Dieses Wimmelbuch haben wir beim Kinderarzt entdeckt. Da mein Kind Hunde liebt, war es sofort begeistert von den vielen liebevollen und wichtigen Illustrationen. Inhaltlich und optisch ein absolutes Highlight, ...
Dieses Wimmelbuch haben wir beim Kinderarzt entdeckt. Da mein Kind Hunde liebt, war es sofort begeistert von den vielen liebevollen und wichtigen Illustrationen. Inhaltlich und optisch ein absolutes Highlight, dass wir gleich für unseren kleinen Neffen kaufen möchten!
"Resist! Weich bleiben in harten Zeiten" ist das erste gemeinsame Buch von Katrin Rönicke, Laura Lucas und Lena Sindermann, den drei Hosts des „Lila Podcasts“, in dem sie die wichtigsten Erkenntnisse ihrer ...
"Resist! Weich bleiben in harten Zeiten" ist das erste gemeinsame Buch von Katrin Rönicke, Laura Lucas und Lena Sindermann, den drei Hosts des „Lila Podcasts“, in dem sie die wichtigsten Erkenntnisse ihrer Arbeit teilen, sowohl anhand persönlicher Erfahrungen als auch durch die im Podcast geführten Gespräche.
Das Buch behandelt Fragen zur weiblichen Selbstbestimmung, gesellschaftlichen Machtverhältnissen sowie viele andere feministische Themen wie die Gleichberechtigung in Beziehungen und das Zeigen von Gefühlen (gerade den Abschnitt über Emotionen fand ich sehr interessant!).
Vor allem ist das Buch ein Plädoyer dafür, Unterschiede anzuerkennen; ein Aufruf für einen solidarischen, inklusiven Feminismus.
Auch wenn Wut ein starker Motor ist und es nicht ganz ohne geht, wenn man etwas verändern will, finde ich den im Untertitel genannten Satz „Weich bleiben in harten Zeiten“ wichtig - Denn gerade im Feminismus sollten wir nicht gegeneinander arbeiten, sondern offen sein für ein Miteinander. Ich wünsche mir Solidarität und Offenheit für unterschiedliche Meinungen und Perspektiven.
„Ich verstehe jede Person, die keine Lust mehr auf Nachsicht und Sanftheit hat. Ich verstehe den Ansatz, dass wir für unsere Rechte einstehen müssen und dass uns das Nettsein nicht weiterbringt. Versucht euch jedoch mal für einen Moment vorzustellen, dass alle Menschen mit dieser Idee durch die Welt gehen: verstehen wollen. Dann müsste man ja niemanden mehr überzeugen! Dann müssten wir uns alle gar nicht mehr gegeneinander behaupten. Das bedeutet übrigens jedoch nicht, dass wir immer nett sein müssen. Für mich gehört zu einer feministischen Sprachpraxis auch die selbstbestimmte Entscheidung, wer es überhaupt wert ist, mit mir zu reden. Klingt ein bisschen arrogant, hat aber mehr mit Selbstverantwortung zu tun. Ich entscheide, mit wem ich ins Gespräch gehe. Und ‚Nein‘ ist ein ganzer Satz.“
Dabei fand ich vor allem das Wort „Ambiguitätstoleranz“ sehr inspirierend: Das ist „die Fähigkeit, mit Unsicherheit, Mehrdeutigkeit und widersprüchlichen Informationen umzugehen, ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen oder rigide Urteile zu fällen“. Und davon können wir alle nur profitieren, weshalb ich dieses neue Wort gerne in meinen Alltag mitnehmen möchte.
Was mir leider nicht so gut gefallen hat, waren die aufgeführten KI-Konversationen - darauf hätte ich gerne verzichten können.
Sehr gut fand ich dagegen, dass viele kluge Frauen zu Wort kommen, darunter Kübra Gümüşay und Leonie Schöler: „Für mich bedeutet Feminismus eine Perspektive, die es mir als Journalistin ermöglicht, fairer zu berichten. […] Ich glaube, dass es eine Utopie ist, jemals objektiv berichten zu können. Aber man kann versuchen, transparent zu arbeiten: Wie wähle ich Themen aus? Wie wähle ich Stimmen aus?“
Das Buch beinhaltet auch ein Glossar mit den wichtigesten feministischen Begriffen, für ein besseres Verständnis (gerade für Neulinge).
Für alle, die sich schon tiefergehend mit feministischen Themen beschäftigt haben, bietet das Buch inhaltlich vielleicht nicht viel Neues, aber es kann ein paar neue Denkimpulse und andere Perspektiven eröffnen.
Von mir gibt es daher 4 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Leykam Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Sechs Frauen, die eines verbindet: der tiefe, aber unerfüllte Wunsch nach einem Kind. Sie haben sich in der Baby-Angel-Fruchtbarkeitsklinik in Seoul kennengelernt und tauschen sich seitdem über den Gruppenchat ...
Sechs Frauen, die eines verbindet: der tiefe, aber unerfüllte Wunsch nach einem Kind. Sie haben sich in der Baby-Angel-Fruchtbarkeitsklinik in Seoul kennengelernt und tauschen sich seitdem über den Gruppenchat „Hello Baby“ aus.
Alle Frauen sind schon über dreißig, kommen jedoch aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen; manche sind in einer festen Beziehung, aber auch eine Single-Frau ist dabei. Alle Frauen haben jedoch mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, was die IVF-Behandlungen und ihr alltägliches Leben angeht.
Als die 46jährige Jeonghyo nach längerer Zeit offline war und dann plötzlich wieder auftaucht mit der Nachricht, sie habe gerade ein Baby bekommen, wissen die anderen Frauen nicht so recht, was sie davon halten sollen. Wie kann das sein?
Der Schreibstil von Kim Eui-kyung ist für das sehr emotionale Thema eher nüchtern, die Figuren wirken auf mich eher distanziert. Dennoch kam für mich deutlich rüber, wie hoch der Druck auf Frauen ist, ein Kind zu bekommen; sowohl (leider immer noch) gesellschaftlich als auch auf persönlicher bzw. familiärer Ebene.
Alle, die schon Erfahrungen mit Kinderwunschbehandlungen haben, könnten durch das Thema vermutlich getriggert werden; dennoch finde ich es gut, dass sich ein Roman dem hochemotionalen Thema unerfüllter Kinderwunsch und Fehlgeburten annimmt.
Auch wenn das Ende des Romans irgendwann schon ziemlich vorhersehbar war, kommt die ganze Tragik und Verzweiflung sehr deutlich rüber.
Was mir an den Buch leider gar nicht gefällt, ist das Cover: es sieht total künstlich aus, eben mit KI erstellt, was ich absolut nicht mag!
Das Nachwort der Autorin, die sich selbst mal in einer Kinderwunschbehandlung befand, gibt dem Roman dann nochmal eine tiefere Bedeutung. Ich vergebe final 3,5 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
„Jahre ohne Sprache“ von Ann Esswein hatte mich inhaltlich sehr stark angesprochen.
Die Protagonistin Natascha wuchs in einem kleinen Ort inder Provinz auf. Zusammen mit ihrem besten Freund Luki verbringt ...
„Jahre ohne Sprache“ von Ann Esswein hatte mich inhaltlich sehr stark angesprochen.
Die Protagonistin Natascha wuchs in einem kleinen Ort inder Provinz auf. Zusammen mit ihrem besten Freund Luki verbringt sie ihre Jugend zwischen Fußballbplatz, Bushaltestelle und Jahrmarkt. Immerdabei ist „die Hand“, wie Natscha ihn nennt. „Die Hand lag auf meinem nackten Oberschenkel wie ein Fisch, nass und schwer. Die Hand, die lauerte.“
Fünf Jahre später hat Natascha ihren Heimatort verlassen. Sie ist jetzt „Nao“ und lebt zusammen mit ihrer Wahlfamilie lebt sie in einer besetzten Knopffabrik. „Wir sind beste Freund:innen. Wir sind das, was die da draußen eine Familie nennen. Die sind limited, wir sind unlimited. So ist das.“
Hier gibt es keine Vergangenheit, doch Nao lässt das nicht los: was damals passiert ist, wofür sie nie Worte fand, worumer sie nie redete:
„Was war denn diesen Sommer? Weil ich nicht wusste, wie ich die Bilder in Wörter übersetzen sollte, sagte ich Lukis Mom so etwas wie: ‘Ein Ereignis ohne Titel.’“
In Rückblenden lässt die Autorin die Geschehnisse der Verganenheit bruchstückhaft deutlicher werden, gleichzeitig forsch Nao nach, trifft Luki wieder, stellt Fragen. Denn sie erinnert sich nicht, es liegt ein Schleier über den Geschehnissen.
„‘Du weißt nicht, was du gesagt hast. Hast du Nein gesagt?’
Ich erinnere mich nur an eines: wie ich die Luft angehalten und gezählt habe. Ich habe oft die Sterne gezählt. Aber es ist, wie etwas zu zählen, was immer wieder in Einzelteile zerfällt, zwecklos, irgendwann habe ich scheinbar damit aufgehört. Ich habe die Erinnerungen nicht mehr gesammelt. ‘Warum auch’, sagte ich und wusste selbst nicht, was ich damit meinte.
Eine ganze Weile rührten wir uns nicht, dann sagte Dunja zum ersten Mal das Wort. Sie gab der Sache einen Titel.“
Das Buch hatte unheimlich stark angefangen; der Schreibstil von Ann Esswein gefiel mir sehr gut. Doch etwa in der Mitte des Buches konnte es mich leider nicht mehr so stark begeistern. Ich konnte keine richtige Nähe zu den Charakteren aufbauen; das Buch ist recht kurz, manches wird nur angerissen. Vielleicht war dies gewollt, dass die Figuren eher vage blieben, so nach dem Motto "jede*r hat ihre/seine Geschichte" - ich hätte mir da jedoch noch eine Vertiefung gewünscht.
„Ich erzähle, dass ich diese Woche in einer Einrichtung arbeite. Zwischen Psychiatrie und Knast liegt nur dieses Haus, ein Ort, um wieder klarzukommen, sagen die Personen, die dort unterkommen. ‘Dort, wo die Frauen hinkommen, die schlurfen.’
Ich bin mir nicht sicher, warum ich ihr gerade davon erzähle: Wie fertig es mich macht, das zu hören. ‘Sie laufen hinter dir, sie laufen an dir vorbei, du siehst ihnen nicht mal in die Augen, du hörst nur die Schlappen auf dem PVC-Boden, das Schlurfen, und alles ist klar.’
‘Was?’, fragt die Frau. ‘Was ist klar?’ Ihre kleinen Augen sind plötzlich ganz wach.
‘Nur Frauen, die missbraucht wurden, ziehen ihre Füße so nach. Du kannst es nicht sehen, du kannst es nur hören. Sie haben keine Kraft mehr. Die schlurfen. So ist das.’
Die Frau starrt auf ihre schrumpeligen Hände, faltet sie wie zum Gebet. Vielleicht betet sie wirklich. Es dauert eine Weile, dann sieht sie mich fragend an. Aber die Antwort, die weiß sie schon.“
Insgesamt ein Roman, der mich sprachlich oft sehr begeistert hat, der mich zum Ende hin aber leider nicht komplett begeistern konnte. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
„Pleasure“ von Jovana Reisinger ist ein Essay über Genuss und die Frage, wem dieser zusteht. Dabei geht die Autorin vorwiegend auf die Themen Essen, Kleidung und Schlaf ein. Die Autorin erforscht zum einen ...
„Pleasure“ von Jovana Reisinger ist ein Essay über Genuss und die Frage, wem dieser zusteht. Dabei geht die Autorin vorwiegend auf die Themen Essen, Kleidung und Schlaf ein. Die Autorin erforscht zum einen ihr persönliches Bedürfnis nach Luxus, Glamour und Genus, untersucht jedoch auch gesellschaftliche Strukturen und Bedingungen und geht der Frage nach, wem „ein gutes Leben zusteht“.
„An diesem Tag, während sich die Erwachsenen den Selbstgebrannten reinschütteten und über ihre schmerzenden, abgearbeiteten Körper klagten, beschloss ich, mich für alle Zeiten fernzuhalten von einer demütigen Arbeitsmoral, von Lebenszeitvergeudung durch Arbeit, die mir keine Freude macht. Erst später, viel später, habe ich verstanden, dass es sich dabei selten um eine freiwillige Entscheidung handelt.
Nicht alle können sich Selbstverwirklichung leisten – und dabei gut leben. Manche sorgen dafür, dass andere es schaffen. Sie putzen die Arbeitsplatten, machen Pläne, assistieren, bereiten vor und bereiten nach. Manche gehen beim Versuch zugrunde oder geben irgendwann auf. Ich gehöre nicht dazu.“
In einer Mischung aus persönlichen Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken nimmt und Jovana Reisinger mit auf den roten Teppich, ihre Arbeit, ihr Liebesleben, und so weiter. Der Text springt hin und her zwischen Memoir und Essay, war mir persönlich stellenweise etwas zu ausschweifend (und vielleicht auch einfach zu weit weg von meinem Leben), enthielt jedoch auch immer wieder sehr treffende Aussagen:
„In einem arbeitsreichen Leben, in einem mit vielen Pflichten und vielen Sorgen, ist der Genuss die verdiente Belohnung. Über die Belohnung hinaus geht die Dekadenz, die verschwenderische Fülle. In so einem kleinen Leben, einem mit mehr Entbehrungen als Bonuszahlungen, ist die Hingabe an Pleasure beinah eine Form des Widerstands. Eine Grenzüberschreitung.
Pleasure steht für Genuss und Bedürfnisbefriedigung: eine Praline, das gute Obst, der Edelschmuck, die Freibadpommes, die Designerhandtasche, der Kuss, die geilen Heels, der Sonnenuntergang, die Umarmung, ein Käsebrot, die Postkarte aus dem Urlaub, der Urlaub, die Berührung, das ausgeschlafene, erholte Aufwachen, der richtige Satz, das merkwürdige Ereignis, die ergreifende Kunst, der alles verschlingende S•x. Um ein Bedürfnis befriedigen und genießen zu können, muss es als solches nicht nur erkannt werden, sondern man muss sich dem Wunsch danach hingeben, in gewisser Weise sich ergeben. Man muss es sich wortwörtlich leisten können. Ohne Scham oder Schuldgefühl. Ein Guilty Pleasure ist kein Pleasure. Pleasure steht dafür, sich selbst und anderen etwas gönnen zu können, Eigennutz und Altruismus nicht im Widerspruch, sondern in einer kongenialen Ergänzung. Aus dieser beinah idealistischen Betrachtung heraus sorgt Pleasure als Haltung auch für Irritationsmomente, für Frustration, ist in gewisser Weise die reinste Form der Provokation.“
Die finale Aussage ist mehr oder weniger: „Doch geht es bei Pleasure nicht um eine große Bewegung, sondern um eine große Bereitschaft zur Hingabe. Für manche mag das bedeuten, in elitäre Räume einzudringen, die ihnen qua Herkunftsgeschichte nicht selbstverständlich erscheinen. Für andere, sich den Themen zu widmen, für die sie verachtet werden. Für die einen ist Pleasure der ungestörte Schlaf, für die anderen die Limonade auf der Dachterrasse, für die nächsten die Markenklamotte. Pleasure ist immer eine persönliche Anspruchsgeste und zugleich eine politische Intervention. Das fotzige Kleid, die Discounter-Delikatesse, die Müdigkeit – das bin nie nur ich. Da sind immer die anderen, das ist der gesellschaftliche Kontext, die Fallhöhe, die Provokation. Pleasure ist ein Manifest, weil das gute Leben allen zusteht.“
Das kam zwar schon irgendwie rüber, und gut schreiben kann Jovana Reisinger allemal. „Pleasure“ ist somit insgesamt ein gut geschriebenes Buch, das für meinen persönlichen Geschmack jedoch etwas zu viel Selbstdarstellung enthielt. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚