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Veröffentlicht am 15.04.2019

Sternschnuppenmagie

Sternschnuppenmädchen 1. Eine Freundin fällt vom Himmel
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Dies ist der dritte Band der „Nur mal schnell“-Reihe, in welcher die drei Freunde Henry, Finn und Zoe (alle 12 Jahre alt) sich sehnlichst ein Haustier wünschen und auf jeweils abenteuerliche Weise zu einem ...

Dies ist der dritte Band der „Nur mal schnell“-Reihe, in welcher die drei Freunde Henry, Finn und Zoe (alle 12 Jahre alt) sich sehnlichst ein Haustier wünschen und auf jeweils abenteuerliche Weise zu einem kommen. Jeder Band ist aus der Sicht eines der Kinder erzählt, aus der Ich-Perspektive. Zum Abschluß erzählt Zoe, wie sie nach der Entdeckung des eingefrorenen Kreta-Zwergmammuts Norbert und der Befreiung des hochbegabten Faultiers Fred zu dem kleinen Lamamädchen Emilia kam: Finns große Schwester Mia hat einen neuen Freund, Marcel, der beim Film arbeitet. Die Geschichten von Norbert und Fred fand der so spannend, daß sie verfilmt werden sollen und die Kinder sollen natürlich von Henry, Finn und Zoe persönlich gespielt werden. Um es noch aufregender machen, bucht Marcel noch ein ausgewachsenes Lama-Männchen dazu. Als ein kleines Lama-Mädchen geliefert wird, ist das Chaos groß und Zoe verliebt sich auf der Stelle. Sie bietet an, es übers Wochenende mit nach Hause zu nehmen. Ihre Mutter ist angesichts der winzigen 2 Zimmer-Wohnung von der Idee gar nicht begeistert. Also beschließt Zoe mit Lama nach Italien aufzubrechen, um dort ihren Vater zu besuchen, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Man kann diesen Band separat von den 2 anderen Bänden lesen, aber man verpasst echt was, wenn man auf die zwei verzichtet. Meine Töchter haben so viel gelacht bei den ersten Bänden (bei diesem auch), daß es echt schade wäre. Immerhin tauchen wieder ein paar alte Bekannte aus den Vorgängerbänden auf, und deren Auftritte sind irgendwie witziger, wenn man sie schon kennt. Zoe ist unglaublich tierlieb und hat auch ein richtig gutes Gespür für sie. Tiere lieben sie einfach und daher war es auch Zoe, die Norbert und Fred erzogen hat. Andernfalls hätten deren Eltern diese zwei Wildfänge wohl auch nicht aufgenommen. Auch dieser Band fängt wieder sehr witzig an. Es gibt nur wenig Wiederholung, um die Erinnerung an die Bände zuvor aufzufrischen, oder Neulingen den Einstieg zu erleichtern. Dafür kann man die drei eigentlich direkt an den Filmset begleiten und Zoes Gedanken belauschen. Das ist ziemlich tröstlich, denn die coole und entspannte Zoe ist ganz schön nervös und aufgeregt, dabei ist sie ja gar nicht allein, sondern umringt von ihren Freunden. Was es bedeutet auf sich allein gestellt zu sein, spürt sie später auf ihrer Flucht mit Lama nach Italien. Auch hierbei ist es sehr schön, daß man durch die Ich-Perspektive direkt an ihren Gedanken teil hat. Das ist vor allem deshalb auch sehr praktisch, da sie sich mit Emilia stets von Kopf zu Kopf über ihre Gedanken unterhält. Emilia ist ganz schön frech! Da entspinnen sich witzige Dialoge, aber auch tröstliche, denn dieser Roadtrip ist auch wirklich aufregend und spannend. Zwischendurch meinte meine Jüngste sogar, es wäre jetzt so spannend, jetzt könne sie wirklich nicht mehr zuhören.
Anders als bei Henry und Finn, lebt Zoe mit ihrer Mutter alleine in sehr bescheidenen Verhältnissen. Das ist nicht immer einfach, aber sie spricht dennoch nie darüber. Mit Emilia ist es anders, sie öffnet sich und nicht nur ihr gegenüber. Für Kinder ein wichtiges Thema, diese innere Hemmung über einige Themen, die sie besonders bewegen mit anderen zu reden und sich ihnen gegenüber zu öffnen und so wird auch Zoe erfahren, daß es nicht nur ihr so geht.

Sehr angenehm fanden wir wieder die sehr schön große Schrift, die es für Kinder deutlich vereinfacht lesend durch die Seiten zu flitzen. Dabei wird das Erreichen eines jeden neuen Kapitels mit einer neuen unglaublich süßen Zeichnung von Emilia belohnt. Auch wenn Zoe und Emilia weiblich sind, ist auch dieser Band für Jungs und Mädchen. Nicht nur weil Zoe so cool ist, sondern auch, weil immer dann, wenn meine Große stöhnte, daß sie es gut fände, wenn Henry und Finn auch dabei wären, ein Kapitel aus Sicht von Henry oder Finn erzählt wird. Diese fassen zusammen, was denn gerade so in Deutschland los ist, während Zoe das Abenteuer und ihren Vater sucht.

Die Kinder hatten so viel Spaß an dieser Geschichte, daß wir gleich noch das Hörbuch von Band 1 „Nur mal schnell das Mammut retten“ wieder entdeckt und Band 2 „Nur mal schnell das Faultier wecken“ noch mal gelesen haben. Eigentlich ist dies der letzte Band der Reihe, aber wir hätten da noch ein paar Fragen und so bleibt natürlich die Hoffnung, daß die Serie doch noch fortgesetzt wird.

Veröffentlicht am 12.04.2019

Skurril und voller Wortwitz

Sau am Brett
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Hygieneinspektor Fellinger, dem eine kriminalistische Laufbahn aufgrund eines schwächelnden Knies versagt wurde, schwelgt noch in den Erinnerungen hat seinen erfolgreich gelösten Fall und genehmigt sich ...

Hygieneinspektor Fellinger, dem eine kriminalistische Laufbahn aufgrund eines schwächelnden Knies versagt wurde, schwelgt noch in den Erinnerungen hat seinen erfolgreich gelösten Fall und genehmigt sich ein Bier nach der Kontrolle in der Küche seines Schafskopfkumpans dem Löffelmacher Ferdl. Während er noch vor sich hin sinniert und sich mit Batman vergleicht, der ja ebenfalls zum Wohle der Menschheit ermittelt, eben auch ohne Auftrag, fällt ein Hamburger Tourist mit dem Gesicht zwischen Schweinebraten und Knödel. Wie sich bei Überprüfung des Toten herausstellt, war er kein x-beliebiger Gast, sondern eine Kiezgröße aus Hamburg, dessen Nasenscheidewand vom Kokain zerfressen war. Strecken Hamburger Drogenbarone nun schon ihre Finger nach der niederbayrischen Idylle aus, oder steckt da was ganz anderes dahinter? So heißt es ja, daß die Kräuter-Resl ihren Neffen, den Löffelmacher Ferdl verflucht hat, nachdem dessen ältester Bruder beim Sautrogrennen ertrunken ist und der jüngere Bruder Rudi angeblich vom Ferdl verjagt wurde. Aber das ist doch schon ewig her. Neben diesen Ermittlungen halten ihn noch immer seine Eltern mit ihren Wünschen und Hoffnungen und diesmal auch mit einem neuen irrsinnigen Projekt im Nacken. Ach ja, und die Kriminalpolizei ist auch noch angerückt, da der Fall durch die Kiezgröße dann wohl doch zu groß für die dörflichen Ordnungshüter ist. Zu dumm daß der Kriminalkommissar ausgerechnet den Fellinger auf dem Kieker hat.

Auf diesen Fall freue ich mich, seitdem ich gelesen habe, daß Fellinger nicht nur einmal seine Nase in Dinge steckt, die ihn offiziell nichts angehen, denn sein erster Fall hat mir richtig Spaß gemacht. Ja, es ist ein Niederbayernkrimi mit Spaßfaktor und Rästelgarantie, mehr als mit andauernder Hochspannung, wobei man auch diesmal nicht auf wilde Verfolgungsjagden verzichten muß. Während ich bei Band 1 noch laut lachen musste, habe ich mich hier eher still über den Sprachwitz gefreut. Die Wortkombis wie Kettensägenkiffer, gepaart mit den absurden Situationen, in denen sie dem Fellinger durch sein Inspektorenhirn schießen, sind mir immer wieder im Laufe des Tages in den Sinn gekommen und haben mich auf offener Straße grinsen lassen. Ja, so schräg wie dieses Wort, so schräg sind auch die Situationen, in die Fellinger als aufrechter und unerbittlicher Beamter und Junggeselle immer wieder stolpert, oder seine Nase steckt. Dabei nimmt er so viele Spuren auf, daß der Hörer vor lauter Hinweisen gar nicht mehr weiß, wer denn nun als Täter in Frage kommt oder welches Motiv denn nun greift. Um den Rätselspaß zu erhalten, weiß man nicht immer so viel wie der Berti Fellinger. Manchmal entdeckt er etwas, was ihn ins Grübeln bringt, aber wen er da z.B. auf dem Foto zu erkennen meint, das denkt er nicht laut, denn sicher ist er sich ja nicht und so kann man fröhlich weiterraten und sich ebenso in Theorien verstricken, wie der Fellinger oder die Herren von der Polizei. Wobei bei denen natürlich klar ist, daß sie auf dem Holzweg sind!
Auch die privaten Irrungen und Wirrungen mit der Liebe und den Eltern kommt diesmal wieder vor. Sie lässt den etwas eigenwilligen Inspektor menscheln und auch wenn der Hörer ihn sich nicht in einem hautengen Superheldenkostüm vorstellen mag, so sind doch dessen gedanklichen Vergleiche mit dem niederbayrischen Gotham-City herrlich zu hören. Michael Schwarzmaier gelingt dabei das Meisterstück urbayerisch zu klingen, obwohl er eigentlich Hochdeutsch spricht und auch für jeden nördlich des Weißwurschtäquators gut verständlich ist. Dabei ist aber auch seine stimmliche Bandbreite beachtlich und schafft eine locker skurrile Stimmung, wenn es denn nicht gerade brenzlig wird. Dann hält man bisweilen in der Bewegung inne, um andächtig zu lauschen, was denn nun schon wieder passiert. Übrigens ist er seit Jahren als Sprecher der erfolgreichen Krimihörbücher von Andreas Föhr bekannt. Bei der Gestaltung des Hörbuchs und der Tonträger im Bierdeckel-Look, hat sich der Verlag echt was einfallen lassen, sehr gelungen.

Autor Oliver Kern ist 1968 in Esslingen am Neckar geboren, wuchs aber im bayrischen Wald auf. Inzwischen lebt er mit seiner Familie in der Gegend um Stuttgart.

Also, es ist wohl nicht der spannendste Krimi diesseits und jenseits der Alpen. Dennoch hat er mich gefesselt und ich zahlreiche Tätigkeiten gesucht und gefunden, die sich prima mit dem Hören von Fellingers zweiten Fall kombinieren lassen. Das ist ein eindeutiges Anzeichen dafür, daß mich der Fellinger in seinen Bann gezogen hat!

Veröffentlicht am 11.04.2019

Für kleine Entdecker

Bis zum blauen Meer und zurück
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Der kleine Lachs Lax hat beschlossen ein Abenteuer zu erleben und von der Quelle bis ans Meer zu schwimmen. Ganz schön weit, unendlich weit, aber es klingt aufregend und so schließt sich Ogi der kleine ...

Der kleine Lachs Lax hat beschlossen ein Abenteuer zu erleben und von der Quelle bis ans Meer zu schwimmen. Ganz schön weit, unendlich weit, aber es klingt aufregend und so schließt sich Ogi der kleine Frosch ihm an. Die anderen Frösche warnen ihn vor all den Gefahren, schnappt sich seinen Rucksack und zieht mit ihm los. Auf dem Weg zum Meer kommen sie durch viele verschiedene Landschaften mit immer anderen Bewohnern. Sie müssen unterschiedliche Gewässer überqueren und kurz vorm Ziel werden sie dank ihrer individuellen Stärken noch zu Rettern in der Nachwuchsnot. Fröhlich gelangen sie ans Ziel ihrer Reise und staunen! Doch dann geht es natürlich wieder nach Hause!

Dieses Buch hat einen Clou, der auf der Rückseite verraten wird, also besser nicht den Klappentext lesen. Ich habe es heimlich zu Beginn durchgeblättert und war etwas über den Titel irritiert, aber das ist der Clou, den man erst versteht, wenn man das ganze Buch von vorne bis hinten gelesen hat! Denn ganz am Ende angekommen, erhält man einen Suchauftragt, so daß man dem Weg zur Quelle gemeinsam zurück verfolgen kann. Auch wenn der Text nicht spärlich ist, ist die Geschichte mit einmal Vorlesen gut zu schaffen, eine schöne Gute-Nacht-Geschichten-Länge ab 3 Jahren. Dabei ist nicht nur ihr Weg abwechslungsreich, es werden z.B. auch Schleusen erklärt, die die zwei auch durchschwimmen müssen. Auch als Wasserbewohner muß man erst mal begreifen, warum man plötzlich nicht mehr weiterkommt. Gerade die Missverständnisse im Kontakt mit der Menschenwelt haben meiner jüngsten Tochter, die Bilderbücher noch immer liebt, besonders gut gefallen. Denn die Geschichte wird ja aus Sicht der Tierkinder erzählt und die kennen sich ja noch nicht so gut aus und staunen viel. Dabei verwendet Anna Schindler eine gutverständliche, kindgerechte Sprache, wobei für das Alter noch unbekannte Begriffe wie Schleuse mit Worten und Bildern erklärt werden. Ogi und Lax unterhalten sich auf ihrer Reise gerne, um ihre Eindrücke miteinander zu teilen. Hieran merkt man auch, daß die Autorin vom Theater kommt und auch schon Theaterstücke geschrieben hat, nachdem sie keine Lust mehr hatte als Schauspielern mit den diversen Aufführungen auf Tournee zu gehen.

Für die fröhlich bunten Illustrationen ist Katrin Dageför verantwortlich, eine studierte Grafik-Designerin, hat nach ihrer Zeit als Art-Direktorin in Werbeagenturen und Kinderauszeit, mit „Bis zum Meer und zurück“ ihr zweites Kinderbuch vorgelegt.

Dies ist ein Bilderbuch für Kindergartenkinder, die Spaß an Entdeckungen und Neuem haben. So kann auf den Doppelseiten auch eine Menge entdeckt und mit den Eltern besprochen werden. Da kleine Kinder Wiederholungen von Vertrauten lieben, werden sie auch den Suchauftrag am Buchende immer wieder gerne von Neuem beginnen, mit der gleichen Freude, wie beim ersten Mal. Mal sehen, wer die Figuren schneller findet, Kind oder Vorleser! Eine sehr schöne Geschichte, die Kinder in Gedanken und Worten von der Bergquelle bis zum Meer reisen lässt. Wir können sie sehr empfehlen.

Veröffentlicht am 09.04.2019

Als Leben noch Überleben war

Die Reise des weißen Bären
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Im Norwegen, Anfang des 13. Jahrhunderts reißt der 12-jährige Arthur von zu Hause aus, da er seine Stiefbrüder und seinen Stiefvater nicht mehr erträgt. In der Stadt Bergen kommen ihm langsam Zweifel, ...

Im Norwegen, Anfang des 13. Jahrhunderts reißt der 12-jährige Arthur von zu Hause aus, da er seine Stiefbrüder und seinen Stiefvater nicht mehr erträgt. In der Stadt Bergen kommen ihm langsam Zweifel, ob die Entscheidung richtig war, als ihn der Hunger quält und er vor aller Augen einen Hasenbraten stiehlt. Der flieht, doch seine Flucht endet in einem Lagerhaus, wo er umzingelt wird, so daß er sich in den dortigen Käfig rettet. Darin wird ein Eisbär gehalten, der als Geschenk des Königs von Norwegen an den König von England gedacht ist. Erstaunlicherweise greift der weiße Riese ihn nicht an. So wird er als Strafe als Eisbärpfleger mit an Bord genommen und ist den Launen der Mannschaft und des Tieres völlig ausgeliefert. Während der Überfahrt, knüpfen Tier und Junge ein immer festeres Band und der Bär erweist sich als weniger gefährlich, als einige der Matrosen und der übrigen Gefahren des Meeres.

Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, ist es dennoch sehr ernst, was nicht nur, an der nicht artgerechten Haltung des Tieres liegt. Das Leben damals war viel rauer und härter, der tägliche Kampf ums Überleben für die meisten alltäglich. Daher ist es gut, daß bereits der Prolog verrät, was für damalige Seefahrten nicht selbstverständlich ist: sie erreichen ihr Ziel, angeschlagen, aber noch enger mit einander verbunden, bis an ihr Lebensende. Beide sind ihr Leben lang gezeichnet, von den Torturen und Gefahren, welche dies im Einzelnen waren, erzählt Julian Greis einfühlsam und bewegend. Obwohl er älter als 12 Jahre alt ist, klingt das Ensemblemitglied des Thalia Theaters Hamburg jung, schafft es aber auch gut, den Part des alternden Schiffsarztes, der sich als immer mal wieder schützend von Arthur stellt. So verbindet auch diese zwei, trotz gewisser Animositäten ein immer festeres Band, insbesondere als Arthur dessen Geheimnis errät und sie so einander ohne Worte helfen können. Da die Geschichte auf historischen Ereignissen beruht (leider ist mir unklar, was außer dem Eisbärengeschenk noch historisch belegt ist) bleibt ihnen keine der damals üblichen Gefahren erspart. Weder Unwetter, noch Piraten und drohender Schiffsbruch an ungeplanten Ufern. Dort trifft Arthur auf so ziemlich die einzige weibliche Figur des Abenteuerromans, bis auf die lediglich erwähnte Mutter, die er verließ. Denn die Seefahrt war reine Männersache und Frauen an Bord brachten dem Aberglauben nach Unglück.
Neben den Kämpfen, den Piraten und den Gefahren bekommt der Hörer Einblick in Arthurs Gefühlswelt, seine Sorgen und Nöte, warum er die Gesellschaft des Bären, der der Menschen, vorzieht. Auf diese Weise erfährt man mehr über das damalige Verständnis von Familie, Erbschaftsansprüchen, deren Nachweise und Ansprüche auf Ländereien. Denn auch wenn Arthur etwas kopflos weglieft, so war er doch nicht ohne Ziel, sein Plan war lediglich nur so weit durchdacht, wie man es von einem 12 Jährigen erwarten kann.

Susan Fletcher, ist eine ungewöhnliche Geschichte gelungen, die auf Pathos, Kitsch und Glücksseeligkeit verzichtet. Die Geschichte ist rau so wie die Zeiten damals, auch wenn Arthur und der Bär England lebend erreichen, so gehen doch nicht alle Träume in Erfüllung, die Realität beugt sich nicht immer den Wünschen und Träumen. So ist diese Geschichte auch traurig und verzichtet auf das klassische Happy End. Kritische Töne und Realitätssinn werden vom Hörer verlangt, wer nicht bereit ist, sich mit den Härten des Lebens auseinander zu setzen, sollte wohl ein glattgespülteres, weniger kritisches Hörbuch wählen. Dennoch wird das Abenteuer auf See und die Freundschaft zwischen Junge und Raubtier sicherlich viele Jungen und auch einige Mädchen (Tiere gehen immer, haben mir meine Töchter und deren Freundinnen versichert) begeistern, eben gerade weil es so anders, so ungewöhnlich ist.

Veröffentlicht am 09.04.2019

Jeder darf so sein wie er will

Lotti und Otto (Band 1)
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Lotti ist ein kleines Otter-Mädchen, das immer eine lustige rote Bommelmütze trägt und das Abenteuer sucht! Am liebsten in Form von Monstern, denen sie gerne Fallen stellt, um sie zu fangen. Bisher hatte ...

Lotti ist ein kleines Otter-Mädchen, das immer eine lustige rote Bommelmütze trägt und das Abenteuer sucht! Am liebsten in Form von Monstern, denen sie gerne Fallen stellt, um sie zu fangen. Bisher hatte sie da aber wenig Glück, anders als beim Angeln, wobei sie großes Geschick beweist. Otto ist ein kleiner Otterjunge mit blauer Bommelmütze, der gerne mit backt und aus alten Gardinen ein Zelt näht, da er ins Ferienlager soll, wo er doch ein wenig Schutz vor Monstern möchte, die er absolut fürchtet. Deswegen möchte er auch gar nicht dorthin! Aber er muss und trifft dort auf Lotti, die nicht nur genauso aussieht wie er, sondern auch all die Dinge liebt, die er fürchtet, dafür aber Backen und Nähen nichts abgewinnen darf. Leider werden die Tierkinder nach Geschlechtern getrennt in Gruppen eingeteilt und nicht nach Interessen. Wie soll Lotti nun um das Backen herumkommen, für das sie nun so gar kein Talent hat und sich Otto vor dem Angeln drücken?

Ein Bilderbuch über Geschlechterrollen, das fand ich cool, denn um die Gesellschaft zu ändern, muss man mit den Gedanken in den Köpfen beginnen. Also war ich sehr neugierig, fand allerdings die gewählten Beispiele jetzt nicht krass genug. Ich kenne genügend Jungs die Backen, im Nähkurs meiner Töchter war auch ein Junge, aber Jungs die Angeln kenne ich nicht so viele (das ist ja auch langweilig, mit dem vielen rumsitzen), dafür sind aber auch im Grundschulalter Teddybären noch eine Selbstverständlichkeit. In sämtlichen Ferienfreizeiten meiner Töchter waren die Gruppen durchmischt und es gab Angebote, die jeder wahrnehmen konnte, auch wenn einige Angebote mehr Jungs anlockten als Mädchen. So der ganz krasse Mädchenkitsch wie Barbies, Prinzessinnenkostüme, Glitzerkram und Schminke fehlten hier in der Tierwelt ebenso wie Roboter, Waffen, Mondraketen, Technik, Schnitzmesser..... Daher brauchte ich dringend eine Kindermeinung für dieses Buch mit der Altersempfehlung 4 – 6 Jahre.

Die fast 4 jährige Emilia fand offensichtlich den Textanteil zu hoch, nach 1,5 Seiten im öden Schwimmbadcafé schaltete sie ab. Der nächste Versuch scheiterte ebenso schnell. Nein, ich habe ein Kind aus einer lesebegeisterten Akademikerfamilie gewählt, daß durchaus eine positive Einstellung zu Büchern hat, aber auch die wirklich zauberhaften Illustrationen von Carola Sieverding konnten ihre Aufmerksamkeit nicht lange fesseln. Das Text-Bild-Verhältnis ist wohl für 4 Jährige noch zu textlastig, daher würde ich es für die Altersgruppe 5 – 7 Jahre empfehlen.

Da in der turbolenten Vorweihnachtszeit mir einfach kein Kinder der entsprechenden Altersgruppe mehr begegnete und meine Jüngste (9) immer wieder nach dem Buch schielte, wurde sie meine nächste Zuhörerin. Ihre Konzentrationsspanne war kein Problem. Ihr Urteil: nein, das darfst Du nicht verschenken, das will ich behalten! - Warum? - Weil es cool ist, es erklärt ganz klar, dass nicht alle gleich sind und jeder mögen darf was er will. Als ich sie fragte, ob das mit den typischen Rollenbildern in der Geschlechterverteilung gut rübergekommen wäre, schaute sie mich nur fragend an.

Die Sprache ist gut verständlich, wenn auch die Sätze für 4 Jährige noch zu lang und der Textanteil zu hoch. Die Begriffe sind bekannt, die Gedanken für die meisten Kinder aber so nicht relevant, weil in der Praxis die Gesellschaft doch sehr viel offener ist, als man es meinen mag. Die Akzeptanz von Querdenkern fand meine Tochter aber sehr deutlich und hilfreich.

Collien Ulmen-Fernandes ist Mutter einer kleinen Tochter (jetzt 5) und gibt Erziehungsratschläge gemeinsam mit Jesper Jul und Kirsten Fuchs im Familientrio der Süddeutschen Zeitung. Meistens tendiere ich zu den Ansichten von Kirsten Fuchs und am Wenigsten zu Jesper Jul, die mir zu realitätsfern sind. Daher war ich auf diese Bilderbuchumsetzung sehr gespannt. Man muss natürlich überlegen, daß die Umsetzung durch die Wahl der Tiere als Erklärmedium beschränkt ist. Backende oder angelnde Otter kann man sich wohl besser vorstellen als Barbie spielende und PC-zockende Otter.

Optisch hat Carola Sieverding die Geschichte wunderbar umgesetzt, mit herrlich leuchtenden und fröhlichen Farben. Mit ganz vielen liebevollen Details gibt es jede Menge zu entdecken und so werden Kinder das Buch auch immer wieder gerne zur Hand nehmen, es durchblättern und die Geschichte durch den Kopf gehen lassen. Die Gestaltung finde ich ausgesprochen gelungen.