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Veröffentlicht am 23.11.2019

Boink!

Ein Schweinebär im Schlafanzug
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Ein Schweinebär im Schlafanzug eine Geschichte von Andreas Langer mit Zeichnungen von Katalin Eva Pop
Andreas Langer schildert eine wunderbare Kindergeschichte aus Sicht der 10jährigen Jule. Diese erlebt ...

Ein Schweinebär im Schlafanzug eine Geschichte von Andreas Langer mit Zeichnungen von Katalin Eva Pop
Andreas Langer schildert eine wunderbare Kindergeschichte aus Sicht der 10jährigen Jule. Diese erlebt so manches Abenteuer, fast unspektakulär, doch mit viel Fantasie und Herz. Der leicht verständliche Text mit hinreichend wörtlicher Rede läd zum Hineinstöbern in den ungewöhnlichen Familienalltag mit einem kleinen Schweinebären ein. Jules kleiner Bruder Sascha verwandelt sich nach dem zahlreichen Gebrauch dieses Wortes in genau solch eine Mischung aus broinkendem Schwein und Bär. Die daraus resultierenden Turbolenzen sind vorprogrammiert. Denn das Zusammenleben mit einem kleinen Schweinebären ist nicht so einfach, wenn die Nachbarn davon noch Wind mitbekommen, ist Ärger vorprogrammiert. ...
Angelockt durch das bunte, filigrane Cover habe ich diese Geschichte zusammen mit meinem Sohn gelesen. Dank der gut verständlichen, kindgerechten Sprache und den kurzen Kapiteln tauchten wir allabendlich in Jules und Saschas kleine Welt ein. Besonders gut gefallen hat uns, wie sich Jule für ihren Bruder einsetzt. Mit einer Bandbreite an Gefühlen und einer Prise Humor fehlte es beim Lesen nie an Spannung. Die kleinen Botschaften und der Aufruf zu mehr Toleranz sind gut zwischen den Zeilen platziert. Die zahlreichen, feinen Zeichnungen runden das Abenteuer ab. Als Zugabe findet man am Ende des Buches Mitmachseiten, die zum Rätseln und Ausmalen einladen.
Fazit: Eine klare Lese- und Kaufempfehlung für dieses zauberhafte Buch mit viel Herz. Die Kombination aus leicht verständlicher Schrift sowie den dazu passenden Bildern sorgen für volle Aufmerksamkeit und große Augen bei den kleinen und größeren Zuhörern und Selbstlesern. Sicher stöbern wir in weitere Geschichten des Autors hinein, da uns der Schweinebär richtig ans Herz gewachsen ist.

Veröffentlicht am 23.11.2019

Erwartungen leider nicht erfüllt!

Die Flucht der Trakehner
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Die Flucht der Trakehner von Sybille Luise Binder erschienen Kosmos Verlag

Aufmerksam gemacht durch das schlicht gehaltene, wundervolle Cover und den Begleittext, habe ich mich an diese Lektüre mit hohen ...

Die Flucht der Trakehner von Sybille Luise Binder erschienen Kosmos Verlag

Aufmerksam gemacht durch das schlicht gehaltene, wundervolle Cover und den Begleittext, habe ich mich an diese Lektüre mit hohen Erwartungen gewagt.
Angesprochen durch die Thematik war ich neugierig auf die Geschichte. Als Enkelin zweier aus Ostpreußen geflüchteten Großväter und einer vertriebenen Großmutter aus Schlesien berührt mich jede diesbezügliche Literatur. Als langjährige Reiterin interessierte mich die Umsetzung dieser historischen und fiktiven Geschichte.
Der Text liest sich überwiegend gut und es fehlt keineswegs an Spannung. Die Autorin nutzt Rückblicke zur scheinbar erleichternden Darstellung der Geschehnisse. Weiter werden Dialoge zur Erklärung der Gegebenheiten genutzt. Diese stilistische Umsetzung hat mir nicht gefallen. Gerade im Gespräch von Jesco und Dr. Ehlert im Büro des Vorwerks Bojahrgallen erscheint mir das sehr oberlehrerhaft und aufgesetzt. Desweiteren fließt das Wissen und die Meinung der Autorin in den Text ein. "...Doch dieser Besuch im Cafe war`s gewesen, der seine Begeisterung für Blondchen im Keim erstickt hatte."; "Jesco erinnerte sich...und einem Kommilitonen bei seinen vergeblichen Versuchen, Trabtraversalen zu reiten, zugeschaut hatten. ...Pferde sind gut darin, Menschen auf das Wesentliche zu reduzieren, nicht?"

Die einzelnen Szenen sind gut geschrieben, doch vermisse ich Details, die bestimmte Situationen zeitgemäß erschienen lassen. Manche Stellen sind mir nicht plausibel. So fehlt Jesco nach dessen Rückkehr ein Arm, später wäscht er sich jedoch die Hände? Jesko schläft mit freiem Oberkörper auf einem Wagen in diesem eisigen Kriegswinter? Auch die zeitliche Abläufe sind für mich nicht stimmig. Mit den Zeitangaben komme ich nicht zurecht. Dem Kapiteln Jahreswechsel 1944/1945 folgt im Winter 1944 und 24. Dezember 1944 in der fortlaufenden Geschichte. Auch Sophies Schwangerschaft scheint mir zeitlich unrealistisch dargestellt. Entweder hätte Jesco bei seiner Verabschiedung im Oktober 1944 diese schon bemerken müssen oder Sophie hätte später entbinden müssen?!

An manchen Stellen ging es mir dann einfach zu schnell. Die Autorin verliert sich an Oberflächlichkeiten. Hier hätte ich mehr Zusammenhänge gewünscht (die Fluchtvorbereitungen; die Unterbringung, Versorgung von 300 Tieren auf der Flucht bei oft verstopften Wegen, ...)
Die Protagonisten sind durchaus gut gezeichnet, doch fehlte mir die Tiefe. Die Gesinnung, der Protagonisten und deren Meinung sind fast durchgängig gegen das deutsche Regime. Sicher erfolgte ein Umdenken mit Fortschreiten des Krieges. Doch das ist mir hier zu einfach dargestellt und zieht sich durch das ganze Buch.
Das Wissen zur klassischen Reitkunst sowie Erklärungen und Einzelheiten, wie man sie in Pferderatgebern findet, sind hinreichend vorhanden.
Die Aufmachung des Buches gefällt mir gut. Die Einteilung in 13 Kapitel mit großen Überschriften sowie einem Epilog funktionieren und erleichtern das Lesen. Die Karten von Ostpreußen 1945 im Einband umrahmen die Geschichte. Dort findet man u.a. die Reiserouten von Jesco und Sophie.

Fazit: Im Großen und Ganzen habe ich die Geschichte gern gelesen. Besonders gut las sich Jescos Flucht über das Haff. Doch leider wurde mein Lesevergnügen durch kleine Unstimmigkeiten getrübt. Gerade wegen des hohen Anspruchs an die Thematik gehe ich mit gemischten Gefühlen aus dieser Lektüre!

Veröffentlicht am 16.11.2019

Die Poesie der Worte

Mein Herz hört deine Worte
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Mein Herz hört deine Worte, geschrieben von Joanne Bischof, erschienen im Brunnen Verlag, aus dem Amerikanischen von Hannah Schwarz
Einer Einladung folgend kommt Ava 1890 nach einer Überfahrt in den Südstaaten ...

Mein Herz hört deine Worte, geschrieben von Joanne Bischof, erschienen im Brunnen Verlag, aus dem Amerikanischen von Hannah Schwarz
Einer Einladung folgend kommt Ava 1890 nach einer Überfahrt in den Südstaaten auf der Apfelplantage der Familie Norgaard in Virginia an. Sie blickt einer ungewissen Zukunft entgegen und schöpft auf der Plantage der drei Norgaard-Brüder neue Hoffnung. Neue Aufgaben, Hindernisse und letztendlich die Stimme ihres Herzens bewegen die junge Frau zum Bleiben. ...
Angesprochen durch das zarte, passende Cover habe ich mich für dieses Buch entschieden und ich habe jede Zeile, die ich gelesen habe, genossen. Diesen Roman in Worte zu fassen, fällt mir sehr schwer, weil ich glaube, man muss ihn einfach lesen um seinen Schönheit zu erkennen. Joanne Bischof spricht unterschiedliche Dingen an und reduziert ihr Setting auf ein Mindestmaß. Ihr berührender Schreibstil trifft den Leser mitten ins Herz.
Der Roman lebt von den äußerst klar gezeichneten Figuren mit ihren Eigenheiten und deren authentischen Handlungen. Sie begegnen sich in ihrer zwischenmenschlichen Kommunikation auf höchstem Niveau. Den schwierigsten Part in der Geschichte hat eindeutig Thor duch sein angeborenes Handicap. Er kann weder sprechen noch hören und ist für mich die stärkste Figur in diesem Roman. Glaubwürdig schafft es die Autorin, dass der Leser sich in jegliche Charaktere und Situtionen hineinversetzten kann. Diese sind nicht immer angenehm und andere berühren einfach zutiefst. So hofft man mit jeder Zeile auf ein Happy End.
Fazit: Dies war mein erster Roman der Autorin, den ich gelesen habe, doch mit Sicherheit nicht der Letzte! Der Schreibstil von Joanne Bischof hat mich in seinen Bann gezogen und ich habe diesen Roman von der ersten bis zur letzten Seite sehr gern gelesen. Joanne Bischof positioniert sich zu ihren lebbaren Werten und schafft hinreihend Bezüge zum christlichen Glauben. Die Kirche ist ein Teil ihrer Geschichte, genauso wie das Abenteuer und die Liebe ohne Übertreibung und Klischees. "Mein Herz hört deine Worte" ist eine gelungene Mischung für die Seele! Ich freue mich auf den angekündigten Folge-und Fortsetzungsroman, der hoffentlich nicht all zu lange auf sich warten lässt!

Veröffentlicht am 16.11.2019

Abgründiger Schrecken

Roter Herbst in Chortitza
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Tim Tichatzki: Roter Herbst in Chortitza - Nach einer wahren Geschichte, gelesen von Makke Schneider, erschienen im Brunnen Verlag
(MP3-CD: 13h 20min)
Anhand zweier Lebenswege, die unterschiedlicher ...

Tim Tichatzki: Roter Herbst in Chortitza - Nach einer wahren Geschichte, gelesen von Makke Schneider, erschienen im Brunnen Verlag
(MP3-CD: 13h 20min)
Anhand zweier Lebenswege, die unterschiedlicher nicht sein könnten, beschreibt der Autor die Erlebnisse von Maxim und Willi von 1919-1947 im Russischen Reich. Was der Bürgerkrieg im Zusammenhang mit der Auffassung verschiedenen Glaubens und unterschiedlicher Ideale mit einem Leben anrichten kann, erzählt Tim Tichatzki in ergreifenden, teils schonungslosen Worten. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Geschichte auf Tatsachen beruht, vor denen niemand die Augen verschließen kann. Schwere Kost, die mich während des Hörens der fast 14 stündigen CD oft innehalten lies, und mich noch nach Beenden des Hörbuches beschäftigt. Trotz der Grausamkeiten sind die einzelnen Hauptakteure und Nebendarsteller hervorragend in Szene gesetzt und agieren nach ihrer jeweiligen Überzeugung. Daher durchdringt die Glaubwürdigkeit jede gehörte Zeile. Fassungslos, zu welch unmenschlichen Taten die zivilisierte Menschheit fähig ist! Fassungslos auch, welch standhafte Überzeugung und Haltung aus einem Glauben erwachsen und bestehen kann!
Makke Schneider liest "Roter Herbst in Chortitza" sehr überzeugend und verleiht dem ganzen Geschehen eine Eindringlichkeit, der man sich nicht entziehen kann. Durch seine Stimme gewinnen die Protagonisten nochmals an Stärke und einzelne Charakterzüge und Äußerungen bekommen deutlich mehr Schärfe.
Fazit: Hier liest und hört man einen aufrüttelnden Roman, eine tragische Geschichte, ein Zeitzeugnis gegen das Schweigen, grandios in Szene gesetzt, emotional, traurig, nichts für sanfte Gemüter!

Veröffentlicht am 16.11.2019

Fausts Leben

Der Lehrmeister (Faustus-Serie 2)
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Der Lehrmeister: Die Geschichte des Johann Georg Faustus (Band 2) von Oliver Pötzsch, erschienen im List/UllsteinVerlag
Oliver Pötzsch hat sich eine äußerst interessante Romanfigur für seinen "Spielmann" ...

Der Lehrmeister: Die Geschichte des Johann Georg Faustus (Band 2) von Oliver Pötzsch, erschienen im List/UllsteinVerlag
Oliver Pötzsch hat sich eine äußerst interessante Romanfigur für seinen "Spielmann" (Teil 1) und den "Lehrmeister" (Teil 2) ausgesucht. Johann Georg Faustus, vielgelesen, meistzitiert, Romanheld des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe. Hier wird Faust greifbar zwischen historische Fakten, fiktiver Fantasie und einem leichten Hang zum mystisch Spirituellen dargestellt. Eine Geschichte, die Faust würdig ist und sich dank des flüssig, fesselnden, rasanten Schreibstils, trotz knapp 800 Seiten, flott weglesen lässt. Die Spannung ist, wie schon im 1. Teil der Faustus Saga von Oliver Pörtzsch, gleichbleibend hoch. Die historischen Persönlichkeiten des 16.Jh. harmonisieren perfekt mit allen anschaulich ausgearbeiteten, erdachten Protagonisten des Romans. Eine Bandbreite an Figuren bereichern die Handlung durch vielseitige und menschlich nahe Charakterzüge. Nie versiegende zwischenmenschliche Themen wie Liebe, Hass, Niedertracht, Verrat, Mitgefühl, Abscheu, Angst und Hoffnung sind aktuell und machen das Geschriebene zu einer emotionalen Achterbahnfahrt für den Leser.
Die Handlungsorte erwachen dank der bildhaften, lebendigen Zeilen zum Leben. Mit Hilfe der Übersichtskarte kann man den Reisewegen sehr gut folgen.
Das passende Cover in Anlehnung an Band 1 schafft einen Wiedererkennungswert und gefällt mir sehr gut. Mit dem Lesebändchen und dem aufklärendem Nachwort des Autors samt Goethe-Zitate sowie der "Reiseführer auf Fausts Spuren" runden die gelungene Aufmachung ab.
Fazit: Ein wunderbarer Epos für Geschichten- und Romanleser sowie Genießer spannender Erzählkunst. Weniger empfehlenswert ist der Lehrmeister für Leser klassische erwartete Literatur, denn eine Portion Fantasie ist in den Text vorhanden, doch gerade dieser Aspekt hat mir beonders gut gefallen.
Ein Buch ist richtig gut geschrieben, wenn man es nicht mehr aus der Hand legen möchte und genau das hat Oliver Pörtzsch mit beiden Bänden um Faustus und die dunklen Mächte geschafft!