Profilbild von clematis

clematis

Lesejury Star
offline

clematis ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit clematis über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2025

Offene Rechnung

Die Schanze
0

Ellen hat ihr Heimatdorf verlassen, um Ärztin zu werden. Nach der Trennung von ihrem Freund kehrt sie dorthin zurück und sieht gleich in der ersten Nacht einen Toten von der Schischanze hängen. Ist das ...

Ellen hat ihr Heimatdorf verlassen, um Ärztin zu werden. Nach der Trennung von ihrem Freund kehrt sie dorthin zurück und sieht gleich in der ersten Nacht einen Toten von der Schischanze hängen. Ist das ihr Willkommensgeschenk? Wer hat hier noch eine offene Rechnung zu begleichen?

Mit einem brutalen Prolog eröffnet Lars Menz diesen Thriller und fesselt damit sofort seine Leser. Danach besteht die Spannung weitgehend aus der düsteren Atmosphäre im Dorf und den unterschwelligen Andeutungen, welche Tragödie sich einst zugetragen hat. Gibt es da etwa einen Zusammenhang mit dem Toten oder mit der Rückkehr Ellens? Sonderbare Figuren schleichen durch die Gegend und wecken Misstrauen durch ihr Verhalten, die Kälte, der Schnee, das Eis am Rande der Alpen tun ihr Übriges zur beklemmenden Stimmung. Geschickt lenkt Lars Menz den Verdacht auf unterschiedliche Personen und untermauert all die entsprechenden Überlegungen mit logischen Details. Am Ende hin gibt es wieder brutalere Bilder, bis endlich die Wahrheit ans Licht kommt.

Die Schanze ist ein gelungener Spannungsroman, der da und dort vielleicht noch mehr Nervenkitzel vertragen hätte, aber durch die interessanten Charaktere und Verdächtigen durchaus punkten kann. Mir hat das Lesen jedenfalls viel Spaß bereitet, weshalb ich das Buch gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 18.01.2025

Sieg

Die Anwältin
0

Zielstrebig, konsequent und unerbittlich ist Kelly McCann als Anwältin, spezialisiert auf die Verteidigung von Männern, welche für Sexualdelikte angeklagt werden. Ihr Ziel ist es stets, die Vorwürfe zu ...

Zielstrebig, konsequent und unerbittlich ist Kelly McCann als Anwältin, spezialisiert auf die Verteidigung von Männern, welche für Sexualdelikte angeklagt werden. Ihr Ziel ist es stets, die Vorwürfe zu entkräften, Beweise als falsch darzustellen und einen Freispruch zu erwirken, einen Sieg einzufahren. Als sie allerdings selbst zum Opfer wird, sinnt Kelly nach Rache.

Tempo und Überraschungen stehen bei diesem Thriller im Mittelpunkt, Bonnie Kistler versteht es, Spannung aufzubauen und hoch zu halten bis hin zur letzten Seite. Das Motiv, möglicherweise schuldige Männer zu verteidigen, wird ebenso herausgearbeitet wie das Bestreben vieler Frauen, sich nicht an die Behörden zu wenden, um sich vor weiteren Demütigungen zu schützen. Dazu kommen noch andere wesentliche Themenkomplexe, denen ich hier nicht vorgreifen möchte. Mit diesem bestens konzipierten Grundgerüst schafft die Autorin ein überaus realistisches Szenario, das den Leser kaum zu Atem kommen lässt und völlig gefangen nimmt von der Materie. Obwohl die ganze Angelegenheit bald abgehandelt zu sein scheint, hängt Kistler raffiniert noch etliche Kapitel an und verblüfft einen immer wieder, genau so, wie auch Kelly ob der Geschehnisse am Ende erstarrt.

Ein überaus gelungenes Buch, welches durch Bonnie Kistlers Zeit als Prozessanwältin realitätsnah und lebendig wird, somit kommt von mir eine klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2025

Zwei Taschen

Regen
0

Endlich kann sich Elisabeth dazu aufraffen, zum Supermarkt zu fahren, als - soeben dort angekommen - heftiger Regen einsetzt. Aus dem Auto vor ihr steigt ein telefonierender Mann aus und deponiert zwei ...

Endlich kann sich Elisabeth dazu aufraffen, zum Supermarkt zu fahren, als - soeben dort angekommen - heftiger Regen einsetzt. Aus dem Auto vor ihr steigt ein telefonierender Mann aus und deponiert zwei Taschen am Boden, ehe er wieder wegfährt. Nach langem Zögern, was zu tun sei, nimmt Elisabeth die beiden Taschen an sich und fährt nach Hause, aber das existiert nur mehr zur Hälfte, die andere Hälfte hat der tosende Bach mit sich gerissen. Sich selbst zerrissen fühlend, fährt sie ziellos Richtung Süden und landet auf einer süddeutschen Alpe, wo sie sich schließlich vor ihrem Ehemann und zwei Herren in schwarzen Anzügen versteckt.

Sowohl Titelbild als auch Klappentext wecken Neugierde auf diesen außergewöhnlichen Roman, dem auch etwas Kriminalistisches anhaftet. Und tatsächlich wird man erst einmal nicht enttäuscht, denn die melodievolle Sprache Claire Beyers nimmt einen sofort gefangen. Auch die Handlung beginnt spannend, wie Elisabeth so nachdenklich im Auto sitzt. Der prasselnde Regen lässt Melancholie aufkommen, das davongerissene Haus einen Entschluss fassen, die wohlerzogene Versicherungsangestellte bricht aus ihrem bisherigen Leben aus. Was nun folgt, ist zuweilen langatmig, an anderer Stelle phantasiebehaftet und schließlich wenig glaubhaft. Dennoch ist ihre Welt, in welche sich Elisabeth zurückzieht, bildhaft geschildert und lässt den Leser teilhaben an ihrer Flucht aus vormals engen Fesseln.

Regen – ein Roman, der sich deutlich vom Durchschnitt abhebt, mich aber trotz allem nicht zu berühren vermag. Elisabeth bleibt mir über all die gemeinsamen Stationen bis in den Süden Italiens hin fremd. Ich bin aber überzeugt, dass andere Leser ganz anders empfinden und auf die Fortsetzung gespannt sind.


Veröffentlicht am 16.01.2025

Brautmord

Die Villa
0

Dani leidet noch immer unter der Tatsache, dass der Mörder ihrer besten Freundin Aoife nicht gefunden werden konnte. Nun, drei Jahre später, organisiert sie eine Rückkehr nach Marbella, wo sie, gemeinsam ...

Dani leidet noch immer unter der Tatsache, dass der Mörder ihrer besten Freundin Aoife nicht gefunden werden konnte. Nun, drei Jahre später, organisiert sie eine Rückkehr nach Marbella, wo sie, gemeinsam mit drei weiteren Freundinnen, Aiofes Junggesellinnenabschied gefeiert hat. Wird sie am dritten Todestag dem Geheimnis näherkommen, die Abläufe in Andalusien rekonstruieren können?

Aus den Blickwinkeln der fünf Freundinnen Aoife, Dani, Tiff, Beth und Celine wird abwechselnd erzählt, teils auf aktueller Zeitebene, teils drei Jahre zuvor, beim ausgelassenen Junggesellinnenabschied. Dani möchte so viel wie möglich ganz ähnlich gestalten wie damals, um ihrem Gedächtnisverlust endlich beizukommen. Die Ungewissheit um den grausamen Mord an Aoife soll endlich ein Ende haben. Wir treffen die fünf jungen Frauen also am Flughafen, besteigen einen weißen Seat Ibiza und fahren die kurvenreiche Straße zur Villa Floriana hinauf. Dort hat sich kaum etwas geändert und somit sprudeln ganz unterschiedliche Gefühle hervor. Während es Rufe gibt nach sofortiger Abreise, wünscht sich Dani zumindest eine gemeinsame Nacht im Unglückshaus.

In knappen Sequenzen führt uns Jess Ryder durch die Handlung und gibt manchmal mehr Rätsel auf als gelöst werden. Obgleich man für eine solche Reise fünf eng befreundete Frauen erwartet, gibt es doch einige Differenzen, ja sogar Geheimnisse und Hinterlistigkeiten, die natürlich nicht gleich offenbar werden. Und auch im heißen Andalusien sind nicht nur ehrenwerte Einheimische unterwegs. Spannende Stunden mit einem steten Hin und Her zwischen den Jahren, unterhaltsame Spielchen und strömender Alkohol, sowie Trauer und die Suche nach Klarheit beherrschen die Handlung, welche den Leser stets mitnimmt in ein weiteres Kapitel, weil die Neugierde einfach groß ist.

Ein tödlicher Junggesellinnenabschied und die Suche nach dem „warum“ – unblutig, aber spannend und wendungsreich.

Veröffentlicht am 15.01.2025

Alte Geschichten

Tod im Piemont - Trüffel, Nougat und Barolo
0

Im kleinen Bergdorf Corazzo, nahe dem Lago Maggiore, betreibt Sofia ein kleines, feines Café. Wer einen Blick in die Zukunft wünscht, bestellt einen Mokka. Diese „Dienstleitung“ hinter dem Holzvorhang ...

Im kleinen Bergdorf Corazzo, nahe dem Lago Maggiore, betreibt Sofia ein kleines, feines Café. Wer einen Blick in die Zukunft wünscht, bestellt einen Mokka. Diese „Dienstleitung“ hinter dem Holzvorhang ist aber nur Einheimischen bekannt, weshalb Sofia sehr verwundert ist, als ein Fremder danach fragt. Wenig später findet man ihn tot an einem Baum hängen, ein sympathischer Commissario aus Verbania, Alessandro Ranieri, übernimmt die Ermittlungen und stößt auf alte Geschichten.

Begleitet von vielen kulinarischen Details aus Sofias Küche geht es durch diesen Kriminalroman, der neben einem Toten auch eine Verbindung ins Jahr 2001 liefert. Im Mittelpunkt steht die junge Cafébetreiberin mit köstlichen Haselnusstorten und hausgemachten Nudelspezialitäten. Darum herum entspinnt sich wie nebenbei ein interessanter Mordfall. Sympathische Charaktere, duftende Küchenaromen und eine malerische Landschaft werden immer wieder von einer Oktobernacht dreiundzwanzig Jahre zuvor unterbrochen, wodurch sich ein gewisses Maß an Spannung aufbaut und den Leser miträtseln lässt, wie alles zusammenhängen mag. Auch Anna Meratis flüssiger Schreibstil trägt zum Spaß beim Lesen bei, sodass man flott durch die Kapitel kommt und Sofia dabei begleitet, wie sie selbst in ihrer Nachbarschaft nachforscht und dabei noch Sympathien für den Kommissar entwickelt.

Ein schönes Buch, weniger für Krimifreunde, welche zielstrebige Ermittlungen bevorzugen, sondern eher für jene, die nach Unterhaltung und regionalem Flair suchen. Bei einem weiteren Fall bin ich gerne wieder dabei.