Versöhnung benötigt Zeit
Eine Versöhnung am MeerMit diesem dritten Roman über die Summers-Schwestern von Sea View wurde mir endlich ein Herzenswunsch erfüllt: ich durfte nach den verhaltenen Andeutungen in den beiden vorhergehenden Romanen nun endlich ...
Mit diesem dritten Roman über die Summers-Schwestern von Sea View wurde mir endlich ein Herzenswunsch erfüllt: ich durfte nach den verhaltenen Andeutungen in den beiden vorhergehenden Romanen nun endlich auch die älteste der fünf Schwestern, Claire, kennenlernen. Sie hat nach einer folgenreichen Fehlentscheidung ihre Familie verlassen und glücklicherweise Unterkunft bei einer Tante, weit entfernt von ihrem Heimatort, gefunden. Doch der Kontakt zu Eltern und Schwestern wurde von dem inzwischen verstorbenen Vater strikt untersagt. Nach dem Tod der Tante eröffnet sich für Claire die Möglichkeit, sich mit ihren sehr begrenzten finanziellen Mitteln Teilhaberin in einer anderen Pension in Sea View zu werden. Ihre Ankunft und ihre Tätigkeit bleibt Schwestern und Mutter nicht verborgen, doch der Weg zu einer Versöhnung, ist nicht leicht und wird vor allem von der Mutter strikt abgelehnt.
Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Dabei habe ich mit großer Hoffnung die Bemühungen von Sarah, Emily, Viola und Georgiana beobachtet, eine Versöhnung herbeizuführen. Wobei mich Sarah noch einmal auf ganz besondere Weise angesprochen hat, da sie und Claire ein besonders enges schwesterliches Verhältnis verband und sie sich von Claire verraten und betrogen fühlt.
Für mich wirklich schwer zu ertragen war die fast gnadenlose Vermeidung jeglichen Kontakts zwischen Mutter und Tochter. Die sich zu meinem großen Unverständnis sogar bis in gemeinsame Gottesdienstbesuche erstreckte. Ich war wirklich sprach- und fassungslos, wie strikt die Mutter das Kontaktverbot ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes befolgte. Aber auch die Begründung, dass ihr Verhalten lediglich dem gesellschaftlichen Schutz der Schwestern diente – heutzutage kaum zu glauben, aber für mich in der damaligen Zeit durchaus vorstellbar. Das gleiche trifft aber auch auf Claire zu, die ohne Widerspruch oder Gegenwehr, die ihr zugedachte gesellschaftliche Position annimmt bzw. akzeptiert.
Die von mir so sehnlichst erhoffte Versöhnung wurde Realität – und dies auf eine Weise, die mich wirklich zu Tränen gerührt hat. Beide, Claire und auch ihre Mutter, konnten sich von Ängsten und Zwängen befreien, Verzeihung aussprechen und auch annehmen. Dieser Abschnitt ist für mich der bewegendste des ganzen Romans.