Profilbild von downey_jr

downey_jr

Lesejury Star
offline

downey_jr ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit downey_jr über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2025

Intensiver Debütroman über zwei Frauenschicksale zwischen dem Kongo und London

Wohin du auch gehst
0

"Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen." - "Fünfzehn Jahre nach meiner Ankunft sollte ich lernen, dass man Schweigen - ...

"Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen." - "Fünfzehn Jahre nach meiner Ankunft sollte ich lernen, dass man Schweigen - wie Herzen, Menschen und Versprechen - brechen kann."

Die in Kinshasa geborene Autorin Christina Fonthes erzählt in ihrem Debütroman „Wohin du auch gehst“ die Geschichte von Mira und Bjoux. Beide Frauen erzählen im Wechsel aus ihrer Perspektive. Anfangs muss man sich erstmal in den verschiedenen Zeitebenen und mit den vielen Personen zurechtfinden, aber der wunderbare und eindrückliche Schreibstil der Autorin hat mich schnell gepackt.

Gerade den Perspektivwechsel fand ich sehr gut gelungen, um die Lebensgeschichten der beiden Frauen aus Zaire/Demokratische Republik Kongo zu erzählen bzw. die beiden Schicksale miteinander zu verweben.

Auf den ersten Blick scheinen die beiden Frauen nicht viel gemeinsam zu haben. Da ist zum einen Mira (Mireille), deren Leben in Zaire ab 1974 bzw. 1981 erzählt wird. Sie gehört dort zur aufsteigenden Klasse, ist lebensfroh und bricht auch gerne mal die Regeln, um mit ihrer Freundin tanzen zu gehen. Als sie sich in einen Musiker verliebt, sind ihre Eltern davon gar nicht begeistert.

Und da ist Bijoux, die im Alter von 12 Jahren aus ihrem Geburtsort Kinshasa nach London zu ihrer strengen, religiösen Tante Mirelle gebracht wird. Dort fehlen ihr ihre Heimat und ihre Eltern; ihre Tante kennt sie überhaupt nicht. Das Leben ist geprägt von Armut, Einsamkeit und den strengen Regeln der evangelikalen Kirchengemeinde „The Mountain“, zu der ihre Tante sie mitschleppt.
2004 ist Bijoux Mitte Zwanzig und verliebt - in eine Frau. Das darf ihre Tantine Mireille nicht erfahren. Doch so wie ihre Tante möchte Bioux nicht enden ... wie kann sie ihren eigenen Weg gehen?

"Warum, Bijoux, warum?", fragte sie inständig. "Warum kannst du dann nicht aufhören -"
"Warum kann ich was nicht aufhören? Zu lieben?"

Sehr gekonnt verknüpft die Autorin sprachlich sowie inhaltlich die beiden Lebensgeschichten dieser Frauen, verbindet die Spuren der lebensfrohen Mira von damals mit der verbitterten Mireille von heute. Gegen Ende des Buches wird vor allem Mireilles Verhalten, ihr erlittenes Schicksal klarer.

"In diesem Moment hat Mira begriffen, dass ein Geheimnis ein Zahlungsmittel ist wie Geld oder der Körper - etwas, mit dem man handeln kann. - ... - Und genau wie Geld haben Geheimnisse auch einen Wert, der manchmal steigt, manchmal sinkt."

Durch die verschiedenen Erzählstränge entstand eine richtige Sogwirkung beim Lesen, Kapitel für Kapitel werden die Geheimnisse der Vergangenheit freigelegt.

Ohne hier zu viel zum weiteren Inhalt zu verraten, kann ich nur sagen, dass dieses Buch literarisch sowohl thematisch ein absolutes Highlight für mich war. Ein sehr intensiver Roman über Herkunft und Flucht, über das Leben zwischen zwei Kulturen, über Familie, Liebe und sexuelle Orientierung, über Freiheit und Selbstbestimmung.

Eine ganz klare Leseempfehlung von mir! 5⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2025

Intensiver Debütroman über zwei Frauenschicksale zwischen dem Kongo und London

Wohin du auch gehst
0

"Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen." - "Fünfzehn Jahre nach meiner Ankunft sollte ich lernen, dass man Schweigen - ...

"Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen." - "Fünfzehn Jahre nach meiner Ankunft sollte ich lernen, dass man Schweigen - wie Herzen, Menschen und Versprechen - brechen kann."

Die in Kinshasa geborene Autorin Christina Fonthes erzählt in ihrem Debütroman „Wohin du auch gehst“ die Geschichte von Mira und Bjoux. Beide Frauen erzählen im Wechsel aus ihrer Perspektive. Anfangs muss man sich erstmal in den verschiedenen Zeitebenen und mit den vielen Personen zurechtfinden, aber der wunderbare und eindrückliche Schreibstil der Autorin hat mich schnell gepackt.

Gerade den Perspektivwechsel fand ich sehr gut gelungen, um die Lebensgeschichten der beiden Frauen aus Zaire/Demokratische Republik Kongo zu erzählen bzw. die beiden Schicksale miteinander zu verweben.

Auf den ersten Blick scheinen die beiden Frauen nicht viel gemeinsam zu haben. Da ist zum einen Mira (Mireille), deren Leben in Zaire ab 1974 bzw. 1981 erzählt wird. Sie gehört dort zur aufsteigenden Klasse, ist lebensfroh und bricht auch gerne mal die Regeln, um mit ihrer Freundin tanzen zu gehen. Als sie sich in einen Musiker verliebt, sind ihre Eltern davon gar nicht begeistert.

Und da ist Bijoux, die im Alter von 12 Jahren aus ihrem Geburtsort Kinshasa nach London zu ihrer strengen, religiösen Tante Mirelle gebracht wird. Dort fehlen ihr ihre Heimat und ihre Eltern; ihre Tante kennt sie überhaupt nicht. Das Leben ist geprägt von Armut, Einsamkeit und den strengen Regeln der evangelikalen Kirchengemeinde „The Mountain“, zu der ihre Tante sie mitschleppt.
2004 ist Bijoux Mitte Zwanzig und verliebt - in eine Frau. Das darf ihre Tantine Mireille nicht erfahren. Doch so wie ihre Tante möchte Bioux nicht enden ... wie kann sie ihren eigenen Weg gehen?

"Warum, Bijoux, warum?", fragte sie inständig. "Warum kannst du dann nicht aufhören -"
"Warum kann ich was nicht aufhören? Zu lieben?"

Sehr gekonnt verknüpft die Autorin sprachlich sowie inhaltlich die beiden Lebensgeschichten dieser Frauen, verbindet die Spuren der lebensfrohen Mira von damals mit der verbitterten Mireille von heute. Gegen Ende des Buches wird vor allem Mireilles Verhalten, ihr erlittenes Schicksal klarer.

"In diesem Moment hat Mira begriffen, dass ein Geheimnis ein Zahlungsmittel ist wie Geld oder der Körper - etwas, mit dem man handeln kann. - ... - Und genau wie Geld haben Geheimnisse auch einen Wert, der manchmal steigt, manchmal sinkt."

Durch die verschiedenen Erzählstränge entstand eine richtige Sogwirkung beim Lesen, Kapitel für Kapitel werden die Geheimnisse der Vergangenheit freigelegt.

Ohne hier zu viel zum weiteren Inhalt zu verraten, kann ich nur sagen, dass dieses Buch literarisch sowohl thematisch ein absolutes Highlight für mich war. Ein sehr intensiver Roman über Herkunft und Flucht, über das Leben zwischen zwei Kulturen, über Familie, Liebe und sexuelle Orientierung, über Freiheit und Selbstbestimmung.

Eine ganz klare Leseempfehlung von mir! 5⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.07.2025

Ideal für Fans von Fernwanderungen

Fernwanderwege Deutschland
0

Freunde von uns haben Wandern als neues Hobby für sich entdeckt. Da war dieses Buch eine gute Idee als Geburtstagsgeschenk gewesen.
Es beinhaltet 63 verschiedene tolle Routen zwischen Meeresküste und Alpen ...

Freunde von uns haben Wandern als neues Hobby für sich entdeckt. Da war dieses Buch eine gute Idee als Geburtstagsgeschenk gewesen.
Es beinhaltet 63 verschiedene tolle Routen zwischen Meeresküste und Alpen - da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Zu jedem Weg gibt es alle wichtigen Infos zur Länge, den Steigungen und der Etappeneinteilung; auch eine Angabe, wie schwierig der Weg ist und wie gut ausgestattet er ist, vor allem aber, was es unterwegs alles zu sehen und zu erleben gibt.
Zusätzlich bietet das Buch Streckenkarten im Maßstab 1 : 250.000, ein anschauliches Höhen- und Streckenprofil und zahlreiche Informationen zu den wichtigsten Eckdaten.
Das Buch kam bei dem Beschenkten sehr gut an und kann daher bedingungslos weiterempfohlen werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2025

Nachdenklich machender Roman über Schuld, Verantwortung und Rache: 3,5⭐️

Ungebetene Gäste
0

Naomi, ihr Mann Juval und ihr eineinhalbjähriger Sohn Uri leben in einem Hochhaus in Tel Aviv. Juval ist berufstätig, während Naomi sich ausschließlich um ihr Kind kümmert. Sie ist eine überfürsorgliche ...

Naomi, ihr Mann Juval und ihr eineinhalbjähriger Sohn Uri leben in einem Hochhaus in Tel Aviv. Juval ist berufstätig, während Naomi sich ausschließlich um ihr Kind kümmert. Sie ist eine überfürsorgliche Mutter, stillt das Kind immer noch, was ihren Mann Juval ärgert. Obwohl es sie selbst auch auslaugt, würde sie das kaum offen zugeben.

"Die Müdigkeit machte sie gereizt. Die Schnelligkeit, mit der Uris Abhängigkeit in Abkoppelung umschlug, verwirrte sie. Er benutzt ihren Körper und wehrte ihn dann ab, benutzte ihn wieder und stieß ihn erneut weg. Und obwohl sie das sonst meist willig hinnahm (sie hielt es schließlich für den Inbegriff der Mutterschaft), fühlte sie sich jetzt ausgenutzt, als sauge er zusammen mit der Milch auch ihr Wesen aus ihr heraus, werde immer voller und fester, sie aber zunehmend leer."

Zu Beginn der Geschichte ist Naomo sauer, weil Juval einen arabischen Handwerker in ihre Wohnung gelassen hat, wo sie gerade alleine mit Uri ist. Der Handwerker repariert den Balkon, Naomi fühlt sich unwohl in der Situation. Uri quengelt, ist müde, müsste eigentlich gestillt werden und schlafen. Während Naomi einen Kaffee für den Handwerker kocht, lässt sie Uri nur einen Moment aus den Augen. Dieser Augenblick verändert alles: Unten vorm Hochhaus ist Geschrei – ein Teenager wurde von einem herabfallenden Hammer erschlagen. Naomi ist sofort klar, dass Uri den Hammer geworfen hat, er wirft ständig Dinge herum. Doch der Verdacht fällt auf den arabischen Handwerker, er wird verhaftet – und Naomi ist unter Schock, sie sagt nicht, was wirklich passiert ist.
Als abends plötzlich der Sohn des Handwerkers in Naomis und Juvals Wohnung auftaucht, spitzt sich die Lage immer mehr zu, die Anwohner halten auch ihn für einen Terroristen und verprügeln ihn.
Juval rettet den Jungen und sie bringen ihn zurück in sein Dorf, wo Naomi und ihre Familie von der Familie des arabischen Handwerkers sehr gastfreundlich aufgenommen.
Erst Tage später geht Naomi zur Polizei, nachdem sie lange überlegt hat; nicht alle Gedankengänge können Sympathien in den Lesenden wecken, auch wenn sie sicher menschlich sind:

"Ein paar Minuten lang schien die Sache machbar. Sie können dieses Problem mit Geld lösen. Die meisten Probleme auf Erden waren mit Geld zu lösen."

Trotz Naomis Aussage wird der arabische Handwerker wegen Totschlags verurteilt. Und damit ist es für Naomi und Juval noch lange nicht vorbei ...

Die Figuren von Naomi und ihr Mann sind nicht wirklich sympathisch (was jetzt nicht essentiell ist für die Geschichte, schon klar; aber vor allem mit Naomis Charakter tat ich mir etwas schwer).
Im Laufe des Buches gab es mir zu viele Abschweifungen vom eigentlichen Thema (wenn auch nicht so extrem ausschweifend wie im Buch „Löwen wecken“, welches ich zuvor von derselben Autorin gelesen hatte),. Und nachdem mir der erste Teil des Buches wirklich sehr gut gefallen hatte, flaute die Geschichte leider im weiteren Verlauf ziemlich ab.

So bleibt mein Fazit: Wie schon in „Löwen wecken“ geht die Autorin Ayelet Gundar-Goshen interessanten Fragen nach Schuld, Verantwortung und Rache nach; auch das Thema Rassismus findet sich hier wieder - dennoch konnte mich der Roman leider nicht ganz überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2025

Nachdenklich machender Roman über Schuld, Verantwortung und Rache: 3,5⭐️

Ungebetene Gäste
0

Naomi, ihr Mann Juval und ihr eineinhalbjähriger Sohn Uri leben in einem Hochhaus in Tel Aviv. Juval ist berufstätig, während Naomi sich ausschließlich um ihr Kind kümmert. Sie ist eine überfürsorgliche ...

Naomi, ihr Mann Juval und ihr eineinhalbjähriger Sohn Uri leben in einem Hochhaus in Tel Aviv. Juval ist berufstätig, während Naomi sich ausschließlich um ihr Kind kümmert. Sie ist eine überfürsorgliche Mutter, stillt das Kind immer noch, was ihren Mann Juval ärgert. Obwohl es sie selbst auch auslaugt, würde sie das kaum offen zugeben.

"Die Müdigkeit machte sie gereizt. Die Schnelligkeit, mit der Uris Abhängigkeit in Abkoppelung umschlug, verwirrte sie. Er benutzt ihren Körper und wehrte ihn dann ab, benutzte ihn wieder und stieß ihn erneut weg. Und obwohl sie das sonst meist willig hinnahm (sie hielt es schließlich für den Inbegriff der Mutterschaft), fühlte sie sich jetzt ausgenutzt, als sauge er zusammen mit der Milch auch ihr Wesen aus ihr heraus, werde immer voller und fester, sie aber zunehmend leer."

Zu Beginn der Geschichte ist Naomo sauer, weil Juval einen arabischen Handwerker in ihre Wohnung gelassen hat, wo sie gerade alleine mit Uri ist. Der Handwerker repariert den Balkon, Naomi fühlt sich unwohl in der Situation. Uri quengelt, ist müde, müsste eigentlich gestillt werden und schlafen. Während Naomi einen Kaffee für den Handwerker kocht, lässt sie Uri nur einen Moment aus den Augen. Dieser Augenblick verändert alles: Unten vorm Hochhaus ist Geschrei – ein Teenager wurde von einem herabfallenden Hammer erschlagen. Naomi ist sofort klar, dass Uri den Hammer geworfen hat, er wirft ständig Dinge herum. Doch der Verdacht fällt auf den arabischen Handwerker, er wird verhaftet – und Naomi ist unter Schock, sie sagt nicht, was wirklich passiert ist.
Als abends plötzlich der Sohn des Handwerkers in Naomis und Juvals Wohnung auftaucht, spitzt sich die Lage immer mehr zu, die Anwohner halten auch ihn für einen Terroristen und verprügeln ihn.
Juval rettet den Jungen und sie bringen ihn zurück in sein Dorf, wo Naomi und ihre Familie von der Familie des arabischen Handwerkers sehr gastfreundlich aufgenommen.
Erst Tage später geht Naomi zur Polizei, nachdem sie lange überlegt hat; nicht alle Gedankengänge können Sympathien in den Lesenden wecken, auch wenn sie sicher menschlich sind:

"Ein paar Minuten lang schien die Sache machbar. Sie können dieses Problem mit Geld lösen. Die meisten Probleme auf Erden waren mit Geld zu lösen."

Trotz Naomis Aussage wird der arabische Handwerker wegen Totschlags verurteilt. Und damit ist es für Naomi und Juval noch lange nicht vorbei ...

Die Figuren von Naomi und ihr Mann sind nicht wirklich sympathisch (was jetzt nicht essentiell ist für die Geschichte, schon klar; aber vor allem mit Naomis Charakter tat ich mir etwas schwer).
Im Laufe des Buches gab es mir zu viele Abschweifungen vom eigentlichen Thema (wenn auch nicht so extrem ausschweifend wie im Buch „Löwen wecken“, welches ich zuvor von derselben Autorin gelesen hatte),. Und nachdem mir der erste Teil des Buches wirklich sehr gut gefallen hatte, flaute die Geschichte leider im weiteren Verlauf ziemlich ab.

So bleibt mein Fazit: Wie schon in „Löwen wecken“ geht die Autorin Ayelet Gundar-Goshen interessanten Fragen nach Schuld, Verantwortung und Rache nach; auch das Thema Rassismus findet sich hier wieder - dennoch konnte mich der Roman leider nicht ganz überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere