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Veröffentlicht am 31.08.2025

Ugli gugli und weitere wahnsinnige Wortschöpfungen

Neon und Bor
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Ein gewagtes und gelungenes Experiment - so viel vorweg. In gewohnt heiterer Manier präsentiert uns Marc-Uwe Kling gemeinsam mit Jan Cronauer und dem Team von Monströös ein offiziell als Kinderbuch getarntes ...

Ein gewagtes und gelungenes Experiment - so viel vorweg. In gewohnt heiterer Manier präsentiert uns Marc-Uwe Kling gemeinsam mit Jan Cronauer und dem Team von Monströös ein offiziell als Kinderbuch getarntes Wortwitzalbum. Das Cover lässt ganz eindeutig die primäre Zielgruppe (Kinder) erkennen, mit seinen knallbunt illustrierten Hauptfiguren Neon (she) und Bor (he). Allerdings könnte man ganz unironisch an vielen Stellen bemerken, dass eine gewisse politische und naturwissenschaftliche Bildung, aka Erwachsensein, hilfreich ist, um die Witze und Anspielungen zu verstehen. Es sei denn, man ist selbst ein hochbegabtes Kleinkind mit Zugang zu Medien. Oder eben der vorlesende Erziehungsberechtigte, der dem Autor dankbar ist für die an ihn gerichteten Unterhaltungshäppchen. Im Vergleich sind die Witze im bekannten Neinhorn wahrscheinlich zugänglicher und leichter verständlich. Die beiden verschwisterten Protagonisten gestalten im Buch das ein oder andere Chaos und bringen ihre Eltern mit ihren Erfindungen und ihrer Dickköpfigkeit zur Weißglut, sind dabei jedoch so kindlich neugierig und liebenswürdig, dass man sie in sein Herz schließt. Die Bilden von Monströös untermalen charakterstark die Tätigkeiten und erlauben es so auch den jüngeren Leserschaft genügend Einblicke, um der Handlung einigermaßen folgen zu können. Mit Sicherheit erfährt man nochmal einen Zugewinn, wenn man sich das Hörbuch, wie immer im Original vom Autor gelesen, zu Gemüte führt. Denn man kann sich beim Lesen bereits vorstellen, dass Kling durch die Betonung der Babysprache ("Ugli gugli") oder der vielen beschriebenen Geräusche der Geschichte noch den perfekten Dreh gibt. Oder die Story ist einfach alles "Quantenquark" und einer wahnwitzigen Wette zwischen Kling und Einstein entsprungen. Wer weiß das schon? Wie so oft wird es so sein, dass man die Art der Geschichte entweder liebt oder hasst. Wenn man crazy Science mag (wie ich), dann versucht man seine Kinder durch eben solche Geschichten auch dafür zu faszinieren (hat so mittelmäßig geklappt). Sonst fragt man sich wahrscheinlich einfach nur was da los ist und weshalb im Kinderkanal mittlerweile eine kleine Serie über Neon & Bor läuft. Ich hoffe doch, dass viele Kinder von der Geschichte inspiriert werden und selbst auch zum Schraubenzieher (oder einem anderen Tool) greifen und abgefahrene Dinge bauen, statt tumb herum zu swipen.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Utopie für Kinder

Komm mit in die Welt von morgen!
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Wünschen wir uns nicht alle eine bessere Welt? Eine mögliche Version davon beschreibt Katja Diehl in ihrem neuen Buch "Komm mit in die Welt von morgen", untermalt mit Illustrationen von Emily Claire Völker.
Auf ...

Wünschen wir uns nicht alle eine bessere Welt? Eine mögliche Version davon beschreibt Katja Diehl in ihrem neuen Buch "Komm mit in die Welt von morgen", untermalt mit Illustrationen von Emily Claire Völker.
Auf etwa 40 großformatigen Seiten begleiten wir Hope, die weder eindeutig Junge noch Mädchen ist, durch ihr Leben in der Stadt. Hope lebt, aus aktueller Sicht, in einer unkonventionellen Mischung aus Familie und offener Gemeinschaft in einem Mehrparteien-Haus. Eigentum existiert quasi nicht mehr und alle teilen sich alles. Es gibt keine Verbrennerautos mehr und alles ist super divers und die Vergangenheit (in etwa heute) wird düster und schmutzig dargestellt. Einmal ganz grundlegend betrachtet hat dieses System sicher viele Vorteile, vor allem für die Umwelt. Und das ist sicherlich auch das Hauptanliegen der Autorin. Kinder aufklären, wie eine grüne und soziale Zukunft aussehen könnte. Allerdings erscheint die Gesellschaft sehr einheitlich aus extrovertierten und intelligenten Menschen zu bestehen. Leider ist das nicht Realität, Menschen die Ruhe suchen und deshalb den trubeligen Alltag in diesem Gesellschaftsmodell nur schwer ertragen könnten, werden außen vor gelassen.
Aus literarischer Sicht ist das Buch eine Mischung aus Sachbuch und Erzählung. Es gibt jede Menge "Tipps für Eltern", die ab und zu etwas belehrend anmaßen.
Es gibt viele gute Ansätze, wahrscheinlich hätte es etwas weniger fachlichen Input und dafür mehr Story gebraucht, um wirklich gut lesbar zu sein. Gerade für Kinder fehlte ein richtiger "Held" oder eine "Heldin" in der Geschichte und es ging mehr um das Drum-Herum als um die Hauptfigur.

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Veröffentlicht am 13.12.2024

Tolle Zeichnungen lassen auch erwachsene Augen strahlen

Earhart
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Jubiläum bei den Mäusen. Es ist nun zehn Jahre her, dass Torben Kuhlmann das erste Buch mit den erfinderischen und mutigen Mäusen veröffentlichte. Dies nahm er zum Anlass, erneut das Thema fliegerische ...

Jubiläum bei den Mäusen. Es ist nun zehn Jahre her, dass Torben Kuhlmann das erste Buch mit den erfinderischen und mutigen Mäusen veröffentlichte. Dies nahm er zum Anlass, erneut das Thema fliegerische Pionierleistung in den Fokus des neuen Bandes zu nehmen.
Diesmal ist es die Geschichte von Amilia Earhart, die mit Hilfe der flauschigen Protagonisten nacherzählt wird. Die Reise um die Welt mit einem Flugzeug war damals ein enormes Unterfangen, Wetter noch unberechenbar und potenziell tödlich.
Die Reise nimmt meiner Meinung nach leider nur einen kleinen Teil des Buches ein, mehr wird der Fokus auf die Hindernisse vor dem Start gelegt. Wie kommt eine Maus zum Fliegen, was motiviert sie ihre bekannten Wege zu verlassen und Gegenwind aus den eigenen Reihen zu überwinden?
Das besondere an dem Buch ist, wie der Autor und gleichzeitig Illustrator die Bilder als erzählerisches Mittel verwendet. Man muss sie aufmerksam "lesen", um der Geschichte folgen zu können. Das hat mich als Erwachsene zuerst etwas verwirrt, weil ich zu sehr rein auf den Text geachtet habe. Dann hat mir Inhalt zum Verständnis gefehlt, den ich mir erst wieder aus den Bildern erarbeiten musste. Für zuhörende Kinder sicher kein so großes Problem.
Insgesamt halte ich die Bücher von Kuhlmann für außergewöhnlich. Ich liebe es, wie naturwissenschaftliche und technische Errungenschaften im Bilderbuchformat künstlerisch aufbereitet werden.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Liebenswerte Figuren und lehrreiche Story

Lua Luftwurzel - Silberelfen fängt man nicht
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Lua Luftwurzel ist eine kleine Elfe, die im Wald lebt und hauptamtlich den Waldbewohnern hilft - ganz uneigennützig und voller Herz. Im Gegensatz dazu scheint Malicia eine giftige Hexe zu sein, die Geld ...

Lua Luftwurzel ist eine kleine Elfe, die im Wald lebt und hauptamtlich den Waldbewohnern hilft - ganz uneigennützig und voller Herz. Im Gegensatz dazu scheint Malicia eine giftige Hexe zu sein, die Geld mit dem Verkauf von gezüchtigten Fabelwesen macht.

Doch in diesem modernen Märchen gibt es glücklicherweise einige Wendungen und Erkenntnisse, die zeigen, dass jedes Wesen nicht nur schwarz oder weiß, böse oder gut ist. Christoph Minnameiers Geschichte lässt Kinder erkennen, dass jeder aus einem bestimmten Grund handelt und man durch viel Verständnis und Offenheit so einiges erreichen kann. Es geht um Gerechtigkeit, das Überdenken von Regeln und Mut.
Die dazugehörigen Illustrationen von Daniel Napp runden die Geschichte perfekt ab. Der Wald ist mal düster, mal einladend und das kleine Hexenhaus schön schief und heimelig dargestellt.

Insgesamt beeindruckt die Geschichte für Kinder ab etwa 5 Jahren mit viel Herz und Liebe für die Natur und zeigt, wie wichtig es ist aufeinander zuzugehen, die Bedürfnisse der Mitlebewesen zu respektieren und sich gegenseitig zu unterstützen.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Ey Mann, da ist was los in den Pilzen

Mushroom Fever
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Pilz-Bücher - gibt es davon nicht schon genug? Jein. Bestimmungsbücher wahrscheinlich schon. Da liegt es eher daran, ob man lieber Zeichnungen oder Fotos mag. Aber Bücher, die ansteckend die Leidenschaft ...

Pilz-Bücher - gibt es davon nicht schon genug? Jein. Bestimmungsbücher wahrscheinlich schon. Da liegt es eher daran, ob man lieber Zeichnungen oder Fotos mag. Aber Bücher, die ansteckend die Leidenschaft zur Natur schildern und auch ausgewählte Porträts zeigen, gibt es nur wenige, die Spaß machen und so mega stylisch gestaltet sind.

Moritz Schmid gelingt die Kombination sehr gut. Er ist genau der Typ Mensch, in den sich viele Leser hineinversetzen können. Gehetzte Stadtmenschen, die Ausgleich in der Natur suchen. So zumindest beschreibt Schmid den Beginn seiner Wald-Entdecker-Zeit. Das Rausgehen und Entschleunigen bringt ihn letztlich zum Kennenlernen der Pilze und somit zum Glück. In unnachahmlicher Art berichtet er, wie gut ihm und uns Waldbaden tut und welche wunderbaren Eigenschaften Pilze haben können.

Im ersten Teil des Buches führt er uns hinein in den Wald, erklärt wie krass Pilze sein können. In moderner Sprache und mit vielen bunten und lebhaften Anekdoten gestaltet er das Thema, sodass alles gut nachvollziehbar und verständlich ist. Es geht um Vitalpilze, die Ethik des Sammelns und was man mit Pilzen noch so machen kann außer Essen.
Im zweiten Teil folgen dann zwanzig Artporträts, die wortwörtlich ein gutes Bild abgeben. Schmids eigene Fotos sind der Hammer, wirklich Kunst. Die Auswahl der vorgestellten Pilze besteht hier im positiven Sinne nicht nur aus den üblichen Verdächtigen (Pfifferling, Steinpilz, etc.), sondern er zeigt uns auch einige Arten, die für viele bisher nicht auf der Sammelliste standen.

Insgesamt ein tolles Buch über die Natur und eine moderne Art und Weise sich dem Thema Pilze und ihrer Verwendung zu nähern.

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