Profilbild von coffee2go

coffee2go

Lesejury Star
offline

coffee2go ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit coffee2go über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2026

geht unter die Haut

Evil Eye
0

Der Roman bietet eine wichtige feminine Sichtweise in das Leben von Yara, einer palästinensisch-amerikanischen Frau, die mit den kulturellen Erwartungen und mit Traumata aus ihrer Kindheit kämpft und in ...

Der Roman bietet eine wichtige feminine Sichtweise in das Leben von Yara, einer palästinensisch-amerikanischen Frau, die mit den kulturellen Erwartungen und mit Traumata aus ihrer Kindheit kämpft und in ihrer Rolle als Ehefrau zunehmend erstickt. Mit Hilfe von Therapie und Beschäftigung mit sich selbst, versucht sie Verhaltensmuster ausfindig zu machen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und Veränderungen in Gang zu setzen. Wie viele Rückschläge sie erleiden muss und wie wenig Zuspruch von der Gesellschaft und Unterstützung sie dafür bekommt, ist traurig zu lesen, aber leider noch immer die Realität. Eigentlich sollte es ihr ja gut gehen, sie hat einen Ehemann, der zwar noch immer die alten traditionellen Werte und Normen vertritt, der sie aber nicht schlägt und der sie arbeiten lässt, sie hat zwei tolle Kinder, aber wo bleibt sie selbst? Yara schreibt sich in ihren Tagebucheinträgen ihre negativen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und mit ihren Eltern von der Seele. Zwischenzeitlich ist es nicht leicht zu lesen, da sie in eine Depression abrutscht und zunehmend negative Gedanken hat, trotzdem ist die Entwicklung von Yara über die Zeit hinweg als positiv zu sehen, mit Rückschlägen und Schwierigkeiten, emotional und ungeschönt. Das Buch geht unter die Haut und wirkt auch nach dem Lesen noch lange nach, ist aber ein mutiger Schritt, um Missstände aufzuzeigen und auch Mut zu machen, dass sich harte Arbeit an sich selbst und den Lebensumständen lohnt.

Veröffentlicht am 07.07.2026

keine romantische Darstellung

Ocean – Gefangen im Blau
0

Der Roman ist eine Kombination aus einem Familiendrama, bei dem vor allem Helen mit den Nachwirkungen einer traumatischen Erfahrung kämpft und diese zu verarbeiten versucht und gleichzeitig wandelt sich ...

Der Roman ist eine Kombination aus einem Familiendrama, bei dem vor allem Helen mit den Nachwirkungen einer traumatischen Erfahrung kämpft und diese zu verarbeiten versucht und gleichzeitig wandelt sich der Roman im späteren Abschnitt in einen Survival-Geschichte, in der es ums Überleben auf dem offenen Meer geht. Mir hat sehr gut gefallen, dass viele psychologische Aspekte vorkommen und auch unterschiedliche Wege der Verarbeitung von Traumata von Helen versucht werden, von Verdrängung über Obsession und im Endeffekt muss Helen aus ihrer gewohnten Umgebung heraus, alles verkaufen und einen Neustart wagen, um ihren großen Traum zu verwirklichen. Grenzwertig und gefährlich finde ich, dass sie ihren 11jährigen Sohn und eine Problemschülerin aus ihrer ehemaligen Klasse ohne Segelerfahrung mitnimmt, die Gefahren sind nicht einschätzbar. Frank ist mir als Charakter unsympathisch, sodass es auch nicht erstaunlich ist, dass sich die Konflikte an Bord zuspitzen, wo alle auf sehr engem Raum zusammenleben und funktionieren müssen. Ein paar Naturphänomene wurden geschildert, wobei diese auch überwiegend grausam waren. Die romantische Vorstellung vom Segelturn um die Welt wird den Leser*innen hier genommen. Der Schreibstil ist sehr anschaulich, bildhaft und auch literarisch, sodass es einen gelungenen Mix an emotionalen Erzählungen, aber auch Spannung gibt. Am Ende spitzt sich die Situation dramatisch zu und es kommt zur Eskalation, sodass ich den Roman nicht als leichte Sommerlektüre einordnen würde. Er wirkt auf alle Fälle auch noch im Nachhinein und regt zum Nachdenken an.

Veröffentlicht am 03.07.2026

immer wieder fehlt Zeit

Rethinking Motherhood
0

„Immer wieder fehlt Zeit“ – dieser prägnante Satz bringt es inhaltlich auf den Punkt, was Anne Theiss in ihrem Herausgeberwerk an Beiträgen von unterschiedlichen Autor*innen zum Thema zusammengestellt ...

„Immer wieder fehlt Zeit“ – dieser prägnante Satz bringt es inhaltlich auf den Punkt, was Anne Theiss in ihrem Herausgeberwerk an Beiträgen von unterschiedlichen Autor*innen zum Thema zusammengestellt hat. Spannend finde ich den Aufbau der einzelnen Kapitel, in Themen, die von der Kita-Krise über Personalmangel, Wiedereinstieg in den Beruf, über schlechte Arbeitsbedingungen für Frauen und Mütter im Besonderen, ungleiche Verteilung der Care-Arbeit, aber auch über politische Entscheidungen, finanzielle Themen und soziologische Sichtweisen sehr breit gefächert sind. Es ist kurzweilig und abwechslungsreich, teilweise pointiert, wie im Fall des Vaters, der sich nachdem sich seine Frau ausgeklinkt hat, mit Hilfe von Google über die Betreuung seiner Kinder informieren muss, aber auch Geschichten von Betroffenen, wie sie mit der Situation umgehen und wie sie es sich eigentlich vorgestellt hätten, falls sie sich im Vorhinein Gedanken gemacht haben. Der Grundtenor ist ehrlich, viele kratzen an der persönlichen Belastungsgrenze und gleichzeitig kämpfen sie finanziell ums Überleben. Kleine Gedankenanstöße zur Veränderung werden auch aufgezeigt, aber bis sich im Großen etwas verändern wird, wird es dennoch leider noch einige Zeit und viele engagierte Personen benötigen, die sich dafür stark machen.

Veröffentlicht am 02.07.2026

aus den Fugen geraten

Chaos
0

Der Roman ist in einer klaren und direkten Sprache formuliert und bringt die Dinge auf den Punkt. Hedda befindet sich mitten in einer Lebenskrise, ihr gesamtes Leben steht am Wendepunkt, ihre Masterarbeit ...

Der Roman ist in einer klaren und direkten Sprache formuliert und bringt die Dinge auf den Punkt. Hedda befindet sich mitten in einer Lebenskrise, ihr gesamtes Leben steht am Wendepunkt, ihre Masterarbeit bekommt sie nicht fertig, privat kriselt es, ihre Kindheit holt sie ein und emotional ist sie am Tiefpunkt. Es ist interessant zu beobachten, wie kleine Situationen oder Konflikte in alle Lebensbereiche einwirken und das Leben von Hedda komplett und nachhaltig verändern. Es werden Alltagssituationen und Probleme beschrieben, aber bei Hedda spitzt es sich zu, sodass eine Eskalation absehbar wirkt. Hedda wird vielschichtig beschrieben, wie sie auf andere wirkt, aber auch wie sie selbst Situationen einschätzt, verdrängt und welche Gedanken sie sich macht. Die Grundstimmung ist durchgehend düster, teilweise trostlos, manchmal blitzt ein kleiner Hoffnungsschimmer durch. Für Leser*innen, die sich selbst gerade in einer deprimierenden, gefühlt ausweglosen Situation befinden, würde ich das Buch nicht empfehlen, denn es wirkt nach.

Veröffentlicht am 02.07.2026

spannende Sommerlektüre, außer der Schluss...

Die Finca
0

Das Cover ist wunderschön und verleiht dem Thriller Urlaubsflair, das dann aber schon bald gestört wird. Der Einstieg ist ruhig, man kann sich als Leser*in gut in die Situation hineinversetzen und die ...

Das Cover ist wunderschön und verleiht dem Thriller Urlaubsflair, das dann aber schon bald gestört wird. Der Einstieg ist ruhig, man kann sich als Leser*in gut in die Situation hineinversetzen und die beiden Hauptcharaktere Rosi und Fabian kennenlernen. Was zuerst wie ein Missverständnis beginnt, indem Housesitter doppelt gebucht wurden, wird schon bald gruselig, indem im Haus eigenartige Aktionen passieren, fremde Menschen auftauchen und Bedrohungen wahrgenommen werden. Rosi ist sich auch nicht sicher, ob sie Fabian vertrauen kann, aber sie möchte den Job keinesfalls vorzeitig abbrechen. Bis zur Hälfte des Buches geschieht noch recht wenig, ab der Mitte wird es spannend, aber somit war für mich auch schon das Ende in etwa vorhersehbar. Der Schluss hat mir nicht so gut gefallen, hier überschlagen sich die Ereignisse, die Situationen wirken unwirklich und wenig glaubhaft. Ich hätte es gut gefunden, wenn die Actionmomente dezenter ausgefallen wären und besser über das gesamte Buch verteilt worden wären. Als leichte Sommerlektüre passt das Buch gut, ansonsten hätte es etwas anspruchsvoller sein können, vielleicht auch spannender durch zusätzliche Personen oder Situationen am Anfang.