Platzhalter für Profilbild

amena25

Lesejury Star
offline

amena25 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit amena25 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2021

Der schwierige Weg ins Erwachsenenleben

Hard Land
0

Der Roman spielt zwar in Missouri, könnte meiner Meinung nach aber ebenso in einer deutschen Kleinstadt spielen.
Im Sommer 1985 nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Für ...

Der Roman spielt zwar in Missouri, könnte meiner Meinung nach aber ebenso in einer deutschen Kleinstadt spielen.
Im Sommer 1985 nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Für ihn, der ein unscheinbarer Außenseiter ist, wird dieser Job zum Glücksfall. Er findet in Kirstie, der Tochter des Kinobesitzers und deren Kumpels, allmählich richtige Freunde, verliebt sich und wird zunehmend selbstbewusster. Durch die Zeit mit seinen Freunden, die ihn zu Alkohol und gefährlichen Mutproben verleiten, ihn aber auch dazu bringen, Probleme auszusprechen und sich ihnen zu stellen, wird es ein ganz besonderer Sommer für Sam. So vergisst Sam auch hin und wieder die unheilbare Krankheit seiner Mutter und das Schweigen seines Vaters.
Die Geschichte ist an sich eine mehr oder weniger typische Geschichte des Erwachsenwerdens, die sowohl Erwachsene als auch ältere Jugendliche lesen können. Allerdings erzählt Wells sie auf besondere und sehr berührende Weise. Sams Geschichte geht zu Herzen, Tragik und Komik halten sich dennoch die Waage. Sprachlich ist der Roman ein wahrer Genuss. Poetische Wortschöpfungen wie Euphancholia bezeichnen treffend die Grundstimmung des Romans. Allerdings kann ich mit dem Ende des Romans wenig anfangen. Hier wird es vorhersehbar und kitschig, was mich im Vergleich zum restlichen Roman etwas enttäuscht zurücklässt.

Veröffentlicht am 13.03.2021

Undercover

Der andere Sohn
0


John Adderley ist FBI-Agent, der undercover in ein nigerianisches Drogenkartell in Baltimore eingeschleust wurde. Als er aufzufliegen droht, müssen er und ein Kollege fliehen und sich eine neue Identität ...


John Adderley ist FBI-Agent, der undercover in ein nigerianisches Drogenkartell in Baltimore eingeschleust wurde. Als er aufzufliegen droht, müssen er und ein Kollege fliehen und sich eine neue Identität zulegen. Für John Adderley, der weder Frau noch Kinder hat, ist dies kein größeres Problem. Allerdings hat er noch Familie in Schweden. Seine Mutter und sein Halbbruder Billy leben dort, doch John hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihnen, nachdem der Vater vor Jahren die Familie mit ihm zusammen in Richtung USA verlassen hatte. Und John Adderley will nach Schweden, zu seinen Wurzeln in der schwedischen Kleinstadt Karlstad zurückkehren. Zwar ist dies ein äußerst gefährliches Unterfangen, da John Vergeltungsaktionen des Drogenkartells befürchten muss und seine alte Heimat damit keinesfalls ein sicherer Ort für ihn ist. Doch er hat auch eine alte Schuld zu begleichen. Vor zehn Jahren verschwand in Karlstad eine junge Frau spurlos. Ihre Leiche blieb verschollen, aber Billy, Johns Halbbruder, wurde als Täter verdächtigt. Zwar konnte Billy die Tat nie bewiesen werden und er beteuerte immer seine Unschuld, doch sein Leben in der Kleinstadt wurde zur Hölle. Nun soll der Cold Case neu aufgerollt werden und John Adderley wird Teil des Ermittlerteams.
Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt: 2019, als John Adderley nach Schweden zurückkehrt und sich seiner Vergangenheit stellt, und 2009, als die junge Emelie verschwand, die sich nach einer rebellischen Phase mit Drogenproblemen offenbar in eine brave und strebsame BWL-Studentin verwandelt hatte.
Die Spannung wird langsam aufgebaut, da man als Leser nach und nach einzelne Puzzlestückchen sowohl aus dem Leben Emelies und deren Eltern als auch aus Johns Leben und das seiner Eltern und seines Halbbruders erfährt. Doch dadurch steigert sich für mich auch das Lesevergnügen, da es nicht so sehr um Action geht, sondern eher um die Handlungsmotive der einzelnen Figuren und da man immer wieder auf falsche Fährten geführt wird.
Am Ende ist der Fall um Emelie geklärt, doch für John Adderley wird es, in einem anderen Land und einer anderen Stadt, weitergehen! Man darf auf den nächsten Band sehr gespannt sein!

Veröffentlicht am 09.03.2021

Nora neben der Spur

Das Grab in den Schären
0

Auch in diesem 10. Fall der Sandhamn-Reihe spielt der Schärengarten eine Hauptrolle. Die Insel-Landschaft präsentiert sich aber nicht nur als idyllische Hintergrundkulisse, sondern auch Ort des Verbrechens.
Als ...

Auch in diesem 10. Fall der Sandhamn-Reihe spielt der Schärengarten eine Hauptrolle. Die Insel-Landschaft präsentiert sich aber nicht nur als idyllische Hintergrundkulisse, sondern auch Ort des Verbrechens.
Als auf Telegrafholmen, einer Insel gegenüber von Sandhamn, gebaut wird, werden bei Sprengarbeiten menschliche Knochen gefunden. Durch die Sprengung sind diese Teile aber so klein, dass es längere Zeit dauert, bis sich zweifelsfrei feststeht, ob die Skelettüberreste zu einem Mann oder zu einer Frau gehören. Dadurch wird auch die Arbeit von Thomas Andreasson und seinem Kollegen Aram massiv erschwert.
Nach der Überprüfung der Vermisstenakten konzentrieren die Ermittlungen sich auf zwei Frauen: die 17-jährige Astrid und die 35-jährige Siri, die beide vor 10 Jahren fast zur gleichen Zeit verschwunden sind.
Nora Linde, Thomas Jugendfreundin, die auf Sandhamn lebt, befindet sich in einer schweren Krise. Nach ihrem letzten Fall ist sie schon seit Monaten krankgeschrieben. Geplagt von Selbstvorwürfen und Alpträumen spricht sie dem Alkohol mehr zu, als gut für sie und ihre Ehe ist. Als sie von den Ermittlungen zum Skelettfund auf Telegrafholmen hört, stürzt sie sich kopfüber in eigene Ermittlungen, übertritt dabei auch so manche Grenze und bringt sich außerdem in große Gefahr.
Der Fall ist spannend und verwickelt, da man immer wieder kleine Puzzleteilchen über Astrids und Siris Vergangenheit erfährt, die nach und nach einen logischen - und fatalen -Zusammenhang ergeben. Allerdings wird man von der Autorin auch raffiniert immer wieder auf eine falsche Fährte geschickt.
Während Thomas und seine Ex-Frau Pernilla sich einander endlich wieder langsam annähern, wirkt Nora Linde in diesem Band zunächst völlig neben der Spur, uneinsichtig, egozentrisch und unsympathisch. Allerdings findet ausgerechnet sie am Ende die richtige Spur!
Ein Muss für Fans der Reihe!

Veröffentlicht am 27.02.2021

Besser als der Vorgänger

Goldtod
0



Im 2. Fall der historischen Kriminalserie, die im Jahr 1889 in Berlin spielt, haben sich der Privatermittler Gabriel Landow und sein Kompagnon Orsini zur Privatdetektei ,,Orlando“ zusammengeschlossen. ...



Im 2. Fall der historischen Kriminalserie, die im Jahr 1889 in Berlin spielt, haben sich der Privatermittler Gabriel Landow und sein Kompagnon Orsini zur Privatdetektei ,,Orlando“ zusammengeschlossen. Auch privat wohnen sie in einer Art WG zusammen, was aber mehr schlecht als recht funktioniert. Immerhin kann Orsini mit seinem zweiten Standbein, nämlich dem des Trickdiebs, die beiden über Wasser halten. Beruflich läuft es allerdings auch nicht rund, da die beiden Ermittler keinen Fall haben. Da trifft es sich gut, dass die schöne Frau Philippi, die in der Beletage des Hauses wohnt, Orsini damit beauftragt, nach ihrem verschwundenen Sohn zu suchen. Dieser taucht schon bald wieder auf, verweigert allerdings die Sprache. Und Herrn Philippi ist sehr viel daran gelegen, dass die Ermittlungen der Detektei Orlando sofort eingestellt werden.
Landow dagegen mischt sich ungefragt in den Fall eines prominenten Bankiers ein, der wie ein großes, blutiges X im Schlosspark von Charlottenburg aufgehängt wurde. Er erhofft sich, so seiner Detektei zu einem Fall zu verhelfen. Dabei nutzt er die Polizeisekretärin E. Runge als Informantin, die wiederum Landow für ihre Zwecke einzuspannen weiß. Damit ist Landow der Polizei meist ein paar Schritte voraus. Doch als er auf einen exklusiven Kreis stößt, dessen Mitglieder sich neben antiker Lyrik gerne von nackten, goldigen Engelchen unterhalten lassen, gerät er in tödliche Gefahr.
Auch im 2. Band um die beiden unkonventionellen Ermittler wird die Atmosphäre im Berlin der Kaiserzeit lebendig und anschaulich vermittelt. Gabriel Landow ist nicht mehr ganz so verwahrlost wie im ersten Teil ,,Eisenblut“, sondern hat offenbar etwas mehr Kontrolle über sein Leben, was ihn noch sympathischer macht.
Auch die Handlung ist etwas straffer und mit weniger Nebenhandlungen und Personen ausgestattet, sodass mir der 2. Band noch besser gefällt als der Vorgänger.

Veröffentlicht am 05.02.2021

Sprich mit mir

Sprich mit mir
0

T.C. Boyle ist der Meister der Erzählkunst und der schrägen, aber immer interessanten Themen.
In ,,Sprich mit mir“ geht es um das Verhältnis zwischen Menschen und Menschenaffen, aber auch um viel mehr.
Der ...

T.C. Boyle ist der Meister der Erzählkunst und der schrägen, aber immer interessanten Themen.
In ,,Sprich mit mir“ geht es um das Verhältnis zwischen Menschen und Menschenaffen, aber auch um viel mehr.
Der Schimpanse Sam wird von dem Professor Guy Schemerhorn und seinen Assistenten wie ein Kind aufgezogen. Damit will der Wissenschaftler erforschen, wie weit die Kommunikation zwischen Mensch und Tier gelingt und zu welchen kognitiven Leistungen der Schimpanse in der Lage ist.
Tatsächlich kann Sam in Gebärdensprache sagen, was er gerne essen möchte, am liebsten Pizza oder Cheeseburger, aber auch, wie er heißt oder sogar, dass ihm etwas Leid tut.
Als die schüchterne Studentin Aimee, die ziel- und antriebslos ihr Studium absolviert, Sam und Professor Schemerhorn in einer TV-Show sieht, ist sie völlig fasziniert. Sie bewirbt sich als Assistentin für Sams Pflegfamilie und Schemerhorn erkennt sofort, dass Aimee ideal ist für seine Zwecke. Schon bei der ersten Begegnung mit dem Schimpansen wird deutlich, dass sich zwischen ihm und Aimee eine einzigartige Beziehung entwickelt. Aimee ist auch schnell bereit, ihr Studium auf Eis zu legen und sich voll und ganz der Betreuung von Sam zu widmen. Und bald ist sie auch Guy Schemerhorns Geliebte.
Als nach einigen Jahren aber die Forschung Schemerhorns für die Wissenschaft nicht mehr interessant ist, wird Sam für Tierexperimente an seinen ursprünglichen Besitzer ausgeliefert. Für Aimee bricht eine Welt zusammen und sie ist bereit, mit allen Mitteln um Sam zu kämpfen.
Mich hinterlässt das Buch mit zwiespältigen Gefühlen. Sam schließt man sofort ins Herz, was auch daran liegt, dass Passagen aus seiner Perspektive geschildert werden. Doch die Erziehung Sams zu einem ,,Menschenkind“ wirkt verstörend, wenn man liest, wie er fernsieht, Süßigkeiten und Pizza isst und die Menschen um ihn herum mal mit seinen Gebärdensätzen erfreut, sie dann mit seinem wilden und tierischen Verhalten wieder völlig schockiert. Auch wenn dieses Experiment anders geartet ist als übliche Tierexperimente, ist es doch wieder der Mensch, der andere Kreaturen für seine Zwecke nutzt und missbraucht.
Ein unterhaltsames, manchmal witziges, aber auch sehr nachdenklich stimmendes und trauriges Buch.