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Veröffentlicht am 18.06.2023

Beeindruckendes Debüt

Morgen und für immer
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MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden Debütroman „Morgen und für immer“ erzählt der bekannte italienisch-albanische Singer-Songwriter Ermal Meta die faszinierende und sehr bewegende Lebensgeschichte ...

MEINE MEINUNG
In seinem beeindruckenden Debütroman „Morgen und für immer“ erzählt der bekannte italienisch-albanische Singer-Songwriter Ermal Meta die faszinierende und sehr bewegende Lebensgeschichte seines albanischen Protagonisten Kajan und seiner Familie vor dem Hintergrund der ereignis- und konfliktreichen Zeit zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
„Morgen und für immer“ ist eine schmerzhafte und schonungslose Auseinandersetzung des Autors mit seinem früheren Heimatland Albanien und zugleich eine liebevolle Hommage an ein geschundenes Land und seine leidgeprüfte Bevölkerung.
Gekonnt skizziert Meta das facettenreiche Portrait eines Landes, dessen Geschicke nach den alptraumhaften Geschehnissen während des zweiten Weltkriegs durch eine totalitäre Führung einem weiteren unfassbaren Horrorszenario unterworfen wurde.
In seinem in sechs Teilen untergliederten Roman beleuchtet der Autor in verschiedenen, anschaulich ausgearbeiteten Episoden nicht nur bedeutsame Abschnitte im Leben des Protagonisten, sondern auch wichtige historische Hintergründe und die bewegte Vergangenheit seines Landes. Er präsentiert uns schockierende Einblicke in die grausamen Auswüchse des kommunistischen Terrorregimes unter der Führung des Enver Hoxhas, einem großen Bewunderer des Stalinismus, der 1944 die Macht übernahm und bis 1991 das Ruder fest in der Hand behielt. Die bei uns kaum bekannte Epoche der albanischen Landesgeschichte war gekennzeichnet von fortwährender Einschüchterung und Terrorisierung der Bevölkerung, gnadenloser Verfolgung von Regimegegnern und Delinquenten, die auch vor treuen Mitstreitern nichtHalt machte und viele in die berüchtigten Folterkammern bis hin ins Gulag brachte. Die Geschichte eines von einem grauenvollen Schreckensregime drangsalierten Volkes führt der Autor uns am erschütternden Einzelschicksal seines fiktiven Protagonisten äußerst eindringlich vor Augen.
Beginnend im Kriegsjahr 1943 lernen wir den 7–jährigen Kajan kennen, der bei seinem Großvater auf dem Land aufwächst, während seine Eltern als Partisanen gegen die deutsche Wehrmacht kämpfen. Sein Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als er von dem desertierten deutschen Soldaten und Pianisten Cornelius das Klavierspielen lernt und der Grundstein für seine spätere Karriere als bekannter Pianist und Ausnahmetalent gelegt wird. Im Laufe der Handlung begleiten wir den faszinierenden, charakterstarken Protagonisten auf seinem beeindruckenden, abenteuerlichen Lebensweg mit vielen Höhen und Tiefen sowie sehr tragischen Verwicklungen.
Chronologisch, aber mit etlichen Zeitsprüngen erzählt Meta in vielen fesselnden und sehr eindrucksvollen Episoden von bedeutsamen Ereignissen in Kajans Leben, aber auch schockierende Details aus seiner Familiengeschichte. In verschiedenen Stationen erleben wir sein Heranwachsen in Tirana bei seiner strengen, Parteitreuen Mutter mit, seine erste großen Liebe, die höchst tragisch endete, seine abenteuerliche Reise in die DDR zu einem musikalischen Wettbewerb, seine eher unfreiwilligen Flucht nach Westberlin, die Ausreise in die USA und spätere Karriere als Jazzmusiker.
Meta hat seinen Protagonisten sehr vielschichtig und glaubhaft ausgearbeitet. Es ist sehr faszinierend seine persönliche Entwicklung und Erkenntnisprozesse mitzuverfolgen. Er ist ein lebendiger Charakter mit einer eigenwilligen und willensstarken Persönlichkeit, der auch einigen fatalen Fehleinschätzungen erliegt. Seine Handlungen, die bisweilen zwischen Rebellion, Anpassung und Resignation schwankten, waren für mich weitgehend nachvollziehbar. Gekonnt thematisiert der Autor immer wieder Kajans Leidenschaft für Musik, die ihm in vielen widrigen Situationen Kraft spendete und ihm als eine Art universelle Ausdrucksform ermöglichte mit Krisen, schmerzlichen Verlusten und unfassbarem Leid umzugehen und einer hoffnungsvolleren Zukunft entgegen zu sehen.
Beim Lesen beschäftigen einen zudem unheilvolle Gedanken an unbekannte Schicksale verschiedener Charaktere, die am Ende der Handlung wieder aufgegriffen und schließlich aufgedeckt werden.
Die Enthüllungen über grenzenlosen Egoismus, Verrat und ideologischer Verblendung geben schockierende Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele, die verstören und sehr nachdenklich stimmen.
Meta ist es gut gelungen, bedeutsame Stationen in Kajans bewegten Leben einzufangen und diese zu einer fesselnden, abwechslungsreichen und erschütternden Geschichte zusammen zu fügen.
Für meinen Geschmack hat Meta allerdings hinsichtlich der vielen zufälligen Begegnungen und einiger höchst tragischer Verwicklungen seine Geschichte etwas zu sehr verdichtet und überdramatisiert, um noch glaubhaft zu sein.
Der versöhnliche und sehr hoffnungsvolle Ausklang der Geschichte ist sehr gelungen.

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Veröffentlicht am 18.06.2023

Ein faszinierendes Zeitdokument

Das Licht im Rücken
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MEINE MEINUNG
Bei dem historischen Roman „Das Licht im Rücken“ der deutschen Autorin Sandra Lüpkes handelt es sich um einen faszinierenden Gesellschaftsroman, in dessen Mittelpunkt einerseits die wechselvolle ...

MEINE MEINUNG
Bei dem historischen Roman „Das Licht im Rücken“ der deutschen Autorin Sandra Lüpkes handelt es sich um einen faszinierenden Gesellschaftsroman, in dessen Mittelpunkt einerseits die wechselvolle Historie des Wetzlarer Unternehmens Leitz und andererseits die fesselnde Geschichte des von ihr produzierten Fotoapparats Leica steht.
In einer gelungenen Mischung aus Fiktion und historischen Fakten verfolgen wir über die Jahre 1914 bis 1945 die Geschicke der Unternehmerfamilie Leitz und nehmen Anteil an weiteren bewegenden Familiengeschichten – faszinierende Momentaufnahmen von Menschen und bedeutsamen Ereignissen, die allesamt präzise von der berühmten Kleinbildkamera Leica und eigentlichen Protagonistin eingefangen sind.
Es ist ein tiefgründiger Roman über Erfindergeist, Enthusiasmus, Freundschaft, Liebe, Leidenschaft und Mut, aber auch über Verrat, Verfolgung, Verlust und Scheitern.
Gekonnt verwebt die Autorin die sorgsam recherchierten Fakten zum Unternehmen Leitz, Details aus dem Leben historischer Personen und ereignisreichen historischen Geschehnisse der Wetzlarer Stadtgeschichte mit ihrer fiktiven Geschichte zu einem fesselnden historischen Roman. In ihrem sehr aufschlussreichen Nachwort widmet sich Lüpkes der Entstehungsgeschichte ihres Romans, erläutert ausführlich interessante Hintergründe zu ihrer umfangreichen Recherchearbeit.
Mit einem einfühlsamen, lebendigen Schreibstil schafft es die Autorin, uns direkt von der ersten Seite an in die Geschichte hineinzuziehen, die aus wechselnden Perspektiven erzählt wird. Die einzelnen Kapitel orientieren sich an der Entwicklung der Kamera, tragen entsprechend im Titel die Namen der jeweiligen Modelle - von »Liliput« bis zur »Leica IIIb und IIIc und sind zusätzlich illustriert von einer Original-Schwarz-Weiß-Fotografie.
Hervorragend ist es der Autorin gelungen, das Alltagsleben im Wandel der Zeiten und besondere historische Ereignisse anschaulich einzufangen, die örtlichen Begebenheiten und den schleichenden Wandel in Politik und Gesellschaft authentisch und eindrücklich darzustellen.
Neben Schilderungen von den kleinen und großen Problemen im zwischenmenschlichen Miteinander der unterschiedlichen Charaktere, witzigen Anekdoten und alltäglichen Geschehnissen haben wir auch Anteil an zeitgeschichtlich verbürgten Geschehnissen, wichtigen Entwicklungen rund um das Leitz-Werk und der Leica. Durch den Wechsel der verschiedenen Sichtweisen, Handlungsstränge und Schauplätze versteht es Lüpkes ihre Geschichte recht abwechslungsreich zu gestalten und uns mit spannungsvollen Höhepunkten zu unterhalten. Dennoch hätte ich mir etwas mehr Dynamik in der Handlung gewünscht. Das politische Geschehen in Deutschland wurde anschaulich in ihre Geschichte eingearbeitet und der heraufziehende Antisemitismus und Nationalsozialismus sowie die Auswirkungen der Nazi-Diktatur auf die verschiedenen Charaktere eindringlich thematisiert.
Lüpkes lässt in ihrem Roman eine Fülle von interessanten Charakteren auftreten, über die man glücklicherweise stets den Überblick behält. Insgesamt ist ihr eine einfühlsame, tiefgründige Zeichnung vieler Charaktere gelungen, die authentisch und lebendig wirken. Einigen Figuren lassen allerdings etwas die Lebendigkeit und Tiefe vermissen, so dass ich mich kaum in ihr Innenleben hinein versetzen und mit ihnen mitfiebern konnte.

FAZIT
Ein faszinierender und lehrreicher historischer Roman über die wechselvolle Geschichte des Unternehmens Leitz in Wetzlar und die von ihr entwickelte und hergestellte Kamera Leica. Ein lesenswertes Stück Zeitgeschichte!

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Veröffentlicht am 28.05.2023

Viel versprechender Cosy Crime-Auftakt

Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss
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MEINE MEINUNG
„Die Hausboot-Detektei“ ist eine unterhaltsame neue Cosy-Crime-Reihe von der deutschen, unter dem Pseudonym Amy Achterop schreibenden Autorin Heidi van Elderen, die mich vor allem mit seinem ...

MEINE MEINUNG
„Die Hausboot-Detektei“ ist eine unterhaltsame neue Cosy-Crime-Reihe von der deutschen, unter dem Pseudonym Amy Achterop schreibenden Autorin Heidi van Elderen, die mich vor allem mit seinem wundervollen Setting in der zauberhaften niederländischen Hauptstadt Amsterdam mit seinen romantischen Grachten, malerischen historischen Gebäuden und seiner quirligen Kulturszene gereizt hat.
„Tödlicher Genuss“ ist der erste Band und viel versprechende Auftakt dieser leicht skurrilen, humorvollen Krimi-Reihe, in deren Mittelpunkt eine wundervoll bunt zusammengewürfelte Gruppe aus fünf liebenswerten Außenseitern und Pechvögeln steht, die sich auf einem Hausboot zusammenfinden und eine Detektei gründen. Der mitreißende, humorvolle Erzählstil der Autorin konnte mich von Beginn an gut unterhalten. So werden wir zunächst mit den sehr originellen Figuren Arie, Maddie, Jack, Jan und Elin bekannt gemacht. Trotz mangelnder Qualifikationen und unterschiedlichster persönlicher Hintergründe der Hobby-Detektive stürzen sie sich mit großem Elan in ihren ersten kniffeligen Fall, der in die Abgründe eines erbitterten kulinarischen Wettstreits zwischen zwei rivalisierenden Gourmetköchen führt und eine abenteuerliche Spionagetätigkeit in der Sternen-Küchen-Szene beinhaltet. Bis es allerdings zum eigentlichen Kriminalfall kommt und die ungleichen Ermittler ihrem kriminalistischen Spürsinn freien Lauf lassen können, vergeht eine Weile, in der wir zunächst die interessanten Charaktere ausgiebig mit ihren Eigenarten und Geheimnissen kennenlernen. Ob nun der Ex-Polizist Arie, der undurchsichtige Engländer Jack, die arbeitslose, kampfsporterfahrene Maddie, der tierliebe Transmann Jan oder die erfolglose schwedische Krimiautorin Elin - die Autorin hat sich wirklich faszinierend eigenwillige, aber sympathische Protagonisten für ihren Krimi einfallen lassen. Vor allem das Zwischenmenschliche, die lebendige Gruppendynamik zwischen ihnen und amüsanten Dialoge sind hervorragend eingefangen und sorgen für viel Unterhaltung. Viele amüsante Szenen haben mich schmunzeln lassen.
Die stimmungsvollen, detailreichen Beschreibungen der Schauplätze im charmanten Amsterdam verleihen dem Buch eine besondere Atmosphäre. Die Autorin hat sich zudem mit dem Hausboot als Detektei ein ungewöhnliches, aber faszinierendes Setting ausgedacht, das für jede Menge Abwechslung sorgt.
Die Handlung nimmt im letzten Drittel immer mehr Fahrt auf und konnte mich mit einigen unerwarteten Wendungen überraschen. Für meinen Geschmack hätte die Handlung jedoch ruhig einige zusätzliche Spannungsmomente vertragen können.
Der erste Auftrag für die quirlige Hausboot-Detektei und die in sich schlüssige Auflösung haben mir insgesamt gut gefallen, auch wenn ich schon recht früh einen Anfangsverdacht hatte, der sich letztlich bestätigte. Ich bin schon sehr gespannt eine Fortsetzung dieser humorvollen, hyggeligen Krimi-Reihe und freue mich auf ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen, eigenwilligen Charakteren und einem hoffentlich etwas spannenderen Kriminalfall!

FAZIT
Ein unterhaltsamer Wohlfühl-Krimi - mit einer interessanten, liebevoll-schrägen Detektiv-Truppe, nettem Amsterdamer Lokalkolorit und tollem hyggeligen Flair! Perfekt für Liebhaber von leichten und humorvollen Krimis!

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Veröffentlicht am 13.05.2023

Ein stimmiger historischer Kriminalroman mit tollem Wiener Lokalkolorit

Der Kuss des Kaisers
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MEINE MEINUNG
Der historische Kriminalroman »Der Kuss des Kaisers« von der österreichischen Autorin Christine Neumeyer ist bereits der zweite Band ihrer vielversprechenden Wien Krimi-Reihe, die mich mit ...

MEINE MEINUNG
Der historische Kriminalroman »Der Kuss des Kaisers« von der österreichischen Autorin Christine Neumeyer ist bereits der zweite Band ihrer vielversprechenden Wien Krimi-Reihe, die mich mit seinem wundervollen Zeit- und Lokalkolorit sehr begeistern konnte.
Dieser Band lässt sich übrigens problemlos auch ohne Vorkenntnisse des Vorgängerbands lesen.
Im Mittelpunkt des zweiten Kriminalfalls, der im Wien des Jahres 1908 angesiedelt ist, stehen erneut die beiden sympathischen Ermittler der zivilen Wiener Geheimpolizei - Polizeiagent Johann Pospischil und sein junger Kollege Frisch.
Die Autorin nimmt uns mit ins historische Wien, das sich anlässlich des 60-Jahre-Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. mit dem neuen Gemälde „Der Kuss“ vom berühmten Künstler Gustav Klimt als Exponat auf eine ganz besondere Kunstausstellung in der Modernen Galerie des Schlosses Belvedere vorbereitet. Gekonnt zeichnet die Autorin ein schillerndes, stimmiges Bild dieser faszinierenden imperialen Kaiserstadt und der allmählich zu Ende gehenden Epoche der k. u. k. Monarchie. Die sehr bildhaft beschriebenen Schauplätze in Wien insbesondere dem Schloss und seinen Gartenanlagen lassen einen rasch in die damalige Zeit eintauchen. Lebendig und anschaulich fängt sie das Alltagsleben der Menschen mit ihren Sorgen und Nöten ein, zeigt die Spannungen zwischen den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Ethnien auf und lässt immer wieder auch interessante historische Details und politische Verwicklungen ins Geschehen einfließen. Für ein authentisches Flair sorgen zudem die oft mundartlich eingefärbten Dialoge, die ich auch ohne Übersetzung gut verstehen konnte, und Auftritte von historischen Persönlichkeiten wie beispielsweise Thronfolger Franz Ferdinand, seiner schwangeren Gattin Fürstin Sophie sowie des berühmten Malers Gustav Klimt. Es dauert anfangs etwas, bis die Ermittlungen zum eigentlichen Kriminalfall aufgenommen werden, denn zunächst lernen wir eine Menge interessanter Figuren mit ihren Hintergrundgeschichten und bei ihrer Arbeit kennen, die aber alle einen engen Bezug zum späteren Mordopfer haben.
Der Krimi ist als klassischer Whodunit angelegt, der zwar eher gemächlich voranschreitet mit seinen Perspektivwechseln aber abwechslungsreich gestaltet ist und viel Stoff zum Miträtseln bietet. Es bereitet viel Spaß gemeinsam mit dem eingespielten Ermittlerteam die vielfältigen Spuren zu verfolgen, auf ihrer heiklen Mission etliche Verdächtige zu vernehmen und dem grausamen Täter auf die Spur zu kommen. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie durch die zugelaufene Hundedame Labrador, die mit ihrem richtigen Riecher schließlich wesentlich zur Aufklärung des Falls beiträgt. Äußerst spannend sind auch die authentischen, geschickt in die Handlung eingewobenen Einblicke in die damalige kriminalistische Ermittlungsarbeit.
Der Krimi lebt aber auch von seinen vielschichtig angelegten Figuren, die mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet sind. Hervorragend haben mir insbesondere die sympathische Hauptfigur des pflichtbewussten, etwas kauzigen Polizeiagenten Pospischil mit aufschlussreichen Einblicken in sein Privatleben gefallen, sowie die spannende Zusammenarbeit mit seinem jungen aufgeweckten Assistenten Frisch, der den älteren Kollegen stets richtig zu nehmen weiß.
Ob nun die gutmütige Putzhilfe Erna Kührer und ihre Familie, der arrogante Amtssekretär Josef Krzizek oder Pospischils selbstbewusste Schwester Gerti – alle Nebenfiguren sind entsprechend ihrer Rolle in der Geschichte sehr facettenreich ausgearbeitet und gelungen dargestellt.
Nach einigen unerwarteten Wendungen nimmt der verzwickte Kriminalfall immer mehr an Fahrt auf und gipfelt in einem spannenden Finale. Die überraschende Auflösung ist schlüssig und das schockierende Tatmotiv für die damalige Zeit durchaus nachvollziehbar.
Ich bin gespannt, ob es eine Fortsetzung dieser gelungenen historischen Krimi-Reihe geben wird – eigentlich wäre es ja schade wenn der gute Pospischil sich trotz seiner gewissen Wehwehchen so rasch aufs Altenteil verabschieden würde und hoffe daher auf ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Charakteren.

FAZIT
Ein gelungener, rundum stimmiger historischer Kriminalroman - mit sympathischen Ermittlern, einem interessanten Fall, viel zeitgeschichtlichem Flair und tollem Wiener Lokalkolorit!
Ein gemütlicher und unterhaltsamer Ausflug ins Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts!

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Veröffentlicht am 13.05.2023

Ein fesselnder Segeltörn ins Ungewisse

In blaukalter Tiefe
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MEINE MEINUNG
Nach ihrem Spiegel-Bestseller „Unter Wasser Nacht“ hat die deutsche Autorin Kristina Hauff mit „In blaukalter Tiefe“ erneut einen höchst fesselnden Spannungsroman vorgelegt.
Hierin nimmt ...

MEINE MEINUNG
Nach ihrem Spiegel-Bestseller „Unter Wasser Nacht“ hat die deutsche Autorin Kristina Hauff mit „In blaukalter Tiefe“ erneut einen höchst fesselnden Spannungsroman vorgelegt.
Hierin nimmt sie uns mit auf einen Segeltörn in die wildromantischen schwedischen Schären mit fünf Protagonisten wie sie kaum unterschiedlicher sein könnten. Was als ein unbeschwerter Traumurlaub beginnt, der frischen Wind in ihre Ehekrise und schleichende Entfremdung bringen soll, gerät langsam außer Kontrolle und endet schließlich in einem Alptraum.
Mit diesem typischen „closed-room-Szenario“ hat die Autorin das ideale Setting für einen zwar nicht neuen, aber vielversprechenden Plot gewählt, das natürlich aufgrund ungewohnter Nähe und fehlender Rückzugsmöglichkeiten großes Konfliktpotential in sich birgt und dramatische Zuspitzungen befürchten lässt.
Erzählerisch hat mich dieser Roman mit seinem ansprechenden, eindringlichen Schreibstil und insbesondere den atmosphärisch dichten, bildgewaltigen Beschreibungen der Landschaft und Naturgewalten sehr begeistern können.
Bereits mit dem einführenden Erzählstrang werden geschickt ungute Vorahnungen geweckt. Die Autorin versteht es hervorragend, uns mit spannenden Wendungen zu überraschen und die von Beginn an schwelende, unheilvolle Stimmung stetig zu verdichten.
Erzählt wird die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven der vier Protagonisten – Caroline, Andreas, Daniel und Tanja, so dass wir eindrückliche Einblicke in ihre Gedankenwelt, Emotionen und inneren Abgründe erhalten und mehr über. ihre Hintergrundgeschichten erfahren.
Die raschen Perspektivwechsel und die Gegenüberstellung der so unterschiedlichen Charaktere sorgen für einen kontinuierlichen Spannungsaufbau. Gebannt verfolgt man Geschehnissen an Bord der Segelyacht - den zunehmenden Animositäten und sich allmählich zuspitzenden Konflikten, die zwangsläufig auf eine Katastrophe hinauslaufen.
Während die verschiedenen Charaktere anfangs noch die von ihnen erwarteten Rollen spielen, bekommt die künstlich aufrecht erhaltene perfekte Fassade immer mehr Risse, Beziehungen werden infrage gestellt bis schließlich alle Masken fallen und sich jeder – an seine absoluten Grenzen getrieben - in einem psychischen Ausnahmezustand befindet. Hauff ist es hervorragend gelungen, die faszinierende, sich immer weiter verselbständigende Gruppendynamik, die dramatischen psychologischen Entwicklungen und verhängnisvollen Verwicklungen an Bord der „Querelle“ einzufangen.
Auf geniale Weise spiegelt Hauff die explosive Atmosphäre und eskalierenden Machtspielchen während des Segeltörns in den zunehmend aufgeladenen Naturgewalten, und lässt das Ganze schließlich in dem bedrohlichen Aufziehen eines Sturmtiefs kumulieren. Die Autorin zeichnet ein sehr eindrucksvolles und überaus glaubhaftes Psychogramm ihrer Figuren. Ob nun der wortkarge, undurchschaubare Skipper Eric, die distanzierte, karriereorientierte, selbstbewusste Caroline, die von ihrem Mann entfremdet ist und einen Neuanfang sucht, ihr geltungssüchtiger, erfolgsverwöhnter Mann Andreas, oder der ehrgeizige, opportunistische Daniel, der sich als Anwaltskollege von Andreas Hoffnungen auf eine Partnerschaft in der Kanzlei ausrechnet bis schließlich zu seiner bodenständigen, empathischen und unsicheren Freundin Tanja, die sich als schwarzes Schaf völlig deplatziert fühlt – sie alle sind sehr stimmig und tiefgründig ausgearbeitet. Auch wenn sie kaum Sympathien bei mir weckten, habe ich ihre Handlungen angesichts der herausfordernden Krise mit großem Interesse verfolgt und nachvollziehen können.

FAZIT
Ein sehr atmosphärischer und eindringlich erzählter Spannungsroman – mit differenzierten, feinfühligen Charakterstudien, einer mitreißenden Dynamik und eindrucksvollen Natur- und Landschaftsbeschreibungen und!

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