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Veröffentlicht am 07.11.2022

Mein Lieblingsbuch des Jahres

Connemara
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Intelligent, intensiv und mit beißendem Humor – „Connemara“ hat mich immer wieder staunen lassen und mir viele Momente des Wiedererkennens und des kräftigen, zustimmenden Nickens beschert. „So, genau so ...

Intelligent, intensiv und mit beißendem Humor – „Connemara“ hat mich immer wieder staunen lassen und mir viele Momente des Wiedererkennens und des kräftigen, zustimmenden Nickens beschert. „So, genau so ist es!“ Und dank der treffenden Beobachtungen und scharfen, pointierten Dialoge mit viel Witz und klugem Humor waren Überraschung und Verwunderungen ob der Ähnlichkeiten und Parallelen in der realen Welt für mich häufig ebenso mit einem kräftigen Lachen verbunden – und einer schier königlichen Unterhaltung.
Ein Roman, der nur für mich als Leserin geschrieben zu sein scheint, dieses Gefühl vermochte mir Nicolas Mathieu mit „Connemara“ tatsächlich zu vermitteln. Und das in vielerlei Hinsicht und auf so vielen Ebenen. Hélène, nicht gerade die klassische Heldin, ist doch eine Figur, in die ich mich sofort verliebt habe, dank und trotz ihrer Widersprüchlichkeiten und ihrer zunehmenden Abkehr von einem gesellschaftlich als perfekt geltendem Leben, einer Bilderbuchfamilie. Ja, ich glaubte, ich wünschte mich wiederzuerkennen – ebenso in ihrem beruflichen Werdegang und ihren Einsichten in eine Branche des schönen Scheins und des Verkaufs von Konzepten, Wünschen, Ideen. Und manchmal auch der eigenen Ideale und Träume.
Doch Mathieu nutzt den Markt des Business Consultings nicht nur, um den beteiligten Akteuren einen Spiegel vorzuhalten, dieser ist auch Ausgangspunkt für eine noch viel tiefergehende Spaltung, gesellschaftlich, sozial, wirtschaftlich. Das Klassensystem mag heutzutage in seiner ursprünglichen Form in der westlichen Gesellschaft überholt und von neuen Modellen und Klassifizierungen abgelöst worden zu sein, doch Fakt bleibt: Die feinen und weniger feinen Unterschiede bestehen fort, ebenso wie Formen der Abgrenzung den eigenen sozialen Status festigen, und die Klassen, Schichten, Milieus – wählt ein Gesellschaftsmodell! – und damit die Menschen voneinander trennen.
Und so treffen mit Hélène und Christophe nicht nur unterschiedliche Bildungsniveaus, Lebensstile und -konzepte aufeinander, sondern auch zwei Menschen, die nach dem sozialen Aufstieg der ehemals jungen Hélène heute noch weniger eint als zu Zeiten ihrer Jugend. Und doch sind da Anziehung, Verstehen und Verständnis füreinander – unter all den Unterschieden und diese nivellierend oder eher kaschierend. Zumindest für eine gewisse Zeit.
„Connemara“ ist so viel und so viel „so sehr“ – sehr klug, sehr intensiv und mich sehr berührend und mich erkennend. Und ich mich in der Geschichte. Doch vor allem ist Nicolas Mathieu mit „Connemara“ ein literarisches Werk von großer Präzision und Tiefe gelungen, ein Roman, der bestehen und fortdauern wird – nicht nur in den Köpfen seiner Leser – und der zum Immer-wieder-Lesen einlädt. Ein Meisterwerk.

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Veröffentlicht am 31.10.2022

Das große Finale: Spannung, Abenteuer und eine wichtige Botschaft

Black Night Falling (Bd. 3)
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Da ist es endlich: Das große Finale! So sehr habe ich dem Abschluss der Trilogie um Tabby, den geheimnisvollen Kreis und den Fortbestand unseres Planeten entgegengefiebert – und es hat sich sehr gelohnt!
Teri ...

Da ist es endlich: Das große Finale! So sehr habe ich dem Abschluss der Trilogie um Tabby, den geheimnisvollen Kreis und den Fortbestand unseres Planeten entgegengefiebert – und es hat sich sehr gelohnt!
Teri Terry lässt den Leser keine Atempause und keinen Moment zum Luftholen – und das wortwörtlich, denn: Das Meer und seine Tiefen und Weiten nehmen natürlich auch in diesem Band eine ganz besondere Bedeutung ein. Und ich fühle mich fast wie Jules Verne, wenn es ganz tief hinabgeht. Und was „1000 Meilen unter dem Meer“ auf Tabby wartet, hat mir den Atem stocken lassen… und wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten!
Kein Geheimnis ist dagegen, wie gut sich die Autorin darauf versteht, die Spannung in ihrer Geschichte durch unvorhersehbare Wendungen und ideenreiche Einfälle durchgängig hoch zu halten und die Leser in ihren Bann zu ziehen. Und so bin ich mit Tabby, ihren Freunden und Unterstützern unter Wasser und über Land zu den verschiedenen Schauplätzen geeilt, um nicht nur Antworten auf so viele ungelöste Fragen zu finden sondern auch die Vernichtung unseres Planeten zu stoppen.
Und gerade die Klimadebatte und die fortschreitende Vernichtung unseres Lebensraumes durch Menschenhand sind es dann auch, die für mich in diesem Band noch stärker in den Mittelpunkt gerückt und in ihrer Eindringlichkeit verstärkt werden. Das Thema ist der Autorin ein sehr drängendes, da bin ich mir sicher. Und so scheint sie ihre Leserschaft mit ihrer Geschichte nicht nur unterhalten sondern vor allem auch aufrütteln und für die bevorstehende Katastrophe sensibilisieren zu wollen – verbunden mit der Botschaft: Ihr seid der Schlüssel! Ihr könnt den Untergang noch abwenden!
Vor diesem Hintergrund sei Teri Terry auch verziehen, dass sie meiner Ansicht nach gerade im Finale zu viel will: zu viel Message, zu viel Action, zu viel Feuerwerk. Auch, wenn weniger für mich mehr gewesen wäre, so habe ich doch jede Seite genossen und bin Tabby atemlos in den großen Plot gefolgt. Und die Botschaft, ja, die ist bei mir angekommen! Und wird nicht vergessen.

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Veröffentlicht am 23.10.2022

Freundschaft, Liebe und Freiheit im Lockdown

Crossing the Lines - Uns gehört die Nacht
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Köln gleicht einer Geisterstadt. Das Virus hat die Menschen in ihre Häuser verbannt, Kinder und Jugendliche zum Homeschooling und das Leben auf Eis gelegt.
Für Leon, Lilu, Chiara und Alexander ist diese ...

Köln gleicht einer Geisterstadt. Das Virus hat die Menschen in ihre Häuser verbannt, Kinder und Jugendliche zum Homeschooling und das Leben auf Eis gelegt.
Für Leon, Lilu, Chiara und Alexander ist diese Warteschleife nur schwer zu ertragen. Sie wollen weiter leben, lieben, feiern. Sie wollen sich als Clique treffen, Abenteuer erleben, Grenzen austesten. Und vor allem wollen sie wieder unbeschwert sein, Schmetterlinge im Bauch spüren, das Adrenalin in ihren Adern. Den Verstoß gegen Regeln, die nächtliche Katz-und-Maus-Jagd mit der Polizei, das Versteckspiel in den Straßen und auf den Plätzen Kölns nehmen sie dafür in Kauf.
Dass sie dabei immer weiter in die Krimininalität ihrer Handlungen abgleiten, scheinen sie zu akzeptieren. Und so ist der Verstoß gegen die nächtliche Ausgangssperre auch nur der Beginn einer Kette von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten, die schließlich münden in Körperverletzung, Einbruch, Autodiebstahl.
Dynamik in diese Entwicklung bringt der geheimnisvolle Summer. Wie „magic“ ist er plötzlich in ihrem Leben erschienen, bringt das Gefüge ihrer Freundschaften und Liebe durcheinander, verschiebt ihre Grenzen und überschreitet diese mit ihnen. Jeden Tag einen gefühlten Schritt weiter.
„Crossing the Lines“ hat mich mit gemischten Gefüheln zurückgelassen. Einerseits hat mich die Darstellung the Lockdowns in „meiner Stadt“ geradezu schmerzlich berührt und in die erst gerade vergangenen Monate zurückversetzt. Das ist gut und spricht für die Geschichte.
Andererseits erscheint mir die unsagbar schnelle Entwicklung der Jugendlichen von einem Austesten ihrer Grenzen in Form von Mutproben und Ordnungsverstößen hin zu kriminellem, strafbarem Verhalten wenig glaubwürdig, nicht ausreichend überzeugend und bleibt dazu unreflektiert.
Eine schöne Diskussionsgrundlage und Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit sich selbst im Lockdown – das könnte der Roman meiner Ansicht nach sein. Möglicherweise auch direkt in den Schulen eingesetzt, diskutiert und besprochen. Und dabei hoffentlich nie wieder in einem notwendigen Homeschooling.

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Kleines Land, großes Leid

Kleines Land
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Burundi ist es! Das kleine Land, über das wir Europäer ganz häufig ganz wenig wissen. Und dass in seiner Geschichte in großen Teilen meiner Aufmerksamkeit entgangen ist. Denn: Burundi ist ein Nachbarland ...

Burundi ist es! Das kleine Land, über das wir Europäer ganz häufig ganz wenig wissen. Und dass in seiner Geschichte in großen Teilen meiner Aufmerksamkeit entgangen ist. Denn: Burundi ist ein Nachbarland Ruandas. Und Ruanda mit seinem Leid, Bürgerkrieg und Völkermord dürfte wohl vielen ein Begriff sein. Und dessen Auswirkungen auf Burundi können da schnell aus dem Blick geraten.
Gael Faye rückt die Menschen in dem „kleinen Land“ in den Fokus – eine wichtige, großartige Leistung! Durch die Augen des Protagonisten Gabriel erleben wir Burundi als das Land der blühenden Mangobäume, der schier endlosen Tage und einer Kindheit, die auch aufgrund der materiellen Sicherheit der Familie, in Teilen wohlbehütet und glücklich ist. Wären da nicht die Streitigkeiten seiner Eltern, die Sehnsucht seiner Mutter und Großmutter nach einem Leben in Ruanda, aus welchem sie vertrieben wurden, und schließlich die zunehmende Verfolgung der Tutsi, der Terror, der Völkermord.
800.000 bis 1 Mio. Menschen fanden in annähernd 100 Tagen den Tod. So die Schätzungen. Die Zahlen sind so groß und unermesslich wie das Leid der Menschen, die Gräuel, Grausamkeiten, das Blutvergießen.
Und auch für Gabriel und seine Familie verändert sich alles. Alles zerbricht. Auch der Verstand.
Noch immer habe ich eine Gänsehaut, wenn ich über die Geschehnisse nachdenke – denen des Romans und deren Entsprechung in der Realität. Kann es nicht begreifen. Erst recht nicht, wie die Vertriebenen hier zu leben vermögen – wie der Kontrast des westeuropäischen Friedens sich in das vom Krieg zerbrochene Innere einzufügen vermag.
Und genau dieses Nicht-Begreifen-Können, meine Fragen und diese Bilder sind es, für die ich Faye dankbar bin. Diese Denkanstöße sind bitter nötig – gerade für uns hier in Europa. Gerade in Gesellschaften, deren Aufgabe und Verpflichtung es ist, geflüchteten Menschen eine neue Heimat zu bieten. Und ihnen Empathie und Verständnis entgegenzubringen – leider nicht immer eine Selbstverständlichkeit.

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Veröffentlicht am 06.09.2022

Hochspannung bis zum Schluss und eine Mordserie voller Blut und Rätsel

Stille blutet
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Atemlos – nicht nur durch die Nacht sondern durch jede einzelne Seite und jedes Kapitel. Bis zum schaurigen Ende voll Überraschungen!
Der Thriller hält alles und noch viel mehr, was ich als treue Anhängerin ...

Atemlos – nicht nur durch die Nacht sondern durch jede einzelne Seite und jedes Kapitel. Bis zum schaurigen Ende voll Überraschungen!
Der Thriller hält alles und noch viel mehr, was ich als treue Anhängerin von Ursula Poznanski von ihren Büchern kenne, erwarte und inzwischen auch gewohnt bin: Eine raffiniert und dabei gut nachvollziehbar und zugänglich konstruierte Geschichte, interessant und glaubhaft ausgearbeitete Figuren und vor allem ein Plot, bei dem mir regelmäßig und immer und immer wieder der Atem stockt.
Mit „Stille blutet“ stellt Poznanski uns ein neue Ermittlerin vor. Fina Plank ist nicht die typische Heldin. Von ihrem Kollegen gemobbt und selbst kritisch und unzufrieden mit ihrem Äußeren muss sie ihren Platz in dem Kommissariat erst finden und sich mit ihren Fähigkeiten und einem guten Instinkt unter Beweis stellen. Die aktuelle Mordserie bietet ihr hierfür Möglichkeiten und Herausforderung genug, denn die Fälle erscheinen in ihren Motiven und Zusammenhängen undurchsichtig, das Vorgehen des Täters mehr als rätselhaft.
Und diese Fragezeichen gepaart mit einer nicht enden wollenden Spannung und einem Lesevergnügen, das durch die Seiten treibt und über die Zeilen fliegen lässt, hält sich durchgängig und auf hohem Niveau bis zum großen Finale. Auch, wenn nicht alle Rätsel gelöst zu sein scheinen und zugleich Lust auf mehr und den Folgeband machen, steht eines für mich doch ohne Frage fest: Poznanski ist auch mit „Stille blutet“ ein Pageturner gelungen – und zugleich ein neues Lieblingsbuch für all diejenigen, die von ihren guten Geschichten verwöhnt sind und Nerven wie Drahtseile haben.

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