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Veröffentlicht am 29.01.2026

Magisches Fantasy-Abenteuer mit beeindruckenden Illustrationen

Lightfall 1: Das verlorene Licht
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„Lightfall 1: Das verlorene Licht“ von Tim Probert ist ein Graphic Novel Fantasy-Roman für Kinder und Jugendliche ab ca. 10 Jahren.

Das Mädchen Bea lebt gemeinsam mit ihrem Großvater, einem weisen Zauber-Eber, ...

„Lightfall 1: Das verlorene Licht“ von Tim Probert ist ein Graphic Novel Fantasy-Roman für Kinder und Jugendliche ab ca. 10 Jahren.

Das Mädchen Bea lebt gemeinsam mit ihrem Großvater, einem weisen Zauber-Eber, auf dem Planeten Irpa. Im Haus ihres Großvaters gibt es jede Menge Heilkräuter und Zaubertränke, aber auch Geheimnisse. Denn als „Hüter der Ewigen Flamme“ sorgen sie für das Gleichgewicht einer Welt, die von der Dunkelheit bedroht ist.
Als eines Tages Beas Großvater verschwindet und nur die Flamme zurücklässt, zusammen mit einer mysteriösen Nachricht, darf Bea keine Zeit verlieren: Sie muss ihren Großvater finden. Zum Glück trifft sie unterwegs Cad, einen Galdurier. Zwischen den beiden entwickelt sich wider Erwarten eine Freundschaft und sie müssen viele gefährliche Abenteuer überstehen. Cad hofft, mithilfe des Zauber-Ebers sein verschwundenes Volk wiederzufinden. Werden die beiden es schaffen, und Beas Großvater aufspüren?

Ich selbst bin eigentlich kein Fantasy-Fan (mein Kind schon), aber dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Das liegt vor allem an den wirklich eindrucksvollen Illustrationen, die uns sehr begeistert haben! Diese sind so gut, dass auch die Seiten, die komplett ohne Text auskommen, unendlich viel aussagen.

Auch thematisch ist diese Geschichte über Freundschaft, Hoffnung und Mut sehr schön zu lesen. Da es nicht viel Text ist, kommen sicher auch Kinder gut damit klar, die nicht so gerne viel lesen.

Die Charaktere sind allesamt sehr gut getroffen; besonders mochten wir natürlich Bea und Cad.

Ein sehr schönes Zitat aus dem Buch: „Man braucht nicht immer einen Grund, um zu helfen.
Das gibt's heute nicht mehr so häufig.“

Zwei kleine Kritikpunkte haben wir: Das Buch riecht leider sehr, sehr unangenehm – ich nehme an, das liegt an der Farbe bzw. am Druck. Wir hoffen sehr, dass der Geruch bald noch verfliegt, damit wir das Buch noch mehr genießen können.
Was uns jedoch etwas mehr gestört hat, ist die Tatsache, dass das Buch sehr offen und plötzlich endet – quasi mitten in der Handlung. Damit ist man quasi „gezwungen“, den zweiten Band zu kaufen (was wir ohnehin getan hätten, aber trotzdem). Das hätte man vielleicht anders lösen können, auch wenn klar ist, dass dies der Auftakt zu einer Reihe ist.

Ansonsten bekommt „Lightfall 1: Das verlorene Licht“ auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung von uns für alle, die beeindruckende und stimmungsvolle Illustrationen und eine spannende, magische Geschichte lesen wollen.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Ein Frauenleben in 6 Tagen erzählt

Tage des Lichts
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„Tage des Lichts“ von Megan Hunter hatte mich thematisch stark angesproche. Besonders interessant fand ich, dass hier das Leben einer Frau zusammengefasst auf 6 Tage ihres Lebens erzählt wird.

Die Geschichte ...

„Tage des Lichts“ von Megan Hunter hatte mich thematisch stark angesproche. Besonders interessant fand ich, dass hier das Leben einer Frau zusammengefasst auf 6 Tage ihres Lebens erzählt wird.

Die Geschichte beginnt 1938 in England, wo die 19jährige Ivy noch nicht erwachsen ist und sich selbst noch nicht wirklich gefunden hat. „ielleicht, so überlegte sie, lag das daran, dass sie keine Frau wie andere war. Schon als Kind hatte Ivy das Gefühl gehabt, ihre Seele sei nicht ganz weiblich.“
Ivy hat große Träume und Pläne für ihr Leben, doch als ihr Bruder Joseph tödlich verunglückt, ändert dies alles.

Nach dem nächsten Zeitsprung ist Ivy inzwischen verheiratet mit Bear und hat Kinder.
„Genau so ist das im Leben, das wurde Ivy bewusst, wie eine Flutwelle von Dingen, Häusern und Menschen, die auf sie zuströmt, über sie hinwegrollt. Das Leben fand statt, und sie war mittendrin, doch es schien keine Kontrolle zu geben, keine Wahl. Sie hatte etwas anderes erwartet, an jenem Tag im Krankenhaus hatte sie beschlossen, dass keine ihrer Entscheidungen eine Rolle spielte. Dennoch hatte sie damit gerechnet, zumindest Entscheidungsmöglichkeiten zu haben. Dass sie nicht auf die Universität gegangen war, war kaum eine Überraschung. Aber sie malte nicht, sie schrieb nicht, und in diesen Tagen tanzte oder sang sie auch nicht. Sein neues Buch hatte Bear nie veröffentlicht: Sie hatten Kinder, das war alles, ihr Leben war eingeengt; ohne dass sie es gemerkt hatten, hatte es diese konventionelle Form angenommen. Sie waren einfach so geworden wie alle anderen auch.“

Doch sie trifft Frances wieder, die damalige Freundin ihres Bruders Joseph. Und sie kann sich nicht gegen die leidenschaftlichen Gefühle wehren, die sie für Frances hegt ...

Ich möchte hier zum Inhalt nicht spoilern, nur so viel: Ivys Leben wird in weiteren Zeitsprüngen erzählt, bis hin zum Ende, das leider eine Frage noch offen lässt, auf deren Beantwortung ich eigentlich gehofft hatte.

„Und doch hatte sie damals nichts Wichtiges erfahren, war zu keiner Erkenntnis gekommen, hatte keine einzige Antwort auf ihre Fragen erhalten. Alles war wie vom Wind verweht, es wucherte, bedeutungslos.“

Ich hatte nach der vorherigen Leseprobe andere/höhere Erwartungen an diesen Roman. Obwohl der Schreibstil ansich gut war, konnte dieser eher ruhige Roman mich nicht ganz überzeugen. Ivy blieb leider ein wenig blass für mich. Auch wenn ich die Idee, die Lebensgeschichte auf 6 Tage zusammenzufassen, sehr interessant fand, war mir die Geschichte insgesamt etwas zu langweilig. Insgesamt ein Buch, das ganz okay war, mich aber nicht wirklich berühren konnte.

Vielen Dank an den C. H. Beck Verlag, an Vorablesen.de und an NetGalley für die Rezensionsexemplare!

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Veröffentlicht am 26.01.2026

... in jedem Moment eine Frau, die einmal Kinder haben würde

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Das Setting mit zwei befreundeten Paaren in einem Ferienhaus ist grundsätzlich nicht neu - aber „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von Dita Zipfel ist wirklich ein außergewöhlicher Roman, der ...

Das Setting mit zwei befreundeten Paaren in einem Ferienhaus ist grundsätzlich nicht neu - aber „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von Dita Zipfel ist wirklich ein außergewöhlicher Roman, der mich schon von Beginn an (ab dem Anfangszitat "Frauen müssen mit der Möglichkeit einer Schwangerschaft leben." - Rachel Cusk) begeistert hat.

Der wohlhabende Felix (mit Ehefrau Eva, Sohn Otto und dem Baby) hat seinen Jugendfreund Matze und dessen Frau Linn ins Luxus-Ferienhaus an der Côte d’Azur eingeladen. Linn und Matze versuchen schon lange erfolglos, ein Kind zu bekommen. Nach dem Urlaub soll Linn ein „perfekt gereifter Embryo“ eingesetzt werden. Linn ist zerrissen zwischen dem absoluten Wunsch, Mutter zu werden und ihren Selbstzweifeln, ob sie der Mutterschaft überhaupt gewachsen ist. Umso faszinierter ist sie von Eva, der scheinbar alles so leicht und perfekt gelingt; Eva sieht toll aus und hat endlose Geduld mit ihrem (leicht verwöhnten) Sohn Otto; nebenbei ist da noch das Baby. Dass Eva schon wieder schwanger ist und nicht weiß, ob sie noch ein drittes Kind aushalten kann, ahnt noch niemand.

"Jetzt steht sie im Bad und vor ihr liegt eine unscheinbare Tablette. Im Spiegel starrt eine Frau eine unscheinbare Tablette an. Alle warten auf ihre Entscheidung, so wie immer. Ihr ganzes Leben eine Abfolge von Entscheidungen, seit die Kinder da sind, eine Multiplikation von Entscheidungen. Was gibt es zu essen, braucht Otto eine Jacke, meinst du, wir müssen zum Arzt? Jetzt noch diese hier und die Frage, wie viele Entscheidungen sie noch treffen kann. Nimmt sie die Tablette, hält sie eine Lawine von weiteren Entscheidungen auf. Kein Name, kein Sportverein, kein Instrument. Kein Motto für den Kindergeburtstag, kein Einschulungsfest, kein Abstillen. Mit einer einzigen Entscheidung."

Während die Männer damit beschäftigt sind, Crémant zu trinken, angeln zu gehen und Matze sich fragt, ob ihre Jungdfreundschaft wirklich noch von Bestand ist, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen langsam eine Verbündung, mit der sie nicht gerechnet hatten.

Wow, was für ein Roman!
Die Charaktere sind allesamt wunderbar getroffen; ganz besonders Linn und Eva; aber auch die Männer Matze und Felix sowie der kleine Otto.
Erwähnenswert finde ich auch, dass die Autorin auch die Reinigungskraft Latifa zu Wort kommen lässt; ihre Kapitel bereichern das Buch nochmals um eine interessante Perspektive.

Ich konnte mich sehr gut in beide Frauen-Charaktere hineinversetzen, was eindeutig an der feinen Beobachtungsgabe und Schreibkunst der Autorin liegt.

Eva, die von außen so perfekt und gelassen wirkt, kommt als Mutter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit; und auch sie hat Selbstzweifel und Probleme mit ihrem Körper: "Sie weiß, was das Problem ist: Wenn sie in den Spiegel guckt, misst sie sich an einer Version ihrer selbst, die ist schon lange nicht mehr gibt. Es ist, als würde sich das Gehirn irgendwann festlegen: das ist dein Körper. So sieht er aus, so fühlt er sich an. Ab dem Zeitpunkt ist jede Veränderung eine Abweichung, eine Irritation. In ihrem Kopf lebt ein längst überholtes Bild ihres Körpers."

Linns Selbstzweifel und ihr Schmerz haben mich sehr berührt:
„Als wäre etwas gestorben. Ein ungelebtes Leben ist tot. Und es gibt keinen Ort, an den sie gehen kann, um darum zu trauern. Was nie da war, kann man nur in sich selbst begraben. Dabei würde sie gerne auf etwas zeigen und sagen: Guck, das hatte ich mal.
Sechs Embryos sind zu klein für ein Grab."

"Sie wird noch ein paar Jahre von Bekannten mit kleinen Kindern um ihre Freiheit beneidet werden, bis es nur noch Bekannte mit großen Kindern gibt. Wird ihrem Körper beim Zerfall zusehen. Ein zu weicher Bauch ist zu ertragen, wenn es dafür einen besseren Grund gibt als bloß vergangene Zeit. Einsamkeit ist schöner, wenn es Kinder gibt, die nicht mehr anrufen. Ihre Beziehung wird noch ein paar Jahre halten. Genau so lange, dass es für Matze noch nicht zu spät ist, mit einer jüngeren Frau Kinder zu bekommen. Sie wird nie wirklich lieben. Nicht auf diese reine, tiefe, unerschütterliche Art, die Art, die alles überlebt. Sie ist selbst erstaunt darüber, wie sehr ihr Leben, alles, was Sie bisher getan oder nicht getan hat, auf der Gewissheit aufbaute, dass sie einmal Kinder haben würde. Wie diese Gewissheit alles legitimierte, allem einen Sinn verlieh, der jetzt verpufft. Sie war, ohne es zu wissen, in jedem Moment eine Frau, die einmal Kinder haben würde.
Und jetzt?"

Das Ende lässt Fragen offen, ja – aber ich fand das genau passend. Wie sonst hätte man diesen Roman enden lassen sollen? Das Buch wird sicher noch lange in mir nachhallen.

„Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ ist ein starker und abgründiger Roman über weibliche Selbstbestimmung, Mutterschaft und Kinderlosigkeit - schon jetzt eines meiner bisherigen Jahres-Highlights!

Vielen Dank an den Insel-Verlag und Vorablesen für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Einfühlsamer Jugendroman über Trauer, Verlust und Weiterleben

Und mir bleibt der hässliche Hund
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„Und mir bleibt der hässliche Hund“ von Franziska Hörner ist ein Jugendbuch, das ich auch als Erwachsene sehr gerne gelesen habe.

Der 16jährige Felix hat auf einen Schlag seine Familie verloren: Seine ...

„Und mir bleibt der hässliche Hund“ von Franziska Hörner ist ein Jugendbuch, das ich auch als Erwachsene sehr gerne gelesen habe.

Der 16jährige Felix hat auf einen Schlag seine Familie verloren: Seine Eltern und seine jüngere Schwester Isa sind bei einem Autounfall gestorben. Ihm bleibt nur Bolt – der hässliche, dicke und etwas eigenwillige Hund seiner Schwester.
Felix trauert sehr, er hat Depressionen und Angstzustände, geht nicht mehr zur Schule und verlässt das Haus nicht mehr. Am Hund ist er nicht sonderlich interessiert – doch dann wird Bo immer apathischer und frisst nicht mehr. Also muss Felix etwas tun. Er beginnt selbst eine Therapie. Im Wartezimmer seiner Therapeutin lernt er Mo kennen, einen Jungen in seinem Alter, der einen eigenwilligen Humor hat und eine Vergangenheit, über die er nicht reden will. Die beiden freunden sich an und Felix schafft es, wieder etwas mehr am Leben teilzuhaben. Als die Jungs die lebensfrohe Marie kennenlernen, stellen sich Felix und Mo ihren Ängsten. In gemeinsamen Challenges wollen sie ihre Ängste und Panikattacken überwinden.

Franziska Hörner schreibt trotz des schweren Themas sehr leichtfüßig, mit viel Empathie und einer Prise Humor. Felix und Mo, aber auch Marie und alle anderen sind mir im Verlauf der Geschichte sehr ans Herz gewachsen.
Einen Punktabzug gibt es von mir, weil das Buch leider etwas klischeebehaftet ist; das fand ich nicht so gelungen. Ansonsten konnte ich mich sehr gut in die Ängste und Gefühle der Protagonisten hineinversetzen.

Ich empfehle diesen ruhigen, einfühlsamen Roman über Verlust, Freundschaft und den Mut, ein Leben neu anzufangen allen Leser*innen ab ca. 13 Jahren.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Feministische Sozialstudie: Verschiedene Frauenleben im Jahr 2025

Frauenprobleme
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"Frauenprobleme: 33 neue Nachrichten", herausgegeben von Lina Muzur, lässt 27 unterschiedliche Frauen zu Wort kommen zu den Fragen, wie Frauen heute leben, wie sie mit Mutterschaft, Wechseljahren, dem ...

"Frauenprobleme: 33 neue Nachrichten", herausgegeben von Lina Muzur, lässt 27 unterschiedliche Frauen zu Wort kommen zu den Fragen, wie Frauen heute leben, wie sie mit Mutterschaft, Wechseljahren, dem Älterwerden und den täglichen Belastungen klarkommen.
Diese Frauen sind zwischen 35 und 55 Jahren alt, kinderlos oder Mütter, alleinerziehend oder in einer Partnerschaft. Dadurch sind ganz individuelle Texte herausgekommen, die sehr offen und persönlich sind. Zum Beispiel zum Thema „Erschöpfung“ sehr eindrückliche Worte:

„Aber man spürt ja viel. Die Gefahr beim Spüren ist natürlich, dass man Dinge unterstellt, die vielleicht so nicht sind. Aber ich spüre, dass dadurch, dass ich jetzt seit fast vierzehn Jahren in einem zeitlichen Korsett lebe, das seinesgleichen sucht, und nie zur Ruhe komme, weil die Care-Arbeit die Erwerbsarbeit ablöst und dann wieder die Erwerbsarbeit die Care-Arbeit und alles ineinander übergeht und es einfach keine Pause gibt. Es fällt mir schwer, zu lamentieren, weil ich habe mir das ja gewünscht — und genau das ist die Stimme meiner Mutter. In diesen vierzehn Jahren hat sie nicht ein einziges Mal gesagt: Krass, was du alles machst, kann ich dir irgendwie helfen? Oder mich einfach mal in den Arm genommen oder in irgendeiner Weise Signale des Verständnisses gezeigt für dieses absolute Limit, an dem man läuft. Und ich glaube, dass sie dabei so eine innere Haltung hat, dass sie sich denkt, du hast es dir doch gewünscht mit den Kindern und dem Arbeiten. Und, was wahrscheinlich noch wichtiger ist, dass das Leben von intensiv berufstätigen, well-educated Frauen in den Augen der Mütter als Angriff auf das eigene Lebensmodell empfunden wird. Das ist zumindest meine These, warum meine Mutter meine Erschöpfung so wenig auffangen möchte.“

Die aktuellen Zeiten, die kapitalistische Gesellschaft mit ihrer Hektik und Vereinzelung ist sehr gut getroffen in diesen Worten einer anderen Frau:
„Ich glaube, dass unsere heutige Gesellschaft mit ihrem obersten Herrscher, dem Kapitalismus, und dessen treuestem Soldaten, der Arbeit, aktiv zu unserer Einsamkeit beiträgt. Wir mögen hypervernetzt sein. Sind wir. Wir haben unendlich viele Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, das Gefühl zu haben, mit anderen in Kontakt zu sein, und doch steht das Tempo unseres Lebens, die Bewegung, die Geschwindigkeit von Informationen, die ständig an uns vorbeiziehen und durch uns hindurchfließen, in krassem Gegensatz zu dem, was wir als Frauen in unseren Körpern erleben — sei es im Alltag oder, in größerem Maßstab. Eigentlich bräuchten solche Ereignisse Zeit, Langsamkeit, Stille. Doch die gibt es heutzutage nicht. Es gibt keine Zeit, keine Langsamkeit, keine Stille.“

Viele Worte haben mich sehr berührt:
„Ich bin jetzt wieder dahin gekommen, was ich am Anfang meines Schreibens für mich ganz natürlich entdeckt hatte, nämlich ohne Eile zu arbeiten, ohne Eile Dinge zu erledigen, ohne Eile durch die Straße zu gehen, ohne Eile schon den Schlüssel irgendwie zehn Minuten vor meiner Tür aus der Tasche zu holen, sondern mir zu sagen: Da, wo ich bin, da bin ich richtig, und da muss ich mich nicht beeilen. Und ich denke, das ist sehr wichtig, auch, das meinem Kind vorzuleben, denn das ist für mich seismografisch sozusagen einsehbar, dass mein Körper und meine inneren Haltungen, wenn sie auch nicht ausgesprochen werden, sich als ein großer Spiegel in mein Kind einschreiben. Mein Kind ist die Fortsetzung meiner inneren Haltungen, und darin fühle ich eine große Verantwortung und auch eine große Liebe und eine große Freude, mich in diesem neuen Sehen, in dieser neuen Haltung, in dieser neuen Langsamkeit zu üben. Und wenn ich es vergesse, denke ich ein bisschen zurück an Ilse Aichinger, die diesen wunderschönen Satz gesagt hat: ‚Die Langsamkeit ist die Freundin.‘ Und wenn ich ganz heftig unter Druck stehe und alles unerreichbar scheint, denke ich mir: Die Langsamkeit ist die Freundin. Und dann mache ich mir einen Kaffee und denke, erst einmal trinke ich bitte diesen Kaffee und dann schaue ich, was ich heute meistern kann und was nicht, denn dann wird heute nur das Mögliche möglich gewesen sein.“

Ein sehr vielschichtiges Buch mit vielen Denkanstößen. Ich vergebe hier 4/5 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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