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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.02.2026

12. Dezember

Die Zahl
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Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte ...

Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte Zahl Zwölf als mahnendes Mal. Otto Morell, der nach einigen aufreibenden Jahren als Kriminalkommissar in Wien wieder in seine Tiroler Heimatgemeinde zurückgekehrt ist, hat sich nichts als Verkehrsdelikte und Nachbarschaftsstreitigkeiten gewünscht, nun ist er gefordert, noch vor dem Christfest einen brutalen Mord aufzuklären.

Ein kleiner Ort, die Gastwirtschaften von Touristen ausgebucht, eine glitzernde Schneedecke über den Bergen, was könnte das Herz höher schlagen lassen? Bis gestern waren noch beschmierte Weihnachtsfiguren vor dem Rathaus das größte Problem für Chefinspektor Morell, nun sieht er sich überfordert von der Last, rasch und zielgerichtet einen aggressiven Täter zu ergreifen, denn der Bürgermeister ist um die Reputation seines Rufs besorgt. Unerwarteterweise bekommt Morell Hilfe von der Gerichtsmedizinerin Nina Capelli und dem Archäologen Leander Lorentz, wodurch die Ermittlungen zwar nicht an Effizienz, zumindest aber an Komik gesteigert werden. Höchst eigenwillige Personen beherrschen die Bühne, durch die gelungene Charakterisierung Daniela Larchers hat man das Trio rasch bildhaft vor Augen. Die Polizeiarbeit wird immer wieder an den Rand gedrängt durch Privates, Morell selbst erweckt eher den Eindruck eines feigen Stümpers als eines klugen Fahnders. Erst findet man gar keine, dann fast zu viele Spuren, denn in dem kleinen eingeschneiten Ort hat bald jeder ein Motiv, auch wenn es noch so windschief ist, aber die Ergebnisse sind immer wieder unbefriedigend. Trotz einiger unglaubwürdiger Szenen ist die grundsätzliche Handlung gut durchdacht und interessant, die Art der Polizeiarbeit jedoch eher unglücklich in ihrer Herangehensweise. Dennoch werden die Ermittlungen irgendwann zu einem logischen Abschluss geführt und man überlegt, wie es mit Morell weitergehen könnte.

Das Erstlingswerk von Daniela Larcher, das noch ausbaufähig ist, zumindest aber sehr guten Unterhaltungswert bietet. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.02.2026

Unter der Brücke

Schatten von Potsdam
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Unter der Potsdamer Glienicker Brücke treibt ein Toter im Wasser. Paula Osterholz und Henry Wullitzer treffen schon früh am Fundort ein und werden sogleich mit schwierigen Bedingungen konfrontiert, denn ...

Unter der Potsdamer Glienicker Brücke treibt ein Toter im Wasser. Paula Osterholz und Henry Wullitzer treffen schon früh am Fundort ein und werden sogleich mit schwierigen Bedingungen konfrontiert, denn hinter der Leiche verbirgt sich niemand anderer als der neunzehnjährige Marinus Jaunich, Sohn eines einflussreichen Unternehmers und gleichzeitig Golffreund des Polizeipräsidenten. Nichts darf an die Öffentlichkeit dringen, Paula und Wullitzer sollen sich zurückhalten, während Jaunich Senior selbst Informationen einholt. Als auch eine Freundin des Toten verschwindet, klingeln bei dem bestens eingespielten Ermittlerduo die Alarmglocken.

Die besondere Schreibweise, den Leser gleich zu Beginn an den Ort des Geschehens mitzunehmen und dem Täter zusehen zu lassen, ist raffiniert eingesetzt und lässt ein gewisses Maß an Verständnis aufkommen, welches sich sonst niemals eingestellt hätte. Diese Sicht wird auch weiterhin beibehalten und drückt dem Krimi einen unverwechselbaren Stempel auf. Obwohl alle Details offenliegen, bleibt die Handlung durchwegs auf hohem Niveau spannend, was wirklich bemerkenswert ist. Die Details zur Jugendclique aus einem noblen Berliner Vorort wirken erschreckend glaubwürdig, die Ereignisse in der Nacht nicht ganz, faszinieren mich als Leser aber trotzdem, denn der Erzählbogen wird insgesamt schlüssig gespannt. So ist man stets neugierig, wie die weitere Entwicklung aussehen könnte und bekommt zwischendurch noch interessante Neuigkeiten zu einigen Ereignissen aus dem Privatleben von Paula und Wullitzer. Schlussendlich werden die Umstände rund um den leblos im Wasser treibenden Jaunich lückenlos geklärt, für Paula jedoch ist noch keine Entwarnung in Sicht – es heißt also: „Warten auf die Fortsetzung!“

Ein dritter, gut angelegter Fall für das überaus authentische Team der Mordkommission Potsdam, die Reihe empfehle ich gerne weiter.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Ratten

Die Witwe
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Ein Toter in einem schmuddeligen Bordell – was soll Serienmörderjäger DS Washington Poe da ausrichten? Aber nicht umsonst werden er und die sehr spezielle Analytikerin Tilly Bradshaw hinzugezogen, um diesen ...

Ein Toter in einem schmuddeligen Bordell – was soll Serienmörderjäger DS Washington Poe da ausrichten? Aber nicht umsonst werden er und die sehr spezielle Analytikerin Tilly Bradshaw hinzugezogen, um diesen Fall aufzuklären. Rasante Ermittlungen sorgen wieder für ein großartiges Lesevergnügen.

Ein skurriler Gerichtstag wird zum ungünstigsten Zeitpunkt unterbrochen, um Poe und Bradford zu „entführen“. Der Mord an einem Freudenhausbesucher erweckt Aufmerksamkeit, warum ist der ehemalige Pilot hier „abgestürzt“? Bald sind Ermittler von FBI und MI5 dem Täter auf der Spur und Tilly erkennt Verbindungen zu einem ehemaligen Bankraub, bei dem nichts gestohlen, dafür aber eine Ratte am Tatort hinterlassen worden ist. Und auch nun ist es eine Ratte, welche erste Hinweise liefert. Chaotisch und gerade deshalb so genial, verläuft die Suche nach der Wahrheit, denn Washington und Tilly sind alles andere als normale Kriminalisten. Gewitzt und klug nähert man sich den tatsächlichen Gegebenheiten an, muss nicht nur einmal den Kurs wechseln und sich aus einer Sackgasse manövrieren. Großartige Charakterzeichnungen und ein eloquenter Schreibstil lassen das Ausheben des Rattennestes zum wahren Vergnügen werden.

Eine bestens durchdachte Handlung, welche verstrickt dargestellt wird und schlussendlich lückenlos aufgelöst wird. M. W. Craven ist stets Garant für Spannung auf hohem Niveau, daher auch diesmal eine Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 01.02.2026

Herzen zum Osterfesst

Anbandelt
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Kurz vor dem Osterfest, welches man im Südburgenland noch groß feiert, wandern die Damen vom Klub der Grünen Daumen durch den örtlichen Wüstengarten. Aber anstelle von seltenen Pflanzen sehen sie einen ...

Kurz vor dem Osterfest, welches man im Südburgenland noch groß feiert, wandern die Damen vom Klub der Grünen Daumen durch den örtlichen Wüstengarten. Aber anstelle von seltenen Pflanzen sehen sie einen leblosen Körper zwischen den dornigen Sträuchern. Angestachelt von neuer Abenteuerlust, kommen sie einem möglichen Mord auf die Spur und treffen dabei auf Geschichten über eine Kommune aus den 1970er-Jahren. Zudem eröffnet Hilda kurzerhand eine energische Demo vor dem in der Ortsmitte gelegenen Supermarkt und ahnt nicht, dass ihr Seniorenherz bald höher schlagen wird.

Bunt und abwechslungsreich wie das Titelbild unterhält uns auch dieser Gartenkrimi bestens, erzählt interessante Details von „menschenfressenden“ Pflanzen, österlichen Bräuchen und längst vergangenen Künstlergruppen, welche auf wahren Begebenheiten fußen. Die illustre Damenrunde im Klub hat allerhand zu tun, der Schreck über den Herrn mit kaltem Herzen sitzt tief. Aber Kontrollinspektorin Marlies wird in ihren Ermittlungen rüde eingeschränkt, setzt man ihr doch aus Wien einen interimistischen Chef vor die Nase, der sie mit seinem machohaften Gehabe zum kaffeekochenden Weiberl degradieren möchte.

Das burgenländische Flair wird, wie immer, großartig eingefangen, die mundartlichen Dialoge passen perfekt ins Bild und werden selbstverständlich per Fußnote ins Hochdeutsche übertragen, sodass auch Leser von weiter weg keinen Schmäh versäumen. Der Humor kommt ebenso wenig zu kurz wie der Alkohol, der besonders in der Gastwirtschaft vom Dunkel Tom ohne Ende fließt und besonders schön ist die Erkenntnis, dass auch in fortgeschrittenem Alter noch Herzerl aus den strahlenden Augen lachen können.

Ein rundum gelungener Gartenkrimi, mit allem, was das Leserherz begehrt – originelle Figuren, Lokalkolorit und Weitsicht bis nach Spanien, ein Schreibstil voller Wortwitz und nicht zuletzt ein spannender Kriminalfall. Ein „Muss“ für Freunde des sonnigen und mörderischen Burgenlands!

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Wandern im Harz

Flüsternde Erinnerungen
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Jojo arbeitet als Physiotherapeut in einem Hamburger Seniorenheim, nach einem ungewöhnlichen Telefonat mit seinem Vater reist er kurzfristig zurück in seine ursprüngliche Heimat im Harz. Anstatt erholsamer ...

Jojo arbeitet als Physiotherapeut in einem Hamburger Seniorenheim, nach einem ungewöhnlichen Telefonat mit seinem Vater reist er kurzfristig zurück in seine ursprüngliche Heimat im Harz. Anstatt erholsamer Tage erwartet ihn dort aber eine Begegnung mit seiner düsteren Vergangenheit, an die er sich auch sieben Jahre danach nicht erinnern kann.

Spannung und Nervenkitzel verspricht die Kurzinfo zum Buch, da ich beides sehr gerne lese, habe ich zu den Flüsternden Erinnerungen gegriffen. Wir starten mit einem Prolog im Jahre 2017 und unternehmen mit einer Gruppe junger Menschen eine Wanderung. Danach geht die Handlung in einer Altenresidenz im Jahr 2024 weiter, wo wir schließlich Jojo kennenlernen, der ein schwerwiegendes Geheimnis mit sich trägt. Nach endlosen Seiten informationsarmen Hin- und Hergeplänkels mit Kollegen und Pfleglingen geht es weiter in den Harz und auf die mysteriösen Spuren einer retrograden Amnesie. Ein Fünftel des Buches ist gelesen, aber weder die Gegenwart noch die Rückblenden zur Waldwanderung erfüllen die Erwartungen eines „düsteren Psychothrillers“ [Klappentext]. Jetzt geht es los, ist meine persönliche Motivation, Irrtum, auch in den noch folgenden Kapiteln will sich bei mir einfach kein Gänsehautgefühl einstellen, leider wirken weder die örtlichen Gegebenheiten noch die einzelnen Geschehnisse aufregend und beklemmend. Selbst die Ausdrucksweise im Buch vermittelt keinerlei Dramatik, wir verlieren uns in banalen Details und Nebensächlichkeiten, welche vielleicht in eine Romanbeschreibung passen, aber in einem Thriller keinen Platz haben. Irgendwann geht es um Homosexualität mit – für mich – nicht nachvollziehbaren Gedankengängen, immerhin finden die Handlungsstränge am Ende alle ihren in sich logischen Abschluss, glaubwürdig sind sie aber trotzdem nicht unbedingt.

Die Idee zum Buch gefällt mir grundsätzlich schon, die Umsetzung ist allerdings nicht recht geglückt. Während andere Leser durchaus positive Meinungen abgeben, möchte ich Flüsternde Erinnerungen nicht weiterempfehlen, am besten, man verschafft sich selbst ein Bild.