Dabei ist es ziemlich egal, ob wir uns als Adrenalin-Junkie outen oder gemütlich mit der ganzen Familie den Berg erleben wollen. Hier auf dem Schöckl ist für alle etwas dabei.

Als Vermesserin gefällt mir der O(rientierungs)-Park, der 2011 von Hannes Pacher, dem passionierten Orientierungsläufer und der Holding Graz ins Leben gerufen worden ist, sehr gut. Bewaffnet mit einer analogen (!) Karte läuft oder geht man die Strecke ab, findet die 32 Kontrollpunkte und freut sich, das Ziel erreicht zu haben.

Apropos Vermessung: 1820 wurde der Schöckl als Koordinatenursprung für die Landesvermessung des damaligen Herzogtum Steiermark festgelegt. Innerhalb von nur 5 Jahren wurde die Steiermark für den Franziszeischen Kataster vermessen. Heute erledigen moderne Messmethoden die Vermessungsarbeiten. Unter anderem dazu steht auf dem Ostgipfel der „Corner-Reflektor“, der im Zusammenspiel mit seinen „Kollegen“ am Flughafen Graz-Thalerhof und dem Observatorium am Grazer Lustbühel Daten für die Erforschung der Erdgestalt durch die Abteilung Fernerkundung und Geoinformation des Joanneum Research und der GeoSphere Austria liefern.

Doch nun genug der Wissenschaft!

Viel wichtiger sind die zahlreichen Einkehrmöglichkeiten mit ihren lokalen Köstlichkeiten, die uns hier Appetit aus eine Wanderung auf den Schöckl machen, der im Übrigen auch für barrierefrei gestaltet ist.

Also, lasst uns die Wanderschuhe schnüren, den Rucksack packen und nichts wie rauf auf den Schöckl!

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Hommage an den Hausberg der Grazer 5 Sterne und eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 17.07.2024

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Warten auf den Tod
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Während gefühlt halb London vor der Theaterkassa angestellt steht, um eine der begehrten Karten für die Vorstellung eines bekannten Musicals zu erhalten, sackt mitten Gedränge ein Mann tot zusammen. In ...

Während gefühlt halb London vor der Theaterkassa angestellt steht, um eine der begehrten Karten für die Vorstellung eines bekannten Musicals zu erhalten, sackt mitten Gedränge ein Mann tot zusammen. In seinem Rücken steckt ein Stilett. Inspector Alan Grant vom Scotland Yard wird mit der schwierigen Aufgabe betraut, den Mord an dem namenlosen Opfer aufzuklären. Der Fall ist wie eine mathematische Gleichung mit mehreren Unbekannten: Niemand hat etwas gesehen oder gehört und die Identität unbekannt. Die wenigen Fakten, die Waffe und die Kleidung, helfen vorerst nicht weiter. Dann stellt sich heraus, dass der Täter Linkshänder gewesen sein muss. Als endlich klar ist, wer das Opfer ist, gerät dessen Freund, der Linkshänder ist, in den Fokus von Grant und flieht. Ein Schuldgeständnis? Inspector Grant reist dem Flüchtigen bis nach Schottland nach ....

Meine Meinung:

Josephine Tey hat mit diesem ersten Fall für Inspector Alan Grant einen fesselnden Krimi, der very british daherkommt, verfasst. Es ist ein Krimi der leisen Töne, einer bei dem sowohl der Ermittler als auch die Leser viel nachdenken müssen. Immer wieder, wenn Grant glaubt, diese komplexe Geschichte endlich auflösen zu können, beschleichen Zweifel und er tut gut daran, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Zahlreiche Spuren erweisen sich als Sackgassen und lassen sowohl Grant als auch die Leser ins Leere laufen.

Der Spannungsbogen ist hoch, obwohl er in der Mitte ein wenig abflacht, bevor er durch eine letzten Wendung noch für eine überraschende, aber stimmige Lösung sorgt.

Üblicherweise achtet ja niemand, der nicht selbst davon betroffen ist, auf Linkshänder. Geschickt wird hier die Tatsache benützt, dass man nur das sieht, was man kennt. Selbst der erfahrene Inspector wird in die Irre geführt.

Schmunzeln musste ich, als Grant sich an Hand eines Messtischblattes sich mit der Landschaft in Schottland vertraut macht. Der Begriff "Messtischblatt" ist mir als Vermesserin ja gut geläufig, aber schon lange nicht mehr untergekommen. Im allgemeinen sagt man nun Katasterblatt dazu.

Die Charaktere sind sehr gut getroffen. Man kann sich die Figuren so richtig vorstellen.

Josephine Tey ist das Pseudonym der schottischen Autorin Elizabeth MacKintosh (1896–1952), die vor allem für ihre Kriminalromane bekannt geworden ist. Die Autorin Josephine Tey ist selbst auch eine Protagonistin in der Krimi-Reihe rund um Detective Inspector Archie Penrose, die aus der Feder von Nicola Upson stammt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Auftakt einer interessanten Krimi-Reihe 4 Sterne und freue mich auf die anderen Fälle.