Ein Hexeninternat voller Geheimnisse
Bearbind Lyceum - ThildaGegen ihren Willen und ohne Vorwarnung wird die 16-jährige Thilda auf ein Internat geschickt, und zwar ausgerechnet auf das Bearbind Lyceum, das bereits ihre Stiefmutter besucht hat. Schnell wird deutlich, ...
Gegen ihren Willen und ohne Vorwarnung wird die 16-jährige Thilda auf ein Internat geschickt, und zwar ausgerechnet auf das Bearbind Lyceum, das bereits ihre Stiefmutter besucht hat. Schnell wird deutlich, dass es sich dabei nicht um eine gewöhnliche Schule handelt, sondern um eine Ausbildungsstätte für Hexen. Statt eines herzlichen Empfangs erwarten Thilda offene Ablehnung und gezielte Schikanen seitens ihrer Mitschülerinnen. Als im Zuge eines dunklen Rituals ein Dämon an sie gebunden wird und sich zudem ein Schutzgeist zu erkennen gibt, von dem sie bislang nichts wusste, wird klar, dass es weit mehr Gründe für ihren Aufenthalt gibt, als sie zunächst vermutet hat.
Der Einstieg in die Geschichte ist sehr gelungen. Kaum ist man gemeinsam mit Thilda im Internat angekommen, spürt man die bedrückende Stimmung und die unterschwellige Feindseligkeit deutlich. Gerade der unfreundliche Empfang und die angespannte Situation unter den Mitschülerinnen haben bei mir sofort Neugier geweckt, wie sich diese Dynamik weiterentwickeln wird. Im weiteren Verlauf rückt die anfängliche Düsternis jedoch zunehmend in den Hintergrund und der Fokus liegt stärker auf Thildas Alltag im Internat sowie auf den unterschiedlichen Gruppierungen und deren Schikanen gegenüber Thilda. Das sorgt einerseits für mehr Orientierung innerhalb der Welt, andererseits hatte ich stellenweise das Gefühl, dass sich die Handlung dadurch etwas in die Länge zieht. Die Entwicklungen rund um Thildas Kräfte und deren Erweckung sind grundsätzlich spannend angelegt, aber es war auch abzusehen dass diese nicht unbemerkt bleiben werden. Weniger überzeugen konnte mich hingegen ihre persönliche Entwicklung. Zwar erfährt sie viel über die magische Welt und ihre eigenen Fähigkeiten, doch in ihrem Handeln und im Umgang mit den Ereignissen wirkt sie am Ende kaum gefestigter als zu Beginn. Auch die Motive mancher Figuren bleiben für mich zu unklar. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht oder zumindest, dass einzelne Fragen im Verlauf der Geschichte aufgegriffen und teilweise aufgelöst werden. Das Ende kommt vergleichsweise schnell und lässt einige offene Fragezeichen zurück. Der Epilog an sich hat mir gut gefallen, wirkte jedoch etwas abrupt, fast so, als würde ein Zwischenschritt fehlen.
Insgesamt bietet die Geschichte eine interessante Grundidee, ein stimmiges Setting und einige spannende Ansätze rund um das düstere Internat für junge Hexen. Dennoch konnten mich die fehlende Tiefe in der Figurenentwicklung sowie die vielen offenen Fragen nicht vollständig überzeugen.