Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2023

Leider eine Enttäuschung für mich

Die Wölfe von Pompeji
0

Die 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs zerstörte Stadt Pompeji ist Schauplatz dieses Romans rund um Amara, die einst von ihrer Mutter aus Geldnot in die Sklaverei verkauft worden ist. Die gebildete ...

Die 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs zerstörte Stadt Pompeji ist Schauplatz dieses Romans rund um Amara, die einst von ihrer Mutter aus Geldnot in die Sklaverei verkauft worden ist. Die gebildete Tochter eines angesehenen Arztes muss nun ihr Leben als Prostituierte, in dem als Wolfshöhle bekannten Bordell, fristen.

Die Frauen werden gedemütigt, müssen täglich ihr Pensum erfüllen und haben wenig Aussicht, freigelassen zu werden.

Amara versucht nicht nur ihre Bildung für ein besseres Leben einzusetzen.

Meine Meinung:

Die Idee hat mir sehr gut gefallen, das im verschütteten Pompeji wieder ausgegrabene Lupanar als Schauplatz zu wählen. Allein die Umsetzung halte ich für nicht allzu geglückt.

Zuerst könnte die Geschichte in jeder anderen Stadt der römischen Antike spielen. Das Flair von Pompeji kommt überhaupt nicht zur Geltung. Auch wenn die Frauen das Lupanar nicht oft verlassen dürfen, könnte die Umgebung mit dem Vesuv in Gesprächen der reichen Männer vorkommen. Oder Reisende und Händler, die sich häufig im Bordell aufhalten, könnten über die Stadt reden. Aber leider ist von der pulsierenden Stadt nichts zu lesen.

Die Handlung selbst ist unspektakulär und der Erzählstil einfach. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung.

Die ziemlich derbe Sprache der Prostituierten und der Männer hingegen ist gut getroffen. Dies lässt sich anhand der Ausgrabungen von Pompeji allerdings leicht recherchieren. Was mich aber echt gestört hat und den dritten Stern kostet, ist, wenn von einer „Dinner-Party“ und mehrfach von „Partys“ die Rede ist. Das sind für die Antike völlig unpassende Begriffe! Ein Festmahl wäre ein convivium oder ein einfach eine Orgie.

Die Charaktere wirken flach.

Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, die vermutlich mit dem Ausbruch des Vesuvs und dem Untergang Pompejis enden wird. Beides wird ohne mich stattfinden, denn ich werde diese Reihe nicht weiterverfolgen.

Fazit:

Dieser Roman, ich kann ihn nicht einmal „historisch“ nennen, hat mich leider enttäuscht. Es reicht nur für 2 Sterne.

Veröffentlicht am 08.06.2023

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Aufbruch im Licht der Sterne
0

Historiker und Autor Frank Vorpahl erzählt in diesem, seinem neusten, Buch die Geschichte von James Cook und seinen Reisen in der Südsee. Doch nicht Cook steht im Mittelpunkt, sondern die drei Polynesier ...

Historiker und Autor Frank Vorpahl erzählt in diesem, seinem neusten, Buch die Geschichte von James Cook und seinen Reisen in der Südsee. Doch nicht Cook steht im Mittelpunkt, sondern die drei Polynesier Tupaia, Maheine und Mai, ohne die James Cook auf seinen Pazifikreisen wohl kläglich gescheitert wäre.

Frank Vorpahl, der sich schon seit rund 30 Jahren auf die Spuren von James Cook geheftet hat, hat nicht nur die Reisetagebücher und Logbücher von Cook und seinen Mitreisenden durchforstet, sondern auch polynesische Aufzeichnungen in seine Recherchen einbezogen. Das ergibt ein ganz anderes Bild von der Entdeckung der Inseln in der Südsee.

In zehn Kapiteln schildert Frank Vorpahl die Entdeckungsreisen von James Cook. allerdings nicht ausschließlich aus europäischer Sicht.

Wer sind sie nun, jene Männer, die Cook durch die Korallenriffe navigierten und ihn und seine Mannschaften davor retteten, in Neuseeland von den Maoris wegen ihres Eindringens getötet zu werden?

Tupaia ist ein Meister der Navigation und erstellte eine sehr genaue Seekarte von den zahlreichen Inseln der Südsee. Gleichzeitig ist er Hohepriester und Berater seiner Herrscher. Diese Seekarte beweist, dass die Polynesier bereits Hunderte Jahre vor den Europäern die Meere in ihren Übersee-Kanus befuhren. Tupaia erliegt dem Skorbut, obwohl sich James Cook rühmt „keinen seiner Männer an den Scharbock, verloren zu haben“. Der Wahrheitsgehalt von Cooks Aussage darf getrost angezweifelt werden. Aber, Tupaia ist ja kein „eigenes“ Besatzungsmitglied. Man kann sich alles schönreden.

Maheine hilft Cook auf dessen zweiten Reise, die drei Jahre dauert, Zugang zu Kultgegenständen zu bekommen, die später in den verschiedensten europäischen Museen zu bewundern sein werden. Sie sind heute Gegenstand von Diskussionen, um die Rückgabe von geraubten Kunstwerken.

Mai ist der Einzige, der das Wagnis auf sich nimmt, nach Europa zu reisen. Er kommt bis nach London und wird dort als „wilder Südseeprinz“ bestaunt und missbraucht.

Meine Meinung:

Dieses Buch, das so kenntnisreich wie kurzweilig geschrieben ist, ist eine längst fällige Korrektur der kolonialen Geschichtsschreibung.

Da sich nicht alles durch authentische Quellen belegen lässt (und wie authentisch sind Reiseberichte der Europäer?), erzählt Historiker Vorpahl diese fesselnde Geschichte in einer klugen Mischung aus vielen Fakten und ein wenig Fiktion. Damit stellt er den Europäern ein denkbar schlechtes Zeugnis aus und würdigt den großen Anteil, den die Polynesier an der James Cooks Reisen in der Südsee hatten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und kurzweilig geschriebenen Buch, das neben den europäischen Reiseberichten auch auf polynesischen Quellen zurückgreift, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.06.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die toten Engel von Kreta
0

Als Thea einen Anruf der griechischen Botschaft erhält, erfüllt sich für sie der Albtraum aller Eltern: Sie soll ihre tote Tochter Anna identifizieren. Verstört reist Thea nach Kreta, um dort festzustellen, ...

Als Thea einen Anruf der griechischen Botschaft erhält, erfüllt sich für sie der Albtraum aller Eltern: Sie soll ihre tote Tochter Anna identifizieren. Verstört reist Thea nach Kreta, um dort festzustellen, dass die Leiche der jungen Frau nicht Anna ist. Nur wo ist Anna und warum hat die Tote Annas Personalausweis bei sich?

Thea begibt sich auf Spurensuche nach Anna, die laut Aussage des Botschaftsmitarbeiters Gravert in Drogengeschäfte verwickelt gewesen sein soll, was Thea nicht glauben kann. Wenig später erhält sie unerwartete Hilfe von Alexis Dimitriou, der selbst Polizist ist, aber auf der Flucht vor seinen eigenen Kollegen ist. Welches Geheimnis umgibt Alexis?

Und warum taucht in völlig unpassenden Momenten Gravert wieder auf?

Thea weiß nicht, wem sie noch vertrauen kann. Je näher sie Anna kommt, desto gefährlicher wird die Suche.

Der Showdown am Ende hält noch eine große Überraschung für Thea und Alexis sowie für uns Leser bereit.

Meine Meinung:

Wie wir es von Anja Marschall gewöhnt sind, lässt auch dieser Krimi nichts an Spannung vermissen.

Wir hetzen mit Thea und Alexis quer über die Insel, müssen uns mehrmals verstecken und lernen, dass auf Kreta noch das archaische Ritual der Blutrache gepflegt wird. Geschickt lockt uns die Autorin über Stock und Stein. Immer wenn man glaubt, ha, jetzt ist die Lösung zum Greifen nah, verflüchtigt sie sich wieder. Nur Theas Willen, Anna zu finden, ist ungebrochen.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Thea, die energische Mutter, die nicht glauben kann, dass ihre Tochter wissentlich mit Drogengeschäften zu tun hat oder Alexis, der Polizist, der sich selbst als Totenvogel sieht. Eine ziemlich undurchsichtige Figur ist der deutsche Botschaftsangehörige Gravert - ihm ist keinesfalls zu trauen.

Fazit:

Wer einen fesselnden Krimi auf der schönen Mittelmeerinsel Kreta lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 06.06.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Bretonisch mit Sturm
0

In ihrem vierten Abenteuer verschlägt es Tereza Berger, die Buchhändlerin aus der Villa Wunderblau, vom bretonischen Festland auf die kleine Insel Ouessant. Sie soll Kommissar Gabriel Mahon zu einer Hochzeit ...

In ihrem vierten Abenteuer verschlägt es Tereza Berger, die Buchhändlerin aus der Villa Wunderblau, vom bretonischen Festland auf die kleine Insel Ouessant. Sie soll Kommissar Gabriel Mahon zu einer Hochzeit begleiten.

Voll Erwartung auf ein entspanntes Wochenende mit dem wortkargen Schotten begibt sie sich zur Fähre. Nur, Gabriel taucht nicht auf, dafür erhält sie eine Novelle zum Lesen und die raue See macht ihr zu schaffen.

Endlich auf der Insel, stehen Tereza leider keine romantischen Tage bevor, denn ein Sturm an eigenartigen Ereignissen zieht auf. Da sind zuerst einmal die Befürworter und Gegner eines Windparks, die sich in die Haare kriegen, dann ein Bräutigam (Gabriels Verwandter!), dem der Rummel um die Hochzeit, den sich seine Zukünftige ausgedacht hat, viel zu viel ist und tote Vögel, die Tereza, als Kennerin der keltischen Mythologie, gleich in Zusammenhang mit den Toten sieht, sowie ein ordentlicher Sturm, der sich, „wenn Katzen fliegen“ zu einem Orkan auswächst.

Und dann fliegen sie, die Katzen. Die Insel ist von der Umwelt abgeschnitten und nicht nur die Hochzeitsgäste müssen auf besseres Wetter warten.

Meine Meinung:

Dieser vierte Fall für Tereza Berger ist weniger ein Krimi als ein wild-romantisches Abenteuer, das zeigt, dass jedes noch so unscheinbare Ereignis in ein böses oder gutes Vorzeichen umgedeutet werden kann, wenn es in einen bestimmten Kontext passt. Hier haben wir es mit einer kleinen Insel zu tun, deren Bewohner sich die Zeit, in der sie aufgrund des häufigen stürmischen Wetters von der Umwelt abgeschnitten sind, mit Sagen und Seemannsgarn vertreiben. Touristen mag man auf der Insel, die ein Naturschutzgebiet ist, nicht ganz so gerne, allerdings bringen sie Einnahmen.

Neben dem Handlungsstrang um Tereza und Gabriel, der diesmal nicht großartig in Erscheinung tritt, spielt die Novelle, die sie von Gabriel ziemlich kommentarlos zum Lesen erhalten hat, eine große Rolle. Das stellt sich allerdings erst nach einiger Zeit heraus. Zuvor sind Tereza und die Leser mit ganz anderen Dingen beschäftigt.

Das gefällt mir an dieser Krimi-Reihe von Gabriela Kasperski, dass wir es hier nicht unbedingt mit einem „Whodunit“-Krimi zu tun haben, sondern, dass sich das Offensichtliche geschickt verbirgt. Hier hat sie sich nach eigenen Angaben an eine „huis clos“-Variante (also „geschlossene Gesellschaft“) herangewagt. Ein gelungenes Wagnis, wie ich meine! Die Bezeichnung „huis clos“ lässt sich hier auf zwei Arten interpretieren: Einerseits wegen der Bewohner von Ouessant, die schon durch ihre Eigenarten, eine verschworene Gesellschaft sind und andererseits durch die wetterbedingte Isolation der Insel.

Der Schreibstil ist wie immer flüssig und gut zu lesen. Ich finde es gut gelungen, Tereza außerhalb ihres üblichen Kontexts agieren zu sehen. Der Ausflug in die Geschichte rund um einen Schiffsuntergang, der Auswirkungen bis in die Gegenwart hat, macht dieses Buch sehr interessant.

Schmunzeln musste ich über Terezas „Boule-Rouge“, die wie eine Wundertüte, das gerade benötigte Werkzeug hervorbringt. Die Tasche muss ja gefühlt 50kg haben. Ich kenne das gut, denn meine Tasche enthält auch alles Notwendige: Vom Pflaster über Nähzeug bis zum Multitool - frau kann ja nie wissen ....

Und ja, Gabriel Mahon darf sich ein wenig weiterentwickeln. Er ist zwar nach wie vor wortkarg und eigenbrötlerisch, aber immerhin ist eine Umarmung für Tereza drinnen. Mal sehen, was Frau Autorin mit ihm weiter vor hat. Wenn ich Gabriel mit einem Wort beschreiben müsste, wäre AUSTER wohl das richtige. Ziemliche raue Schale, fest verschlossen und ein weiches Inneres.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Ausflug auf die sturmgebeutelte Insel Ouessant 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.06.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Nordwestschuld
0

Dieser Krimi ist der 4. aus der Reihe um die Soko St. Peter-Ording. Die beiden Ermittler Hendrik Norberg und Anna Wagner bekommen es diesmal mit der Betrugsmasche „Love-Scamming“ zu tun, mit der einsamen ...

Dieser Krimi ist der 4. aus der Reihe um die Soko St. Peter-Ording. Die beiden Ermittler Hendrik Norberg und Anna Wagner bekommen es diesmal mit der Betrugsmasche „Love-Scamming“ zu tun, mit der einsamen Frauen Geld aus der Tasche gezogen wird.

Doch das ist nicht das einzige Verbrechen, mit dem sich die beiden Polizisten herumschlagen müssen: Am Strand werden weibliche Überreste entdeckt, die sich als Cold Case einer vor Jahren verschwundenen Frau entpuppen. Und dann ist noch das rätselhafte Verschwinden von Klara Hensel, die von ihrer Angestellten Inken als vermisst gemeldet und anfangs von der Polizei nicht ernst genommen wird. Inken lässt nicht locker und eignet sich Klaras Laptop widerrechtlich an, auf dem sie einen eigenartigen Chat-Verkehr entdeckt, der auf genauso ein Liebesgeplänkel hindeutet.

Es gibt eine Liste mit mehreren Verdächtigen, auf der auch Inken steht, hat sie doch damit gerechnet, die Buchhandlung, in der sie gemeinsam mit Klara arbeitet, von Klaras verstorbener Tante zu erben.

Meine Meinung:

Geschickt ist „Love-Scamming“, dieses aktuelle und interessante Thema, in die Handlung eingeflochten.

Anna Wagner und Hendrik Norberg müssen, wie Jongleure ihre Bälle, die vielen Einzelergebnisse der Ermittlungen quasi in der Luft halten, um zu einer unerwarteten Auflösung zu kommen.

Für mich war das der erste Krimi dieser Reihe bzw. von Svea Jensen. Es wird aber nicht der letzte sein.

Das chaotische Privatleben der Ermittler ist mir an manchen Stellen unangenehm aufgefallen, was aber sicher daran liegt, dass ich die Vorgänger nicht kenne.

Der Schreibstil ist angenehm und der Krimi lässt sich leicht lesen.

Die Autorin hat akribische Recherchen zum Thema „Love-Scamming“ betrieben und weist in diesem Krimi auf die perfiden Machenschaften, mit denen, hauptsächlich Frauen, um ihre Ersparnisse gebracht werden, hin. Um den Leserinnen vor Augen zu führen, wie die Betrüger agieren, sind Auszüge aus echten Chat-Verläufen abgedruckt. Also liebe Leserinnen, wenn ihr solche Nachrichten bekommt, lasst euch nicht auf diese Süßholz raspelnden Ganoven ein, die euch anbaggern und „nur das Beste für euch wollen“. Stimmt alles nicht! Sie wollen EUER Bestes, nämlich euer Geld.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi 4 Sterne.