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Veröffentlicht am 21.07.2021

Eindeutige Leseempfehlung!

Nachttod
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Allgemeines:

Nachttod ist der Auftakt einer Trilogie um die Polizistin Hanna Duncker.

Johanna Mo wurde zum Schreiben dieser Krimireihe animiert, da in ihrer Heimatstadt Kalmar ein ähnliches Unglück geschah. ...

Allgemeines:

Nachttod ist der Auftakt einer Trilogie um die Polizistin Hanna Duncker.

Johanna Mo wurde zum Schreiben dieser Krimireihe animiert, da in ihrer Heimatstadt Kalmar ein ähnliches Unglück geschah.

Nachttod erschien am 05. Juli 2021 bei Heyne als Paperback und umfasst 496 Seiten.

Inhalt:

„Ein toter Junge weckt die Geister der Vergangenheit – Der erste Fall für Hanna Duncker.

Hanna Duncker ist zurück auf Öland. Hier in ihrer Heimat kennt man sie nur als die Tochter von Lars Duncker, dem Mann, der vor sechzehn Jahren einen grausamen Mord beging. Inzwischen ist Hanna diejenige, die Verbrecher jagt. Ihr erster Fall auf Öland: Ein toter Teenager, mitten in der Nacht erstochen an einem beliebten Ausflugsziel. Und niemand kennt seine Mutter besser als Hanna. Die Ermittlungen werden für Hanna zu einer Abrechnung mit ihrer eigenen Jugend, und Nachforschungen im Fall ihres Vaters reißen alte Wunden auf. Nicht alle sind froh darüber, dass die Tochter von Lars Duncker zurückgekehrt ist.“ (Quelle: Verlagsseite Random House)

Meine Meinung:

Mit dem ersten Band ihrer Trilogie Nachttod, legt Johanna Mo einen sehr spannenden Krimi vor. Schauplatz der Handlung ist ein kleines Dorf in Schweden, in das die Protagonisten Hanna nach vielen Jahren zurückkehrt. Wir haben verschiedene Schauplätze und auch Rückblenden. Durch die Kapitelüberschriften hat der Leser aber eine sehr gute Orientierung und weiß jederzeit, an welchem Handlungsort er sich gerade befindet. Johanna Mo versteht es sehr gut, Spannung zu erzeugen, indem Sie zunächst wichtige Informationen zurückhält. So kann der Leser selbst kombinieren und bekommt nicht alle Fakten auf dem silbernen Tablett serviert. Das ist positiv für den Lesegenuss und macht einfach Lust, das Buch weiter zu lesen, um zu überprüfen, ob die eigene Kombinationsfähigkeit zu dem passt, was Johanna Mo sich für ihren Plot überlegt hat.

Die Protagonistin Hanna Duncker, bislang Polizistin in Stockholm, kehrt nach vielen Jahren in ihr Heimatdorf zurück und kauft sich dort ein Haus. Die Großstadt ist nicht wirklich etwas für sie, die Insel Öland, auf der sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, ist ihr in den ganzen Jahren, in denen sie auf dem Festland gelebt hat, nicht aus dem Kopf gegangen. Sie möchte sich ihrer Vergangenheit stellen, weiß aber noch nicht so recht, wie sie das genau anfangen soll. Ihr ist klar, dass ihre neuen Kollegen neugierig sind, da sie alle um ihre Vergangenheit wissen. Zudem ist ihr direkter Vorgesetzter in Hannas Vorgeschichte involviert. Das ist nicht einfach für sie und wird ihr erst bewusst, als sie ihren Dienst antritt. Hanna fällt es aber schwer, zu dem zu stehen, was vor 16 Jahren geschehen ist. Sie ist ausgesprochen misstrauisch und vermutet hinter jeder Bemerkung versteckte Botschaften und Kritik an ihrem Vorleben und ihrer Entscheidung, wieder in ihrem Heimatort zu leben. Nach und nach öffnet sie sich und lässt ihre Erinnerungen und Gespräche mit anderen zu. Aus dem Klappentext des Buches weiß man, dass Hannas Vater vor 16 Jahren als Mörder verurteilt wurde, was für sie ein Grund war, Polizistin zu werden. Als sie nun wieder in ihrer alten Heimat lebt, kommen ihr Zweifel an dem, was vor 16 Jahren geschehen ist. Vieles wird angedeutet, nichts ist klar. Alte Freunde und die eigene Familie werden von ihr zunehmend hinterfragt. Ein zusätzlicher Spannungsmoment dieses Buches.

Hannas erster Fall auf Öland katapultiert sie direkt in ihre Vergangenheit, denn die Menschen, die dort leben, sind geblieben und sie muss sich ihre Rolle als Polizistin erst einmal erarbeiten. Distanz zu halten und Professionalität zu wahren fällt ihr nicht immer leicht.

In diesem Buch gibt es unterschiedliche Beziehungsgeflechte. Zum einen Hanna und ihre Kolleginnen und Kollegen, die es nicht alle gut mit ihr meinen, zum anderen Hanna und ihren früheren Freundeskreis und außerdem Hanna und diverse Familiengeschichten. Es gibt viele Wendungen in der Handlung, man muss oft das, was man vermutet hat, revidieren und sich wieder auf eine neue Spur begeben. Das macht diesen Krimi so interessant.

Viele Figuren haben hohes Identifikationspotential. Man soll sich selber ein Bild machen und entscheiden, wie glaubwürdig, sympathisch oder abstoßend sie sind. Zudem gibt Nachttod einen realistischen Einblick in das gesellschaftliche Gefüge des Dorflebens. Jeder kennt irgendwie jeden, meint man zumindest… Alltägliche Probleme, die dort auftreten sind allen jedem bekannt und man kann sich als Leser gut mit ihnen identifizieren.

Fazit:

Man darf sich auf die Fortsetzung freuen. Ich gebe eine eindeutige Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 05.07.2021

Fantasy für junge Leser*innen

Meeresglühen (Romantasy-Trilogie, Bd. 1)
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Allgemeines:

Meeresglühen – Geheimnis in der Tiefe ist im Februar 2021 im Coppenrath Verlag erschienen. Das Hardcover mit Prägungen und schimmernden Effekten hat 496 Seiten und eine Altersempfehlung ...

Allgemeines:

Meeresglühen – Geheimnis in der Tiefe ist im Februar 2021 im Coppenrath Verlag erschienen. Das Hardcover mit Prägungen und schimmernden Effekten hat 496 Seiten und eine Altersempfehlung für Leserinnen ab 14 Jahren. Ich möchte gerne bereits an dieser Stelle die Einschränkung hinzufügen, dass sehr erfahrene 14-jährige Leserinnen nicht die richtige Zielgruppe für Meeresglühen sind. Vielleicht sollte dieses Buch lieber Leserinnen ab 12 empfohlen werden.

Meeresglühen ist der Auftakt zu einer Trilogie und optisch ein wahrer Hingucker. Es fällt durch seine detailreiche Gestaltung ins Auge und zieht mit Sicherheit die Blicke vieler Leser
innen auf sich.


Inhalt:

„Das bisschen Sturmflut … Ella ist fest entschlossen, sich ihren Cornwall-Urlaub in Grannys Cottage nicht verderben zu lassen. Als sie jedoch einen vermeintlichen Surfer vor dem Ertrinken rettet, ist in ihrem Leben plötzlich nichts mehr wie vorher. Denn der geheimnisvolle Aris stammt aus einer ganz anderen, mythischen Welt – am Grund des Ozeans. Ella stürzt in ein Abenteuer voller Wunder und Schrecken. Und nicht nur ihr Herz gerät dabei in höchste Gefahr …“ (Quelle: Coppenrath Verlag)

Meine Meinung:

Hach ja, auch ich werde ab und zu schwach und brauche ein ganz typisches Jugendbuch, um meine Gedanken schweifen zu lassen. Und mit Meeresglühen war ich dafür an der absolut richtigen Adresse. Wer hier ein außergewöhnliches Characterbuilding erwartet, der ist auf der Suche nach dem richtigen Buch falsch abgebogen. Ja, Meeresglühen erfüllt Klischees, das ist schade. Aber Meeresglühen macht das auf eine gute Art und Weise. Die Autorin bettet ihre Stereotypen in eine erfrischende Handlung ein, die vom Ozean träumen lässt. Dabei bringt sie Ideen ein, von denen ich so noch nicht gelesen habe und die ihrer Buchreihe Potential verleihen.

Atlantis ist schon immer ein Thema gewesen, das mich fasziniert hat. Als Mythos, als vielleicht irgendwo existierende versunkene Stadt, aber auch als fantastischen Handlungsort in Geschichten. Um diese Stadt ranken sich unendlich viele Erzählungen, Legenden und bereits existierende Bücher. Trotzdem hat mich das Setting des Jugendbuches fasziniert. Anna Fleck hat mich mit ihrem flüssigen und bildreichen Schreibstil abgeholt und an die Küste Cornwalls (und darüber hinaus..) mitgenommen. Wer das Buch im Sommer liest, kann das Meeresrauschen bestimmt noch besser hören.

Im Laufe der Geschichte habe ich gedacht, dass die Autorin etwas wirklich Geniales und Mutiges mit ihrer Protagonistin macht. Etwas, von dem ich so noch nicht gelesen habe. Ich möchte euch nicht spoilern und kann deshalb nicht mehr verraten, aber ich kann euch sagen, dass die Autorin mich leider enttäuscht hat. Sie tut genau das, was immer in Jugendbüchern passiert, in denen der Love Interest ein sagenumwobener, mystischer junger Mann ist, in den man sich Hals über Kopf verliebt hat. Natürlich nicht nur aufgrund der seegrünen (wahlweise himmelblauen oder obsidianschwarzen) Augen… Diese Art von Beziehungen wirkt selten nachvollziehbar, zumeist unrealistisch und nur im besten Falle authentisch. Und… na, was passiert da meistens am Ende des ersten Bandes? An dieser Stelle wünsche ich mir mehr Mut, mehr Überraschung und mehr Innovation. Auch im Jugendbuch kann eine Geschichte entstehen, die nicht vorhersehbar ist. Auch im Jugendbuch kann ich als Leserin das Gefühl haben, auf allen Ebenen sehr gut unterhalten worden zu sein und vor allem durch Vielschichtigkeit von Beziehungen überrascht zu werden.

Obwohl ich ein wenig im Ozean von Meeresglühen versunken bin und durch den angenehmen, spannenden Schreibstil von Anna Fleck schöne Lesestunden hatte, hoffe ich, dass sie aus dieser Reihe noch viel mehr herausholt.

Fazit:

Ein teilweise vorhersehbares Buch für eher jüngere und in der Fantasywelt noch nicht ganz so erfahrene Leser*innen, die ab und zu von einer fernen Stadt im Meer träumen. Potential für den zweiten Band ist vorhanden und ich hoffe, dass die Autorin es ausschöpft.

Veröffentlicht am 05.07.2021

Führst du ein gutes Leben?

Die Mitternachtsbibliothek
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Allgemeines:

Matt Haig ist vielen von euch vermutlich als Bestsellerautor ein Begriff. Im Februar 2021 ist in meinen Augen eines seiner bisher bemerkenswertesten Bücher bei Droemer Knaur erschienen: ...

Allgemeines:

Matt Haig ist vielen von euch vermutlich als Bestsellerautor ein Begriff. Im Februar 2021 ist in meinen Augen eines seiner bisher bemerkenswertesten Bücher bei Droemer Knaur erschienen: Die Mitternachtsbibliothek. Das gebundene Buch hat 320 Seiten und richtet sich an erwachsene Leserinnen. Im Laden ist es ein Hingucker, man möchte direkt wissen, was sich wohl hinter der spannenden Kombination aus Titel und Cover verbirgt.

Inhalt:

„Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.

Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?“ (Quelle: Droemer Knaur)



Meine Meinung:

Matt Haig ist ein Bestsellerautor mit einer großen Fanbase. Ich muss sagen, dass ich mich nicht zu ebendieser zähle. Ab und zu lese ich eines seiner Bücher, aber vielfach wurden sie mir durch riesige Werbekampagnen oder zu viel Medienpräsenz auf Instagram und anderen Portalen beinahe angepriesen, sodass meine Erwartungen an sie häufig zu hoch waren oder ich mich erschlagen fühlte. Mit Die Mitternachtsbibliothek ging es mir tatsächlich ganz anders. Sobald ich das Buch in der Vorschau entdeckt hatte, war mir klar, dass ich es gerne lesen wollte. Irgendwie strahlte es etwas Magisches, Besonderes, einen Zauber aus, über den ich mehr erfahren wollte.

Hätte ich mich dich für ein anderes Studium entscheiden sollen? Wäre ein Besuch bei XY heute nicht sinnvoller gewesen? Blau oder Grün? Die „Was wäre wenn-Frage“ begleitet uns täglich. Je nachdem, wie viel Raum wir ihr persönlich geben, hat sie größeren oder geringeren Einfluss auf unser Leben. So auch in Haigs Geschichte. Protagonistin Nora führt ein wenig erstrebenswertes Dasein. Sie ist der Meinung, dass sie zu viele falsche Entscheidungen getroffen hat, die sie schlussendlich an den Punkt unerträglicher Einsamkeit geführt haben. Durch eine selbst herbeigeführte Notsituation gelangt sie leider nicht ins erwünschte Jenseits, sondern (im Geiste) in die Mitternachtsbibliothek und steht nun wirklich vor der Wahl.. Unter Anleitung einer Bibliothekarin darf sie in mögliche Leben hineinschauen, Entscheidungen anders oder erneut treffen und erleben, welche Konsequenzen diese für sie hätten. Sobald sie jedoch in einem Leben unglücklich wäre, würde sie zurück in die Mitternachtsbibliothek gelangen. Klingt eigentlich wie eine Traumvorstellung, oder?

Nora probiert im Laufe der Handlung verschiedenste Szenarien aus, erkennt sich selbst kaum wieder und muss schnell einsehen, dass viele Entscheidungen sie unglücklich gemacht hätten. Stets fehlte ihr Etwas, war anders als vorgestellt oder erträumt. Auch ihr Umfeld und ihr Beruf unterscheiden sich immer. Sowohl ihre Beziehungen zu einem möglichen Partner als auch die zu ihrer Familie fallen davon abhängig, wie Nora in ihrem Leben entschieden hat, aus.

Persönlich wollte ich während des Lesens auf keinen Fall mit ihr tauschen. Sie lernt Facetten ihrer Selbst kennen, die für sie unvorstellbar waren. Natürlich sind das auf der einen Seite positive Eigenschaften, auf der anderen Seite aber auch negative, mit denen sie nicht leben möchte. Vielleicht stellt man sich vor, dass man einen kleinen Fehler beheben kann und das Leben ganz anders verlaufen wäre. Nora muss die Erfahrung machen, dass sie zwar ebendiesen Fehler beheben kann, gleich darauf aber wieder einen macht, der die gleiche Auswirkung auf ihr Leben hat. Ich glaube, dass es auch mit unseren persönlichen Entscheidungen so ist. Vielleicht mag man sich in einer Situation minimal anders entscheiden, der Ausgang ist trotzdem ähnlich oder führt zu ähnlichen Ergebnissen.

Obwohl man erahnen kann, wie dieses Buch ausgeht, ist man vom Ende der Geschichte nicht enttäuscht. Es passt zu der schlussendlich lebensbejahenden Stimmung, der Gedankenwelt, die Haig erschaffen hat. Vielleicht sollte der ein oder andere von uns mal ein bisschen darüber nachdenken, dass schon kleine Entscheidungen unser Lebensglück positiv beeinflussen und dass wir einen nicht zu unterschätzenden (positiven) Einfluss auf das Leben anderer haben, den wir manchmal nicht ansatzweise erahnen können oder wollen.

Fazit:

Ein Buch für Träumer
innen und Menschen, die gerne in Geschichten über das Leben versinken.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Märchenhafte Fantasy

Das Mädchen und der Winterkönig
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Allgemeines:

Das Mädchen und der Winterkönig ist als zweiter Teil einer Trilogie im November 2020 im Heyne Verlag erschienen. Das Taschenbuch hat 480 Seiten und ist dem ersten Band sehr ähnlich ...

Allgemeines:

Das Mädchen und der Winterkönig ist als zweiter Teil einer Trilogie im November 2020 im Heyne Verlag erschienen. Das Taschenbuch hat 480 Seiten und ist dem ersten Band sehr ähnlich gestaltet.

Wieder einmal wäre es sinnvoll gewesen, den Titel des Buches im Deutschen nicht zu verändern. Ich möchte nicht zu viel verraten, wenn man sich den originalen Titel (The girl in the tower) aber genau anschaut, weiß man ein Rätsel des Buches sehr viel schneller zu lösen…

Inhalt:

„Wasja hat es geschafft: Sie hat ihr Zuhause vor dem Untergang bewahrt, indem sie einen Pakt mit Väterchen Frost einging. Doch jeder Pakt hat seinen Preis, und nun muss Wasja bitter für die Hilfe des Winterdämons bezahlen. Als Hexe verschrien, wird sie aus dem Dorf gejagt und durchstreift fortan in Männerkleidung das riesige Zarenreich. Immer an ihrer Seite ist ihr geliebter Hengst Solowej, der schneller ist als der Wind. Als Wasja eines Tages eine berühmt-berüchtigte Räuberbande in die Flucht schlägt, ruft sie der Prinz an den Hof nach Moskau, wo sie als Held gefeiert wird. Schnell wird Wasja – dank der Ratschläge des Winterdämons – zur engsten Vertrauten des Prinzen. Doch niemand am Hof darf je erfahren, dass der tapfere Kämpfer aus dem klirrend kalten Norden eigentlich eine junge Frau ist …“ (Quelle: Bloggerportal)

Meine Meinung:

Dieses Buch ist wie ein Sog. Sobald man die erste Seite gelesen hat, befindet man sich in Rus, in einer Welt der klirrenden Kälte, der Magie und der Andersartigkeit. Als Leserin fühlt man sich sowohl zeitlich als auch räumlich in eine dem ehemaligen Zarenreich ähnliche Welt hineinkatapultiert. Der Zauber dieser Welt ist das, was die Lektüre zu einem Leseerlebnis macht. Man möchte mehr von dem Zauber, mehr von Wasja, mehr von Väterchen Frost inhalieren.

Ob Sommer oder gemütliche Wintertage, Katherine Arden kreiert eine Stimmung, die ihresgleichen sucht. Auch in diesem zweiten Band erschafft sie diesen besonderen Zauber, der ihrem Auftaktband von der ersten Seite an innewohnte.

Die Ereignisse knüpfen direkt an die des ersten Bandes an. Wasja wird als Hexe aus ihrem Dorf vertrieben und muss ihren Weg durch die verschneiten, eisigen russischen Wälder antreten. Im Unterschied zum ersten Band überschlagen sich die Ereignisse dabei beinahe. Wie viele starke Frauen ihrer Zeit wählt Wasja von nun an das Auftreten als Mann, um nicht länger in der Rolle, die einer Frau der damaligen Zeit zugeschrieben wurde, gefangen zu sein. Diese Rolle durchbricht sie an einigen Stellen, obwohl man sich da als Leser
in auch nicht so sicher sein kann…

Arden führt Wasja an verschiedene Handlungsorte und auch Väterchen Frost, dem Frostdämon Morosko, begegnen wir wieder. Seine Figur ist für mich von großer Faszination umgeben. Arden gelingt es, ihn unnahbar und als das, was er ist, darzustellen und gleichzeitig eine gewisse Identifikation mit ihm herzustellen. Er ist kein Love-Interest, den man ihn einem solchen Buch vielleicht erwarten würde. Diese Bezeichnung für ihn zu verwenden, wäre mehr als unpassend. Ardens Bücher sind der Fantasy für junge Leser deutlich entwachsen, sie stellen die Beziehung zwischen Wasja und Väterchen Frost sehr viel differenzierter und nicht klischeebeladen (Mädchen, böser Dämon, große Liebe) dar. Man könnte beinahe sagen, dass Wasja in ihrer abenteuerlichen, geistersehenden und ausbrechenden Rolle eine Art Symbiose mit Morosko eingeht, um in der Welt ewigen Winters zu überleben.

Wasja verweilt jedoch nicht, sie bricht auf, gelangt an den Moskauer Hof. Dort beginnen Ränkespiele und Heldentum Wasjas Zeit einzunehmen. Ihr Geheimnis könnte ihren Tod bedeuten, gleichzeitig ist sie das erste Mal frei. Frei zu leben, wie sie es sich vorstellt und frei, Dinge zu tun, die sie sich immer gewünscht hat. Das Böse ist nie weit entfernt und so wird auch Wasja vermutlich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Mehr möchte ich euch dazu aber nicht verraten.

Arden gelingt es vorzüglich, das Gefühl zu erwecken, dass ihre düstere und mystische Geschichte der Realität entspricht. Genau so habe ich mir den Hof des Zaren vorgestellt. Der Glaube an Geister und alte Sagen, die Mischung aus Fiktion und Realität … Die Autorin kombiniert diese beiden Elemente geschickt und lässt so einen zweiten Band mit einer märchenhaften Seele entstehen, der dem ersten in nichts nachsteht. Ich warte voller Vorfreude auf den dritten Band, der unter dem Titel Die Hexe und der Winterzauber, im November erscheinen wird.

Fazit:

Wer Märchen und russische Sagen mag, sollte diese Trilogie unbedingt lesen. Ich würde sie für junge, erwachsene Leser*innen empfehlen, die gerne märchenhafte Fantasy mit einem Hauch Düsternis und Kälte lesen.

Veröffentlicht am 04.07.2021

Fortsetzung wird sehnsuchtsvoll herbeigesehnt

Das Vermächtnis der besonderen Kinder
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Allgemeines:

Als fünfter Band in einer sechsteilig angelegten Reihe ist Das Vermächtnis der besonderen Kinder im November 2020 in der Verlagsgruppe Droemer Knaur erschienen. Das Hardcover hat ...

Allgemeines:

Als fünfter Band in einer sechsteilig angelegten Reihe ist Das Vermächtnis der besonderen Kinder im November 2020 in der Verlagsgruppe Droemer Knaur erschienen. Das Hardcover hat 384 Seiten und ist optisch passend zu den bisher erschienenen Teilen der Reihe gestaltet.

Sollte ich eine Altersempfehlung für die Reihe um die besonderen Kinder aussprechen, würde ich die Bücher jungen Erwachsenen ab 16 Jahren und allen anderen Erwachsenen, die gerne einzigartige Fantasy lesen, empfehlen.

Der nächste Teil der Reihe wird voraussichtlich der abschließende Band sein. Vermutlich schreibe ich aus dem Grund, dass Leserinnen von Ransom Riggs das ursprünglich bereits nach drei Teilen der Reihe annahmen und zum Glück aufatmen und weiterlesen durften. Vielleicht passiert das ja noch einmal.

Meine Rezension zum vorhergehenden Band findet ihr hier: https://zeilenliebe.com/2019/05/01/der-atlas-der-besonderen-kinder/ . Alle anderen Rezensionen könnt ihr über die Suche nach den entsprechenden Titeln ebenfalls auf meinem Blog entdecken.

Inhalt:

„Auf dem Totenbett beauftragt der geheimnisvolle H – Jacobs letzte Verbindung zu seinem geliebten Großvater Abe – Jacob mit einer unmöglichen Mission: Er soll die Besondere Noor Pradesh zu einer geheimnisvollen Verbündeten namens V bringen, von der Jacob nur den Namen kennt. Noor steht im Mittelpunkt einer uralten Prophezeiung, die den Untergang aller Besonderen vorhersagt. Sie wird von mächtigen Gegnern gejagt und die wenigen Hinweise, die Jacob zu V führen sollen, sind mehr als verwirrend. Gefangen zwischen alten Feinden und einer neuen Bedrohung, wird die Zeit knapp für Jacob und seine Freunde …“ (Quelle: Verlagsseite Droemer Knaur)

Meine Meinung:

Nach wie vor lässt Riggs immer wieder alte Fotografien den Fließtext unterbrechen. Viele von ihnen haben seit Beginn der Reihe etwas Unheimliches, andere hingegen sind einfach faszinierend. Immer haben sie einen Bezug zu gerade oder kurz darauf Gelesenem und stets einen historischen Hintergrund. Es handelt sich nicht um Fotomontagen oder nachträglich bearbeitete Bilder, sondern um Bilder, deren Hintergrund manchmal unerklärlich, rätselhaft oder tragikomisch erscheint.

Jacob Porter ist inzwischen ein junger Mann, den alle Leser
innen in ihr Herz geschlossen haben. So entwickelte er sich von dem anfangs so unsicheren Jüngelchen im Laufe der Reihe zu einem starken Charakter, zu dem seine Freunde aufblicken können. Nach und nach entstand dabei ein eigener Wille, den der gute Herr Porter in diesem Band außergewöhnlich häufig durchsetzt. Seine Versuche sind zwar nicht immer von Erfolg gekrönt, dennoch bemerken wir als Leserinnen, dass er immer mehr zu einem Anführer der besonderen Kinder wird. Er übernimmt Verantwortung, ist dabei nach wie vor waghalsig und gerät gewissermaßen in ein Gefühlschaos, welches Ransom Riggs sehr gekonnt auflöst. Mitnichten entsteht hier eine Liebesgeschichte, die ein Dreieck bildet oder deren Ausgang man bereits mit den ersten Seiten erahnen kann. Riggs knüpft an zarte Gefühle an, die sich im Laufe der Geschichte verändern und die zu etwas werden, was wir nicht geahnt haben.

Auch in diesem Teil der Reihe, der nahtlos an die Erlebnisse des vorherigen anknüpft, erleben die besonderen Kinder gemeinsame Abenteuer. Dabei werden sie immer eigenständiger und lassen sich nichts sagen. An manchen Stellen scheint es, als ob das ein großer Fehler ist. Letzten Endes lernen die Kinder durch ihre Abenteuer jedoch, was es bedeutet, füreinander einzustehen, eine Familie zu sein und auch Verluste hinzunehmen. Ich schreibe von Kindern.. Leser
innen der Reihe ist natürlich klar, dass die Protagonisten zwar wie Kinder aussehen, aber außer Jacob und Noon alle wesentlich älter sind. Dieses Alter zu bemerken, würde ich mir an einigen Stellen intensiver wünschen. In diesem Buch geht Riggs zwar etwas stärker darauf ein, behält dabei den Fokus jedoch auf einer bestimmten Protagonistin. Vielleicht sieht Riggs aber auch eher von einer Thematisierung des Alters ab, um die Authentizität der Beziehungen der einzelnen Charaktere nicht zu stören.

Mit Noor tritt eine neue Protagonistin in die einnehmende Geschichte ein, deren Fähigkeiten wahrhaftig besonders sind. Anfangs zögerlich, aber dann intensiver wird sie von den besonderen Kindern in die Gruppe aufgenommen und lernt, was es bedeutet, ein besonderes Kind zu sein. Die Geschichte rund um Noor bildet einen neuen Handlungsstrang in der Besonderenwelt. Die Suche nach V, die Clans und die Suche nach Frieden für alle Besonderen dominieren in diesem Buch. Was es ganz genau mit der Prophezeiung auf sich hat, wissen wir auch nach der Lektüre nicht. Zu hoffen ist, dass es Riggs gelingt, seine neuen Handlungsstränge und die andere Richtung, die die Reihe mittlerweile einschlägt, im finalen Band zu einem würdigen Abschluss zu führen. Es sei denn… er möchte vielleicht doch noch weiterschreiben.. Da hätte ich natürlich nichts dagegen.

Fazit:

Aufschlagen, lesen, träumen, erleben, zuklappen, nachdenken, die Fortsetzung herbeisehnen.