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Veröffentlicht am 04.09.2025

Wo Kinder und Tiere glücklich zusammenleben

Unsere Baumhausstadt
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„Unsere Baumhausstadt“ (charmanterweise beim Baumhaus Verlag von Bastei Lübbe erschienen) ist ein in einer heilen Fantasiewelt angesiedeltes Wimmelbuch und kommt trotz der Bilderfülle sehr unaufgeregt ...

„Unsere Baumhausstadt“ (charmanterweise beim Baumhaus Verlag von Bastei Lübbe erschienen) ist ein in einer heilen Fantasiewelt angesiedeltes Wimmelbuch und kommt trotz der Bilderfülle sehr unaufgeregt daher. Kind und Tier spielen und werkeln hier zusammen. Die Geschichte beginnt bereits mit dem Vorsatzpapier: Vier Freunde und ihr kleiner Hund erkunden einen Wald. Auf der Titelseite entdecken sie dann einen großen Korb, der von einem hohen Baum herunterhängt. Und auf der ersten Seite der eigentlichen Geschichte ziehen sie sich im Korb hoch. Das Abenteuer beginnt, und auch Text gibt es ab hier: Wenige Verse pro Doppelseite, die das Leben in der Baumhausstadt zusammenfassen. Viel mehr noch gibt es auf den Bildern zu entdecken: Eine verspielte Stadt in den Wipfeln, zum Teil noch im Bau – Kinder tragen Bretter, ein Orang-Utan hämmert. Waschbären und Kinder studieren Baupläne, es gibt fliegende Lianen, Riesenrutschen, eine Zirkusschule und vieles mehr. Einige Tiere sind auf jeder Seite zu entdecken; auch die vier Kinder vom Beginn kommen immer wieder vor. Die Geschichte ist friedlich und harmonisch, hier wird einander geholfen und alle sind sicher. Selbst ein heftiger Sturm stellt nur eine kurze Unterbrechung dar: „bald ist alles wieder gut“. Die Farben wirken eher gedeckt; naturgemäß ist viel grün und braun dabei. Ein schönes Buch für ruhige Momente; bei uns wird es gerne vor dem Einschlafen angeguckt und dabei immer wieder Neues entdeckt.

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Veröffentlicht am 26.08.2025

Tradwives

Heimat
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Drohend thront der Titel über See, Böschung und Wald – groß, übermächtig. Rosa. Er wirkt, als gäbe es kein Entkommen. Und antizipiert damit schon einmal das Grundgefühl, das sich bei mir während der Lektüre ...

Drohend thront der Titel über See, Böschung und Wald – groß, übermächtig. Rosa. Er wirkt, als gäbe es kein Entkommen. Und antizipiert damit schon einmal das Grundgefühl, das sich bei mir während der Lektüre eingestellt hat: Unbehagen. Gleichzeitig war ich auch ziemlich fasziniert: „Heimat“ ist der erste deutsche Roman über Tradwives – ein Phänomen, mit dem ich bislang keinerlei Berührungspunkte hatte.

Protagonistin Jana geht es ähnlich. Sie ist schwanger mit ihrem Partner Noah und den zwei Kindern aufs Land gezogen, wo sich noch ein halbwegs bezahlbares Haus mit Garten kaufen ließ. Nun versucht sie, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen und merkt schnell, dass hier vieles anders funktioniert als in der Stadt. Ein Lichtblick ist die Bekanntschaft mit der charismatischen Karolin, die scheinbar mehr über den Tellerrand schaut als andere. Gleichzeitig hält sie nichts von Einrichtungen zur Kinderbetreuung und zelebriert ihre Selbstverwirklichung als Hausfrau, Ehefrau und Mutter in zahlreichen Insta-Videos. Eigentlich gruselig. Aber Karolin ist eben auch scharfzüngig, humorvoll und hilfsbereit – während Noah sich immer weniger zu Hause blicken lässt. Jana beginnt, den Halt, den sie vermisst, in ungeahnten Konstellationen zu finden …

„Heimat“ ist ein kurzer Roman, den ich mir oft ausführlicher gewünscht hätte, um Janas Gefühlswelt noch besser zu ergründen. Doch Autorin Hannah Lühmann gelingt es auch so, das Innenleben ihrer Protagonistin nachvollziehbar zu machen. Sie zeigt erschreckend plausibel, wie eine noch vor kurzer Zeit beruflich erfolgreiche Städterin anfängt, ein längst überholtes Rollenbild attraktiv zu finden. Und wie anfällig und emotional bedürftig Menschen sein können, die sich nirgends so richtig verwurzelt fühlen. Dabei sind immer wieder Risse und Brüche erkennbar. Lühmann deutet an, dass nicht alles Gold sein muss, was auf Insta glänzt; sie macht Janas Zerrissenheit deutlich. Und so bleibt am Ende doch einiges offen, zu dem man eigene Überlegungen anstellen kann – über Jana, Karolin und Noah, aber auch über den Zustand der Gesellschaft an sich. Ein lesenswerter und absolut diskussionswürdiger Roman, der viele, viele Denkanstöße bietet.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Lässt keine Wünsche offen

Familienküche! Das Goldene von GU
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Die Goldenen (Kochbücher) von GU sind fast die einzigen, in die bei uns zu Hause regelmäßig reingeschaut wird. Erscheint ein neues, bin ich sofort interessiert und der Untertitel dieses Buches („Jeden-Tag-Lieblingsrezepte, ...

Die Goldenen (Kochbücher) von GU sind fast die einzigen, in die bei uns zu Hause regelmäßig reingeschaut wird. Erscheint ein neues, bin ich sofort interessiert und der Untertitel dieses Buches („Jeden-Tag-Lieblingsrezepte, die allen schmecken“) klingt extrem vielversprechend. Ehrlich gesagt dachte ich zunächst an spannende Variationen der vielgekochten Evergreens wie Pizza, Pfannkuchen und Spaghetti Bolognese, aber dieses neue Goldene enthält so viel mehr! Meine Kinder werde ich längst nicht für jedes der Gerichte begeistern können. Aber ich habe tatsächlich kein Rezept gesehen, bei dem ich „kann ich nicht“ oder „mag ich nicht“ gedacht habe, und das ist nun wirklich eine Seltenheit.

Los geht’s mit einer inspirierenden Einleitung zu Planung, Meal Prep und den Top 10 für die Vorratshaltung – letztere so elementar, dass man sie tatsächlich fast immer komplett daheim hat. Das ermutigt zum Weiterblättern. Bei den Rezepten geht es los mit Suppen, gefolgt von Nudelgerichten. Tatsächlich ist hier viel dabei, was auch wenig experimentierfreudige Kinder ansprechen könnte; beispielsweise Pizzasuppe, Fischstäbchen-Nudeln (mit Apfelsaft!) und Ofen-Feta-Pasta „Tiktok-Style“. Sehr gut gefällt mir, dass auch viele asiatische Rezepte aufgenommen wurden. Überhaupt ist "Familienküche!" immer wieder mit internationalen Rezepten gespickt und beinhaltet längst nicht nur die geliebte italienische Küche, sondern beispielsweise auch Anleitungen für Auberginen-Shakshuka, Sommerrollen und Pan Bagnat. Aber auch Klassiker wie Hühnerfrikassee, Gemüselasagne und Grießnockerlsuppe sind reichlich vertreten. Nach süßen Hauptgerichten kommen dann noch die Partyrezepte, auf die ich definitiv zurückgreifen werde. Vor den klassischen sind dort erst einmal vegane Möhren-Hotdogs gelistet. Das Halloween-Buffet wird genauso aufgegriffen wie die Weihnachtsgans und das letzte Kapitel widmet sich dann noch Pausensnacks.

In diesem Kochbuch wird wirklich an alle und alles gedacht. Die Rezepte enthalten in gewohnter GU-Manier klare und verständliche Anleitungen, die Fotos sind aussagereich und appetitanregend. Eigentlich möchte man sofort loskochen. Einfach wieder ein Goldenes, das keine Wünsche offenlässt und gleichzeitig berücksichtigt, dass es im Familienalltag oft schnell und unkompliziert zugehen muss.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Begeistert mich genauso wie meine Kinder

183 Pinguine. Das große Tier-Such-Buch
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Wimmel-, Sach-, Such- und Tierbuch – das sind ja gleich vier Dinge auf einmal! Und die „183 Pinguine“ glänzen in jeder Kategorie. Als Wimmelbuch ist das Ganze sehr niedlich und steigert sich von Seite ...

Wimmel-, Sach-, Such- und Tierbuch – das sind ja gleich vier Dinge auf einmal! Und die „183 Pinguine“ glänzen in jeder Kategorie. Als Wimmelbuch ist das Ganze sehr niedlich und steigert sich von Seite zu Seite – die Anzahl der Blauwale, die die erste Doppelseite schmücken, ist noch gut überschaubar, dann werden die Tiere immer kleiner und mehr – von Kühen über Flamingos bin hin zu Insekten. Zu allen Tierarten erfährt man faszinierende Fun Facts. Und auf jeder Doppelseite gibt es acht Suchaufträge – da muss das Krokodil mit den drei Nasenlöchern gefunden werden, die Katze mit dem Springseil oder die sternförmige Tiefseekreatur. Die Suchaufträge sind originell formuliert, aber auch für Unter-Sechsjährige erfüllbar, wenn man sie ggfs. etwas vereinfacht ausdrückt. Und ganz nebenbei vermittelt das Buch die Einzigartigkeit jeder Spezies. Das große Format macht es einfach, zusammen reinzuschauen und die comichaften Illustrationen sind wunderbar detailliert, vielfältig und lustig. Jede Doppelseite hat ihren ganz eigenen Charme. Ein ungewöhnliches, liebevoll durchdachtes und originelles Kinderbuch, das auf vielen verschiedenen Ebenen Spaß macht!

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Spannendes Gedankenexperiment

Das Geschenk
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2024 hat der botswanische Präsident Mokgweetsi Masisi angeboten, 20.000 Elefanten an Deutschland abzugeben. Als Reaktion auf ein hier diskutiertes Einfuhrverbot von Jagdtrophäen zürnte er: „Es ist sehr ...

2024 hat der botswanische Präsident Mokgweetsi Masisi angeboten, 20.000 Elefanten an Deutschland abzugeben. Als Reaktion auf ein hier diskutiertes Einfuhrverbot von Jagdtrophäen zürnte er: „Es ist sehr einfach, in Berlin zu sitzen und eine Meinung zu haben zu unseren Angelegenheiten in Botswana.“ Schoeter kreiert in ihrem neuen Roman ein Szenario, in dem nicht nur die deutsche Regierung die Chance bekommt, sich eine fundiertere Meinung zu bilden: 20.000 Elefanten machen von jetzt auf gleich die Hauptstadt unsicher – sie sind das titelgebende Geschenk. Der Bundeskanzler, der in diesem Buch Hans Christian Winkler heißt, hätte eigentlich auch schon ohne die Dickhäuter genug Probleme: Seine Partei schneidet in Umfragen schlecht ab, die Rechten werden immer stärker, bis zur nächsten Wahl ist es nicht mehr allzu lange hin …
Doch nun muss erst einmal das Zusammenleben von Mensch und Tier geregelt werden – auch kein Kinderspiel. Die Einwohner mancher Regionen Botswanas könnten ein Lied davon singen, das Land spielt in der weiteren Geschichte jedoch keine Rolle mehr.

„Das Geschenk“ liest sich kurz und knackig: Nur 144 Seiten hat diese schmale Satire. Die Autorin gestaltet die Reaktionen auf den durch die Elefanten verursachten, kuriosen Ausnahmezustand und seine Folgen vielschichtig aus und hat sich genauestens in die Situation hineingedacht. An dem abwegigen Szenario führt sie gekonnt bekannte Polit-Mechanismen vor. Schoeter zeigt mal elegant, mal brutal, dass Politik ein schmutziges Geschäft sein kann – von Taktierereien über Lobbyismus bis hin zu Bauernopfern. Manches Mal musste ich schmunzeln (wenn beispielsweise Winklers Amtsvorgängerin ihm verdeutlicht, dass man in diesem speziellen Fall mit der Parole „Wir schaffen das“ nicht weiterkommt), manchmal war ich auch verstört. „Das Geschenk“ ist völlig anders als Schoeters letztes Buch „Trophäe“, aber genauso ungewöhnlich. Ab und an hätte ich mir mehr Details und längere Ausführungen gewünscht, vielleicht auch eine zusätzliche private Perspektive auf die Elefanten-Invasion – Gaea Schoeters bleibt nämlich streng auf das politische Geschehen konzentriert. Insgesamt liest sich die Geschichte jedoch rund, überaus kurzweilig und desillusionierend.

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