Profilbild von danielamariaursula

danielamariaursula

Lesejury Star
offline

danielamariaursula ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit danielamariaursula über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2022

Die ersten weiblichen Polizistinnen

Die stumme Tänzerin
0

Die stumme Tänzerin, Helga Glaesener, gelesen von Christiane Marx, Lübbe Audio, 6 CDs 455 Min.

Hamburg 1928: Die Armut der Rezession prägt die Stadt mit Hunger, Arbeitslosigkeit und Inflation. Die junge ...

Die stumme Tänzerin, Helga Glaesener, gelesen von Christiane Marx, Lübbe Audio, 6 CDs 455 Min.

Hamburg 1928: Die Armut der Rezession prägt die Stadt mit Hunger, Arbeitslosigkeit und Inflation. Die junge Paula, Tochter eines reichen Fabrikanten, möchte aber nicht den ihr vorbezeichneten Weg einschlagen und reich heiraten. Nach ihrem Sekretärinnenkurs hat sie eine Anstellung gefunden und will auf eigenen Beinen stehen. Mit einem Kollegen besucht sie abends ein beliebtes Varieté in Erwartung der großen Freiheit, doch es ödet sie an. Als sie es verlässt, gelangt sie in eine Razzia und landet auf der Polizeiwache. Kurz entschlossen heuert sie dort bei der neugeschaffenen weiblichen Polizeieinheit als Sekretärin an. Als sie eines abends die Kommissarinnen zu einem grauenhaften Frauenmord auf einem Friedhof in St. Pauli begleitet, wird ihr Leben endlich aufregend! Aufmerksam beobachtet sie die Ermittlungen um sich herum und fragt unauffällig den Schutzpolizisten, der zuerst vor Ort war aus. Zuerst scheint alles auf eine Tat aus dem Rotlichtmilieu hinzudeuten, bis Paula feststellen muss, dass dieses gar nicht so weit entfernt ist, von ihrer eigenen Herkunft. Ein furchtbarer Verdacht keimt in ihr auf. Kann es wahr sein? Auf der Suche nach der Wahrheit riskiert sie alles.

Eine Frau bei der Mordkommission und sei es nur als Sekretärin, wie schockierend! Paulas Eltern sind in heller Aufregung und verbieten es ihr! Sie soll sofort kündigen! Aber sie ist volljährig und selbst in ihren Kreisen gibt es nicht viele unversehrte junge Männer. Paula bleibt und macht sich unentbehrlich, auch wenn sie mit ihrem Dickschädel nicht nur bei Kommissar Martin Broder aneckt, sondern auch Kommissarin Caro im Herrenanzug, die ihre Alleingänge nicht tolerieren kann und will. Es ist nicht nur unkollegial, sondern auch höchst gefährlich!

Hier werden ganz deutlich die Schattenseiten der schillernden Halbwelt aufgezeigt. Paula hatte schon zuvor keine romantischen Illusionen, als sie das Varieté besucht, aber nicht nur den grauenvollen Frauenmord findet sie abstoßend. Frauen als Waren, die von brutalen, gierigen Männer benutzt und ausgenutzt werden. Ausgeliefert den Gelüsten der Freier ebenso wie ihrer „Beschützer“. Doch Paula muss erkennen, dass ihre eigenen Kreise nicht wirklich besser sind, denn wer außer denen hat denn noch das Geld für solche Vergnügungen? Ihr Weltbild gerät ins Wanken, aber ihr Drang nach der Wahrheit ist stärker, auch stärker als ihre Angst, von ihrer Familie verstoßen zu werden. Was Paula bei ihren Ermittlungen alles mitansieht und anhört, lässt einen bisweilen verstehen, welche Bedenken die Eltern treiben. Es ist schon sehr unappetitlich, aber eben nicht nur für Frauen.

Christiane Marx spricht mit ihrer jungen lebendigen Stimme die unermüdlich nach der Wahrheit strebende Paula. Deren Unerschrockenheit ist dann doch nicht immer so unerschütterlich, wie sie meint. Man hört ihr das Zögern, ebenso an wie die Entschlossenheit, mit der sie ihrer jungen Heldin nicht nur Leben, sondern auch ihre Beharrlichkeit einhaucht. Kurzweilig begleitet ihre Stimme uns in diese Männerdomäne, die eigentlich für Frauen verschlossen bleiben will.

Neben den Mordfällen gibt es Einblicke in das Elend der Wirtschaftskrise, die Klassenunterschiede, die Vorbehalte gegenüber weiblicher Kompetenz, die Anfänge der Pathologie, aber auch die aufkeimenden nazionalistischen und nazionalsozialistischen Strömungen, denen mit menschenverachtenden Völkerschauen im Zoo der Weg geebnet wurde. In der guten alten Zeit, war bei weitem nicht alles gut...

Tatsächlich hat mich die Auflösung am Ende überrascht. Klar, ganz zum Schluß hat es sich abgezeichnet, aber bis dahin... Die Konsequenzen die Paula persönlich durch ihren Ermittlungserfolg zu spüren bekommt, sind zweischneidig. Einerseits hat sie einen Grund zu jubeln und stolz auf sich zu sein, andererseits, gibt es gute Gründe, warum sie den Erfolg nicht ganz genießen kann. Das macht das Ende etwas nachdenklich, aber dafür um so wahrhaftiger.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.09.2022

Glutenfreies Fingerfood für die ganze Familie

Fingerfood glutenfrei
0

Wir haben so viele Freunde mit Lebensmittelunverträglichkeiten, dass ich vor jeder Einladung vor dem Problem stehe: oh je, was kann ich nur machen, was sie alle essen können und dann am Besten noch Corona-konform... ...

Wir haben so viele Freunde mit Lebensmittelunverträglichkeiten, dass ich vor jeder Einladung vor dem Problem stehe: oh je, was kann ich nur machen, was sie alle essen können und dann am Besten noch Corona-konform... also bitte nicht alle in eine Schüssel greifen....? Dabei soll die Auswahl bitte möglichst groß sein, die Präsentation ansprechend, aber bitte nicht so aufwendig und das Einkaufen der Zutaten unkompliziert und bitte nicht nur für die Unverträglichkeiten, sondern auch noch für jeden Geschmack!

Hier gibt es nicht nur glutenfreie Rezepte, es gibt auch einige lactosefreie und vegetarische und einige, wie die Reispapierröllchen sind sogar vegan! Dabei sind die Fotos so ansprechend, dass schon das Durchblättern Spaß macht! Untergliedert ist dieses handliche Büchlein in folgende Kapitel:

1. Mini-Pizzen und herzhafte Häppchen
2. Mini-Burger und Burger-Patties
3. Aufgerollt
4. Aufgespießt
5. Gefüllte und Gedippte Köstlichkeiten
6. Im Glas
7. Süße Häppchen
8. Service


Hier geht es um Fingerfood, um 50 Party-Rezepte, also die Möglichkeit schnelle glutenfreie Häppchen für mehrere Personen in großer Auswahl zu schaffen. Dabei kommen dann auch Rezepte wie überbackene Nachos mit fertig gekauften Tortilla-Chips vor, die eben nicht selbst zubereitet werden, im Gegensatz zu der zu schichtenden Bolognese-Sauce. Ich finde es tatsächlich sehr gut, dass einige der Rezepte sehr schnell und einfach sind. Es geht nicht um Menü-Vorschläge, sondern um viele kleine Häppchen, die am Besten noch hübsch präsentiert werden und auch wenn es hier nicht erwähnt wird, so sind doch die meisten auch für ein hygienisches Corona-Buffet geeignet.

Es gibt Rezepte für Vegetarier und Fleischesser. Lactosefrei sind die Rezepte eher nicht, da viel Frischkäse und Quark verwendet wird, das ist aber auch nicht der Anspruch des Buches. Versprochen wird, dass es gut erhältliche Zutaten sind und tatsächlich, kann man wirklich alle Zutaten ohne weiteres wenn vielleicht nicht in jedem Discounter, dann aber in jedem Drogeriemarkt bekommen. Das finde ich ungeheuer hilfreich, wenn die Zutaten dann auch nicht so teuer sind. Immerhin geht es ja um Party-Food, also um große Mengen. Auch finde ich es ganz geschickt, dass bei einigen Rezepten steht, dass man teilweise Fertigprodukte wie glutenfreie Burgerbrötchen verwenden kann. Nicht jeder hat Lust auch noch die Brötchen vor einer großen Party selbst zu bachen, da hat man meistens eh genug zu tun. Ansonsten werden hier auch noch coole Alternativen angeboten, wie aufgeschnittene Kartoffelmuffins statt Burgerbrötchen (die ich eh nicht mag, da sie mir zu pappig sind) oder kleine Burger in großen Champignon-Köpfen. Die Kartoffelmuffins habe ich mit frischen Kräutern aufgepeppt und ich soll sie nun regelmäßig als Beilage machen, weil die eine Tochter keinen Püree mag, diese herzhaften Muffins aber schon...

Einige der Rezepte eignen sich auch gut als Beilagen, oder zum Mitnehmen ins Büro und in die Schule. Dabei wird das Rad nicht neu erfunden, aber ich hatte seit Ewigkeiten kein Buch mehr, bei dem die Kinder bei so vielen Rezepten riefen: das musst Du unbedingt mal machen! Egal ob als Beilage, Snack, für die Schule oder zur Party, sie fanden die Ideen super und ich, die ich auch so einiges nicht mag, habe beim Schauen und Ausprobieren richtig Appetit bekommen.

Da die beste Freundin meiner Tochter Zöliakie hat und die Schulmensa ekelig ist und das glutenfreie Essen meistens vergisst, packe ich meiner Tochter beim Nachmittagsunterricht die doppelte Menge ein, damit sie gemeinsam essen, statt Junkfood vom Imbiss oder aus dem Supermarkt zu holen. Tatsächlich habe ich hier viele neue Anregungen gefunden, was ich auch noch morgens frisch zubereiten kann.

Ehrlich, ich hatte vor, mir meine Lieblingsrezepte zu fotografieren und es dann meiner Freundin, der Mutter von besagtem Kind zu schenken, aber tut mir leid, das Buch ist zu cool und viel zu beliebt hier, das gebe ich nicht her. Wenn sie mal einlädt, gibt es ein eigenes für Sie als Geschenk!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2022

Schade, Ende der Reihe

Chilli, meine Klasse und der verrückte Ausflug
0

Jelkos aufregende Sommerferien mit dem magischen Feuerfrettchen Chilli, von dem niemand erfahren darf, sind vorbei. Der Schulalltag hat ihn wieder und ist in Form von Mathelehrer Herrn Pingling schrecklicher ...

Jelkos aufregende Sommerferien mit dem magischen Feuerfrettchen Chilli, von dem niemand erfahren darf, sind vorbei. Der Schulalltag hat ihn wieder und ist in Form von Mathelehrer Herrn Pingling schrecklicher als befürchtet. Chilli ist entsetzt wie langweilig die Schulzeit ist und beschließt ein bisschen Schwung in den Schulalltag zu bringen. Als Herr Pingling eine unangekündigte Mathearbeit schreiben will, wird es Chilli zu bunt und es geschieht das Unglaubliche: Das Klassenzimmer dreht sich, hebt ab und fliegt durch Zeit und Raum, bis es auf einem mittelalterlichen Marktplatz landet. Jelko hat sich von dem Schreck noch nicht erholt, als Chilli in niedlicher Hundegestalt von einem bösen Magier entführt wird. Nun ist die Sorge doppelt groß, denn Jelko ist klar, dass es ohne Chilli kein Zurück gibt und seine beste Freundin Lotte glaubt nicht an seinen magischen Freund. Dennoch will sie mit Jelko alles daran setzen das freche Feuerfrettchen zu retten!

Ja, die Ernüchterung nach dem Ende der Sommerferien steht uns auch bald bevor... Da können sich wohl die meisten Schüler mit Jelko identifizieren, auch wenn sie kein verfressenes Feuerfrettchen haben, dass auf scharfe Senfbrötchen steht. Langsam wird Jelkos Mutter auch misstrauisch, ob dieses einseitige Ernährung für ihren Sohn im Wachstum denn gesund sein kann. Chilli vor Lotte geheim zu halten wird auch immer schwieriger und in Mathe hat Jelko echt keinen Plan. Frustige Aussichten, bis das Klassenzimmer in die Lüfte steigt!

Das Ende gefällt uns leider nicht ganz so, das ist etwas ernüchternd, vor allem da es wahrscheinlich das Finale der lustigen Chilli-Reihe ist. Dafür lernen wir nun endlich den großen Franjo Frutti kennen, aber nicht lieben... nee, den hatten wir uns netter vorgestellt! Aber bei Chilli muss man ja auf alles gefasst sein und dieses Mal gibt es nicht nur Chaos, Spaß und Katastrophen, sondern auch dunkle Magie im Mittelalter. Das finstere Mittelalter war auch bei weiten nicht so wild-romantisch, wie wir es uns aus Robin Hood Filmen vorstellen. Hinter jeder Straßenecke kann schon die nächste Gefahr lauern. Illustrator Zapf mit seinen dynamischen Strichen zeigt uns nicht nur immer wieder Chillis neueste Verwandlung, sondern lässt auch das Mittelalter auferstehen... Die zahlreichen Illustrationen und Chillis freche Sprüche und die comichaften Gefühlsausbrüche oder Geräuschdarstellungen „Pling-Pling“, können auch Lesemuffel mit dem Lesen versöhnen. Eine Hommage an das legendäre Buch von Erich Kästner, aber mit völlig anderem Ausgang und natürlich auch anderem inhaltlichen Schwerpunkt.

Der lang ersehnte Abschluss dieser witzigen Comic-Roman-Reihe, der uns leider nicht ganz so begeistern konnte, wie die Vorgängerbände.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2022

Großartig!

Gangster müssen clever sein. Ein Krimi mit echter Milliardärstochter
0

Jamie-Lee ist verzweifelt. Endlich möchte sie eine Hausaufgabe über die Maiferien machen, da scheitert sie schon daran, dass sie kein Babyfoto von sich hat. Da Mama aber nun trocken ist, ist es halbwegs ...

Jamie-Lee ist verzweifelt. Endlich möchte sie eine Hausaufgabe über die Maiferien machen, da scheitert sie schon daran, dass sie kein Babyfoto von sich hat. Da Mama aber nun trocken ist, ist es halbwegs ordentlich in der Wohnung und auf der Suche nach einem Babyfoto wird sie zwar nicht fündig, findet aber einen sorgfältig verwahrten Artikel über einen One-Hit-Wondersänger vor 17 oder 18 Jahren. Da bleibt ihr nichts anderes übrig als ihre Milliardärsfreundin Fee anzurufen und sie um Hilfe zu bitten. Diese glaubt natürlich, dass Jamie-Lee sich bei ihr wegen des Einbruchs in der Familienvilla gestern Nacht meldet. Sie staunt nicht schlecht, als sie nun mit ihr in den Supermarkt gehen soll, um Babyfotos auszudrucken, weil Jamie-Lee das Geld dafür fehlt. Noch schräger wird es, als sie dort von Valentin und Mesut angesprochen werden, die ihr Glück nicht fassen können. Immerhin ist Mesut fest entschlossen, den Einbruch in der Ransmeyer-Villa aufzuklären und nun treffen sie nicht nur Jamie-Lee, um an Infos aus erster Hand zu gelangen. Fee ist nicht gerade begeistert von der Idee, eine Bande zur Aufklärung des Falles zu gründen und da ahnt sie noch gar nicht, in was für eine Gefahr die Ermittlungen die Kinder bringen werden.


Dies ist ein Crossover aus Kirsten Boies Werken „Der Junge der Gedanken lesen konnte“ und „Entführung mit Jagdleopard“ d.h. dass die jungen Helden beider Geschichten nun aufeinandertreffen. Immerhin wachsen sie in der gleichen Gegend Hamburgs auf und die ist nun wirklich nicht betucht! Es ist allerdings nicht erforderlich beide Vorgeschichten zu kennen, um diesem neuen Abenteuer folgen zu können, denn Jamie-Lee und Valentin erinnern sich kurz zurück an die wichtigsten Ereignisse des letzten Sommers.

Ich kannte bisher nur Entführung mit Jagdleopard und mir gefiel dort besonders gut, dass die Protagonistin Jamie-Lee absolut unterprivilegiert aufwächst, aber nie deswegen jammert oder über die Ungerechtigkeit klagt, sondern fröhlich das Leben so nimmt wie es kommt und das Beste daraus macht. Bei einer Alkoholikerin als Mutter ist das echt eine Leistung, dabei kommt die Schule natürlich meistens zu kurz, aber auf den Kopf gefallen ist sie deswegen nicht. Lesende sind oft selbst privilegiert, was sich auch immer wieder verdeutlicht bei Jamie-Lees Einstellung: wer liest schon ein Buch? Wenn sie groß ist, will sie auf jeden Fall Frisörin werden, denn jeder will schöne Haare haben, aber wer außer Valentin oder Herr von Wildeck kauft schon Bücher? Davon kann man ja nicht leben! Na ja, Kirsten Boie verdient dann doch mehr als eine durchschnittliche Haarkünstlerin, allerdings ist sie ja auch eine Ausnahmeautorin. Aber Jamie-Lee hat ganz klare Ansichten zum Leben und der Welt im Allgemeinen und die teilt sie gerne auch mit anderen. Ihre Milliardärsfreundin Fee macht das bisweilen auch, allerdings ist die Schnittmenge ihrer Ansichten doch recht klein, immerhin wachsen sie in völlig anderen Verhältnissen auf. Valentin und Mesut können ihr da schon eher folgen. Mesuts Bruder ist Polizist, aber er wächst im Nachbarblock der Hochhaussiedlung von Familie Wagner auf und auch Valentin und seine Mutter leben dort im 12. Stock. Valentin und seine Mutter kamen nach dem Unfalltod von Artjom, Valentins großem Bruder aus Kasastan nach Deutschland, um über den Verlust hinweg zu kommen. Während seine Mutter versuchte ihren Lebensunterhalt im Supermarkt zu verdienen, war ihr Sohn viel auf sich allein gestellt. Er las viel, besonders Krimis, hing auf dem Friedhof ab, wo er die ältern Leute kennen lernte, die dort statt eines Gartens das Grün inmitten der Stadt genossen, mit Gartenstühlen und Picknick. Mit Nachbarn Mesut, dem Polizistenbruder klärte er dann auch noch einen echten Kriminalfall auf.

Mir gefällt sehr gut, dass Kirsten Boie ganz deutlich zeigt, wie schwierig es für Alkoholiker ist, mit dem Trinken aufzuhören und alte Gewohnheiten zu meiden. Das ist echt eine Leistung und nicht viele haben dafür Verständnis. Für Mittelstandkids sind viele von Jamie-Lees Ansichten und Erkenntnisse witzig, gerade in ihrer Selbstverständlichkeit, wenn sie von teuren Glitzerstickern spricht, oder alten Menschen wie ihrer Oma, die bald 50 wird! Viele der Strategien mit ihrer Armut umzugehen, die die Menschen in diesem Viertel an den Tag legen sind echt pfiffig, wenn auch bisweilen ungewöhnlich, wie das Gärtnern auf einem gepachteten Grab vor seinem Tod. Jamie-Lees Bruder Chucky zeigt auch, wie wichtig es für Kinder ist, ihre Eltern zu kennen, denn immerhin ist er nun überzeugt, dass sein Vater ein Fast-Promi ist, bzw, ein Ex-Promi und damit fängt der Schlamassel eigentlich erst an.

Dieses Mal lernen die Kinder allerdings auch die Welt der Promis kennen, als sie erstmals auf eine Buchvorstellung und sogar eine Vernissage gehen. Jamie-Lee hätte nie gedacht, dass sie über solch aufregende Geschichten über sich in ihrem Buch über sich, für die Schule berichten könnte. Diese Ereignisse aus Kindersicht gesehen sind sehr witzig, aber da es ein Krimi ist, wird es natürlich auch kniffelig und zuletzt auch lebensgefährlich! Aber zum Glück geht alles gut aus, nee, das sind keine Zufälle und kein Glück, langsam glaubt auch Valentin daran, dass es so etwas wie Fügung oder Schicksal gibt, wie Frau Selinksi vom Friedhof immer sagt...

Richtig süß finde ich, wie stolz Jamie-Lee auf ihre nunmehr trockene Mutter ist und darauf, dass sie nun so ist wie andere Mütter. Sie ist begeistert, dass ihre Mutter nun wegen der Vitamine frische Petersilie über die Dosensuppe streut, oder sich aufregt und sich Sorgen macht, wenn sie zu spät nach Hause kommt. Dinge, die für die meisten Kinder selbstverständlich sind und sie nerven, sind für sie ein Grund zur Freude. Auch Valentin ist wahnsinnig stolz auf seine Mutter und das was sie in so kurzer Zeit schon in Deutschland erreicht hat. Allerdings so ganz unkritisch ist es nicht, denn Chucky, Jamie-Lees großer Bruder, ist anders als sie, auf keinem guten Weg, das wird auch nicht beschönigt, ebenso wenig wird die Welt der One-Hit-Wonder verglorifiziert. Es lohnt sich also seinen Schulabschluß zu machen und einen ordentlichen Beruf zu lernen, es muss ja nicht Schriftstellerin sein...

Diese wirklich gelungene Mischung wird aus zwei Perspektiven erzählt: Jamie-Lee, gesprochen von Katinka Kultscher, plappert frei heraus, was ihr gerade in den Sinn kommt. Lebendig und absolut natürlich klingt sie, wenn sie mit den Zuhörenden ihre Gedanken und Einsichten teilt. Tom Freddo Schröder als Valentin klingt da gleich viel überlegter und oft fühlt er sich wohl auch überlegener, obwohl er immer wieder staunend feststellen muss, dass man das Mädel keinesfalls unterschätzen darf! Nicht nur die Wahl der Sprecher ist sehr gelungen, sondern auch ihre Aufteilung der Erzählung, die es noch lebendiger und authentischer klingen lässt.

Kirsten Boie beweist mal wieder ihren Blick fürs Detail, ihre Liebe zu Kindern und ihren Sinn für Humor. Über einige Beschreibungen oder Überlegungen hätte ich mich ja wegschmeißen können! Aber es ist natürlich auch ein Krimi, der aber auch noch verdeutlicht, wie wichtig es ist, richtig schwimmen zu lernen und dass leider nicht alle Kinder die Möglichkeiten dazu haben...

Sehr vielschichtig, lustig, kniffelig, ein echter Knaller! Ab 10 Jahren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2022

Ein witziger und lehrreicher Waldtag mit Mini-Spinni

Die kleine Spinne Widerlich - Der Waldspaziergang
0

Die kleine Spinne Widerlich ist freudig erregt, denn sie möchte mit ihrem kleinen Geschwisterchen Mini-Spinni einen Waldspaziergang unternehmen, um den herbstlichen Wandel zu erkunden. Was es da wohl alles ...

Die kleine Spinne Widerlich ist freudig erregt, denn sie möchte mit ihrem kleinen Geschwisterchen Mini-Spinni einen Waldspaziergang unternehmen, um den herbstlichen Wandel zu erkunden. Was es da wohl alles zu entdecken geben wird? Auf jeden Fall wollen sie unterwegs auch einigen Freunden einen Besuch abstatten und gleich mit Bella anfangen! Bella sitzt auf der Schaukel und bewundert die sich verfärbenden und herabfallenden Blätter und kann sich nicht von ihrem Anblick lösen, weshalb sie weiter vom Schloßpark zum See wandern, wo der Punki staunend zusieht, wie Künstler Miro die letzten Frösche malt, ehe sie sich auf den Winter vorbereiten. Denn wie Frösche den Winter verbringen verrät er ihnen, so wie es auch im Wald anschließend einige Wintervorbereitungen zu entdecken gibt! Was für ein aufregendes Abenteuer, dass sich wunderbar mit frisch gebackenen Apfelstreuselkuchen und Herbstbasteleien ausklingen lässt.

Ich finde ja einige der Namen der tierischen Helden sehr witzig, wie Mini-Spinni, das klingt so typisch nach Kind. Das Tier soll einen Namen haben? Klar, ich hänge einfach ein -i hinten an die Tierart! Und wenn es denn nicht die Tierart ist, dann eine typische Eigenschaft, wie bei Niesi. Aber so fantasielos ist Diana Amft auch nicht, dass alle Tiere nach dem gleichen Prinzip getauft werden, aber die Namen spiegeln wirklich typische Kindernamensgebungen dar, bis auf Miro den Künstler, aber das regt die Kleinen dann zum Nachfragen an, oder eben nicht, klingt ja auch schön.

Gut gefällt mir, dass der Spaziergang der kleinen Spinnen sehr abwechslungsreich ist und damit nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltsam. Außerdem kommen auch Tierarten vor, die nicht in jedem Herbstbuch vorkommen wie z.B. Frösche oder Ameisen. Diese Tiere kennt jeder, aber wer denkt schon darüber nach, was diese so im Winter machen, wenn es kalt wird.

Sehr schön finde ich, dass auf jeder Seite eine kleine Feuerwanzen versteckt ist, die die Kleinen suchen können und sollen. Mal ist das rote Insekt leichter und mal schwieriger zu finden. Da macht es richtig viel Spaß sich die ganzen Bilder genauer anzuschauen und auch auf die vielen liebevollen Details zu achten. Das schult die Konzentration und die Wahrnehmung der kleinen Bücherwürmer. Die kleine Feuerwanze wird beim Suchen fast schon ein Freund und so ist es umso schöner, dass auch die kleine Feuerwanze auf dem Stickerbogen hinten im Buch zu finden ist. Ganz zum Schluss gibt es nämlich noch einen farbigen Stickerbogen mit den liebevoll herbstlichen Motiven von Martina Matos.

Sprachlich finde ich die Geschichte ansprechend und gut verständlich. Man hat nicht das Gefühl, dass dieses Buch von einer beliebten Schauspielerin geschrieben wurde, die doch besser zurück vor die Kamera sollte. Es ist einfach eine runde Sache und regt sogar noch zum Basteln mit Herbstmaterialien an. Ab 4 Jahren.

Ganz herzlichen Dank an die Buchstabenbande/Bloggerportal für mein Rezensionsexemplar!

DiekleineSpinneWiderlich

DerWaldspaziergang

DianaAmft

MartinaMatos

BaumhausVerlag

Buchstabenbande

Waldtiere

Herbstbilderbuch

Bilderbuchliebe

Bilderbuchblogger #Herbstzauber

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere