Die Geschichte einer Familie zwischen Tradition und Wandel
Auf dem GräftenhofArnold Pesch hat in seinem Roman "Auf dem Gräften-Hof - das Vermächtnis" Geschichte lebendig werden lassen. Selbst 1939 geboren wuchs er im Münsterland auf. Er ist somit Zeitzeuge der Ereignisse, die er ...
Arnold Pesch hat in seinem Roman "Auf dem Gräften-Hof - das Vermächtnis" Geschichte lebendig werden lassen. Selbst 1939 geboren wuchs er im Münsterland auf. Er ist somit Zeitzeuge der Ereignisse, die er beschreibt. Auch wenn es sich um eine fiktive Geschichte handelt, wirkt sie sehr authentisch. Das liegt an dem kundigen Wissen des Autors über die Heimatgeschichte der Region ebenso wie an den immer wieder eingeflochtenen Dialogen im Münsterländer Platt (der Inhalt wird dabei immer übersetzt oder erläutert). Im Mittelpunkt steht die Familie Große-Bawinkel nebst ihrer nächsten Nachbarn, den Schulze-Westhoffs. Und natürlich der Gräftenhof, ein von einem Wassergraben (Gräfte) umgebener Großbauernhof. Pesch nimmt und mit auf eine Zeitreise in die 50er- und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, beschreibt die tiefe Verwurzelung der Menschen in ihre Heimat, die Traditionen, die Bodenständigkeit und das Gottvertrauen der bäuerlichen Gesellschaft. Doch es ist eine Zeit der Umbrüche. Die Folgen des Zweiten Weltkrieges, Flucht und Vertreibung, der Mauerbau und vieles mehr sind auch im Münsterland spürbar. Die Landwirtschaft erfährt bedeutende Veränderungen durch die Mechanisierung, während zugleich noch gesellschaftliche Schranken zwischen den Schichten bestehen. Trotz aller Schicksalsschläge, die das leben schreibt, bleibt der Grundton des Buches optimistisch. Mir war es an mancher Stelle etwas zu sehr "Heile Welt" und die Dialoge wirkten etwas hölzern und pathetisch. Die heimatkundlichen Kenntnisse des Autors machen das aber allemal wett.