Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.01.2026

Eine klare Lesempfehlung!

Zurück unter Mördern
0

Michael Jensen, dessen historischen Kriminalromane rund um die Brüder Sass sowie jene um Jens Druwe, der auch hier, im aktuellen Krimi eine Rolle spielt, ich gelesen habe, nimmt mich mit in das Nachkriegsdeutschland. ...

Michael Jensen, dessen historischen Kriminalromane rund um die Brüder Sass sowie jene um Jens Druwe, der auch hier, im aktuellen Krimi eine Rolle spielt, ich gelesen habe, nimmt mich mit in das Nachkriegsdeutschland.

Oswald und Hertha Lassaly gehören zu den wenigen, von den Nazis Vertriebenen, die nach Hamburg zurückkehren. Er hat mit der Hansestadt und Deutschland noch eine Rechnung offen: Er will einerseits das geraubte Eigentum der Familie zurück und andererseits den angeblichen Selbstmord seines Vaters Eduard aufgeklärt wissen.

Doch der befreundete Anwalt, der schon seinen Vater betreut hat, macht ihm wenig Hoffnung, denn die Firma, ein Kaffeeimport und die Familienbank, sind „verkauft“ worden, was durch Dokumente belegbar ist. Dass der Kaufpreis durch Drohungen auf einen Bruchteil des Wertes gedrückt worden ist, interessiert niemanden. Um Beweise dafür zu finden, dass einerseits der Kauf Betrug und der Selbstmord seines Vaters Mord war, wird der Kriegsheimkehrer und Privatermittler Hans Mahler beauftragt, Dokumente und Zeugen aufzutreiben. Mahler scheint dafür sehr gut geeignet, hat er doch vor dem Zweiten Weltkrieg Jura studiert, aber nicht abgeschlossen und als Gegner der Nazis selbst im Gefängnis. Allerdings wird Mahler von seinen eigenen Dämonen geplagt wird, ist doch seine Frau seit dem, als „Operation Gomorrha“ bekannten, Bombardement Hamburgs verschollen.

Je tiefer Hans Mahler in die Familiengeschichte der Lassallys eintaucht, desto mehr wird ihm bewusst, dass die Täter von damals durchwegs wieder in ihren alten Positionen arbeiten. Oswald und Hertha Lassaly sind zurück unter Mördern.

Meine Meinung:

Der Krimi beruht auf der wahren Familiengeschichte der jüdischen Familie Lassally aus Hamburg, die, wie Hunderttausende andere auch, systematisch gedemütigt, ausgeplündert, ihres Eigentums beraubt, teilweise in den Selbstmord getrieben und als sie nichts mehr hatten, was Nazi-Deutschland nützlich sein konnte, in den diversen Vernichtungslagern ermordet worden sind. Nur wenigen Mitglieder dieser jüdischen Familien ist es, wie Oswald Lassally, gelungen, das Land zu verlassen und noch viel weniger kehren in das Land der Mörder zurück.

Hans Mahler muss erkennen, dass die alten Parolen vom Durchhalten und der Volksgemeinschaft sind noch fest in den Köpfen der Menschen verankert ist. Zudem haben sie neue wie „nach vorne schauen“, „Wir haben auch gelitten.“ und „Wir haben nichts gewusst!“ gebildet haben und in einer Art Dauerschleife wiederholt werden. Schrecklich zu lesen ist das Selbstverständnis mit der Täter/Opferumkehr betrieben wird. Die Mehrzahl der Deutschen sieht sich als Opfer der Alliierten und der jüdischen Weltverschwörung. Unrechtsbewusstsein in kaum vorhanden, weshalb es kaum möglich ist, geraubte Gegenstände und Wohnungen den ursprünglichen Eigentümern zurückzugeben.

Michael Jensen hat mit diesem historischen Krimi die düstere und beklemmende Stimmung im Nachkriegsdeutschland sehr gut eingefangen. Die wahre Geschichte von Eduard Lassally und seiner Familie ist penibel recherchiert. Wie schon in den historischen Krimis rund um die Brüder Sass und um Kriminalkommissar Jens Druwe lässt sich dieser hier ebenso sehr gut lesen, auch wenn er keine leichte Kost ist. Zartbesaiteten Lesern könnte die eine oder andere Grausamkeit vielleicht Probleme bereiten.

Die Figur des Hans Mahler bietet sich gemeinsam mit dem Thema förmlich an, als Reihe weiter entwickelt zu werden. Denn leider ist die Familie Lassally kein Einzelfall.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi aus dem Nachkriegsdeutschland 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.01.2026

Hat mir nicht gefallen

Gamsalp
0

Dieser Krimi ist der dritte einer Reihe rund um Elwood, einem Organisten und Privatermittler. Für mich ist es der erste Krimi vom Schweizer Autor Christian Gauer und ich befürchte, es wird wohl der einzige ...

Dieser Krimi ist der dritte einer Reihe rund um Elwood, einem Organisten und Privatermittler. Für mich ist es der erste Krimi vom Schweizer Autor Christian Gauer und ich befürchte, es wird wohl der einzige bleiben. Warum?

Elwood, mit bürgerlichen Namen Tobias Gottwald, trauert um seine tote Hündin Viva, die er sichtlich lieber mochte als seine Frau Ivy und die Menschen im Allgemeinen, und hat eine entsprechende Sinnkrise. Die versucht er mit einer ausgedehnten Wanderung in der Umgebung zu bewältigen. Doch gleichzeitig spukt ihm die Meldung eines tödlichen Bergunfalls im Kopf herum. Als er bei seiner Wanderung auf eine Gruppe Motorradfahrer trifft, verquicken sich Wanderung, Trauer, Bergunfall und ein Alptraum zu einer eigenartigen Mischung, bei der nicht ganz klar ist, was Traum oder Wirklichkeit ist.

Meine Meinung:

Mir haben hier weder die Charaktere noch der Schreibstil zugesagt. Die Protagonisten, allen voran Elwood, wirken auf mich wenig einnehmend. Die Ermittlungen zu dem tödlichen Bergunfall kommen meiner Ansicht nach zu kurz. Es geht hauptsächlich um die Emotionen/Träume/Rückkopplungen von Elwood, bei dem ich nicht weiß, ob er bekifft durchs Leben stolpert. Und dann noch der eigenartige Schreibstil, der für mich ziemlich gewöhnungsbedürftig ist. Zahlreiche Sätze sind stakkatoartig hingeworfen und bei einigen ist die Satzstellung recht eigenwillig.

Gut gefällt mir, dass Schweizer Ausdrücke verwendet werden. Die tragen, gemeinsam mit dem Cover als auch mit der bildhaften Beschreibung der Natur dazu bei, diesen Regio-Krimi nicht zur Gänze als Flop zu bezeichnen.

Fazit:

Dieser Krimi von Christian Gauer, der mich tief in die Schweiz, nach Toggenburg im Kanton St. Gallen geführt hat, wird wohl eine Eintagsfliege bleiben, die ich mit 2 Sternen bewerte.

Veröffentlicht am 06.01.2026

Hat mich nicht ganz überzeugt

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
0

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro ist 2025 im Haymon-Verlag erschienen. Der Krimi ist bereits der dritte Band der Cosy-Krimi-Reihe mit der Katzendetektivin Miez Marple. Für ...

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro ist 2025 im Haymon-Verlag erschienen. Der Krimi ist bereits der dritte Band der Cosy-Krimi-Reihe mit der Katzendetektivin Miez Marple. Für mich ist das die erste Begegnung mit dem Autor und seiner tierischen Detektivin.

Weil ihre Dosenöffnerin Agathe Christenson einen Wanderurlaub antreten möchte, wird Miez Marple kurzerhand in das Luxus-Tier-Ressort Bellagio verfrachtet. Zunächst ist Miez Marple not amused, zumal sie das Zimmer mit dem alternden Schlagerkater Florian Silberschweif teilen muss, mit dem sie noch eine alte Rechnung offen hat.

Doch als am Tag nach der Ankunft eine der urlaubenden Showstar-Katzen tot aufgefunden wird, beginnt Miez Marple zu ermitteln, was nicht jedem Hotelgast in den Kram passt. Zudem ist ihr die Welt des Showbusiness nicht ganz so vertraut, weshalb sie über ihren Schatten springt und letztlich Silberschweif als ihren Assistenten akzeptiert. Doch der hat, wie so viele andere Hotelgäste, auch ein Geheimnis, das nicht enthüllt werden soll ....

Meine Meinung:

Meine Meinung zu diesem Krimi ist ziemlich zwiegespalten. Die Wortgewandtheit des Autors finde ich toll. So musste ich laut lachen, als ich von Gabriel zu Grundel, der Stockente gelesen habe, die am Finanzmarkt tätig ist, den Dachs beobachtet und mit Bitcorns handelt. Das muss einem erst einmal einfallen. Oder die Achtsamkeitsübung „Mensch barfuß auf Kies“, die Florian Silberschweif gerade übt. Welche menschliche Entsprechung gemeint ist, ist wohl klar.

„...Wie unhöflich von mir! Runter vom Sofa. Hasso runter vom Sofa ist mein Name. Ich bin hocherfreut, Sie zu treffen, ich bin ein großer Fan…“

Diese Vorstellung des Reisegefährten Labradoodle klingt stark nach „Bond, James Bond“ und ist wohl beabsichtigt. In ähnlicher Diktion geht es weiter.

Geschickt flicht Fabian Navarro auch Vorurteile und Befindlichkeiten, wie jene, die Miez Marple dem Schlagerkater Silberschweif gegenüber hat, ein.

Als Zeichentrickfilm ist der Plot sicherlich eine gute Grundlage, aber als Krimi hat mich die Handlung nicht wirklich überzeugt. Aber, vielleicht bin ich schon zu alt dafür oder zu realistisch. Ich mag ja auch das Genre Fantasy oder S/F nicht.

Fazit:

Es gibt, wenn ich die 5-Sterne-Rezensionen so ansehe, eine große Fan-Gemeinde von Miez Marple. Ich zähle mich nicht dazu und vergebe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 29.12.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Robert Surcouf. Der Tiger des Indischen Ozeans
0

Nach seinen Romanen rund um Piraten wie Jack Bannister und der Dilogie rund um Horatio Nelson, der ganz offiziell die Weltmeere durchpflügt, widmet sich Mac P. Lorne in diesem Buch einem Mann, der lange ...

Nach seinen Romanen rund um Piraten wie Jack Bannister und der Dilogie rund um Horatio Nelson, der ganz offiziell die Weltmeere durchpflügt, widmet sich Mac P. Lorne in diesem Buch einem Mann, der lange nicht so bekannt ist wie Nelson: Robert Surcouf (1773-1827).

Robert Surcoufs Vorfahren waren Korsaren, also Seefahrer, die mit „Genehmigung“ der Regierung, andere Schiffe aufbrachten und die erbeuteten Waren nach Abzug der Provisionen dem König überließen. Doch Roberts Vater, ein Kaufmann in St. Malo, hat mit seinem Sohn anderes vor und steckt ihn in die Jesuitenschule, die er ohne Erlaubnis verlässt. Wenig später beginnt seine Karriere als Seemann, zunächst als blinder Passagier.

Als er 1792 nach Frankreich zurückkehrt, ist die Monarchie Geschichte, der Vater verarmt und die nunmehrige junge Republik befindet sich im Krieg gegen alle jene, die die Bourbonen wieder einsetzen wollen. In Toulon lernt er einen jungen Mann kennen, der lange Jahre das Weltgeschehen dominieren wird und auch auf sein, Roberts Leben, großen Einfluss haben wird: Napoleon Bonaparte.

Mit welchem Husarenstück er aus dem Hafen von Toulon entkommt, müsst ihr selbst lesen ....

Meine Meinung:

Mit diesem historischen Roman ist Mac P. Lorne wieder ein großartiger Seefahrerroman gelungen, der das Leben von Robert Surcouf vor allem während der Jahre 1786 bis 1821 beschreibt.

Obwohl Sucouf Napoleon vor einem Seekrieg warnt, weil weder eingspielte Mannschaften noch fähige Kapitäne (Die hat die Revolution „gefressen“, weil sie fast ausschließlich aus dem Adel stammten.) vorhanden sind, besteht der auf Konfrontation mit den Briten, um die Seeblockade aufrecht zu erhalten und damit den Warenverkehr zu verhindern. Das Ergebnis ist bekannt: Die französische Flotte wird sowohl bei Abukir (1798) als auch bei Trafalgar (1805). wie von Robert Surcouf vorausgesagt, vernichtet und die Schmuggler verdienen sich eine goldene Nase.

Diese doch eher unrühmliche Geschichte der französischen Flotte wird von offizieller Seite gerne totgeschwiegen. Nur so legendäre Seefahrer wie eben Robert Surcouf leben in den Köpfen der Menschen und in der Literatur weiter, woran dieser Roman einen großen Anteil hat.

Wer also gerne Segel refft, in die Wanten klettert und mit waghalsigen Manövern aus gesperrten Häfen entflieht, sowie einem korrupten Statthalter das Handwerk legt und sich mit seiner direkten (und manchmal ziemlich respektlosen) Art auch noch mit Napoleon anlegt, dem sei dieser historische Roman ans Herz gelegt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten Seefahrerroman 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 22.12.2025

Eine klare Leseempfehlung

Taschenzauberei
0

Es sind Herbstferien und wieder einmal müssen Ben und seine ältere Schwester Paulina im elterlichen Hotel mitarbeiten, während die Klassenkolleginnen und Klassenkollegen die Ferientage in den diversen ...

Es sind Herbstferien und wieder einmal müssen Ben und seine ältere Schwester Paulina im elterlichen Hotel mitarbeiten, während die Klassenkolleginnen und Klassenkollegen die Ferientage in den diversen Urlaubsorten verbringen dürfen. Urlaub machen ist für die Familie Waldmann nicht drin, denn mit dem Erlös des Hotels kommen sie gerade so über die Runden. Bens Laune ist am Tiefpunkt, denn ausgerechnet die schüchterne Lea aus seiner Klasse soll ein Praktikum im Hotel machen.

Als sich eine Gruppe faszinierender Gäste im Hotel „Zum Waldmann“ einquartiert, die als Häkelrunde eingebucht sind, aber mit Handarbeiten wenig am Hut haben, beginnt für Ben und Lea ein Abenteuer, an das sie noch lange denken werden.

Meine Meinung:

Schon das Format dieses Kinderbuch, das durch seine gediegene Aufmachung einen haptischen Genuss verspricht, ist besonders. Auf hochwertigem, griffigen Papier gedruckt, enthält es nicht nur eine witzige Geschichte, sondern auch zahlreiche gelungene Illustrationen.

Das Buch erzählt von Freundschaft und geschwisterlichen Auseinandersetzungen sowie Rivalitäten im Klassenzimmer und dem Druck durch teure Marken „dazugehören zu müssen“.

Die Handlung ist ideenreich und auch kurzweilig. Das Buch eignet sich zum Selbstlesen ab ca, acht Jahren oder zum Vorlesen. Die Kapitel haben ein gute Länge. Zudem dürfen sich große und kleine Leserinnen und Leser von der besonderen Atmosphäre des Buches verzaubern lassen.

Obwohl ich ja kein großer Hunde-Fan bin, musste ich über den Instant-Hund „Knorr“ (ja, wie die Packerlsuppe), herzlich lachen. Was es damit auf sich hat, müsst ihr selbst lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Kinderbuch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.