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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2023

Der Titel ist leider Programm

Zeiten der Langeweile
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Leider hat "Zeiten der Langeweile" mich auch über die meiste Zeit hin eher gelangweilt als mir neue Erkenntnisse zu liefern. Dabei hätte man aus dem Thema deutlich mehr machen können. Social Detoxing ist ...

Leider hat "Zeiten der Langeweile" mich auch über die meiste Zeit hin eher gelangweilt als mir neue Erkenntnisse zu liefern. Dabei hätte man aus dem Thema deutlich mehr machen können. Social Detoxing ist sicherlich etwas, worüber wir alle einmal nachgedacht haben. Welchen Einfluss haben soziale Medien und das Internet generell auf uns? Was passiert, wenn wir es weglassen?

Jennifer Becker entwickelt eine Protagonistin, die vehement versucht, sich aus dem Internet zu "löschen" und jegliche Spur, die sie oder andere einmal über sie dort hinterlassen haben, zu vernichten. Anfangs kann man sich noch ansatzweise mit ihr identifizieren, aber im Laufe des Romans wird es immer schlimmer und man fragt sich langsam, ob sie zur Querdenkerin mutiert. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie viel autobiographische Elemente Mila in sich trägt.

Mila als Protagonistin fand ich irgendwann einfach nur noch unerträglich und einen Mehrwert haben ihre Ansichten mir auch nicht erbracht. Irgendwann lebt sie einfach nur noch fernab jeglicher Realität und ist lieber arbeitslos, als sich der Gefahr des Internets auszusetzen. Sie entwickelt sich auch überhaupt nicht. Ich habe trotzdem wacker bis zum Ende des Romans durchgehalten, was ich mir im Nachhinein besser gespart hätte. Denn auch das Ende liefert keine Erkenntnisse.

Ich hatte auf eine literarische Perle gehofft und habe leider im wahrsten Sinne nur "Zeiten der Langeweile" bekommen. Schade!

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Veröffentlicht am 26.08.2023

eine unsympathische Protagonistin

Die Einladung
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Von bobbember
"Die Einladung" von Emma Cline ist ein Roman, der zweifellos eine interessante soziale Kluft zwischen Arm und Reich beleuchtet. Leider hat dieser Ansatz nicht ausgereicht, um meine Unzufriedenheit ...

Von bobbember
"Die Einladung" von Emma Cline ist ein Roman, der zweifellos eine interessante soziale Kluft zwischen Arm und Reich beleuchtet. Leider hat dieser Ansatz nicht ausgereicht, um meine Unzufriedenheit mit der Protagonistin und der Geschichte insgesamt zu überwinden. Mit nur drei Sternen bewerte ich dieses Buch, da es einige wichtige Aspekte gibt, die mir nicht zusagten.

Die Hauptfigur des Romans war für mich äußerst schwer zu mögen. Ihr Verhalten, sich ständig durchzuschnorren und auf Kosten anderer zu leben, war frustrierend und wenig sympathisch. Es fiel mir schwer, mich mit einer Protagonistin zu identifizieren, die so wenig moralische Verantwortung zeigt und sich scheinbar keinerlei Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns macht. Dieser Aspekt der Geschichte trug erheblich dazu bei, dass meine Leseerfahrung getrübt wurde.

Obwohl der Roman die soziale Ungleichheit zwischen Arm und Reich thematisiert, schafft er es nicht, die Armen auf eine Weise darzustellen, die Mitgefühl oder Verständnis weckt. Stattdessen wird der Fokus darauf gelegt, wie die Protagonistin von ihrer Umgebung profitiert und sich auf Kosten anderer bereichert. Dies trägt dazu bei, die Kluft zwischen den sozialen Schichten zu verdeutlichen, hinterlässt jedoch einen bitteren Nachgeschmack.

Ein weiterer Punkt, der meine Bewertung beeinflusst hat, ist das offene Ende des Romans. Persönlich mag ich es, wenn Geschichten einen gewissen Abschluss haben und offene Fragen beantwortet werden. Leider blieb "Die Einladung" in dieser Hinsicht unbefriedigend, da wichtige Handlungsstränge und Charakterentwicklungen nicht zu einem zufriedenstellenden Abschluss geführt wurden.

Insgesamt ist "Die Einladung" ein Buch, das wichtige soziale Themen anspricht, jedoch durch die unangenehme Protagonistin, die negative Darstellung der Armen und das enttäuschende offene Ende beeinträchtigt wird. Die soziale Botschaft des Romans wird durch diese Aspekte abgeschwächt, und die Leser könnten Schwierigkeiten haben, sich mit der Geschichte zu verbinden und sie wirklich zu genießen.

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Veröffentlicht am 26.08.2023

Hinter der Hecke steckt eine Menge Metaphorik, aber wenig Handlung

Hinter der Hecke die Welt
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"Hinter der Hecke die Welt" von Gianna Molinari ist zweifellos ein Buch, das mit seinen Ambitionen und Ideen heraussticht. Doch schon auf den ersten Seiten stolpert man über den Schreibstil, der zwischen ...

"Hinter der Hecke die Welt" von Gianna Molinari ist zweifellos ein Buch, das mit seinen Ambitionen und Ideen heraussticht. Doch schon auf den ersten Seiten stolpert man über den Schreibstil, der zwischen irritierender Abstraktion und stellenweise langatmiger Langeweile schwankt.

Trotz dieser Unannehmlichkeiten muss man jedoch zugestehen, dass der Schreibstil eine gewisse Poesie in sich birgt. Die Beschreibungen der Natur, der Umwelt und der allgemeinen Stimmung sind mitunter sehr bildhaft und verleihen dem Buch eine atmosphärische Tiefe. Es ist, als ob der Leser durch einen verschleierten Schleier blickt und nur Bruchstücke der Realität erkennt – eine interessante, wenn auch manchmal frustrierende Erfahrung.

Die Thematik des Klimawandels, die im Roman behandelt wird, ist zweifellos von großer Bedeutung. Leider ist die Umsetzung dieser Thematik recht merkwürdig. Die beiden Handlungsstränge, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, wirken wie unverbundene Fragmente. Auf der einen Seite haben wir ein Forschungsschiff, das sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane befasst, während auf der anderen Seite ein mysteriöses Dorf mit einer Hecke existiert, in dem immer mehr verschwindet. Die Protagonistin Dora, die sich auf dem Schiff befindet und eigentlich aus dem Dorf stammt, ist die Verbindung zwischen diesen beiden Welten, doch als Leser fällt es schwer, eine wirkliche Verbindung zu den Charakteren herzustellen.

Der Roman ist reich an metaphorischen Elementen, die Raum für vielfältige Interpretationen lassen. Das kann einerseits faszinierend sein, da man als Leser dazu angeregt wird, tiefer über die Geschichte nachzudenken. Andererseits kann es auch frustrierend sein, wenn man sich nach konkreten Antworten sehnt, die der Roman nicht immer liefert.

Insgesamt ist "Hinter der Hecke die Welt" ein Buch mit einer interessanten, aber eigenwilligen Herangehensweise. Der irritierende Schreibstil, die fragmentarische Handlung und die schwer fassbaren Charaktere machen es zu einer anspruchsvollen Lektüre. Wer bereit ist, sich auf die poetische Seite des Romans einzulassen und mit den vielschichtigen Metaphern zu jonglieren, mag in diesem Buch eine besondere Tiefe entdecken. "Hinter der Hecke die Welt" ist sicher kein Roman, den man zur Unterhaltung liest, sondern man sollte sich genügend Zeit dafür nehmen.

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Veröffentlicht am 14.08.2023

Nicht ganz, was ich erwartet hatte

Prophet
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Ich hätte von der Covergestaltung her wohl nicht zu "Prophet" gegriffen. Die Gelbtöne finde ich eher weniger anziehend. Den Klappentext fand ich aber spannend und auch die Leseprobe fand ich interessant. ...

Ich hätte von der Covergestaltung her wohl nicht zu "Prophet" gegriffen. Die Gelbtöne finde ich eher weniger anziehend. Den Klappentext fand ich aber spannend und auch die Leseprobe fand ich interessant. Leider konnte mich "Prophet" von Sin Blaché und Helen Macdonald dann aber doch nicht ganz abholen.

Die Idee, dass ein Diner mitten im Nirgendwo auftaucht und irgendwie ohne Strom ganz mysteriös erscheint, fand ich wirklich gut. Der Beginn des Thrillers war auch durchaus sehr spannend geschrieben. Ab da wurde es jedoch immer schwächer. Zeitweise fand ich die Dialoge schon sehr langatmig und die Protagonisten auch nicht so interessant, was schade ist, da ich eigentlich Charaktere aus der LGBTQ-Community als sinnvoll und zeitgemäß erachte. Man hätte viele Passagen wirklich meiner Meinung nach kürzen können. Ich musste mir wirklich zum Ende hin immer mehr Mühe geben, dass ich "Prophet" auch zu Ende lese. Leider konnte "Prophet" mich deshalb nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 07.08.2023

Schwierige Thematik humorvoll aufbereitet

Mein schrecklich schönes Leben
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Auch wenn "Mein schrecklich schönes Leben" eigentlich noch nicht erschienen ist, kann ich es schon bewerten, weil das Hörbuch wohl schon deutlich eher veröffentlicht wurde und ich, neugierig wie ich war, ...

Auch wenn "Mein schrecklich schönes Leben" eigentlich noch nicht erschienen ist, kann ich es schon bewerten, weil das Hörbuch wohl schon deutlich eher veröffentlicht wurde und ich, neugierig wie ich war, es bereits gehört habe.

In "Mein schrecklich schönes Leben" von Holly Smale geht es um Cassandra, deren Leben alles andere als perfekt läuft. Ihr Freund verlässt sie und dann verliert sie auch noch ihren Job. Generell ist sie nicht besonders beliebt. Als sie dann herausfindet, dass sie in der Zeit zurückreisen kann und alles einfach nochmal durchlaufen kann, versucht sie, ihren Ex Will zurückzugewinnen. Aber das stellt sich gar nicht mal als so leicht heraus.

Cassandra ist ein Charakter, der einerseits total humorvoll, sarkastisch und tough dargestellt wird, andererseits aber auch so gar nicht versteht, wieso sie bei Menschen nicht besonders gut ankommt. Das führt dazu, dass man sich oft fragt, wieso sie handelt, wie sie handelt und wieso sie nicht merkt, dass sie sich anders verhalten muss, um den anderen Menschen zu gefallen. An vielen Stellen hätte man Cassandra als Leser:in sogar richtig unsympathisch finden können. Mir war eigentlich ziemlich schnell klar, was mit ihr los ist, spätestens wenn sie ihre Farbwahrnehmung erwähnt. (Ich werde hier aus Spoilergründen aber nichts verraten). Das Cover ist wunderschön gestaltet und passt hervorragend dazu.

Mir hat "Mein schrecklich schönes Leben" wirklich gut gefallen, ich finde aber, dass der Zeitreiseaspekt gar nicht so hätte im Vordergrund stehen müssen. Cassandra als Protagonistin ist unglaublich spannend und eröffnet neue Perspektiven. Ich kann den Roman jedem wärmstens empfehlen, der sich in Andersdenkende hineinversetzen möchte!

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