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Veröffentlicht am 27.07.2020

Dave Robicheaux´ zehnter Fall – und mein erster

Sumpffieber
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Vor etlichen Jahren wurde in New Iberia ein radikaler Gewerkschaftsführer auf brutale Art und Weise ermordet. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden, die Täter sind nach wie vor auf freiem Fuß. Jahrzehnte ...

Vor etlichen Jahren wurde in New Iberia ein radikaler Gewerkschaftsführer auf brutale Art und Weise ermordet. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden, die Täter sind nach wie vor auf freiem Fuß. Jahrzehnte später sind die Kinder dieses Mannes, Megan und Cisco Flynn, zurück in der Gegend – scheinbar um zu arbeiten. Als wenige Tage nach ihrer Ankunft zwei weiße Brüder nach der Vergewaltigung eines schwarzen Mädchens kaltblütig erschossen werden fällt der Verdacht auf einen Mann, der auch schon damals beteiligt gewesen sein soll: Alex Guidry. David Robicheaux ermittelt in diesem Fall, kann aber auch den Cold Case nicht fallen lassen – insbesondere deshalb nicht, weil Megan immer wieder seine Nähe und Unterstützung sucht. Als der Verdächtige kurz bevor er Robicheaux die Wahrheit erzählen kann ebenfalls ermordet wird weiß dieser, dass er auf der richtigen Spur ist. Und sich mit gefährlichen Leuten angelegt hat.

„Sumpffieber“ ist der inzwischen zehnte Fall (von 23!) der „Dave-Robicheaux-Reihe“ des amerikanischen Bestsellerautors James Lee Burke – und mein erster! Ich bin hin und weg von seinem großartigen, wortgewaltigen Schreibstil! Absolut außergewöhnlich und ganz anders als das, was einem normalerweise in Büchern begegnet. Auch die – sicherlich nicht einfache – Übersetzung dieser poetischen und intelligenten Sprache ist gut geglückt und hochwertig. Etwas schwach fand ich lediglich die oftmals sehr kurzen und wenig aussagekräftigen Dialoge zwischen den Figuren.

Als Leser spürt man deutlich die Verbundenheit des Autors mit der Gegend in Louisiana, in der er nicht nur seine Bücher ansiedelt, sondern auch selbst lebt. Burke beschreibt insbesondere Landschaften und alltägliche Situationen sehr metaphernreich und atmosphärisch. Man kann die Bayous, Bäume und Sumpflandschaften der Südstaaten regelrecht riechen und fühlen, so anschaulich werden sie dargestellt. In diese idyllischen Landschaftsbeschreibungen siedelt er als krassen Kontrast das Böse, von Menschen Gemachte an: Rassismus, Gewalt, Alkoholismus, Kriminalität und Armut. Diese Themen werden in all ihren dunklen Facetten ungeschönt beschrieben, was mir teilweise etwas zu brutal war. Burke zeichnet ein grausames Bild von Amerikas Südstaaten. Insbesondere das Rassismus-Thema war sehr präsent. Das stimmte mich sehr traurig, da das Buch schon über 20 Jahre alt ist, Burkes gesellschaftskritische Themen allerdings gerade in der momentanen Zeit aktueller sind denn je.

Zunächst fiel es mir zugegebenermaßen etwas schwer, aufgrund der sehr schnellen Gedankensprünge in die Geschichte hineinzukommen. „Sumpffieber“ ist aus Sicht von Robicheaux geschrieben, ohne dass es großer Erklärungen bedarf. Spannend fand ich auch die ab und an auftretenden Perspektivwechsel. Der Anfang erfolgte sehr schnell, man wurde regelrecht in die Story hineinkatapultiert. Robicheaux war mir zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt und auch die verschiedenen Handlungsstränge und zahlreichen Personen zu erfassen empfand ich als kompliziert.

Robicheaux agierte wie ein moderner Robin Hood, so ganz konnte ich seine Rolle zwischen Polizist, und Privatperson bis zum Ende hin nicht einordnen. Auch gab es unzählige undurchsichtige Figuren, so dass bis zum Schluss unklar blieb, wer eigentlich Opfer oder Täter oder beides war. Diese Figurenzeichnung empfand ich als recht spannend, da die meisten weder gut noch schlecht, sondern als Produkt ihrer Sozialisation präsentiert werden. Zum Ende hin war ich deshalb leider aber sehr verwirrt. So ganz habe ich nicht mehr zusammenbekommen, wer wie mit drin steckt und bin leider zugegebenermaßen etwas ausgestiegen, was mir sonst eigentlich nie passiert. Schade auch, dass es keine gerechte Strafe für die wirklich Schuldigen gab.

Insgesamt muss man durchgängig aufmerksam bleiben und sehr genau lesen, um den roten Faden nicht zu verlieren – das Buch ist definitiv nichts fürs schnelle, unkomplizierte Entspannungslesen.

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Veröffentlicht am 27.07.2020

Die verlorenen Kinder der DDR

Zwei fremde Leben
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Ricarda Weber erlebt 1973 das Schlimmste, was einer werdenden Mutter passieren kann: Ihr Kind stirbt während der Geburt in der Dresdner Frauenklinik. Doch Ricarda weigert sich zu trauern, da sich die Anzeichen ...

Ricarda Weber erlebt 1973 das Schlimmste, was einer werdenden Mutter passieren kann: Ihr Kind stirbt während der Geburt in der Dresdner Frauenklinik. Doch Ricarda weigert sich zu trauern, da sich die Anzeichen mehren, dass ihr Kind nicht tot geboren wurde, sondern ihr weggenommen und stattdessen loyalen Parteigenossen übergeben wurde. Sie glaubt an einen von der DDR-Regierung angeordneten Falls von Kindesentführung, dem sie auch in den kommenden Jahrzehnten nachgeht. Unabhängig von ihr gerät der Fall auch in das Visier des jungen motivierten DDR-Polizisten Thomas Rust, der damals vor Ort war und die Geschichte durch Ricardas Lebensgefährten miterlebt hat. Wird die Wahrheit jemals ans Licht kommen?

„Zwei fremde Leben“ ist ein Roman, der sich schnell, flüssig und unkompliziert lesen lässt, da er in einem einfachen und schnörkellosen Schreibstil verfasst wurde. Die Geschichte spielt sich in drei Zeitebenen ab, was hier als Stilmittel absolut passend ist und zusätzlich eindrucksvoll wirkt: 1973, als die Ereignisse in der DDR geschehen sind; 1993 als sie erstmalig aufgearbeitet werden sollen und 2018, als es dann zur Aufklärung in der BRD kommt – soweit das nach so langer Zeit noch möglich war.

Der Leser begleitet die Protagonisten und auch zahlreiche Nebenfiguren während dieser Zeit und lernt sie somit in verschiedenen Lebensphasen immer besser kennen. Ricarda und Rust als Protagonisten verkörpern starke Kämpfernaturen, die moralisch an das Gute glauben und bereit sind gegen jeden Widerstand dafür zu kämpfen. Ricarda war mir anfangs noch sympathisch, allerdings fängt sie irgendwann an mich mit ihrem Kampf um die Wahrheit zu nerven. Leider wird sie auch vom Autor am Ende als das dargestellt, was alle anderen vorher schon gesagt haben: Dass sie hysterisch ist, übertreibt und einfach die Wahrheit nicht akzeptieren kann. Schade, ich hätte mir ein besseres Ende für sie gewünscht, der ganze Kern des Buches wird dadurch etwas abgeflacht.
Thomas Rust ist eine Person, die ich überhaupt nicht verstehen und nachvollziehen kann. Warum beschäftigt er sich so dermaßen mit der Geschichte des toten Babys? So sehr, dass er Grenzen überschreitet, Regeln bricht und sich selbst trotz mehrerer brenzliger Situationen und Rügen seitens seines Vorgesetzten in große Gefahr begibt, obwohl er doch besser für seine hochschwangere Frau da sein sollte? Und dabei nicht mal auf die Idee gekommen ist, die Mutter des Kindes zu befragen – was gerade als Polizist naheliegend gewesen wäre. Auch seine plötzliche Wendung weg vom geliebten Staat kam so schnell, dass es unglaubwürdig und wenig nachvollziehbar war, v.a. weil er vorher so ein strenger Verfechter des Sozialismus und seines Staates war, dass er sogar zum Ministerium für Staatssicherheit wechseln wollte. Ein strenggläubiger Genosse und treuer Diener des Staates sieht anders aus und lässt sich nicht so leicht vom Glauben abbringen, der den Menschen damals indoktriniert wurde.

Was mir sehr gut gefallen hat waren die zahlreichen interessanten und schockierenden Einblicke in die Strukturen und Lebensweisen der DDR. Das Alltagsleben der damaligen Menschen und auch die Zeit nach aus Sicht der Bürger erschien mir sehr authentisch. Insbesondere die DDR-Nostalgie der älteren Generation nach Zusammenbruch des Staates war sehr gut dargestellt. Es ist wirklich traurig, was damals geschehen ist und auch für die Menschen heute, wie lange der Weg dauert die Wahrheit herauszufinden, z.B. Einblick in eigenen Stasiakten zu erhalten oder die Enttäuschung darüber zu verarbeiten, welche Personen als indirekte Stasi-Mitarbeiter welche Infos über einen gesammelt und weitergegeben haben. Für mich ist es sehr schockierend mir vorzustellen, dass das wirklich Realität war.

Und deshalb hat mich das Ende des Buches leider etwas enttäuscht und unbefriedigend zurückgelassen. Die plötzliche Wendung und Verwirrung am Schluss sowie die leicht reißerische „Familienzusammenführung“ hätten wirklich nicht sein müssen und waren übertrieben. Auch wurde der Fall meiner Meinung nach etwas zu sehr einfach nach Schwarz-Weiß-Denken gelöst: Der böse Schurkenstaat und die Stasi sind an allem schuld. Des Weiteren hätte ich mir am Ende einen Bezug zu den Hintergründen gewünscht und in diesem Fall schon fast erwartet: Warum hat uns der Autor nicht an seinen Rechercheergebnissen teilhaben lassen? Irgendwie muss er ja inspiriert worden sein. Gab es tatsächlich solche (Verdachts-)Fälle in der DDR und was weißt darauf hin? Was an der Geschichte ist fiktiv, was erfunden? Wo gibt es Informationen zu den wahren Hintergründen oder sogar Hilfsangebote für Betroffene? Ein Buch, dass mich mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen hat. Schade!

Mein Fazit: „Zwei fremde Leben“ ist ein angenehm zu lesendes Buch mit einer wichtigen Story mit großem Potenzial, das leider bei weitem nicht ausgeschöpft wurde.

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Veröffentlicht am 24.07.2020

Gut geschriebener Collegesport-Roman mit überschaubarer Handlung

Game on - Mein Herz will dich
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Anna Jones möchte eigentlich von Männern nichts wissen. Ihr Fokus liegt auf ihrem Collegeabschluss und darauf, ihren persönlichen Weg zu finden. Da passt es überhaupt nicht, dass sich während einer Vorlesung ...

Anna Jones möchte eigentlich von Männern nichts wissen. Ihr Fokus liegt auf ihrem Collegeabschluss und darauf, ihren persönlichen Weg zu finden. Da passt es überhaupt nicht, dass sich während einer Vorlesung plötzlich der Star-Quarterback des Colleges neben sie setzt und nicht mehr aufhört sie anzustarren. Zuerst reagiert Anna abweisend und wütend, doch kann auch sie nicht abstreiten, sich von Drew Baylor angezogen zu fühlen. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre und stellen Regeln im gegenseitigen Umgang miteinander auf. Anna möchte nicht den Fokus verlieren indem sie ihr Herz an jemanden verschenkt, der es sowieso nur brechen wird – doch Drew weiß als erfahrener Footballspieler, dass man am Ende nur den Sieg davonträgt, wenn man hartnäckig bleibt. Wie lange wird Anna seinen Annäherungsversuchen wiederstehen können?

„Game On – Mein Herz will dich“ ist der erste Band der „Game On“-Reihe der amerikanischen Autorin Kristen Callihan. Alle vier Romane der Reihe drehen sich um Football, sind aber in sich abgeschlossen, was mir am ersten Band gut gefallen hat. Das Cover ist ein echter Hingucker und wirkt durch seine Farbgebung und die Musterung sehr ansprechend – hier hätte ich in der Buchhandlung auch zugegriffen.

Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen, was insbesondere dem lockeren Schreibstil der Autorin zu verdanken ist. Die Kapitel sind entweder aus Annas oder Drews Perspektive geschrieben, was den Leser Einblick in die Gedankenwelt beider Protagonisten ermöglicht. Das hat mir sehr gut gefallen und ich konnte mich gut in die Figuren einfühlen. Kristen Callihan bringt jede Menge Humor in die Geschichte und über manch sarkastischen Gedanken und ironisch-bissigen Dialog musste ich schmunzeln. Erotische Szenen wurden ästhetisch beschrieben und wirkten an keiner Stelle billig oder abgedroschen, lediglich Annas Brüste wurden gerade obsessiv beschrieben, was auf Dauer etwas genervt hat. Allerdings konnte man als Leser das Prickeln und die Spannung zwischen den Protagonisten regelrecht spüren. Insgesamt wurde jederzeit eine authentische und auf die eigenen Emotionen übergreifende Atmosphäre geschaffen, der Autorin ist es wunderbar gelungen, mich als Leser in die verschiedenen Stimmungen ihrer Szenen zu versetzen. Am besten haben mir die guten Vergleiche und Metaphern sowie manche Lebensweisheit gefallen, welche die Autorin geschickt eingebaut hat.

Wo mich die Autorin mit ihrem ansprechenden Schreibstil begeistern konnte hat die Handlung aber wieder etwas zunichte gemacht. Zusammengefasst: Für ein über 500seitiges Buch wurde leider sehr wenig wirklicher Inhalt verarbeitet. An sich bietet der Plot großes Potenzial und hat mir zunächst gut gefallen. Nach und nach zieht es sich aber immer mehr dahin, bis sich Anna ihre Gefühle eingesteht und die Beziehung als solche entsteht. Vorher gibt es jede Menge (für meinen Geschmack zu viele) Sex-Szenen, jede Menge unverständlicher Abweisungen seitens Anna und lediglich das ein oder andere tiefergehende Gespräch über die Hintergründe der beiden. Sowieso wird sehr wenig kommuniziert und mir ist nicht so ganz klar geworden, wie und warum sich die beiden– über die körperliche Anziehung hinaus – ineinander verliebt haben. Die Handlung plätschert lange dahin, bis es zum vorhersehbaren Streit und dem anschließenden Wendepunkt kommt Drews Unfall. An dieser Stelle war ich endgültig von der Handlung enttäuscht, hat sie doch somit jedes typische Klischee eines Sportromans bedient und sich jeglicher Überraschungsmomente beraubt. Auch das Ende war dann mehr als enttäuschend, nachdem die beiden sich endlich aufgerafft und auch Drew sein Verhalten geändert hat gibt es einen großen Bruch zwischen Ende des Buches und Epilog. Der eigentlich interessante Teil (Genesung, Profikarriere, Annas Jobwahl, Entwicklung einer ernsthaften Beziehung) wurde komplett weggelassen, dafür wiederum mit Klischees gearbeitet. Hier hätte ich mir unbedingt noch mehr Geschichte gewünscht – wo am Anfang zu viel „Geplänkel“ war wurde an der Stelle, die mich interessiert hat, gespart. Schade!

Die weibliche Protagonistin Anna ist eine selbstbewusste, intelligente, temperamentvolle und bodenständige junge Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie hat ihre Prinzipien und Prioritäten und steht für diese ein, selbst wenn der größte Star des Colleges versucht diese zu brechen. Jedoch hat sie auch einen Schutzpanzer um sich gebaut und eine verletzliche Seite. Manche ihrer Gedankenzüge konnte ich jedoch trotzdem nicht so ganz nachvollziehen und vor allem konnte ich nicht verstehen, warum sie sich so lange ziert, obwohl die beidseitigen Gefühle eigentlich klar waren. Dieses ständige, teilweise nicht nachvollziehbare Hin- und Her hat sie an manchen Punkten als „Zicke“ dargestellt, von der ich teilweise etwas genervt war. Sie hat die Dinge einfach unnötig verkompliziert. Schade, da sie mir eigentlich zu Beginn und auch später nach dem Unfall wieder sehr sympathisch wieder war.
Der männliche Protagonist Drew ist wie der Traumprinz aus einem Märchen: Attraktiv, sportlich, ehrgeizig, begehrt, intelligent, einfühlsam und wahnsinnig in Anna verliebt. Er ist trotz seines Ruhms auf dem Boden geblieben und kümmert sich nicht um die Meinungen anderer. Seine Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit gegenüber Anna sind bewundernswert, auch wie er sein Leben trotz seines schweren Schicksals meistert. Ein wahrer Traumtyp. Warum er aber so auf Anna fixiert ist wurde mir auch nicht so ganz deutlich. Nach dem Unfall hat er sich aber charakterlich so sehr verändert, dass er nicht mehr wieder zu erkennen war. Das habe ich als etwas unrealistisch empfunden, dass jemand so eine 180-Grad-Wende hinlegt, das aber (wiederum ohne ersichtlichen Grund) auch wieder komplett rückgängig machen kann.
Es kommen nur wenige Nebenfiguren vor, welche aber in der Mitte des Buches eine größere Rolle einnehmen. Iris, George und die Freunde von Drew kommen mir aber leider eher oberflächlich ausgearbeitet vor, mit Ausnahme von Gray, dem aber ein eigener Band der Reihe gewidmet ist. Gegen Ende wurden diese gar nicht mehr erwähnt und ein offener Handlungsstrang bezüglich Annas Freundin Iris wurde sogar komplett offen gelassen, obwohl es hier noch viel Raum für eine gute Nebenhandlung gegeben hätte.

Insgesamt hätte ich mir von dem Buch mehr erwartet. Es ist zwar eine nette Geschichte für zwischendurch, die durch ihren humorvollen Schreibstil besticht, aber durch die in die Länge gezogene Handlung mit viel zu wenig Inhalt, die teilweise fehlende emotionale Logik sowie Tiefe und die Bedienung von typischen Sportler-Klischees leider alles in allem nicht überzeugend. Dennoch freue ich mich auf Band 2, in dem es dann um Gray geht, der mich in „Game on – Mein Herz will dich“ bereits begeistert hat.

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Veröffentlicht am 13.07.2020

Eine wahre Begebenheit, die die Seele tief berührt und erschüttert

Wo du nicht bist
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Berlin in den 20er Jahren: Irma Weckmüller hatte es bisher alles andere als leicht in ihrem jungen Leben. Der Vater ist im ersten Weltkrieg verstorben, die Mutter hat diesen Verlust nie verkraftet und ...

Berlin in den 20er Jahren: Irma Weckmüller hatte es bisher alles andere als leicht in ihrem jungen Leben. Der Vater ist im ersten Weltkrieg verstorben, die Mutter hat diesen Verlust nie verkraftet und sich das Leben genommen. Irma kümmert sich aufopferungsvoll um ihre kleine Schwester Martha, erarbeitet sich einen attraktiven Job im KaDeWe und verdient nebenher noch etwas Geld mit Nähen. Eines Tages lernt sie den charmanten Gynäkologen Erich Bragenheim kennen, der ihr immer offensichtlichere Avancen macht. Zunächst hält sich Irma – auch zuliebe ihrer Schwester – zurück, doch die Anziehung überwiegt: Irma und Erich werden ein Paar, verleben eine unheimlich liebevolle glückliche Zeit miteinander und planen ihre Hochzeit. Doch Erich ist Jude und die NSDAP wird immer mächtiger in Deutschland, so dass bald auch Irma in Gefahr gerät. Eines Tages wird Erich ins Konzentrationslager verschleppt und kommt dort ums Leben. Dieser Schicksalsschlag droht Irma zu zerbrechen, bis sie einen Plan fasst, der ihr wieder den alten Lebensmut und Kampfeswillen zurückgibt: Trotz allem möchte sie an ihrem Versprechen festhalten und Erichs Frau werden!

Bereits das Cover zu „Wo du nicht bist“ strahlt für mich pure Nostalgie und etwas Schwermut aus. Die Farbgebung gefällt mir sehr gut, das Motiv ist mehr als passend. Ich mag es, dass man die Gesichter des Paares nicht sieht, da dies meine Phantasie nur eingeschränkt hätte und den wahren Personen sowieso nicht gerecht geworden wäre. Ich war bereits beim Betrachten des Covers sofort in der richtigen Stimmung für die Story und habe mich direkt in die damalige Zeit zurückversetzt gefühlt. Unterstrichen wird das noch durch die passende Haptik, der Papiereinband ist absolut stimmig zur Geschichte des Buches.

Dieses startet mit dem Text „Dein ist mein ganzes Herz“ von Fritz Löhner-Beda, welcher bereits eine schwermütige Atmosphäre verbreitet und im folgenden Geschehen noch eine große Rolle spielen wird. Absolut toll finde ich deshalb, dass auf diesen auch am Ende des Buches noch einmal näher eingegangen wird und seine historischen Hintergründe sowie die der zugehörigen Personen erläutert werden.

Bereits der Prolog vor dem eigentlichen Beginn des Buches weckt beklemmende Gefühle in mir und deutet darauf hin, dass es sich um eine Geschichte ohne Happy End handeln wird. Bereits hier musste ich schlucken, vor dem Hintergrund, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert war dieser Einstieg bereits sehr berührend. So ein bisschen in der richtigen, melancholischen Stimmung muss man als Leser deshalb schon sein, es wird schnell klar dass das Schicksal der Protagonisten grausam werden wird. Dann jedoch zieht einen das Buch vollständig in seinen Bann und geht so tief unter die Haut, dass man es nicht so schnell vergessen kann.

Während des Hauptteiles des Buches wechseln sich Szenen aus unterschiedlichen Jahren ab, der Großteil wird jedoch chronologisch erzählt. Da alle Kapitel aber mit Jahreszahlen überschrieben sind fällt die Einordnung nicht schwer, auch wenn die Sprünge zwischen 1932 zu 1945 recht groß sind und man als Leser teilweise gefordert ist, zwischen Irmas Erinnerung und ihrer Gegenwart zu unterscheiden. Der Kontrast zwischen ihren Erlebnissen wird dadurch aber noch deutlicher. Die einzelnen Kapitel sind sehr lang und in einem nüchtern-sachlichen Schreibstil verfasst. Trotz dieser eher unemotionalen und vielmehr berichtenden Erzählweise war ich gefühlsmäßig sehr involviert. Ich glaube, dieser Stil ist genau richtig, um das Unerträgliche erträglich zu halten und den Leser auf das damals Geschehene anstatt auf seine eigenen Emotionen zu fokussieren. Am Ende des Buches findet man noch interessante Informationen über die wahren Hintergründe der Geschichte und wie es zur Entstehung des Buches kam. Außerdem Abbildungen historischer Dokumente wie der offiziellen Heiratsurkunde des Paares und Fotos der beiden, die mir die Tränen in die Augen getrieben haben.

Die Geschichte der zwei unterschiedlichen Schwestern wird anschaulich beschrieben, der Leser lernt Irma und Martha in all ihren Facetten sowie ihre gemeinsame Vergangenheit kennen. Irma ist eine starke Persönlichkeit, der man im Leben bisher noch nichts geschenkt hat. Sie musste von klein auf Verantwortung übernehmen und kümmert sich aufopferungsvoll um ihre jüngere Schwester Martha und später auch um deren Sohn Max. Im Gegensatz zu ihrer Schwester wirkt sie fast schon als „Heilige“, die fleißig, begabt und empathisch ist. Martha hingegen ist missgünstig und behandelt Irma oft ungerecht. Das erste Aufeinandertreffen mit Erich und die passend für die damalige Zeit langsame Annäherung werden sehr realitätsnah und gefühlvoll beschrieben. Gerne hätte ich aus Sympathie zu den beiden Protagonisten noch mehr Details aus der unbeschwerten Zeit gelesen, verstehe aber, dass bei diesem Buch der Fokus (leider) nicht auf den glücklichen Tagen liegt. Ich bin so traurig, dass die gemeinsame Zeit so kurz geschildert wurde, denn bereits in den Vorkriegsjahren wird der schleichende Judenhass in vielen kleinen Zwischentönen deutlich. Nach Erichs Tod zieht sich Irma in sich selbst zurück, bis sie für sich den Entschluss fasst, eine postmortale Eheschließung durchführen zu lassen. Die Veränderung, die ab diesem Punkt mit ihr einhergeht wird sehr deutlich, ihre Hartnäckigkeit und ihr ungebrochener Wille sind bewundernswert. Auf dem Weg dorthin erfährt sie zahlreiche Demütigungen, aber durch ihre unbändige Willenskraft setzt sie letztendlich ihr Ziel um – ein sehr ergreifendes, emotionales und stimmiges Ende.

Was besonders hervorzuheben ist, ist die damalige Atmosphäre, die Anke Gebert wie keine zweite heraufzubeschwören vermag. Durch ihren bildhaft-beschreibenden Stil wird der Alltag der Protagonisten plastisch, als Leser habe ich mich sofort in das Berlin der damaligen Zeit hineinversetzt gefühlt. Ich liebe dieses authentische Zeit- und Lokalkolorit! Anschaulich und ungeschönt beschrieben wird auch die Nachkriegszeit mit den Entbehrungen und dem täglichen Kampf ums Überleben nach 1945. Auch der Einblick in ein mit bis dato unbekanntes Kapitel der deutschen Justizgeschichte war sehr faszinierend, ich habe noch niemals von einer postmortalen Heirat gehört und konnte mir bisher auch noch nicht vorstellen, dass dies überhaupt möglich ist.

Bücher, die auf einer wahren Begebenheit beruhen, ergreifen mich immer besonders. „Wo du nicht bist“ hat mich allerdings noch nachhaltig berührt und beschäftigt. Zwar wird gleich am Anfang klar, dass das Buch kein "leichter" Stoff ist, aber dennoch fiebert man mit Irma und Erich mit und hofft bis zum Schluss auf ein anderes Ende. Ich bin sehr fasziniert von Irmas Lebens- und Liebesgeschichte und immer wieder aufs Neue darüber erschüttert, zu welch grausamen Handeln Menschen fähig sind. Das Buch ist ein Plädoyer für die Macht der Liebe und gegen die Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus, das den Leser erschüttert, berührt und nachdenklich zurücklässt.

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Veröffentlicht am 13.07.2020

Spiel mit dem Schicksal

Die Rückkehr des Würfelmörders (Ein Fabian-Risk-Krimi 5)
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Wer steckt hinter den scheinbaren Zufallsmorden ohne System, die seit einiger Zeit die schwedische Stadt Helsingborg in Angst und Schrecken versetzen? Der Würfelmörder tötet weiterhin nach seiner nur für ...

Wer steckt hinter den scheinbaren Zufallsmorden ohne System, die seit einiger Zeit die schwedische Stadt Helsingborg in Angst und Schrecken versetzen? Der Würfelmörder tötet weiterhin nach seiner nur für ihn verständlichen Methodik und macht sich deshalb völlig unberechenbar für das Ermittlerteam rund um Fabian Risk. Doch dann findet dieser an einem Tatort einen Würfel und erkennt den Zusammenhang. Der Mörder wird greifbarer, doch auch für Fabian beginnt somit ein „Spiel“ um Leben und Tod – wie wird der Würfel für ihn fallen?

„Die Rückkehr des Würfelmörders“ ist der zweite Teil der Dilogie des schwedischen Bestsellerautors Stefan Anhem. Streng genommen ist der Titel jedoch falsch, denn es geht nicht um die Rückkehr des im ersten Band eingeführten Würfelmörders, der in Helsingborg sein Unwesen treibt – Nein, vielmehr war dieser nie weg! Der zweite Band knüpft direkt an den ersten an, weshalb er auch ohne diesen überhaupt nicht verständlich wäre. Da in der Vorgeschichte nichts aufgeklärt wurde und sie komplett offen und somit unbefriedigend endete, bedarf es sogar des zweiten Teiles, um als Leser die Geschehnisse zu begreifen. Insofern hätte es eigentlich keine Dilogie sein sollen, sondern ein großes Gesamtwerk, da keines der Bücher für sich alleine stehen kann.

Wie auch im ersten Teil haben mir der dauerhaft hohe Spannungsbogen und der treibende, aufregende Schreibstil des Autors sehr gut gefallen. Aber auch hier muss ich die vulgäre Sprache voller Schimpfworte und die übertrieben brutale, blutig-grausame Beschreibungen kritisieren, die mir persönlich einfach zu viel waren. Die Kapitel sind aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, so dass der Leser neben den Protagnisten aus dem Ermittlungsteam auch die Sichtweise anderer Personen und insbesondere des Mörders kennenlernt. Diese letztgenannte Perspektive war insbesondere faszinierend, da man nach und nach begriffen hat, wie das kranke Hirn des Würfelmörders arbeitet, an was er glaubt und wie er den Zufall über seine Handlungen bestimmen lässt. Leider werden mir auch im zweiten Band die Figuren nicht sympathischer, sie handeln oftmals egoistisch und wenig nachvollziehbar. Lediglich Fabian Risk konnte durch seine Rückbesinnung auf familiäre Werte etwas bei mir punkten.

Im Gegensatz zum ersten Teil liegt bei der „Rückkehr des Würfelmörders“ endlich Fokus auf der Person der Titelfigur und der Jagd nach ihr. Die Anzahl der Handlungsstränge ist nicht mehr ganz so groß und verwirrend wie im ersten Teil, auch weil sich diese aneinander nun annähern. Die Nebengeschichte rund um Risks interne Ermittlungen wird aufgedeckt, aber nicht weiter verfolgt. Dies hat mich sehr enttäuscht, da sie sehr raffiniert und letztendlich auch erfolgreich waren, es über sie am Ende aber kaum mehr berichtet wurde. Das war mir ein zu abruptes und unspektakuläres Ende eines derart umfangreichen Handlungsstranges, der durchaus noch mehr Potenzial beinhaltet hatte. Des Weiteren lässt Anhem einige offene Handlungsstränge für einen möglichen Folgeband, die ich nach fast 1000 Seiten Lesestoff dann doch gerne aufgeklärt gehabt hätte.

Auch fand ich einige Stellen teilweise sehr unglaubwürdig und maßlos überzogen, v.a. die gegen Ende übertriebene Heldendarstellung von Fabian Risk, der – ACHTUNG SPOILER – gleich mehrere Fälle auf einmal innerhalb kürzester Zeit löst, von allen missverstanden wird und dann quasi im Alleingang mit zahlreichen schweren Verwundungen einen der gefährlichsten Verbrecher Skandinaviens festnimmt, angeschossen wird und trotzdem noch die Performance seiner Frau besuchen kann. Leider etwas zu unglaubwürdig.

Fazit: Besser als Teil 1, durchaus spannend, aber alles in allem dann doch zu verwirrend, unnötig brutal und unglaubwürdig. #mytestahnhem

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