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Veröffentlicht am 13.03.2025

Malerischer Roman um Musik und Ehrgeiz im spätbarocken Venedig

Die Melodie der Lagune
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Venedig Anfang des 18. Jahrhundert: Anna Maria ist eine von unzähligen Waisen, die als Säuglinge im Ospedale della Pietà abgegeben wurden. Doch dieses Waisenhaus ist eine der größten Musikschulen der Stadt ...

Venedig Anfang des 18. Jahrhundert: Anna Maria ist eine von unzähligen Waisen, die als Säuglinge im Ospedale della Pietà abgegeben wurden. Doch dieses Waisenhaus ist eine der größten Musikschulen der Stadt und beherbergt ein europaweit bekanntes Mädchen-Orchester. Anna Maria will Mitglied dort werden. Als Synästhetiker, für die Farben und Töne untrennbar miteinander verbunden sind, übertrifft sie zusammen mit ihrem ehrgeizigen Üben bald die anderen Mädchen. Doch das bloße Spielen fremder Kompositionen ist ihr nicht genug, sie will eigene Musikstücke schaffen und weltberühmt werden. Zwischen Konkurrenz mit anderen Musikerinnen, Konkurrenz mit dem Lehrer Vivaldi und den Restriktionen ihrer Zeit versucht sie, ihren Weg zu bahnen.
Die musikalisch-farblichen Beschreibungen des Romans sind ein Wunder. Sie spiegeln auf malerische Weise die Begeisterung der jungen Protagonistin, die der Leser von Geburt bis in ihre frühen 20er begleitet. Neben der Opulenz und den schöngeistigen Künsten Venedigs werden auch die Schattenseiten der Stadt gezeigt: Armut, Prostitution und ungewollte Neugeborene, die wie Abfall behandelt werden. Auch das Waisenhaus selbst ist voller Missstände. Alle Mädchen, die nicht dem Orchester angehören, sind Personen zweiter Klasse. Konkurrenz und Missgunst wird nährreicher Boden geschaffen. Als Leser sieht man Aspekte und Andeutungen, die der Protagonistin aufgrund ihres jungen Alters zunächst entgehen. Man merkt beim Lesen, wie sie älter und ihr Verstand schärfer wird. Gut gefallen hat mir, dass Anna Maria Fehler macht, deren Konsequenzen sie nicht immer wiedergutmachen kann. Auch ihr Ehrgeiz und Selbstbewusstsein ist erfrischend zu lesen und bringen sie in Konflikt mit dem Frauenbild ihrer Zeit.
Inwieweit die Darstellung von Vivaldi zutrifft, kann ich nicht sagen. Doch es sind tatsächlich Quellen erhalten, aus denen hervorgeht, dass Vivaldi seine Schülerinnen an Stücken von ihm hat komponieren lassen und Werke der Mädchen als seine eigenen ausgab. Wieder einmal eine bittere Erinnerung, dass das Fehlen kultureller Werke von Frauenhand durch Männer geschaffen wurde.
Alles in allem ein großartig bildhafter historischer Roman, den man allen Musikliebhabern ans Herz legen kann.

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Veröffentlicht am 22.02.2025

Perfekt für alle Fans der Serie

Willkommen in Gravity Falls - Verschollene Legenden
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Nach langer, langer Zeit gibt es endlich wieder Neues aus Gravity Falls! In vier kurzen Geschichten, die zu verstehen man die zwei Staffeln der Serie gesehen haben muss, erhalten wir neue, tiefere Einblicke ...

Nach langer, langer Zeit gibt es endlich wieder Neues aus Gravity Falls! In vier kurzen Geschichten, die zu verstehen man die zwei Staffeln der Serie gesehen haben muss, erhalten wir neue, tiefere Einblicke in das Leben der Pines. Besonders Mabel und Pacifica bekommen Raum, um ihre Charaktere scheinen zu lassen. Es trifft genau den Stil der Serie, sowohl was die Zeichnung als auch Humor, Absurdität und liebevolle Details angeht. Und Spannung kommt natürlich auch nicht zu kurz. Man merkt, dass die Ideen und Handlungen direkt vom Schöpfer der Serie stammen, es hätten allesamt ebenso Folgen der zweiten Staffel sein können.
Minimale Kritik: Im Vergleich mit der englischen Ausgabe fällt auf, dass teils seltsame Übersetzungen gewählt wurden. Ich würde Fans, die beide Sprachen beherrschen, die englische Version empfehlen. Aber wie gesagt, diese Feinheit ist erst im direkten Vergleich bemerkbar und ich weiß nicht, ob irgendjemand außer mir überhaupt die beiden Ausgaben miteinander abgleicht.
Alles in allem: Shembulock.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Temporeiche Krimikomödie

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Mit Wir finden Mörder beginnt Richard Osman eine neue Krimireihe. Man erkennt den angenehmen, von typisch englisch-trockenem Humor durchzogenen Schreibstil Osmans gleich wieder. Doch anders als im Donnerstagsmordclub ...

Mit Wir finden Mörder beginnt Richard Osman eine neue Krimireihe. Man erkennt den angenehmen, von typisch englisch-trockenem Humor durchzogenen Schreibstil Osmans gleich wieder. Doch anders als im Donnerstagsmordclub ist die Sprache dynamischer und durch das andere Umfeld mit moderneren Aspekten durchsetzt. Durch viele, kurze Kapitel und Perspektivwechsel wird Spannung und Tempo aufgebaut. Stilistisch ist der Roman am ehesten eine actionreiche Krimikomödie, Fans von Blut sind hier fehl am Platz, aber auch Leute, die nur ein Buch zum runterlesen suchen werden hier nicht fündig. Die ermittelnden Protagonisten sind Steve, ein Ex-Bulle der in einem kleinen Kaff vor sich hin pensioniert und gleichzeitig immer Mal wieder kleine Detektivfälle löst, und Amy, die im Personenschutz tätig ist. Amy ist Steves Schwiegertochter und in ihrem Umfeld kommt es zu Todesfällen. Wenn ich mich für eine Figur entscheiden müsste, so wäre mein Lieblingscharakter Amys Schützling Rosie, eine Frau unbestimmten Alters mit herrlich exzentrischem Auftreten und bissigen Sprüchen.
Handlungsmäßig bekommen wir es mit einer Schnitzeljagd um die Welt zu tuen. Neben Spannung ist vor allem die Konstellation der Figuren wie bei Richard Osman typisch ein Highlight. Die Figuren sind gut geschrieben, gleichzeitig merkt man, dass noch Entwicklungspotenzial besteht: innerhalb der Figuren untereinander und hin zum Leser durch angedeutete Backstories.
Alles in allem ein schöner, vielschichtiger und in sich schlüssiger Band, der Lust auf den nächsten Teil macht. Empfehlung an alle Krimifans.

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Veröffentlicht am 22.11.2024

Wenn Wut Flügel verleiht

When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
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Amerika 1955: Landesweit verwandeln sich über eine halbe Million Frauen in Drachen. Die Protagonistin Alex erlebt dies als Kind mit und durch ihre Augen verfolgen wir, wie die Gesellschaft versucht, mit ...

Amerika 1955: Landesweit verwandeln sich über eine halbe Million Frauen in Drachen. Die Protagonistin Alex erlebt dies als Kind mit und durch ihre Augen verfolgen wir, wie die Gesellschaft versucht, mit diesem Phänomen umzugehen, indem sie es schlichtweg ignoriert. Angst, Ignoranz und Unterdrückung – und mittendrin ein Mädchen, dem viel zu früh zu viel Verantwortung aufgehalst wird.
Der Schreibstil ist mitreißend und ermöglicht ein schnelles, problemloses eintauchen in die Handlung und ein alternatives 20. Jahrhundert, in dem die Grenze zwischen Magie und Realität verschwimmt. Im Vordergrund steht die Situation der Frauen im Amerika der 1950er und 1960er. Vorbei ist der Krieg, in dem Frauen Männerrollen übernahmen. In der neuen Gegenwart sollen sie Mütter und Hausfrauen sein. Weibliche Wut durchzieht den gesamten Roman, doch der Feminismus bleibt sehr bürgerlich, oberflächlich. Kelly Barnhill beschreibt Alex‘ Gefühl der Einsamkeit, der Ausgegrenztheit von anderen Mädchen sehr anschaulich und berührend, ebenso wie sie negative, unterdrückende Verhaltensweise von ihrer Mutter übernimmt und selbst anwendet. Es ist interessant zu beobachten, wie sie mal den gesellschaftlichen Konventionen folgt und sich dann wieder gegen sie wendet. Alex ist durchaus eine sympathische Figur, doch ich persönlich hätte mir von ihr mehr Eigeninitiative gewünscht. Entweder, dass sie etwas mit ihrer Wut tut oder den Kreislauf ihres Verhaltens selbst durchbricht. Aber ihr Wendepunkt besteht nur darin, dass sie die Hilfe akzeptiert, die ihr wieder und wieder angeboten wurde. Und ja, viele ihrer Probleme wären geringer oder gelöst, wenn sie dies früher getan hätte. Der Zusammenhalt von Frauen ist die große Antwort des Romans und neben Wut befreit die Kernbotschaft, die überdeutlich vermittelt wird.
Viele spannende Aspekte wie die Knotenmagie oder wie genau die neuen, freien Leben der Drachinnen aussehen bleiben vage. Stattdessen bleiben die Drachinnen nach ihrer Wandlung relativ zahm, erst gegen Ende der Handlung wird Potenzial für gesellschaftliche Veränderung angedeutet. Einen seltsamen Beigeschmack hat bei mir der Umstand hinterlassen, dass die amerikanischen Drachinnen sich, ganz wie ihre menschlichen Landsleute, in die Politik anderer Nationen einmischen.
Das Ende kam für mich etwas zu schnell, war aber durchaus stimmig.
Alles in allem eine nette Fantasygeschichte mit leicht feministischem Anstrich, perfekt zum Unterhalten, aber ohne scharfe Zähne.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Das typische Chaos eines Familienurlaubs

Gregs Tagebuch 19 - So ein Schlamassel!
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Gregs Tagebuch geht mit „So ein Schlamassel“ in die 19. Runde und bringt wie immer zum Lachen und Schmunzeln. Wie alle Bände kann man ihn ohne Vorwissen der anderen lesen. Aber natürlich hat man mehr Spaß ...

Gregs Tagebuch geht mit „So ein Schlamassel“ in die 19. Runde und bringt wie immer zum Lachen und Schmunzeln. Wie alle Bände kann man ihn ohne Vorwissen der anderen lesen. Aber natürlich hat man mehr Spaß daran, wenn man sie kennt und nun hier bekannte Figuren wiedertrifft. In diesem Teil reist Gregs Familie mit der gesamten mütterlichen Verwandtschaft auf Wunsch der Oma gemeinsam in den Urlaub auf die Insel Knitterfels. Tanten, Cousins, Onkel und Hundeinfluencerin Diva – alle teilen sich einen Sommer lang ein kleines Haus und reißen sich für geplante Ausflüge mehr oder weniger zusammen. Und Greg? Der will eigentlich nur in aller Ruhe in einem schönen Restaurant essen.
Die Zeichnungen sind wie immer witzig und mit liebevollen Details versehen, Greg hat wunderbar unterhaltsame Gedanken und im Laufe der Handlung geht natürlich einiges drunter und drüber. Es ist einfach eine humorvolle, leichte Lektüre die jedes Mal viel zu schnell zu Ende ist.
Alles in allem besonders lesescheuen Personen zu empfehlen.

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