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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2021

Tindern während Corona

Das Vierzehn-Tage-Date
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Das Buch nimmt sich auf leichte Weise den gegenwärtigen Themen Corona und dem dadurch häufigen Dating via Tinder an, erfährt aber an gewissen Stellen etwas Tiefgang und Gesellschaftskritik.
Im Vordergrund ...

Das Buch nimmt sich auf leichte Weise den gegenwärtigen Themen Corona und dem dadurch häufigen Dating via Tinder an, erfährt aber an gewissen Stellen etwas Tiefgang und Gesellschaftskritik.
Im Vordergrund stehen jedoch David und Corinna, die kurz vor dem Lockdown noch ein persönliches Treffen wagen. Sie sind sich zwar schnell einig, dass sie nicht zueinander passen, dumm nur, dass sie dann durch unglückliche Umstände zur gemeinsamen Quarantäne gezwungen werden.

Die beengten Raumverhältnisse, die beiden unterschiedlichen Charaktere wie Feuer und Wasser, die Dialoglastigkeit des Buches - eigentlich gute Zutaten für einen spritzigen und witzigen Schlagabtausch à la Screwball. Doch leider ist der Austausch eher fad, lässt den Funken bei mir nicht überspringen und animiert kaum zu Lachern. Corinna war an vielen Stellen einfach nur anstrengend und David zu sehr Moralapostel. Ich konnte mich für keinen erwärmen.

Insgesamt leichte Kost, die sich zügig lesen lässt, von der ich mir aber mehr versprochen habe.

Veröffentlicht am 10.09.2021

Nur als Einstieg geeignet

Mit der richtigen Ernährung gegen den Seelenblues
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Über die Schilderung ihrer eigenen Leidensgeschichte, die bis zu einem Suizidversuch führte, findet die Autorin den Einstieg in dieses Buch.
Psychische Gesundheit beginne im Kopf oder auch im Darm - wird ...

Über die Schilderung ihrer eigenen Leidensgeschichte, die bis zu einem Suizidversuch führte, findet die Autorin den Einstieg in dieses Buch.
Psychische Gesundheit beginne im Kopf oder auch im Darm - wird er doch nicht grundlos als unser zweites Gehirn bezeichnet. So gibt es Abhandlungen zur Darm-Hirn-Achse und zur Wichtigkeit der Darmgesundheit für psychische Stabilität. Damit wird übergeleitet zu antientzündlicher Ernährung, für die es Listen und Tabellen mit guten und schlechten Lebensmitteln gibt. Kurz wird das Thema Emotionales Essen angerissen und mit einer Anleitung versucht, den Moment, wenn er denn kommt, zum Guten zu wenden.
Die Sammlung an Rezepten, welche wirklich ohne viel Schnickschnack sind, ist überschaubar.
Das Buch mit der leicht verständlichen Schreibweise ist als Einstieg in das Thema gut geeignet, da viele Aspekte angerissen werden. Wer sich dann näher damit beschäftigen möchte, kann und sollte auf andere, tiefergehende Literatur ausweichen. Wer sich hingegen bereits mit diesen Themen auseinandergesetzt hat, wird wenig/nichts Neues dazulernen.

Veröffentlicht am 09.09.2021

Geht unter die Haut

Courage! Courage!
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Das Cover täuscht über die schwere Kost dieses Buches hinweg.
In ungeschönter Weise erlebt der Leser die Leidensgeschichte von Sandra mit, die im Kern doch nur auf der Suche nach Liebe ist.
Dabei ist ...

Das Cover täuscht über die schwere Kost dieses Buches hinweg.
In ungeschönter Weise erlebt der Leser die Leidensgeschichte von Sandra mit, die im Kern doch nur auf der Suche nach Liebe ist.
Dabei ist es keine fiktionale Geschichte, sondern in der schonungslosen Darstellung mehr als nah an der Realität.
Das Buch ist wie ein Autounfall, der so schrecklich ist, dass man am liebsten wegsehen möchte, aber doch nicht kann.
Ich habe beim Lesen eine Achterbahn der Gefühle durchlebt. Dabei waren u. a. Verstörung, Entsetzen, Übelkeit, Tränen; aber auch stets ein leiser Hauch Hoffnung.

Veröffentlicht am 08.09.2021

Es gibt mindestens zwei Seiten

Das ist Lust
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Kein Roman, sondern eine kurze Erzählung. Dennoch ausreichend, um wachzurütteln. Cover und Titel finde ich hingegen nicht so geeignet; sind sie doch recht eindimensional.

Sie handelt von Quin, einem gefeierten ...

Kein Roman, sondern eine kurze Erzählung. Dennoch ausreichend, um wachzurütteln. Cover und Titel finde ich hingegen nicht so geeignet; sind sie doch recht eindimensional.

Sie handelt von Quin, einem gefeierten Lektor, der sich gern mit Frauen umgibt und so in den Strudel von MeToo gerät.
Und von Margot, die seit über 20 Jahren mit ihm befreundet ist, obwohl er ihr damals unvermittelt zwischen die Beine griff, was sie jedoch rigoros abwehrte.

Durch abwechselnde Kapitel wird aus beider Sicht die unterschiedliche Wahrnehmung von Vorkommnissen deutlich. Er, der selbst von seiner Frau als "nicht mal ein Weiberheld“ bezeichnet wird, sondern als "ein anzüglicher, übergriffiger, doppelbödiger Spinner“, legt in Gedanken dar, was ihn dazu bewegt, so mit Frauen umzugehen, wie er es tut.
Vielleicht meint er es wirklich so? Vielleicht hat er gar keine Hintergedanken? Oder sind seine verbalen Äußerungen bereits zu viel des Guten?

Margot berichtet eher die Fakten. Ist einerseits böse auf ihn, versucht aber gleichzeitig, ihren Freund zu verstehen und die Frauen, die damals seine Gesellschaft genossen und ihn nun zu Fall bringen wollen. Sie sagte damals entschieden "Nein" und ergreift nun in gewisser Weise Partei: "Sie [Frauen] sollten nicht in die Lage gebracht werden, sich wehren zu müssen." Und gegen Ende konstatiert sie - musste ich mehrfach lesen - : "Ich würde das niemals in der Öffentlichkeit sagen. [...] Frauen sind wie Pferde. Sie wollen geführt werden. Sie wollen geführt, aber auch respektiert werden. Du musst dir immer wieder ihren Respekt verdienen. Und sie sind scheißstark. Wenn du sie nicht respektierst, schmeißen sie dich ab und stolzieren auf der Koppel herum, während du am Boden liegst und blutest."

Der Schreibstil Gaitskills ist sachlich, fast nüchtern. Auf alle Fälle neutral. Und doch gelingt es der Autorin mit sprachlicher Prägnanz (vielleicht liegt es auch an der Übersetzung), für emotionalen Aufruhr zu sorgen. Man wird zwischen den Parteien hin- und her gerissen. Wer ist im Recht, wer im Unrecht? Lässt sich das überhaupt trennen?
Sie wirft Fragen auf, ohne diese konkret zu stellen. Sie gibt ebenso wenig Antworten, sondern überlest deren Findung den Lesern.
Wo beginnt ein Übergriff überhaupt? Mit einem Augenzwinkern? Mit nicht einvernehmlichem Sex? Lässt sich das allgemeingültig festlegen? Wer ist Täter, wer Opfer? Gibt es beide Rollen überhaupt? Ist alles schwarz-weiß?
Nichts scheint mehr klar.
Wir stehen somit bei #MeToo erst am Anfang.

Veröffentlicht am 06.09.2021

fuRchtbar, nicht fRuchtbar

Glüxfall
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Um es vorweg zu nehmen, das Cover ist das Beste am Buch. Denn sonst konnte mich dieser erotische Liebesroman, als der er beworben wird, aber nicht ist, in keinster Weise überzeugen.

Anders als Mainstream ...

Um es vorweg zu nehmen, das Cover ist das Beste am Buch. Denn sonst konnte mich dieser erotische Liebesroman, als der er beworben wird, aber nicht ist, in keinster Weise überzeugen.

Anders als Mainstream ist auf jeden Fall die chinesische Protagonistin, dazu ist sie Autistin. Gerade zu letzterem Aspekt fehlt in der Darstellung aber ganz klar das nötige Takt- und Feingefühl des Autors. Denn im Buch gibt es zahlreiche Aussagen zu Menschen, ihrer Herkunft, ihren Verhaltensweisen oder Eigenheiten, die abfällig sind, und ganz und gar nicht feinfühlig oder taktvoll (selbst zwischen Schwestern).

Mit dieser Vorgehensweise gelingt es auch nicht, Emotionen zu erzeugen und dem Leser zu vermitteln, wie es für einen Liebesroman nötig wäre.

Auch mit der Erotik will es nicht gelingen, denn es knistert und prickelt weder im Buch noch beim Leser. Statt durch Andeutungen oder Subtilität das Kopfkino beim Leser in Gang zu setzen, wird mit expliziten Schilderungen diese Möglichkeit im Keim erstickt.
Es reiht sich eine explizite Sexszene an die andere. Nicht ein Kapitel, in dem nicht mindestens ein Mal jemand bestiegen, besprungen o. ä. wird, um in der Sprache des Buches zu bleiben.
Das Entgegenwirken zu den vulgären Ausdrücken durch gewollt blumige Wortwahl oder hochtrabendes Vokabular an anderer Stelle und ein vermeintliches Glossar dazu wirken da fehl am Platz und können dieses Sprachniveau nicht ausgleichen.

Als dann Vergewaltigungen auch noch damit gerechtfertigt und verharmlost werden, dass die Frau ja nicht rechtzeitig in den Feierabend verschwunden oder ja dabei gekommen sei, war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ein absolutes No-Go, weshalb ich das Buch nach einem Drittel der Leserunde abgebrochen habe.