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Veröffentlicht am 03.06.2019

Abenteuer und Technik!

Explorer Academy 1
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Der 12-jährige Cruz, lebt seit dem Tod seiner Mutter vor 8 Jahren, einer begnadeten Forscherin an einem Geheimprojekt an der Explorer Academy, mit seinem Vater auf Hawaii. Dort surft er und tüftelt mit ...

Der 12-jährige Cruz, lebt seit dem Tod seiner Mutter vor 8 Jahren, einer begnadeten Forscherin an einem Geheimprojekt an der Explorer Academy, mit seinem Vater auf Hawaii. Dort surft er und tüftelt mit seiner besten Freundin Lani, einem Technik-Wunderkind. Doch es ist Cruz und nicht Lani, der einen der weltweit 25 begehrten Plätze für die neue Klasse der Explorer Academy erhält und nicht sie. So ganz nachvollziehen kann er das nicht und fürchtet immer, daß es eine Art Wiedergutmachung für den mysteriösen Laborunfall ist, der ihm die Mutter nahm. Auch seine neuen Mitschüler beäugen ihn teils kritisch, als sie mitbekommen, daß seine Tante Marisol dort unterrichtet. Dafür scheint er aber auch einige richtig begabte und loyale Freunde aus aller Welt zu finden u.a. seinen nerdigen kanadischen Zimmerkameraden Emmett Lu mit der Emoto-Brille oder die entspannte Neuseeländerin Sailor York, die es immer wieder schafft ihn aufzumuntern, oder für neue Inspirationen gut ist. Denn die brauchen sie. Schnell merken sie, daß es nicht nur darum geht sich erste Sporen als Forscher und Entdecker zu verdienen. Cruz Leben ist in Gefahr und das scheint mit dem Tod und der Arbeit seiner Mutter zusammen zu hängen.

Cruz kommt von dem sonnig-relaxten Hawaii in eine schwirrende, geschäftige Forscherwelt. Massenweise Eindrücke, Namen, Technologien, Personen und Aufgaben stürmen auf ihn ein. Ganz schön viel für den Anfang, auch für den Hörer. Um das zu erleichtern gibt es im Booklet Steckbriefe zu den anfangs wichtigsten Personen und einen Übersichtsplan über die Academy. Das ist wirklich schön gemacht, aber es sind so viele Personen mit teils sehr komplizierten Namen aus aller Herrenländern, so daß ich mir gerade bei der wichtigen Isländerin Brindith (?) oder dem Schotten (?) Renshaw (?) oder Dougan, ein paar Steckbriefe mehr, gewünscht hätte. Man lernt sie ja nur über das Hören kennen und die Geschichte ist gekürzt. Meine Töchter (fast 12 und fast 10) fanden es etwas verwirrend und zu komplex. Mein Mann und ich fanden es sehr spannend, aber ich stimme meinen Töchtern zu, daß ich die CDs wirklich sehr oft gehört habe und ich weiß, daß ich genau wie meine Töchter anfangs immer wieder dachte: „Wer um alles in der Welt, war denn noch mal Mell?“. Mell hat eine ganz zentrale Rolle und ist leider im Steckbrief von Lani aufgeführt, da sie keine Person, sondern eine Bienendrohne ist, über die aber bisweilen wie über eine Person gesprochen wird. Wenn man aufmerksam zuhört, kein Problem, wenn man leicht abgelenkt ist, kann man schon mal durcheinander kommen. Das könnte eine Folge der Kürzungen sein.

Die Geschichte ist sehr geheimnisvoll und spannend. Wie Cruz tappt man im Dunkeln und fragt sich, wer Feind und wer Freund ist. Irgendjemand versucht ihn zu warnen, während mindestens ein anderer ihn zu töten versucht. Dabei kommen neueste technische Entwicklungen zum Zug oder wichtige Entdecker oder Forscher, nach denen Räume benannt sind, werden kurz angesprochen. Ein bisschen Allgemeinbildung am Rande, gegen das Vergessen großer Pioniere. Seit Cruz klein ist, liefert er sich mit Tante Marisol scherzhafte Decodierungsübungen. Keine Nachricht, keine Postkarte seiner Tante ist unverschlüsselt. Eine Fähigkeit die Cruz immer wieder braucht. Die Codes akustisch zu lösen ist aber noch schwieriger, als bei einer Buchvorlage, wo man mit den Augen einfach länger auf der Aufgabe verweilen kann. Da wird die Hörbuchumsetzung vor eine echte Herausforderung gestellt. Ich bin ein ganz großer Hörbuchfan, aber ich denke bei einigen der Rätseln und Informationen stößt das Hörmedium an seine Grenzen. Dabei ist es wirklich ein Genuss Stefan Kaminiski in all seinen Facetten zu lauschen. Dieses Abenteuer legt ein hohes Tempo vor, doch Stefan Kaminiski schafft es, dem Spannungsbogen zu folgen, Spannung zu drosseln und heraus zu nehmen, ohne dabei das Gefühl der ständigen Bedrohung zu nehmen. Würde er ständig atemlos gehetzt sprechen oder ähnliches, würden die Emotionen des Hörers abstumpfen, so begleitet man ihn und Cruz auf einer emotionalen Achterbahn, die Cruz kaum Zeit zum Ausruhen lässt. Kein Wunder, daß er ein bereits mehrfach ausgezeichneter Sprecher ist (u.a. 2017 für „Im Labyrinth der Lügen“ das man unbedingt hören sollte, um die DDR nicht zu vergessen).

Trudi Trueit hat nach ihrem Studium und ihrer Tätigkeit als Journalistin und „Wetterfrosch“ im TV inzwischen über 40 Sachbücher und Romane für Kinder geschrieben.

Ich finde es sehr spannend und packend, kann aber das Problem meiner Kinder verstehen. Ich will unbedingt wissen wie es weitergeht, dennoch ziehe ich einen Stern ab, weil ich denke, daß es der Geschichte gut getan hätte, wäre sie nicht gekürzt worden (dabei bin ich überhaupt kein Gegner von Kürzungen, bei einigen Geschichten finde ich sie durchaus wünschenswert).

Sehr spannend, informativ und packend empfohlen ab 10 Jahren (12 fände ich gar nicht verkehrt) und wirklich auch gut als Familie auf langen Autofahrten hörbar, die Eltern kommen auch auf ihre Kosten, für alle Geschlechter, wie divers auch immer, geeignet. Man kann es sehr gut mehrfach hören und entdeckt immer noch etwas, was man bislang überhört hat.

Veröffentlicht am 03.06.2019

Ein Stück Zeitgeschichte fantastisch vertont

»Ich denke, dass ich mir sicher bin«
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Im kalten Krieg war die Panik der Amerikaner vor kommunistischen Einflüssen ähnlich wie heute vor Terroranschlägen. Aus Angst vor kommunistischer Beeinflussung durch die Film- und Kinoindustrie, machte ...

Im kalten Krieg war die Panik der Amerikaner vor kommunistischen Einflüssen ähnlich wie heute vor Terroranschlägen. Aus Angst vor kommunistischer Beeinflussung durch die Film- und Kinoindustrie, machte der „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“ Jagd auf vermeintlich kommunistische Gesinnungstäter. Vor diesen Ausschuss für unamerikanische Umtriebe wurden glühende Anti-Kommunisten wie Walt Disney geladen, aber auch am 30.10.1947 Berthold Brecht. Aus diesem Protokoll, wurde bereits in den 80er Jahren ein Bühnenstück inszeniert. Nun wurde es komplett neu übersetzt, um aus dem dokumentarischen Hörstück ein beklemmendes Kammerspiel zu entwickeln.

Auch wenn dem deutschen Autoren keine Gelegenheit gegeben wurde, sein verfasstes Statement öffentlich zu verlesen, so ist dieses Protokoll seines Verhörs, denn es ist mehr ein Verhör, als eine Vernehmung, auch heute noch ein packendes Zeitzeugnis und flammendes Plädoyer für die künstlerische und Meinungsfreiheit, eingeschränkt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Dieses Hörspiel ist ein Zeitzeugnis in Form einer Gerichtsverhandlung. Es empfiehlt sich also für Hörer, die Justizkrimis mögen, politisch oder historisch interessiert sind. Es ist keine nette Unterhaltung, die man an sich vorüber plätschern lässt. Dafür demonstriert es in unter einer Stunde, die sprachliche Brillanz des deutschen Dramatikers.

Berthold Brecht war als Flüchtling Gast in den USA und wollte daher als Gast möglichst mit den Behörden kooperieren. Die Form der Fragestellung, mit Unterstellungen, verzerrten Darstellungen, unzutreffenden Übersetzungen und aus dem Kontext gerissenen Texten, machten es Berthold Brecht bisweilen sehr schwer, alle Fragen unbefangen zu beantworten. Man spürt Stephan Schad deutlich an, wie sich Berthold Brecht unter der Fragestellung und deren sprachlichen Fassung wand. Er, der die Präzision und Schönheit der Sprache liebte, sollte mit ihrer Hilfe gerichtet werden. Sein Ankläger Stripling war gnadenlos. Auch wenn Brecht nicht die Möglichkeit gegeben wurde, sein vorbereitetes Statement zu verlesen, so nutzte er die sprachlichen Möglichkeiten, die er in einer fremden Sprache hatte, um für politische Offenheit und künstlerische Freiheit zu plädieren, um auf den zeitlichen Kontext seiner Werke zu Zeiten nationalsozialistischer Unterdrückung des freien Geistes hinzuweisen.

Mit seiner emotionalen Ohnmacht und seiner vorübergehenden Sprachlosigkeit, verdeutlicht Brecht aber auch den Wert einer guten und wohlwollenden Übersetzung. Bei einigen Übersetzungen musste er entsetzt feststellen, dass sie sinnverzerrt übersetzt wurden, im Sinne einer politischen Propaganda, die er in dieser Form nicht im Sinn hatte. Er schien aber auch bisweilen seine Ankläger intellektuell zu überfordern, wenn er ihnen die Ideen erklärte, auf denen einige seiner Stücke basieren. Während des Hörens erinnerte ich mich an meine Schulzeit, in der wir „der gute Mensch von Sezuan“ durchnahmen, welches auch Elemente des chinesischen Theaters aufgreift. Damals fand ich es ziemlich nervig. Die Erläuterungen Brechts vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe, fand ich aber durchaus interessant.

Am meisten hat mich allerdings seine Weitsicht beeindruckt, mit welcher er immer stets zu wissen schien, wann es an der Zeit war ein Land zu verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Die Sprecher sind allesamt hochqualifizierte Schauspieler die die Emotionen, die in diesem Vernehmungssaal herrschten richtig hörbar machen. Die Verzweiflung Brechts (Stephan Schad), sein sich Winden geht einem richtig unter die Haut, während der Ankläger Stripling (Lutz Herkenrath) unerbittlich eine Unterstellung nach der anderen auf ihn abfeuert. Man fühlt sich beim Hören, als säße man selbst in einem Gerichtssaal und würde gerade befragt (ich weiß wovon ich schreibe, ich habe dieses Hörspiel auf den Weg in und aus dem Zeugenstand im Strafverfahren gehört ;) Allerdings habe ich mich nicht politisch verfolgt fühlen müssen.).

Im Booklet ist ein Teil der Protokolls in der Übersetzung abgedruckt. Dazu sind gibt es Infos zur historischen Situation, biografische Infos zu Bertholt Brecht und Chef-Ermittler Stripling, der ein faires Verfahren versprach aber nicht bot. Stripling war unglaublich gut vorbereitet und konnte offensichtlich auf Erkenntnisse des FBI zurück greifen, doch Brecht stand ihm in nichts nach und zeichnete die Befragung heimlich auf (wie cool ist das denn, denn 1947 konnte man nicht mal eben ein Handy mitlaufen lassen.)

Ein historisch, sprachlich und politisch unglaublich faszinierendes Hörbuch, daß auch intellektuell begeistert. Auch wenn es nicht sehr lang ist (nur 57 Minuten), hinterlässt es einen bleibenden Eindruck und ist absolut hörenswert.

Veröffentlicht am 03.06.2019

Meistens, muss man das Glück nur zulassen

Meistens kommt es anders, wenn man denkt
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Nele ist ca. 26 und ein kreativer Kopf, der fest zwischen ihren Schulterblättern angewachsen ist. Klar sehnt sie sich nach Liebe, aber da sie anscheinend kein Händchen dafür hat und immer an die falschen ...

Nele ist ca. 26 und ein kreativer Kopf, der fest zwischen ihren Schulterblättern angewachsen ist. Klar sehnt sie sich nach Liebe, aber da sie anscheinend kein Händchen dafür hat und immer an die falschen Typen gerät, hat sie nun die Nase gestrichen voll. Um ihrem Ex nicht täglich begegnen zu müssen, hat sie die Werbeagentur gewechselt und ist nun fest entschlossen, dort karrieremäßig durch zu starten. Mit ihrem neuen Auftrag, einer Imagekampagne für den unscheinbaren und unsympathischen Lokalpolitiker mit dem sperrigen Namen Rüdiger Hoffmann-Klasing, hat sie aber eine harte Nuss zu knacken. Dessen Image aufzupolieren ist gar nicht so einfach, schon gar nicht, da er sich von jungen Frauen eigentlich nichts sagen lassen will, sondern sich als Chef-Sache empfindet. Ach ja, der neue Chef, der ist auch so eine Sache. Irritierend attraktiv, davor hat sie bislang noch niemand gewarnt, nur vor seinem riesigen Hund Sally, denn Claas war bei ihrer Einstellung im Urlaub und so kannte sie bislang nur den anderen Agenturinhaber. Ach ja, neben der Karriere gibt es ja noch ihre liebenswert chaotische Familien, für die sie schon seit Jahren alle Probleme aus dem Weg räumt. Klar ihr kleiner Bruder Lenny braucht wegen seines Downsyndroms auch Hilfe, doch plötzlich will er auf einen Beinen stehen.

Ja, denken hilft bisweilen ungemein! Das finde ich sehr erfrischend an dieser Geschichte, daß Nele tatsächlich ein Hirn hat und es auch nutzt und auch immer wieder in Versuchung ist, die Welt um sie herum, für ihre Familien in Ordnung zu bringen. Dafür wirkt sie auf einige Männer leider bisweilen etwas bieder und langweilig, statt bodenständig, oder als eine Frau zum Pferde stehlen, oder besser, Hunde am Stand ausführen. Nele ist weder trottelig, noch die strahlende Superheldin, sondern einfach ganz normal, auch wenn sie bisweilen als Streberin wahrgenommen wird. Gibt aber schlimmeres, gerade für die Zielgruppe, die sicher erfreut sein wird, daß es auch Menschen gibt, die diese Qualitäten zu schätzen wissen!

Dies ist eine Wohlfühlgeschichte mit Happy End, das jetzt nicht ganz überraschend kommt, denn nein, Nele brennt nicht heimlich mit dem Leiter von Lennys Werkstätte für Behinderte durch. Es ist eine familienfreundliche Liebes- und Familiengeschichte, die sich nicht auf Schweißperlen auf dem Waschbrettbauch oder exotische Sexualpraktiken konzentriert. Man kann dieses Hörbuch gefahrlos an Orten hören, an die jederzeit jeder hereinplatzen kann. Allerdings verzichtet Petra Hülsmann durchaus auf einige Klischees die ich erwartet hätte. Die ganz typischen Dramen, die ich erwartet habe, kamen nicht, dafür aber Konflikte, die zwar plausibel, logisch und menschlich nachvollziehbar sind, aber noch nicht ausgelutscht. So gefällt es mir sehr gut, daß Lenny mit seinem Downsyndrom sehr realistisch dargestellt wird, sowohl was seine Beschränkungen, als auch seine Stärken betrifft. Gerade bei den aktuellen Diskussionen zur Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen zu pränatalen Bluttest zum Ausschluß der Trisomie-21 im Mutterleib, empfinde ich diese Geschichte als wertvollen Beitrag und ein warmherziges Plädoyer fürs Leben. Denn nicht nur Lenny hat bisweilen Probleme im Leben zurecht zu kommen, Nele, ihre Eltern, ihre Nachbarn, Agenturkollegen und der Lokalpolitiker eben auch. In Zeiten in denen die Laternenmasten mit Wahlplakaten vollgekleistert sind, hat mich die Imagekampagne für Rüdiger Hoffmann-Klasing manches Mal zum Schmunzeln gebracht, da man so eine Krawattenfrage wahrlich nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Nana Spier begleitet Nele stimmlich durch so manche emotionale Höhen und Tiefen. Sie spielt mit ihrer Stimme und den Charakteren von denen sie erzählt. Sie spricht klar und gut verständlich und ohne Lautstärkeschwankungen. Die Kürzungen in der Handlung fallen nicht auf, es kommt zu keinen Verständnisproblemen.

Petra Hülsmann hat mit ihren Frauenromanen einen festen Stammplatz in den Bestsellerlisten und setzt erfrischende Akzente gegen die allgegenwärtigen Bad Boy Geschichten.

Gekürzte Lesung 6 CDs 428 Minuten.

  • Einzelne Kategorien
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  • Humor
  • Figuren
  • Stimme
Veröffentlicht am 30.05.2019

Weltenwandel

Tödliches Spiel in Hongkong
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Hazels geliebter Großvater ist gestorben und so reist sie nach fast 2 Jahren in England wieder nach Hause nach Hongkong. Doch sehr zum Unwillen ihres Vaters besteht sie auf der Begleitung ihrer besten ...

Hazels geliebter Großvater ist gestorben und so reist sie nach fast 2 Jahren in England wieder nach Hause nach Hongkong. Doch sehr zum Unwillen ihres Vaters besteht sie auf der Begleitung ihrer besten Freundin und Vorsitzenden der Detektei der ehrenwerten Daisy Wells. Bei der Ankunft staunen beide Mädchen nicht schlecht. Hazels Familie ist viel reicher und bedeutender als Daisy es je erahnte und da sie kein Chinesisch spricht, ist sie auf Hazels Übersetzungen angewiesen. Hazel ist richtig gehend erschüttert. Nicht nur ihr Großvater ist gestorben, die zweite (inoffizielle) Frau ihres Vaters hat einen Sohn geboren, um den sich nun alles dreht! Endlich ein Sohn! Ihm wurde die Ehre zu Teil, Su Li, die bislang Hazels Kindermädchen und Vertraute war zu gewiesen zu bekommen. Hazel fühlt sich als älteste Tochter entthront und verraten. Bis es einen Mord und eine Entführung innerhalb des Haushalts gibt. Die Spuren sind verwirrend, weisen sie doch sowohl auf die gefürchteten Triaden, als auch auf Hazel hin. Dass Wells & Wong heimlich die Ermittlungen aufnehmen steht außer Frage!

Diesmal lässt das Verbrechen länger auf sich warten, als in einigen Vorgängerbänden, doch das Staunen zu Beginn bleibt. Mit der englischen Aristokratin Daisy taucht man in die exotisch fremde Welt des Hongkong zu Beginn der 30er Jahre ein. Dieses ist geprägt von dem unfassbaren Reichtum der Oberschicht, der Angst vor den mächtigen Triaden und großer Armut im Großteil der Bevölkerung. Sitten, Sprache, Kleidung, Speisen, alles ist anders, faszinierend und auch etwas verwirrend. Da hilft es, daß mal wieder Übersichtspläne sowohl von der Villa Wong, als auch vom Tatort zu Beginn des Buches gibt. Da Hazel eine sehr strukturierte Berichterstatterin ist, folgt ein Personenverzeichnis mit engl. Und chinesischen Namen inkl. Schriftzeichen und Funktion. Das ist gerade im Hinblick auf die chinesischen Titel und Kosenamen sehr hilfreich. Für alles was es sonst noch an fremden und exotischem innerhalb des Abenteuers gibt, folgt am Ende des Buches das Hongkong Glossar, ausnahmsweise von Hazel als Hongkong-Expertin verfasst. Gerade diesen Rollentausch zwischen Daisy und Hazel finde ich sehr reizvoll. Daisy landet in einer völlig anderen Welt mit neuen Regeln, die sie nicht immer begreift, somit verschieben sich die Machtverhältnisse innerhalb des eingespielten Teams und Daisy bekommt den Hauch einer Ahnung wie Hazel sich wohl in Europa fühlt. Und auch der Leser bekommt eine Ahnung von den anderen emotionalen Empfindungen und Werten dieses Ortes und was es für Hazel bedeuten muss, zwischen diesen „Welten zu wandeln“. Vielleicht bekommen einige der jungen Leserinnen durch Hazel auch etwas mehr für Mitschüler mit Migrationshintergrund.
Dieses Mal konzentriert sich alles auf Hongkong und das brodelnde Familiendrama, die aufziehende politische Lage in Europa spielt keine Rolle, was ich gut finde, was es auch einfach nicht in diese Welt passt und den Fokus verlieren würde.
Anfangs wirkt der Fall ganz einfach. Eigentlich kommt nur ein Täter in Frage und die Zahl der möglichen Auftraggeber ist sehr begrenzt. Doch je mehr Hazel und Daisy nachforschen, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich, während andere entlastet werden können. Es macht einfach Spaß die zwei bei ihren Ermittlungen zu begleiten und mit ihren zu rätseln. Zwischendurch findet man immer wieder Hazels Listen mit möglichen Verdächtigen, eventuellen Motiven und Gelegenheiten, die immer wieder ergänzt oder durchgestrichen werden. Das hilft sehr bei den eigenen Ermittlungen, so daß man gut mit den Mädchen die richtigen logischen Schlüsse ziehen und am Ende stolz sein kann den Fall gelöst zu haben, ganz ohne kriminaltechnischen Schnickschnack.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Die Geschichte konzentriert sich vor allem auf die Entwicklung der Charaktere, aber auch auf die Darstellung des ungewohnt exotischen Setting, so daß man beides sehr gut nachvollziehen kann, ohne das Gefühl zu bekommen, von den Entwicklungen überrumpelt zu werden, jedoch auch nicht von Anfang an den Fall glasklar vor Augen zu haben.

Ein wirklich wunderbarer neuer Fall für Wells & Wong, deren Ermittlungen mit von Fall zu Fall mehr Spaß machen! Empfohlen ab 12 Jahren.

Veröffentlicht am 30.05.2019

Magischer Spaß!

Finns fantastische Freunde: Trollangriff und Einhornschinken
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Finn (10) ist ein Sachensucher, aber eigentlich eher ein Finder und Behalter! Während einer seiner „Schatzsuchen“ im Park fällt ein zankendes Fass vom Himmel und Finn wehrt es mit einem rostigen Schälmesser ...

Finn (10) ist ein Sachensucher, aber eigentlich eher ein Finder und Behalter! Während einer seiner „Schatzsuchen“ im Park fällt ein zankendes Fass vom Himmel und Finn wehrt es mit einem rostigen Schälmesser ab, wodurch es in den Teich rollt und dort in Flammen steht. Heraus steigen ein merkwürdiger alter Mann, in einem pinken Pelzmantel mit Zauberhut und ein sprechender Chamäleon-Drache namens Attila. Lange hören Attila und Zauberer Zackarius nicht auf zu streiten, denn sie wurden von der fiesen Infamia aus ihrem Land ohne Namen verbannt und fühlen sich nun von hinterhältigen Trollen verfolgt. Klingt ziemlich verrückt und Finn fühlt sich leicht überfordert. Daher versteckt er die zwei besser mal in seinem Gartenschuppen, zwischen all seinen Fundstücken. Da Finn mit seinem Hobby aber nicht allein ist, kommt ihnen Finns Erzrivalin Marie-Lou ziemlich schnell auf die Schliche und klinkt sich in dieses wahnwitzige Abenteuer mit ein. Denn die Trollgefahr entpuppt sich als real und auch ein wichtigtuerischer Professor wittert seine Chance auf schnellen Ruhm. Auch wenn Attila und Zackarius recht anstrengend sind, haben sie das nicht verdient und Finn und Marie-Lu verbünden sich für die Freiheit der Gefundenen!

Ein irrer Plot mit noch irrwitzigeren Ideen, einem toughen Mädel und einem liebenswürdig, eigenwilligen Helden. Eine Geschichte, bei der man nicht den Eindruck hat, daß man sie schon mal gelesen hat, nur etwas abgewandelt. Es ist wirklich originell, und stellt auch einige Klischees auf den Kopf, die es natürlich verdient haben! Damit meine ich nicht nur den Einhornschinken, sondern auch Rollenverständnisse. Finn darf Angst haben, während Marie-Lu zur Tat schreitet. Finns Mutter ist die ständig arbeitende, gut verdienende Anwältin, während sein Vater im Keller vor sich hinbastelt und Brote schmiert (obwohl er eigentlich auch mehr könnte). Es hat mich in der letzten Zeit oft genervt, wenn ich in Kinderbüchern las, daß der Vater Arzt und die Mutter Arzthelferin ist. Ich mag es, wenn diese Strukturen aufgebrochen werden, ohne daß gleich alle Kinder gleichgeschlechtliche Eltern haben (das war mal eine Zeit lang so verbreitet, dass mir das auch zu viel wurde). Sehr gut hat mir gefallen, daß Finn, trotz der erfolgreichen Mutter, so exzentrisch/eigenbrötlerisch sein darf wie er will. Seine Eltern lieben und akzeptieren ihn, wie er ist, ohne daß es ihnen gleichgültig ist was er macht oder sie nicht auf ihn achten. Sie vertrauen ihm einfach, ohne ihn verbiegen zu wollen. Seine Mitschüler sind leider nicht so verständnisvoll.
Auf sehr lustige Weise verarbeitet Rüdiger Bertram aktuelle Modeerscheinungen, wie z.B. allgegenwärtige Einhörner oder pinke Flamingos, mit einem Augenzwinkern, daß auch Kinder verstehen. Anderseits bringt er Kindern aber auch mittels des schrulligen Zauberers den Wert des Lesens nahe! In seiner Welt, kann man nicht lesen, es ist alles verschlüsselt. Das Glück, Lesen zu lernen und es zu dürfen, ist nicht allen Kindern bewußt, gerade nicht in Zeiten der Digitalisierung, wo es für fast alles sicherlich auch eine audio-Datei gibt. Aber auch um die Suchmaschine zu bedienen, muß man Lesen und Schreiben können. Während dieser abenteuerlichen Flucht werden auch ganz viele weitere Themen aus dem Schulalltag angesprochen, wie Mobbing, stinkende Umkleiden, sanierungsbedürftige Schulgebäude und fehlende Hausmeister. Kurzweilig verknüpft mit flotten Sprüchen und skurrilen Situationen. Dabei bringen die schwarz-weiß Zeichnungen von Ute Krause (ja, genau, die Autorin) mit wenigen Strichen die Situationen auf den Punkt bzw. auf den Chamäleon-Drachen.
Meine Tochter (9) fand es sehr lustig und spannend. Sowohl die Sprüche und kreativen Flüche der zwei Findlinge, die einander richtig gerne haben (wie Geschwister), als auch die zwei eigenwilligen Sachensucher, die zu einem echten Team zusammenwachsen. Die Schriftgröße fand sie entspannt und auch die Wortwahl bereitete ihr keine Schwierigkeiten.Wir sind schon sehr gespannt, wie es mit diesen vier ungleichen Freunden weitergeht im 2. Band.

Rüdiger Bertram verbindet diesmal Themen, die ihm auf den Nägeln brennen, mit skurrilem Witz, Abenteuer und nicht alltäglichen Helden. Diese haben ein hohes Identifikationspotenzial für Jungen, Mädchen und Drachen ab 8 Jahren.