Cover-Bild Hard Land
(39)
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere

Klicken Sie hier, um den Weitersagen-Button zu aktivieren. Erst mit Aktivierung werden Daten an Dritte übertragen.

24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 24.02.2021
  • ISBN: 9783257071481
Benedict Wells

Hard Land

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt. Er findet Freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unscheinbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Eine Hommage an 80’s Coming-of-Age-Filme wie ›The Breakfast Club‹ und ›Stand By Me‹ – die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2021

Der ganze verdammte unvermeidliche Schmerz

1

„Ich stellte mir vor, dass das eigene Ich aus vielen Puppen bestand, aus mutigen und ängstlichen und stillen und lauten, und überall hingen die Fäden. Doch man konnte nie sehen, wer sie in der Hand hielt. ...

„Ich stellte mir vor, dass das eigene Ich aus vielen Puppen bestand, aus mutigen und ängstlichen und stillen und lauten, und überall hingen die Fäden. Doch man konnte nie sehen, wer sie in der Hand hielt. Wer der innere Puppenspieler war.“

Inhalt

Sam Turner hat die typischen Probleme eines Teenagers, allen voran seine traurige Rolle als Außenseiter, der er nur zu gerne entkommen würde. Aber die coolen Typen meiden ihn und außerdem wüsste er gar nicht, was er machen sollte, um endlich dazuzugehören. Stattdessen bewirbt er sich für einen Ferienjob im ortsansässigen Kino in der amerikanischen Kleinstadt Grady, um wenigstens eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Dort arbeiten bereits drei weitere Jugendliche, die allerdings schon etwas älter als Sam sind. Eine davon ist Kirstie Andretti, die Tochter des Kinobetreibers. Und in diesem Sommer wird alles anders, denn Sam verliebt sich zum ersten Mal in ein Mädchen und auch wenn Kirstie schon mehr Erfahrung und einen Freund hat, entwickelt sich zwischen ihnen dennoch eine innige, lebensbejahende Freundschaft. Sam könnte glücklich sein, wenigstens für diesen einen Sommer, bevor seine neuen Freunde aufs College wechseln werden und er wieder allein dasitzt. Doch ausgerechnet da, kehrt die Krebserkrankung seiner Mutter zurück, diesmal schlimmer und kräftezehrender als beim ersten Mal und Sam muss einsehen, dass er schneller erwachsen werden muss, als ihm lieb ist.

Meinung

Der deutsche Autor Benedict Wells, dessen Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ einer meiner Favoriten ist, hat sich in seinem aktuellen Buch den Herausforderungen und Gedanken eines jungen Menschen angenommen, der einerseits ganz zeitlose, klassische Probleme Jugendlicher mit sich herumträgt doch zum anderen ein zwiegespaltener Teenager ist, der durch eine gewisse äußere Tragik schneller erwachsen werden muss, als andere.

„Hard Land“ ist ein Coming-of-Age Roman, der die gesamte Breite dieser besonderen Zeit abdeckt, sie bildlich wach werden lässt und dabei eine klare Figurenzeichnung und einen realistischen Blick in eine Welt wirft, in der jeder schon einmal feststeckte und an deren Ende die gereifte Persönlichkeit steht.

Der Roman bekommt von mir das Prädikat „Jahreshighlight“, weil es eines der Bücher ist, welches nicht nur universell gilt, sondern weil es Erinnerungen wachruft, den Leser selbst zurückversetzt in die eigene Jugend, in die Gedankenwelt einer vergangenen Zeit, die man doch nicht vergessen wird, weil die Erlebnisse von damals viel prägender waren, als gedacht. Egal, in welchem Lebensjahrzehnt man steckt, diese Erzählung schafft es mühelos, jene Gedankenstränge aufleben zu lassen und mit den Protagonisten mitzufühlen – eine Lektüre, die man auch ein zweites oder drittes Mal lesen kann und die immer wieder neue Töne anschlägt.

Besonders gut gefallen hat mir neben dem flüssigen Schreibstil und der facettenreichen Charakterisierung der Protagonisten, die bloße Schilderung diverser Momentaufnahmen. Egal ob es sich dabei um eine Party handelt, bei der zu viel Alkohol fließt oder um die Eindrücke eines Jungen als er seine Angebetete zum ersten Mal in ihrer Unterwäsche sieht, egal ob es die Verletzungen sind, denen sich ein Heranwachsender stellen muss, wenn er merkt, dass ein Elternteil ihn verlassen wird und es gerade derjenige ist, der ihm mental viel nähersteht.

Egal welcher Satz hier geschrieben steht, in jedem steckt eine Menge Weisheit oder einfach die Ehrlichkeit derjenigen, die hier agieren und stellvertretend für die Leser die Vergangenheit aufleben lassen. Auch als Verfilmung könnte ich mir diese Romanvorlage bestens vorstellen, weil es ein generalistisches Thema mit einer sehr emotionalen Umsetzung ist und dennoch niemals ins klischeehafte abdriftet.

Ich mag es, wenn Romane sich den großen Fragen des Lebens widmen, diese aber auf kleine persönliche Entscheidungen und Gedanken herunterbrechen, so dass gerade das Zwiespältige deutlich wird. Und dieses Buch vollzieht diesen Vorgang über die gesamte Länge von gut 300 Seiten. Es sind Gedanken zu Freundschaft, Familie, Trennung, Zukunft, Liebe, Verantwortung – und doch stehen diese einzelnen Punkte nicht separat im Raum sondern werden miteinander in eine Interaktion gebracht, so dass deutlich wird, wie schwer es fallen kann eine Entscheidung zu treffen und wie sehr man später daran verzweifeln kann, genau diese Option gewählt zu haben und nicht die andere, inklusive der persönlichen Vorwürfe so nach dem Motto: „Warum habe ich nur?“

Fazit

Ich vergebe begeisterte 5 Lesesterne für diesen zeitlosen, innigen Roman, der vom Protagonisten selbst aus seiner Erinnerung heraus geschildert wird. Große Lebensfragen, menschliche Beziehungen, getroffene Entscheidungen und der ein oder andere unvorhersehbare Einschnitt – alles wird hier miteinander in Einklang gebracht und ergibt ein nahezu perfektes Leseerlebnis, mit viel mehr als nur einer endgültigen Aussage.

Ganz nebenbei ist es auch ein Aufruf dazu, wie wichtig menschliche Bindungen sind, auch wenn sie manchmal sehr schmerzhaft sein können, auch wenn das Leben der Liebe nur eine gewisse Zeit zugesteht, so kann man doch gerade durch andere und deren Einfluss und Gedankenspiele wachgerüttelt werden und findet sich über kurz oder lang in einer Welt wieder, wo trotz Traurigkeit auch wieder Platz für neue Pläne geschaffen wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2021

Einfach wunderbar

0

In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb. Dies ist der erste Satz dieses Buches und es werden noch viele wundervolle Sätze folgen.

Es ist der Sommer 1985 und Sam Turner ist fast 16 und ...

In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb. Dies ist der erste Satz dieses Buches und es werden noch viele wundervolle Sätze folgen.

Es ist der Sommer 1985 und Sam Turner ist fast 16 und ein unsicherer noch unscheinbarer Außenseiter ohne Freunde, nachdem sein einziger Freund weggezogen ist. Seine Schwester ist schon seit Jahren aus dem Haus und Sam nimmt einen Ferienjob in einem kleinen Kino an. Kirstie Andretti ist etwas älter und hängt mit ihren beiden Freunden Hightower und Cameron viel im Kino ihres Vaters rum. Sie werden nach und nach zu den wichtigsten Menschen in seinem Leben.

Die Geschichte erstreckt sich über ca. ein Jahr und ist so schön und poetisch und dabei so intensiv und dabei so unspektakulär erzählt. Es geht um Freundschaft, ums Erwachsenwerden, um Krankheit, Tod und um die Liebe „ Kirstie - es war nur ein Wort, aber ich hatte noch nie so viel gesagt“
Ich bin eingetaucht in diese Geschichte, die mich bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen hat. Ich habe mit Sam diesen besonderen Sommer erlebt und auch seine Freude, seine Verzweiflung und seine Trauer gespürt. „Ich dachte daran, wie ich neulich in meinem Zimmer gestanden und leise – Mom – gemurmelt hatte. Einfach, damit ich es mich mal wieder sagen hörte.“

Ich habe gelacht und geweint, dieses Buch hat mich tief getroffen und mitgenommen nach Missouri ins Jahr 1985 und ist jetzt schon mein Lieblingsbuch 2021.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.03.2021

Das Warten hat sich gelohnt, ein großartiges Buch über das Erwachsenwerden, das mich euphancholisch zurücklässt

0

Sam lebt als 15jähriger in den 1980er Jahren einem aussterbenden kleinen Örtchen in Amerika und ist ein Außenseiter. Ein Job im Kino und ein Sommer verändern ihn und gleichzeitig ändert sich für ihn alles. ...

Sam lebt als 15jähriger in den 1980er Jahren einem aussterbenden kleinen Örtchen in Amerika und ist ein Außenseiter. Ein Job im Kino und ein Sommer verändern ihn und gleichzeitig ändert sich für ihn alles.

Ich habe schon so lange auf ein neues Buch von Benedict Wells gewartet und trotz der traurigen Umstände ist die Geschichte von Sams Sommer, als würde man nach Hause kommen. Es ist einfach ein Genuss, wenn man sich in eine Geschichte und ihre Sätze einkuscheln kann und sich aufgehoben fühlt. Dafür sorgen auch die sympathischen und für Sam so wichtigen Nebencharaktere. Als Leser sieht man Sam beim Erwachsenwerden zu und trotz witziger sprachlicher Bilder, die das Buch angenehm flüssig lesen lassen, hat Hard Land soviel Tiefe, ist so vielschichtig und ausdrucksvoll, dass mich Sam in Gedanken noch einige Zeit begleiten wird und ich gar nicht weiß, wie ich jetzt ein anderes Buch in die Hand nehmen soll.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2021

Wie man durch Freundschaft zu sich selbst finden und emotional reifen kann

0

Der Roman „Hard Land“ von Benedikt Wells beginnt mit zwei Feststellungen, die nicht nur neugierig auf die vorliegende Geschichte machen, sondern gleich zeigen, dass der Protagonist sich mit sehr gegensätzlichen ...

Der Roman „Hard Land“ von Benedikt Wells beginnt mit zwei Feststellungen, die nicht nur neugierig auf die vorliegende Geschichte machen, sondern gleich zeigen, dass der Protagonist sich mit sehr gegensätzlichen Gefühlen in jenem einen besonders erinnerungswürdigen Sommer seiner Jugend auseinander zu setzen hat: er wird sich verlieben und er wird seine Mutter verlieren. Dabei bleibt die Beziehung zu ihr und die mit ihrem Verlust verbundenen Empfindungen anfangs noch offen und riefen eine gewisse Erwartung an die Erzählung bei mir hervor. Der Titel bezieht sich auf einen preisgekrönten Gedichtzyklus des fiktiven Lyrikers William Morris. In dem von Benedikt Wells geschriebenen Text nimmt er Bezug auf die harte Arbeit, die der eigene Grund und Boden dem Besitzer abverlangt, ein Leben lang, über die Jahreszeiten und Jahre hinweg.

Der fünfzehnjährige Sam wohnt im Jahr 1985 mit seinen Eltern in einem kleinen Ort in Missouri. Seine ältere Schwester Jean lebt seit einigen Jahren an der Westküste der USA, sein bester Freund ist mit seiner Familie vor Kurzem weggezogen und der Kontakt nahezu abgebrochen. Sams Vater ist arbeitslos, seine Mutter arbeitet trotz ihrer schweren Krankheit in ihrer eigenen Buchhandlung. Eigentlich soll er den Sommer bei Verwandten in Kansas verbringen, doch ein Aushang am Kino bringt ihn auf die Idee, dort auszuhelfen. Hier begegnet er der Tochter des Besitzers und zwei beliebten älteren Jungen, die er von der Schule kennt und die ebenfalls dort angestellt sind. Mit ihnen und durch sie wird der Sommer unvergleichbar und unvergesslich.

Ich finde es mutig von Benedict Wells, eine Coming-of-Age-Geschichte zu schreiben, die nicht dort spielt, wo er selbst aufgewachsen ist und die in einer Zeit spielt, die er selbst nicht erlebt hat. Dennoch meistert er diese Hürden mit Bravour. Dank seines hohen Einfühlungsvermögens versetzt er sich gekonnt an Ort und Zeit und vermittelte mir auf diese Weise Bilder und Gefühle, die ich nachvollziehen konnte. Auch ich habe in eben jener Zeit einen unvergessenen Sommer an der Seite von Freunden erlebt und kann auf ähnliche Erfahrungen zurückgreifen. Die Beschreibungen des Autors haben mich erreicht und die Empfindungen von Sam stellten sich für mich als authentisch dar.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle, die Sam in jenem Sommer 1985 erlebt hat. Sam wird bewusst, dass er seine Schüchternheit überwinden muss, damit er nicht zur Verwandtschaft geschickt wird, die er aus bestimmten Gründen meiden möchte, wie seine Eltern es für ihn vorsehen. Seine Eigeninitiative ist der erste Schritt zur Selbstverwirklichung und Selbstbewusstsein. Verbunden ist dieser Schritt mit Freude und Leid, mit Lachen und Weinen. Es gibt viele nie erlebte Situationen, neue Eindrücke für ihn, die man gar nicht schnell genug verarbeiten kann und die sich zu einem ganz neuen Lebensgefühl steigern, bei dem die Welt einen kleinen Moment still zu stehen scheint, in dem aber andernorts sich die Erde weiterdreht und für Ereignisse sorgt, bei denen man später vielleicht bedauert, anwesend gewesen zu sein …

Benedict Wells hat mit „Hard Land“ einen Roman geschrieben, bei dem man die Sommerhitze knistern spürt und die Musik der 1980er vibriert. Mit seinem empathischen Schreibstil hat der Autor eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte verfasst, die zeigt, wie man durch Freundschaft zu sich selbst finden und emotional reifen kann. Gerne vergebe ich hierzu eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2021

Ein Sommer des großen Glücks, des tiefen Schmerzes

0

Was für eine Lesereise! An der Seite von Sam den Sommer zu erleben, der alles verändern soll, ist so viel: Abenteuer, Liebe, große Trauer. Oder kurz gesagt, pure „Euphancholie“ – ein Wort, das Wells eigens ...

Was für eine Lesereise! An der Seite von Sam den Sommer zu erleben, der alles verändern soll, ist so viel: Abenteuer, Liebe, große Trauer. Oder kurz gesagt, pure „Euphancholie“ – ein Wort, das Wells eigens für diesen Roman geschaffen hat.
Die Metamorphose, die Sam in nur wenigen Monaten durchläuft, gleicht der einer Raupe zum Schmetterling. Vielleicht noch nicht voll entwickelt, aber im Entstehen begriffen und dabei, seine Flügel langsam zu entfalten. Aus dem schüchternen introvertierten Einzelgänger wird ein junger Mann, der durch das Wunder der Freundschaft und Liebe lernt, seine Scheu vor Menschen zu überwinden und sich mit seinen Stärken und Schwächen anzunehmen. Ihn dabei begleiten zu dürfen, hat mich zum Staunen, Schmunzeln, Lachen gebracht – und mir wunderbare Lesestunden bereitet.
Doch Glück und Unglück liegen oft so nah beieinander – und sind hier die zwei Seiten eines Sommers. Der Verlust, den Sam so tragisch erleiden muss, ist derart heftig und elementar, dass er droht, seine alte und neue Welt aus den Fugen zu heben und all das Schöne in Frage zu stellen. Doch gerade seine Freunde und seine Liebe sind es dann, die ihn durch diese erste Zeit des Schmerzes tragen und ihn einen Weg zurück ins Leben finden lassen.
Dass mich ein Buch zu Tränen rührt – war das jemals der Fall? Wells hat es vermocht, und es hat mir gefallen: so nah bei Sam und seiner Geschichte zu sein, die Intensität seiner Gefühle in mir selbst zu spüren, mit ihm Stunden der Fülle und des Überflusses zu erleben. Dankbar und euphancholisch bis zur letzten Seite.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere