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Veröffentlicht am 15.07.2021

Gemütliche Sommerlektüre

Die Frau im Park
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„Die Frau im Park“ von Ella Janek ist am 01.07.2021 im Knaur Verlag erschienen. Es handelt von Eva. Sie kümmert sich seit einem schweren Autounfall voll und ganz um ihre Tochter, die seitdem im Rollstuhl ...

„Die Frau im Park“ von Ella Janek ist am 01.07.2021 im Knaur Verlag erschienen. Es handelt von Eva. Sie kümmert sich seit einem schweren Autounfall voll und ganz um ihre Tochter, die seitdem im Rollstuhl sitzt. Doch kurz vor ihrem 50. Geburtstag verkündet Alisa, dass sie ausziehen wird. Eva weiß zunächst nichts mit sich anzufangen und auch ihre Ehe hat schon bessere Zeiten gesehen. Sie begibt sich auf lange Spaziergänge in den Park, in den sie früher immer mit ihrer Tochter gegangen ist. Dort trifft sie zunächst immer wieder zufällig auf den Sportlehrer Ben. Mit ihm spricht sie über ihre Wünsche und ihren Traum wieder in ihren ehemaligen Beruf als Schauspielerin einzusteigen.
Das Cover ist wirklich passen gestaltet. Es gefällt mir gut! Leider kann ich das vom Schreibstil der Autorin nicht behaupten. Bis zum Ende des Buches konnte ich damit nicht warm werden. Die Gespräche zwischen den Protagonisten kamen mir oft abgehakt vor. Und ständig wurden die Namen am Satzende verwendet. „Hallo, Eva.“, „Hallo, Johannes.“; „Gute Nacht, Eva.“, „Gute Nacht, Johannes.“. Die Erzählperspektive vermittelt eine gewisse Distanz. Ich könnte mir die Geschichte auch sehr gut aus der 1. Person vorstellen.
Auch wenn ich noch eine Weile hin habe bis zu meinem 50., so kann ich mir Evas Gefühlslage doch sehr gut vorstellen. Schon vor dem Unfall war sie diejenige, die sich hauptsächlich um die Tochter gekümmert hat. Sie hat ihre Karriere als Schauspielerin hintenangestellt, nicht zuletzt, weil ihr Mann ein erfolgreiches Unternehmen leitet. Dieser Umstand führte seit jeher zu Unstimmigkeiten in der Ehe. Mit dem Unfall hat sich Eva nur noch um Alisa gekümmert. Beruf und Liebesleben blieben dabei vollkommen auf der Strecke.
Nachdem ihre Tochter ausgezogen ist, ist Eva zunächst verzweifelt, da sie nicht weiß wie sie ihre Tage füllen soll. Ihr Mann und ihre beste Freundin versuchen ihr verschiedene (gutgemeinte) Beschäftigungen aufs Auge zu drücken. Sie ist davon jedoch überhaupt nicht begeistert, was immer wieder zu kleinen Auseinandersetzungen führt. Sie begibt sich auf Spaziergängen in den Park und schafft es mithilfe von Ben sich darüber klar zu werden, was sie im Leben noch erreichen möchte.
Um nicht zu viel vorweg zu nehmen, springe ich an diesem Punkt direkt zu meinem Fazit. Die Protagonistin befindet sich in einer Art Midlifecrisis. Ihre Tochter zieht aus und mit ihrem Mann hat sie schon lange kaum noch gemeinsame Interessen. Das hauptsächliche Problem liegt hierbei in der fehlenden Kommunikation miteinander. Vor allem Eva hängt sich oft an ihren eigenen Vermutungen auf. Das Buch ist eine eher ruhigere Geschichte. Dennoch hat mich ihr Fortgang interessiert. Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich vermutlich nicht ganz der Zielgruppe entspreche und mir das Buch deswegen nicht so gut gefallen hat.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.07.2021

Anders als erwartet

A Different Blue
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„A different Blue“ von Amy Harmon handelt von der 19-jährigen Blue Echohawk. Sie ist die typische Einzelgängerin, die sich durch ihr auffälliges Äußeres und aufmüpfiges Verhalten in der Schule ihre Mitschüler ...

„A different Blue“ von Amy Harmon handelt von der 19-jährigen Blue Echohawk. Sie ist die typische Einzelgängerin, die sich durch ihr auffälliges Äußeres und aufmüpfiges Verhalten in der Schule ihre Mitschüler und Lehrer auf Distanz hält. Dies ändert sich jedoch, als sie in ihrem letzten Schuljahr einen neuen Lehrer bekommt.
Das Buch ist am 25.06.2021 im LYX Verlag erschienen. Es handelt sich hierbei um eine Neuauflage von „Für immer Blue“, das bereits 2015 bei Ink Press erschienen ist.
Meiner Meinung nach wird der Klappentext dem Buch in keiner Weise gerecht. Deswegen wird meine Rezension auch deutlich kürzer ausfallen als normalerweise. Ich möchte den Lesern nichts vorwegnehmen. Ich kann nur deutlich sagen, dass es sich in „A different Blue“ um viel mehr als nur eine klassische Beziehung zwischen Schülerin und Lehrer handelt!
Mir hat der Schreibstil der Autorin von Beginn an sehr gut gefallen. Man findet schnell in die Geschichte hinein und durch Blues „Tagträume“ erfährt man auch immer mehr über ihre Vergangenheit. Zumindest über den Teil, der ihr bekannt ist, da sie mit ca. zwei Jahren von ihrer Mutter verlassen wurde. Dieser Umstand belastet sie sehr und ihr größter Wunsch ist es, herauszufinden, wer sie ist.
Ich fand es sehr schade, dass die Beziehung zwischen Blue und ihrem vermutlich einzigen Freund so wenig thematisiert wurde. Hier hatte ich mich am Anfang sehr darauf gefreut. Dafür hat es mir umso besser gefallen, dass Darcy ihr eine neue Welt gezeigt hat. Und ihr immer wieder vor Augen geführt hat, was in ihr steckt. Die Beziehung der beiden entwickelt sich sehr langsam und ist natürlich von einigen Auf und Ab geprägt. Das gehört für mich aber auf jeden Fall dazu!
Mir hat „A different Blue“ sehr gut gefallen! Die Geschichte entwickelt sich in eine völlig andere Richtung als der Klappentext vermuten lässt. Das wäre auch der einzige negative Punkt, den ich ansprechen würde. Abgesehen davon, kann ich das Buch absolut jedem empfehlen!

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Veröffentlicht am 09.06.2021

Ein Blick hinter die Kulissen

Tage mit Gatsby
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In „Tage mit Gatsby“ lässt Zelda die Leser an dem Sommer teilhaben, in dem „Der große Gatsby“ entstanden ist. Sie erzählt von Partys, ihrer Ehe mit F. Scott Fitzgerald, ihrer Tochter und auch ihrer Affäre ...

In „Tage mit Gatsby“ lässt Zelda die Leser an dem Sommer teilhaben, in dem „Der große Gatsby“ entstanden ist. Sie erzählt von Partys, ihrer Ehe mit F. Scott Fitzgerald, ihrer Tochter und auch ihrer Affäre mit dem Piloten Édouard Jozan. Immer öfter fühlt sie sich von ihrem Mann alleingelassen und lediglich als Mutter und Ehefrau abgestempelt. Trotzdem bedient er sich für seine Bücher und Kurzgeschichten an ihren Ideen. Macht ihr aber immer wieder klar, dass sie als Frau keinen Erfolg als Schriftstellerin haben könnte.
Besonders am Anfang habe ich mir schwergetan, den vielen Zeitsprüngen zu folgen. Das Buch beginnt kurz vor der Abreise nach Südfrankreich. Man bekommt einen Einblick, wieso sich die junge Familie zu diesem Schritt entschieden hat. Zelda springt in ihren Erinnerungen jedoch auch immer wieder zurück zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrer Jugend, vergangene Partys und anderen Erlebnissen aus ihrer Vergangenheit. Für mich war es daher schwierig diese Erinnerungsfetzen in eine Reihenfolge zu bringen und so die Zusammenhänge richtig zu verstehen. Grundsätzlich konnte ich Zeiträume beim Lesen nur schwer einschätzen. Ein Beispiel hierfür ist die Zeit, die zwischen der Abreise und dem Einzug in die Villa liegt. Sie kam mir deutlich länger vor als fünf Wochen. Joséphine Nicolas verwendet immer wieder französische Wörter und Formulierungen. Das gibt der Geschichte nochmal mehr das Flair von Frankreich. Jedoch ist es für jemanden, der kein Französisch kann schwer zu verstehen, da nur selten eine Übersetzung dabei war.
Mir hat besonders gut gefallen, dass immer wieder Stellen beschrieben wurden, die mir aus „Der große Gatsby“ bekannt waren. Ich fand es auch sehr interessant, dass Fitzgerald so viele persönliche Erlebnisse und Personen in seine Geschichten integriert hat. Das wusste ich vorher nicht. Des Weiteren musste ich jedes Mal schmunzeln, wenn eine bekannte Persönlichkeit, wie Hemingway oder Picasso, auftauchten. Besonders hervorherben möchte ich auch noch, dass ich es sehr gut und auch wichtig finde, dass sich die Autorin anhand des tatsächlichen Schriftverkehres und Aufzeichnungen der Fitzgeralds orientiert hat und drum herum ihre Geschichte aufgebaut hat.
Im Großen und Ganzen war das Buch ein netter Zeitvertreib. Ich habe einiges über das Literatenpaar gelernt und wurde recht gut unterhalten. Ich hatte mir aufgrund des Klappentextes jedoch etwas mehr erhofft. Vor allem die für mich etwas verwirrenden Zeitsprünge und die meiner Meinung nach zu wenig ausgeführte Liaison von Zelda und Jozan haben mir nicht so gut gefallen. Auch hatte ich mir vom „Sommer der tausend Partys“ einfach mehr erhofft. Trotzdem hat mir das Buch insgesamt ganz gut gefallen, schon alleine, weil man dadurch einen Blick „hinter die Kulissen“ werfen konnte.

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  • Geschichte
Veröffentlicht am 08.06.2021

Nicht mein Geschmack

Blütenschatten
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In „Blütenschatten“ lässt die Künstlerin Eve ihr Leben Revue passieren. Das Buch spielt sowohl in der Gegenwart, in der die Protagonisten sich auf einem nächtlichen Spaziergang durch London befindet, als ...

In „Blütenschatten“ lässt die Künstlerin Eve ihr Leben Revue passieren. Das Buch spielt sowohl in der Gegenwart, in der die Protagonisten sich auf einem nächtlichen Spaziergang durch London befindet, als auch aus einzelnen Erinnerungen aus ihrem Leben. Sie blickt zurück auf ihre Studienzeit, ihre damaligen Freundinnen, ihre Ehe, ihre Tochter und ihre Karriere. Nichts scheint von Erfolg gekrönt und so möchte sie mit Anfang 60 mit einer Museumsretrospektive der Welt beweisen, dass sie es doch noch zu etwas bringen kann. Hierbei wird sie vor allem von ihrem deutlich jüngeren Liebhaber Luka unterstütz.
Ich habe mir besonders am Anfang mit dem Schreibstil der Autorin sehr schwergetan. Man merkt, dass sie sehr intelligent ist und eine anspruchsvolle Sprache verwendet. Hinzu kommen Fachbegriffe aus Botanik und Kunst. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich der Verfasser mit dem Thema seines Buches auseinandersetzt und dies auch an seine Leser weitergibt. Doch hier war es für mich als Laien oft schwer zu folgen. Auch die Zeitsprünge waren für mich teilweise etwas verwirrend. Ungefähr nach dem ersten Drittel hatte ich mich daran gewöhnt, dennoch fiel es mir auch weiterhin zuweilen nicht leicht einzuordnen, von welcher Zeit die Protagonisten gerade erzählt.
Während des Lesens habe ich immer wieder mit mir gehadert, ob ich mit einem der Protagonisten Mitgefühl empfinde. Doch nach Beenden des Buches kann ich sagen, dass mir ausnahmslos alle Personen, einschließlich Eve, unsympathisch waren. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass jeder das bekommen hat, was er verdient hat. Doch wie heißt es so schön: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es auch heraus“.
Ich bin mit der Geschichte leider überhaupt nicht warm geworden. Schon von Anfang an habe ich mir schwer damit getan hineinzufinden. Das hat sich auch im weiteren Verlauf nicht wesentlich gebessert. Womöglich gehöre ich auch als 28-Jährige einfach nicht zur Zielgruppe. Grundsätzlich verstehe ich die Idee von Annalena McAfee, wieso sie diese Geschichte genau so geschrieben hat. Der Grund, wieso mir das Buch nicht gefallen hat ist, glaube ich hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass ich mich mit den Protagonisten so wenig identifizieren konnte. Deshalb ist es mir schwergefallen, mich in sie hineinzuversetzen und ihre Handlungen nachzuvollziehen. Abschließend muss ich leider sagen, dass ich für „Blütenschatten“ keine Leseempfehlung aussprechen kann.

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Veröffentlicht am 02.06.2021

Der Mann hinter den Hauskonzerten

Hauskonzert
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In der Konzertsaison 2019/20 wird Igor Levit vom Journalisten Florian Zinnecker begleitet. Er möchte mehr über den so genannten Jahrhundertpianisten erfahren, der sich auch noch gegen Rassismus, Antisemitismus ...

In der Konzertsaison 2019/20 wird Igor Levit vom Journalisten Florian Zinnecker begleitet. Er möchte mehr über den so genannten Jahrhundertpianisten erfahren, der sich auch noch gegen Rassismus, Antisemitismus und Menschenhass jeglicher Art einsetzt. Ich möchte das hier bewusst so provokant formulieren, da das anscheinend die vorherrschende Meinung der Allgemeinheit darstellt. Das Buch lädt jedoch dazu ein hinter die Fassade des Musikers zu blicken und beschreibt den Menschen, der hinter den Konzerten, Preisen und Twitter Posts steht.

Florian Zinnecker hat es durch seinen Schreibstil geschafft, mich bereits ab dem ersten Satz von „Hauskonzert“, das am 19.04.2021 bei Hanser erschienen ist, mitzureißen. Es ist so angenehm zu lesen. Es fühlt sich an als würde man mit den beiden Männern am Tisch in diesem Café sitzen. Die Kombination aus langen, beschreibenden Sätzen und sehr kurzen. Manchmal nur ein oder zwei Worte. Grandios! Er erzählt sachlich und dennoch mit Witz. Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Obwohl ich noch nie etwas von Levit und Zinnecker gehört habe, sind mir die beiden so sympathisch und ich habe bereits nach den ersten Seiten das Gefühl, sie lange zu kennen.

Die Art wie der Autor die Musik beschreibt ist atemberaubend. Ich hatte Gänsehaut. Und das, obwohl ich, im Normalfall wenig mit klassischer Musik anfangen kann. Während dem Lesen saß ich mit im Großen Saal der Elbphilharmonie und konnte die Musik förmlich hören! Lediglich mit den häufigen Zeitsprünge, bei denen mir manchmal nicht klar war, wo man sich gerade befindet, und den vielen Personen, die oft nur beiläufig vorgestellt werden, habe ich mir manchmal etwas schwergetan.

Igor Levits Reise ist natürlich beeindruckend. Das wird einem vor allem auf den ersten Seiten gezeigt. Und dennoch wird auch hier schon angedeutet, dass mehr dahintersteckt. Dass auch das Leben eines Weltklassepianisten nicht nur aus Höhen besteht. Dass auch er sich Gedanken darüber macht, wer er eigentlich ist und was er tun soll. Er ist sehr selbstkritisch, nie mit sich zufrieden und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Mir hat besonders die gelungene Komposition von Igor dem Pianisten und Igor dem Aktivisten gefallen. Denn auch als Jahrhundertpianist ist er einfach nur ein Mensch. Eben dies hebt er auch immer wieder hervor. Er ist weder ein Pianist, der sich für Politik interessiert, noch ein Aktivist, der zufällig auch sehr gut Klavier spielen kann. Beides ist tief in ihm verankert, es macht ihn aus.

Mit Begeisterung habe ich “Hauskonzert” gelesen. Florian Zinnecker schafft es, auf zugleich ernste und dennoch humorvolle Art und Weise, den Leser einen Blick hinter die Fassade von Igor Levit werfen zu lassen. Wenn es bis dahin noch nicht geschehen ist, möchte man sich unverzüglich seine Musik und vor allem seine Hauskonzerte anhören. Das Buch erzählt die Geschichte eines Jungen, der sich nie hat unterkriegen lassen, der nie mit sich zufrieden war und es auch noch nicht ist. Ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht!

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