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Veröffentlicht am 04.02.2026

Wenn die Sünden rufen und die Dunkelheit antwortet

Magic Drowned in Blood
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Cursed by Darkness, der Auftakt der Trials of Sin Reihe, entführt seine Leser in eine Welt, in der Macht, Herkunft und Blut über Leben und Wert entscheiden. Im Zentrum steht Lark Sinclair, eine Halbvampirin, ...

Cursed by Darkness, der Auftakt der Trials of Sin Reihe, entführt seine Leser in eine Welt, in der Macht, Herkunft und Blut über Leben und Wert entscheiden. Im Zentrum steht Lark Sinclair, eine Halbvampirin, die am Nightcastle College eigentlich nur überleben und unsichtbar bleiben will, bis sie gegen ihren Willen Teil eines gefährlichen Wettkampfs wird, der sie direkt in die Fänge des königlichen Machtspiels zieht.

Von der ersten Seite an liegt eine dichte, bedrohliche Atmosphäre über der Geschichte. Nightcastle ist kein Ort der Sicherheit, sondern ein Schauplatz von Hierarchien, Mobbing und unausgesprochenen Regeln. Genau hier passt Lark perfekt hinein, jedoch nicht als Auserwählte, sondern als Außenseiterin, die gelernt hat, still zu sein, um nicht unterzugehen. Ihre innere Zerrissenheit, ihre Unsicherheit und ihr unterschwelliger Trotz machen sie zu einer greifbaren, verletzlichen Protagonistin, in der deutlich mehr schlummert, als sie selbst ahnt. Spannend ist auch die Erzählweise, denn wir haben mehrere Pespektiven aus der Ich-Form. Neben Lark kommen auch Prinz Loras, Prinz Tarabas und weitere Schlüsselfiguren zu Wort. Diese Perspektivwechsel sorgen für Tiefe, aber auch für gezielte Verwirrung, denn nichts ist eindeutig, Motive bleiben lange im Dunkeln, und genau das verstärkt den Sog der Handlung. Die beiden Prinzen könnten dabei kaum unterschiedlicher sein. Loras, der strahlende Lichtmagier und Liebling der Nation, und Tarabas, der dunkle, unberechenbare Gegenpol. Beide sind moralisch grau, beide gefährlich, beide Teil eines Spiels, dessen Regeln sich ständig verschieben. Hinzu kommt eine dritte männliche Figur, die das fragile Gleichgewicht weiter destabilisiert. Die Dynamik zwischen diesen Charakteren ist geladen, intensiv und von Misstrauen geprägt. Nähe fühlt sich hier nie sicher an. Die Handlung selbst kombiniert Dark Academia, royale Intrigen, gefährliche Prüfungen und eine ordentliche Portion Spice. Letzterer ist präsent, gut geschrieben und hoch, drängt sich jedoch nicht dauerhaft in den Vordergrund. Aber manche Ereignisse werden vergleichsweise schnell abgehandelt, obwohl sie emotional schwer wiegen. Christina Rains Schreibstil ist flüssig, atmosphärisch und extrem einnehmend. Trotz kleiner Schwächen in der Ausarbeitung einzelner Themen oder Nebenhandlungen bleibt der Spannungsbogen konstant hoch. Das Ende setzt auf offene Fragen und einen deutlichen Cliffhanger, der weniger abschließt als vielmehr neue Abgründe andeutet.

Ein düsterer, sinnlicher und spannungsgeladener Auftakt, der mit Dark-Academia-Vibes, Vampirmythos und royalen Machtspielen überzeugt. Die Geschichte lebt von ihrer Atmosphäre, den moralisch grauen Figuren und der permanenten Unsicherheit darüber, wem man trauen kann und ob Vertrauen überhaupt eine Option ist. Trotz kleiner inhaltlicher Unebenheiten macht der Roman neugierig auf alles, was noch im Schatten verborgen liegt.

Veröffentlicht am 03.02.2026

Zwischen Flammen, Schatten und einem Platz, der einem zusteht

Royal Houses – Haus der Drachen
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In Haus der Drachen, dem Auftakband der Royal Houses Reihe, begleitet man die siebzehnjährige Kerrigan, eine Halb-Fae, die in einer Welt voller Magie, politischer Intrigen und starrer Machtstrukturen keinen ...

In Haus der Drachen, dem Auftakband der Royal Houses Reihe, begleitet man die siebzehnjährige Kerrigan, eine Halb-Fae, die in einer Welt voller Magie, politischer Intrigen und starrer Machtstrukturen keinen vorgesehenen Platz hat. Denn in Alandria entscheidet Herkunft über Wert und Drachen über Macht. Während andere von den großen Häusern auserwählt werden, bleibt sie zurück und wird genau dadurch in einen Strudel aus Gefahren, Geheimnissen und Drachenfeuer gezogen.

Kerrigan ist eine Protagonistin, die sofort auffällt, denn sie ist rebellisch, mutig, manchmal kopflos, aber stets getrieben von einem starken Gerechtigkeitssinn. Ihre Außenseiterrolle in einer Gesellschaft, die Halbblütige und Menschen systematisch abwertet, verleiht der Geschichte emotionale Schärfe. Themen wie Vorurteile, Machtmissbrauch und soziale Ungleichheit sind klar erkennbar und geben der Fantasywelt einen überraschend realen Unterton. Das Worldbuilding selbst bietet viel Stoff: zwölf Häuser, elementare Magie, Drachenbindungen und politische Ränkespiele. Gerade zu Beginn wirkt diese Fülle stellenweise überwältigend, doch sobald sich die Handlung entfaltet, entsteht ein lebendiges, spannendes Geflecht aus Loyalitäten und Konflikten. Gut gelungen ist auch, dass die Drachen nicht nur dekoratives Beiwerk sind, sondern eine echte Rolle im Machtgefüge spielen, auch wenn hier in kommenden Bände auf jeden Fall noch Potential für mehr ist. Ein zentrales Highlight ist die Dynamik zwischen Kerrigan und Prinz aus dem Haus der Schatten. Zwischen Misstrauen, Bündnis und leiser Anziehung entwickelt sich eine schöne Slow-Burn-Romance, die sich angenehm zurückhält und der Haupthandlung Raum lässt. Statt dominanter Romantik stehen Spannungen, Gespräche und gemeinsame Entscheidungen im Vordergrund. Der Plot kombiniert Akademie-Elemente, Turnieransätze, ein Mordgeheimnis und politische Intrigen. Aber nicht jede Idee wird bis ins Letzte ausgereizt und manches wirkt etwas zu schnell aufgelöst oder bequem gelöst. Dennoch bleibt die Geschichte durchgehend unterhaltsam, actionreich und leicht zu lesen.

Ein temporeicher Auftakt voller Magie, Drachen und einer starken Heldin, die sich nicht damit abfindet, übersehen zu werden. Trotz kleiner Schwächen im Worldbuilding und in der Ausarbeitung einzelner Handlungsstränge überzeugt der Roman durch Atmosphäre, Spannung und eine Protagonistin mit echtem Biss. Ein gelungener Reihenstart mit viel Potenzial für alles, was noch kommen mag.

Veröffentlicht am 03.02.2026

Liebe hinter dem Vorhang

Jonah Goes Off Script
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Jonah Goes Off Script spielt mitten im schillernden, gnadenlosen Kosmos des Londoner West Ends. Jonah Penrose steht beruflich auf dem Höhepunkt, bekommt einen Award, ausverkaufte Shows und Standing Ovations. ...

Jonah Goes Off Script spielt mitten im schillernden, gnadenlosen Kosmos des Londoner West Ends. Jonah Penrose steht beruflich auf dem Höhepunkt, bekommt einen Award, ausverkaufte Shows und Standing Ovations. Doch privat bröckelt alles: eine frische Trennung, familiäre Sorgen und plötzlich Dexter Ellis, der frühere Publikumsliebling, der nicht nur die Bühne, sondern auch Jonahs inneres Gleichgewicht bedroht. Was als Rivalität beginnt, entwickelt sich langsam zu etwas, das keiner von beiden geplant hat.

Der Roman kann vor allem mit seinem Setting punkten. Die Liebe zum Theater ist auf jeder Seite spürbar. Probenalltag, Ensemble-Dynamiken, Fan-Kultur und Social Media-Hypes fühlen sich authentisch an und verleihen der Geschichte eine besondere Lebendigkeit. Das Theater ist hier nicht bloße Kulisse, sondern ein aktiver Teil der Handlung und ist laut, fordernd und emotional. Jonah ist ein vielschichtiger, nahbarer Protagonist. Seine Unsicherheiten, sein Perfektionismus und die Angst, sowohl auf der Bühne als auch im Privatleben zu versagen, wirken ehrlich und greifbar. Besonders der Umgang mit der Erkrankung seines Vaters bringt eine emotionale Tiefe ins Buch, die weit über eine klassische romantische Komödie hinausgeht. Diese leisen, schmerzhaften Momente gehören zu den stärksten Szenen der Geschichte. Die Dynamik zwischen Jonah und Dexter selbst lebt von scharfem Wortwechsel, Konkurrenzdenken und spürbarer Anziehung. Das Rivals-to-Lovers-Trope funktioniert im Ansatz sehr gut, leidet jedoch etwas unter dem gewählten Erzählstil. Durch die reine Jonah-Perspektive bleibt Dexter lange schwer greifbar. Seine Entwicklung und seine Beweggründe werden erst spät angerissen und hätten mehr Raum verdient. Der Übergang von Rivalität zu Beziehung wirkt dadurch stellenweise zu abrupt, auch wenn die emotionale Verbindung im letzten Drittel deutlich an Tiefe gewinnt. Gerade hier zeigt sich, dass der Roman von etwas mehr Umfang profitiert hätte: Nebenfiguren, familiäre Konflikte und die Liebesgeschichte selbst hätten mit zusätzlichem Raum noch stärker wirken können. Das Ende hingegen ist stimmig, emotional rund und gibt der Geschichte genau den Abschluss, den sie braucht.

Eine gefühlvolle, atmosphärische Queer Romance über Ehrgeiz, Verlust und die Frage, wer man ist, wenn der Applaus verstummt. Trotz kleiner Schwächen im Tempo und in der Ausarbeitung der Liebesgeschichte überzeugt der Roman durch sein authentisches Setting, einen starken Protagonisten und emotionale Tiefe und ist besonders zu empfehlen, wenn man Theater liebt und eine Geschichte mit Herz und Drama sucht.

Veröffentlicht am 03.02.2026

Zwischen Traum und Abgrund

My Dark Beast
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My Dark Beast entführt seine Leser in eine Welt, in der Magie leise in den Alltag der Menschen sickert und mächtige Familien ihre Geheimnisse besser hüten als ihr eigenes Herz. Im Zentrum steht Calanthe, ...

My Dark Beast entführt seine Leser in eine Welt, in der Magie leise in den Alltag der Menschen sickert und mächtige Familien ihre Geheimnisse besser hüten als ihr eigenes Herz. Im Zentrum steht Calanthe, eine scheinbar gewöhnliche Floristin, deren Leben sich schlagartig verändert, als sie mit Tarian Hadez verbunden wird, einem ebenso gefährlichen wie faszinierenden Mann. Ihre Begegnungen finden zunächst nur in Träumen statt, während in der realen Welt Intrigen, Machtspiele und ein mysteriöses Verschwinden alles überschattet.

Der große Reiz dieser Geschichte liegt in ihrem ungewöhnlichen Aufbau. Realität und Traumwelt verschwimmen zunehmend, wodurch eine fast hypnotische Atmosphäre entsteht. Besonders der Traum-Trope wird kreativ genutzt, mit all seiner Unlogik, Intensität und emotionalen Nähe. Jede Szene zwischen Calanthe und Tarian knistert vor Spannung, ohne sich sofort in körperlicher Nähe aufzulösen. Calanthe überzeugt dabei als Heldin mit Witz, Beobachtungsgabe und einer inneren Stärke, die sich nicht laut, sondern konsequent zeigt. Ihre Verantwortung für die Familie, vor allem im Umgang mit der Krankheit der Mutter, verleiht der Figur zusätzliche Tiefe. Tarian hingegen ist der Inbegriff des dunklen Antihelden, er ist mächtig, geheimnisvoll, gefährlich und dennoch mit überraschend weichen Rissen in der Fassade. Die Chemie zwischen beiden lebt weniger von expliziter Nähe als von Blicken, Worten und dem Gefühl, dass zwischen ihnen etwas Unausweichliches wächst. Die Handlung selbst erinnert bewusst an eine magische Seifenoper, denn Familiengeheimnisse, Verrat, arrangierte Allianzen und moralische Grauzonen gehören hier zum Alltag. Das kann überwältigend wirken, macht aber auch den Reiz der Geschichte aus.

Keine schnelle Romantasy für zwischendurch, sondern ein atmosphärischer, emotionaler Ritt durch Traumwelten, dunkle Begierden und familiäre Abgründe mit langsamer Spannung, intensiver Stimmung, mythologischen Anklängen und komplexen Beziehungen.

Veröffentlicht am 01.02.2026

Herzzerreißend, emotional und voller Musik

Shivering Skies
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Shivering Skies erzählt die Geschichte der Zwillinge Eva und Angelo, die nach dem Tod ihrer Mutter einen Sommer bei ihrem Onkel in Irland verbringen. Während sie dort aushelfen, entdeckt Eva für sich eine ...

Shivering Skies erzählt die Geschichte der Zwillinge Eva und Angelo, die nach dem Tod ihrer Mutter einen Sommer bei ihrem Onkel in Irland verbringen. Während sie dort aushelfen, entdeckt Eva für sich eine neue Welt voller Möglichkeiten. Die Musik kehrt zurück in ihr Leben, und sie begegnet Riley, dem charmanten Frontsänger einer Band, der ihr Herz im Sturm erobert. Doch Eva trägt ein Geheimnis in sich, eine Krankheit, die jederzeit ausbrechen kann, und ihr Verantwortungsgefühl für ihren Bruder und die Vergangenheit in Boston belasten sie zusätzlich. Zwischen Neuanfang, Liebe und inneren Kämpfen entwickelt sich dabei eine Geschichte, die sowohl emotional berührt als auch nachdenklich stimmt.

Cassia Bieber überzeugt mit einem gefühlvollen Schreibstil, der es leicht macht, in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere intensiv mitzuerleben. Die abwechselnden Perspektiven von Eva und Riley sorgen zudem dafür, dass man beide Seiten ihrer Beziehung und ihrer inneren Konflikte versteht. Eva wird als starke, mutige junge Frau dargestellt, deren Zerrissenheit zwischen Liebe, Verantwortung und eigener Angst berührend und authentisch dargestellt wird. Riley hingegen überrascht mit seiner einfühlsamen und rücksichtsvollen Art, die hinter seiner charmanten Fassade steckt. Die Nebencharaktere, allen voran Rileys Bandkollegen und die Bewohner des irischen Pubs, runden die Handlung stimmig ab. Zwar zieht sich die Auflösung von Evas Krankheit etwas hin, doch die emotionale Intensität und die Entwicklung der Liebesgeschichte machen dies mehr als wett. Das Setting in Irland mit musikalischem Flair verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe und Atmosphäre.

Eine emotionale New-Adult-Romanze, die sowohl Herzschmerz als auch Hoffnung transportiert. Mit authentischen Charakteren, einer gefühlvollen Liebesgeschichte und einem eindringlichen Setting schafft Cassia Bieber eine Story, die noch lange nachhallt.