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Veröffentlicht am 05.12.2024

Fesselnd und mit viel Atmosphäre

Das Haus der Bücher und Schatten
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Livland im Baltikum, 1913: Die junge Lektorin Paula Engel besucht zusammen mit ihrem Verlobten Jonathan den exzentrischen Schriftsteller Aschenbrand, der in einem großen, von der Welt abgeschnittenen Haus ...

Livland im Baltikum, 1913: Die junge Lektorin Paula Engel besucht zusammen mit ihrem Verlobten Jonathan den exzentrischen Schriftsteller Aschenbrand, der in einem großen, von der Welt abgeschnittenen Haus Hundsheide lebt. Sie hofft, von ihm das Manuskript seines neuesten Werkes zu bekommen, auf das sie und ihr Leipziger Verlag schon länger erfolglos warten. Der Besuch verläuft aber anders als geplant: Paula wird von Aschenbrand immer wieder vertröstet. Zudem macht ihr die sonderbare Atmosphäre im Haus zu schaffen: Sie hört merkwürdige Geräusche und hat erschreckende Visionen...

Leipzig, 1933: Polizeikommissar Cornelius Frey ermittelt in einem rätselhaften Mordfall. Bei den Toten handelt es sich um einen seiner Kollegen, den Polizisten Zirner und eine junge Frau, der Cornelius erst vor kurzem das Leben rettete. Im Zuge der Ermittlungen erfährt er, dass sich Zirner vor seinem Tod mit einem alten Vermisstenfall beschäftigte. Er versuchte herauszufinden, was mit einem Lektoren Paar geschah, das 1913 von einer Reise nach Livland nicht zurückgekommen ist. Frey folgt der Spur und begibt sich dabei in große Gefahr...

Es war mein erster Roman von Kai Meyer und ganz sicher nicht der letzte. Der Autor hat mich schlicht verzaubert! Er hat einen wunderbaren Roman geschrieben, der eine sehr gelungene Mischung aus einem Krimi, einem historischen Roman und einer Schauergeschichte ist, packend und unglaublich atmosphärisch. Kai Meyer schafft es perfekt, die jeweilige Stimmung einzufangen. Nur zu gerne ließ ich mich von ihm entführen: mal nach Leipzig aus der Nazizeit, mal in die abgeschiedene Gegend im Baltikum. Ich wanderte mit Kommissar Frey durch den Nebel des Graphischen Viertels, atmete den Kohlenstaub der Dampfmaschinen ein und gleich danach saß im Zug nach Riga und sah die verschneiten Wälder Livlands vorbeirauschen und noch später gruselte ich mich beim Erkunden des Hauses Hundsheide... Ein Leseerlebnis vom Feinsten! Auch die Charaktere gefallen mir sehr gut, sie sind lebendig und überzeugend, allen voran Cornelius Frey. Ich hoffe sehr, dass es noch einen weiteren Roman mit ihm in der Hauptrolle geben wird – er gehört ab sofort zu den interessanten Protagonisten, denen ich gerne wieder begegnen möchte.

Das Buch punktet außerdem mit einer schönen graphischen Gestaltung: das Foto auf dem Cover passt meines Erachtens perfekt zum Inhalt und stimmt den Leser gut auf die Lektüre ein.

Fazit: Toll geschrieben und spannend bis zum Schluss, den ich übrigens sehr gelungen finde. Für mich definitiv eines der Lesehighlights dieses Jahres!





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Veröffentlicht am 02.12.2024

Eine Geschichte, die fesselt und berührt

Im Namen der Barmherzigkeit
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1972 kommt in einem Wiener Hospital ein Mädchen zur Welt, das von seiner kaltherzigen und egoistischen Mutter als Seitensprungkind abgelehnt und der Fürsorge übergeben wird. Mit zweieinhalb kommt die kleine ...

1972 kommt in einem Wiener Hospital ein Mädchen zur Welt, das von seiner kaltherzigen und egoistischen Mutter als Seitensprungkind abgelehnt und der Fürsorge übergeben wird. Mit zweieinhalb kommt die kleine Steffi in die Steiermark, wo sie fortan bei einer Bauernfamilie als eins ihrer Pflegekinder lebt. Leider entpuppt sich das ländliche Leben als keine Idylle und das Ehepaar Kellerknecht ist keineswegs so nett und fürsorglich, wie es sich nach außen gerne gibt. Vielmehr betrachten die beiden ihre Pflegekinder als billige Arbeitskraft, lassen sie bis zur Erschöpfung schuften und kümmern sich kaum um das Wohlergehen ihrer Schützlinge. Auch Strafen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Steffi erträgt wie die anderen stumm ihre Leiden und traut sich nicht, jemandem von den unmenschlichen Lebensbedingungen zu erzählen. Doch mit zwölf lernt das Mädchen eine noch schlimmere Grausamkeit kennen und irgendwann kann sie nicht länger schweigen...

Ich lese seit Jahren Bücher von Hera Lind und bin jedes Mal fasziniert, wie schnell sie es schafft, mich als Leserin in ihren Bann zu ziehen. Die Geschichten, die sie nacherzählt, sind immer außergewöhnlich, fesselnd und bewegend. Nicht anders verhält es sich mit diesem Roman. Die Autorin schildert erneut dramatische menschliche Schicksale nach wahren Begebenheiten und tut dies mit so viel Einfühlungsvermögen, dass es mir unter die Haut geht. Diesmal sogar noch mehr als sonst, da es um das Kinderwohl geht und ich bin selbst Mutter. Steffis Geschichte hat mich zu Tränen gerührt und ich hoffe sehr, dass der Roman zahlreiche Leser ebenso bewegen wird. Das Thema sexueller Missbrauch an Kindern darf kein Tabuthema sein! Solange es Täter gibt, die Kindern Ähnliches antun, dürfen wir nicht schweigen! Ich habe großen Respekt vor der Autorin, die sich bei diesem Roman das erste Mal daran herangewagt hat. Ich bin mir sicher, dass auch ihr die Geschichte sehr viel abverlangt hat. Sie hat die Herausforderung trotzdem angenommen und gemeistert, indem sie genau die perfekten Worte gefunden hat! Möge das Buch möglichst viele Menschen aufrütteln und für das Thema sensibilisieren, damit ähnliche Fälle in Zukunft rechtzeitig verhindert werden können!

Fazit: Eine erschütternde Geschichte, die unter die Haut geht, zugleich aber von der menschlichen Stärke zeugt und trotz allem Mut macht. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 29.11.2024

Der turbulente Familienurlaub

Gregs Tagebuch 19 - So ein Schlamassel!
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Gregs Oma wird 75 und hat einen besonderen Geschenkwunsch: ein Foto von der ganzen Familie am Strand der Insel Knitterfels, wo sie früher mit ihren Lieben immer Urlaub gemacht hat. Die Oma hat in der ...

Gregs Oma wird 75 und hat einen besonderen Geschenkwunsch: ein Foto von der ganzen Familie am Strand der Insel Knitterfels, wo sie früher mit ihren Lieben immer Urlaub gemacht hat. Die Oma hat in der Familie das Sagen und so wird ihr der Wunsch erfüllt, auch wenn das nicht allen passt. Doch so ein aufgezwungener Urlaub kann zu einer stressigen Angelegenheit werden. Erst recht, wenn man eine Familie wie Greg hat...

Meine Kinder und ich sind seit Jahren große Fans von Greg und freuen uns auf jeden neuen Band, die witzigen Comic-Zeichnungen und jede Menge lustige Abenteuer. Bisher wurden wir nie enttäuscht und auch diesmal hat es sich gelohnt, zu warten. Jeff Kinney schaffte es erneut, uns gut zu unterhalten und immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Bei dem Thema Familienurlaub sind diverse Pannen natürlich vorprogrammiert, aber Gregs schräge und doch liebenswerte Verwandte treiben es richtig auf die Spitze! Und am Ende werden sogar noch zwei Familiengeheimnise gelüftet!

Die Zeichnungen sind wie immer eine Wucht und auch das Cover fand ich sehr gelungen!

Fazit: Ein turbulenter Lesespaß für die ganze Familie!

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Unterhaltsam und zum Nachdenken anregend

Juli, August, September
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Die promovierte Kunsthistorikerin Lou und ihr Ehemann Sergej sind beide jüdisch. Sie leben mit der kleinen Tochter Rosa in Berlin. Sergei ist ein gefragter Konzertpianist und nur selten zu Hause. Die Ehe ...

Die promovierte Kunsthistorikerin Lou und ihr Ehemann Sergej sind beide jüdisch. Sie leben mit der kleinen Tochter Rosa in Berlin. Sergei ist ein gefragter Konzertpianist und nur selten zu Hause. Die Ehe steckt schon länger in einer Krise und auch beruflich läuft es für Lou nicht mehr gut: Nach dem Verlust ihres ungeborenen Babys hat sie ihren Job in einer Kunstgalerie gekündigt und versucht ein Buch zu schreiben, kommt mit dem Projekt aber nicht wirklich voran.
Als die Einladung zum 90. Geburtstag ihrer Tante kommt, ist Lou zuerst skeptisch. Doch dann lässt sie sich von ihrer Mutter überreden und fährt zusammen mit ihr und Rosa nach Gran Canaria, wo die Feier stattfindet. Dort trifft sie auf ihre Familie aus Israel, die sie inzwischen kaum noch kennt. Man versucht miteinander zu reden, doch man ist sich nicht mehr vertraut. Durch die in den Gesprächen unterschiedlich dargestellten Versionen der gemeinsamen Vergangenheit entsteht in Lou das Bedürfnis, die Familiengeheimnisse zu lüften, sich Klarheit zu verschaffen und dabei ihrer eigenen Identität näherzukommen. Kurz entschlossen bucht sie einen Flug nach Tel Aviv, wo sie Antworten zu finden hofft...

Olga Grjasnowas Roman hat mich persönlich sehr angesprochen, da auch ich einen Migrationshintergrund habe. Manche Fragen, die sich die Protagonistin stellt, beschäftigen mich ebenfalls. Lous Suche nach ihren Wurzeln und das Hinterfragen der Familiengeschichte brachten mich zum Nachdenken. Ich fand es auch sehr interessant, einen Einblick in das Leben einer modernen jüdischen Familie in Deutschland zu bekommen. Die von der Autorin behandelten Themen sind zwar schwierig, doch mit ihrem leichten, durch einen trockenen Humor bestechenden Schreibstil vermag sie es, dem Roman die Schwere zu nehmen. Hinzu kommt ihre große Beobachtungsgabe. Für mich war die Lektüre durchaus unterhaltsam, ich habe Vieles wiedererkannt und musste häufig schmunzeln. Sie hat mich aber auch stellenweise erschüttert: Die Passagen, in denen die dramatischen Schicksale von Lous Vorfahren und die Grausamkeiten des Krieges geschildert werden gehen unter die Haut. Wichtig fand ich die Anspielungen auf die gegenwärtige politische Lage mit Bezug auf den Ukraine-Krieg. Dies verleiht dem Buch eine besondere Brisanz.

Fazit: Keine fesselnde Lektüre, aber durchaus lesenswert!

Veröffentlicht am 09.09.2024

Ein bewegender Roman über den Mut zum Neubeginn, die menschliche Stärke und die Kraft der Liebe

Vaterländer
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1985: Um seiner Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen kehrt der rumänische Violinist Béla Tambrea nach einer Konzertreise nicht in sein Heimatland zurück und versucht sich in Deutschland eine Existenz ...

1985: Um seiner Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen kehrt der rumänische Violinist Béla Tambrea nach einer Konzertreise nicht in sein Heimatland zurück und versucht sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen. Erst zwei Jahre später dürfen die Ehefrau Rodica und die Kinder Sabin und Alina nachkommen. Die Wiedersehensfreude ist riesig, doch der gemeinsame Neustart im fremden Land ist alles andere als einfach. Hinzu kommt die Sehnsucht nach den weiteren Familienmitgliedern, die in Rumänien geblieben sind, wo immer noch der gefürchtete Diktator Ceauceșcu an der Macht ist...

Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass Sabin Tambrea, den ich für einen brillianten Schauspieler halte, auch Bücher schreibt. So wurde ich sehr neugierig, als ich "Vaterländer" entdeckt habe. Der Klappentext hat meine Neugier noch gesteigert. Ich habe auf eine bewegende und interessante Lektüre gehofft und wurde nicht enttäuscht. Sabin Tambreas Schreibstil weisst Eigenschaften aus, die ihn auch als Schauspieler auszeichnen: unglaubliche Sensibilität, Warmherzigkeit und Einfühlungsvermögen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und war tief bewegt von den Schicksalen der Protagonisten, in die ich mich oft hineinversetzen konnte. Auch ich habe einen Migrationshintergrund und so konnte ich nachvollziehen, wie schwierig es für Tambreas Familie war, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben in Deutschland zu beginnen. Wobei ich das große Glück hatte, in meinem Heimatland keine politischen Repressalien erfahren zu haben. Die Passagen, in denen das Leid von Horea Sava und anderen rumänischen Bürger geschildert wird, stehen in einem harten Kontrast zu der ersten Hälfte des Buches. Statt mit dem hoffnungsvollen Neubeginn sehen wir uns mit einem sehr düsteren Kapitel der rumänischen Geschichte konfrontiert. Ich gestehe, ich wusste wenig davon und so ich war ich beim Lesen erschüttert, schockiert und voller Mitgefühl für dieses Volk, das so viel erdulden musste.

Besonders eindrucksvoll fand ich den letzten Teil des Buches, in dem der Autor die Geschichte seiner Eltern erzählt. Erneut wunderbar einfühlsam und berührend, zum Mitfiebern! Die Schicksale von Béla und Rodica gehen unter die Haut, mit diesem Buch setzt Sabin Tambrea der unerschütterlichen Liebe der beiden ein Denkmal. Überhaupt ist der Roman in meinen Augen eine wunderschöne Liebeserklärung an seine Familie.

Fazit: Fesselnd, lebendig und mit viel Herzwärme – Sabin Tambrea ist ein Mann vieler Talente, das Schreiben gehört definitiv dazu!