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Veröffentlicht am 08.06.2021

Im Staat der Sexualität

Love Servant
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Inhaltserzählung und Leseprobe:
Bereits seit 60 Jahren beherrschen Frauen Nordamerika. Damals wählten die Bürger eine Präsidentin an die Macht, deren männerfeindlichen Ansichten erst mit der Zeit zutage ...

Inhaltserzählung und Leseprobe:
Bereits seit 60 Jahren beherrschen Frauen Nordamerika. Damals wählten die Bürger eine Präsidentin an die Macht, deren männerfeindlichen Ansichten erst mit der Zeit zutage traten. Die folgenden Geschlechterreformen beschnitten die Rechte der männlichen Bevölkerung immer weiter, bis sie schließlich zu Sklaven degradiert waren.
In dieser Gesellschaft wuchs Valentin bis zu dem Tag bei seiner Mutter auf, an dem jeder Junge von der Regierung in ein Heim gebracht wurde.
Bis zu seinem 16. Lebensjahr wurde er zuerst in einem Kinderheim erzogen und danach entschied man über seine weitere Laufbahn.
Attraktive, gesunde Jungen schlugen eine spezielle Karriere in dieser Gesellschaft ein, denn man bereitete sie auf den Liebesdienstbei ihren zukünftigen Herrinnen vor.
In einem Land ohne frei verfügbare Männer leisteten sich die reichen Damen, neben ihren kastrierten Hausdienern, einen Liebesdiener für ihre sexuellen Bedürfnisse. Dafür bildete man diese in verschiedenen Zentren des Landes, den Host-Centren, aus.
Die Regierung schützte ihre Bürgerinnen unter allen Umständen vor sexuellen Übergriffen und hielt es für das Beste, Männer zu kastrieren, um diese Gefahr auszumerzen.

(Seite 3/4)


Autorin:
Zenobia (Pseudonym) lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in einer Kleinstadt auf der rauen Schwäbischen Alb. Die Autorin entführt ihre Leser gern in alternative Welten und vergangene Zeiten. Ob Romance oder Dark/Urban Fantasy. Da möchte sich Zenobia nicht festlegen.


Bewertung:
Das Cover ist etwas merkwürdig gestaltet. Einen Mann da draufzusetzen passt schon, aber diese Palmen darauf - was soll das? Wie kommt man darauf? Ist ja keine Geschichte, die ein Urlaubs-Setting hat oder wo es um Pflanzen geht etc. Sieht komisch aus. Die Farben und Bilder verlaufen zum Teil miteinander ... Die Farben passen sehr schön.

Der Klappentext hat mich sehr angezogen. was für eine wirklich geniale und neue Idee! Mal das System umdrehen und die Männer ihre eigene Medizin schmecken lassen ... Soweit zur Theorie. Leider ist die Geschichte nicht gut umgesetzt. Zu Beginn, als das System noch gut erklärt wurde, war es schon merkwürdig, mal die Umkehrseite zu lesen. Also, die Männer, die erniedrigt und versklavt werden. Unsere Realität ist ja Andersherum. Sehr ungewohnt, aber das hat mich auch gelockt. Das System und seine Gegebenheiten sind sehr flach erzählt und zu 95 % nur auf Sexualität beschränkt. Das fällt schon nach wenigen Kapiteln auf und ich musste mich stöhnend zwingen, das Buch zuende zu lesen. Ich hatte es nämlich in die Vierer-Challenge bei LB eingetragen.

Die Erzählung ist aus der Erzählperspektive über Valentin und Alex. Valentin überwiegt da. Die Atmosphäre und das Setting sind sehr realistisch dargestellt und kommen auch unserer Wirklichkeit 1:1 nahe. Einziger Abzug ist das ganze Gesextel (mehr dazu unten).

Die emotionale Ausbeutung, die für Valentin alltäglich sind, sind sehr realistisch erzählt - wie wir Frauen das halt kennen. Beispiel: "Ach, dir ist das kleine Malheur passiert? Nicht schlimm. Ich weiss, wie du das später wieder gutmachen kannst." So ist Alex. Sie ist ein kleines Biest, hinterhältig, wie eine Schlange mit zwei Gesichtern. Valentin muss ihr Untertan sein. Sie gibt sich als besser aus, als andere Frauen, aber sobald er etwas nicht nach ihrem Willen macht, bestraft sie ihn auf verschiedene Weise. Sie ist mir dadurch unsympathisch. Sie wirkt viele Kapitel über nett und anders als die Frauen gewöhnlich in diesem System. Und dann benimmt sie sich genauso herrisch. Ich bin mit ihr nicht warm geworden, ich kann solche Menschen nicht ausstehen. Die anderen Frauen sind jedenfalls wie sie sind. Ohne Deckmantel der Freundlichkeit und wechseln nicht ihre Launen. Aber die Autorin hat sie sehr realistisch und auch nach unserer Wirklichkeit entsprechend (eben Frauen statt Männer) dargestellt.

Valentin ist das perfekte Opfer in so einem System. Er tut, was ihm gesagt wird, duckt sich. Sein Wille, keine Schwierigkeiten zu machen und Alex's Anforderungen zu erfüllen wie auch seine Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit hat die Autorin glaubhaft und mitfühlend beschrieben. Als Frau in so einem System, das wir haben, kann ich das natürlich sehr nachvollziehen. Das ist die Einzigartigkeit dabei, denn keine Frau kann das nicht nachvollziehen. Bei allen anderen Geschichten kommt es ja immer auf die eigenen Erfahrungen an, die ja so verschieden sind. Aber solche Erfahrungen, die Valentin und die anderen Männer da durchleben, spricht uns Frauen alle an. Jede von uns kennt viele dieser Erniedrigungen und Respektlosigkeiten. Sie bestimmen unseren Alltag. Daher finde ich es sehr enttäuschend, dass sich die Erzählung in dem System fast vollständig nur auf die sexuellen Komponenten beschränkt. Das ist ein Riesengroßer-Teil des Systems, keine Frage, aber es ist allumfassender und viel komplexer als das! Ich hatte gehofft, die Autorin hat das Gesamt-System beschrieben, eben auf Männer angewandt. Nicht nur die sexuellen Probleme, sondern auch die kleinen alltäglichen Probleme. Sei es Haushalt hüten, Benachteiligungen in allen Bereichen ...

Die Autorin hat natürlich hier den Faden weitergespannt. Männer dürfen nicht arbeiten außer als Hausdiener oder Liebesdiener. Das ist bei unserem System nicht allumfassend, "nur" in manchen Ländern ist das bei Frauen so. So schafft die Autorin kleine Unterschiede zwischen diesem und unserem System. Aber nicht nur die System-Gegebenheiten kommen beschränkt zutage, auch die Gefühle der Männer zu deren Auswirkungen. Bei Valentin ist das ja schön ausgearbeitet, aber bei den anderen Charakteren bleibt es mir zu flach.

Aber neben der Idee kamen hier immer wieder typische Szenen mit Männern auf. Die männliche Grundhaltung, wie sie in unserem System vorherrscht, drückt sich hier sehr lebhaft aus. Viele abwertende und respektlose Sätze und einige Aktionen gegenüber Frauen. Bei diesen Szenen dachte ich sofort "Da ist es wieder. Typisch Mann! Glaubt, uns herabsetzen zu müssen." Und das in diesem Frauen-System. Das führt uns sehr gut vor, wie tief verankert dieses Verhalten uns Frauen gegenüber ist. Man könnte ja jetzt sagen, das wäre ihre Art, sich in diesem Frauen-System zu wehren ... Das wäre auch glaubhaft, wenn das nicht das alltägliche Verhalten der Männer in unserer Welt und dem System wäre. Also gilt diese Ausrede und Erklärung nicht! Und aus diesem Grund entstand ja auch das Frauen-System in der Geschichte. Aufgrund des zuvor gelebten Männer-System, unserem System. Das große Thema ist, wie ich bereits schrieb, die sexuellen Aspekte. Sexuelle Übergriffe an Frauen, denen hier sehr streng entgegengewirkt wird. Kastrationen, Verbote und Todesstrafen. Ja, sehr heftig. Die Autorin hat hier in die vollen gehauen, den Frauen reichte es. Diese Wut fehlt uns ja. Nicht, um so zu handeln, aber um überhaupt aktiv zu werden. Stattdessen versinken wir in Angst und Scham, uns gegen das System zu wehren.

Alex und Valentin haben in fast jedem Kapitel Sex, manchmal sogar mehrmals in einem Kapitel! Das war so grausam ... manchmal habe ich ein paar Sätze übersprungen, weil es mir aus dem Hals raushing! Selbst das Ende endet mit Sex!!! Ist das zu glauben?! Ätzend! 😒


Leider bin ich wieder an ein Buch geraten, in denen sich Dialoge und Erzählungen wiederholen, sowas von nervig! 🙄 Beispiele:

Alex erzählt Valentin, ihr wurde 100 Dollar für eine Stunde mit ihm geboten. Fünf Sätze weiter fragt er sie, wie teuer er war.

Valentin hat Alex kurz vorher noch gesagt, dass er nie am Meer war, auch nicht in diesem Club. Und sie fragt ihn nun, ob er schon mal am Meer war.

Schon wieder so was nerviges: Seine Mutter fragt ihn zweimal !!!, ob er Alex mag. Er sagt auch, er hoffe, Alex mag ihn, obwohl sie ihm zuvor gesagt hat, dass sie ihn liebt.


Dann gibt es noch Erzählfehler wie:

In diesem Bordelle-Club: Erst ist er frei, kommt aus der Dusche, kann sich rasieren - und plötzlich ist er angekettet?? Hier fehlt der Übergang dazu. Vor allem, wie kann das sein? Bevor er sich rasiert hat, ließ die Madame ihn allein, und kann ihn somit gar nicht anketten!


Auch Ausdrucksfehler habe ich gefunden:

(Scheint mir ein Fehler zu sein) "Das Schlimmste war für mich, dass ich ihn nie wiedersehen werde." - Müsste es nicht heißen: "Das Schlimmste war für mich, dass ich ihn nie wiedersehen würde." - So ist Vergangenheit mit Gegenwart gemischt.

"Und jetzt musst du für sie herhalten." - Es müsste "er" statt "sie" heißen. Denn er hält für Valentin her.


Fazit:
Wirklich eine geniale und total neue Idee, aber flach und sehr beschränkt auf Sexualität erzählt. Sehr enttäuschend!! Die Autorin hätte so viel daraus machen können, die Vorlage bietet ihr ja die Realität! Sie hat also gar nichts erfinden müssen. Das macht es noch frustrierender. Wenn ich statt der Vorlage meine Fantasy nutze, um zu zeichnen, ist klar, dass andere mich darauf ansprechen, den Kopf schütteln und zurecht fragen, wieso ich denn nicht die Vorlage nutze ... Das, was die Autorin geschrieben hat, ist zum Teil sehr gefühlvoll. Der andere Teil ist Sex, Sex, Sex, Sex ... 🥴 Statt menschliche Augen, hatte ich - wie viele bei Fußball Bälle - Sex-Augen. 👹

Ich war so froh, dass das Buch "nur" 381 Seiten hat - da hatte ich schon Dickere, durch die ich mich gequält habe. Und ganz sicher lese ich nicht den zweiten Band! (Jaaa, es gibt Sex-System 2)



P.S.: Ich weiß auch nicht, zu welchem Genre man das Buch setzen soll. Hier ist es als SkiFi deklariert, aber das scheint mir auch nicht 100 % passend. Erotik spielt hier ja überwiegend eine Rolle. Aber ob ich es dazu listen würde? Ich weiß es ehrlich nicht ...



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2021

"Wir sind wohl alle Helden in unseren eigenen Augen und Monster in den Augen derer, die anders sind." (Seite 375)

Herz aus Blut und Asche
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Inhaltserzählung:
Papa hatte ihr einst gesagt, nach Mamas Tod, dass es zwei Arten von Trauer gab. Eine war die Art, die einen erdrückte, die einem die Seele brach und das Herz sprengte, sodass man nur ...

Inhaltserzählung:
Papa hatte ihr einst gesagt, nach Mamas Tod, dass es zwei Arten von Trauer gab. Eine war die Art, die einen erdrückte, die einem die Seele brach und das Herz sprengte, sodass man nur noch eine leere Hülle war. Die andere war eine Trauer, die einen stärker machte. Man stand wieder auf, man schärfte sie, und man trug sie als Teil der eigenen Rüstung bei sich. Und man wurde ein besserer Mensch. Auf diese weise verlor man einen Menschen nie wirklich. Man trug ihn bei sich.

(Seite 250)


"Nur wenige auf dieser Welt werden zu reinem Glück und einem behaglichen Leben geboren. Die Götter wissen, dass es darum im Leben nicht geht. Nein, Kleine Tigerin, wir nehmen, was uns zugewiesen wird, und wir kämpfen höllisch, um etwas Besseres daraus zu machen."

(Seite 265) - Anmerkung: Kleiner Tiger ist absichtlich im Roman groß geschrieben.


Autorin:
Amélie Wen Zhao wurde in Paris geboren und verbrachte ihre Kindheit in einem multikulturell geprägten Viertel von Peking, ehe sie mit achtzehn nach New York zog und dort ihre Ausbildung begann. Sie verbringt ihre Tage mit der Arbeit im Finanzsektor und ihre Nächte mit dem Schreiben von Romanen. »Herz aus Blut und Asche« ist ihr Debüt.

Übersetzerin:
Ute Brammertz, Autorin, Lektorin und Übersetzerin, zog es vor Jahren aus München nach Oxford, der Hauptstadt britischer Gelehrsamkeit.


Bewertung:
Das Cover erweckt bei mir ambivalente Gefühle: Der obere Teil mit dem Schwert gefällt mir und er passt auch sehr gut. Der untere Teil mit dem Meer weniger. Auch wie das Blut da reinfließt, sieht sehr künstlich vom Computer aus. Diese Kombination wirkt unnatürlich. Schade. Hier hätte es völlig gereicht, wenn das Schwert das Cover bildet, der Titel schlängelt sich ja groß darum. Man muss Cover nicht immer zukleistern.

'Deine Affinität macht dich nicht aus. was dich ausmacht, ist die Entscheidung, wie du sie einsetzt.'
(Seite 21)

Das Glossar und die Danksagung sind echt gut. Es fehlen jedoch ein paar wenige Wörter im Glossar, die nicht erklärt werden, aber immerhin gibt es eines. das fehlt viel zu oft in Fantasy- und auch Historischen Romanen. Gefällt mir hier sehr. Auch eine Karte auf zwei Seiten gibt es. Hier sind gar keine Städte verzeichnet, nur so große Ankerpunkte, was mir nichts ausmacht. Oft schriebt die Autorin zu den genannten Städten auch, wo sie liegen, sodass ich mir eine Vorstellung machen und sie auf der Karte zuordnen konnte. Mir missfällt immer, wenn Städte eingezeichnet sind, die unrelevant für die Geschichte sind, aber relevante Städte nicht drauf sind. Das ist blöd.

"Warum hast du mich gerettet?"
"Weil ich es konnte."

(Seite 180)

Das Setting ist französisch, was mich auch neugierig auf das Buch gemacht hat. Die Idee ist nämlich nicht neu. Irgendwie kam ich dennoch nicht so richtig rein ... es geht direkt los, lahm ist die Geschichte also nicht. Sie wird erzählt in der Erzählerform über Ana und Ramson, also keine Ich-Perspektive. Obwohl man direkt ins Eingemacht geworfen wird - es erfolgt keine Einweisung, man landet mitten in der Geschichte -, fehlte mir hier der Biss, das Tempo. ich habe mich die ersten Kapitel schwer getan, zu lesen.

"Ich habe Angst, Linn."
"Willst du ein Geheimnis wissen?"
"Sicher."
"Ich habe auch Angst."
Die Worte waren ein Flüstern im Wind. "Aber ... es gibt da etwas, was ich will, ein Gefühl, das stärker ist als meine Angst."
"Was denn?"
"Freiheit."

(Seite 373)

Die Protagonisten sind Ana (Götter sei Dank wurde ihr Name - Anastacyas - gekürzt, ist ja ein Zungenbrecher, den jedes Mal zu lesen - merkwürdigerweise heißt ihr Bruder schlicht Lukas) und Ramson, der auch Schnellzunge genannt wird (sein Nachname). Anas und Ramsons Vergangenheit wird in Episoden erzählt, Stück für Stück. Bei Ramson zieht sich das bis zum Ende der Geschichte und hat mich sehr gut mitnehmen können, in meiner Raterei. Vor allem, wieso er so eine Abneigung gegen seinen Vater hegt - das wird erst als aller letztes aus seiner Vergangenheit erzählt und ich hatte die ganze Zeit Fragezeichen im Kopf. Bei dem Nebencharakter May wird nur ihre schwere Stellung erzählt, bevor Ana sie traf. Und ein kurzer Satz über ihre Mutter, die sie sucht? Ihre Vergangenheit bleibt lückenhaft erzählt, sehr schade. Ana und Ramson sind für mich als Charakter okay, mehr aber nicht. Sie sind weder unsympathisch, noch gehen sie ans Herz, mir jedenfalls nicht. Richtig Gefühle für sie aufgebaut habe ich nicht, auch wenn ich einige Szenen schön geschrieben finde und ihre Gedanken und Gefühle nachempfinden konnte.

Das "Spiel" zwischen Ana und Ramson habe ich schon etliche Male in der Art gelesen, aber die Autorin hat es gut umgesetzt. Es ist eben auch sehr vorhersehbar, schon vom Klappentext, der ja auch wie die meisten dieser Romane verfasst ist. Den Verlagen scheint nichts originelles einzufallen. Die einzige Spannung, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, ist Ramsons Vergangenheit. Das ist sehr gut und rätselhaft erstellt. Unnötig zu erwähnen, dass die Beziehung zwischen den beiden mich auch eher kalt gelassen hat.

"Die Sache ist die, Ramson: Du kannst alles auf der Welt erreichen, aber wenn es für jemand anderen ist, ist es sinnlos. Lebe für dich. Du magst das stärkste Schlachtschiff der Welt sein, aber ohne Kompass kannst du nicht navigieren."
(Seite 184)

Es gibt einige Erzählfehler, unlogische Szenen. Beispiel: Ramson hat Ana erklärt, dass sie ohne Papier bei einer Kontrolle verhaftet wird. Und als später eine Kontrolle kommt, sagt sie, sie habe nicht gewusst, dass es die gibt.

Wiederholungen sind auch dabei. Beispiel: Ramson wusste er wurde gelinkt, und das wird am Ende des Kapitels dann nochmal wiederholt und Ramson tut so, als sei ihm das erst jetzt klar.

Auch künstlich erzählte Fehler sind hier zu lesen. Beispiel: Ana hätte sich bei einer Kampfszene verteidigen können mit ihrer Gabe. tut es aber nicht, sondern lässt sich gefangen nehmen. Das wirkt total künstlich konstruiert, damit es spannender wird und Ramson einen Part bekommt. Sehr schade. Hätte die Autorin anders lösen können.

Es gibt einige dieser Auffälligkeiten, ich habe jetzt nur jeweils ein Beispiel aufgeführt. Weitere findet ihr in der Lese-Chronik (Siehe unten Link).

Vielleicht wollen Monster anderen nie wehtun. Vielleicht wussten Monster noch nicht einmal, dass sie Monster waren.
(Seite 33)

Dann gibt es noch eine total bescheuerte Aussage: Es hatte damit zu tun, dass seine Mutter nicht richtig mit seinem Vater verheiratet war, hatte er erfahren. - Was ist denn richtig verheiratet, oder eher, was ist nicht richtig verheiratet? Nur der eine sagt Ja, der andere nein??? Kopfschütteln und schmunzeln musste ich hier.

Auch manche Dialoge laden zum Schmunzeln ein: "Was hast du davon, in allem gut zu sein, wenn du es nicht schafft, allen zu sagen, dass du in allem gut bist?", hatte er Jonah einmal aufgezogen, als sie in ihrem vierten Ausbildungsjahr waren. (Seite 182)

Das Ende ist offen gehalten, was mich erst irritiert hat. Auf den Buchseiten ist es nicht als Serie deklariert, ich nahm an, es sei ein Einzelband. Aber ein Lese-Freund von mir hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es Band 2 gibt, somit ist das Ende für mich in Ordnung.


Fazit:
Ein schönes Setting, eine Durchschnittsidee und gängige Charaktere lassen sich hier finden. Das erste Drittel lahmt in meinen Augen und man muss durchhalten. Aber dann kommt Tempo rein und es liest sich zügig.

Insgesamt hat mich die Geschichte nicht begeistert, sodass sich neugierig auf Band 2 bin. Für mich endet die Reise hier. Alles in allem finde ich 3,5 Sterne angemessen.

"Du hast dich auf die Schlacht konzentriert und den 'Krieg' aus den Augen verloren."
(Seite 292)



😈 Lesen auf eigene Gefahr:

https://www.lovelybooks.de/bibliothek/WriteReadPassion/lesestatus/2631933280/



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Veröffentlicht am 07.06.2021

Ravna mindert das Lese-Erlebnis enorm! Trotzdem eine Empfehlung!

RAVNA – Tod in der Arktis
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Klappentext:
Vardø, eine kleine Stadt weit über dem Polarkreis in der Arktis. Der Mord am reichen norwegischen Waldbesitzer Olle Trygg verstört alle, auch Ravna Persen, gerade frisch als Praktikantin bei ...

Klappentext:
Vardø, eine kleine Stadt weit über dem Polarkreis in der Arktis. Der Mord am reichen norwegischen Waldbesitzer Olle Trygg verstört alle, auch Ravna Persen, gerade frisch als Praktikantin bei der örtlichen Polizeidienststelle gelandet. Ravna hat keinen leichten Stand bei ihren Kollegen: Sie ist eine blutige Anfängerin, sie ist eine Frau und … sie ist Samin. Keiner nimmt sie ernst, als sie am Tatort glaubt, Hinweise auf einen samischen Hintergrund der Tat zu finden – einen Strich in der Erde. Als kurz darauf der umstrittene Kommissar Rune Thor eintrifft, um den Fall zu übernehmen, spitzen sich die Konflikte zu. Doch Ravna weiß durch ihre Urgroßmutter Léna viel über die Geheimnisse der Samen – und darüber, dass der Strich auf ein uraltes Ritual hindeutet, mit dem die Wanderseelen der Toten daran gehindert werden sollen, in die Welt der Lebenden zurückzukehren. Wer immer die Tat begangen hat, muss dieses Geheimnis kennen.

Autorin:
Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Nach einer abgebrochenen Lehre als Bauzeichnerin arbeitete sie als Betonbauerin und Maurerin bevor sie ihr Abitur am Frankfurter Abendgymnasium nachholte. Anschließend studierte sie in Frankfurt und Berlin und arbeitet heute neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Sprecherin als Fernsehjournalistin für den RBB. Ihr erster Roman wurde im Jahr 2005 unter dem Titel "Das Kindermädchen" veröffentlicht und mit großem Erfolg gefeiert. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie unter anderem mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Elisabeth Herrmann lebt heute in Berlin.


Bewertung:
Ich hatte das Buch ursprünglich auf meiner "Vielleicht"-Liste, weil ich mir unsicher war, ob ich das lesen möchte. Vom Schicksal bestimmt, kam ich zu einer Rezension 1 1/2 Stunden, bevor die Bewerbung zur Leserunde bei wasliestdu endete. Die hat mich so neugierig gemacht, dass ich mich doch noch dazu entschieden habe, mich zu bewerben. Und hier sind wir nun.

Das Cover ist super gemacht und passt hervorragend. Ich finde es auch sehr gelungen, weil das Bild eine junge Frau zeigt, kein Teenager. Das passt so zum Arbeitsplatz, andernfalls wäre es unlogisch. Es gibt eine Leserin, die schrieb, sie möge das Gesicht der Frau nicht. Liest sich erstmal merkwürdig, aber ich verstehe, was sie meint. Es passt irgendwie nicht zur Umgebung und den Klamotten. Auch wirkt es im Nachgang des Buches etwas zu alt für Ravna.

Der Klappentext ist soweit in Ordnung, aber diese Kommentare darunter ist wieder echt zum Kopfschütteln: Elisabeth Herrmann fesselt ein großes Publikum an ihre mitreißenden und atmosphärischen Thriller. Leserinnen und Leser erwarten starke Heldinnen, dunkle und mystische Fälle und intelligente Hochspannung. Alle Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden.

Erstmal: Das ist doch sowieso ein Einzelband, da brauche ich doch diese Aussage zu dem unabhängigen Lesen nicht. Das war mein Gedanke erstmal dazu, denn nirgendwo steht etwas von einer Reihe. Aber die Autorin schreibt am Ende, wir erfahren, wie es mit Ravna weitergeht ... Dann wäre es aber auch gut, wenn das bei der Produktseite vermerkt wäre. Das irritiert. Und dann der Satz: Leser erwarten starke Heldinnen ... 🤣🤣 Wo? Welche? Klar, Werbung ist heutzutage das A und O, aber sowas finde ich immer derart aufgeplustert und auch noch unwahr. Die einzig starke Frau in dem Buch ist die Pathologin. Unsere Superheldin, Protagonistin Ravna, ist einfach nur eine trotzige Möchtergern-Polizistin, die ... ach, lassen wir das erstmal.

Eine tolle Karte ist dabei und auch wie die gesamte Aufmachung in Blau-Weiß-Tönen gehalten. Hier sind keine kleinen Städte verzeichnet, wie das meistens der Fall ist bei Karten. Neben wichtige Städte, die im Buch erwähnt werden, sind auch Lagemarker (Positionen wie E6 - sogar zweimal, E75 usw.) enthalten. Das habe ich bisher noch nie auf einer Karte in Büchern gesehen. Wir kennen das von Stadt- und Landkarten, aber das sind hier tatsächlich Straßen, wobei nur eine im Buch vorkam.

Das Vorwort zu den Anreden und den Berufsbezeichnungen in den skandinavischen Ländern der Autorin finde ich klasse! 👌 Ist mir persönlich nicht neu, aber hier in der Geschichte hätte ich das mit Sicherheit vergessen und mich ständig gefragt, wieso sie sich alle duzen. Auch bei den Berufsbezeichnungen wäre ich gestolpert und hätte das sicher als Fehler markiert. Es ist nämlich nicht die Norm die Sprache dem Setting anzupassen, aber das ist nicht nur sinnvoll, sondern auch wichtig, für die realistischen Darstellungen. Daher hat die Autorin hier alles richtig gemacht! Nicht nur, dass sie die Sprache dem Setting angleicht, sondern auch, dass sie uns Leser einen Hinweis dazu gibt. Ist auch nicht so selten, dass die Autoren zwar in der Anpassung der Geschichte alles richtig machen, aber vergessen, den Leser darauf hinzuweisen, sodass er nicht rätseln muss.

Was mir in diesem Bezug auffiel - ich weiß nicht, ob das normal im Ausdruck ist oder ein Fehler: Auf einer Seite steht "Sie ist der beste Polizist, mit der ich je zusammengearbeitet habe." - Die weibliche Berufsbezeichnung gibt es ja hier nicht, aber dann passt auch die dazugehörige Sie-Form "mit der" ja gar nicht. Entweder man ändert alles oder gar nicht. Das klingt fehlerhaft. Wenn die echt so reden und schreiben, ist das kuddelmuddel und für mich sprachlich ein Fehler.

Was mich generell stört, ist, dass diese Länder in meinen Augen Rückschritte in Sachen Gleichberechtigung gehen. Manche würden sagen, das Gegenteil ist der Fall, weil ja alle gleich deklariert sind - in Bezug auf die Berufsbezeichnungen. Aber das ist für mich nur ein Deckmantel unter vielen. Wir Frauen sind in der Gesellschaft sowieso kaum existent, und diese Art der Deklarierung verstärkt das nur. Wer etwas anderes meint, dem kann ich ja fragen: Dann können wir das auch umgekehrt machen? Alle Bezeichnungen in weiblicher Form? Da würde es einen Aufschrei geben. Denn die Männer lassen das ja nicht mit sich machen. Gibt mittlerweile Bücher dazu, das hat ja lange gedauert, bis wir uns bewusst gemacht haben, wie ausgegrenzt wir werden. Beispiele:

https://wasliestdu.de/caroline-criado-perez/unsichtbare-frauen

https://wasliestdu.de/melinda-gates/wir-sind-viele-wir-sind-eins



Die Erzählung wechselt im Ausdruck hin und her, was Gedanken angeht. Mal stehen sie kursiv, wie das gewöhnlich der Fall ist, dann wieder nicht. Auch ein zitierter Satz ist nicht gekennzeichnet. Ich habe dadurch erstmal mehrmals verwirrt gelesen, weil das komisch klingt, als ob der Sprecher das selbst gesagt hat. Das ergibt in der Form keinen richtigen Sinn und steht komisch geschrieben. Er spricht diesen Satz aber so, als ob der Täter das gedacht hat. Deklariert ist das aber als sein eigener Gedanke. Sehr wirr. Auch Gedanken werden nicht als Gedanken formatiert. Da musste ich auch mehrmals lesen, um zuzuordnen, dass das (Beispiel) Ravnas Gedanke ist und nicht die Erzählung. Dann darunter wird ein Gedanke von ihr wieder formatiert. Total irritierend!

Ansonsten ist die Erzählung in der Erzähler-Art über die Charaktere, wobei Ravna durchweg der Mittelpunkt dieser ist. Die Geschichte ist in drei Teile geteilt. Direkt zu Beginn vom ersten Teil sind wir am Tatort, wir lernen die Charaktere kennen. Der zweite Teil hat mehr Tempo und ich fand ihn sehr fesselnd, konnte nicht aufhören, zu lesen. Die Ermittlung nimmt richtig Fahrt auf. Der dritte Teil führt uns in die tiefe Kultur der Samen. Gefiel mir richtig gut. Die Auflösung ist derart unerwartet, obwohl es immer wieder Anzeichen gab, aber bevor sie das nicht selbst genau ermittelten, war ich dennoch überrascht. Das Ende ist etwas unbefriedigend, was den Täter angeht.


🤣 Kommen wir zu unserer Heldin 🤦:

Ravna ist mir echt zu naiv und starrköpfig! Sie will zur Polizei, weil Same nur etwas im Dienste des Staates tun können. Warum aber dann die Polizei? Sie kann kein Blut und keine Leiche sehen, ohne sich fast zu übergeben. Sie behindert schon am zweiten Tag die Ermittlungen, weil der Täter Same sein könnte, einer ihrer Leute. Sie sagt dann auch noch dreist: "Das sind meine Leute!" Und Thor erwidert richtig, dass es ihm egal ist, woher der Täter stammt. Mörder ist Mörder. Einfach unglaublich ihr Verhalten! Das geht überhaupt nicht, diese Voreingenommenheit. Was ist das für eine Polizistin? Oder eher; was soll das für eine Polizistin später sein? Vor allem; bei ihrer Oma tut sie noch entsetzt, als die eher freudig auf den Mord reagiert, weil das Opfer ein Scheißkerl war. Da wäscht sie der Oma entsetzt den Kopf, er sei brutal ermordet worden, egal, was für ein Mann er war. das passt überhaupt nicht zusammen und kommt auf mich gekünstelt rüber.

Auch total bescheuert (ja, bescheuert - in Deutschland darf man das noch gesetzlich von sich geben!) sind ihre mehrfachen Aussagen, sie will zur Polizei, sie muss was im staatlichen Dienst tun. Thor zählt ihr dann auch einige andere Berufe auf, bei denen ich auch schon dachte "Wieso machst du dann nicht das? Oder das?" Wie reagiert Ravna? Sie bringt trotzige wie ein Kind immer dasselbe heraus "Ich will zur Polizei!" Sie reflektiert kein bisschen, ob sie dafür auch geeignet ist. Und alle Andeutungen von anderen, dass sie vielleicht etwas anderes tun sollte, blockt sie starrköpfig und trotzig ab. Erklärt aber nie, wieso sie sich für geeignet hält. Das müssen wir andauernd bei Bewerbungen angeben, aber bei ihr hat man das gar nicht für nötig gehalten? Hatte sie überhaupt Eignungstests? Auch so Situationen und Gedanken von ihr sind so ... machen wütend. Zum Beispiel: Sie war sich nicht im Klaren, was Einschlafen während der Dienstzeit nach sich ziehen konnte. Ernsthaft jetzt???? Da fehlen mir die Worte ... Schläft an einem Beweisort des vermuteten Täters ein und dann kommt so ein Satz ... Und das ist ja nicht mal genug! Sie erzählt dann noch ganz locker flockig ihrer Uroma von dem Fall. Und dann wieder so ein Satz, wo sie nachdenkt, dass sie wahrscheinlich gar nicht mit ihr über den Fall reden sollte ... AAAAHHHHH!!!!! Ich bin entsetzt, wie man so jemanden ohne nichts auf die Polizei loslässt. Das Mädel ist so ... boah, die hat mich so wütend gemacht!! Vor allem im ersten Teil war das penetrant und nervig.

Im zweiten Teil nervt sie jedenfalls nicht mehr so extrem wie im ersten Teil. Das muss ich ihr zugestehen. Aber sie ist immer noch kein Herzblatt. Einmal verdreht sie innerlich die Augen über eine Museums-Gehilfin, die vor Schreck zweimal "Oh mein Gott!" sagt. Sie erfuhr, dass Trygg ermordet wurde. Da meint Ravna, dass sie befürchte, beim nächsten "Oh mein Gott!" irgendeine dumme Bemerkung zu machen ... SIE!!!! Die selbst nerviger und bescheuerter ist, als diese junge Frau! Ich weiß nicht, ob ich lachen oder schreien soll! Dann auf einer Seite sagt sie dem Leser: War sie eigentlich im Kindergarten gelandet und die einzig Vernünftige hier? - Echt jetzt????? Boah, diese Göre ist so ... (sorry, die macht mich derart wütend ...) Was ich noch erwähnen möchte, was mich entsetzt hat: auf einer Seite sagt sie zu einer Vergewaltigten, sie muss darüber hinwegkommen ... Ist sicher nicht so axxxxig gemeint, aber es liest sich so. Also, ihr merkt, Ravna und ich, das wird nie etwas!

(Ich hoffe, das war allgemein nicht zu viel ausgesagt, muss ja schließlich erklären, was mich an Ravna so stört. Weiteres gibt es in der Lese-Chronik, das sind tatsächlich spoilernde Szenen)

Im dritten Teil entwickelt sie sich aber doch ein wenig, ich merkte das an der Art, wie sie den Job angeht. Da findet etwas Entwicklung statt. Die Autorin schreibt in ihrer Dankesrede, dass sie Ravna liebt - ich kann es einfach nicht verstehen! Auch andere Lesermeinungen dazu, die dasselbe schreiben. Ich mag solche Menschen jedenfalls nicht.

Hier gibt es eine Szene, da stimmt die Zeitspanne nicht. Ravna meint, das Forensik-Team brauche eine halbe Stunde, kurz danach sagt sie, sie warte eine Viertelstunde im Auto. Plötzlich ist nach zwanzig Minuten das Team da. Und der Clou: Pathologin Eva meinte noch zu Ravna am Telefon, dass einer der Kollegen noch aus dem Bett geholt werden muss. Wenn also, hätte das sogar länger als dreißig Minuten dauern müssen. Das war nämlich die Fahrstreckenzeit. Und es gibt noch weitere kleine Szenen, die unlogisch sind, die ich aber nicht alle hier aufführen möchte. Die stehen in der Lese-Chronik.


Fazit:
Ich hatte das Buch in zwei Tagen durchgelesen. Der Fall und das Setting wie die Atmosphäre sind super, die Nebencharaktere kaum existent. Ravna und Thor tanzen eigentlich fast alleine durch die Geschichte. Von allen Charakteren mochte ich den zum Teil unausstehlichen Thor am liebsten. Er hat seine Hintergründe für sein Verhalten und konnte mich emotional mitnehmen. Und da kommen wir zum größten Manko der Geschichte - nein, nicht die vielen Fehler, sondern Ravna ist das große Problem. Ich finde sie grausig, und dann noch als Protagonistin, bei der der Leser fast gar keinen Ausgleich hat. Sie sticht überall durch, das hat die Autorin ja so gewollt. Es ist aber schon eine Bewertung für sich, dass ich das Buch trotz Ravna in zwei Tagen durch hatte. Die Geschichte ist super, und ich würde dem Buch auch gerne 5 Sterne geben, trotz der vielen Fehler darin. ABER NICHT MIT RAVNA!!! Die versaut das total! Ich empfehle das Buch mit Vorbehalt.

Sollte das tatsächlich eine Reihe sein, reicht mir der Band hier völlig. Mehr möchte ich von Ravna nicht lesen.



😈 Lesen auf eigene Gefahr:

https://www.lovelybooks.de/bibliothek/WriteReadPassion/lesestatus/2985417289/



❗❗ ANMERKUNG ❗❗ :

Ich habe mich sehr auf die Leserunde bei waslistdu gefreut und extra mit der Rezension gewartet, weil ich mich mit meinen Lese-Kameraden austauschen wollte. Als die Leserunde dann mit ein paar Kommentaren startete, ist mir die Lust gänzlich vergangen. Ich schrieb zu dem Thema "Tageslängen" im Bezug zur Geschichte, dass ich das Blödsinn finde, die Angaben mit einer Stunde und sogar einmal mit zwölf Minuten, die angeblich in Norwegen herrschen sollen im November. Ja, das Wort "Blödsinn" ist nicht so höflich wie "kurios", das ist mir klar. Und ich entschuldige mich auch dafür, dass mir in dem Moment kein anderes Wort dazu eingefallen ist. Falls es noch nicht aufgefallen ist; ich bin ein Mensch. Wahnsinn, oder?! Verblüffend. Auch mir, die sich generell sehr gut ausdrücken kann, fallen hin und wieder nicht die richtigen Worte ein. Aber ich habe ebenfalls geschrieben, dass mich das richtig irritiert und mich bei der Vorstellung zum Verlauf der Geschichte sperrte. Auch habe ich geschrieben, dass ich nicht weiß, woher die Autorin die Zahlen nimmt (also die Zeitlänge des Tageslichtes) und warum ich noch nie davon gelesen oder das gesehen habe in Dokumentationen. Und dass ich das schade finde.

Da hätten meine Lese-Kameraden (die, die mich angriffen) mich ja von meiner Dummheit und Wissenlosigkeit befreien können, indem sie mir einfach schreiben, wie das ihres Wissens ist. Aber nein, es wird sofort die Keule geschwungen, um mich platt zu schlagen. Das war dann wohl deren Dummheit, schätze ich. So ist jeder auf seine Art dumm. Ich persönlich ziehe wissenlose Dummheit die der soziallosen Dummheit vor. Eine Leserin hat mir ihre Erfahrung mitgeteilt, wofür ich ihr auch dankte. Aber mit biestigen Kommentaren, um Machtgelüste auszuleben und andere niederzumachen, lasse ich mir keine Kritik mehr entgegenschleudern! Irgendwann muss man auch mal aus Fehlern lernen. Das muss sich niemand antun.

Wenn einem nicht zusagt, was ich schreibe - aus welchen Gründen auch immer -, dann hat er die Freiheit, mir das auf angemessene Weise mitzuteilen. Dann bin ich auch bereit, meine dargelegte Art, wie ich etwas ausgedrückt habe, zu widerrufen bzw. anders zu deklarieren. (Wie ich das auch nach dem Erfahrungsbericht der einen Leserin getan habe. Ein Teil von mir war sogar neugierig und wollte mehr darüber wissen, aber die anderen biestigen Kommentare haben mich davon abgehalten.) Schließlich sind Leserunden Diskussionsrunden, in denen verschiedene Meinungen zusammenkommen. Das verstehen aber viele Leser gar nicht, dieses Prinzip. Für viele sind das eher Machtrunden, in denen sie einen Mob organisieren und/oder andere als Boxsack benutzen können. Ist ja nicht die erste Runde dort oder auf anderen Plattformen, wo das passiert - bei mir und anderen. Wem es um die Sache geht, der weiß sich auch freundlich auszudrücken (damit meine ich die Art und Weise, Wörter können ja immer falsch gewählt werden). Aber solche Runden werden gerne als Deckmantel für Mobbing oder (in dem Fall) einfach draufhauen genutzt.

Auch meine Kritik an Ravna kam gar nicht gut an. Ich habe da dann gemerkt, dass nur heile Welt gefragt ist. Kritik an die Beschreibung der Autorin und der Charaktere ist da nicht erwünscht. Da wurde ich dann gefragt, wieso ich so genervt sei - Da ich das ausführlich erläutert hatte, kam diese Frage auf mich eher provozierend als neugierig an. Ab da habe ich mich dann ausgeklinkt, denn ich habe besseres mit meiner Zeit zu tun, als mich in eine solche Runde und diesem Niveau zu begeben, bei dem man bei jedem vermeintlich falsch gewähltem Wort auf der Ausschluss-Liste landet und man nichts kritisieren darf! Das ist keine Leserunde/Diskussionsrunde, das ist Diktatur! Eben in Mini-Format!

Ich musste das jetzt erläutern, da ich das Buch ja von wasliestdu und dem Verlag bekommen habe, um bei der Leserunde mitzuwirken. Ich hätte natürlich auch gar nichts schreiben können, aus Trotz, aber das lag mir noch nie und ist mir zuwider, genau wie solch ein Verhalten in einer Diskussionsrunde! (Um meine Intelligenz nicht zu beleidigen, werde ich auch auf solche Art Kommentare zu dieser Rezi nicht reagieren)



Also, Danke an Alina (wasliestdu) und dem Verlag für das bereitgestellte Exemplar! Ich gebe es freudig an meine liebe 🦌Lese-Freundin, die sich frei und unzensiert ihre eigene Meinung dazu bilden darf. Und mit der ich sehr gerne und oft unterschiedlicher Meinung bin. 🥰 An solchen Runden merkt man wieder, was für ein Genuss es ist, solch eine Lese-Kameradin zu haben. 🤗




Geschrieben am 04.06.2021




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Veröffentlicht am 04.06.2021

Sei glücklich oder stirb - Dann muss ich wohl sterben ... 😏

Gemma. Sei glücklich oder stirb
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Inhaltserzählung:

(Pro)

"Negatives Denken ist so überflüssig, wie Reißzwecken auf einer Pizza. Negatives Fühlen nützt uns so viel wie Krebs. Mal dir eine Welt aus, in der niemand mehr von negativen Energien ...

Inhaltserzählung:

(Pro)

"Negatives Denken ist so überflüssig, wie Reißzwecken auf einer Pizza. Negatives Fühlen nützt uns so viel wie Krebs. Mal dir eine Welt aus, in der niemand mehr von negativen Energien zerstört wird. Eine Welt, in der nur noch positive Gedanken und Gefühle existieren."

(Track 15)


(Kontra)

"Wenn jemand sterben sollte, den ich liebe", sagt er ruhig, "will ich mir nicht anhören müssen, dass ich nach vorn blicken und positiv denken soll. Ich will verzweifelt und traurig sein dürfen, auch wenn es so schlimm ist, dass ich es fast nicht aushalte. Ich will das alles, weil es dazugehört."

(Track 13)



Autorin:
Charlotte Richter, geboren 1969 in Nürnberg, kam erst über einige Umwege zum Schreiben. Auf der Universität studierte sie zunächst Tier- und Humanmedizin, Psychologie und schließlich Germanistik. Nebenbei begann sie zu schreiben, wobei das Studieren immer weniger und das Schreiben immer mehr Zeit in Anspruch nahm. Sie veröffentlichte zahlreiche Beiträge in Zeitschriften und Anthologien, auch Texte für verschiedene Hörfunksender. Dank einiger Stipendien konnte sie sich als freiberufliche Schriftstellerin selbstständig machen. Ihren ersten Roman, „Das letzte Zimmer“, schrieb sie 2004. Heute hat sie mehrere Bücher veröffentlicht und ist Mitglied im Hamburger Writers‘ Room, obwohl sie nicht mehr in Hamburg, sondern in Kattendorf, einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein, lebt. Für ihren Jugendroman „Die Muschelsammlerin“, der im Frühjahr 2019 erschien, ließ sich Richter etwas besonderes einfallen: Bereits im Winter 2018 konnte man die beiden Prequels im eBook-Format lesen, um sich optimal auf die Geschichte einzustimmen.

Sprecherin:
Franciska Friede hat während ihrer Schauspielausbildung ihre erste durchgehende Serienhauptrolle angenommen und durfte seither immer wieder in die verschiedensten Rollen schlüpfen. Zuletzt als Gisela für Babylon Berlin. Seit 2014 arbeitet sie zudem als Sprecherin und durfte seither hunderten von Rollen ihre Stimme leihen.


Bewertung:
Ein merkwürdiges Cover mit den zerfließenden Metallfarben. Ist nicht mein Fall.

Irgendwie langweilte mich der Beginn, die Stimme ist nicht schlecht, fesselte mich aber auch nicht. Ich hatte große Mühe weiterzuhören. Die Gesellschaft ist wirr erzählt. Wörter wie Akanite und Regeln der Gesellschaft sind nicht erklärt. Das nervt. Wusste bei manchem gar nicht, worum es geht und was das ist. Ich verstehe diese Akademie und ihre Funktion nicht richtig. Und welche Zeit haben wir eigentlich? Auf jeden Fall in die Zukunft rein, denn sie reden von unserer Gesellschaft als Vergangenheit. Bei einer Rezension stand, dass die Geschichte im Jahr 2025 beginnt. Ich habe gar kein Datum vernommen, vielleicht habe ich es überhört? Ich weiß es nicht. So gut wie alles an der Gesellschaft bleibt schwammig und offen.

Gemma wirkt unnatürlich und spricht auch oft so künstlich hoch. Ich konnte mich nicht mit ihr anfreunden. Keno ist das Gegenteil von ihr und ihren Ansichten. Hier habe ich auch nicht verstanden, was das Zweiergespräch der Beiden bewirken sollte ... das blieb auch im luftleeren Raum hängen.

Die Situationen zwischen Gemma und Keno finde ich schön. Keno zeigt ihr auf, dass eine andere Gesellschaft möglich ist und besser. Er sagt viele wahre Dinge, die auch heute aktuell sind. Auch in unserer Gesellschaft ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Und wer versagt, ist selber Schuld. Nicht bestimmte Strukturen oder Umstände, nein, man selbst als Person ist verantwortlich. Daher finde ich die Geschichtsidee super gut, da sie unsere Wirklichkeit widerspiegelt. Auch die Theorie von durchweg positiven Gedanken und Gefühlen ist unserer Gesellschaft schon viele Jahre im Gespräch. Wissenschaftler arbeiten daran, negative Erlebnisse aus dem Gehirn zu entfernen, versuchen Vergessenheits-Serum zu entwickeln etc. Die Geschichte hier ist also alles andere als neu und fiktiv, im Gegenteil. Und das macht sie auch so erschreckend. Auch wie die Gesellschaft auf Andersdenkende reagieren, und unter dem Deckmantel des Helfens Tyrannei verbreiten. Das kennen wir alle.

Auch sagt Keno im Bezug auf Anziehung viel richtiges: Wer positiv denkt, zieht positives an usw. Da war ich schon immer sehr abwehrend gegen, denn im Umkehrschluß bedeutet es genau das, was Keno sagt und was wir in unserer Gesellschaft immer wieder hören; wir sind selber schuld, wenn wir versagen, wenn uns etwas zustößt. Die Autorin hat sehr gute Worte dafür gewählt und führt dem Hörer und Leser Beispiele vor Augen:

"Glaubst du, wir können unser Schicksal beeinflussen?"
"Und was glaubst du?"
"Die kleinen Dinge. Das Große passiert von selbst. Manche erreichen, was sie wollen, andere nicht. Da ist viel Zufall im Spiel."
Heftig schüttele ich den Kopf. "Wenn du etwas wirklich willst, kriegst du es auch. Wenn nicht, hast du es nicht genug gewollt. Gesetz der Anziehung. Positive Gedanken ziehen positive Gefühle ziehen positive Ereignisse an."
"Und negative Gedanken ziehen negative Gefühle ziehen negative Ereignisse an? Das ist wie 'sorry, bei dem kurzen Rock bist du selbst schuld, dass du vergewaltigt wurdest.' Nur auf das ganze Leben ausgeweitet. Von allen verlassen, Krebs im Kopf, Tochter überfahren, deine Verantwortung. Nicht die richtigen Gedanken gedacht. Das ist unmenschlich, Gemma! Und es macht uns blind für die wahren Gründe aus denen Dinge passieren."

(Track 16)


Ich bezweifle ja nicht, dass es diese Anziehung gibt. Wir kennen sicher alle das Phänomen, dass wir bestimmte Menschen in unserem Leben anziehen. Wie wir denken, fühlen und handeln zieht dementsprechend bestimmte Menschen an, das ist Psychologie. Aber plump zu behaupten, allein mit unseren Gedanken entscheiden wir, was uns widerfährt, finde ich unverschämt! Und es stimmt ja auch nicht! Deshalb bin ich bei dieser buddhistischen Lehre sehr kritisch. Die fernöstlichen Menschen besitzen viel Wissen und Weisheit und kennen andere Methoden zur Heilung von Traumata und Schmerzen. Aber diese extreme Lehre von "Du bestimmst dein Leben" unabhängig von der Außenwelt funktioniert nicht und unterstützt das unsoziale System der Schuldgebung der Menschen. Wir können eben nicht alles nach unserem Willen lenken - das macht mich echt sauer, so ein Bullshit! 🤬

Natürlich gibt es - wie immer in allem - Widerstand dieser Gesellschaft. ich weiß jetzt nicht, wie sie genannt werden, eine Untergrundgruppe, die sich gegen dieses unnormale Leben mit nur Glücksgefühlen wert. Von dieser habe ich so gut wie nichts mitbekommen, außer vereinzelte Personen wie Keno, weil ich nach der Hälfte abgebrochen habe. Den Wunsch nach nur schönen Gedanken und Gefühlen haben wir ja alle. Aber bei Verstand denkende wissen auch, dass es ein Gleichgewicht geben muss, im Kern. Vieles tun wir uns einander an, was nicht sein muss. Wir Menschen sind eben so. Dennoch ist es eine Utopie zu glauben, es ginge ganz ohne Schmerzen, Leid, Trauer, Schlechtigkeiten ... Leider wollen das nicht nur die vielen Menschen in dieser Geschichte nicht wahrhaben und akzeptieren, auch viele in unserer heutigen Gesellschaft nicht.

Die Sprecherin spricht die Erzählung und Dialoge nicht immer auseinander. Das irritiert. Ich habe mich immer wieder fragen müssen, wer da jetzt spricht und ob überhaupt jemand spricht oder ob das die Erzählerin ist. 😑


Fazit:
Eine grandiose Idee, die leider erschreckend real ist in unserer Gesellschaft. Hier führt die Autorin den Faden etwas weiter und spinnt eine bereits "glückliche" Gesellschaft, die mit ihrem Groll gegen alles Negative das Gegenteil von Glücklich erreichen. Die Autorin zeigt auf, wie weit so eine Gesellschaft mit solchen Verhaltensweisen führen kann und was für Folgen das für alle hat. Das erschreckende ist, dass das keine fiktive Idee ist, sondern aus unserer Gesellschaft entnommen und weitergespinnt wurde. Man kann es also als mögliche Zukunft sehen, wenn wir weiter diesen Weg beschreiten.

Ich habe nach 7:15 Stunden (55 %) abgebrochen, also bei mehr als der Hälfte, und kann trotzdem schreiben, dass die Autorin es geschafft hat, beide Seiten - die Befürworter und die Widerständler - realistisch und klar positioniert auszuarbeiten. Ich habe zu dem Zeitpunkt abgebrochen, wo ich mehr von dem widerstand erfahren hätte. Aber auch davor wurden durch ein paar Einzelpersonen die Widerstandseite gut dargelegt.

Umso enttäuschter bin ich über das lahme Tempo des Verlaufs. Total schade. Dann kommt noch die nicht so gute Sprecherin hinzu, die den Inhalt sprachlich falsch ausdrückt. Das ist bei einem Hörbuch ein Riesen-Manko. Man muss sich ja von den Sprechern führen lassen und kann die Geschichte nicht selbst lesen wie bei einem Buch. Und neben des lahmen Verlaufs kommen noch eine schwammig erzählte Gesellschaft hinzu. Die Idee ist super, wie geschrieben, auch die verschiedenen Parteien, super - aber, die ganzen Rahmeninformationen zu dieser Gesellschaft, zu dieser Akademie, die fehlen größtenteils oder bleiben wage erklärt. Ich finde die Geschichte wirr erzählt, von Autorin und Sprecherin. Ich habe mich auf die Geschichte gefreut, aber so wirre und unzureichende Geschichten sind nicht mein Fall. Es fehlt zu viel an Informationen und gibt zu viel an Irritationen. Wirklich sehr schade!




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Veröffentlicht am 03.06.2021

Wie die Liebe so kalt - Die perfekte Beschreibung zu diesem Werk in einem Satz!

Partem - Wie die Liebe so kalt
3

Klappentext:
Liebe kann jeden verwunden, doch niemanden so sehr wie Jael. Sein Auftrag ist es, anderen die Gefühle zu stehlen, und dafür muss er eiskalt sein. Als Jael auf Xenia trifft, schlägt sein Herz ...

Klappentext:
Liebe kann jeden verwunden, doch niemanden so sehr wie Jael. Sein Auftrag ist es, anderen die Gefühle zu stehlen, und dafür muss er eiskalt sein. Als Jael auf Xenia trifft, schlägt sein Herz zum ersten Mal seit langem schneller. Dabei ist Xenia eigentlich ein ganz normales Mädchen – mal davon abgesehen, dass sie Geräusche hört, sobald sie jemanden berührt. Nur bei Jael herrscht Stille in ihrem Kopf. Die beiden sind füreinander bestimmt, doch können sie sich den Fängen derjenigen entziehen, die es auf Xenias Herz abgesehen haben? Und wird Jael für Xenia seine eigentliche Mission verraten?

Autorin:
Stefanie Neeb, 1974 in Bielefeld geboren, in Minden aufgewachsen, dort die Abifeier überlebt und mit dem Schulfreund losgezogen. Deutsch, Musik und Sport studiert und in Trier, Barcelona und München als Lehrerin gearbeitet. Gelandet jetzt in Frankfurt am Main: mit einem Mann, zwei Kindern und drei Haustieren.

Sprecherin:
Die gebürtige Koblenzerin Carolin Sophie Göbel ist Schauspielerin sowie Synchron- und Hörbuchsprecherin. Ihre Schauspielengagements führten sie nach Stuttgart, Leipzig und Frankfurt, wo sie u. a. als »Luise« in Kabale und Liebe und als »Hermia« im Sommernachtstraum zu sehen war. Als Sprecherin leiht sie ihre Stimme regelmäßig der Augsburger Puppenkiste, 3sat und dem ZDF. 2016 wurde sie für ihre Arbeit von Audible mit dem Hörbuch-Nachwuchssprecher-Preis ausgezeichnet.


Bewertung:
Das Cover ist wirklich passend zur Geschichte mysteriös gehalten, es wirkt auch mehr wie ein Thriller als ein Fantasywerk. Ich verstehe den Titel gar nicht - heißt so die Mafia-Sekte? Hier geht es schon irritierend los ... (vielleicht habe ich das an einer Stelle überhört?)

Durch den Klappentext entstehen im Kopf ja bestimmte Vorstellungen, die wir uns machen, und hier habe ich mir die Geschichte anders vorgestellt, obwohl der Klappentext gar nicht abwegig geschrieben ist. Da gibt es viele, die gar nichts mit der Geschichte zu tun haben, bei anderen Werken. Das ist hier nicht so. Aber ich habe sie mir nicht so künstlich, dahinplätschernd und informationsarm vorgestellt. (Weiter Erklärung unten)

Die Eingangs- und Abgangsmusik passt sehr schön, mystisch ... Der Beginn der Geschichte ist etwas unzuordbar. War das der Prolog? Das ist irritierend, die Situation wird einfach erzählt, ohne eine Zuordnung. Wer sind die Personen? Worum geht es? Das wird auch am Ende nicht geklärt und bleibt offen.

Die Erzählung ist in vier drei Personen aufgeteilt: Jael, Xenia, Chrystal und später auch Felix. Sie erfolgt aber nicht in der Ich-Erzählung, was aber hier sicher besser gewesen wäre, um die Gefühle und Gedanken zu transportieren. Was selten zu lesen /hören ist, dass Szenen aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Wie beschreibe ich das verständlich? Beispiel: Also, es wird eine Szene erzählt, in der Erzählung zu Jael. Dann kommt die Erzählung zu Xenia und die geht nahtlos an der Erzählung zu Jael weiter. Es wiederholt sich nichts aus verschiedenen Sichtweisen. So wird generell erzählt. Hier aber haben wir den seltenen Fall, dass es so ist, dass eine Szene aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird. Es geht also nicht nahtlos an einer Szene weiter, sondern es wird dieselbe Szene in der Situation der anderen Figur wiedergegeben. Ich hoffe, ich konnte es verständlich erläutern, ist schwer. Für manche Leser/Hörer ist das langweilig, weil natürlich bestimmte Sachen wiederholt werden, auf andere Art, angepasst an die Figuren. Aber mir gefällt das sehr, weil das mehr Einblick in die Charaktere in denselben Szenen gibt. Gerade bei dieser Geschichte fehlen ja viele Einblicke. Ich finde es also sehr passend und ich mag auch gerne seltene Erzählstile lesen/hören.


Diese Regelwerk-WG - diese ganze mysteriöse Mafia ... ich kapier es nicht! Es erfolgt ja gar keine Erklärung, man wird da einfach reingeworfen und weiß gar nicht, was das alles ist. Auch beim Spinksen in die Leserunde auf Lesejury bin ich nicht fündig geworden, und aus den Rezensionen konnte ich auch kein Wissen ziehen. 😒 Wer sind die alle? Woher kommen sie? Was hat es mit dieser Mafia auf sich? Hin und wieder wird etwas angeschnitten, aber das war's dann auch. Was noch bitterer ist, als gar nichts zu bekommen.

Dann war ich am Anfang schockiert: Jael erschlägt Menschen? Hatte doch etwas thrilliges an sich. Und weil keine Informationen zu ihm und seiner Sekte herrscht, hat mich das echt schockiert und irritiert. das hat auch was mystisches und hat meine Neugier geweckt, vielleicht noch mehr zu erfahren ...

Charaktere sind 08/15 und das Verhalten ebenso. 🙄 Augenverdrehen war hier auch immer wieder: Ja klar, durch sein Shirt zeichnet sich jeder einzelne Muskel ab ... 🙄🥱 Oh bitte! Geht's noch origineller??! 🤨🤦 Vor allem erscheinen sie mir auch zu jung für die Geschichte. Es passt nicht richtig.

Jael ist sehr undurchsichtig, auch für uns Leser/Hörer. Und das durch den ganzen Verlauf. Ich finde das sehr unglücklich. Das, was da an Gedanken von ihm zu erfahren ist, verpufft irgendwie. Es kommt nicht an, bei mir jedenfalls nicht. Er bleibt genauso im Schatten wie diese Mafia-Organisation.

Mit Xenia kann ich auch nicht viel anfangen. Weder mag ich sie, noch mag ich sie nicht. In Bezug auf ihre Mutter war sie sehr greifbar und hat mich sehr berührt. Aber ansonsten war sie mir egal.

Diese Wandlung vom Axxxxloch Jael zum zuvorkommenden Jael zu Xenia ist sehr salopp und auch wieder unnatürlich künstlich erzählt. Erst totale Abneigung, dann Zuneigung und dann eine Mischung aus Zuneigung und Herrischkeit, was eher passt. Aber die Beziehung zueinander hat die Autorin nicht nur wieder 08/15, sondern auch künstlich erzählt. Ich verstehe die Leser nicht, die schreiben, sie fänden die Beziehung fesselnd und interessant. Dabei ist das nichts neues, sondern eine immer gleich erzählte Beziehung, wie in vielen anderen Büchern. Die Autoren scheuen sich, mal was anderes zu schreiben oder können es nicht oder meinen, alle wollen nur das Gängige lesen oder alles zusammen. Ist einfach sehr auffällig, dass diese Art gefühlt bei jedem zweiten Jugend-/Fantasy-/Erotik- und Liebesroman zu lesen ist. Und nervig noch dazu! 😒

Xenias Mutter ist nicht greifbar für mich. Ihr Verhalten, ihre Gefühle ... diese konfliktbehaftete Beziehung zwischen ihr und Xenia verstehe ich nicht in ihren Wurzeln. Ich konnte das nachempfinden, aus Xenias Seite, aber insgesamt bleibt das zwischen ihnen sehr schwammig und undurchsichtig. Ich hatte im letzten drittel das Gefühl, ihre Mutter ist mit einem dieser Sektenmitglieder mal in Berührung gekommen, der ihre Liebe ausgesaugt hat - aber das wird hier weder bestätigt noch entkräftet. Bleibt auch total unbeantwortet.

Felix ist Xenias bester Freund und ein echt toller Kerl. So einen Freund hätte ich auch gerne. Die Beziehung zwischen den einzelnen WG-Mitgliedern ist aber auch nicht neu, trotzdem gut erzählt. Hier wirkt es nicht so künstlich wie bei Jael und Xenia.

Chrystal hat mir von der WG am besten gefallen. Sie ist eine Mischung aus böse und gut, aber nicht künstlich erzählt, wie bei Jael. Es wirkt sehr natürlich, weil man bei ihr auch die Zweifel mitbekommt und Gedankengänge. Bei Jael ist eher wenig davon zu hören/lesen, irgendwie kommt da nichts gescheites raus.

Ich habe fast den überwiegenden Teil hindurch Xenia nicht verstanden, was ihre Kräfte angeht: Sie bemerkt bei den WG-Mitgliedern, dass sie keine Töne von sich geben, wenn sie sie berührt und hinterfragt das, als wäre diese Kraft normal für sie. Hier wird aber gar nicht deutlich, ob sie von ihren Kräften weiß oder nicht. Das habe ich mich ständig gefragt. Dann im letzten Drittel meint sie zu Jael, irgendetwas stimme nicht mit ihr - da dachte ich dann "Aha, sie weiß also nichts von ihren Kräften." Dann habe ich aber wiederum den Verlauf, wo sie die Mitglieder berührt hat und auf ihre Töne gehorcht hat, nicht verstanden. Wie kann ihr das auffallen, wenn sie doch gar nicht weiß, dass sie Töne hören kann? 🤔 Und nachdem Jael mit ihr darüber spricht, sagt sie plötzlich, dass sie die Töne der Menschen hören kann. Da weiß sie wieder, dass sie die Kräfte hat??? 🤔 Einfach nur HÄ??? Total verwirrend und undurchschaubar wirr erzählt.

Die Nebencharaktere blieben auch sehr wage und unbefriedigend für mich. Mir haben die verschiedenen Persönlichkeiten gefallen, wenn mal etwas davon durchkam, aber das waren sehr spärliche Momente, leider.


Sehr künstliche Szene, damit Drama entsteht: Jael hat den Leibwächtern angewiesen, Xenia nicht auf die Party zu lassen. Gab ihnen Namen und Aussehen. Und auch, dass sie ihn fragen sollten, wenn sie sich unsicher seien. Und dennoch lässt einer der Wächter sie einfach zur Party, nennt sie sogar beim Namen. Das ist derart künstlich erzählt, da merkt man, dass die Autorin dieses Drama zwischen Xenia und Jael haben wollte, um jeden Preis! 🙄🥱🤦

Es gibt noch ein paar Logikfehler, die wieder HÄ's? bei mir hervorriefen und unrealistisch sind. Aber bei der Geschichte, was sonst?!

Das Ende ist sehr fesselnd und sehr offen. Eigentlich wollte ich es hiermit gut sein lassen, aber das Ende hat mich echt eingefangen und neugierig gemacht ...

Die Sprecherin hat mir gut gefallen, sie spricht lebendig und auch sehr gut im Ausdruck der verschiedenen Charaktere. Hatte ja einige Male den Gedanken, abzubrechen, aber die Sprecherin hat mich gut durch das Hörbuch geführt. Als Buch hätte ich sicherlich abgebrochen.


Fazit:
Naja, sehr vieles etwas künstlich ... Charaktere, Szenen, Beziehungen zueinander ...

Es fehlen einfach die Grundinformationen zum Setting, zur komischen Sekte, zur WG, zu den Fähigkeiten der Mitglieder ... bis zum Schluß bleibt das aus. Auch bei einer Reihe müssen in Band 1 die Grundinformationen vorhanden sein. Das ist ein Riesen-Manko und stört sehr, da das Verständnis für die Geschichte fehlt.

Wenn ich auf die Geschichte jetzt zurückblicke, wird deutlich, dass sie sich in die Länge zog und gar nicht viel passiert. Es wirkt ideenlos, auch weil durchweg viel künstlich konstruiert wurde, um etwas zu sein. Die Autorin hat zu sehr gewollt, dass es mystisch und unheimlich wirkt - viele Informationen fehlen, die wenigen Handlungen sind in die Längen gezogen und die vielen Szenen und Charaktere künstlich erschaffen. Alles in allem sehr schwach. Ich wollte auch erst 2,5 Sterne vergeben, aber das Ende hat einiges herumgerissen. Und da es eine Dilogie ist, ist das offene Ende auch nicht verwerflich. Ebenso berücksichtige ich auch die Sprecherin, die ja bei einem Hörbuch auch Bewertung finden muss. Daher halte ich 3 Sterne für gerechtfertigt.

Für ein Jugendbuch sehr düster und für mich erst ab 15 Jahren zu empfehlen. Kann man lesen/hören, muss man aber nicht.

Der Untertitel passt jedenfalls hervorragend zum Gesamtwerk!



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