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Veröffentlicht am 25.11.2020

Mausstarke Lesung!

Einstein
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Seit der kleine Mäuserich Bertie eine Anzeige für das Berner Käsefest gesehen hat, ist er wild entschlossen dorthin zu reisen. Jeden Tag reißt er mit aller Kraft ein Kalenderblatt ab, um den Überblick ...

Seit der kleine Mäuserich Bertie eine Anzeige für das Berner Käsefest gesehen hat, ist er wild entschlossen dorthin zu reisen. Jeden Tag reißt er mit aller Kraft ein Kalenderblatt ab, um den Überblick zu behalten und endlich geht es los, mit der Bahn nach Bern. Auch die Ausstellungshalle findet er ohne große Probleme, es duftet dort herrlich nach den besten Käsesorten, doch die Halle ist leer! Trotz Kalender und Taschenuhr, ist er einen Tag zu spät gekommen. Er beginnt die Zeit und ihre Eigenschaften in Frage zu stellen und erfährt dabei zum ersten Mal von Albert Einstein und seiner Relativitätstheorie. Zeit ist relativ, kann man dann auch in ihr reisen? Entschlossen nicht noch ein Jahr bis zum nächsten Berner Käsefest zu warten, baut Bertie sich eine Zeitmaschine!

Na klar, wie Torben Kuhlmann es immer wieder beweist, steckt hinter jeder großen Erfindung der Zeitgeschichte eine gescheite und kühne Maus!
Dieses Mal beschäftigt sich eine unerschrockene Maus mit dem für Kinder so faszinierenden und geheimnisvollen Phänomen der Zeit. Ihm gelingt dabei etwas, was seinen Zuhörern wohl nie gelingen wird: Bertie reist durch die Zeit! Denn Zeit ist relativ. Doch was heißt das und wer war Albert Einstein? Diesem inszenierten Hörbuch liegt ein Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren zu Grunde, die natürlich Albert Einstein noch nicht kennen. Daher gibt es nicht nur in der Geschichte, sondern auch ausführlicher im Booklet zum Hörbuch wichtige Informationen zu dem legendären Genie und Nobelpreisträger. Der Tonträger ist also nicht einfach nur sehr ansprechend und liebevoll verpackt, nein, es ist auch tatsächlich ein ganzes Booklet eingeklebt. Dieses enthält neben den herrlichen Illustrationen des Autors und einer kurzen Zusammenfassung von Einsteins Leben kurze Infos zum Autor Torben Kuhlmann und Sprecher Bastian Pastewka. Dieses Hörbuch wäre als Download ein Verlust, man würde ohne das Booklet des Tonträgers viel verpassen.

Sehr schön finde ich, dass sich Torben Kuhlmann alias Bertie dem Thema Zeit erst einmal auf kindliche Weise nähert. Zeit, erfahrbar per Kalender, Uhr und verpasster Ereignisse.
Doch was soll man tun, wenn man etwas verpasst hat, worauf man sich schon so lange gefreut hat? Die kindliche Antwort: man dreht die Zeit zurück, mit den Uhrzeigern! Das ist aber nur schlecht für die Uhr und bringt ansonsten gar nichts. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und so begibt sich Bertie erst in eine Bibliothek und forscht und denkt nach und dann wird gebaut. Voller Hingabe und Akribie. Das lässt sich auch an den unglaublich detailreichen Illustrationen mit viel Liebe für Feinheiten, auch technischer und tierischer Details ablesen. Dabei wird natürlich weder auf die in jedem Band unverzichtbare Katze, noch auf den Humor verzichtet.

Wie auch schon bei den Vorgängerbänden Lindbergh, Armstrong und Edison ist die Geschichte eine herrlich spannende Inszenierung voller Geräuschen, Musik und ganz vielen unterschiedlichen Sprechrollen, alle persönlich übernommen von Bastian Pastewka. Bisweilen muss man richtig genau hinhören, um zu merken, dass es tatsächlich jedes Mal niemand anderes als dieser selbst ist, der alle Rollen mit viel Witz und Geschick ausfüllt. Es klingt so lebendig, das man das Gefühl hat, als würde man alles live miterleben. Das macht es gerade für jüngere Kinder unglaublich nahbar und öffnet ihren Geist.

Wer sich nun in diesen Band verliebt hat, so wie wir, dem verrate ich gerne, dass es die ersten 3 Bände inzwischen sogar in einer Sammelbox gibt.

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Veröffentlicht am 25.11.2020

Strahlend schön!

Die wilden Schwäne
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„Weit, weit von hier, dort, wo die Schwalben hinfliegen, wenn es Winter wird....“ so beginnt eines meiner liebsten Märchen von Hans Christian Andersen. Es erzählt die Geschichte von 11 Königssöhnen und ...

„Weit, weit von hier, dort, wo die Schwalben hinfliegen, wenn es Winter wird....“ so beginnt eines meiner liebsten Märchen von Hans Christian Andersen. Es erzählt die Geschichte von 11 Königssöhnen und ihrer deutlich jüngeren Schwester Elisa, die alle 12 von außerordentlicher äußeren Schönheit, auffallender Klugheit und absoluter innerer Reinheit sind. Doch ihre Mutter stirbt und der König heiratet wieder. Die Stiefmutter hasst sie und vertreibt erst die Söhne, die sie noch dazu verzaubert. Das Mädchen gibt sie auf einen einfachen Bauernhof in der Nähe. Elisa ahnt nicht, dass die neue Königin ihre Brüder verzaubert hat: mit Tagesanbruch verwandeln sie sich in Schwäne, wenn die Sonne untergeht, erhalten sie ihre Menschengestalt zurück. Befinden sie sich zu diesem Zeitpunkt in der Luft, stürzen sie ungebremst auf die Erde. Als der König nach Jahren seine Tochter wiedersehen will, ist die Stiefmutter erschüttert, wie schön sie geworden ist. Also macht sie sie hässlich, damit der Vater sie verstößt. Elisa flieht in den Wald und von dort ans Meer, wo sie auf ihre Brüder trifft und von deren Schicksal erfährt. Sie schwört sich, diese von dem bösen Zauber zu erlösen, doch die Prüfung ist hart.

Das Buch ist so liebevoll gestaltet, dass meine Jüngste (11), sich gleich das Buch schnappte und es las, statt zu essen bzw. Hausaufgaben zu machen. Die Illustrationen von Anton Lomaev sind künstlerisch sehr außergewöhnlich und mit hoher Strahlkraft, impressionistisch anmutend. Besonders die Gesichter der Königskinder strahlen nicht nur Schönheit, sondern auch Reinheit des Herzens und ein liebevolles Wesen aus. Neben den großflächigen farbigen Illustrationen, kann man bei näherem Hinsehen auch zarte graue, feinlinierte Zeichnungen entdecken, die den Text einrahmen und sehr ausdrucksstark sind. Die Übersetzung finde ich sprachlich wunderschön und poetisch. Schade finde ich nur, dass Andersen, als er beschrieb, wie die böse Stiefmutter Elisa verunstaltet, diese mit Nussschalen einreibt, damit ihre Haut ganz dunkel wird und die Blässe ihrer Adelshaut kaschiert wird. So kann Kindern leicht suggeriert werden, dass dunkele Haus nicht schön sei. Beim Vorlesen sollte man vielleicht variieren, dass sie ganz schmutzig aussieht. Dafür ziehe ich aber keinen Punkt ab, da es nun mal ein historischer Text ist und es bleibt jedem Vorleser überlassen, mit diesem entsprechend umzugehen. Es zeigt aber auch sehr gut, dass es auch damals tiefe gesellschaftliche Gräben gab und das ist vielleicht ein guter Ansatzpunkt, um darüber zu sprechen.
Auch das Ende bleibt das Originalende, dass nicht für Kinder modifiziert wurde. Ich hätte als Kind vor Wut über dessen Ungerechtigkeit und Endgültigkeit weinen können! Ausgerechnet der jüngste, liebevollste und rücksichtsvollste Bruder wird nicht vollständig erlöst, sondern behält für immer einen Flügel. Was soll er denn damit? Aber das Leben ist nicht fair, auch nicht in Andersens Märchen. Meine Tochter findet so einen Flügel allerdings eleganter als ich. Dieses Buch wird ab 4 Jahren empfohlen, das finde ich in dieser Urfassung, die wirklich wunderschön und sprachlich traumhaft ist, zumindest überdenkenswert. Meine Tochter liebt das Märchen dennoch, zeigt es doch die unverbrüchliche Liebe des reinen Herzens und der geschwisterlichen Loyalität, die über Ansehen und ernsthafte Gefahr siegt. Anders als ich, ist sie aber auch ein Fan von Andersen und skandinavischer Literatur.

Was mich wirklich von der Hochwertigkeit dieses Buches und der Liebe des Verlags für dieses Produktes überzeugt hat, ist dass kein Fehler im Buch ist. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Verlage immer weniger Geld für Rechtschreib- und Grammatikkorrekturen ausgeben, aber hier ist das tadellos. Das ist gerade bei Bilder- und Märchenbüchern wichtig, da sie eben oft vorgelesen werden und wenn Fehler im Text sind, kommt der Vorleser ins Stolpern. Das merken aufmerksame Zuhörer sofort.

Hier wurde das traditionelle Märchen um Liebe, Treue und Loyalität unter Geschwistern sehr ausdrucksstark und gleichzeitig liebevoll umgesetzt.

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Veröffentlicht am 23.11.2020

Vielfältig, gesund und lecker!

Gefüllte Kartoffeln - neue Lieblingsgerichte: einfach, überraschend, köstlich. Pimp your potato - so wird die Sättigungsbeilage zum Hauptgericht
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Klappentext: Feines aus dem Ofen. Köstliche Gerichte, einfach zu machen und perfekt für Gäste. Ein Familiengerechtes Rezeptbuch für neue Kartoffelideen. Sie legen sich nur die schönsten Kartoffeln und ...

Klappentext: Feines aus dem Ofen. Köstliche Gerichte, einfach zu machen und perfekt für Gäste. Ein Familiengerechtes Rezeptbuch für neue Kartoffelideen. Sie legen sich nur die schönsten Kartoffeln und Süßkartoffeln zurecht, schneiden sie auf und füllen sie mit herrlichen Zutaten: Käse, Speck, Fleisch, Fisch, Gemüse, Gewürzte, Kräuter, ein bisschen Öl. Dann wird überbacken und dabei entstehen die wunderbarsten Aromen. Ein Genuss für große und kleine Feinschmecker.

Also, Kartoffeln sind toll. Sie sind nahrhaft, glutenfrei, sowohl Getreide als auch Gemüse, sie sind nachhaltig und regional, man kann sie selbst zu Hause anbauen..... Es gibt viele tolle Gründe für Kartoffeln auf dem heimischen Tisch, und dennoch habe ich meistens ein Kind, das meckert und zwar das, mit der Freundin, die glutenfrei essen muss. Salzkartoffeln will sie nicht, Reibekuchen auch nicht mehr, Bratkartoffeln brauchen bisweilen zu lange und immer nur Püree will sie auch nicht und ich nicht nur Pommes oder Kartoffelscheiben aus dem Ofen! Was nun? Da lachte mich dieser Titel an. Baked Potatoes liebe ich als Pub Food, aber ich weiß ja nicht so genau, wie lange sie in den Ofen sollen und überhaupt, mag dann wieder ein Kind keine Baked Beans.... Also, hier findet man alles Mögliche was man prima zu Ofenkartoffeln kombinieren kann. Man kann auch die Mengen reduzieren und einfach Kartoffeln mit verschiedenen Füllungen machen, dann kommt jeder auf seinen Geschmack und es ist auch super Party Food, da variabel und auch vegan und vegetarisch möglich... Allerdings mache ich es mit verschiedenen Toppings. Der Gedanke, dass ich die Hälfte der Kartoffel aushöhle und die Autorin mir dann nicht verrät, was ich mit dem Inneren der Kartoffel anfange, hat mir nicht so behagt. Also habe ich mir das Aushöhlen gespart und einfach die Füllung als Topping auf die aufgeschnittenen Kartoffeln geklatscht. Geht ziemlich schnell und lässt sich super vorbereiten, man muss nur die lange Garzeit im Backofen mit einrechnen, aber diese ist deutlich im Rezept angezeigt.

Leider verrät die Autorin nicht, wie groß die Kartoffeln in etwa sein sollen. Ich habe das einfach so nach Gefühl gemacht und entsprechend viele Kartoffeln genommen. Der französische Originaltitel verrät allerdings, dass es sich um große Kartoffeln handeln muss, entsprechend der englichen Baked Potatoes. Es werden Kartoffelsorten genannt, aber leider nicht, ob es sich um mehligkochende, vorwiegend festkochende oder festkochende Sorten handelt. Hier müsste man wohl im Internet recherchieren. Je nach Kartoffelgröße eignen sie sich prima auch als leckere Beilage. Auch etwas schade finde ich, dass die Rezepte nicht als vegan oder vegetarisch gekennzeichnet sind, sofern sie es sind. Manche Kochbücher versehen hierzu das Rezeptregister mit kleinen Symbolen. Dafür gibt es aber noch vor dem Rezeptverzeichnis am Ende, das in Kartoffeln und Süßkartoffelrezepte unterteilt ist, noch eine nach Rezepten aufgegliederte Einkaufsliste. Öl, Salz und Pfeffer werden als vorhanden vorausgesetzt. Die Mengenangaben beziehen sich auf die geputzten Zutaten. Die Rezepte sind jeweils für 4 Personen ausgelegt und sowohl die Vorbereitungszeit, als auch die Garzeit sind zutreffend angegeben.

Übrigens: alle Familienmitglieder lieben die Backofenkartoffeln, leider nicht unbedingt mit dem gleichen Topping, aber die sind nur wirklich nicht kompliziert und es gibt reichlich unterschiedliche Rezepte, da findet jeder was, was ihn glücklich macht. Durch die vielen verschiedenen Kombinationen ist das Risiko auch nicht so groß, dass die Familie dieses Essen schnell schon wieder leid ist. Dabei sind einige Rezepte durchaus auch raffiniert und aufwendig, andere allerdings absolut alltagstauglich. Sehr gut geeignet für Menschen im Homeoffice, die das Essen morgens vorbereiten können, oder in einer Arbeitspause und dann etwas über eine Stunde in den Backofen stellen können. Es geht aber auch mit Timer.

Autorin Séverine Augé und Fotografin Delphine Amar-Constantini dürften Landsleute des großen französischen Starkochs Alain Ducasse sein, der Kartoffeln prinzipiell nur im Backofen zubereitet, damit die guten Inhaltsstoffe nicht im Kochwasser verloren gehen. Anders als dessen Rezepte, kann man diese hier aber auch gut ohne ein Heer von fleißigen Küchenhelfern selbst umsetzen und sie gelingen und schmecken! Was will man mehr? Ach ja, schöne Fotos die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und eine gut verständliche Anleitung. Alles gegeben. Ein prima Kochbuch für die ganze Familie und auch für Partys. Stressfrei, lecker, nahrhaft, fettarm, glutenfrei, wirklich zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Genial gelesen!

Ich seh den Baum noch fallen. Renate Bergmanns Weihnachtsabenteuer
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Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist dies nach „Über Topflappen freut sich doch jeder!“ und „Wir brauchen viel mehr Schafe“ das dritte Weihnachtsabenteuer von Online-Omi Renate Bergmann.

Gestatten, ...

Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist dies nach „Über Topflappen freut sich doch jeder!“ und „Wir brauchen viel mehr Schafe“ das dritte Weihnachtsabenteuer von Online-Omi Renate Bergmann.

Gestatten, Renate Bergmann, 82 Jahre, vierfach verwitwete Eisenbahnerrentnerin und mit einem Tomaten-Handy immer auf dem Laufenden. Da weiß man immer gleich Bescheid, auch wenn man in der Bräuteschule eigentlich schon alles gelernt hat, was eine gute Hausfrau so wissen muss. Aber man muss ja immer am Ball bleiben!

Eigentlich hören wir Renate Bergmanns Abenteuer immer auf Urlaubsreisen, aber in diesem Corona-Winter fallen diese aus. Auch der Plan, die CD beim gemeinsamen Backen, wie bei ordentlichen Hausfrauen mit den Kindern zu hören, scheiterte am Platz in der Küche, weil 1 Kind in Quarantäne ist. Aber das hat uns natürlich ebenso wenig von gemeinsamen kulinarischen Aktivitäten abgehalten, wie dies bei einer Renate Bergmann der Fall hätte sein können! Da unser größter Online-Omi-Fan in Quarantäne ist, müssen wir auch nach negativer Testung Abstand halten und zum Glück ist unser Tisch groß und so haben wir mit Abstand Kartoffeln und Äpfel geschält und dabei den Tücken der Weihnachtsvorbereitungen in Berlin Spandau und Silvester auf Seniorenreise in den Harz gelauscht. Dabei hatten wir so viel Spaß, dass sich auch die jüngere Tochter (11) zu uns an den Tisch setzte und mitschälte, weil es gemütlich und lustig war. Oder, wie meine Große (13) sagen würde: ein paar Erlebnisse und Tipps von Renate Bergmann gehen immer!

Dabei erzählt Carmen-Maja Antoni mit gewohnt herzlichem Biss und dem Schalk im Nacken, von den Höhen und Tiefen des Rentner-Daseins in Berlin Spandau, in einem Mehrfamilienhaus, mit bisweilen liederlichen Nachbarinnen, dem beklagenswerten Supermarkt-Sortiment und den Geheimnissen eines perfekten Butterstollens. Natürlich hat sie wie üblich Probleme mit einigen Fremdwörtern, aber schon meine Oma meinte „bei Fremdwörtern soll man lachen“ und warum verwenden die Ärzte auch immer so komplizierte Wörter, mit der ihre Klientel so einen Ärger hat!?

Natürlich hat eine Renate Bergmann auch eine Fotokiste und jedes Jahr lässt sie sich ihre Fotohighlights von ihrem „Neffen“ Stefan auf einen USB-Stick ziehen und bringt sie zum „Entwickeln“. Da bekommen die Erinnerungen doch gleich eine andere Qualität, wie die an den Besuch von William und Kate, den Renate und Ilse natürlich von der ersten Reihe aus verfolgten, während sich Kurt im ordnungswidrig geparkten Koyota taub stellte und auf die Damen wartete.... Wie sie das angestellt haben, dass ihnen nichts entging? Das muss man sich schon selbst anhören, mit den Worten der Online-Omi und der herrlich schnoddrigen Berliner Schnauze von Carmen-Maja Antoni bekommt es gleich eine ganz andere Würze. So ein Weihnachtsabenteuer lässt auch gerne das Jahr Revue passieren und natürlich schweift die gute Renate mal wieder ständig bei ihren Erzählungen ab. Da kann man also ganz sicher sein, dass an allen passenden und unpassenden Stellen, auch die übrigen Akteure des Bergmannschen Universums auftauchen. Wer sie schon kennt fühlt sich gleich wie zu Hause! Wer sie noch nicht kennt, kann sie hier gleich mal kennen und lieben lernen!

Auch wenn Renate immer mal wieder einen Korn hebt, natürlich nur zu medizinischen Zwecken, finden die Kinder die Geschichten immer sehr lustig, auch Renates Scham, ihren Ex-Kurschatten Erwin, mit dem die vierfach verwitwete Eisenbahnerrentnerin nunmal nicht verheiratet ist, auf den Mund zu küssen und andere Anstandsregeln dieser Generation, die dennoch bisweilen erstaunlich freizügig und luzide ist.

Einmal Renate Bergmann, immer Renate Bergmann, auf einige Dinge im Leben ist halt Verlass, Prost, darauf erst einmal einen Korn!

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Veröffentlicht am 21.11.2020

Herrlich!

Das Weihnachtsmannprojekt
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An einem sehr heißen Augusttag ist es wieder so weit: Oma ruft an, um Weihnachten zu planen! Da platzt Mama der Kragen und beschließt, dass sie dieses Jahr mal in Ruhe alleine zu Hause feiern. Oma ist ...

An einem sehr heißen Augusttag ist es wieder so weit: Oma ruft an, um Weihnachten zu planen! Da platzt Mama der Kragen und beschließt, dass sie dieses Jahr mal in Ruhe alleine zu Hause feiern. Oma ist pikiert, Papa, Paul (12) und Frida (7) haben ihre Zweifel. Dann behauptet auch noch Fridas Klassenlehrerin, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gäbe. Frida ist am Boden zerstört und Paul ist nicht bereit, das hinzunehmen. Er beschließt, dass es für Frida ein glückliches Weihnachten werden soll und setzt alles daran ihr zu beweisen, dass ihre Lehrerin unrecht hat. Dabei nimmt er sogar in Kauf von seinen eigenen Klassenkameraden ausgelacht und verspottet zu werden. Zum Glück nicht von allen, denn Nele, die Paul sogar sehr nett findet, scheint das nicht groß zu stören. Doch wie soll er es anstellen, seiner Schwester den einmal verlorenen Glauben wieder zu bringen, es lässt sich ja nicht beweisen...

Diese Weihnachtsgeschichte hat uns wahnsinnig gut gefallen, denn es kommen unglaublich vertraute Elemente darin vor, die sowohl lustig, nachdenklich als auch liebenswert miteinander kombiniert werden und endet sehr hoffnungsfroh. Das Ende des Glaubens an den Osterhasen/Weihnachtsmann/Christkind markiert einen Meilenstein in der kindlichen Entwicklung. Wenn Kinder aus diesem Glauben herauswachsen, ist es für diese meistens in Ordnung, nicht jedoch wenn Ihnen andere vermeintlich aufgeklärte Menschen die „Wahrheit“ aufdrängen. Was ist in Glaubensdingen schon die Wahrheit? Man weiß es ja nicht, aber vielleicht fühlt man es ja sogar?

Auch wenn das Thema „Weihnachtsmann“ scheinbar kindisch ist, ist es dieses Buch nicht, sondern einfach wunderschön. Die Familie ist charmant chaotisch. Der Rest von Mamas Sippe wohnt relativ in der Nähe, weshalb es zu Weihnachten immer ein Clantreffen bei Oma und Opa gibt, das akribisch geplant werden muss. Wahrscheinlich kommt das vielen bekannt vor.

Auch wenn es hier um Weihnachten geht, finde ich die Geschichte auch für den Schulunterricht in der Adventszeit geeignet, weil kein Glaube angegriffen oder erhöht wird. Dafür können sich aber vielleicht einige Kinder besser vorstellen, wie es bei ihren Klassenkameraden zu diesem Fest zugeht. Außerdem finden wir, dass Paul sich wirklich vorbildlich verhält, obwohl es ihm sicherlich nicht immer leicht fällt, wenn die anderen über ihn lachen, nur weil er das Weltbild seiner kleinen Schwester und deren Träume und Hoffnungen retten will. Dabei finden wir besonders witzig, dass dann ausgerechnet die Kleinste der Familie für alle anfängt aufzuräumen und zu putzen, damit der Weihnachtsmann nur ja nicht abgeschreckt wird. Paul wird aber nicht nur mit Fridas glücklich zurückgewonnener Weihnachtsgewissheit belohnt, sondern auch mit dem besseren Kennenlernen seiner netten Klassenkameradin Nele, der durchaus auffällt, wie sehr er sich für seine kleine Schwester einsetzt, dass er über sich selbst lachen kann und anders als die vermeintlich coolen Jungs kein Angeber ist. Ach ja, und dann ist da ja noch das Weihnachtsfest, das so ganz anders ist, als all die Jahre zuvor!

Die zarten Bande zwischen Paul und Nele sprechen vor allem ältere Kinder an, mind. ab 9 Jahren. Die Kapitel sind nicht immer gleich lang, was zwar etwas unpraktisch für ein Adventskalenderbuch sein mag, der Verdichtung der Geschichte aber deutlich zu Gute kommt. Hier wird nicht einfach passend gemacht, was nicht passt, sondern der Handlung und Entwicklung wird der Raum gelassen, die sie benötigt. Dazu gibt es noch zahlreiche lustige und ausdrucksstarke Illustrationen von Barbara Jung.

Dieses Buch hat uns nicht nur vorzeitig in Weihnachtsstimmung gebracht, sondern richtig begeistert. Es als Adventskalender zu lesen hätten wir wohl nicht ausgehalten, weil wir unbedingt wissen wollten, wie es weitergeht! Ab 9 Jahren locker bis 12 Jahren.

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