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Veröffentlicht am 07.06.2022

Wenn Genie und Wahnsinn aufeinandertreffen, wird es teuflisch

Die Stille des Todes
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„Die Stille des Todes“ von Eva Garcia Sáenz ist ein Thriller der etwas ruhigeren Art und im Juni 2019 bei Fischer Scherz erschienen.
In der Stadt Vitoria wird in der Kathedrale ein totes nacktes Paar gefunden, ...

„Die Stille des Todes“ von Eva Garcia Sáenz ist ein Thriller der etwas ruhigeren Art und im Juni 2019 bei Fischer Scherz erschienen.
In der Stadt Vitoria wird in der Kathedrale ein totes nacktes Paar gefunden, die Hände jeweils auf der Wange des anderen. Sofort wird jeder an eine Verbrechensserie erinnert, die vor zwanzig Jahren für Entsetzen sorgte, doch der Mörder wurde gefasst und sitzt in strenger Einzelhaft oder etwa nicht? Inspector Ayala genannt Kraken wird mit den Ermittlungen betraut.
Mit diesem Buch ist der Autorin der Auftakt zu einer spannenden Krimiserie gelungen. Inspector Ayala ist ein Mann mit Ecken und Kanten und auf jeden Fall ein sehr guter Ermittler. Ihm zur Seite steht ein gutes Team, allen voran seine Kollegin Estibaliz, mit der ihn auch eine Freundschaft verbindet. Rückhalt findet er aber auch in seiner Familie. Der Schreibstil der Autorin führt ruhig aber spannend durch die Story, die Charaktere sind durchweg glaubhaft. Mir hat gefallen, dass sich die Geschichte langsam aufbaut, Häppchen für Häppchen. Jeder Charakter ist ein Unikat und man lernt etwas über Land und Leute. Trotz der grausamen Vorfälle spürt man die Schönheit des Baskenlandes. Ungewöhnlich fand ich die Erzählweise aus Sicht eines im Koma liegenden Inspectors, aber durchaus interessant. Das Ende ist auf jeden Fall glaubwürdig. Die zarte Liebesgeschichte zwischen Ayala und seiner Vorgesetzten, die sich hier anbahnt, das ist echt zauberhaft. Meine Lieblingsfigur war aber Ayalas Großvater, dicht gefolgt von Golden, der „Computerspezialistenoma“ – echt genial.
Nicht gefallen hat mir allerdings, dass ich schon nach der Hälfte des Buches den Täter kannte, auch wenn es dann noch einmal wirklich spannend wurde. Trotzdem war die zweite Hälfte des Buches für mich nur noch eine Bestätigung meiner Vermutung.
Nachdem ich das Nachwort der Autorin gelesen hatte, habe ich verstanden, warum dieser Thriller so ruhig und familiär ist. Es ist auf seine Art ein ganz persönliches Buch irgendwie. Wer einen spannenden Thriller mit Atmosphäre sucht, für den ist dieses Buch goldrichtig.

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Veröffentlicht am 11.03.2022

Stück für Stück zum Mörder

Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers
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"Jigsaw Man – Im Zeichen des Killers “ von Nadine Matheson ist ein Thriller, der im August 2020 bei Lübbe erschienen ist.
Der Jigsaw Man liebt Puzzle über alles, aber für ihn ist ein Puzzle nur dann perfekt, ...

"Jigsaw Man – Im Zeichen des Killers “ von Nadine Matheson ist ein Thriller, der im August 2020 bei Lübbe erschienen ist.
Der Jigsaw Man liebt Puzzle über alles, aber für ihn ist ein Puzzle nur dann perfekt, wenn es in seine Einzelteile zerlegt ist, denn nur dann ist seine ganze Schönheit erkennbar. Und ein zerlegter menschlicher Körper ist ein wunderbares Puzzle, denn nur so kommt die wahre Schönheit zur Geltung. Also verteilt er die Puzzleteile über die ganze Stadt - Arme, Beine, Köpfe, denn etwas so Schönes muss man doch teilen oder nicht? Für Detectice Inspector Anjelica Henley und ihr Team beginnt eine schwierige Aufgabe.
Stück für Stück- und das im wahrsten Sinne des Wortes - wird der Leser mit einem brutalen Mörder konfrontiert, erlebt quasi mit, wie unbescholtene Bürger auf das Puzzle aus Leichenteilen stoßen. Anjelica Henley ist als Ermittlerin ist absolut glaubhaft. Sie hat schon eine Konfrontation mit dem sogenannten Jigsaw Man hinter sich, die sie stark traumatisiert hat und dazu führte, dass sie nur noch Schreibtischdienst machte. Doch nun wird sie als zuständig für diesen Fall eingeteilt und bekommt auch noch einen Detective in Ausbildung an die Seite anstelle ihres gewohnten Teampartners. Doch Azubi Ramouter entpuppt sich als Glücksfall. Es ist vom ersten Augenblick an spürbar, dass er diese Arbeit bewusst gewählt hat und unbedingt machen möchte. Jeder einzelne im Team ist hervorragend als Einzelperson ausgearbeitet. Ramouter passt mit seiner Genauigkeitsliebe super dazu.
Der Schreibstil fesselt vom ersten Moment an und es bleibt genügend Raum für den Leser, um eigene Vermutungen zum Täter anzustellen. Kann es wirklich sein, dass der Jigsaw Man für diese Morde verantwortlich ist, obwohl er doch in Haft sitzt? Mit jedem Kapitel taucht man tiefer in den Fall ein, erfährt ebenso Einzelheiten aus dem alten Fall wie auch Neuigkeiten zum aktuellen. Durch die immer neuen Details bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss hoch. Wer „Das Schweigen der Lämmer“ mag, wird diese Geschichte lieben, obwohl der Jigsaw Man nicht ganz so kultiviert ist wie Dr. Lector, aber dafür genauso eiskalt und intelligent.
Inhaltlich ist es die perfekte Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben der Ermittler, was mir sehr gefallen hat, denn das schafft ein besonderes Verhältnis zu den Personen. Jeder einzelne ist ein Unikat mit Wiedererkennungswert. Einziger Kritikpunkt war für mich, dass ich immer das Gefühl hatte, dass es schon einen Band gibt, aber es wird alles so erklärt, dass klar ist, was passiert ist und wie es zur Verhaftung des Jigsaw Man kam.
Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgesuchtet und mehr als einmal liefen mir kalte Schauer über den Rücken. Für zartbesaitete ist es auf jeden nicht zu empfehlen. Für Thriller und Krimifans ist es ein absolutes Muss.
Den zweiten Band habe ich schon 

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Veröffentlicht am 11.03.2022

Jeder hat seine eigenen Dämonen

Jigsaw Man - Der tote Priester
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„Jigsaw Man – Der tote Prieser “ von Nadine Matheson ist ein Thriller, der im August 2022 bei Lübbe erschienen ist.
In einer Londoner Kirche wird der Pastor ermordet aufgefunden. Bei der Besichtigung ...

„Jigsaw Man – Der tote Prieser “ von Nadine Matheson ist ein Thriller, der im August 2022 bei Lübbe erschienen ist.
In einer Londoner Kirche wird der Pastor ermordet aufgefunden. Bei der Besichtigung des Tatortes findet DI Anjelica Henley in einem Nebenraum einen gefesselten, gequälten und halbtoten jungen Mann. Henley ahnt intuitiv, dass der junge Mann nicht selben Täter eingesperrt wurde, aber wer war es dann? Ihre fieberhafte Suche nach dem Mörder führt zu immer mehr Leichen und sie muss sich fragen, ob sie es hier nicht mit einem religiösen Serientäter zu tun hat.
Auch wenn es zuerst verwundert, dass im Titel ebenfalls Jigsaw Man steht, obwohl dieser Fall doch im ersten Band abgeschlossen war, wird sehr schnell klar, dass sich der Titel auf das zusammenpuzzlen der Einzelteile in diesem Mordfall bezieht und davon gibt es nicht wenige. Schnell ist klar, dass der Priester wohl eher ein Scheinheiliger ist, aber was hat es mit dem jungen Mann auf sich. Zusammen mit ihrem Team muss DI Henley so einige Puzzlestücke zusammenfügen, was ihr durch ihren Boss Pellacia nicht gerade vereinfacht wird. Dazu kommt, dass es sich bei dem toten Priester um einen Farbigen handelt, was die Sache auch nicht leichter macht, denn natürlich darf kein Opfer bevorzugt werden. Es ist für Henley und ihr Team manchmal ein Akt auf dem Drahtseil.
Obwohl ich vom Schreibstil genauso gefesselt wurde wie schon beim ersten Band und mir die Protagonisten schon sehr vertraut sind, empfand ich diese Geschichte als nicht so brutal, dafür konnte ich mehr mitgrübeln, wer denn der oder die Täter sein könnten und warum. Fast in jedem Kapitel gibt es einige Neuigkeiten und manchmal überraschende Wendungen. Auch hier lebt das Buch von der perfekten Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben der Ermittler. Der Spannungsbogen wird konsequent hochgehalten. Für mich ein rundum gelungener Thriller, den ich gerne empfehle. Aber auch hier muss ich sagen, es ist nichts für zarte Gemüter.
Ich bin gespannt auf den nächsten Band – durch die markante Umschlaggestaltung wird er bestimmt leicht zu erkennen sein.

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Veröffentlicht am 21.11.2021

Netzwerk direkt in die Hölle

Teufelsnetz
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„Teufelsnetz“ von Max Seeck ist ein Thriller mit Gänsehautgarantie, der 2021 bei Bastei-Lübbe erschienen ist.
In Helsinki verschwinden zwei bekannte finnische Blogger spurlos. Dafür taucht auf einem Blog ...

„Teufelsnetz“ von Max Seeck ist ein Thriller mit Gänsehautgarantie, der 2021 bei Bastei-Lübbe erschienen ist.
In Helsinki verschwinden zwei bekannte finnische Blogger spurlos. Dafür taucht auf einem Blog ein morbides Gedicht auf. Kurz drauf wird die Leiche einer jungen Frau in Mangakleidung mit einem rätselhaften Brandmal gefunden. Kommissarin Jessica Niemi ist sich sicher, dass es eine Verbindung zwischen den verschwundenen Bloggern und der Leiche geben muss. Doch sie hat nicht nur mit diesem Fall zu kämpfen, denn irgendjemand hat es auf sie abgesehen und versucht ihr zu schaden.
Mit Teufelsnetz ist Max Seeck ein Thriller gelungen, wie er nicht besser sein könnte. Immer wenn man glaubt, man sei auf der richtigen Spur, dann kommen neue Wendungen und ein weiteres Rätselraten beginnt. Der Spannungsbogen wird konsequent gehalten, ohne dass das menschliche zu kurz kommt. Jessica Niemi ist eine starke und dennoch verletzliche Frau und sie arbeitet in einem Team, in dem Zusammenhalt noch zählt, auch wenn der ein oder andere Fehler passiert.Jede Figur ist wunderbar ausgearbeitet und absolut glaubwürdig. Mir ist die Protagonistin Jessica Niemi inzwischen wirklich ans Herz gewachsen, weil sie eine Kämpferin ist und ich mich wunderbar in sie hinein versetzen konnte. Ich hoffe auf weitere neue Bände mit ihr.
Besonders gefallen hat mir, dass ich von dem Ende wirklich überrascht wurde und das will was heißen, denn ich habe schon viele Thriller gelesen. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der Thriller liebt und ich hoffe auf weitere Bücher von diesem Autor.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Salzige Tränen, bitteres Unrecht und auch etwas Liebe

Darmstädter Nachtgesänge
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„Darmstädter Nachtgesänge“ von Ella Theiss ist ein historischer Roman, der 2021 bei Edition Oberkassel erschienen ist.
In der Gegend um Darmstadt wird der gräfliche Förster tot im Wald aufgefunden. Unter ...

„Darmstädter Nachtgesänge“ von Ella Theiss ist ein historischer Roman, der 2021 bei Edition Oberkassel erschienen ist.
In der Gegend um Darmstadt wird der gräfliche Förster tot im Wald aufgefunden. Unter dringenden Tatverdacht gerät der Wilderer und Holzräuber Jakob Trumpfheller. Anna, die als Hausmädchen bei den Büchners in Darmstadt arbeitet, kennt Jakob und will das nicht glauben. Sie bittet Oscar um Hilfe, denn dieser ist Journalist. Dass er Georg Büchner, den ältesten Sohn ihres Arbeitgebers bespitzeln soll, kann sie nicht ahnen. Ebenso wenig ist ihr bewusst, dass Georg eine revolutionäre Flugschrift verfasst hat, deren Bekanntmachung verhindert werden muss. Aber das soll nicht das einzige Problem bleiben.
Die Autorin verbindet in wunderbarer Weise eine erdachte Liebesgeschichte mit einem authentischen Kriminalfall und lässt den Leser eintauchen in die Welt des Biedermeier. Wenn ich auch anfangs mit der etwas altmodischen Sprachweise, die zu diesem Buch aber hervorragend passt, einige Schwierigkeiten hatte, überwog doch der Spaß an der Geschichte. Mir gefällt besonders die Lebendigkeit der einzelnen Figuren, selbst der Erdachten. Ich hatte das Gefühl, bei Büchners mit am Tisch zu sitzen und manchmal den Wunsch, Jakob zu schütteln, ob seiner Naivität, die wohl auch seinem Mangel an Bildung geschuldet ist. Die fiktiven Teile sind so gut eingefügt in die tatsächlichen Gegebenheiten, dass es sich alles tatsächlich so zugetragen haben könnte, wirklich erstklassig recherchiert. Entsetzt war ich, wie niedrig die Stellung einer Frau wirklich war, dass einfach über sie bestimmt werden konnte. Von der Gerichtsbarkeit wollen wir gar nicht reden.
Allerdings hatte die Geschichte für mich auch einen Nachteil, ich sehe die Biedermeierzeit jetzt mit anderen Augen. Es gab viel zu kritisieren und Georg Büchner hat das klar erkannt, genauso wie auch seine Schwester Luise und sein Bruder Wilhelm. Sie waren ihrer Zeit ein wenig voraus.
Wer historische Romane mag, für den ist dieses Buch ein Muss. Aber auch Krimifans kommen hier auf Ihre Kosten.

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