Cover-Bild Ein Mädchen verließ das Zimmer
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Gutkind Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 384
  • Ersterscheinung: 29.01.2026
  • ISBN: 9783989410824
Ulrikka S. Gernes

Ein Mädchen verließ das Zimmer

Roman | Die literarische Sensation aus Dänemark
Ursel Allenstein (Übersetzer)

»Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt.« Politiken

Als Erwachsene blickt Tanja auf ihre gestohlene Jugend zurück und fragt sich: Warum hat niemand sie beschützt?

1980: Tanja wächst in einer Künstlerfamilie auf. Ihre Eltern sind mit der Karriere des Vaters und ihrer zerrütteten Ehe beschäftigt, während sie einsam und voller Sehnsucht davon träumt, eine Frau zu werden. Auf einer Vernissage in Kopenhagen begegnet sie als 14-Jährige dem charismatischen Schriftsteller Eg. Er macht ihr Komplimente, spricht mit ihr wie mit einer Erwachsenen. Eg beginnt, ihr lange, gefühlvolle Briefe zu schreiben. Tanja ist neugierig und erlebt ihre erste Verliebtheit. Doch das Erwachen von Sexualität wird zu einer verwirrenden und schmerzhaften Erfahrung, die sie für immer prägen wird.

Ulrikka S. Gernes erzählt schnörkellos und doch poetisch von einer Frau, die versucht, eine Verbindung zu dem Mädchen herzustellen, das sie einmal war. Eine radikal mutige Geschichte über Macht und Resilienz, die in Dänemark Tausende Leserinnen und Leser eroberte.

»Voller Zartheit und innerem Beben. Dieser Roman ist keine Anklage, sondern eine Offenlegung – erschütternd, poetisch, notwendig.« Maria-Christina Piwowarski

»Schonungslos ehrlich und herausragend erzählt.«  Jyllands-Posten

»Unfassbar fesselnd.« Information

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2026

So schmerzlich wie fesselnd

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2017

Etwas bahnt sich in ihr Weg, das sie nicht benennen kann. Eg ist tot, friedlich verstorben, sah sie in einem Facebook Posting und dachte, endlich.

Es war 1980, sie war vierzehn, als sie Eg zum ersten ...

2017

Etwas bahnt sich in ihr Weg, das sie nicht benennen kann. Eg ist tot, friedlich verstorben, sah sie in einem Facebook Posting und dachte, endlich.

Es war 1980, sie war vierzehn, als sie Eg zum ersten Mal begegnete. Auf einer Vernissage ihres Vaters tauchte er mit ihrer Mutter hinter ihr auf. Sie blickte gerade durch das Objektiv ihrer Kamera. Ob sie Blow Up gesehen hatte, wollte er wissen. Seine Mutter stellte ihn als Schriftsteller vor. Er nahm ihr die Kamera aus der Hand und schoss ein Foto von ihr. Sie möge es ihm schicken, wenn sie es entwickelt hätte, dann habe er etwas, das ihn an sie erinnern würde.

Das Foto war schrecklich, sie haderte mit sich, kam dann aber ihrer Pflicht nach und steckte es in ein Kuvert. Den Brief, der das Bild begleiten sollte, schrieb sie dreimal um. Wenige Tage später bekam sie einen Brief von ihm, der mit den Worten, meine hübsche, hinreißende, liebe Tanja, begann. Nach wenigen Wochen des Briefwechsels konnte sie an nichts anderes mehr denken. In den einsamen Nächten streichelte sie ihr Gesicht, fuhr sich mit den Fingern über die Lippen, den Hals und tauchte schließlich unter die Bettdecke nach unten, als wäre es seine Hand.

Eg forderte sie auf, mit ihm zu telefonieren, aber das traute sie sich nicht, weil sie befürchtete, dass ihr die Worte fehlten. In den Briefen war sie jemand anders, eine erwachsene Tanja, die, die sie für Eg sein wollte. Sie fieberte jedem seiner Briefe entgegen, verschlang jedes Wort:

Kannst du etwas damit anfangen, dass du mir mehr bedeutest als ich mir selbst? S. 66

Eg gestand ihr, dass er als Dozent schon einmal ein so junges Mädchen gehabt habe. Er sei ihr Erster gewesen.

Fazit: Die dänische Dichterin Ulrikka S. Gernes hat in ihrem Romandebüt eine toxische Beziehung zwischen dem 44-jährigen Eg und der 14-jährigen Tanja beleuchtet. Es beginnt mit einem harmlosen Foto. Die Autorin lässt ihre heute 30 Jahre alte Protagonistin zurückblicken. Ausgelöst durch seinen Tod beginnt die Tortur der Erinnerungen. Tanja ist vulnerabel, ihr erfolgreicher, kränklicher Vater ist mit sich selbst beschäftigt und ungenießbar, ihre Mutter leidet darunter. Die Schule langweilt sie und da trifft sie ihn. Er macht ihr schnell mit schnulzigen Worten Avancen, für die sie sehr empfänglich ist. Ab ihrem 15. Geburtstag nötigt er sie mehrfach, sich mit ihm zu treffen. Sie belügt ihre Eltern. Er manipuliert gekonnt ihre Mutter, indem er sie mit verbaler Wertschätzung überhäuft. Tanja wird emotional abhängig. Die Geschichte wirkt so real und entwickelt einen Sog, dem ich mich nicht entziehen kann. Gebannt sehe ich dabei zu, wie er sie auf sich konditioniert. Tanja versucht für ihn eine erwachsene Frau zu sein und verpasst diese wichtige Entwicklungsphase, die sie nur mit Gleichaltrigen erleben kann. Alle sehen dabei zu, keiner kommt auf die Idee, dass es ihr nachhaltig schaden könnte. Dieser kranke, erfolgreiche Mann hat alles, was sie nicht hat. Er ist lebenserfahren, klug, galant, hat Freundschaften und wird bewundert. All das reicht ihm nicht. Wie ein Fass ohne Boden benutzt er sie, um sein Ego zu mästen. Ein schmerzliches, fesselndes Buch, das völlig verständlich ein Bestseller in Dänemark geworden ist.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Nicht einmal, als es vorbei war, hatte es ein Ende ...

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„Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes ist ein Buch, dessen Inhalt einen noch lange nicht loslässt nach dem Ende. Besonders wenn man selbst Kinder hat, stellt man sich dieselbe Frage wie ...

„Ein Mädchen verließ das Zimmer“ von Ulrikka S. Gernes ist ein Buch, dessen Inhalt einen noch lange nicht loslässt nach dem Ende. Besonders wenn man selbst Kinder hat, stellt man sich dieselbe Frage wie die Ich-Protagonistin Tanja, die sich als Erwachsene rückblickend fragt: Warum hat damals niemand sie beschützt?

Sie ist erst 14 Jahre alt, als sie auf einer Vernissage den faszinierenden Schriftsteller Eg kennenlernt, einen Freund ihrer Eltern, von dem ihre Mutter sagt: „Er ist jemand, in den man sich leicht verlieben kann.“ Und genau das passiert, Tanja verliebt sich in Eg, denn er macht ihr Komplimente und behandelt sie nicht wie ein Kind. Zwischen den beiden entsteht eine sehr emotionale Brieffreundschaft. Ihre Eltern sind zwar nicht begeistert davon, denken sich aber nichts dabei. Doch Tanja ist neugierig und genießt die erste, intensive Verliebtheit. Sie geht eine se*uelle Beziehung mit Eg ein, die von niemandem verhindert wird, auch nicht von ihren Eltern. Die Erlebnisse werden ihr gesamtes weiteres Leben beeinflussen.

„Plötzlich erscheint es mir einleuchtend, dass ich zu einer Kinderpsychiaterin gehe; denn meine Probleme haben wahrscheinlich etwas mit meiner Kindheit zu tun. Es wäre gut, dieses Kind zu reparieren.“

Der Inhalt des Romans schockiert mich: Wie konnte das sein? Es war kein Geheimnis, dass der fast 50jährige Mann eine Beziehung mit einem 14jährigen Mädchen hat; er hat sich offen mit Tanja gezeigt; sogar Tanjas Eltern wussten irgendwann davon: „‘Sie ist doch verdammt noch mal viel zu jung für ihn.‘ - ‚Dagegen lässt sich schwer etwas sagen‘, entgegnete Tom [....]. ‚Ihre Eltern sind beide darüber im Bilde.‘“ - Wieso hat niemand eingegriffen und sie beschützt?

„Das Problem war, dass ich nichts war, keine Form hatte, oder einen Inhalt, oder eigene Kraft, dass ich keine Worte hatte, dass ich niemand war, nicht existierte. Ich wollte mein Leben zurückhaben, obwohl es leer war, denn ich hatte es gar nicht gelebt. In meinem Leben gab es kein Davor, zu dem ich zurückkehren konnte. Ein Mädchen verließ mit vierzehn das Zimmer und wurde nicht mehr gesehen. Ein weißer Fleck auf der Karte. Ein nasser Fleck auf dem Laken. Eine leere Puppe.
Ein Loch in der Welt.“

Erst als Tanja erwachsen und selbst Mutter ist, versteht sie, dass es damals keine gleichberechtigte Beziehung war, dass es ein Verbrechen war, mit dem sie sich auseinandersetzen muss, auch wenn der Täter nie vor Gericht stehen wird.

„Meine Verweigerung ist enorm.
Dabei weiß ich genau, dass es nur noch schlimmer wird, wenn ich es nicht ausspreche.
Die Geschichte existiert genau da, in dieser Kiste. Und in mir. Auch wenn ich sie nicht erzähle.
Ich habe sie jahrelang mit mir herumgeschleppt, es wäre eine Erleichterung, sie loszuwerden.
Es ist, als würde mir die Sprache fehlen. Als würde sich auch die Sprache weigern. Es auszusprechen. Der Sprache fehlen die Worte. Vielleicht muss ich zu anderen Mitteln greifen.
Ich gieße Gips in die Erinnerungslücken, muss herausfinden, was sie enthalten. Die Form eines knapp fünfzehnjährigen weiblichen Körpers kommt zum Vorschein, das Mädchen liegt zusammengekauert da, die eine Hand auf der Wange. Schläft es, ist es tot?
Alles ist schon geschehen. Das Mädchen gleicht einer Wolke, die über einen Bergrücken hinwegfliegt. Der weiße Abguss eines schwarzen Lochs.“

„Ein Mädchen verließ das Zimmer“ ist ein lange nachhallender, intensiver Roman über Missbrauch, Manipulation und Macht.

„Ich bin an der Stelle, wo die Erzählung zerbricht. In meinem Haus gibt es keine tragenden Wände. Ich bin ein Verbrechen, das durch die Gegend irrt und nach seinem Tatort sucht.“

Vielen Dank an den Gutkind Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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