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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2019

Dieses Buch sollte nie zu Ende sein!!!

Nichts weniger als ein Wunder
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Allgemeines:

Markus Zusak ist durch seinen Roman Die Bücherdiebin international bekannt geworden. Er selber hat nie geglaubt, dass dieses Buch von so vielen Menschen gelesen werden würde. Nach 13 Jahren ...

Allgemeines:

Markus Zusak ist durch seinen Roman Die Bücherdiebin international bekannt geworden. Er selber hat nie geglaubt, dass dieses Buch von so vielen Menschen gelesen werden würde. Nach 13 Jahren erscheint nun mit Nichts weniger als ein Wunder endlich ein neues Buch von ihm. Anders als Die Bücherdiebin ist es ein Roman für Erwachsene. Zusak hatte die Idee zu diesem Buch bereits vor 20 Jahren und ist stolz darauf, es nun vollendet zu haben.

Nichts weniger als ein Wunder ist am 04. Februar 2019 bei Limes als Hardcover erschienen und umfasst stolze 635 Seiten.

Inhalt:

„Dies ist die Geschichte der fünf Dunbar-Brüder. Nach dem Tod der geliebten Mutter und dem Weggang ihres Vaters leben sie nach ihren ganz eigenen Regeln. Sie trauern, sie lieben, sie hassen, sie hoffen und sie suchen. Nach einem Weg, mit ihrer Vergangenheit klarzukommen, nach der Wahrheit und nach Vergebung. Schließlich ist es Clay – angetrieben von den Erinnerungen an ihren tragischen Verlust –, der beschließt, eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, die Vergangenheit zu überwinden und so sich selbst und seine Familie zu retten.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Keine leichte Kost, muss man sagen, wenn man die ersten Seiten dieses Buches gelesen hat. Man muss sich durchwühlen durch diese ersten Seiten, Zusak springt hin und her, fabuliert und beschreibt, dass es eine Freude ist, aber mehrmals lesen muss man sie, die Sätze. Sonst entsteht Verwirrung: Wo ist man und von wem ist die Rede, was ist da passiert? Ein ungewöhnlicher Anfang eines Buches, einer, der neugierig macht, denn man sucht nach dem Autoren der Bücherdiebin und so langsam kommt er auch hervor.

Erzählt wird aus der Perspektive des nun erwachsenen Matthew, der die Geschichte aufschreibt. Matthew, der eine alte Schreibmaschine vergraben auf einem Grundstück nebst Tierknochen ausgebuddelt hat, der deshalb sehr glücklich ist. Warum, wird man noch erfahren.

Dieses Buch braucht ein wenig Zeit, um sich zu entfalten, es dauert, bis man es genießen kann. Aber dann ist es wie eine warme Dusche, die sich über den Leser ergießt. Dieses Bild passt übrigens sehr zur Sprache Zusaks (oder der seiner Übersetzerin): Das Buch ist voll von sprachlichen Bildern, Personifikationen und Beschreibungen.

„Im Haus war es wie in einem Ofen. Die Möbel wurden geröstet. Die Bilder waren gerade aus dem Toaster gesprungen. (…) Die Sonne schlug hart gegen die Fenster. Am Tisch wurde ausgiebig geschwitzt.“ (S. 13)

Manchmal ist das fast zu viel des Guten.

Zurück zur warmen Dusche: Die Protagonisten sind alle mit viel Liebe ausgestaltet. Jeder kommt zu seinem Recht, die Beweggründe für ihr Denken und Handeln werden abgewogen, erklärt, hinterfragt, aber niemals verurteilt. Zusak ist viel unterwegs in seinem Buch. Er lässt Matthew, den Erzähler der Geschichte, zurückreisen in die Kindheit von Mutter und Vater, lässt sie wieder jung sein und sich kennenlernen. Ganz nebenbei flicht er Themen ein wie Migration, Vorurteile, Politik und Armut. Diese eigentlich schweren Themen kommen leicht und doch eindringlich daher, sie bleiben hängen in den Gedanken des Lesers und lassen ihn die Figuren des Buches immer besser verstehen. Dann ist man wieder in der Gegenwart, im Alltag der fünf Geschwister, aber auch hier einmal in deren Kindheit und dann wieder im Jetzt. Man muss sehr aufpassen als Leser, zumal die Kapitel sehr merkwürdige, oft humorvolle Überschriften haben, die zunächst kaum Sinn machen, nach dem Lesen aber für ein Aha-Erlebnis sorgen. Oft muss man schmunzeln. Der Leser wird trotz der vordergründigen Unübersichtlichkeit der Handlung gut an die Hand genommen von Zusak und kann das Lesen sehr genießen.

Die fünf Brüder sind eine Gemeinschaft für sich. Teilweise unglaublich, wie sie miteinander umgehen, aber wenn es drauf ankommt, sind sie sich einig. Auf der anderen Seite herrscht zwischen ihnen ein Umgang, der einen den Kopf schütteln lässt.

„Ich, Rory, Henry, Clayton, Thomas. Wir würden nie mehr dieselben sein. (…) Viele sahen in uns nur Rabauken. Barbaren. Meistens stimmte das auch. (…) Wir fluchten wie Matrosen, kämpften wie Rivalen und forderten einander ständig heraus.“ (S. 23)

Dieses Buch sollte nie zu Ende sein!!!

Fazit:

Nur für Leser, die sich einlassen wollen auf ein Buch, das Zeit und Muße braucht. Für Leser, die gut erzählte Geschichten lieben und die Sprache des Autors zu würdigen wissen.

Veröffentlicht am 26.11.2017

Unbedingt lesen!!!

13 Stufen
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Allgemeines:

13 Stufen ist auf Deutsch im Penguin Verlag erschienen und hat 392 Seiten. Kazuaki Takano ist dem deutschen Leser durch seinen überaus erfolgreichen Roman Extinction bekannt, mit dem er monatelang ...

Allgemeines:

13 Stufen ist auf Deutsch im Penguin Verlag erschienen und hat 392 Seiten. Kazuaki Takano ist dem deutschen Leser durch seinen überaus erfolgreichen Roman Extinction bekannt, mit dem er monatelang auf den Bestsellerlisten stand. Kazuaki schreibt zudem Drehbücher und lebt in Amerika und Japan. 13 Stufen ist bereits 2001 in Japan erschienen und wurde 2017 ins Deutsche übersetzt. In Japan wurde dieser Roman preisgekrönt.

Inhalt:

„Ein unschuldig wegen Mordes zum Tod Verurteilter soll hingerichtet werden. Der ehemalige Gefängnisaufseher Kihara und der auf Bewährung entlassene Jun’ichi erhalten den Auftrag, den wahren Täter zu finden. Für das ungleiche Ermittlerduo beginnt damit nicht nur ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, sondern beide müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Bestsellerautor Kazuaki Takano erzählt eine fesselnde Geschichte voller unerwarteter Wendungen und falscher Fährten bis hin zum furiosen Showdown. Am Beispiel der in Japan noch angewandten Todesstrafe stellt er die Frage nach Schuld und Reue, nach dem Recht auf Vergeltung. Dabei erzeugt seine vielschichtige Erzählweise eine außergewöhnliche Spannung, die den Leser bis zur letzten Seite nicht loslässt.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

13 Stufen kommt mit einem sehr ähnlichen Cover wie Extinction daher, was sicherlich den Wiedererkennungswert beeinflussen und den Leser, dem Extinction gefallen hat, auch zu diesem Buch greifen lassen soll. Keine schlechte Wahl, wie ich finde.

Der Beginn des Buches ist bedrückend:

„Die Todesboten erschienen um neun Uhr morgens. (…) Zuerst hörte er den dumpfen Knall der Eisentür. Die Luft vibrierte wie bei einem Erdbeben, die Atmosphäre in der Zelle änderte sich schlagartig. Das Tor zur Hölle hatte sich aufgetan, und nackte Angst, die zur absoluten Regungslosigkeit verdammte, brach sich Bahn.“ (S.7)

Wer nun glaubt, er habe einen blutrünstigen Thriller vor sich, wird enttäuscht sein. Aber nicht für lange. Dieses Buch ist sehr viel besser: ein literarischer Krimi. Sabine Mangold hat hervorragend übersetzt, die Sprache hebt sich wohltuend ab von der gängigen Krimiliteratur. Warum 13 Stufen als Roman und nicht als Krimi oder Thriller eingestuft wird, kann ich nicht sagen. Vielleicht, weil von allem etwas zu finden ist in diesem tollen Buch.

Der Plot ist ebenso ungewöhnlich wie genial: Ein Ermittlerteam, bestehend aus einem auf Bewährung entlassenen Sträfling und dessen Gefängniswärter, soll eine Straftat verfolgen und ermitteln. Da fragt man sich als Leser natürlich, ob das gut gehen kann. (An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Gefängnisaufseher nicht Kihara heißt, wie es auf der Verlagsseite und im Klappentext steht. Das hat mich zunächst sehr verwirrt!) An die japanischen Namen muss man sich gewöhnen, aber da die Anzahl der Personen übersichtlich bleibt, ist das schnell gelungen.

Die Protagonisten:

Ryõ Kihara: Kandidat in der Todeszelle, ist sich nicht sicher, ob er schuldig oder unschuldig ist; glaubt letzteres
Jun’ichi Mikami: auf Bewährung entlassen, trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum
Nangõ: Gefängnisaufseher und Gefangenenversteher

Das Schicksal dieser drei Personen ist aufs Engste miteinander verwoben, sehr klug gemacht, sehr spannend.

Der Titel des Buches lässt sich aus dem japanischen System der Justiz herleiten. Es braucht 13 Schritte bis zum Vollzug der Todesstrafe, 13 Beamte müssen nach gründlicher Prüfung entscheiden, ob ein Todesurteil vollstreckt werden wird (vgl. S. 38).

Fazit:

Unbedingt lesen!!!

Veröffentlicht am 24.10.2017

Zeilengeliebt

Die Stille zwischen Himmel und Meer
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Ich habe innerhalb der Lesejury an einer Leserunde zu Katharina Secks neuem Roman Die Stille zwischen Himmel und Meer teilgenommen. Kennt ihr die Lesejury bereits? Dort bekommt man (natürlich nur nach ...

Ich habe innerhalb der Lesejury an einer Leserunde zu Katharina Secks neuem Roman Die Stille zwischen Himmel und Meer teilgenommen. Kennt ihr die Lesejury bereits? Dort bekommt man (natürlich nur nach erfolgreicher Bewerbung und mit einer Portion Glück) wahlweise ein Manuskript oder E-Book zugeschickt, nimmt dafür an einer Leserunde teil und tauscht sich dabei mit ganz vielen anderen Buchliebhabern aus. Eine tolle Seite, die ich jedem empfehlen kann!

Allgemeines:

Das neue Buch einer meiner liebsten Autorinnen erscheint am 26.10.2017 als Paperback bei Bastei Lübbe. Auf 302 Seiten könnt ihr den neuen Roman von Katharina Seck lesen. Eigentlich ist dieses Genre ein für Frau Seck eher ungewöhnliches. Sie ist in der Fantasy zu Hause und hat mit Die Stille zwischen Himmel und Meer einen sehr persönlichen Roman verfasst, der ihr laut eigenen Aussagen besonders am Herzen liegt.

Inhalt:

„Nirgends hörst du dein Herz deutlicher als in der Stille zwischen Himmel und Meer

Die Nordsee im Herbst. Nirgends ist der Himmel weiter, die Luft klarer und das Meer beeindruckender. Genau deswegen ist Edda hierhergekommen. Aber die junge Frau ist nicht wie andere Touristen. Sie fürchtet sich vor dem endlosen Himmel und dem unbeherrschten Meer. Sie ist jedoch fest entschlossen, sich der Angst zu stellen und dem Himmel ins Gesicht zu lachen. Hier begegnet sie einem Mann, der genau wie sie mit seiner Vergangenheit kämpft. Eine Begegnung, die beide verändern wird …“ (Quelle: Bastei Lübbe)

Meine Meinung:

Anders als das Cover dem ein oder anderen Leser suggerieren könnte, ist Die Stille zwischen Himmel und Meer etwas ganz Besonderes. Es hat mich sofort mitgenommen. Mitgenommen ans Meer, zu Protagonistin Edda, in ihre Gefühlswelt. Katharina Seck, in diesem Fall Kati Seck, gelingt es erneut, mit Worten zu zaubern. Sie erzeugt eine Grundstimmung, die zugleich beklemmend und befreiend ist. Mehr über die Vergangenheit der Protagonistin zu erfahren, ist faszinierend. Gleichzeitig möchte ich aber auch die Edda der Gegenwart kennenlernen. Nach und nach werden dem Leser Details enthüllt, einige davon sind schockierend, andere machen sprachlos.

Die Stille zwischen Himmel und Meer berührt mich zutiefst. Ich kann meine Gedanken direkt nach dem Lesen eigentlich gar nicht in passende Worte fassen. Katharina Seck schafft es, Gefühle, Emotionen und Geschehnisse einzufangen und direkt zum Leser zu transportieren. Dabei wirkt alles so echt, als wäre es eine wahre Geschichte, die Edda tatsächlich genau so erlebt hat. Auch die bereits im Klappentext angedeutete Annäherung der beiden Protagonisten wirkt nicht plump, wie ich anfangs befürchtet hatte. Sie sind beide zutiefst verletzt, heilen sich in kleinen Teilen, gehören aber nicht wirklich zusammen.

Ich war mit dem Fortschreiten der Geschichte so gespannt, wie sie enden würde. Lange Zeit empfand ich kein Ende als tatsächlich passend. Egal, welche Lösung in meinem Kopf herumschwirrte, ich war nicht zufrieden. Dadurch stieg meine Spannung auf die noch kommenden Ereignisse der Geschichte noch mehr an. Und dann: das Ende. Das Ende hat mich getroffen. Wie ein Blitzschlag. Es hat mich berührt, ich fühlte mich körperlich unwohl und war traurig. Und dennoch empfand ich es als überaus passend. Natürlich hat Katharina Seck auch diese Aufgabe, mit dem Ende der von ihr so kunstvoll entworfenen Geschichte gerecht zu werden, gemeistert. Nach dem Lesen war ich zunächst ein wenig verstört, mir fiel es schwer, zurück in die Realität zu gelangen, so sehr hat mich das Buch gefangen genommen. Ich würde es am liebsten noch einmal lesen – um diese Geschichte erneut ein erstes Mal erleben zu dürfen.

Was ich noch einmal für die Autorin ganz persönlich anmerken möchte: Ich bin stolz, das Buch bald in meinem Regal stehen zu haben. Manche Bücher stehen dort einfach so, manche hat man sehr gerne, manche sind eher unliebsame Lückenfüller. Auf einige ist man stolz und einige präsentiert man bevorzugt seinen Gästen. Dieses Buch wird eines davon sein. Eines, was man am liebsten jedem zum Lesen unter die Nase halten oder empfehlen möchte.

Fazit:

Lesen. Sofort.

Veröffentlicht am 31.08.2017

Marthas Widerstand hat mich sprachlos zurückgelassen

Marthas Widerstand
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Innerhalb der Lesejury, die übrigens nebenbei bemerkt eine wirklich tolle Community ist, habe ich an einer Leserunde zu Marthas Widerstand teilgenommen. Wie mir das Buch gefallen hat, möchte ich euch gerne ...

Innerhalb der Lesejury, die übrigens nebenbei bemerkt eine wirklich tolle Community ist, habe ich an einer Leserunde zu Marthas Widerstand teilgenommen. Wie mir das Buch gefallen hat, möchte ich euch gerne heute erzählen.


Allgemeines:

Marthas Widerstand ist bereits am 16.03.2017 bei one von Bastei Lübbe erschienen. Es ist ein gebundenes Buch und hat 447 Seiten. Bei one erscheinen vor allem Bücher für junge Erwachsene.

Mir war eigentlich schon nach einem Blick auf das Cover klar, dass ich Marthas Widerstand gerne lesen möchte. Und so habe ich mich für die Leserunde beworben und hatte das Glück, teilnehmen zu dürfen.

Inhalt:
„Martha ist des Mordes angeklagt und sitzt in der ersten von sieben Zellen. Sieben Tage lang stimmt das gesamte Volk darüber ab, ob sie freigesprochen oder in die nächste Zelle verlegt wird. Die Zellen werden dabei immer kleiner, genauso wie Marthas Chancen auf einen Freispruch. Denn die Umfragen zeigen, dass der Großteil der Bevölkerung sie sterben sehen will. Doch was wäre, wenn Martha genau darauf spekuliert?
Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem es um viel mehr als ein einzelnes Menschenleben geht …“ (Quelle: one – Bastei Lübbe)

Meine Meinung:

Marthas Widerstand ist ein Buch, das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Ich habe bisher wenig über das Buch gelesen und mir sind kaum Bilder bei Instagram oder anderen Plattformen begegnet. Marthas Widerstand ist aber der Auftaktband zu Etwas, das wirklich besonders werden könnte. Und das ist es auch bereits in diesem ersten Band. Es hat mich gepackt, nicht mehr losgelassen, mein Denken durcheinandergewirbelt und mich verstört zurückgelassen. Nicht vielen Büchern gelingt das. Wenn man Marthas Widerstand liest, beginnt man, Dinge in Frage zu stellen. Man beginnt damit, sich Gedanken zu machen, die man sich sonst eventuell nicht macht bzw., die nicht alltäglich sind. Was ist richtig, was ist falsch? Wie weit gehen die Menschen? Wie weit würdest du gehen? Was bedeutet eigentlich Gerechtigkeit?

Und neben all diesen bedeutsamen Fragen über den Sinn des Lebens, hat die Autorin es geschafft, eine Handlung zu kreieren, die großartig ist. Kerry Drewery beschreibt unter anderem eine Fernsehshow, Death ist Justice, die nahezu eine Perversion eines Rechtssystems ist. Mich hat sofort brennend interessiert, wer dahinter steckt und wer das alles initiiert hat. Dabei hat mich die Rechtsprechung per Zuschauervoting irgendwie auch an den Circle erinnert, der ja nun bald als Film in unsere Kinos kommt. Ich glaube, dass viele Menschen solche Systeme gutheißen würden, weil sie wirklich das Gefühl hätten, zu partizipieren und dadurch etwas zu verändern. Ich denke, dass nicht allen Menschen bewusst wäre, was sie damit auslösen. Das merkt man momentan ja beispielsweise auch in sozialen Netzwerken in Bezug auf verschiedenste politische Themen. Wenn man nur auf einen Knopf drücken oder eine SMS schicken oder einen Text schreiben muss und dabei nicht zur Verantwortung gezogen wird, tut man das mit weniger Hemmungen. Gefährlich, sprachlos machend und brandaktuell. Ich hoffe, dass wir niemals so ein Rechtssystem haben werden. Schöne neue Welt – nicht.

Martha ist mir als Protagonistin dieses Buches schnell sympathisch gewesen. Auch die anderen handelnden Charaktere wirken authentisch. Sie sprechen teilweise ihrer Herkunft entsprechend eine Art Slang, was mir gut gefallen hat. Für mich wirken sie dadurch nicht etwa dümmlich oder weniger intelligent, nein, einfach authentisch. Mein größtes Lob geht an die Autorin dieses Jugendbuches!

Fazit:

Marthas Widerstand hat mich sprachlos zurückgelassen. Sprachlos und mit einem Gedankenwirrwarr im Kopf. Gedanken über das Buch, das Leben, die Handlungen und Taten einiger Menschen. Gedanken daran, dass ich einen zweiten Band lesen möchte. Ich möchte mehr aus dieser begnadeten Autorenfeder lesen. Warum ist es vorbei??? Aber ich habe ja auch schon gehört, dass es einen zweiten Band geben wird..

Veröffentlicht am 20.03.2017

Ich kann euch Rache und Rosenblüte wärmstens empfehlen!

Rache und Rosenblüte
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Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com.

Im Februar, vor fast genau einem Jahr, habe ich euch den ersten Band dieser Reihe vorgestellt. Zorn und Morgenröte ist bei ...

Diese Rezension erscheint auch auf meinem Blog www.zeilenliebe.wordpress.com.

Im Februar, vor fast genau einem Jahr, habe ich euch den ersten Band dieser Reihe vorgestellt. Zorn und Morgenröte ist bei mir nicht ganz so gut angekommen, ich wollte aber trotzdem gerne den zweiten Band lesen und sehen, ob die Autorin sich weiter entwickelt.


Allgemeines:

Rache und Rosenblüte ist der zweite Band der Reihe um Shahrzad und Chalid. Die Bücher der Autorin Renée Ahdieh erscheinen beim One Verlag, der Abteilung für junge Erwachsene bei Bastei Lübbe. Auch der Umfang des zweiten Bandes ist eher in die Kategorie schmaleres Büchlein einzuordnen. Es sind zwar 432 Seiten, die Seitenränder sind aber erneut recht groß gewählt. Ebenso ähnlich wie das Cover des ersten Bandes ist das des zweiten orientalisch angehaucht. Passend dazu ist auch der Titel ähnlich wie beim ersten Band aus zwei Wörtern zusammengesetzt, die im Laufe der Geschichte einen Zusammenhang bilden.

Inhalt:

Leider gibt diese inhaltliche Beschreibung nicht die Handlung des Buches wieder. Ich habe mich dafür entschieden, sie trotzdem abzubilden. Solche „schlechten“ Beschreibungen finde ich ehrlich gesagt immer sehr spannend.
„Einhundert Leben für das eine, das du nahmst. Ein Leben bei jedem Sonnenaufgang. Gehorchst du auch nur an einem einzigen Morgen nicht, nehme ich deine Träume von dir. Ich nehme deine Stadt von dir. Und ich nehme von dir dieses Leben tausendfach.
Shahrzad und Chalid haben sich gefunden. Und obwohl ihre Gefühle füreinander unverbrüchlich sind, lauert da immer noch der Fluch, der dem jungen Kalifen auferlegt wurde. Sie wissen beide, dass diese Last ihrer gemeinsamen Zukunft im Weg steht. Und so verlässt Shahrzad den Palast. Sie verlässt Chalid. Aber kann sie einen Weg finden, ihre große Liebe nicht zu verlieren? Und kann sie verhindern, dass noch mehr Unschuldige sterben?“ (Quelle: One Verlag)

Meine Meinung:

Ich habe den ersten Band dieser Reihe gerne gelesen, ihn aber nur mit drei Herzen bewertet. Das lag unter anderem daran, dass ich eine Eigenleistung der Autorin vermisst habe. Zorn und Morgenröte war mir zu sehr abgeschrieben von der Vorlage 1001 Nacht. Zudem fand ich die Charaktere (außer Shahrzad) sehr blass und noch wenig detailliert beschrieben. An vielen Stellen wünschte ich mir mehr Handlung und weniger Vorhersehbarkeit. Und ich muss sagen, der zweite Band hat mich in all diesen Punkten von sich überzeugt.
Natürlich hätte auch hier an einigen Stellen etwas mehr passieren können, aber eigentlich sind alle Kapitel von Wichtigkeit für die Handlung des Buches und nicht einfach nur „Füllwerk“. Als sehr spannend habe ich es empfunden, dass wir die Ereignisse im zweiten Band zusätzlich aus den Perspektiven anderer Charaktere verfolgen dürfen. Dabei war für mich vor allem Irsa ein Charakter, der sich enorm weiter entwickelt hat, und der durch ihre Taten zur starken Heldin wird. Ein kluger Schachzug, Shahrzads Schwester stärker in die Geschichte einzubeziehen.

Alle Geschichten bzw. Perspektiven verstricken sich im Laufe der Handlung und es passieren Dinge, die ich so auf keinen Fall vorhergesehen habe. Das Niveau des ersten Bandes wird dabei insgesamt deutlich übertroffen und ich war von der Handlung, die durch die geschickt miteinander verwobenen Fäden entstanden ist, einfach gefesselt. Die Entwicklung der Geschichte hat mich gefangen genommen und ich fühlte mich, als wenn ich irgendwo im Orient teilhaben durfte – an diesem Märchen voller Geheimnisse und Magie.

Fazit:

Manche Fragen blieben für mich leider unbeantwortet, weshalb ich diesem Buch keine fünf Herzen geben kann. Alles in allem hat das mein Lesevergnügen jedoch nicht geschmälert und ich kann euch Rache und Rosenblüte wärmstens empfehlen!