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Veröffentlicht am 19.09.2019

Finde mich. Viel später! Gute Geschichte für Zwischendurch, mehr aber auch nicht.

Finde mich. Jetzt
1

Klappentext:
Er hat jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren.
Sie hat den Männern abgeschworen.
Und doch sprühen zwischen den beiden die Funken.

"Wäre ich noch an Männern interessiert, würde ich ...

Klappentext:
Er hat jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren.
Sie hat den Männern abgeschworen.
Und doch sprühen zwischen den beiden die Funken.

"Wäre ich noch an Männern interessiert, würde ich vermutlich sagen, er sei attraktiv. Auf eine wilde und gefährliche Art. Aber mir geht es sehr gut in meiner männerfreien Welt."
(Tasmin über Rhys)

"Ihre gesamte Erscheinung ist auf einfachste Weise spektakulär, und ich vergesse beinahe zu atmen. Die Geborgenheit, die ich bei ihr spüre, macht die Welt nicht nur erträglich, sie macht sie schön."
(Rhys über Tasmin)


Autorin:
Seit Kathinka Engel mit fünf Jahren lernte zu lesen, prägt die Literatur ihr Leben. Sie studierte Komparatistik in München und arbeitete im Anschluss für eine Literaturagentur, ein Literaturmagazin sowie als Übersetzerin und Lektorin für verschiedene deutsche Verlage.

Wenn sie nicht liest oder schreibt, erfreut sie sich an allem, was bunt ist, Reisen, guten Kneipen, Besuchen im Fußballstadion und am Rascheln trockener Blätter im Herbst. Ihr Debüt "Finde mich. Jetzt" ist im Piper Verlag erschienen. Für Infos rund um ihr Schreiben und ihre Liebe zu Büchern folgt Kathinka auf Instagram: https://www.instagram.com/kathinka.engel/


Bewertung:
Die Cover der drei Bände sind ja ein wunderschönes Puzzle, das ein ganzes als Unendlichkeitszeichen ergibt. Auch die Titel sind nach dem Coperate Identity-System gestaltet. Auf jeden Fall ein echter Blickfang! Diese abgehakten Titel gefallen mir, die Farben sind wunderschön. Allerdings passt der Titel zur Geschichte nicht so ganz, da die Suche darin sehr nebensächlich behandelt wird. Der Titel vermittelt hier einen falschen Eindruck. Bei mir geht immer wieder etwas Glitzerbelag vom Cover ab, da muss ich mit Haarspray ran. Die Steckbriefe auf dem Klappenumschlag finde ich genial, vor allem Rhys. Diese Fragen erinnern mich an die Fragen im Lovelybooks-Profil. Manche sind echt dämlich, da habe ich dann auch wie Rhys geantwortet. XD Auch die Kapitel sind mit dem Unendlichkeitszeichen geschmückt und vervollständigen das einheitliche Bild der Aufmachung.

Nichts, was ich tue, dient einem unmittelbaren Zweck. Es geht nicht mehr ums Überleben. Jetzt geht es ums Leben, und davon verstehe ich nichts.
(Rhys, Seite 36)

Mir gefällt vor allem Tasmins Namen so toll! Einzigartig! Schön finde ich außerdem, dass beide, Tasmin und Rhys, abwechselnd zu Wort kommen. Oft ist es ja so, dass es nicht im direkten Wechsel geht. Finde ich richtig toll hier, weil ich das Gefühl habe, die Perspektiven schnell hautnah mitzubekommen. Unterschiedlicher können beide kaum sein, bis auf den Umstand, dass beide neu anfangen. Der Schreibstil ist mega schön emotional und ich flog so durch das Buch. Mir gefällt vor allem Rhys Charakter - die Berührungsproblematik ist sehr glaubhaft erzählt. Rhys ist vor allem zu Anfang sehr sarkastisch, da konnte ich mich richtig wiederfinden - je furchtbarer die Situationen, umso sarkastischer werde ich. Das verliert sich bei ihm aber im Laufe der Geschichte und hier wird die Entwicklung dazu sichtbar.

"Hi, Rhys", begrüßt mich Amy und strahlt mich an, als gäbe es nichts schöneres auf der Welt, als mich zu sehen. Mir fallen eine Million Dinge ein, die schöner sind. Ein Schlag in die Fresse, Waterboarding, Zigarettenstummel auf der Haut.
(Rhys, Seite 61)

Die Beziehung zwischen Tasmin und ihrem besten Freund Sam kam mir zu Beginn schon merkwürdig vor. Nicht, dass es keine Beste Freundschaften zwischen Männer und Frauen gibt, nur irgendwie hat bei mir der Alarm geläutet, wenn Tasmin über Sam erzählt hat. Ich hatte schon das Gefühl, dass er sie mehr mag als als bloße Freundin, und damit spoilere ich auch nicht. Ich finde, das ist sehr deutlich rauszulesen. Sam ist ein toller Mann und einen besseren besten Freund kann man sich als Frau gar nicht wünschen!

Es ist verrückt. Wenn Tasmin kommt, wird es laut und bunt und lebendig. Wenn sie weg ist, hallt das Leben noch nach.
(Rhys, Seite 94)

Als ich den Namen Zelda gelesen habe, musste ich Schmunzeln. Eine Zelda kommt auch im Buch zu All In (Band 2) vor, dass ich vor kurzem gelesen habe. Da war diese Zelda aber die Arbeitskollegin des Hauptprotagonisten. Und vom Typ her ähneln sie sich sehr. So eine Freundin passt auch zu Tasmin und ich finde auch, so eine Freundin braucht jeder von uns. Sie hat Pfeffer, ist aber nicht frei von Problemen in ihrem Leben. Das macht die Figur für mich sehr glaubwürdig.

"Darf ich diene Hand mal drücken?", frage ich.
"Wie bitte?"
"Na ja, du warst schon vorhin ziemlich toll, aber jetzt liest du plötzlich auch noch? Die reife Art, mit meiner Begeisterung in diesem Moment umzugehen, wäre, deine Hand zu drücken. Ansonsten muss ich vielleicht kurz mal vor die Tür gehen, damit du die unreife Variante nicht siehst."
"Es ist ja nicht so, als hätte ich endlos Erfahrung auf diesem Gebiet, aber kann es sein, dass du manchmal ein bisschen verrückt bist?", fragt Rhys grinsend, legt aber seine Hand auf den Tisch.
(Tasmin und Rhys, Seite 154)

Amy hilft Rhys in der Zeit außerhalb des Gefängnisses. Sie wirkt mal hartnäckig, dann wieder nervtötend ... einfach ist es nicht so mit ihr. Vor allem ist sie nicht so diskret, was Rhys und ihre Gespräche in der Öffentlichkeit angeht. Ich finde, das geht gar nicht in ihrer Position. Sie wirkt da sehr unprofessionell. Überhaupt ist sie plump in ihrem Benehmen. Rhys so vor allen anderen auszufragen und ein Gespräch über seine Beziehung zu Tasmin im Beisein von Tasmin ... das geht sie überhaupt nichts an! Auch, wenn sie sich sorgt, hätte sie das diskreter mit ihm klären können. Da schämt man sich doch total!!!

"Ich wollte einfach zu dir gehen, wollte, dass alles wieder gut ist. Aber dann habe ich Angst bekommen. Dass du mich nicht mehr willst nach der ganzen Geschichte."
"Ich hätte dich gewollt. In jedem Moment."
(Rhys und Tasmin, Seite 339)

Die Geschichte ist wundervoll und glaubhaft geschrieben - bis zum ersten Sex mit Tasmin. Erst ist Rhys traumatisiert (verständlicher Weise) und verträgt keine Berührungen, und schon drei ? Tage später schläft er mit Tasmin, einfach so! Da hat überhaupt keine Entwicklung hierzu stattgefunden. Dass das alles andere als realistisch ist, ist wohl selbsterklärend. Das hat mich sehr enttäuscht. Aber noch war nichts verloren. Kurze Zeit später erzählt die Autorin wiederum unheimlich realistisch, wie Rhys mit seiner PTBS kämpft. Da war nun wieder Realismus nach dem unrealistischen Heilsex vorhanden. Die PTBS, die sich da wieder zeigt, ist sehr eindrucksvoll erzählt und ich konnte mich da sehr gut einfühlen. Dass er Tasmin von sich stößt, ist in seiner Verfassung total verständlich und auch "normal". Warum er um seine Schwester aber so ein Geheimnis macht, habe ich nicht verstanden. Er hat Tasmin soweit alles erzählt, umso unverständlicher fand ich das.

"Meinst du, es gibt eine Obergrenze von tollen Sachen, die man über Nacht erleben kann?", fragt er. "Glaubst du, man platzt vielleicht irgendwann vor Glück?"
"Selbst wenn, dann ist es wohl die beste Art zu platzen", gebe ich zurück.
(Rhys und Tasmin, Seite 211/212)

Ich hatte auf ein abgeschlossenes Ende gehofft, denn so richtig fokussiert wird die Suche nach seiner Schwester in der Erzählung gar nicht, und beim letzten Drittel des Buches passiert immer noch nichts. Mir hat das etwas Sorge gemacht, dass auf den letzten Seiten alles reingequetscht wird, da ja jeder Band andere Charaktere vorstellt. Leider sollte ich recht behalten, und die finale Suche und das Auffinden von seiner Schwester Jeannie wartet ganz zum Schluss auf. Sehr schade! Der Showdown ist viel zu perfekt verlaufen. Auch dass es bei Amy keine Schwierigkeiten in ihrer Hilfe bezüglich Jeannie gab. Andererseits war das zu erwarten, da das Ganze mit Jeannie auch auf die letzten Seiten gedrückt wurde, leider. Da habe ich mir eine bessere Erzählung im Laufe der Geschichte gewünscht. Diese ist total in den Hintergrund gerückt, bei der Romanze zwischen Rhys und Tasmin.


Fazit:
Ich kann, ich darf, aber ich muss nicht. Und zum ersten Mal wird mir bewusst, was Freiheit bedeutet. (Rhys, Seite 112)

Insgesamt finde ich die Geschichte sehr schön geschrieben, mit einer gut durchdachten Grundidee. Diese ist leider nicht ganz so gut durchdacht umgesetzt worden. Es sind Lücken entstanden (aus Spoilergründen kann die Szenen nicht wiedergeben) und die wichtigsten Sequenzen sind zu salopp ausgeschrieben worden. Daher kann ich hierfür gute 3,5 Sterne verteilen. Ein gutes Buch für Zwischendurch, dessen Potenzial jedoch verschrieben wurde. Vielleicht schaffen die nächsten Bände mehr Überzeugungskraft.

Halte mich. Hier (Band 2): erscheint am 4. November 2019
Liebe mich. Für immer (Band 3): erscheint am 3. Februar 2020


Vielen lieben Dank für das bereitgestellte Exemplar zur Leserunde bei Lovelybooks und die Autorenbegleitung; vielen Dank an die Autorin, dem Verlag und dem Lovelybooks-Team! Es war eine wirklich schöne kleine Runde!

Veröffentlicht am 06.09.2019

Irre, schräg, komisch ... lädt zum Lachen und Träumen ein!

Machen Sie Ihren Scheiß doch selber!
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Inhaltserzählung:
Wer sich montags ins Büro quält und dienstags schon das Wochenende herbeisehnt, hat nun zumindest einen Trost: Er ist nicht allein.

Eine Umfrage der arbeitenehmernahen Stiftung "Mensch ...

Inhaltserzählung:
Wer sich montags ins Büro quält und dienstags schon das Wochenende herbeisehnt, hat nun zumindest einen Trost: Er ist nicht allein.

Eine Umfrage der arbeitenehmernahen Stiftung "Mensch und Arbeit" unter 1000 deutschen Arbeitnehmern führte zu einem überraschenden Ergebnis. Auf die abschließende Frage eines Erhebungsbogens antworteten 76 Prozent der befragten Arbeitnehmer gleichlautend.

Die Frage: Was würden Sie am Arbeitsplatz am liebsten tun?
Die Antwort: Kündigen!

Es ist eine wilde Welt da draußen, und derart schlimme Zustände brauchen ungewöhnliche Gegenmaßnahmen. Auch deshalb wird dieses Buch Sie mit einigen Kündigungsschreiben konfrontieren, die Sie vielleicht so nicht erwarten hätten ...
Es gibt viel zu kündigen - packen wir's an.
(Seite 7/8)

Autor:
Norbert Golluch (22.10.1949) einige Jahre als Grundschullehrer (Studienfächer Kunstpädagogik, Physik, Deutsch) Redakteur der Satire-Zeitschrift PARDON 1979/1980 Verlagslektor von 1980-1985 (u.a. Begleitbücher zu Peter Lustig/„Löwenzahn“) seit 1985 freier Autor im Bereich Kinderbuch/Kindersachbuch/Humor/Satire zahlreiche Veröffentlichungen (Eichborn, Diogenes, Ueberreuter, Carlsen, Baumhaus u.a.); Autor der Trickfilmreihe „Paradiso“ (mit Grafiker Theo Kerp; ausgestrahlt u.a. in der „Sendung mit der Maus“ und im KiKa) Kalbacher Klapperschlange 2008 für „Linus, der Drache aus dem Keller“ (Carlsen) für die Altergruppe 3.-4.Klasse


Bewertung:
Das Buch haben meine Mutter und ich 2016 beim Thalia gesehen und sofort gekauft. Wir fanden es urkomisch und haben viel gelacht. Das Cover ist sehr humorvoll und bunt gestaltet, der titel frech und dreist! Insgesamt super aufeinander abgestimmt! Das Buch enthält alle möglichen Kündigungsformulare für etliche Berufsbereiche und ist folglich so aufgeteilt:

Einleitung
Banken- und Finanzwesen
Hoch- und Straßenbau
Transportwesen
Groß- und Einzelhandel
Handwerk und Dienstleistungen
Automobilbranche
Staatsdienst
Bildung und Erziehung
Medien und Werbung
Pflege und Gesundheit
Technik
Clubs, Vereine und Parteien
Fiktive Kündigungen
Historische Kündigungen
Prominente Kündigungen
Diverse Kündigungen


Innerhalb dieser Bereiche finden sich verschiedene Kündigungsarten und sogar unterschiedliche Schriftformen. Es wirkt sehr echt, obwohl die Kündigungen laut Autor erfunden sind. Jedoch gibt es in Wahrheit wirklich schräge schriften, die ich selber schon vor mir hatte.

Das Buch lässt sich super schnell durchlesen, mal ist ein Schreiben witziger, mal dämlicher oder mal realistischer als das andere davor oder danach. Ich habe auch ein paar Favoriten, die ich immer wieder mal durchlese und schmunzle. Drei davon möchte ich hier gerne als kleine Leseprobe abgekürzt vorstellen:


Eine Schwarzarbeiterin hat die Nummer des Firmen-Safes gefunden

Kündigung

Lieber Herr Heilmann,
ich bin es, Ihre Putzfrau! Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass ich einen großartigen Fund gemacht habe: nämlich den Zettel, auf dem Sie Trottel den Code Ihres Safes notiert haben, weil Sie Spatzenhirn sich keine fünf Zahlen merken konnten. Fast hätte ich Ihre furchtbare Kindergartenschrift nicht entziffern können, aber nach ein paar Versuchen hat es funktioniert. Die schwere Stahltür ging auf, und ihr Panzerschrank gleicht innen jetzt dem Weltall - sehr groß und extrem leer. Ich gönne Ihnen nun eine kurze Pause, damit Sie diese Information verarbeiten können ... Okay? ... Ich verspreche Ihnen, dass ich ihr Geld äußerst verantwortungsvoll und nachhaltig anlegen werde. Wer weiß, vielleicht werde ich Ihnen eines Tages etwas leihen, ohne dass Sie wissen, an wen Sie da eigentlich Ihre Wucherzinsen zahlen.

Mit freundlichen Grüßen
Von wem auch immer

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Eine Verkäuferin kündigt im Supermarkt

Gerda Drömel, An der feenwiese 66, 45678 Billigheim

Supergünstig Supermarkt

Kündigung

Sehr geehrter Herr Kleinschnittger,
zugegeben, Ihr Supermarkt ist superbillig, aber es gibt so ein paar Probleme: Zum Beispiel kann ich es mir mit meinem Gehalt als Halbtagskassiererin nicht leisten, im Süpergünstig Supermarkt einzukaufen. Ich habe einen Monat lang Buch geführt und festgestellt, dass ich für alle meine häusslichen Ausgaben mindestens 975 Euro benötige, aber wegen Ihrer Knauserigkeit nur 845 Euro verdiene. ... Daher habe ich mich entschlossen, bei Ihnen zu kündigen und im Billigmarkt Bolz auf der anderen Straßenseite anzufangen. Dort verdiene ich 995 Euro im Monat, sodass ich mir den Einkauf bei Ihnen wieder leisten kann. Es wird mir ein besonderes Vergnügen sein, Ihnen als Kundin wegen jeder lächerlichen Kleinigkeit die Hölle heißzumachen. ... Kündigen können Sie mich ja nun nicht mehr. Ätsch! ...

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Ein Asi kündigt einen Handyvertrag

2 und 3 oder so
an den, wo für die Kunden zuständig ist
Verbindungsstraße 3
56789 Servingen

Kündigung von den scheißen Handyvertrag

Ey, Alda,
ich wollte doch bloß diesen geilen iPhone haben, und 1 Euro ist doch kein Preis, hab ich gedacht. Wusst ich ja nicht, was ich da auch noch jeden Monat abdrücken muss! Die Schantalle hat auch iPhone von Aldi glaub ich, die muss aber nix extra löhnen. Voll assi von euch, so linke Verträge zu machen! Außerdem habe ich doch schon n S6 und sonn HTC und n Blackberry, für die ich jeden Monat blechen muss!!! Mein Anwalt sagt, ich kann das widerrufen, aber dem iPhone behalte ich, is auch schon kaputt. Zurückgeben lohnt sich also sowieso nicht.
Kevin

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Jeder aufgeführte Bereich enthält vom Autor ein Vorblatt mit Informationen zu den bevorstehenden Kündigungen. Beim ersten Durchblättern kann es sicher langweilig wirken, der Inhalt ist es aber überhaupt nicht! Einmal angefangen zu lesen, kommt man kaum aus dem Schmunzeln und wundern heraus. Man möchte einfach mehr! Natürlich ist das Buch nicht mit einem typischen Roman zu vergleichen, es handelt sich hier um ein Immer-Wieder-Nachschlagewerk wie auch ein ideales Geschenk für lustiges Beieinandersein.


Fazit:
Ein Buch gegen schlechte Laune und strapazierte Nerven! Humorvoll gestaltet, übersichtlich zu lesen und ein tolles Geschenk! Karikaturen hätten das Buch mit 5 Sternen ausgezeichnet! Wagt es einfach mal

... und träumt vom Kündigen! Wie der Autor schon richtig vermerkte; Es gibt viel zu kündigen - packen wir's an.



P.S.: Mein großer Dank an den Verlag und seine zuständigen Mitarbeiter, die mir die Beispiele aus dem Buch genehmigt haben!

Veröffentlicht am 05.09.2019

Mir fehlen echt die Worte - so grottig ist das Buch und schreibt die Autorin!

Der weibliche Orgasmus | Erotischer Ratgeber
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Klappentext:
Frauen stehen auf Männer, die wissen, was sie wollen, und es dann auch tun – gerade im Bett! Ich freue mich darauf, dir dabei zu helfen, dein Liebesleben zu aktivieren und zu dem Mann zu werden, ...

Klappentext:
Frauen stehen auf Männer, die wissen, was sie wollen, und es dann auch tun – gerade im Bett! Ich freue mich darauf, dir dabei zu helfen, dein Liebesleben zu aktivieren und zu dem Mann zu werden, nach dem Frauen sich sehnen. Eine Frau, die in deinen Armen wieder und wieder kommt, wird so schnell nicht wieder aus deinem Bett verschwinden – und auch nicht aus deinem Leben.

Herzliche Grüße
Tina Rose


Autorin:
Ja meine Lieben, mein Name ist Tina Rose und ich freue mich, dass ihr euch für mich, mein Profil und vermutlich auch für meine Ratgeber interessiert. Doch wer bin ich eigentlich, dass ich euch Tipps zu erotischen Themen gebe?

Da ich meinen Freundinnen seit jeher in Liebesdingen mit Rat und Tat zur Seite stehe, bin ich nach und nach in die Rolle der Sexberaterin gerutscht und habe mich dann vor zehn Jahren entschieden, mein Hobby und meine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Seitdem helfe ich als ausgebildete Sexualpädagogin – ich bevorzuge den Titel Liebescoach – Frauen, Männern und vor allem Paaren, die Leidenschaft bei der schönsten Nebensache der Welt zu entdecken.



Bewertung:
Okay ... was ist das? Das ist kein Ratgeber! Kein Ordentlicher! Aber ich fange erst mal beim Cover an; schlicht, aber doch auffällig - mit Farbe und Titel. Hätte hier vieles gepasst, aber die Gestaltung hier passt ebenso. Ich war ja neugierig auf dieses ebook, weil ich gehofft habe, etwas neues zu erfahren. Habe ich so gut wie gar nicht.

Schon das Vorwort der Autorin lässt die Säure in mir brodeln; sie schreibt, dass der von uns Frauen oft geäußerte Satz: "Schatz, ich liebe dich und genieße den Sex mit dir auch dann, wenn ich einmal nicht komme." sei stets geschwindelt (ihre Worte, die ich hier zitiere!). Das ist wiederum total geschwindelt!!! Meine damalige beste Freundin hatte zwei Jahre lang Sex mit ihrem Partner ohne einmal einen Orgasmus erlebt zu haben, und dennoch hat sie es oftmals sehr genossen. Vor allem vor ihrem ersten Mal hatte sie echt Angst vor den Schmerzen, und als die beiden dann Sex hatten (es war ihr erstes Mal), kam sie nicht zum Orgasmus und hat es dennoch sehr genossen. Weil es nicht weh tat, weil sie es sich gemütlich gemacht haben, weil er zärtlich zu ihr war ... es gibt weitaus mehr Faktoren, die hier eine Rolle für Frauen spielen als nur der Orgasmus! Hätte die Autorin geschrieben, dass wir hin und wieder mit dem Satz schwindeln, würde ich gar kein Wort darüber verlieren - denn es ist ja auch eine Wahrheit. Aber das sie das als eine absolute Lüge hinstellt, ärgert mich!

Trotzdem habe ich pflichtbewusst, wie ich eben bin, das ganze ebook durchgelesen. Eigentlich hätte es mir bis hier schon gereicht. Die Inhaltseinteilungen sind ungewöhnlich betitelt, was aber für mich aber nicht negativ zu bewerten ist. In einem Kapitel schreibt sie über die drei verschiedenen Formen des weiblichen Orgasmus; vaginaler, klitoraler und zervikaler. Tja, was das Letzte ist? Gute Frage! Laut der Autorin kann man für diese Auflösung zum vorigen Kapitel blättern. Und das habe ich auch getan, und blätterte immer weiter bis zur Seite 0. Da ist nichts über den zervikaler Orgasmus zu lesen - oder ich bin so dermaßen blind, dann entschuldige ich mich zutiefst! Ich musste also Hilfe aus dem Internet suchen, da mir diese Art Orgasmus nicht bekannt war (was neues gelernt - hervorragend!):

Die Zervix, genauer gesagt die Cervix uteri, ist der Gebärmutterhals und die Öffnung zur Scheide. Dort befindet sich auch der Muttermund. Hier handelt es sich also um eine Verbindung zwischen Gebärmutter und Scheide. Dicke Schleimhaut umgibt diese Öffnung und schützt so die Gebärmutter vor Keimen. Die Zervix ist normalerweise geschlossen und öffnet sich nur bei der Geburt. Laut dem Frauenmagazin miss.at können manche Frauen bei der Stimulation der Zervix zum Orgasmus kommen. Was zunächst komisch klingt, soll tatsächlich möglich sein! Diese außergewöhnliche Art des Orgasmus wird durch schnelle Stöße erreicht, die den Muttermund erschüttern. Vorteilhaft ist hier natürlich ein besonders langer und großer Penis, der in der richtigen Stellung eingeführt wird. Die Eichel berührt hierbei immer wieder die Zervix.
(Quelle: https://www.fem.com/liebe-lust/orgasmus-mal-anders-der-zervix-orgasmus)

So, nachdem ich das nun weiß, geht es weiter. Und zwar mit unschöner Ausdrucksweise der Autorin; sie wirft hier verschiedene Wörter völlig durcheinander - mal seriöse Bezeichnungen wie Vagina und Geschlechtsverkehr, dann wieder vulgäre Bezeichnungen wie ficken und Beleidigungen wie verpiss dich. Auch die Muschi findet hier ihren Platz. Diese stetige Ausdruckswechsel haben mich echt genervt und gehören auch nicht in einen Ratgeber!!! Privat oder bei einem Erotikroman ist nichts dagegen zu sprechen, auch wenn es nicht meine persönliche Ausdrucksweise trifft. In einem Ratgeber muss die Autorin allerdings sachlich bleiben, sonst kommt es einfach nur billig rüber. Und das tut dieser sogenannte Ratgeber leider auch!

Neben dem zervikalen Orgasmus habe ich auch ganz neu die Begriffe Anorgastie und Anorgasmie mitsamt ihren Erläuterungen gelernt. Also war es nicht ganz umsonst, dieses ebook gelesen zu haben. Sehr störend empfand ich auch den Ausdruck Lecken - ich kam mir zeitweilig vor, als ob ich einen schmutzigen Erotikroman lesen würde. Und wie bereits erwähnt, wirft die Autorin willkürlich die Bezeichnungen rein. Da kam dann erst lecken, dann wieder ganz "brav" Oralverkehr ... sie hat eindeutig Probleme, eine einheitliche Sprache zu finden und diese wiederzugeben.


Fazit:
Ja, nun ... bis auf drei Begriffen habe ich gar nichts dazugelernt, außer wie schlecht man Ratgeber schreiben kann. Das ist bei aller Vernunft KEIN Ratgeber, sondern ein Versuchs-Lexikon mit wirrer Erotik-Slam-Sprache. Ich bin entsetzt, dass es sowas bei netgalley gibt. Ich würde mich an dieser Stelle auch bei netgalley für das Exemplar bedanken - es gehört sich nun mal so - aber mir fehlen hierfür die Wörter. Das ist hier das erste Mal, dass ich mir wünschte, für ein Exemplar abgelehnt worden zu sein ... Ich finde das Buch grottig mit seiner Ausdrucksart als Ratgeber getarnt und einer wankelmütigen Autorin, die verallgemeinert. Ich bin nicht prüde, sonst hätte ich das Buch ja gar nicht erst angefragt, aber das ist einfach ...

Wer Fan davon ist, kann sich ja ihre weiteren Ergüsse aus der Serie antun:

Anal - Lust statt Frust
Tinder Dating für Frauen!
Blasen - Der perfekte Blowjob
Erotische Massage

Viel Spaß!



P.S.: Also, wenn mein Partner so einen Schrott lesen würde, mache ich definitiv etwas falsch!!!!


Erstellt am 29. August 2019

Veröffentlicht am 05.09.2019

Eine kraftvolle Geschichte über die Liebe und was es bedeutet, zu lieben, wen unser Herz auswählt!

All In - Zwei Versprechen
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Inhaltserzählung:
"Hör zu", sagte Jonah, und sein Blick war entschlossen. "Der Gefallen ... um den ich ... dich bitten will. Du erinnerst dich?"
Ich rutschte auf dem Stuhl nach vorn. "Sag."
"Kacey ..."
Die ...

Inhaltserzählung:
"Hör zu", sagte Jonah, und sein Blick war entschlossen. "Der Gefallen ... um den ich ... dich bitten will. Du erinnerst dich?"
Ich rutschte auf dem Stuhl nach vorn. "Sag."
"Kacey ..."
Die Frage blieb mir im Hals stecken. Ich räusperte mich.
"Was ist mit ihr?"
"Du liebst sie."
Seine Stimme war leise und schwach, aber jedes seiner Worte traf meine Brust wie ein Hammer. Ich konnte nichts sagen, mich nicht rühren. Ich stand in Flammen. Eine Million widerstreitender Gefühle kochten in meinem Inneren, raubten mir den Atem, erstickten meine Worte.
Obwohl ich meine wahren Gefühle so tief in mir vergraben hatte, dass sie niemals ans Tageslicht drangen, und ich meinen Bruder auch nie hintergehen würde ... hatte er sie wahrgenommen. Das hatte er immer schon.
Er lächelte, als er meinen erstarrten Gesichtsausdruck sah.
"Ich bin froh Theo. Ich bin erleichtert ... dass du es bist."
Ich hätte beinahe meine Stimme wiedergefunden, um ihm zu sagen, dass ich es sicher nicht war. Dass ich nichts war. Was zum Teufel wusste ich von Liebe? Rein gar nichts. Und außerdem irrte er sich.
Sie wird mich niemals lieben, weil sie nur dich liebt. Und genau so soll es sein.
"Der Gefallen ..." Jonah sah mir mit all der Kraft in die Augen, die der Körper, der ihn im Stich ließ, noch hatte. "Kümmer dich ... um Kacey. Bitte. Sie wird ... dich brauchen. Sie ist stark. Aber wenn sie ... es nicht schafft ... hilf ihr ... Liebe sie, Theo. Das Leben ... ist kurz. Halt deine Gefühle ... nicht zurück, okay?"
Ich nickte. Weil es ihm wichtig war. Nicht, weil ich auch nur die geringste Ahnung gehabt hätte, wie ich das anstellen sollte, was er da von mir verlangte.
"Ich kümmere mich um sie", sagte ich mit brechender Stimme. "Ich schwöre es."
Es war nur das halbe Versprechen, aber es war die Hälfte, die ich halten konnte.
...

Seine letzten Worte. Liebe sie ...
Kacey ging zu Jonahs Zimmer. Ich sah sie an, und Jonahs Wunsch hallte in meinen Ohren wider. Eine kurze, elende Sekunde lang empfand ich, ganz egoistisch, Hoffnung ...
Dann zerquetschte ich sie. Bis sie tot war.
Tut mir leid, Bro. Sie gehört dir, und das wird bis ans Ende aller Zeiten so bleiben.
Aber ich konnte mich um sie kümmern. Schwarze Tage würden kommen. Wochen, Monate. Wahrscheinlich Jahre. Egal, wie lange sie mich brauchte, ich wäre für sie da.
(Seite 12/13/14/15)

"Wann ist sie weg?"
"Vor zwei Tagen. Als würde sie sich davonschleichen, ihre eigenen Sachen stehlen. Ganz nervös."
Mein Herzschlag verlangsamte sich, wurde zu einem schweren, ängstlichen Dröhnen.
"Sie hat einen Brief dagelassen", sagte die Nachbarin. "Ich soll ihn nur Beverly, Teddy oder Henry Fletcher geben."
"Ich bin Theo Fletcher." Ich räusperte mich. "Sie nennt mich Teddy. Nannte. Nennt."
Die Frau ging in ihre Wohnung und kam mit einem einmal gefalteten Stück Papier zurück. Ich überflog die Worte:

Ich kann hier nicht bleiben. ich habe es versucht, aber es ist zu viel. Ich hab euch alle lieb. Es tut mir leid.
Kacey


Die Seite fiel mir aus der Hand wie ein welkes Blatt, schaukelte durch die Luft und landete vor meinen Füßen. Ich blieb stehen und starrte auf Kaceys Tür.
Es tut mir leid, Jonah, dachte ich, und die Worte wurden mit jedem Herzschlag lauter.
Ich hatte eine Aufgabe gehabt. Nein, nicht mal das. Nur eine halbe Aufgabe. Und ich hatte versagt.
(Seite 15/16/17)

Er hatte sie gebeten, wieder zu lieben.
Er hatte mich gebeten, sie zu lieben.
Was sollte das, Jonah, verdammt?
Verloren in meinen Gedanken, unfähig, die Tiefen von Jonahs Herz zu begreifen. Einen Mann zu verstehen, der die Liebe seines Lebens im Moment des Abschieds bat, sich wieder zu verlieben. Und der seinem Bruder das Versprechen abnahm, sie zu lieben.
(Theo, Seite 171)

"Und was soll ich jetzt bitte machen, Jonah? Sie ist da. Ich bin hier ..."
Natürlich wusste ich, was er antworten würde.
Liebe sie.
Ich schloss die schmerzenden Augen und rieb mir die schmerzende Brust.
"Das tu ich", flüsterte ich, und meine Worte wurden von der Nacht verschluckt. "Das tu ich schon."
(Theo, Seite 260)

"Wo ein Semikolon steht, könnte ein Autor den Satz beenden", sagte sie und schob sich eine braune Locke hinters Ohr. "Aber er tut es nicht. Die Geschichte geht weiter. Es ist ein Symbol der Hoffnung. Ein Symbol dafür, weiterzumachen. Manchmal muss ich mich daran erinnern.
(Kundin zu Theo, Seite 214)


All in (Poker): Wenn ein Spieler alle Jetons in den Topf legt. Ein Einsatz, bei dem es um alles oder nichts geht.


Autorin:
Wenige Autoren schreiben so besessen und ausdauernd wie die Kalifornierin Emma Scott. Geboren wurde sie in San Diego, heute lebt und arbeitet sie in der Gegend um San Francisco. Ein Wunder, dass sie noch Zeit für Marathon-Läufe und ihre beiden Töchter findet. Bislang hat sie über ein Dutzend romantische Romane veröffentlicht, die sich hervorragend verkaufen. Einer davon, „Rush, dein Licht in mir“, ist 2018 auch ins Deutsche übersetzt worden. Zu Emma Scotts literarischen Vorbildern gehören Stephen King und Marion Zimmer Bradley. Scotts wahre Liebe ist allerdings das Fantasygenre. Neben Margaret Edith Weis und George RR Martin ist es vor allem Star Wars, das sie gefangen nimmt. Für das Star-Wars-Computerspiel „Knights of the Old Republic“ schreibt Emma Scott Fanfiction, die von der Star Wars Gemeinde begeistert aufgenommen wird. Durch den intensiven Austausch mit den Star-Wars-Fans lernt sie, für ihre künftigen Leser zu schreiben. 2017 gibt sie ihrer ursprünglichen Neigung nach und veröffentlicht unter dem Namen E.S. Bell den Fantasy-Roman „The Dark of the Moon“. Die Liebhaber ihrer romantischen Romane werden Emma Scott künftig wohl mit E.S. Bell teilen müssen.

Übersetzerin:
Inka Marter, geboren 1968 in Hamburg, ist Romanistin und freie Literaturübersetzerin. Sie promovierte zum Erzählwerk Norah Langes (Recuerdo y voz. La narrativa de Norah Lange en sus contextos, Köln 2010).


Bewertung:
"Kacey ist wie aus dem Nichts aufgetaucht und Jonah am Ende seines Lebens richtig glücklich gemacht. Das hat meiner Mom sehr viel bedeutet. Wie kann ich das meiner Mutter nehmen? Warum sollte ich das auch nur versuchen?"
"Inwiefern sollte das deiner Mutter etwas wegnehmen? Glaubst du nicht, es würde sie glücklich machen, wenn sie weiß, dass auch du geliebt wirst?"
"Ich werd drüber hinwegkommen. Es bringt einfach nichts, und es ..."
"Tut weh", sagte Zelda. "Es tut doch weh? Es ist unschön und unkompliziert, wie eine Tätowierung, die nie aufhört. Eine Million Nadeln stechen etwas in dein Herz, was nicht mal gut aussieht."
"Kommt in etwa hin." Kommt sogar genau hin.
(Theo und Zelda, Seite 2018/2019/223)

Das Cover ist an den Vorgängerband perfekt angeglichen. Auch hier fängt man Feuer, oh ja! Unterscheiden tut sich die Cover in ihren Farben. Während Band 1 in lila-rosa Tönen schimmert, glänzt dieser Band mit blau-rosa-Tönen. Wunderschön! Und auch hier ist die Buchüberschicht wieder wunderbar samtig zum Fummeln. XD Ich liebe es! Das Design mit dem angezündeten Streichholz und den Hintergrundblasen ist genau dasselbe wie bei Band 1. Das habe ich bisher in einer Reihe noch nicht gesehen. Lediglich die Farben unterscheiden sich. Der Titel und der Untertitel passen auch hier hervorragend zur Geschichte.

Das Herz will, was es will. Wahrscheinlich hatte ich das irgendwo gelesen. Mein Herz war offensichtlich ein egoistisches Arschloch.
(Theo, Seite 127)

Da es sich um Band 2 mit denselben Charakteren handelt, sind gewisse Spoilerangaben nun mal nicht zu vermeiden! Bitte daran denken, bevor weitergelesen wird.

Sehr schön finde ich, dass der Beginn noch etwas vom Ende des ersten Bandes aufnimmt und so die Ausgangssituation für beide Beteiligten (Theo und Kacey) aufzeigt; ihre Versprechen an Jonah. Jeder von ihnen muss sein eigenes abgeben. So kam ich sehr schön in die Geschichte rein (auch wenn ich auch so keine Schwierigkeiten gehabt hätte), weil es so fließend vom Ende des ersten Bandes beginnt und die Ausgangssituation klar geschrieben steht. Selbst wenn man Band 1 nicht gelesen hat, kommt man dadurch super rein und hat das Gefühl, nicht wirklich was verpasst zu haben. Das kommt dann erst in der Mitte, wenn kleine Anmerkungen in Gesprächen an die Dialoge zwischen Kacey und Jonah erinnert werden.

"So lange Zeit habe ich mir ein Leben nach Jonah nicht vorstellen können", sagte ich. "Es war fast unmöglich, mir vorzustellen, jemand anderen zu lieben. Aber immer wenn ich mir erlaube, auf diese Art hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, dann sehe ich Teddy. Ich hatte Jonah. Ich werde nie wieder etwas so Wahrhaftes und Gutes finden, oder? Welche Frau bekommt bei so was eine zweite Chance?"
"Die, die das Risiko eingeht und den Einsatz wagt. Du bist noch nicht am Ende, Kacey. Du hast noch mehr Karten, die du ausspielen kannst."
"Du musst nicht alles auf einmal entscheiden. Erzwing es nicht. Wenn etwas Gutes und Wahrhaftes hinter der nächsten Ecke auf dich wartet, dann ist es auch noch da, wenn du dafür bereit bist."
(Yvonne zu Kacey, Seite 212/213)

Theo hat seinen Bruder verloren, Kacey ihre große Liebe. Theo versucht, sich mit seiner Arbeit abzulenken, Kacey läuft weg. Nach Las Vegas. Auf die Bühne. Betäubt mit Alkohol. Was folgt daraus? Kacey wird zur Alkoholikerin und Theo versucht ihr beizustehen. Hier wird es etwas unrealistisch; Kaceys Entzug dauert 3 Tage, und dann ist sie wieder voll da! Während ich das las, schüttelte sich mein Kopf so dermaßen hin und her, dass ich beinahe eine Gehirnerschütterung erlitten hätte ... ein echter Entzug ist nicht nach 3 Tagen beendet. Ja, in der Disney-Version vielleicht, aber nicht im realen Leben. Dieser Misstand schon zu Beginn hat mich richtig gestört. Ich mag es gar nicht, wenn Tatsachen unrealistisch verzerrt werden. Und bitte nicht falsch verstehen; ich spreche von voller Zurechnungsfähigkeit nach nur 3 Tagen!!! Das soll mir einer erst mal zeigen, nachdem er 6 Monate durchgetrunken hat ...

Das ist das Perfide an der Abhängigkeit, dachte ich. Man erinnert sich nur an das tiefe schwarze Loch, in dem man gesteckt hat, un nicht an die Kraft, die man brauchte, um sich wieder herauszuziehen.
(Theo, Seite 105)

Während Theo also mit seinen inneren Dämonen kämpft, die ihm zuflüstern, dass er hätte Jonas retten können und er kein Anrecht auf Kacey hat, sich gleichzeitig noch gegen seinen Schattenstatus innerhalb der Familie entgegenstellen will, kämpft Kacey derweil mit ihrem inneren Loch, das Jonah hinterließ und versucht sich nicht einreden zu lassen, dass sie keine Liebe mehr durch einen anderen Mann erfahren darf. Beide stellen sich mal naiv, mal ungeschickt und dann wieder sehr süß an, wenn es um sie beide als Freunde und Partner geht. Emma hat auch hier zwischen den Beiden ein gewaltiges Knistern eingebaut und es glaubhaft und anrührend transportiert. Zusätzlich haben beide schwer mit ihrem Umfeld zu kämpfen, je näher sie sich kommen. Besonders Theo hat es schwer, weil er als "Verräter" an seinem Bruder dasteht - bei gemeinsamen Freunden und auch bei sich selbst.

"Mir tut leid, dass ich ihn ..."
Sag es nicht, dachte ich.
"Dass ich ihn nicht retten konnte."
Dass ich ihn nicht retten konnte, genau das hatte ich jeden Tag meines Lebens gedacht, seit Jonah krank wurde. Nur konnte ich es eben nicht laut aussprechen wie sie. Wenn ich sie berührte, wenn ihre Trauer und meine sich berührten, würde ich schreien und heulen und meinen beschissenen Verstand verlieren.
(Kacey und Theo, Seite 103)

Wahnsinnig heiß hat die Autorin die Tanzszene von Teddy und Kacey geschrieben. Ich konnte richtig die Impulse der Beiden und die Anziehung der Musik spüren, hatte Gänsehaut und war erregt ... Leute, das passiert mir nicht oft. Ich konnte die Atmosphäre schmecken! Oder eben nicht, weil mein Mund trocken wurde ... Erotisch, aber nicht überzogen oder 08/15 und gleichzeitig so einfühlsam ...

"Ich hoffe, es hat euch etwas Frieden gebracht, zusammen zu sein."
"Es fühlt sich nicht friedlich an", sagte ich. "Die meiste Zeit fühlt es sich an wie ein beschissenes Chaos. Weil er mein Bruder war."
"Was ist falsch daran?", fragte sie. "Wenn aus den Tiefen von Trauer und Schmerz etwas Gutes und Schönes erwächst? Wofür sollte man sich da schämen? Die Zeit heilt alle Wunden", sagte sie. "Aber du kannst dein Leben nicht auf Eis legen, bis der Rest der Welt akzeptiert, was du in deinem Herzen als Wahr empfindest."
"Ich weiß, was für mich wahr ist", sagte ich. "Aber ich weiß nicht, was für sie wahr ist."
"Lass nicht noch mehr Zeit vergehen, ohne ihr zu sagen, was du fühlst, Theo, und frag sie, was sie fühlt. Es ist zugleich das Einfachste und das Schwierigste, was du jemals tun wirst, aber frag sie. Frag sie, als ob niemand zusehen würde. Denn am Ende ist es euer Leben."
(Theo und Dena, Seite 301/302)

Die Arbeitskollegin von Theo, Zelda, habe ich auch tief in mein Herz geschlossen. Die ist echt ein Knaller! Durch sie kommt - neben Theos sarkastischen Sprüchen - etwas Humor in das Ganze, und ja, Humor gehört hier rein. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck Dramödie. Das wussten schon die alten Schriftsteller zu schätzen. Das Leben steckt voller Irrwitze inmitten von Elend, und manchmal sind es genau diese, die einen stützen, wenn es gar nicht mehr weitergeht. Ich finde Zelda einfach zum Knutschen! Lest selbst:

"Ich kann an keine andere Frau denken, mit keiner schlafen oder auch nur eine anfassen?"
Zelda hob die Augenbrauen. "Du hast mit keiner anderen geschlafen? Seit wann?"
"Mann, ich hab mir seit einem Jahr höchstens mal einen runtergeholt."
Zelda starrte mich einen Moment lang an, dann blinzelte sie und schüttelte den Kopf. "Weißt du was, ich nehme jetzt einen Schluck Wasser, dann erzählst du mir das noch mal, und ich spucke das Wasser vor Überraschung wieder aus. Das würde diese Information gebührend würdigen."
"Ehrlicher Sex ist einfach für mich."
"Fantastisch." Zelda verdrehte die Augen. "Ich bin auf einem Date, das keins ist, mit dem letzten netten Typen in Las Vegas, der wahrscheinlich ein Tier im Bett, aber dummerweise in eine andere verliebt ist. Das Glück muss man erst mal haben."
(Theo und Zelda, Seite 220/221)

Grant und Phoebie bringen auf Kaceys Seite die gewisse Leichtigkeit mit Humor in die Geschichte :

"Ich weiß, es ist nicht groß, und ich sage ständig zu Phoebe, dass sie es mit den Räucherstäbchen nicht so übertreiben soll ..."
"Fang an, Deo zu benutzen, und ich denk darüber nach", schimpfte Phoebe.
"Ich benutze Deo. Gott, ehrlich, musst du so was vor einer potenziellen Kundin sagen?"
(Grant und Phoebe, Seite 143)

Die Begegnung mit der Weissagerin Olivia ist eines der wichtigsten Schlüsselszenen im Buch. Sie zeigt deutlich die extrem bedrückende Situation von Kacey und Theo auf, innerlich wie auch äußerlich und bestätigt die Einleitung am Anfang des Buches:

"Der Gehängte steht für völlige Unterwerfung. Die Unterwerfung des Gehängten", sagte sie nach einem Moment, "ist die Unterwerfung des Selbst unter die anderen. Persönliche Opfer werden für das übergeordnete Wohl gebracht. Eigeninteressen werden hintenangestellt oder Ziele aufgegeben zugunsten dessen, was man als das größere Ganze wahrnimmt. Der Gehängte sieht zufrieden aus", sagte sie. "Aber trotzdem ist er an diesen Baum gefesselt. Er hängt da. Sein Leben ist in der Schwebe. Sie müssen für sich selbst handeln, nicht für andere, oder Sie werden für immer hängen bleiben."
(Olivia zu Theo, Seite 98/99)

"Die Karte des Todes ist ein Vorbote von Veränderung", sagte die Wahrsagerin. "Eine Tür schließt sich, eine andere geht auf. Wandel. Sie können nicht zurück, und doch ..."
"Kann ich nicht vorwärtsgehen", murmelte Kacey. Es stimmt. Ich stecke fest."
"Nein, meine Liebe", sagte Olivia. "Sie können nicht loslassen, aber das ist nicht dasselbe wie festzustecken. Wenn man an etwas festhält, was hinter einem liegt, kann man nicht weitergehen. Sie müssen Ihr Herz von der Vergangenheit lösen. Schließen Sie die Tür. Akzeptieren Sie das, was vergangen ist, und lassen Sie es los, um vorangehen zu können. Das Licht in Ihren Augen - und in Ihrem Herzen - ist gedämpft, aber es ist nicht erloschen. Lassen Sie es wieder leuchten."
(Olivia zu Kacey, Seite 100/101)

Es ist keine gewöhnliche Liebesgeschichte, die sich aus reiner Lust und Begierde ergibt - hier geht es um großes Leids und große Trauer. Nebenbei beziehen die Zerrissenheit von Herz und Verstand, wie der schmale Grad zwischen Verzweiflung und Hoffnung eine Hauptrolle und bringen große Emotionen in die Geschichte rein. Man muss den Verlust eines Menschen auch nicht selber erlebt haben, um diese Empfindungen nachzuspüren, finde ich. Emma hat sie unglaublich realistisch und ausdrucksstark wiedergegeben. Zu Wort kommen Kacey und Theo abwechselnd, wobei mich Theos Gedanken- und Gefühlswelt mehr interessiert bzw. mitgerissen haben. Die emotionale Zerrissenheit ist bei ihm sehr stark ausgeprägt und hat mich voll eingenommen.

Es tat immer noch weh. Es würde immer wehtun. Aber ich hatte mich von der krank machenden Trauer befreit. was blieb, war besser, der Schmerz hatte etwas Friedvolles. Ich konnte jetzt an Jonah denken. Auf eine Art hatte ich ihn wieder zurück - seine Stimme, sein lachen, seine dämliche Witze und wie er ein Klumpen aus farblosem Glas in verfluchte Meisterwerke verwandelt hatte. Er hatte das formlose Glas meines Lebens genommen und Potenzial hineingeblasen. Hoffnung."
(Theo, Seite 325/326)

Was es genau mit Kaceys Beziehung zu ihren Eltern auf sich hat, besonders die vom Vater zu ihr, wurde nicht näher erläutert. Das finde ich sehr schade! Hier fehlt ein Puzzelstück. Ich habe das nicht so ganz verstanden, jedoch sind mir die Gründe und die Launen der Mutter gegenüber Kacey sehr schlüssig. Das bedarf keine weitere Erklärung. Theos Eltern sind auch auf Theo bezogen unterschiedlich; während seine Mutter sich an ihn klammert und zeigt, wie sehr sie ihn liebt, zeigt sein Vater nur Missfallen an Theos Arbeit und übt Druck aus, sich endlich als guter Sohn zu benehmen. Hier hat Emma sehr deutlich die Konflikte dargestellt.

"Vieles tut mir leid. Dinge, die ich getan habe. Dinge, die ich gesagt habe und nicht zurücknehmen kann. Aber mehr noch tut mir leid, was ich nicht gesagt habe. Ich dachte immer, Jonah wäre der Klebstoff, der unsere Familie zusammenhielt."
"Das war er", sagte ich.
"Vielleicht", sagte mein Dad und wiegte den Kopf hin und her. "Als er von uns ging, sind wir auseinandergebrochen. Wir ... sind stehen geblieben. Haben auf offener Strecke haltgemacht, hilflos und gebrochen. Nur du nicht. Du hast weitergemacht. Du kümmerst dich um die Deinen. Ich sehe dich, Theo. Ich sehe dich. Wenn Jonah der Klebstoff war, der uns zusammengehalten hat, dann bist du der Fels, an den wir uns anlehnen."
(Theos Vater und Theo, Seite 389/390)

Das Ende ist mir etwas zu schnell gegangen, der Epilog von Kacey macht einen großen Jahressprung in Richtung ... und alle lebten glücklich und zufrieden ... . Wenn man aber den Verlauf der Geschichte in sich wirken lässt, erscheint das Ende doch stimmig in meinen Augen. Theos Epilog ist etwas zeitnaher und auch schöner in der Entwicklung nach den ganzen Ereignissen. Voraus schauend ist es im allgemeinen schon, niemand rechnet hier mit keinen Happy End. Die Frage ist das Wie und Welches. Dieses Buch überrascht stattdessen im Mittelteil, zwischen Beginn und Schluss. Mal mehr, mal weniger. Für mich waren einige Konfliktlösungen vorhersehbar, aber dennoch emotional und fesselnd geschrieben. Vor allem Theo (liebevoll Teddy genannt) macht eine erstaunliche und lange emotionale Entwicklung durch, die mich vereinnahmt hat. Hier liegt der Fokus der Geschichte für mich eindeutig bei ihm.

"Wo Ruinen sind, gibt es Hoffnung auf einen Schatz", sagte Theo und blickte mit feuchten Augen ein letztes Mal in den leeren Raum. Dann sah er mich an. "Dena hat mir das gesagt." Er nahm meine Hand und berührte meine Lippen mit seinen. "Kace", flüsterte er. "Mein Schatz."
(Theo zu Kacey, Seite 322)



Fazit:
Eindeutig wie Band 1 ein WOW! Berührend - auf eine andere Weise als Band 1 - und fesselnd erzählt. Ausdrucksstark in der Erzählung und bis auf den unlogischen Entzug alles realistisch. Eine andere Dramatik, die mich aber trotzdem mitgerissen hat! Ich könnte mich nicht zwischen Band 1 und Band 2 entscheiden, wenn ich gezwungen wäre ... jedes ist auf seine Weise anrührend und ausdrucksstark geschrieben. Daher wie Band 1 von mir 4,5 Sterne.

Für alle, die herzzerreißende Liebesgeschichten mitsamt schwerer Leidenskost und ihre Auswirkungen zu schätzen wissen.

"Ich liebe dich."
"Ich liebe dich auch, aber ..."
"Nein, ich meine, ich liebe dich und basta. Ich liebe dich so wie du bist. Ohne Bedingungen. ich liebe dich und gut. Okay?"
Ich unterdrückte ein Lachen. "Okay."
(Theo und Kacey, Seite 336)
"Du schulterst die Last ganz allein. Du legst eine Rüstung an und baust Mauern um dich herum. Aber in deinem Innern ist diese zarte, liebende Seele. Die Güte deines Herzens, gleich hinter der stählernen Kraft. Das will ich auf meiner Haut. Deine Essenz. Ich will deine Liebe für den Rest meines Lebens auf der Haut tragen."
"Beständig", flüsterte Theo.
Ich nickte. "Für immer."
(Kacey und Theo, Seite 379)

Veröffentlicht am 04.09.2019

Manchmal auf der Stelle tretend, manchmal gruselig ... mehr Thriller als Spannungsroman!

Der Kinderflüsterer
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Inhaltserzählung:
„Wenn die Tür halb offen steht,
ein Flüstern zu dir rüberweht.
Spielst du draußen ganz allein,
findest du bald nicht mehr heim.
Bleibt dein Fenster unverschlossen,
hörst du ihn gleich ...

Inhaltserzählung:
„Wenn die Tür halb offen steht,
ein Flüstern zu dir rüberweht.
Spielst du draußen ganz allein,
findest du bald nicht mehr heim.
Bleibt dein Fenster unverschlossen,
hörst du ihn gleich daran klopfen.
Denn jedes Kind, das einsam ist,
holt der Flüsterer gewiss.“

(Jake, Kapitel 47)

Autor:
Alex North, geboren in Leeds, ist ein britischer Schriftsteller. Er studierte Philosophie und fing nach seinem Abschluss an, an der Fakultät für Sozialpolitik und Soziologie zu arbeiten. Sein Debüt als Autor gab er dann mit seinem Roman „Der Kinderflüsterer“. Auf die Idee brachte ihn sein kleiner Sohn, der einmal sagte, er wolle mit einem „Jungen im Boden“ spielen. Der Autor lebt heute zusammen mit seiner Familie in Leeds.

Übersetzerin:
Leena Flegler; Geboren 1976 in Mannheim, aufgewachsen in und um Mainz, Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, der Politikwissenschaft und der Vergleichenden Sprachwissenschaft/Sprachen Nordeuropas und des Baltikums in Mainz und Lund (Schweden). Nach dem Abschluss als Magistra Artium Anstellung in den Lektoraten des cbt/cbj Verlags sowie des Blanvalet Verlags in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München. Berufsbegleitendes AKAD-Fernstudium »Übersetzen von allgemeinsprachlichen Texten Englisch/Deutsch« und Fortbildungen zu Lektorats-/linguistischen Themen. Seit 2013 selbstständig als Freie Lektorin und Übersetzerin von englisch- und schwedischsprachigen Texten ins Deutsche.

Sprecher:
Stefan Kaminski ist Schauspieler, Sprecher und Autor. 1974 geboren, in Berlin aufgewachsen, wollte er immer Meeresbiologe werden, hat dann aber Mikrofone, Kassetten und Geräusche für sich entdeckt – und seine Stimme, die aus vielen zu bestehen schien! Sein professioneller Weg begann 1996 beim Hörfunk. Danach Schauspielstudium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seit 2001 spielt er am Deutschen Theater Berlin, wo er mit Regisseuren wie Jürgen Kruse, Dimiter Gotscheff und Leonhard Koppelmann arbeitete. 2004 entstand dort sein Live-Hörspielformat Kaminski ON AIR. Filmklassiker, Theaterstoffe und Opernlibretti sind hier Gegenstand freier Bearbeitung. Sein 'Stimmen-Morphing' führt ihn dabei von einer Figur zur nächsten und lässt bekannte Geschichten neu entstehen. Eine erfolgreiche Mischung aus Theater, Hörspiel und Entertainment, die auch auf Tour zu erleben ist. Darüber hinaus ist Stefan Kaminski in vielen Produktionen von Rundfunk, Fernsehen und Hörbuchverlagen vertreten.

Interview: https://www.randomhouse.de/Der-Hoerbuch-Sprecher-Stefan-Kaminski-im-Interview-mit-dem-Hoerverlag/Das-Interview/aid6560312892.rhd


Bewertung:
Das Cover hat mich sehr angesprochen, auch wenn es so gar nicht zum Titel passt. Auf dem ersten Blick habe ich auch gerätselt, was der Schmetterling mit der Geschichte zu tun haben mag ... das erfuhr ich auch erst, als ich mitten drin war. Daher verrate ich den Zusammenhang an dieser Stelle nicht! Nur so viel; es passt! Es wirkt aber auch ohne Zusammenhang beklemmend und ist daher gut gewählt für einen Spannungsroman. Der Titel macht auf jeden Fall neugierig und wirkt auf mich etwas unheimlich mysteriös ...

... und so ist die Geschichte auch. Der Prolog geht schon spannend los und macht neugierig, denn Tom schreibt seinem Sohn Jake einen Brief über die Geschehnisse, die sich ereignet haben - in der Art, wie er Romane beginnt. Wir Zuhörer wissen noch nicht, was passiert ist und das macht das noch spannender. Ich bin ja vor Neugier schier geplatzt! Die Erzählungssichtweisen sind unterschiedlich; mal kommt Tom zu Wort, dann sein Sohn Jake, aber auch die Ermittler und der Mörder bekommen ihre Stimmplätze. Einige Passagen sind gruselig und erinnern mich an Horrorfilmsequenzen. Diese waren wirklich unheimlich und beklemmend und haben mich echt in ein Horrorfilm hineinprojiziert! Da kam für mich schon die Frage auf, was der Autor und der Verlag unter einen Spannungsroman verstehen?! XD

"Ich hab dich lieb, Jake."
"Auch, wenn wir streiten?"
"Na klar. Besonders wenn wir streiten. Das ist nämlich am Wichtigsten."
(Tom und Jake, CD 1, Kapitel 24)

Jake hat unheimlich nervige Launen, die ich ehrlicher weise nicht wirklich verstanden habe. Das geht echt von
Ich hasse dich, Papa bis hin zu Papa, verlass mich nicht_. Nicht so typisch Jugendliches Emotionaltal, sondern ganz eigenartig in den ganzen Geschehnissen - als wäre er manchmal besessen. Das hat es für mich schwer gemacht, durch seine wahren Gefühle für seinen Vater durchzublicken ... mal bilderhaft fromm wie ein Lamm und dann richtig fies wie ein böser Wolf (ganz schwer das zu beschrieben, wie ich das meine). Darauf wurde auch gar nicht eingegangen am Schluss oder zwischendurch, was es damit auf sich hat. Normal finde ich das nämlich nicht.

Mut war nicht die Abwesenheit von Angst, das war Peet klar. Mut erforderte Angst.
(CD 1, Kapitel 32)

Der Handlungsstrang der Geschichte wackelt wie ein Schlauchboot; mal richtig fesselnd und gruselig, dann wieder lang gezogen und auf der Stelle tretend - eine richtige Mischung gibt es hier. Das Ende ist ein toller Abschluss und schließt sich dem Beginn mit dem Brief an Jake an. Die offenen Fragen werden bis dahin alle gelöst und ich konnte zufriedenstellend das Hörbuch und seine Geschichte innerlich für mich abschließen. Der Sprecher konnte mich wirklich in die Geschichte reinziehen, ausdrucksstark und samtig zugleich. Ich habe das Hörbuch beinahe am Stück gehört, weil die Stimme so angenehm zu hören war.


Fazit:
Ein schöner und wirklich unheimlicher Hörgenuss! Ich hatte hin und wieder Gänsehaut und dann wieder war ich ungeduldig, weil manchmal einiges so auf der Stelle trat. Wirklich ein merkwürdiger Mix aus Spannung und Langeweile mit einigen Überraschungen. Die Neugier und das Miträtseln überwog bei mir aber bei weitem, daher kann ich gute 4 Sterne abgeben!

Die Geschichte würde ich aber nicht als Spannungsroman - durch seine immer wieder auftauchenden gruseligen Passagen ist es für mich ganz klar ein Thriller! Wer nichts gegen etwas Gänsehaut hat, wird hier seine Freude haben - ansonsten lieber Finger weg!

"Haben sie ihn gefunden, Daddy?", wollte Jake wissen.
"Aber ja, sie haben ihn gefunden."
(Jake und Tom, CD 2, Kapitel 89)


Ich bedanke mich bei Lovelybooks und dem Verlag für das Hörbuch! Ich habe mich riesig gefreut und es darf jetzt als Wanderhörbuch für andere Zuhörer dienen.