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Veröffentlicht am 22.08.2025

Anna Freud zwischen Lern- und Lehranalyse

Ich bin Anna
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Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ...

Auf zwei Erzählebenen geht es um Sigmund Freud und seiner jüngsten Tochter Anna, jeweils als Ich-Erzähler. Im Alter von 84 Jahren, 1980 wohnhaft in London, beschreibt zunächst Anna rückblickend ihr Leben ab 1917 in Wien, ihre Tätigkeiten für die psychoanalytische Vereinigung und ihre Entwicklung zur Psychoanalytikerin. Über eine (fiktive) Lernanalyse bei ihrem Vater gelangt sie zur Lehranalyse. Neben biographischen Fakten geht es bei dem fiktiven Protagonisten Stadlober um dessen Ödipuskomplex und um „Eros" und „Thanatos“. Anna, voller Loyalität zur Familie, sieht sich selbst als Antigone, als mythische Figur neben der starken Vaterfigur Ödipus.
Die Zuordnung der meist kapitelweise wechselnden Ich-Perspektive von Anna und ihrem Übervater ist nicht immer sofort machbar, auch aufgrund gleichen Schreib- und Wortschatzstils, den Gedankenfluss lähmend. Teils fiktiv, teils biographisch, ist die Idee der Lernanalyse kreativ. Über Annas Biographie nach 1938 in London etc. zu lesen, wäre auch interessant gewesen.
Insgesamt wirkt der Roman eher schleppend im Schreibstil.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Südfrankreich mit Urlaubsfeeling.

Die Farbe des Feuers
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Das Cover zeigt die bittere Orange, Symbol der Ewigkeit – Gegenstand in diesem Roman.
Die Szenerien spielen auf zwei Erzählebenen: Der marokkanische Gärtner und Muslim Abd-Sami al Wafi, 50, arbeitet 2019 ...

Das Cover zeigt die bittere Orange, Symbol der Ewigkeit – Gegenstand in diesem Roman.
Die Szenerien spielen auf zwei Erzählebenen: Der marokkanische Gärtner und Muslim Abd-Sami al Wafi, 50, arbeitet 2019 nur vertretungsweise für eine Woche mit am Gerüst der renovierungsbedürftigen Kathedrale Notre-Dame in Paris. Ansonsten hütet er ganzjährig den Orangenhain und die kostbare Sammlung seltener Zitrusbäume der Familie Bächle. Südlich von Montpellier in der Garrigue, Südfrankreich geht es auf dem Anwesen der schwäbischen Industriellenfamilie Heinz und Ira Bächle um die Hochzeitsvorbereitungen der fast vierzig jährigen Tochter Rebecca, die in ihrer flatterhaften Wohlstandsleere den adeligen, ungeliebten Künstler Gabriel heiratet und sie der langjährigen lesbischen Beziehung zur Journalistin Swann wenig nachhängt. Sie, auch einziges, adeliges Kind der Achalm trauert jedoch dieser innigen, liebevollen Freundschaft mit Rebecca nach. Thematisiert werden teils sarkastisch die Praktiken des Adels auf der Suche nach guten Partien oder Instagram-Accounts mit Selfies und Bildern als offen dargestellte Einsamkeit und Sinnentleertheit. Aber auch die Einstellung zu Ehe, zu Rassismus, zu Misstrauen und Hochmut der Christen gegenüber den Muslimen scheinheiliger katholischer Geistlicher wie auch innerhalb der Familienmitglieder der Familie Bächle wird angerissen. Detailliert werden der Palmsonntag-Gottesdienst, ein Stierkampf in Arles und die verbotene Prozedur um den Zugvogel Ortolan beschrieben. Die Charakterzüge der Romanfiguren verweisen auf künstlerisch verschwurbelte Gedankengänge, reichen über streithafte und islamfeindliche bis zu philosophische, seelisch kranke Anwandlungen. Der ausladende Schreibstil vermittelt einfühlsam den Verlust ehrlicher Bindungen mit nachfolgender Vereinsamung.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Eine tragische Entwicklungsgeschichte in spannendem, einfühlsamem Schreibstil.

Sag mir, was ich bin
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In vier Teilen auf zwei Erzählebenen entwickelt sich eine brillant konstruierte Kriminalgeschichte über eine toxische Familienkonstellation. Die Szenerien spielen in Philadelphia, Pennsylvania und auf ...

In vier Teilen auf zwei Erzählebenen entwickelt sich eine brillant konstruierte Kriminalgeschichte über eine toxische Familienkonstellation. Die Szenerien spielen in Philadelphia, Pennsylvania und auf einer Insel im Lake Champlain, Vermont.
Zunächst beginnt der Roman mit einem kurzen Telefonat im Mai 2018 zwischen Ruby Chevalier, 18, in Vermont und ihrer Tante Nessa Garvey in Philadelphia. Der kontrollmäßig auftretende, strenge Vater Lucas Chevalier sorgt durchgehend für ein ungemütliches, beklemmendes Ambiente. Zeitlich nicht chronologisch angeordnet entwickelt sich im Verlauf von zwanzig Jahren um das rätselhafte Verschwinden von Rubys Mutter Deena ein psychologisch straff verdichteter Krimi. Um seltsame Machenschaften und Manipulationen des Vaters und um Nessa´s unentwegte Bemühungen um Aufklärung dieses Vermisstenfalles geht es während dieses langen Zeitraumes. Beide Erzählebenen aus der Perspektive dieser zwei Frauen Ruby und Nessa, mit all ihren unkoordinierten Erinnerungen rund um die Familien, treffen sich im Jahr 2018. Thematisiert werden hauptsächlich männliche häusliche Gewalt und Manipulation bis zur ultimativen Überwachung und Bevormundung.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Der gelungene Auftakt einer Trilogie

Willkommen auf Tuga
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Das Cover, farblich und bildlich eine Südseeidylle repräsentierend, versetzt den Leser leicht in Urlaubsstimmung. Diese tropische Szenerie im Südpazifik wirkt während der Hurrikan-Saison bedrohlich. Wetterbedingt ...

Das Cover, farblich und bildlich eine Südseeidylle repräsentierend, versetzt den Leser leicht in Urlaubsstimmung. Diese tropische Szenerie im Südpazifik wirkt während der Hurrikan-Saison bedrohlich. Wetterbedingt kann der Hafen dann nur saisonbedingt angesteuert werden, was gewissen Einfluss auf das Inselleben hat. Wie sich das Miteinander dortiger Bewohner, einer Mischung diverser Ethnien, abspielt, wird anschaulich beschrieben. In ihrer Abgeschiedenheit und monatelanger Abstinenz von der Außenwelt liegt ihr Fokus auf einem reibungslosen Miteinander, jeder mit all seinen Fähigkeiten. Die Hauptprotagonistin Charlotte Walker, introvertierte Wissenschaftlerin und Tierärztin aus London, plant nicht nur die Erforschung einer seltenen Schildkrötenart einschließlich ihrer Bedeutung für das dortige Ökosystem, für Mensch, Fauna und Flora, sondern sucht auch nach ihrem Vater. Als Tierärztin unterwegs auf der Insel, trifft sie nicht nur auf der Schiffsreise auf Dan, einem gebürtigen Inselbewohner, Mediziner. Die Irrungen und Verwirrungen rund um ihre Liebesgeschichte werden eingerahmt durch das liebenswerte Agieren mehrerer Nebenfiguren, meist sympathisch beschrieben in ihrer Eigenart mit all ihren Geheimnissen.

Nach diesem unterhaltsamen Roman erhofft man sich, mehr über Charlottes Forschungsergebnisse und Vaterfigur, über medizinische Nachsorgeprogramme und über das liebevolle Miteinander der Inselbewohner zu lesen.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Originelles Setting, enttäuschender Schreibstil.

Schlaglicht
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Der 12. jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Frauen U19, 14. – 15. Juli 2020. Die ungewöhnliche Szenerie rund um Bobs schäbigem, abgehalftertem Boxpalast in Reno, Nevada, mit acht boxenden Mädchen zwischen ...

Der 12. jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Frauen U19, 14. – 15. Juli 2020. Die ungewöhnliche Szenerie rund um Bobs schäbigem, abgehalftertem Boxpalast in Reno, Nevada, mit acht boxenden Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren ist zunächst interessant. Der deutsche Buchtitel „Schlaglicht“ ist treffender gewählt als der englische Originaltitel „Headshot“, wirft dieser Roman doch sowohl Licht auf Kampfszenen und diverse Techniken, als auch Licht auf seelische Prädispositionen der beteiligten Charakteren. Während zahlreicher Boxrunden vermitteln innere Monologe oder Ticks der Sportlerinnen mehr über deren Ängste, Lebensziele und Traumata. Gesellschaftskritische Themen werden angerissen: z.B. Artemis Victor vs. Andi Taylor „sind gesetzlich gesehen beide noch Kinder. In fast allen der fünfzig Staaten dürfen sie weder ins Militär, noch Alkohol trinken, noch ohne die Zustimmung eines Vormunds eine Abtreibung vornehmen. Und doch befiehlt dieser Sport, diese Simulation des Tötens, dass Andi und Artemis sich nicht als Kinder verstehen, sondern als junge Menschen, die die Macht darüber haben, ihr Schicksal und ihre Siege selbst zu bestimmen.“ Auch Sexismus im Sport wird aufgegriffen: z.B. nur wenige Zuschauer, nur männliche Trainer und Judges. Der bildhafte Schreibstil als Stilmittel gefällt, aber durch zu häufige Wiederholungen von „denkt Rachel“ oder „wie … aussieht“, Bratwurstbeine, Kalbsfleischbeine und Ähnlichem verliert der Inhalt an Dynamik. Dass das typische exaltierte, teenagerhafte Verhalten, so ganz ohne Verliebtheit um Jungen, ohne offene Anfeindungen untereinander auskommt, wirkt etwas unrealistisch.

Insgesamt interessante Charakterisierungen in amerikanischem Boxkampfambiente, jedoch behaftet mit Schreibstilmängeln.

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