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Veröffentlicht am 18.09.2019

Eine Geschichte die in Angst und Schrecken versetzt!

Venus
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Handlung
Stina begegnet auf ihrem Nachhauseweg einen Mann, der ab jetzt ihr größter Albtraum sein wird. Er schlägt sie nieder, verschleppt sie in sein Haus und gibt ihr den Namen Venus. Während er sie ...

Handlung
Stina begegnet auf ihrem Nachhauseweg einen Mann, der ab jetzt ihr größter Albtraum sein wird. Er schlägt sie nieder, verschleppt sie in sein Haus und gibt ihr den Namen Venus. Während er sie misshandelt und bestraft, versucht Stina einen Ausweg zu finden. Doch ihre Stärke und ihr Trotz machen den jungen Arzt nur noch zorniger. Mit allen Mitteln will er Stina zu seiner Venus formen und sie dazu zwingen, ihn zu lieben.

Alter Schwede
Das ist keine leichte Kost für Zwischendurch! Während ich relativ unbefangen an die Geschichte gegangen bin, haben sich schon nach wenigen Seiten meine Nerven gekräuselt.
Es gibt keine sanfte Vorbereitung, sondern es wird einem gleich der Sack über den Kopf gestülpt und darauf geboxt.

Schockierend und erschreckend
Ich war selten so gefangen in einer Situation, wie in dieser. Diese Ohnmacht, nichts tun zu können, die Erwartung von erneuten Schlägen und die Angst, die einen dabei in der Brust sitzt. Gepaart mit der Hoffnung doch etwas zu erreichen, einen Schritt nach vorne zu kommen und wieder zurückgeschleudert zu werden.
Dauernd durfte ich meine Gefühle neu sortieren und durchatmen.

Die Macht der Worte
Sophie Nuglisch versteht es einen mit ihren Worten zu treffen. Sie schreibt Gewaltszenen, die es in sich haben und ich habe gelitten und mit den Tränen gekämpft. Es war zwischenzeitlich heftig, ekelig, grausam und voller Hass.

Habe ich gelitten? Oh ja!
Und wie! Stina ist ein Mensch, der nicht auf den Mund gefallen ist, durchaus beweist, wie stur er sein kann und wieviel er aushält. Ihre Stärke hat mich beeindruckt. Aber wie sehr sie leidet, hat auch mich leiden lassen. Es ist krass, was alles mit einem Menschen passieren kann in so kurzer Zeit.

Verschobene Ansichten
Unser Entführer ist so unberechenbar, dass es mir nicht möglich war ihn zu durchschauen. Erst zum Ende hin habe ich seine Absichten vorausahnen können. Dazwischen war er mir fast sympathisch. Auf eine verschrobene Art und Weise. Erst sanft, dann brutal, dann ehrlich, dann Lügner.
Ich finde die Autorin schafft es, dass man selbst an sich und seinem Verstand zweifelt.

Allerdings wäre ich froh gewesen, wenn sie mir Einblicke in seinen Kopf gewährt hätte. In die Abgründe seiner Gedanken und Gefühlsachterbahnfahrten.

Was ich mir gewünscht hätte …
… wäre ein bisschen mehr Vorbereitung auf das Kommende. Zum Beispiel aus der Sicht des Entführers. Wieso hat er Stina ausgewählt? Wie sahen seine Pläne aus? Was geht in seinem Kopf vor?
Außerdem hatte ich erwartet mehr über Stina und ihr Leben zu erfahren, ihre Familie oder Freunde kennenzulernen und das Mädchen hinter der Hilflosigkeit zu entdecken.

Der krasse Gegensatz hat mir gefehlt, sodass ich zwar sagen kann, dass Stina einen starken Willen besitzt, ein bisschen unüberlegt und frech ist, aber ich kann nicht einschätzen wie sie vorher war. Glücklich, forsch, heiter, gut gelaunt, zielorientiert, planlos, unglücklich?
Ich glaube, wenn man vorher gewusst hätte was sie sich vom Leben verspricht, wie ihre Ziele sind und was sie bisher erreicht hat, dann wäre dieser Bruch noch viel schmerzender gewesen.

Die zweite Seite der Medaille
Was mir fehlte war die andere Seite. Was geschah, nachdem sie verschwand? Wie wurde es herausgefunden? Wer hat sich um sie gesorgt? Was wurde unternommen? Gab es Spuren? Hinweise? Irgendeine Art von Verbindung?
Das war mir zu einfach dargestellt. Mit ein bisschen mehr Beleuchtung auf das Drumherum und nicht nur auf das Innere, wäre es noch eine Spur interessanter geworden.

Schreibstil
Sophie Nuglisch schafft es einen an die Seiten zu kleben und gefangen zu nehmen. Ich habe es nicht geschafft zu entkommen. Sie hat Gefühle in mir geweckt, die ich nie haben wollte. Allen voran Angst, Schmerz, Hilflosigkeit und Mitgefühl.

Alles in allem …
… war es eine erschreckende Darstellung von einer Situation, in die niemand geraten sollte. Der Verlauf der Handlung war überraschend und unvorhersehbar und das Ende konnte bei mir punkten.
Ich bin kein Vielleser solcher Texte. Man könnte sagen, dass es Neuland für mich ist über Gewalt und Missbrauch zu lesen. Umso interessierter war ich, was ich davon halten würde.
Rückblickend war es spannend, verstörend und emotional. Und ich habe gemerkt, dass solche Geschichten auch ihren Reiz haben können. Gerade wenn es um die menschliche Psyche geht.

Fazit: Meine erste Geschichte aus dem SadWolf Verlag hat mich verstört, schockiert und in Angst und Schrecken versetzt. Obwohl ich mir eine zentralere Sicht auf das Ganze gewünscht hätte, mehr Hintergründe und was genau in dem Kopf des Entführers vorging, so hat es mich doch gefesselt und mitgenommen. Deswegen bekommt das Buch zwischen 3,5 und 4 Sterne von mir.
Wer nicht so visiert ist auf das Äußere, sondern wirklich nur auf die Geschehnisse, die Gefühle und Gedanken, den sollte dieser Text umhauen!

Veröffentlicht am 14.09.2019

Schnallt euch an, zückt die Waffe und macht euch auf alles gefasst!

Zorngeboren - Die Empirium-Trilogie (Bd. 1)
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Achtung, Achtung! Hier kommt eine wichtige Durchsage: Ich liebe dieses Buch! Es ist der absolute Wahnsinn und gibt alles her, was man sich nur wünschen kann. Es ist gigantisch, fantastisch, episch.

Eine ...

Achtung, Achtung! Hier kommt eine wichtige Durchsage: Ich liebe dieses Buch! Es ist der absolute Wahnsinn und gibt alles her, was man sich nur wünschen kann. Es ist gigantisch, fantastisch, episch.

Eine Geschichte, die mich in Atemnot versetzt hat und … ach wartet. Ich gebe euch jetzt einfach 5 Gründe, warum ihr es selber lesen solltet!

1. ES HAT MICH ÜBERROLLT
Während in den meisten Prologen nur angedeutet wird, wie sich die Handlung entwickeln könnte, werden wir hier gleich mit dem Ausgang konfrontiert. Im ersten Moment war ich geplättet.
«Was?» Habe ich gedacht und war verwirrt, aber gleichzeitig so angefixt, dass ich unbedingt wissen wollte wie es dazu kommen konnte. Und dann wurde ich zurückgeworfen und durfte von vorn beginnen, durfte Rielle und Eliana auf ihrer Reise begleiten. Durfte sie so kennenlernen, wie sie es verdient haben, mit ihnen leiden, kämpfen und lieben. Es ist unglaublich. Mit jeder Seite erfährt man mehr, kann die Zusammenhänge verknüpfen, um dann wieder alle Fäden zu verlieren und neu aufzufangen.

2. UNKONTROLLIERBAR
Rielle und Eliana sind unheimlich interessante Charaktere. Die eine unkontrollierbar, die andere unverwundbar.
Obwohl ich beiden ziemlich zwiegespalten gegenüber stand, konnte mich jede auf ihre Weise überzeugen. Sie müssen sich harten Prüfungen stellen, werden auf die Probe gestellt, müssen kämpfen und Geheimnisse verbergen. Es gibt viele Menschen, die es auf sie abgesehen haben und nach ihrem Leben trachten.
Dabei kommt man ihnen als Leser so nah, als wäre man selbst mittendrin.

3. FINGERNÄGEL KNABBERN
Ich liebe die Action, die spannenden Handlungen, die eingestreuten Dialoge und dass es teilweise brutal und blutrünstig ist. Hier wird niemand geschont. Kein langes reden, kein zögern, sondern handeln. Das entspricht genau meinem Geschmack. Und was noch besser ist: es gibt keine Spannungslücke. Die Autorin hat die Erzählstränge unheimlich geschickt zusammengeführt und den Leser ahnen lassen, wohin es führen könnte. Das hieß aber noch lange nicht, das es auch genau dorthin ging. Meine Fingernägel mussten leiden, während ich mit Rielle und Eliana mitfieberte. Ich hielt es kaum aus, wenn die Perspektiven wechselten und ich warten musste.

4. TADAAAA: ÜBERRASCHUNG!
Es gab diesen Moment nach 300 Seiten in dem mir durch den Kopf ging: «Oh mein Gott. Dieses Buch ist der absolute Wahnsinn! Ich tappe selten im Dunkeln bei Geschichten, aber bei dieser … ich habe immer noch keine Ahnung worauf es hinaus läuft und wisst ihr was? Es ist mir egal, dass ich es nicht weiß!»
Ich wusste nie was mich als nächstes erwartet und gerade das macht einen Großteil des Buches aus. Man muss sich darauf einlassen und damit rechnen, dass es keinen Weg zurück gibt.

5. GEFAHR? WELCHE GEFAHR?
Dieses Buch schockiert. Ich habe mich in manchen Szenen gegruselt, in anderen war ich angeekelt von der Grausamkeit. Töten ohne Rücksicht, schonungsloses Vorgehen, harte Methoden, ohne Mimimi? Kein Problem. Hier ist Gänsehaut garantiert.
Am Ende fragt sich nur: Bist du stark genug um zu überleben?

6. HALT WARTET …
Ich wollte nur 5 Gründe nennen. Da seht ihr mal, wie es mit mir durchgegangen ist, denn ich könnte euch 100 nennen!

Fazit: Wow, ich bin geplättet. Das Buch überzeugt in der Handlung, den Charakteren, der Spannung und dem Aufbau. Es wurde nicht einmal langweilig. Schnallt euch an, zückt die Waffe und macht euch auf alles gefasst! Diese Geschichte ist der Burner … mehr habe ich gerade nicht zu sagen.

Veröffentlicht am 14.09.2019

Ein toller Auftakt, der noch viel mehr verspricht!

Das Schwert der Totengöttin
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Erik Zejn
Ein prinzipientreuer Soldat, der streng nach Anweisung handelt und sich keinen Fehltritt erlauben will. Er hält so sehr an seinen Vorschriften fest, dass er die Menschen hinter dem Handeln nicht ...

Erik Zejn
Ein prinzipientreuer Soldat, der streng nach Anweisung handelt und sich keinen Fehltritt erlauben will. Er hält so sehr an seinen Vorschriften fest, dass er die Menschen hinter dem Handeln nicht sieht und Entscheidungen nur aufgrund deren Taten fällt. Sein geradliniges Denken steht nicht nur der Handlung, sondern auch ihm selber im Weg. Es fällt ihm nicht leicht auf sein Herz oder seinen Instinkt zu hören oder auch nur den Gedanken zuzulassen, gegen das System zu handeln.
Wahrscheinlich ist es deswegen auch schwerer seine Person zu greifen. Dennoch blitzt gelegentlich Menschlichkeit durch seine Züge, die ihn weicher und echter werden lassen.

Mirage DeBois
Eine störrische Frau, eine Ausgestoßene, die sich in die Einsamkeit zurück gezogen hat. Ihr Leben ist nicht einfach, aber ich bewundere es wie sie kämpft, nicht aufgibt und immer ein Ass aus dem Ärmel zieht. Sie ist zwar klug, aber auch ziemlich temperamentvoll und so zerbricht mehr, als dass sie heilen kann. Mirage ist kein einfacher Charakter, doch dafür umso echter.
Für mich eine super interessante Persönlichkeit von der ich gerne mehr gelesen hätte, um hinter ihre Fassade zu blicken. Denn bei Mirage weiß man nie genau: Vertrauen oder Misstrauen?

Stimmung
Es ist düster, brutal, blutig und hinterlässt einen Schauder, der dir das Rückgrat hinunter kriecht. Katharina v. Haderer hat eine atmosphärische Stimmung geschaffen, die inmitten von Magie, Wiedergängern und magischen Artefakten spielt. Was hat es mit den wiederauferstandenen Toten auf sich? Wer hat sie geweckt? Welchem Zweck dienen sie?
Gekonnt verwebt sie die Handlung und lässt Ekel, Bedauern und Spannung miteinander harmonieren. Wer also keine Angst vor Kampfszenen hat bis das Blut hervorspritzt und sich mit einer düsteren Stimmung anfreunden kann, der ist hier genau richtig. Zwischen den Toten und den Lebenden.

Schreibstil
Die Autorin hat einen ausgezeichneten Schreibstil, ohne Wortwiederholungen und mit vielen anschaulichen Szenen, die einem im Kopf hängen bleiben. Mir wurde es manchmal zu detailliert. Nicht auf die Kampfszenen und den Ekelfaktor bezogen, sondern auf Beschreibungen von der Landschaft und insbesondere den Vergleichen, die sie zog.

Was ich mich frage
Wieso verurteilt Zejn sofort alles und jeden? Es entstehen so viele Missverständnisse, weil er nicht nachfragt oder zuhört, dass es schwer ist, diese später zu entknoten.
Sein Handeln ist stark auf das Sytem beschränkt, dass ihm als Soldat eingeprügelt wurde, dass es keinen Spielraum für eigene Gefühle lässt. Hier hätte ich mir mehr Wandlung in seinem Charakter gewünscht, mehr Zugänglichkeit, damit man auch etwas für ihn empfinden kann. Ich möchte noch mehr Lichtblicke in seinem Wesen finden, als die klitzekleinen, die er uns bisher gewährt hat.
Ich hoffe darauf, dass er im weiteren Verlauf aus sich heraus kommt.

Insgesamt war «Das Schwert der Totengöttin» ein toller Auftakt, der noch viel mehr verspricht.

Fazit: Dunkelheit, Magie, Tote, Kämpfe, Misstrauen - Das alles und noch mehr erwartet einen, wenn man «Das Schwert der Totengöttin» aufschlägt und anfängt zu lesen. Es ist atmosphärisch, düster und blutig. Eine Geschichte zwischen den Toten und den Lebenden.

Veröffentlicht am 09.09.2019

Manchmal lohnt es sich dran zu bleiben!

Der Herzschlag der Steine
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Ich muss gestehen: Das Buch liegt schon eine längere Zeit bei mir. Als ich es das erste Mal in den Händen hielt und aufschlug, freute ich mich auf eine Familiengeschichte mit Geheimnissen, auf einer wunderschönen ...

Ich muss gestehen: Das Buch liegt schon eine längere Zeit bei mir. Als ich es das erste Mal in den Händen hielt und aufschlug, freute ich mich auf eine Familiengeschichte mit Geheimnissen, auf einer wunderschönen Insel.
Mein erster Eindruck reichte von Verwirrung, über Unglauben, zu noch mehr Verwirrung. Bis ich mich am Kopf kratze und fragte, was um Himmels Willen das für eine Geschichte sein sollte. Die Sprache war geschwollen, der Anfang voller Mystik und Hokus-Pokus und ganz anders als alles, was ich erwartet hatte.

Aber ich habe der Geschichte eine zweite Chance gegeben. Dieses Mal ging ich ohne Erwartungen an das Buch, habe den mystischen Teil hingenommen und mich immer weiter rein gelesen.
Manchmal lohnt es sich dran zu bleiben. Wirklich.
Denn ich habe eine Handlung bekommen, die mich überrascht hat! Auch eine Familiengeschichte, Geheimnisse und eine wunderschöne Landschaft durfte ich genießen.

Isabel Morland umschreibt die Insel, als würde man an ihrer Seite hindurch reisen. Jeder Grashalm im Wind, jedes Pferdegewieher, jeder Sonnenaufgang verankert sich im Kopf. Dabei verliert sie sich des öfteren in den Beschreibungen. Man sollte also keine Probleme mit einer großartigen Landschaft haben und eine Schwäche für die raue Schönheit Schottlands. Denn die Autorin hat definitiv ihr Herz dort verloren.

Gerade deshalb streicht die Geschichte ruhig über einen hinweg. Die Atmosphäre ist mal still oder stürmisch, dann sanft und liebkosend, manchmal düster und schaurig. Immer mit viel Gefühl, als würde der Wind über die eigenen Arme streichen. Überall spürte man die unbändige Natur.

Natürlich spielt auch die Liebe eine Rolle, denn sie bringt die ganze Handlung erst ins Rollen. Dabei spreche ich nicht nur von der Liebe zu Mann und Frau. Sondern von der Liebe zur Natur, zur Insel, zur Familie und sich selbst.

Ailsa ist eine starke, unabhängige Frau, die schon im jungen Alter die Natur gegen Hochhäuser tauschte und nun wieder zurück ist. Dabei haftet ihr immer etwas Städtisches an. Sie verschließt sich der Insel, als würde sie ihr etwas Böses wollen und kann den Tag nicht erwarten, wenn sie abreist.
Doch gerade da muss Ailsa feststellen, dass sie der Vergangenheit nicht ewig davonlaufen kann und es Dinge gibt, die ihr keine Ruhe lassen. Zu sehr drängen sich ihr Geheimnisse entgegen.

«Der Herzschlag der Steine» ist eine wunderschöne Geschichte über das Leben und wie eine Entscheidung im falschen Moment alles verändern kann.
Sie handelt von der Vergangenheit und Zukunft, von Zorn, Vergebung und unerfüllten Träumen. Aber auch von neuen Chancen, den Platz im Leben zu finden. Es geht dabei um Heimat, den Ursprung seiner eigenen Wurzeln zu kennen und ob man diese annehmen will.
Dazwischen warten jede Menge Abenteuer, Rückschläge, Chancen und Liebe.

Obwohl die Sprache in den Beschreibungen sehr geschwollen war, konnte sie mich doch überzeugen. Die Geschichte liest sich leicht und locker, ist mystisch angehaucht und verbirgt so manches Familiengeheimnis. Es ist durchgehend spannend und bringt so manche Überraschungen mit denen ich nicht gerechnet habe.
Das Flair der Insel und die Ausflüge zu verschiedenen Orten waren sehr faszinierend. Manchmal etwas ausschweifend verlor sich die Autorin in den Details, was mir persönlich zu viel des Guten war.
Ansonsten habe ich das Buch gerne gelesen, auch wenn ich zwei Anläufe und jede Menge Mut brauchte.

Fazit: Trotz Anfangsschwierigkeiten hat mich «Der Herzschlag der Steine» überrascht. Es ist eine Geschichte über die Familie, das Verzeihen und die Mystik der Insel. Auf der Reise erlag ich dem Charme Schottlands, der unbändigen Natur und ihrer Wirkung und den eigensinnigen Charakteren. Die Insel hat eine ganz eigene Art: störrisch, stur, unnachgiebig. Wie die Menschen auf ihr.

Veröffentlicht am 09.09.2019

Ein eindrucksvolles Buch mit jeder Menge Hass, Wut und Rachegelüsten!

Eine wie wir
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Wow. Ich habe dieses Buch zugeschlagen und war überwältigt von Gefühlen.
Dieser Hass, der einem von jeder Seite entgegen sprüht, ist nicht leicht zu verdauen und hat auch an mir geknabbert.

Die Handlung ...

Wow. Ich habe dieses Buch zugeschlagen und war überwältigt von Gefühlen.
Dieser Hass, der einem von jeder Seite entgegen sprüht, ist nicht leicht zu verdauen und hat auch an mir geknabbert.

Die Handlung beginnt ziemlich eindringlich und schockierend. Die Fassade der Mädchen bröckelt auf und keine weiß, ob sie der anderen vertrauen kann. Haben sie sich je vertraut? Wissen sie alles voneinander? Wie lauten ihre dunkelsten Geheimnisse?
Und die dringlichste Frage: Wer ist das Mädchen, dass sich umbrachte, um ihnen die Schuld daran zu geben?

Die Oberflächlichkeit ihrer Beziehung wird Kay mehr denn je bewusst, als es darum geht zueinander zu halten und sich zu stützen. Aber jemand funkt ihnen dazwischen und Kay ist gezwungen jede ihrer Freundinnen bloßzustellen.

Damit kommt die Kehrtwende und plötzlich wird die Mobberin zur Gemobbten. Ein Gefühl, dass nicht nur für Kay komisch und befremdlich war, sondern auch für mich als Leserin. Ich habe hautnah erlebt in welcher Krise sie steckt und was für ein Gefühlschaos die ganze Situation in ihr hervorruft.

Auch wenn es komisch klingt und ich anscheinend die Einzige bin, aber: ich hatte Mitleid!
Kay ist kein guter Mensch gewesen über die Zeit, sie hat sich über andere lustig gemacht, war abfällig und gehässig und hat andere ausgeschlossen. Sie hat einiges gemacht, das man ihr nicht verzeihen würde und trotzdem tat sie mir leid.

«Ich werde gemobbt», erzählte ich ihr. «Kann ich Anzeige erstatten oder so was in der Art?»
Sie schwieg eine Weile. «Um ehrlich zu sein, Kay, es gab so viele Mobbinganzeigen gegen dich im Laufe der Jahre, dass ich nicht weiß, ob ich etwas dagegen unternehmen will.»
Damit legte sie auf.

Dieser Absatz hat mich dermaßen schockiert, dass ich erst einmal durchatmen musste.

In dem Moment, wo sie selbst zur Gemobbten wurde, waren die anderen nicht besser als sie.
Der Hass der ihr entgegen sprühte hat mich die Seiten mulmig umschlagen lassen. Und ich habe festgestellt, dass es im echten Leben außerhalb des Buches genauso viel Hass gibt.
Deswegen war es heftig zu sehen, wie eine Geschichte derart eskalieren kann.

Ich weiß nicht, wie meine Reaktion gewesen wäre. Auf wessen Seite ich gestanden und was ich in der Situation getan hätte. Wäre ich auf Kay zugegangen, wenn sie mich seit Jahren schikanierte oder hätte ich sie ignoriert? Wäre ich dazwischen gegangen und hätte sie verteidigt oder hätte ich weggeschaut?
Fragen mit denen man sich beschäftigt und vor Augen geführt bekommt.

Die Autorin hat ein großartiges und eindrucksvolles Werk erschaffen. Aber ich glaube, dass es noch besser hätte werden können. Im letzten Drittel flacht die Handlung ab und ich habe nicht mehr diese elektrisierende Spannung verspürt, die bis zur Mitte des Buches vorhanden war.
Es passiert einfach kaum etwas. Dabei hätte gerade Kay noch eine Entwicklung durchmachen können, die mehr hergibt, als darauf zu warten, dass etwas geschieht. Denn genau so fühlte es sich beim Lesen an. Ich habe darauf gewartet, dass es noch einen Knall gibt, dass die Sicherungen rausfliegen, irgendwas! Das kam jedoch viel später als erwartet und dazwischen war … nichts.

Das Ende zieht nochmal die Stimmung aus der Leere heraus und es gibt eine Wendung, die ich spannend und ziemlich gruselig fand.

Fazit: Eine wie wir ist eine beängstigende Geschichte, in der es um eine Mobberin geht, die selbst zur Gemobbten wird. Der Hass, der mir hier entgegen sprühte, die Hilflosigkeit und Angst, hat in mir selbst einen Sturm an Gefühlen hinterlassen. Ein eindrucksvolles Buch, das uns vor Augen führt, wie wenig es bedarf, um auf der anderen Seite zu stehen.