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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2025

karoshi

Junge Frau mit Katze
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Ela steht kurz vor ihrer Promotion als ihr Körper plötzlich verrücktspielt und ihre innere Zerrissenheit und Verbundenheit mit ihrer Mutter spiegelt. Anstatt sich auf die mündliche Verteidigung ihrer Arbeit ...

Ela steht kurz vor ihrer Promotion als ihr Körper plötzlich verrücktspielt und ihre innere Zerrissenheit und Verbundenheit mit ihrer Mutter spiegelt. Anstatt sich auf die mündliche Verteidigung ihrer Arbeit zu konzentrieren, beschäftigt sich Ela nun mit ihren zahlreichen Krankheitsbildern und Recherchen über Ärzte. Die tiefergreifenden Themen kommen erst etwa ab der Mitte zum Vorschein, indem sich Ela auch mit sich selbst, ihrer Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Bruder und ihren Freundschaften und Beziehungen auseinandersetzt. Bis dahin war mir das Buch zu krankheitslastig und zu intensiv darüber berichtet, sodass mir der innere Monolog von Ela und auch der zwischenmenschliche Austausch etwas gefehlt haben. Ab dem Zeitpunkt, an dem Ela das Zusammenspiel erkennt, wird es spannender und vielschichtiger, sodass ich mich mit der Geschichte wohlfühlen konnte. Somit hatte ich ein durchwachsenes Leseerlebnis, wobei mir die erste Hälft nicht so gut gefallen hat und nicht fesseln konnte, den zweiten Teil und den Abschluss finde ich allerdings rund und gelungen.

Veröffentlicht am 24.09.2025

Glaube ist größer als Wissen?

Monstergott
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Das Cover finde ich ausdrucksstark und auffällig, ebenso den kurzen, prägnanten Titel, der Interesse weckt. Inhaltlich lässt sich der Roman flüssig und einfach lesen, mit einer Einführung in die Aktivitäten ...

Das Cover finde ich ausdrucksstark und auffällig, ebenso den kurzen, prägnanten Titel, der Interesse weckt. Inhaltlich lässt sich der Roman flüssig und einfach lesen, mit einer Einführung in die Aktivitäten und in das Gedankengut der Glaubensgemeinde zu Beginn. Erst mit der Zeit bekommt man als Leserin ein Gespür dafür, wo es hinter den Fassaden brodelt und in welchen Bereich eher Scheinheiligkeit herrscht statt überzeugenden Glaubens. Esther und Ben erzählen ihre Probleme sehr anschaulich und man spürt vor allem bei Ben die innere Zerrissenheit, wie er leben möchte und wie er es schafft. Welche zerstörerische Kraft dahinter steckt, kann man nur erahnen und am Ende dann rückblickend kritisch beurteilen. Auch Esther fühlt sich als Frau in der Gemeinde nicht richtig wahrgenommen und unterstützt, da sie immer nur in der zweiten Reihe, hinter den Männern agieren darf, obwohl sie das Charisma und das Talent zur Führungskraft hätte, aber die Regeln gestalten andere. Sehr gelungen finde ich, dass Esther und Ben durch ihre klaren Bilder und durch ausdrucksstarke Gedanken und Beschreibungen die Leserinnen mit auf diese Reise nehmen und wenn man sich darauf einlassen kann, kann dadurch eine ungeahnte Leseerfahrung entstehen, mit der ich so nicht gerechnet hätte.

Veröffentlicht am 23.09.2025

facettenreich

Last Seen
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Der Roman ist wunderschön, beginnend vom Cover bis zum Inhalt. Ich konnte mich durch die bildhafte Beschreibung der Autorin sofort ins Strandhüttendorf hineinversetzen und das Lebensgefühl miterleben. ...

Der Roman ist wunderschön, beginnend vom Cover bis zum Inhalt. Ich konnte mich durch die bildhafte Beschreibung der Autorin sofort ins Strandhüttendorf hineinversetzen und das Lebensgefühl miterleben. Sarah und Isla beschreiben die Jahre ihrer Freundschaft und die Zeit vor und nach dem Unglück aus ihrer jeweiligen Sichtweise, und die Wahrnehmungen der Beiden stimmt nicht immer überein. Die Hauptcharaktere werden facettenreich und umfangreich beschrieben, sodass sie authentisch wirken. Mit der Zeit bröckelt die Fassade, die Freundschaft ist nicht mehr so intensiv, immer mehr Geheimnisse verhindern, dass sie sich wieder so nahe fühlen wie zu Beginn ihrer Kennenlernphase. Auch wenn man als Leser*in schon ein Gefühl hat, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird, so passieren im letzten Drittel noch ein paar unerwartete Wendungen und verborgene Geheimnisse werden aufgedeckt, die den Unfall noch einmal in ein anderes Licht rücken und somit auch einen weiteren Blickwinkel auftun. Eine sehr spannende und energiegeladene Geschichte, bei der sich die Stimmung spürbar wandelt und mit der Zeit immer kälter wird.

Veröffentlicht am 23.09.2025

Agateophobie

Botanik des Wahnsinns
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Ich hatte zu Beginn Startschwierigkeiten mit dem Roman, da die Kapitel in sehr kurzer Abfolge wechseln und zahlreiche literarische Zitate eingeflochten wurden, die gerade am Anfang etwas verwirrend und ...

Ich hatte zu Beginn Startschwierigkeiten mit dem Roman, da die Kapitel in sehr kurzer Abfolge wechseln und zahlreiche literarische Zitate eingeflochten wurden, die gerade am Anfang etwas verwirrend und zu häufig vorkamen. Erst mit der Zeit entwickelte sich ein guter Leseflow und auch ein bekannter Rhythmus in der Abfolge der Erzählungen, die ineinander verwoben sind. Der Ich-Erzähler berichtet von seiner Familie, dem Vater, der Mutter, den Großeltern und kurz auch von sich selbst, aber hiervon eher weniger aus einer beobachtenden, beschreibenden Rolle. Man hat als Leser*in nicht das Gefühl, dass er tatsächlich über seine Familie spricht, sondern dass er seine Familienmitglieder und Vorahnen aus beruflicher Distanziertheit heraus beurteilt und diagnostiziert. Seine familiäre Vorgeschichte ist geprägt durch zahlreiche psychische Erkrankungen und somit ist es für mich nicht verwunderlich, dass er sich schon sehr früh für die Psychologie interessiert und beruflich auch dafür entscheidet. Am Ende der Erzählung hat man ein rundes Bild über seine Kindheit und die Lebensphasen seiner Eltern erhalten, wenn auch eher aus oberflächlicher, beobachtender Sichtweise. Ich hätte mich über eine persönliche Note auch sehr gefreut. Die Zitate, die zu Beginn den Lesefluss unterbrechen und fast künstlich hinzugefügt wirken, fügen sich im Verlaufe der Erzählung besser in den Fließtext und das sprachliche Umfeld ein.

Veröffentlicht am 20.09.2025

vielschichtige Betrachtung

Protokoll eines Verschwindens
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Der Roman basiert auf einer wahren Gegebenheit und besteht aus zwei Handlungssträngen, Fabio als Täter und Gabriel als Opfer und zusätzlich kommen noch viele weitere Charaktere aus der Familie und dem ...

Der Roman basiert auf einer wahren Gegebenheit und besteht aus zwei Handlungssträngen, Fabio als Täter und Gabriel als Opfer und zusätzlich kommen noch viele weitere Charaktere aus der Familie und dem Freundeskreis zu Wort. Mir hat sehr gut gefallen, dass hier Platz für die Gedanken und Hintergründe war, vor allem auch aus Tätersicht, wie es erlebt wurde, vor allem über den langen Zeitraum hinweg, bis die Leiche endlich gefunden wurde. Der Täter ist bis zum Schluss von seiner eigenen Unschuld überzeugt, das Gericht entscheidet im Urteil anders. Auch den Angehörigen wird eine Stimme gegeben und so berichten Gabriels Mutter, seine Schwester, Ex-Freundin und aktuelle junge Beziehung von Gabriel als Person, damit sich die Ermittlerinnen und auch die Leserinnen ein umfangreiches Bild von ihm machen können. Enttäuschend ist es, dass die Ermittlungen erst so spät eingeleitet wurden und lange Zeit nicht einmal eine Vermisstenmeldung erfolgt ist, auch wenn die Angehörigen darauf bestanden haben, hier ist viel wertvolle Zeit vergeudet worden. Der Autor hat sehr genaue und intensive Recherchen durchgeführt und sich lange Zeit umfassend mit dem Fall beschäftigt, dies merkt man auch an den zahlreichen Details und Emotionen, die mitschwingen. Mir hat der Roman von Anfang bis zum Ende sehr gut gefallen.