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Veröffentlicht am 09.10.2025

Messerstiche

Dunkles Wien - Die Morde von Lainz
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Mit acht Messerstichen niedergestreckt liegt die Leiche im Lainzer Tiergarten. Laura Sturm und ihr Kollege Karl Suchanek vom Wiener LKA sind alsbald einem mutmaßlichen Täter auf der Spur, Chef Martin Farkas ...

Mit acht Messerstichen niedergestreckt liegt die Leiche im Lainzer Tiergarten. Laura Sturm und ihr Kollege Karl Suchanek vom Wiener LKA sind alsbald einem mutmaßlichen Täter auf der Spur, Chef Martin Farkas will den Fall noch vor den nahenden Weihnachtsfeiertagen abschließen. Doch da befallen Laura Zweifel an der Ermittlungsrichtung.

Unterschiedlichste Handlungsstränge präsentiert Lisa Jeglitsch in diesem spannenden Wien-Krimi und zieht die Leser dadurch sofort in ihren Bann. Die Figuren sind vielschichtig angelegt, wodurch sie überaus lebensnah erscheinen mit all ihren Stärken und Problemen. Vereinzelte Rückblicke in die Vergangenheit lassen da und dort Informationen durchblitzen, bis zum Ende hält der Krimi aber Überraschungen bereit. Eine recht eigenwillige Art, Ermittlungen durchzuführen, legen die Wiener Kriminalisten an den Tag und lassen genau dadurch diesen Reihenauftakt zu einem einzigartigen und unverwechselbaren Lesevergnügen werden.

Abwechslungsreich, was Themenauswahl und Charaktere betrifft, ein Kriminalfall, der nichts von dem ist, was er auf den ersten Blick zu sein scheint. Dunkles Wien überzeugt durch ein besonders Flair, das zwischen den Zeilen durchkommt, die Toten für den Folgeband warten schon – darauf bin ich jetzt natürlich neugierig.


Veröffentlicht am 08.10.2025

Kunstauktion

Advent im Grandhotel
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Für eine Kunstauktion in der Vorweihnachtszeit bekommt Ernestine Freikarten, natürlich nimmt sie Anton, Rosa und Fritzi mit zu einem Wochenende im Schnee. Aber statt stimmungsvoller Gemälde und duftender ...

Für eine Kunstauktion in der Vorweihnachtszeit bekommt Ernestine Freikarten, natürlich nimmt sie Anton, Rosa und Fritzi mit zu einem Wochenende im Schnee. Aber statt stimmungsvoller Gemälde und duftender Vanillekipferl entspinnt sich ein wahrer Krimi rund um ein verschwundenes Bild, denn gleich mehrere Personen im Hotel hätten ein Motiv für einen Diebstahl.

Die pensionierte Lateinlehrerin Ernestine Kirsch und ihr Lebensgefährte, Apotheker Anton Böck, reisen guter Dinge gen Süden und freuen sich auf ein unterhaltsames Wochenende am Semmering, das sie gemeinsam mit Enkelin Rosa und deren bestem Freund Fritzi verbringen möchten. Aber wie könnte es anders sein, geraten die beiden wieder einmal in ein kriminalistisches Abenteuer. Festliche Weihnachtsstimmung und munteres Treiben beim Schneemannbauen wechseln sich ab mit Ernestines detektivischem Gespür und Scharfsinn, welcher dem hinzugezogenen Gendarmen auf allen Linien fehlt. Aber auch Ernestine kommt diesmal viel Zufall zu Hilfe. Eine tiefgründige Rahmenhandlung rund um das schwierige Los von Dienstmädchen ohne Ausbildung und Balletttänzerinnen auf dem Weg zum Ruhm verleihen diesem Weihnachtsband die nötige Ernsthaftigkeit, kleinere Reiberein unter den Hotelgästen und der charmante schwäbische Dialekt der Krugers lockern die Handlung bestens auf, sodass ein gelungenes Ganzes daraus entsteht.

Ein gewohnt angenehm zu lesender Stil kennzeichnet Beate Malys erfrischende Geschichten im historischen Wien (und Umgebung), so auch hier bei diesem stimmungsvollen Adventband, der Kriminalistisches und Gemütliches bestens unter den Tannenbaum zaubert. Wie immer bei Ernestine und Anton, habe ich mich auch diesmal recht wohl gefühlt, ich bin gerne auch im nächsten Jahr wieder dabei, besonders, weil Rosas Geschwisterchen dann schon das Licht der Welt erblickt haben wird.


Veröffentlicht am 08.10.2025

Aroser Anekdoten

Arosa - wo auch Gauner Urlaub machen
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Arosa kennt man als paradiesischen Ferienort im Schweizer Kanton Graubünden, aber Andreas Russenberger lässt uns mit seinen kurzweiligen Anekdoten noch viel tiefer blicken.

Auf tief verschneiten Hängen ...

Arosa kennt man als paradiesischen Ferienort im Schweizer Kanton Graubünden, aber Andreas Russenberger lässt uns mit seinen kurzweiligen Anekdoten noch viel tiefer blicken.

Auf tief verschneiten Hängen kreuzen veraltete Spaghetti-Schi mit Parablacks das neueste Luxusmodell, die gewitzte Putzfrau setzt sich noch vor Weihnachten in die Heimat ab, bevor es geheime Köfferchen vom Himmel regnet. Pferde können hier nicht nur wiehern, sondern sich ganz ausgezeichnet unterhalten, während andernorts der Plüschbär steppt. Kurzweiliges Jassen und bittere Pralinen versüßen dem Leser die unterhaltsame Zeit mit diesem großartigen Büchlein, das man schon nach der ersten Geschichte gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Witz und Humor, aber auch nachdenklich stimmende Episoden folgen einander Schlag auf Schlag, nur der gelernte Concierge und der stets wache Bartender wissen auch alles, was zwischen den Zeilen geflüstert wird. Während der köstlichen Lektüre mit charmanter Schweizer Sprachfärbung darf aber auch der Leser schmunzeln über Eiszapfen als Mordwaffe oder die grandiosen Metaphern wie „das vielfältige Regelwerk zum Kartenspiel ist länger als die Bedienungsanleitung einer italienischen Espressomaschine“ (kindle, Pos. 1148). Damit einem das Lachen auch sicher nicht irgendwann im Halse stecken bleibt, empfiehlt sich zum Buch ein Kafi Lutz, dessen Zubereitung man allerdings tunlichst selbst vornehmen sollte. Warum? Lest selber nach!

Ein wunderbares Buch voller Humor und Ironie, dass die einzelnen Geschichten in raffinierter Weise durch winzige Details untereinander verbunden sind, setzt dem Ganzen noch ein Zuckerhäubchen oben drauf. Wer originelle Kurzweil sucht, wird hier sein Glück finden, auch als (Weihnachts)Geschenk findet dieser gaunerische Anekdotenband bestimmt großen Anklang. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Gefahren

Turbulente Zeiten
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Burgls Oblatengeschäft in Karlsbad floriert auch im Jahre 1896. Zudem erwartet die tüchtige Bäckerin ihr erstes Kind. Während sie auf der Suche ist nach Unterstützung in der Backstube, verschwinden junge ...

Burgls Oblatengeschäft in Karlsbad floriert auch im Jahre 1896. Zudem erwartet die tüchtige Bäckerin ihr erstes Kind. Während sie auf der Suche ist nach Unterstützung in der Backstube, verschwinden junge Frauen aus Karlsbad und gibt es nächtliche Anschläge auf ihre Butike auf der Alten Wiese. Allerlei Gefahren muss getrotzt werden.

Lebhaft, wie immer, schildert Ada Caine aus dem Leben Burgls und deren Lieben. Frau Kaniß und Tante Zöpfel sowie Therese dürfen nicht fehlen und auch der brave Loisl tritt als liebevoller und vernünftiger Ehemann auf. Turbulent, wie der Titel verspricht, geht es tatsächlich zu, Burgl hat alle Hände voll zu tun mit ihrer Oblatenbäckerei und neidvollen Nachbarn, aber auch die Gerüchte um die frisch ausgebildeten Zofen und Gouvernanten, die in Karlsbad auf eine neue Anstellung warten, gehen ihr nahe. Bunte Bilder von Karlsbad im Kaiserthum Österreich holen den Leser sofort ab und bezaubern diesen mit vielen sympathischen Charakteren. Da und dort lauert natürlich ein Bösewicht, der die Idylle trübt, aber mit vereinten Kräften werden die Gefahren hoffentlich abgewendet werden können.

Egal, ob Burgl – oder Eva aus einer früheren Reihe – im Mittelpunkt steht, Karlsbad an der Wende zum 20. Jahrhundert ist stets einen Besuch wert, speziell dann, wenn Ada Caine ihre Feder führt und die damalige Zeit wieder zum Leben erweckt. Flüssig lassen sich die Zeilen lesen, charmant stellen sich die Geschichten rund um die bekannte Kurstadt dar, ich komme sehr gerne immer wieder. Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 29.09.2025

Waldhotel

Dunkelnah
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Simon Winter staunt nicht schlecht, als er das abgeschieden im Wald gelegene Kurhotel erblickt, in welchem er als Handwerker und Hausmeister an der baldigen Neueröffnung mitwirken soll. Denn was er sieht, ...

Simon Winter staunt nicht schlecht, als er das abgeschieden im Wald gelegene Kurhotel erblickt, in welchem er als Handwerker und Hausmeister an der baldigen Neueröffnung mitwirken soll. Denn was er sieht, gleicht eher einem verfallenden Koloss als einem prunkvollen Ort der Erholung. Zweifel ergreifen ihn, da außer den Besitzern, Eleonora und Alfred Reiter, deren Tochter Sienna und einem Rottweiler niemand sonst anwesend zu sein scheint. Dann erfährt er noch vom Verschwinden einer jungen Frau, woraufhin alles in ihm nach Flucht schreit, dennoch entschließt er sich zu bleiben und die Polizei zu unterstützen.

Raffiniert als eine Art innerer Monolog beginnt dieses düstere Schauspiel, Roman Klementovic versteht es aufs Prächtigste, seine Leser durch geheimnisvolle Schauplätze und Stimmungen für seine Geschichten einzunehmen. Simons Sicht der Dinge überwiegt für lange Zeit, sowohl er als auch der Leser rätseln ob der vermissten Person und haben Schwierigkeiten, sich mit dem dubios wirkenden Ehepaar Reiter anzufreunden, denn Eleonora trinkt nur allzu gern ein Schnapserl – oder auch mehr – und Alfred trifft man nie ohne Gewehr und seinen scharfen Rottweiler an. Durch die geringe Zahl an Figuren meint man, schnell alle zu kennen, aber gemach, so manche Erkenntnis stellt sich alsbald als Irrtum heraus. Wer führt wen an der Nase herum, wer hütet ein furchtbares Geheimnis? Nichts ist, wie es scheint und doch kommt am Ende nochmals alles anders.

Roman Klementovic ist ein Meister der Täuschung, auf ruhige und dennoch stets packende Weise stellt er das Geschehen dar, wobei nicht nur der Leser kaum zu unterscheiden vermag, ob es sich um Realität oder Illusion handelt. Allerdings vermisse ich diesmal ein paar wirklich gruselige Momente, welche direkt unter die Haut gehen, die Rahmenhandlung mit dem schlussendlich offenbarten Motiv bewegt sich nur knapp an der Grenze der Glaubwürdigkeit entlang.

Nichtsdestotrotz punktet auch dieser Psychothriller wieder durch den gekonnten Schreibstil, der oft genug Beklemmung auslöst und durch die großartige Atmosphäre im Hotel Waldhof, welche bestens eingefangen und zu Papier gebracht worden ist. Der letzte Satz trifft meine Erwartungen wieder voll und ganz. Leseempfehlung!