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Veröffentlicht am 07.06.2024

Fesselnde Romanbiografie

Das verborgene Genie
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MEINE MEINUNG
Die amerikanische Autorin Marie Benedict bringt uns in ihrer interessanten Romanbiografie "Das verborgene Genie" die Lebensgeschichte der herausragenden, leider heutzutage nahezu unbekannten ...

MEINE MEINUNG
Die amerikanische Autorin Marie Benedict bringt uns in ihrer interessanten Romanbiografie "Das verborgene Genie" die Lebensgeschichte der herausragenden, leider heutzutage nahezu unbekannten britischen Naturwissenschaftlerin Rosalind Franklin, die mit ihren bahnbrechenden Forschungsarbeiten einen wesentlichen Beitrag zur Entdeckung der DNA-Doppelhelix-Struktur leistete – in wissenschaftlichen Kreisen jedoch keine Anerkennung für diese Leistung erhielt. Stattdessen sind die Namen von drei männlichen Forscherkollegen Watson, Crick und Wilkins im Zusammenhang mit der Strukturaufklärung unserer Erbsubstanz in die Annalen eingegangen. Im Jahr 1962 erhielten diese sogar den Nobelpreis für die Aufklärung der DNA-Struktur.
Mit ihrem Roman setzt Marie Benedict ihre faszinierende Reihe über bemerkenswerte starke und talentierte Frauen fort, die häufig in ihrer von Männern dominierten Arbeitswelt diskriminiert und weniger Anerkennung als ihre männlichen Kollegen erhielten. Im Mittelpunkt steht nun mit Rosalind Franklin eine weitgehend verkannte Wissenschaftlerin und insbesondere zu Unrecht in Vergessenheit geratene Pionierin der Genetik, über deren Persönlichkeit jedoch wenig Fundiertes und viel Widersprüchliches überliefert ist.
Geschickt zeichnet Benedict daher aus den wenigen bekannten Hintergrundinformationen zu Franklins Privatleben und Charakter ein beeindruckendes und durchaus plausibles Portrait, das allerdings mit vielen Annahmen und Spekulationen behaftet bleiben muss. Sehr lesenswert ist das interessante Nachwort der Autorin. Benedict versteht es hervorragend, die bewegende Lebensgeschichte und das außergewöhnliche Wirken der Wissenschaftlerin Rosalind Franklin in chronologisch angelegten Episoden sehr lebendig, authentisch und anschaulich zu schildern. Bereits in ihrer Jugend folgt sie aus einer angesehenen jüdischen Familie stammend ihren analytischen Begabungen und ihrer Leidenschaft für Naturwissenschaften. Eindrucksvoll und abwechslungsreich lässt uns die Autorin an Franklins wissenschaftlichen Werdegang teilhaben und gibt uns einen fesselnden Einblick in die damalige Welt der Grundlagenforschung. Ob nun ihre beschwerliche Studienzeit in Cambridge, ihre Zeit in Paris rund um die Röntgenkristallographie bis hin zu ihrer genialen Forschungsarbeit am Londoner King's College – Benedict gelingt es hervorragend nicht nur die komplexen Wissenschaftszusammenhänge verständlich und kompetent darzustellen, sondern auch Franklins Leidenschaft und Begeisterung hierfür nachvollziehbar zu machen. Hautnah erleben wir mit, welche vielfältigen Schwierigkeiten, Herabsetzungen und Intrigen ihr als Frau trotz aufopferungsvollem Arbeitseinsatz, enormer Entbehrungen und brillanter Ergebnisse in der gnadenlosen Wissenschaftswelt begegneten. Durch die gelungene facettenreiche Charakterzeichnung dieser talentierten, ehrgeizigen, eigensinnigen und passionierten Wissenschaftlerin werden auch ihre Stärken und Schwächen, ihre Höhen und herben Enttäuschungen für uns greifbar, auch wenn die Protagonistin als Ich-Erzählerin glaubhaft aber bisweilen etwas zu distanziert wirkt.
Es ist insbesondere sehr fesselnd, die Entwicklungen rund um die Entschlüsselung der DNA-Struktur mit zu verfolgen, bei denen ihre Analysen zentrale Rolle spielten und die Grundlage für das später nobelpreisgekrönte Doppelhelix-Modell von Watson und Crick darstellten. So fanden ihre spektakulären Forschungsergebnisse zur Strukturaufklärung kaum Anerkennung und wurden von ihrem Chef an weitere DNA-Forscher heimlich weitergegeben, die schließlich sämtliche Lorbeeren einheimsten ohne auf ihren bedeutenden Beitrag Bezug zu nehmen. Später widmete sie sich der Erforschung des Tabakmosaikvirus. Sehr bewegend ist auch ihre Krebserkrankung im Alter von nur 37 Jahren und ihr viel zu früher Tod an Eierstockkrebs, der möglicherweise mit der hohen Strahlenbelastung bei ihrer Forschung in Zusammenhang stand.
Mich hat diese Romanbiografie dazu angeregt, mehr über die faszinierende Forschungsarbeit dieser viel zu früh verstorbenen Wissenschaftlerin zu recherchieren!
FAZIT
Eine fesselnde und lesenswerte Romanbiografie und eine gelungene Hommage an eine Pionierin und zugleich an alle Frauen, deren besondere Leistungen im Wissenschaftsbetrieb viel zu wenig gewürdigt und viel zu oft in den Schatten gerückt werden!

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Veröffentlicht am 30.05.2024

Sehr unterhaltsame Biografie

Der Lärm des Lebens
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MEINE MEINUNG
Mit seinem literarischen Debüt » Der Lärm des Lebens « hat der bedeutende deutsche Charakterdarsteller und Schauspieler Jörg Hartmann, der vielen vor allem durch seine Rolle als Dortmunder ...

MEINE MEINUNG
Mit seinem literarischen Debüt » Der Lärm des Lebens « hat der bedeutende deutsche Charakterdarsteller und Schauspieler Jörg Hartmann, der vielen vor allem durch seine Rolle als Dortmunder Tatortkommissar Faber bekannt sein wird, einen faszinierenden autobiografischen Roman vorgelegt, der mich hervorragend unterhalten konnte.
Jörg Hartmann, der 1969 als Sohn einer Arbeiterfamilie am Rande des Ruhrgebiets in Herdecke aufwuchs, erzählt seine sehr persönliche Lebens- und Familiengeschichte. Er versteht es hervorragend, die facettenreichen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend nicht nur humorvoll und spannend, sondern auch berührend und nachdenklich stimmend in Szene zu setzen und jeweils genau den richtigen Ton zu treffen. Gekonnt lässt er immer wieder Vergangenheit und Gegenwart in den verschiedenen Kapiteln ineinanderfließen und lässt bereitet uns so manches Mal mit seinen tragischen und urkomischen Geschichten in ein Wechselbad der Gefühle eintauchen.
Aus seiner ganz eigenen Sicht präsentiert er uns ein lebendiges Stück Zeitgeschichte mit faszinierenden Einblicken in sein Privatleben und die verschiedenen Stationen seiner Schauspielkarriere sowie amüsante bis bisweilen skurrile Geschichten seiner Familie. Sympathisch und lebensnah erzählt er über seine eigenen Wurzeln und beleuchtet in seinen nicht chronologische erzählten Episoden Themen wie Herkunft, Heimat und Familienbande und was sonst noch so alles zum Lärm des Lebens dazugehört. In verschiedensten Episoden gewährt er uns einen humorvollen, tiefgründigen und bisweilen auch überraschenden Blick auf sein interessantes Familienleben und nachhaltig prägende Erlebnisse. Uns begegnet ein Panoptikum höchst unterschiedlicher, bemerkenswerter wie auch liebenswerter Menschen. Sehr gelungen empfand ich auch die interessanten Einblicke in seinen schauspielerischen Werdegang und seine charakterliche Entwicklung, in denen er oft sehr offen und selbstkritisch über seine Ängste und Schwächen erzählt, und uns an seiner Einstellung zum Theatergeschäft mit all seinen Licht- und Schattenseiten teilhaben lässt.
Hervorragend gelingt es Hartmann, die den besonderen „Ton des Ruhrpotts“ in seinen mundartlich geprägten Dialogen und die legendäre „westfälische Seligkeit“ beispielsweise bei den Familienzusammenkünften äußerst authentisch einzufangen. Mir hat diese liebevolle Hommage an die Menschen im Ruhrpott und seine Familie sehr gut gefallen.
FAZIT
Ein humorvoller und zugleich berührender Roman mit einer unterhaltsamen Zusammenstellung von sehr persönlichen Geschichten aus dem bewegten Familienleben des sympathischen Schauspielers Jörg Hartmann!

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Veröffentlicht am 30.05.2024

Fesselnde Fortsetzung der historischen Dresden-Saga

Das Opernhaus: Rot das Feuer
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MEINE MEINUNG

Nach dem gelungenen Auftakt „Das Opernhaus: Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie“ legt die deutsche Bestsellerautorin Anne Stern mit dem zweiten Band „Das Opernhaus: Rot das Feuer“ eine ...

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Nach dem gelungenen Auftakt „Das Opernhaus: Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie“ legt die deutsche Bestsellerautorin Anne Stern mit dem zweiten Band „Das Opernhaus: Rot das Feuer“ eine fesselnde Fortsetzung ihres groß angelegten historischen Dresden-Epos vor, in dem sie wechselvolle Geschichte der Stadt Dresden und der weltberühmten Semperoper weitererzählt. Die Geschichte ist erneut voller Leidenschaft, Dramatik und folgenschwerer Veränderungen, in die viele hervorragend recherchierte historische Fakten eingebettet sind. Die Autorin nimmt uns mit auf eine spannende und lehrreiche Zeitreise in das Dresden Mitte des 19. Jahrhunderts. Wir tauchen in in die historische Vergangenheit Dresdens und eine höchst bewegte Zeit ein, die im Zuge der Märzrevolution von 1848 von einschneidenden politischen Unruhen und gesellschaftlichen Umwälzungen geprägt war. Der erbitterte Kampf um eine Verfassung und Demokratie fand in Sachsen schließlich seinen fatalen Höhepunkt in den Dresdner Maiaufständen von 1849.

Im Mittelpunkt der abwechslungsreichen Saga, die im Dresden von 1849 spielt, steht erneut die charakterstarke Protagonistin Elise Spielmann, die inzwischen als Ehefrau des gestrengen und deutlich älteren Komponisten Adam Jacobi, geschätzte Violonistin und Mutter ihrer quirligen Adoptivtochter Netty ein beschauliches bürgerliches Leben führt. Beinahe vergessen und kaum mehr als eine romantische Erinnerung ist ihre kurze leidenschaftliche Affäre mit dem mittellosen Kulissenmaler am königlichen Hoftheater Christian. Doch eine unverhoffte Wiederbegegnung und familiäre Schicksalsschläge lassen Elises vermeintlich heile Welt rasch aus den Fugen geraten.

Äußerst anschaulich und packend führt uns die Autorin eine von gesellschaftlichen Konventionen geprägte Welt mit allgegenwärtiger Frauenfeindlichkeit vor Augen, in der die sozialen Spannungen und Repressionen in der Gesellschaft sowie die sich abzeichnenden gesellschaftlichen Umbrüche äußerst greifbar sind.

Hautnah erleben wir vor der zeitgeschichtlichen Kulisse den allmählichen Wandel in der Stimmung der unterdrückten und ausgegrenzten Bevölkerung angesichts der sozialen Ungerechtigkeiten und dem Wunsch nach politischen Veränderungen im Land, die schließlich in einem revolutionären Kampf um mehr Rechte münden.

Stern ist es hervorragend gelungen, aus den vielen sorgsam recherchierten historischen Details ein facettenreiches und spannendes Zeitbild zu zeichnen und das damalige Dresden zum Leben zu erwecken.

Darüber hinaus beleuchtet sie insbesondere die Rolle der Frauenbewegung, die sich nicht nur für karitative Projekte einsetzte sondern sich zunehmend auch für weibliche Teilhabe, Selbstbestimmung und die Rechte der Frauen aus allen Schichten stark machten. Dabei wird sehr deutlich, welchen hohen Preis die Frauen des 19. Jahrhunderts für ihren Freiheitskampf bezahlen mussten. Aber auch die Geschehnisse im Opernhaus als Schauplatz von vielfältigen Dramen auf der Bühne und hinter den Kulissen sind anschaulich eingefangen und kenntnisreich in die fesselnde Handlung eingeflochten. Gekonnt inszeniert die Autorin die faszinierende Opernwelt und den Alltag am königlichen Hoftheater. Insbesondere die lebendigen Schilderungen einiger Aufführungen wie beispielsweise der Zauberflöte beschwören sehr schön die Magie der Musik herauf und konnten mich bestens unterhalten.

Die Figuren sind allesamt detailliert und vielschichtig angelegt, so dass sie sehr lebensnah und stimmig wirken. Sehr gut hat mir erneut die sympathische, deutlich gereifte Protagonistin Elise Jacobi gefallen, die sich schwierigen Entscheidungen zu stellen hat. Gefangen in einer arrangierten Ehe mit einem herrischen, deutlich älteren Mann bricht sich mit jeglichen Konventionen und lässt sich sie trotz großen Risikos wieder auf ihre leidenschaftliche Liebe zu dem feinfühligen, talentierten Kulissenmaler Christian ein. Im Laufe der Handlung begegnen wir zudem zahlreichen historischen Persönlichkeiten wie der bekannten Frauenrechtlerin Luise Otto, aber auch dem exzentrischen Kapellmeister Richard Wagner und dem Opernerbauer Gottfried Semper.

Auch wenn für meinen Geschmack einige dramatische Verwicklungen sich etwas zu vorhersehbar entwickelten, konnte mich die abwechslungsreiche Handlung insgesamt doch sehr fesseln.

Abgerundet wird der historische Roman mit einem interessanten, sehr ausführlichen Nachwort. Hierin vermittelt uns die Autorin zusätzliches Hintergrundwissen zu den historischen Geschehnissen rund um die Revolution von 1848/49 und dem Schicksal der Rädelsführer des Aufstands vermittelt sowie interessante Informationen zur Frauenbewegung.


FAZIT

Eine gelungene Fortsetzung der historischen Saga rund um die Semperoper und eine fesselnde Zeitreise ins Dresden Mitte des 19. Jahrhunderts mit viel historischem Flair!

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Veröffentlicht am 16.05.2024

Tiefgründiger und bewegender Roman

Leuchtfeuer
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MEINE MEINUNG
In ihrem neuen bewegenden Roman «Leuchtfeuer» erzählt die US-amerikanischen Autorin Dani Shapiro sehr eindringlich über die vielfältigen verhängnisvollen Auswirkungen eines tragischen Unfalls ...

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen bewegenden Roman «Leuchtfeuer» erzählt die US-amerikanischen Autorin Dani Shapiro sehr eindringlich über die vielfältigen verhängnisvollen Auswirkungen eines tragischen Unfalls auf eine Familie. Anschaulich führt sie uns vor Augen, wie ein einziger Fehler, das Geheimhalten und Schweigen über jenes fatale Ereignis die Geschicke eines jeden der beteiligten Familienmitglieder lebenslang beeinflusst.
Seinen Ausgang nimmt die Geschichte mit dem tragischen Autounfall im Jahre 1985. Angelegt ist die auf verschiedenen Zeitebenen spielende Handlung jedoch über einen Zeitraum von über 30 Jahren, so dass wir in den unterschiedlichen Episoden in die Jahre 2010, 1999, 2020, 2014 und als Ausklang ins Jahr 1970 blicken. In den nicht-chronologisch erzählten Kapiteln erhalten wir aus wechselnden Perspektiven nicht nur Einblicke in das Leben der verschiedenen Mitglieder der Familie Wilf und wie das unausgesprochene Familiengeheimnis ihr Leben nachhaltig verändert hat, sondern haben auch Anteil an dem Schicksal der Nachbarsfamilie Shenkman mit ihren kleinen Sohn Waldo, das auf schicksalhafte Weise mit der Familie Wilf verbunden zu sein scheint.
Mit außerordentlich gutem psychologischem Feingespür beleuchtet die Autorin in ihrem ergreifenden Roman komplexe Themenfelder wie Schuldgefühle, Trauer, Verlust und Folgen unverarbeiteter Trauma, Einsamkeit, Altern, menschliche Abgründe aber auch Liebe, Verbundenheit und labile Familiendynamiken im Laufe des Lebens.
Durch die unterschiedlichen Sichtweisen erhalten wir tiefgründige Einblicke in das Innenleben der Charaktere, ihre inneren Dämonen, ihre Sorgen und Nöte zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Leben und haben Anteil an ihrer persönlichen Entwicklung, die durch das fatale Familiengeheimnis und das kaum zu durchbrechende Schweigen negativ beeinflusst wurde. Ob nun der introvertierte Meisterkoch Theo, die erfolgreiche alkoholabhängige Sarah, ihr empathischer Vater Ben oder der hochbegabte Waldo mit seiner Begeisterung für den Sternenhimmel – sie alle sind facettenreiche, sehr glaubwürdig ausgearbeitete Charaktere, die mich mit ihren nuancierten Persönlichkeiten und Hintergrundgeschichten tief berühren und sehr nachdenklich stimmen konnten.
Der permanente Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitabschnitten und Perspektiven sowie geschickt eingestreute Andeutungen über zukünftige Entwicklungen und Geschehnisse sorgen für spannungsvolle Dramatik und ziehen einen beim Lesen unweigerlich in den Bann. Nach und nach ergibt sich aus den vielen Puzzlesteinchen ein nachdenklich stimmendes Gesamtbild und dennoch wird uns auch durch die zarte Freundschaft und Verbundenheit zwischen Ben und Waldo ein wundervolles Gefühl der Hoffnung und Zuversicht vermittelt.
FAZIT
Ein tiefgründiger, eindringlich erzählter Roman über fatale Entscheidungen und ein verhängnisvolles Familiengeheimnis! Großartig geschrieben, fesselnd und bewegend!

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Veröffentlicht am 16.05.2024

Eindrucksvolles Debüt

Krummes Holz
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MEINE MEINUNG
Mit ihrem Debüt «Krummes Holz» ist der deutschen Autorin Julja Linhof ein tiefgründiger, emotional aufrüttelnder Roman gelungen, der mich mit seiner tragischen Familiengeschichte sehr fesseln ...

MEINE MEINUNG
Mit ihrem Debüt «Krummes Holz» ist der deutschen Autorin Julja Linhof ein tiefgründiger, emotional aufrüttelnder Roman gelungen, der mich mit seiner tragischen Familiengeschichte sehr fesseln und zum Nachdenken anregen konnte. Feinfühlig und sehr eindringlich erzählt die Autorin in ihrem Roman die beklemmenden Folgen von transgenerationaler Traumatisierung.
Im Mittelpunkt steht der 19-jährige Protagonist Georg, von allen Jirka genannt, der nach vielen Jahren erstmals zurück auf den herunter gewirtschafteten Gutshof seiner Familie kommt und sich dort nicht nur seiner feindseligen älteren Schwester Malene sondern auch unguten, sorgsam verdrängten Erinnerungen stellen muss.
Die Autorin versteht es mit ihren sehr bildhaften Beschreibungen hervorragend, eine unheilvolle, melancholische Atmosphäre heraufzubeschwören, so dass sich schon bald ein großes Unbehagen beim Lesen aufbaut. Allmählich erhalten wir in Rückblenden kurze Einblicke in Jirkas traumatische Kindheit und sein dysfunktionales familiäres Umfeld mit einem gewalttätigen Vater, seiner depressiven Mutter, die sich viel zu früh aus dem Leben verabschiedete, und einer meist lieblosen Großmutter. Seine eher lückenhaften Erinnerungen an vergangene Geschehnisse lassen unendliche Demütigungen, Ängste und Einsamkeit eines sensiblen Kindes erahnen. Geschickt lässt die Autorin in verstörenden Andeutungen vieles im Vagen und doch lässt sich in den angerissenen Flashbacks ein schreckliches Leben mit allgegenwärtigem Stillschweigen in einer Familie ohne Liebe und Zuneigung erkennen. Der fließende Wechsel zwischen den Zeitebenen, eingestreute Erinnerungsfetzen und implizierte Vorahnungen über ein düsteres Geschehnis erzeugen ein beklemmendes Gefühl und steigern die Spannung ungemein. Äußerst gelungen ist auch der anschauliche, bildgewaltige Schreibstil der Autorin mit vielen faszinierenden Schilderungen der sommerlichen Landschaft und des allgegenwärtigen Verfalls des alten Gutshofs sowie bisweilen recht ungewöhnlichen Sprachbildern, die perfekt die widersprüchliche und aufgewühlte Gefühlswelt des Protagonisten spiegeln.
Sehr greifbar fängt Linhof die hochemotionalen Schwingungen in all ihren Facetten ein, von denen Jirka bei seiner Heimkehr überwältigt wird – von Wut, Aggressionen, Verzweiflung, Einsamkeit, Unverständnis, Scham, Vorwürfen bis hin zum kindlichen Eskapismus reicht die komplexe Bandbreite. Aus den vielen sich langsam zusammenfügenden Leerstellen, über die Jirka allmählich Gewissheit erlangt, ergibt sich schließlich ein bedrückendes und nachdenklich stimmendes Gesamtbild von seiner Gefühlswelt.
Geschickt hat sie die komplizierte Dynamik zwischen den zwei Geschwistern und ihrer labilen Beziehung zueinander herausgearbeitet, die trotz herber Enttäuschungen und Verbitterung auf eine versöhnliche Annäherung hoffen lassen.
Hervorragend gelungen sind der Autorin ihre unterschiedlichen Charaktere, die sie sehr vielschichtig, einfühlsam und mit nuancierten Persönlichkeiten ausgearbeitet hat. Mit außerordentlich gutem Feingespür und großer Eindringlichkeit enthüllt sie menschliche Sehnsüchte und Abgründe, tiefe seelische Verletzungen sowie folgenschwere Fehlurteile.
FAZIT
Ein eindringlicher und fesselnder Roman über eine tragische Familiengeschichte und ein anspruchsvolles und intensives Leseerlebnis, auf das man sich erst einlassen muss!

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