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Veröffentlicht am 05.03.2025

Großartiger Roman: Befreiung aus der dörflichen und patriarchalischen Enge

Schwimmen im Glas
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In „Schwimmen im Glas“ erzählt Eva Lugbauer die Geschichte von Lore, die mit ihren beiden Brüdern in den 90er Jahren behütet in einem Dorf aufwächst. Ihr Vater ist Bürgermeister, ihre Mutter Teilzeit-Sekretärin ...

In „Schwimmen im Glas“ erzählt Eva Lugbauer die Geschichte von Lore, die mit ihren beiden Brüdern in den 90er Jahren behütet in einem Dorf aufwächst. Ihr Vater ist Bürgermeister, ihre Mutter Teilzeit-Sekretärin im Pfarramt. Lore hat ein sehr enges Verhältnis zu ihren Großeltern. Da herrschen aber auch strenge Regeln, vor allem dem Großvater „ist vieles nicht recht“ und die Großmutter ist gefangen in den damaligen sozialen Strukturen und festgeschriebenen Geschlechterrollen. Auch Lore ist ständig damit konfrontiert, was sie als Mädchen darf und nicht darf, was Jungen können und Mädchen nicht, wie Mädchen sein sollen und wie nicht.
Und dann gibt es da noch Tante Ursula, die ohne Mann „als Emanze“ in der Stadt lebt, als Lehrerin und Künstlerin arbeitet. Wenn sie mal zu Besuch aufs Land kommt, sorgt das jedes Mal für Diskussionen im Familienkreis, da sie mit ihren aufgeklärten Ansichten regelmäßig aneckt. Doch Lore ist fasziniert von Ursula; sie besucht sie regelmäßig in der Stadt und lernt dort eine ganz neue Welt kennen.
Eva Lugbauer spricht aus der Perspektive der heranwachsenden Lore, aus Sicht der 10- bis 12jährigen, dazwischen gibt es Einschübe mit einem Blick aufs Leben der erwachsenen Lore. Diese Erzählweise fand ich sehr schön gemacht und meisterhaft gelungen.
Der Schreibstil von Eva Lugbauer ist etwas ganz Besonderes, ihr Erzählweise gefällt mir ausgesprochen gut. Man konnte die Stimmung in Lores Kindheit sehr gut nachfühlen, alles war sehr authentisch und greifbar dargestellt: Die bedrückende Enge des Dorfes und die patriarchalen Strukturen, die Allmacht des Großvaters und die Oberhand der Männer im Allgemeinen. Stellenweise war ich direkt in meine eigene Kindheit im Dorf zurückversetzt, in die typischen ländlichen Denkweisen und Regeln, weshalb mich das Buch vielleicht ganz besonders berührt und bewegt hat.
Ich bin restlos begeistert von diesem berührenden und eindrücklichen Roman.
Das ist schon jetzt eines meiner Jahres-Highlights!

"Lore sucht. Und sie wartet. Worauf? Dass der Großvater nach ihr ruft, wie er nach Samuel gerufen hat? Komm, hilf mir, Lore. Schlag einen Nagel ein. Schmirgle die Späne ab. Bring mir den Leim. Bauen wir das Kreuz. Wir. Und ich erzähle Dir, was vor neunundvierzig Jahren gewesen ist. Aber niemand ruft. Lore ist, als hätte sich eine Glaswand quer über die Wiese geschoben. Zwischen ihr und dem Großvater, ihr und dem Bruder, ihr und den Männern ist diese unsichtbare Wand und Lore kommt nicht durch, kann nur zusehen aus der Ferne, kann nur stehen und betrachten, kann nur warten."

"Fest steht, die Jungfrau Maria ist besonders für die Frauen da. Das sagt die Großmutter. Wenn eine Frau bete, dann müsse sie nicht sofort zum Chef, sprich Herrgott rennen. Außer es sei wirklich wichtig. Wenn es nur mittelwichtig sei, könne sie es fürs erste bei der Frau, der Himmelmutter versuchen. Die würde dann mit dem Mann, dem Himmelvater reden. Der Herrgott habe schließlich genug zu tun und wohl meistens Wichtiges."

"Lore schließt die Augen, wünscht sich, von der Musik verschluckt zu werden. Von einer Wand verschluckt zu werden. Von der Welt verschluckt zu werden oder vom All. Er kommt immer wieder, dieser Wunsch: Verschwinden. Du willst nichts werden. Du willst sein. Sein, wie du bist. Aber wie bist du? Du bist in dir gefangen. Du willst aus dir hinaus. Aber wo ist der Ausgang?"

"Lore bleibt einen Augenblick stehen, betrachtet das Großelternhaus von außen. Es steht hier, denkt sie, als wäre es schon immer hier gestanden, als würde es nicht zerfallen, als wäre die Mauer unzerstörbar. Aber ist es nicht viel mehr als eine Mauer, dieses Haus? Eine Mauer mit Fenstern, Balkon und einem Dach? Das Haus ist Vergangenheit, Erinnerung und Speicher, Hirn. Es ist: Alle Gedanken, die darin geschwebt sind, alle Sätze, die darin gesprochen wurden, gemurmelt, geflüstert oder verschwiegen, vergessen, nicht gesagt. Alle Berührungen, die darin stattgefunden oder nicht stattgefunden haben, alle Fingerzeige und Zärtlichkeiten. Gestik. Mimik. All das hat dich gemacht, denkt Lore. Aber wie genau geht es, dieses Gemachtwerden? Welche Sätze, Gedanken, Gesten, Fingerzeige und Zärtlichkeiten sind es gewesen, die sie geformt haben?"

„Du wirst dreißig, vierzig, fünfundvierzig und die Sehnsucht nach dem Meer bleibt. Die Sehnsucht nach dem Blau. Die Sehnsucht nach der Freiheit auch. Auch wenn du längst weißt, dass Freiheit eine Illusion ist, unmöglich, ohne in der Einsamkeit zu versinken. Und selbst wenn du dich für die Freiheit der Einsamkeit entscheiden würdest, hättest du deinen Körper, hättest du die Erde, die Wolken und den Himmel, von denen du abhängst. An die du gebunden bis, mit denen du verbunden bist. Auch wenn du längst weißt, das Blau gibt es nicht ohne das Schwarz.“

"Weil nichts ist, und alles wird. Weil alles ein ständiges Werden ist."

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Mit welchem Blick wollen wir uns sehen (und gesehen werden)?

Wie du mich ansiehst
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Ich habe schon einiges von Eva Lohmann gelesen, zuletzt begeisterte mich ihr wundervoller Roman „Das leise Platzen unserer Träume“. Umso mehr habe ich mich auf ihren neuen Roman „Wie du mich ansiehst“ ...

Ich habe schon einiges von Eva Lohmann gelesen, zuletzt begeisterte mich ihr wundervoller Roman „Das leise Platzen unserer Träume“. Umso mehr habe ich mich auf ihren neuen Roman „Wie du mich ansiehst“ gefreut.
Das Buch spricht auf sehr leichte und angenehm geschriebene Art mehrere wichtige Themen an: das Älterwerden, die „Schönheit“ (Schönheitsideale, Schönheitsindustrie, ...), Mutterschaft und anderes.
Johanna hat die Vierzig überschritten, ist Mutter einer fünfzehnjährigen Tochter. Und sie fühlt sich nicht mehr so wohl in ihrer Haut, fühlt sich nicht mehr attraktiv (genug), nicht mehr „gesehen“. Von ihrem Mann und von Männern im allgemeinen. Deshalb lässt sie sich in kleinen Dosen Botox und Hyaluron spritzen, doch dann lässt sie mehr machen und muss sich, als es (endlich) auch ihr Mann/andere sehen, rechtfertigen, weshalb sie dies tut. Am schwierigsten ist es, dies ihrer Tochter zu erklären, der sie doch immer sagte, das Aussehen sei nicht wichtig.
Zusätzlich muss Johanna noch den Tod ihres Vaters verkraften. Er hat ihr einen Garten hinterlassen, der nach einem Streit mit ihrem Mann zu ihrem Zufluchtsort wird.
Eva Lohmann ist eine sehr kluge Erzählerin, man findet sich in ihren Worten und Beschreibungen gut wieder. Es ist eher ein Buch der leisen Töne, aber ich fand es einfach wundervoll und klug geschrieben. Ein Aufruf, sich bedingungslos zu lieben und im Älterwerden auch etwas Positives zu sehen. Ganz klare Leseempfehlung von mir!

"Dann aber schärft sie ihren Blick und versucht, sich mit den Augen eines Fremden zu sehen. Mit den Augen eines Mannes. Sie betrachtet die kleinen Fältchen um ihre Augen. Die etwas größere Falte über der Nasenwurzel. Und dann ihr Gesicht im Ganzen.
Da ist etwas, dass ihr schon öfter aufgefallen ist in den letzten Monaten. An ihr selbst, an ihren Freundinnen, eigentlich grundsätzlich an Menschen, die die Vierzig überschritten haben. Sie sind immer noch dieselben, man altert nicht über Nacht, und trotzdem, da ist etwas in den Gesichtern, für das Johanna nur ein einziges Wort einfällt. Wir sind alle erschüttert, denkt sie."

„Schönsein ist absolut akzeptiert, Schönsein-wollen seltsamerweise nicht.“

"Diese ersten Zeichen der Alterung, die ihr Körper jetzt gerade aufzeigt, werden ihr in nicht allzu weiter Zukunft vollkommen belanglos vorkommen, mehr sogar: Es wird der Tag kommen, an dem sie sich wünschen wird, ihr einziges Problem wäre eine kleine Falte zwischen den Augen.
In diesem Moment, in diesem Wartezimmer wird es ihr bewusst: ihre Jugend rieselt ihr wie eine unwiederbringliche Ressource durch die Finger. Altern ist kein reversibler Zustand. Nicht wie ein Körper, der ab- und wieder zunimmt. Kein Glück, das mal mehr und mal weniger da ist. Keine Liebesgeschichte, die sich immer wieder erneuert. Beim Altern gibt es nur eine Richtung."

"Es macht sie wütend, dass Hendrik das nicht versteht. Dass er nicht weiß, wie es sich anfühlt, im Körper eines Mädchens aufzuwachsen. Diesen Körper beim Wachsen zuzusehen - und für diesen Körper beschämt zu werden, auf immer wieder neue Weise, von Männern jeglichen Alters. Beschämt, bewertet, beurteilt."

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Sehr wirr ... Nach dem großartigen "MTTR" leider für mich eine absolute Enttäuschung

delulu
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Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu bewerten.

Und ich muss vorab auch ausdrücklich betonen, dass ich den Debütroman "MTTR" von Julia Friese wirklich großartig fand, sprachlich ...

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu bewerten.

Und ich muss vorab auch ausdrücklich betonen, dass ich den Debütroman "MTTR" von Julia Friese wirklich großartig fand, sprachlich wie inhaltlich. Das ist ein ganz besonderes Buch, außergewöhnlicher Schreibstil, wirklich eine Leseempfehlung (wenn auch nicht ganz einfach zu lesen).

Daher war ich umso erfreuter, als ich von ihrer Neuveröffentlichung von "delulu. Der Roman" erfuhr. Leider muss ich sagen, dass ich schon lange nicht mehr so enttäuscht von einem Buch war, auf dessen Erscheinen ich mich gefreut hatte.

Erstmal zum Inhalt (den Klappentext kann ja jeder selbst nachlesen):
Es geht hier um Res (und das ist dann auch schon das einzige, was ich hier verstanden habe in diesem Buch), die ihr Idol Frances Scott trifft. Oder auch nicht. Oder es nur träumt.... das weiß die/der Leser*in nicht so ganz (ich jedenfalls nicht).

Ja, der Inhalt laut Klappentext klingt schon von vorneherein "speziell" und eher wild. Aber DARAUF war ich dann wohl doch nicht vorbereitet. Ich dachte einfach nur: What????
Ja, Julia Friese kann schreiben, sprachlich waren da schon ein paar interessante Sätze dabei.
Aber insgesamt habe ich mich einfach die ganze Zeit gefragt: Was will die Autorin mir sagen???

Vielleicht war es einfach nicht das richtige Buch für mich.
Ich habe nichts verstanden.
Mir hat dieses Buch schlicht und ergreifend überhaupt nicht zugesagt.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Sehr wirr ... Nach dem großartigen "MTTR" leider für mich eine absolute Enttäuschung

delulu
0

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu bewerten.

Und ich muss vorab auch ausdrücklich betonen, dass ich den Debütroman "MTTR" von Julia Friese wirklich großartig fand, sprachlich ...

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu bewerten.

Und ich muss vorab auch ausdrücklich betonen, dass ich den Debütroman "MTTR" von Julia Friese wirklich großartig fand, sprachlich wie inhaltlich. Das ist ein ganz besonderes Buch, außergewöhnlicher Schreibstil, wirklich eine Leseempfehlung (wenn auch nicht ganz einfach zu lesen).

Daher war ich umso erfreuter, als ich von ihrer Neuveröffentlichung von "delulu. Der Roman" erfuhr. Leider muss ich sagen, dass ich schon lange nicht mehr so enttäuscht von einem Buch war, auf dessen Erscheinen ich mich gefreut hatte.

Erstmal zum Inhalt (den Klappentext kann ja jeder selbst nachlesen):
Es geht hier um Res (und das ist dann auch schon das einzige, was ich hier verstanden habe in diesem Buch), die ihr Idol Frances Scott trifft. Oder auch nicht. Oder es nur träumt.... das weiß die/der Leser*in nicht so ganz (ich jedenfalls nicht).

Ja, der Inhalt laut Klappentext klingt schon von vorneherein "speziell" und eher wild. Aber DARAUF war ich dann wohl doch nicht vorbereitet. Ich dachte einfach nur: What????
Ja, Julia Friese kann schreiben, sprachlich waren da schon ein paar interessante Sätze dabei.
Aber insgesamt habe ich mich einfach die ganze Zeit gefragt: Was will die Autorin mir sagen???

Vielleicht war es einfach nicht das richtige Buch für mich.
Ich habe nichts verstanden.
Mir hat dieses Buch schlicht und ergreifend überhaupt nicht zugesagt.

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Sehr wirr ... Nach dem großartigen "MTTR" leider für mich eine absolute Enttäuschung

delulu
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Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu bewerten.

Und ich muss vorab auch ausdrücklich betonen, dass ich den Debütroman "MTTR" von Julia Friese wirklich großartig fand, sprachlich ...

Es ist mir schon lange nicht mehr so schwer gefallen ein Buch zu bewerten.

Und ich muss vorab auch ausdrücklich betonen, dass ich den Debütroman "MTTR" von Julia Friese wirklich großartig fand, sprachlich wie inhaltlich. Das ist ein ganz besonderes Buch, außergewöhnlicher Schreibstil, wirklich eine Leseempfehlung (wenn auch nicht ganz einfach zu lesen).

Daher war ich umso erfreuter, als ich von ihrer Neuveröffentlichung von "delulu. Der Roman" erfuhr. Leider muss ich sagen, dass ich schon lange nicht mehr so enttäuscht von einem Buch war, auf dessen Erscheinen ich mich gefreut hatte.

Erstmal zum Inhalt (den Klappentext kann ja jeder selbst nachlesen):
Es geht hier um Res (und das ist dann auch schon das einzige, was ich hier verstanden habe in diesem Buch), die ihr Idol Frances Scott trifft. Oder auch nicht. Oder es nur träumt.... das weiß die/der Leser*in nicht so ganz (ich jedenfalls nicht).

Ja, der Inhalt laut Klappentext klingt schon von vorneherein "speziell" und eher wild. Aber DARAUF war ich dann wohl doch nicht vorbereitet. Ich dachte einfach nur: What????
Ja, Julia Friese kann schreiben, sprachlich waren da schon ein paar interessante Sätze dabei.
Aber insgesamt habe ich mich einfach die ganze Zeit gefragt: Was will die Autorin mir sagen???

Vielleicht war es einfach nicht das richtige Buch für mich.
Ich habe nichts verstanden.
Mir hat dieses Buch schlicht und ergreifend überhaupt nicht zugesagt.

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