Keiner kann rückwärts leben
Fünf, sechs, sieben, achtDer 60jährige Stepptänzer Anton lebt fürs Tanzen. Als sein Vertrag als Choreograf einer Theaterbühne unerwartet nicht verlängert wird, sondern stattdessen seine Tochter Emma den Job bekommt, ist er fassungslos. ...
Der 60jährige Stepptänzer Anton lebt fürs Tanzen. Als sein Vertrag als Choreograf einer Theaterbühne unerwartet nicht verlängert wird, sondern stattdessen seine Tochter Emma den Job bekommt, ist er fassungslos. Obwohl er stolz auf seine Tochter ist, überwiegt die Wut und Verletzung. Und wie schon vorher, beschäftigt er sich stärker mit dem Älterwerden. Dabei erinnert er sich auch wieder an Jo, seine alte große Liebe, die damals spurlos verschwand. Er konnte sie nie ganz vergessen. Daran scheiterte auch seine Ehe mit Katja.
„‘Kein so schönes Gefühl, sein Leben lang nur second best zu sein‘, sagte sie leise.
Er wollte etwas antworten, aber sie winkte ab.
‚Lass. Wir haben schon so oft darüber gesprochen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie gestorben wäre. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hat man gegen Träume als lebendiger Mensch keine Chance. Gegen einen Traum kann man immer nur verlieren.‘“
Anton möchte den Rest seines Lebens mit der Lücke leben, die Jo hinterlassen hat.
„Jo hatte ein Loch in sein Leben gerissen, das nie wieder zuwachsen konnte. Es vernarbte an den Rändern, und irgendwann tat es nicht mehr weh. Aber es blieb ein Loch, wo vorher ein Teil seines Lebens gewesen war. Mit diesem Loch in sich wollte er nicht alt werden. Es war Zeit, etwas zu tun.“
Gemeinsam mit Emma reist er nach Irland, wo er eine Spur von Jo gefunden hat. Er hofft auf eine Antwort von Jo, möchte sich aber auch mit Emma versöhnen.
Inhaltlich möchte ich hier nichts vorwegnehmen, um nicht zu spoilern.
Antons Entwicklung und Selbstfindung durch die Reise fand ich gut gelungen; die Aufklärung von Jo’s damaligem Verschwinden war für mein Empfinden etwas arg konstruiert.
Insgesamt ist „Fünf, sechs, sieben, acht“ ein warmherziger Roman übers Älterwerden, die Frage nach dem „Was wäre wenn“ des Lebens und über Vater-Tochter-Beziehungen, der zwar teilweise sehr klischeehaft war, mir insgesamt aber sehr gut gefallen hat.
Vielen Dank an den DuMont Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚