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Veröffentlicht am 19.02.2026

Mörderisches Urlaubsfeeling

Mörderisches La Rochelle
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Maximilian Rosar, alias Jean-Claude Vinet, hat seine Reihe um Commissaire Chevalier 2024 mit dem 2. Band "Mörderisches La Rochelle" gelungen fortgesetzt. Diesmal wird er aus dem Urlaub zurückgerufen, um ...

Maximilian Rosar, alias Jean-Claude Vinet, hat seine Reihe um Commissaire Chevalier 2024 mit dem 2. Band "Mörderisches La Rochelle" gelungen fortgesetzt. Diesmal wird er aus dem Urlaub zurückgerufen, um einen brutalen Dreifachmord aufzuklären. Wie schon der 1. Band "Tod in La Rochelle" entführt uns auch dieses Buch an die Atlantikküste und bezaubert mit französischen Flair. Vinet versteht es großartig, die Landschaft zu beschreiben, die französischen Gewohnheiten, die Küche; er lässt französische Redensarten einfließen - und so kommt schnell ein Urlaubsfeeling auf. Genau wir Clément Chevalier bewegt sich die Leserschaft somit zwischen dem wohligen Strandleben und der Aufklärung eines blutigen Verbrechens. Der Spannungsbogen ist hoch und bietet mit gelungenen Plot Twists eine gute Unterhaltung. Es darf mitgerätselt werden. Dass dabei manches Mal nicht nach Vorschrift gearbeitet wird, kann ich in einem Krimi gut verschmerzen. Es ist ja keine Reportage.

Interessant, wenn auch klischeehaft, sind auch die Einblicke in die französische Gesellschaft. Ich kann nicht beurteilen, in wieweit dies der Realität entspricht.

Durch die persönlichen Erlebnisse des Kommissars, seiner Familie und seiner Kollegen wird gekonnt eine Reihenbindung erzeugt. Man möchte wissen, wie es weiter geht. Stark finde ich die Rückblicke auf Chevaliers Vergangenheit. Die Figur ist mir dadurch näher gerückt. Nun wird mir auch im Hinblick auf den 3. Band, den ich 2025 gelesen habe, einiges klarer. Ich kann der Leserschaft deshalb nur empfehlen, mit dem 1. Band anzufangen. Sonst bleibt vieles im Unklaren.

Auch hier hätte ich mich wieder über eine Übersichtslandkarte gefreut und über ein paar weniger Tippfehler. Den halben Stern Abzug gibt es aber für eine inhaltliche Unklarheit. Ein Mitarbeiter der Polizei ist selbst tief in den Fall verstrickt, wird aber dennoch nicht abgezogen. Das hätte im Lektorat wirklich auffallen müssen.

Insgesamt jedoch ein gelungenes Buch, dass ich in wenigen Tagen verschlungen habe.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Debutroman mit einem besonderen Setting: düster, atmosphärisch, gelungen

Wolfskälte
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Was für ein Debut! Laura McCluskey ist eigentlich in der Film- und Theaterwelt zuhause. Nun ist ihr erster Roman WOLFSKÄLTE (im Original: The Wolf Tree) erschienen und hat mich begeistert. Es handelt sich ...

Was für ein Debut! Laura McCluskey ist eigentlich in der Film- und Theaterwelt zuhause. Nun ist ihr erster Roman WOLFSKÄLTE (im Original: The Wolf Tree) erschienen und hat mich begeistert. Es handelt sich um einen Kriminalroman, den ich der Gattung der Spannungsromane mit Thrillerelementen zuordnen würde. Vermutlich als Auftakt einer Reihe (zumindest ist bereits die Fortsetzung mit dem Titel „The Cursed Road“ angekündigt) begegnen wir dem Ermittlerduo George, die eigentlich Georgina heißt, diesen Namen aber nicht passend findet, und ihrem älteren Kollegen Richie. Ohne zu viel zu verraten: die beiden harmonisieren nicht mehr ganz so gut, was mit einem Ereignis in der Vergangenheit zusammenhängt. George muss sich bewähren, während ihr Kollege eher bedächtig vorgeht.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von George erzählt, wobei McCluskey die Rolle der personalen Erzählerin einnimmt. Neben der Kriminalermittlerin steht vor allem der Schauplatz des Romans im Mittelpunkt. Eilean Eadar ist eine fiktive, sehr abgelegene Insel der Äußeren Hebriden. Nun ist die Idee, einen Krimi auf einer abgelegenen Insel spielen zu lassen, nicht neu. Gerade die schottischen Inseln werden gerne gewählt, da das raue Klima, die Isolation und der keltische Backgrund viele Möglichkeiten bieten, um einen Roman geheimnisvoll und bedrohlich zu gestalten. Die Bewohner leben umgeben vom wilden Atlantik, betreiben Fischfang und Schafzucht und gelten als tief verwurzelt in ihrer Kultur und ihren Traditionen, als religiös und von engen nachbarschaftlichen Beziehungen geprägt. Dies macht sich McCluskey zunutze. Sie lässt sich Zeit, um alles sehr ausführlich zu beschreiben. Bereits die Anreise der beiden Detective Inspectors nimmt einen gewissen Raum ein. Mir gefällt das sehr, denn so habe ich das Gefühl, die Insel gemeinsam mit George kennenzulernen.
Die Aufgabe der beiden Ermittler ist es zu klären, ob ein junger Mann, der am Fuße des Inselleuchtturms aufgefunden wurde, Selbstmord begangen hat, oder ermordet wurde. Die Ermittlungen verlaufen zäh, denn sie stoßen auf eine Mauer des Schweigens. McCluskey gelingt es, genau diese Zähigkeit hervorragend zu beschreiben. So entsteht eine düstere, dichte Atmosphäre, in welche die Leserschaft gemeinsam mit George mehr und mehr hineingezogen wird. Die Gänsehautmomente der Protagonistin erlebt man hautnah mit. Man lernt die Bewohner kennen und erfährt, dass der Leuchtturm in der Vergangenheit schon einmal der Schauplatz eines ungelösten Rätsels war.
Wer sich darauf einlässt und es sich gerne mit Wolldecke und Tee gegen das raue Klima Schottlands wappnet, den erwartet ein fesselnder Kriminalroman, den ich gerne mit fünf Sternen ⭐⭐⭐⭐⭐ belohne. Und ich erwarte voller Spannung die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Kein blutiger Thriller, aber durchaus ein lesenswerter Spannungsroman

BLUT
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Der Name Yrsa Sigurðardóttir steht synonym für spannende, gerne auch mit einem Touch Übersinnlichem versehene isländische Kriminalromane. Ihr neuestes Werk aus der Reihe um die ermittelnden Polizist*innen ...

Der Name Yrsa Sigurðardóttir steht synonym für spannende, gerne auch mit einem Touch Übersinnlichem versehene isländische Kriminalromane. Ihr neuestes Werk aus der Reihe um die ermittelnden Polizist*innen Týr und Karó fällt ins Auge durch ein blutrotes Cover, den Titel BLUT und eine wunderschöne, auch haptisch gelungene Gestaltung. Wer jedoch einen blutigen Thriller erwartet, wird enttäuscht sein.

Für mich ist es das erste Buch aus der Reihe, doch das tat meinem Leseerlebnis keinen Abbruch. Alles war ohne Vorkenntnis gut lesbar und spannend. Allein, ein Thriller war es eben nicht. Obwohl mehrere Handlungsstränge spannend erzählt werden, und das Buch ein gelungener Pageturner ist, haben sich mir nur selten die Nackenhaare aufgestellt. Doch worum geht es?

Auf einer Müllkippe wird ein längst verstorbenes Skelett aufgefunden. Ein Nachbarschaftsstreit eskaliert in einem Ausmaß, dass über alles hinausgeht, was man sich vorstellen kann. Eine junge Frau und Mutter begibt sich als Aushilfsköchin auf einen Fischtrawler, weil sie Narben aus ihrer Vergangenheit davongetragen hat. Und schließlich gibt es noch eine eher unbedeutende Sidestory um den Ermittler Týr. Thrillerqualitäten hatte allein der Part um die Schiffsköchin Gunndis, die auch charakterlich hervorragend gezeichnet war.

Dennoch eine gute Lektüre für kurzweilige Stunden.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Dornach und die Schwarze Dahlie

Solothurn ruft nach Vergeltung
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Hauptmann Dominik Dornach ermittelt in seinem mittlerweile 7. Fall. Fans dieser Reihe treffen auf alte Bekannte und sind schnell wieder in Solothurn angekommen. Überhaupt versteht es Autor Christof Gasser, ...

Hauptmann Dominik Dornach ermittelt in seinem mittlerweile 7. Fall. Fans dieser Reihe treffen auf alte Bekannte und sind schnell wieder in Solothurn angekommen. Überhaupt versteht es Autor Christof Gasser, wie immer gekonnt, Lokalkolorit mit internationalem Geschehen zu verbinden. Die Leserschaft muss auf keine der liebgewonnenen Protagonistinnen verzichten, und auch Dornachs Sohn gehört mittlerweile zur Stammbesetzung. Doch keine Angst, der Fall ist in sich abgeschlossen – auch wenn es am Ende einen Cliffhanger gibt – und ohne Vorkenntnisse gut zu verstehen. Das gilt auch für die Verwendung schwyzerdütscher Begriffe, von denen es ein paar in ein Glossar geschafft haben. Der Rest war kontextuell eindeutig oder ließ sich problemlos googeln.

Wie immer bewegt den Autor das Thema Recht, Gerechtigkeit und – der Titel verrät es bereits – diesmal auch das Thema Vergeltung. Ein renommierter Filmemacher wird ermordet. Die Vermutung liegt nahe, dass das mit seinem jüngsten Film zusammenhängt, der das Thema Gewalt gegen Frauen bis hin zum Femizid thematisiert. Dieses Thema durchzieht weite Teile des Krimis, wobei es Gasser hervorragend gelingt, das Thema so darzustellen, dass die Würde der Opfer gewahrt wird. Allerdings wird nicht jedes angesprochene Thema am Ende auch aufgelöst, und das ist ein kleiner Wermutstropfen. Denn so blieben bei mir am Ende ein paar Fragezeichen übrig. Auch fehlte mir diesmal der tiefgründige Blick auf die Schweizer Gesellschaft.

Nichtsdestotrotz ist Gasser mit SOLOTHURN RUFT NACH VERGELTUNG wieder ein wahrer Pageturner gelungen, denn ich kaum aus der Hand legen konnte. Der Spannungsbogen bleibt konstant gespannt, und Plot Twists runden das Ganze ab. Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Geschichtsstunde mit Romanelementen

Berchtesgaden
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Kaum ein Ort war in der Nazi-Zeit so emotional aufgeladen wie Berchtesgaden. Hier hatte Adolf Hitler auf dem Obersalzberg auf 1000 m Höhe neben Berlin ein zweites Machtzentrum aufgebaut, und zahlreiche ...

Kaum ein Ort war in der Nazi-Zeit so emotional aufgeladen wie Berchtesgaden. Hier hatte Adolf Hitler auf dem Obersalzberg auf 1000 m Höhe neben Berlin ein zweites Machtzentrum aufgebaut, und zahlreiche Größen der damaligen Diktatur legten sich im Umland ebenfalls Zweitwohnsitze zu.

Carolin Otto, bislang bekannt als Drehbuchautorin, betitelt ihren ersten Roman schlicht mit dem Ortsnamen BERCHTESGADEN. Aufgehängt an insbesondere einer fiktiven ortsansässigen Familie und einigen wenigen geschichtlich bekannten Einwohnern beschreibt sie die Ereignisse der sogenannten Stunde Null. Das Dritte Reich ist zusammengebrochen, Amerikaner und Franzosen ringen um die prestigereiche Übernahme der Stadt. Die Menschen vor Ort müssen sich mit diesen neuen Gegebenheiten zurechtfinden.

Gerade dieser menschliche Aspekt würde einen großartigen Romanstoff hergeben. Es wäre spannend mit den ProtagonistInnen mitzuerleben, wie dies intellektuell und emotional verarbeitet wird. Doch genau das gelingt Carolin Otto aus meiner Sicht nicht. Dabei ist erkennbar, dass sie sich in einer unheimlichen Fleißarbeit an die Recherche begeben hat. Kaum ein Thema wird in ihrem Buch nicht angesprochen. Thematisiert wird die große Fülle der Gräueltaten der Nationalsozialisten, das Mitläufertum, das Denunziantentum. Auch wird herausgearbeitet, dass die Besatzungsmächte selbst keine Unschuldslämmer waren, und etwa People of Colour keinen Platz auf den amerikanischen Siegerfotos finden durften. Die sogenannte Rassentrennung war im Amerika der damaligen Zeit noch bittere Realität.

Aber Otto verzettelt sich. Sie zählt auf und beschreibt, was sie herausgefunden hat, und quetscht das alles in ein einziges Buch. Naturgemäß kann sie all diese Themen deshalb nur oberflächlich anreißen. Doch durch die reine Aufzählung der Gräueltaten entsteht kein Spannungsbogen. Nun gehöre ich vielleicht zu einer Generation, die noch sehr viel über den Faschismus in der Schule gelernt hat. Und sich darüber hinaus auch selbst mit dem Thema beschäftigt hat, Gedenkstätten besucht hat etc. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Buch anders wirkt, wenn man dieses Vorwissen nicht mitbringt.

Wo so viele Opfergruppen angesprochen wurden, verwundert es dann doch, dass etwa Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten so gut wie unerwähnt bleiben. Auch das Thema der sexualisierten Gewalt nimmt aus meiner Sicht nicht den Stellenwert ein, der den Ereignissen in der Zeit von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie auch der Besatzung angemessen gewesen wäre.

Bei all den geschichtlichen Fakten bleibt nur wenig Raum für den eigentlichen Roman. Vielmehr liest sich das Buch seitenweise eher wie ein Sachbuch. Die ProtagonistInnen verraten nur wenig über ihr Innenleben, so dass man nicht von einer Entwicklung sprechen kann. Mir ist das zu wenig, um mitfühlen zu können. Von einem Roman erwarte ich an der Stelle aber etwas anderes, denn sonst könnte ich gleich ein Geschichtsbuch lesen. Richtig gut haben mir nur wenige Szenen gefallen. Und hätte es mehr davon gegeben, hätte das Buch auch echte Romanqualitäten. Da die persönlichen Schicksale der ProtagonistInnen am Ende nicht auserzählt sind, gehe ich davon aus, dass eine Nachfolgeband geplant ist. Im Moment kann ich mir aber nicht vorstellen, dass ich diesen dann auch lesen würde.

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